Bewährte Tradition in heikler Zeit
Mit der bitteren Spar-Pille, die auch die Komische Oper Berlin schlucken muss, soll die Spielplan-Vorschau begonnen werden: Es gibt zum ersten Mal seit langer Zeit keine Kinderopern-Premiere, geschweige denn eine Uraufführung einer solchen. Trotzdem wird das Haus seine jungen Besucher mit 35 Vorstellungen mit Stücken, die in den vergangenen Spielzeiten Premiere hatten, verwöhnen.

Traditionell, das kann man nach drei erfolgreichen Versuchen mit Das Floß der Medusa, Messias und Jesus Christ Superstar sagen, wird die Spielzeit am 16. September 2026 im Hangar 4 des einstigen Flughafens Tempelhof eröffnet, und zwar mit Reimanns König Lear in der Regie von Barrie Kosky und mit der Stabführung von Nicholas Carter.
Am 21. November 2026 hat Puccinis Madama Butterfly in der Regie von Andrea Breth, die bereits in Aix-en-Provence und in Lyon zu sehen war, Premiere. Es dirigiert Yi-Chen Lin.
Am 20. Dezember gibt es wie jedes Jahr eine halbszenische Aufführung, und zwar von Gerhard Kneifels Bretter, die die Welt bedeuten, womit gleichzeitig die Aufführung eines Stücks der leichten DDR-Muse abgedeckt ist. Wie bereits beim letzten Mal hat Kai Tietje die musikalische Leitung.
Das Jahr 2027 beginnt für die Komische Oper mit Szymanowskis Oper Król Roger, Regie führt Evgeny Titov, am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor James Gaffigan.
Anspielungsreich ist der Titel Cast a Diva, der Dagmar Manzel, primadonna assoluta der Komischen Oper, gewidmet ist. Es handelt sich um ein Songspiel von Liro Rautald, der auch das Orchester leiten wird.
Zum Saisonabschluss wird Gershwins Porgy and Bess aufgeführt, ein Stück, das Barrie Kosky sich seit langem gewünscht hat und für das James Gaffigan am Dirigentenpult stehen wird.
Das Repertoire wird mit Eugen Onegin, Pippi Langstrumpf, Hänsel und Gretel, Glass‘ Echnaton, Anatevka, Grönemeyers Pferd frisst Hut, Semele, Goldener Hahn, Konrad oder das Kind aus der Konservendose, Sweeney Todd und Zauberflöte vertreten sein.
Neben den Aufführungen auf der Bühne des Schillertheaters gibt es Konzerte im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, das internationale Projekt Sesam opera und das namens Jung-für alle!
Ingrid Wanja, 15. April 2026