Opernball und „Bubble“
Zu den neuen Modeworten à la „Framing“ und dergleichen gehört auch „Bubble“, also die „Blase“. Und dass es Menschen gibt, die sich nur innerhalb ihrer „Blase“ bewegen und überhaupt nicht wissen, wie es „draußen“ aussieht, ist zweifellos ein Faktum. (Dazu gehören unbedingt viele Politiker, die sich von ihren hoch bezahlten Untergebenen mit Lob einlullen lassen und keine Ahnung haben, wie es dem gewöhnlichen Wahl-Volk mit seinen Problemen geht, die Menschen, die sie gnadenlos und gewissenlos auspressen – und ihre Opernball-Logen zahlen lassen. Steuergeld!)
Hier geht es im Bubble-Zusammenhang um „Stars“. Offenbar gibt es unter ihnen solche, für die normale Menschen nur Statisterie sind. Ein Star wie Sharon Stone ist offenbar gewöhnt, dass sich die Menschenmassen teilen, wenn sie kommt, bewundernd (möglicherweise mit Hofknicks) und demütig an der Seite stehen, während sie huldvoll und unberührbar entlang schreitet. Wenn Sharon Stone, der meistbesprochene Stargast des Wiener Opernballs 2026 (einst tatsächlich ein Weltstar, der man vor gut dreißig Jahren in „Basic Instinct“ zwischen die Beine schauen durfte), Menschenmassen sieht, reagiert sie nicht wie ein normaler intelligenter Mensch und meistert die Situation (was soll man sonst tun), sondern läuft davon. Und kehrt dann nur zurück, weil sie (wie Wolfgang Fellner erzählte, denn meine Informationen stammen von oe24, weil ich den ORF nicht aushalte) sonst ihre 60.000 Dollar Gage nicht erhalten hätte…
Im Übrigen habe ich selten ein lächerlicheres Outfit gesehen wie ihres – der Rock, den sie trug (mit ein paar Klimt-Ornamenten) mag von „Valentino“ gewesen sein, tatsächlich würde man so einen Fetzen nur aus dem Kasten nehmen, wenn man auf die Schnelle nichts anderes findet. Und darüber ein schäbiger schwarzer Rollkragenpullover, wie ich ihn gerade als Unterzieher unter eine Weste hernehme. So geht man zum Opernball? Was glaubt sie, was das für ein Ereignis ist, wenn man ihr ein Vermögen für ihr Erscheinen zahlt? Das ist ihr kein Abendkleid wert, von denen sie aus besseren Zeiten noch Dutzende im Schrank haben müsste?
(Unterboten hat ein solches Kleidungs-Eklat einst nur Simon Keenlyside, als er zu seiner Kammersänger-Verleihung in der Staatsoper in Jeans und einem T-Shirt kam, während seine begleitenden Kollegen – u.a. Bryn Terfel – für den Anlass entsprechend gekleidet waren…)
Nicht alle, die in ihren bewusstseinsverändernden Blasen leben, haben so den Verstand verloren wie die peinliche Sharon Stone. Ich gebe jetzt gleich zu, dass ich den Namen Fran Drescher vor dem Opernball noch nie gehört hatte (und lachte, dass nicht mehr junge Herren bewundernd „Nanny!“ flüsterten) – aber offenbar wusste diese Berühmtheit, wie sie sich zu verhalten hat (abgesehen davon, dass ich nur in einem schwarzen Hosenanzug zu einem Ball ginge, wenn ich ein lesbisches Statement setzen wollte – keine Ahnung, ob das der Fall war). Übrigens gab es unter den allgemein bewunderten Abendkleidern wenige, die mir persönlich wirklich gefallen haben…
Ich weiß nicht, wer für diesen Opernball den Begriff „Trash“ gefunden hat, aber er scheint mir sehr passend für diese Schar von „Stars“, die in ihren Sozialen Medien-Bubbles leben, mit den angeblich Hunderttausenden von „Followern“, die allerdings kein Mensch, der Besseres zu tun hat, kennt.
Das Chaos auf der Feststiege, das allseits bemängelt wird, scheint symptomatisch: Der Opernball hat seine Würde verloren. Zumal wenn etwa eine Anna Netrebko eine kaum beachtete Nebenrolle spielte… Opernball?
Renate Wagner 19. Februar 2026