Buchkritik: „Antonio Salieri – Die unsichtbare Präsenz“, Matthias Kadar

Gleichermaßen als Wissenschaftler wie als Fan nähert sich Matthias Kadar dem Sujets seines Buchs Antonio Salieri-Die unsichtbare Präsenz, als Fan, da sowohl auf dem Titelbild, und zwar mit der Kennzeichnung als Hommage, als auch auf der Rückseite mit einem „Mit diesem Buch möchte ich ihm dafür danken“, ausdrücklich auf die verehrende Haltung gegenüber dem Sujet hingewiesen wird.

Ungefähr hundert Seiten umfassen die Ausführungen vor allem über zwei Themen: über den Lehrer Salieri und über dessen „Leben als Komponist“ und die Rolle der Religion zu Salieris Zeit, ein Thema, das allein sicherlich mehrere Konvolute füllen könnte. Von diesem Kapitel werden allerdings allein zwölf Seiten einem Überblick über die Lebensdaten des Komponisten ziemlich unverhofft gewidmet. Eine Anekdotensammlung, „von und über Antonio Salieri“ schließt sich an, ehe sich der Autor einem Werkverzeichnis widmet, wobei die Übertitelung mit „von Salieri“ erst einmal offen lässt, ob dasselbe von Salieri stammt oder vom Autor des Buches. „Nachträgliche Überlegungen“ umfassen so unterschiedliche Themen wie Schüler, Freunde, religiöse Werke Salieris und die Frage, warum dem Musiker bis heute Unrecht getan wird, seine Werke nicht mehr aufgeführt werden. Beim Lesen gewinnt der sich mit dem Buch Beschäftigende immer mehr den Eindruck, dass dieses ein einziges Plädoyer für den tatsächlich und nicht zuletzt von Berufskollegen in Verruf Gebrachten ist, welcher noch dazu dadurch verstärkt wird, dass sich drei musikalische Widmungen, darunter eine des Autors selbst anschließen. Während er sich Goethes Wandrers Nachtlied III zur Vertonung ausgesucht hat, wählten Anselm Hüttenbrenner einen Marche Funèbre und Timo Jouko Herrmann Salieris Beim Gesang der Vögel in einer schönen Gegend, womit immerhin ein Bezug zum Komponisten hergestellt ist.

Das Buch kann nicht den Anspruch erheben, den Komponisten, Lehrer, Freund und Förderer vieler Musikerkollegen umfassend darzustellen, vereint in sich aber einige interessante Aspekte zu Leben und Werk des immer noch unter dem Verdikt von Kollegen wie Rimski-Korsakow Leidenden zu vermitteln. Dabei sind die Anekdoten nicht nur der unterhaltsamste, sondern auch der vielseitigste Teil des Buches, vereinen sie doch Aussagen des Komponisten mit solchen seiner engsten Weggefährten. Hervorzuheben ist dabei der Bericht Salieris über seine Brautwerbung, in die sogar der Kaiser involviert war, aber auch aus späterer Zeit, als die Ehe bereits mit sieben lebenden Kindern, davon sechs Töchtern, gesegnet war. „Ich bin der olle Salieri“ stammt aus dem Mund desselben, so wie die Geschichte vom Sprung ins Spinett, das endlich ausgemustert werden sollte, oder die vom Eber, der den Komponisten unter Zurücklassung einer Flasche Rheinweins zur Flucht von den Donauwiesen zwang.

Dem Anekdotenteil schließt sich ein umfangreiches Werkverzeichnis an, diesem ein knappes bis sehr knappes Erwähnen tatsächlicher und etwaiger Schüler Salieris und der gewagte Vergleich zwischen van Goghs Malerei und Salieris Musik in Bezug auf deren beider sich in ihren Werken äußernder Gläubigkeit. Die Frage nach den Gründen für das Verschwinden von Salieris Werken aus Opernhäusern und Konzertsälen sowie die immer noch verbreitete Ansicht, er habe Kollegen Übles gewollt, führt der Autor auf seine Internationalität zurück. Da ist nach seiner Ansicht einiges gutzumachen.

Das Buch schließt mit einer Danksagung, einem Quellen- und Abbildungsverzeichnis und der bereits erwähnten Biographie des Autors.

Ingrid Wanja, 22. Dezember 2025


Antonio Salieri – Die unsichtbare Präsenz
Eine Hommage von Matthias Kadar

Ries & Erler 2025
172 Seiten
ISBN 978 3 87676 046 9