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BASEL BALLETT

 

 

Lautstärke stört den optischen Eindruck eines gut choreografierten Balletts!

COW 

Premiere: 15. November 2019

 

Beim Besuch einer Disco oder eines Rockkonzertes stelle ich mich auf extreme Lautstärken ein und bin dann eher überrascht, wenn die gefühlte Lautheit nicht den Erwartungen entspricht, die Lautstärke eher tiefer ist.

Wenn ich im Theater in einen Ballett-Abend besuche, sind meine Erwartungen anders. Ich stelle mich auf angenehmere Pegel ein, um das Geschehen auf der Bühne zu verfolgen.

Gestern Abend jedoch, im Theater Basel anlässlich Premiere des Balletts "COW", Choreografie von Alexander Ekman, wurde meine Erwartungshaltung schwer enttäuscht. Wahrscheinlich auf Ansuchen des Choreografen und/oder des Komponisten wurde die Lautstärke auf die gesetzlich höchstmöglichen werte eingepegelt.

Aus diesem Grunde wummerte die Musik des Komponisten Mikael Karlsson mit einer Lautstärke daher, welche es verunmöglichte, die Arbeit der Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne zu geniessen. Ich habe Rockmusicals UND Rockkonzerte besucht, Rockfilme angeschaut, zuletzt "BOHEMIAN RHAPSODY", mit Musik von QUEEN, nirgends war die Lautstärke so hoch wie gestern im Theater Basel.

Auf Anfrage teilte man mir mit, dass die gesetzlichen Vorschriften, betreffend der Lautstärken- eingehalten werden. Nun sind diese Vorschriften Obergrenzen welche vor allem Ohrschäden verhindern sollten, also rein objektive Messwerte. Dazu kommt, dass diese Messwerte die Dauer der Belastung beinhalten. Diese Dauer war gestern natürlich nicht sehr lang, aber gefühlt zu lang! (DIN Norm 15905-5 Schutz des Publikums)

Das subjektive Lautheitsempfinden jedoch ist für jeden Menschen individuell. Ich bin, als ehemaliger Toningenieur, an Lautstärken gewohnt und kann sehr wohl beurteilen, wie störend Lautstärke sein kann. Gestern störte sie! Wenn mir während 10 Minuten eine hohe Lautstärke vorgesetzt wird, ist das zu lang, auch wenn dann eine Szene mit angenehmen Pegeln folgt. Szene "REGELN" war OK, Szene "GAMUT" zu laut, Szene "STIERE" (Pas de trois) angenehm, Szene "STAMPEDE" zu laut.

Ich weiss nicht, wer für die exzessive Lautstärke verantwortlich war, es interessiert mich auch nur am Rande. Für Theaterbesucher, Ballettbesucher wurde auf jeden Fall die Grenze des Üblichen überschritten.

In der Hälfte der dritten (Gamut) Szene hatte ich genug Gewummer und verliess den Zuschauerraum. Schade! Eigentlich wäre ich an der Choreografie von Ekman interessiert gewesen. Was ich von der Arbeit des Balletts Basel gesehen habe, war sehr ansprechend. Aber eben: Nach den ersten 30 Minuten war für mich die Lautstärke nicht mehr erträglich. Ich verliess den Zuschauerraum!

Als positives Beispiel für die vernünftige Einspielung ab Tonträger möchte ich das Ballett "DER UNERWARTETE GAST" von Estefania Miranda im KONZERTTHEATER BERN erwähnen. Auch dort wurde moderne, sehr basslastige Rockmusik verwendet, komponiert von Jorg Schellekens. Die Lautstärke war sehr angenehm, trotz genügendem Schalldruck.

 

Peter Heuberger, 26.11.2019

© Lucia Hunziker

 

P.S.

Kritik der Dresdener Erstpremiere

 

THE COMEDY OF ERROR (Z)  

Auftragswerk/UA
Komposition: Antony Genn und Martin Slattery  
Premiere 3. Mai 2019

besuchte Aufführung: 29. Mai 2019

 

Nach den Handlungs-Balletten TEWJE, ROBIN HOOD und TOD IN VENEDIG zeigt das Theater Basel auf der grossen Bühne das neueste Werk von Richard Wherlock:

THE COMEDY OF ERROR (Z)    Ballett nach William Shakespeare

Die Musik liess Wherlock als Auftragswerk von den britischen Musikern Antony Genn und Martin Slattery komponieren. Ihre Komposition ist eine hervorragende Synthese zwischen Rockmusik und Klassik, zwischen Romantik und Minimal Music. Cluster wie bei Philip Glass werden eingesetzt, dann wiederum harte Beats und Perkussion. Dazu immer wieder die Instrumente aus der klassischen Musik. Aus dieser Mischung resultiert ein Sparten übergreifendes musikalisches Werk:
Rockband verstärkt mit Sinfonieorchester? Sinfonieorchester verstärkt durch Rockband?

So genau ist dies nicht zu definieren. Unter der Stabführung von Thomas Herzog musizierten im Orchestergraben das Sinfonieorchester Basel (SOB) und die britischen Musiker Antony Genn, Martin Slattery und Johnny Tomlinson. Und für einmal hörten die zahlreich erschienen Ballettfreunde das Sinfonieorchester elektronisch verstärkt über Lautsprecher.
Dazu ist anzumerken, dass das Team von Tonmeister Robert Herrmann, Cornelius Bohn, Christof Stürchler und Denim Szram, eine herausragende Arbeit lieferte. Nie zu laut, nie zu leise und professionell abgemischt. So darf im Theater elektronische Verstärkung eingesetzt werden!

Es ist immer wieder eine Freude, die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Theater Basel auf der Bühne zu sehen. Ihre Arbeit zeugt von einem intensiven täglichen Training, einem hervorragenden Einfühlen in die Intentionen des Choreografen/Regisseurs und einer professionellen Auffassung ihrer Kunst, ihrer Performance vor dem Publikum. Es wäre vermessen, einzelne Tänzerinnen, einzelne Tänzer speziell hervorzuheben. Alle KünstlerInnen auf der Bühne tragen zum Gelingen das ihrige bei, keine mehr, keine weniger. Nur das gesamte Team kann eine derartig hochkarätige Produktion zum Leben erwecken, dem Publikum näher bringen. Daher ein lautes, gross geschriebenes: "BRAVI" !

Die Bühne wurde von Bruce French entworfen und stellt prinzipiell ein griechisches Amphitheater dar. French hat in Basel schon einige Bühnen gebaut, darunter auch die Bühnenaufbauten für die Ballette Tewje, Robin Hood und Tod in Venedig. Der Aufbau für Error wurde vom Choreografen bis zuoberst ausgenützt für kleine Feinheiten in der Regie und der Lichtführung.
Und diese Lichtführung hat es in sich: Entworfen wurde sie vom israelischen Lichtdesigner Yaron Abulafia. Sparsam war dieser Entwurf nicht, aber die Wirkung war, zusammen mit der Musik und der Arbeit der Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne überwältigend. Ausgefeilt bis ins letzte Detail begreift man, dass Abulafia international über zweihundert Produktionen weltweit beleuchtet hat.

Die Kostüme wurden von der Engländerin Catherine Brickhill gezeichnet. Diese sind modern, aber dennoch irgendwie zeitlos im Stil und könnten auch im antiken Griechenland so getragen worden sein. Es ist dies nach über zwanzig Jahren in der Modebranche ihre erste Arbeit als Kostümbildnerin. Die Dramaturgie, bei dieser Produktion keine leichte Sache, besorgten Gregor Acuña-Pohl und Bettina Fischer.
Das begeisterte Publikum belohnte die Arbeit der Tänzerinnen und Tänzer, der Musiker und des Dirigenten mit langanhaltendem stürmischem Applaus.

 

Peter Heuberger 30.5.2019

 

 

TOD IN VENEDIG

Premiere: 13. April 2018

 

Nach „TEWJE“ und „ROBIN HOOD“ choreographiert/inszeniert Richard Wherlock „TOD IN VENEDIG“ nach Thomas Mann.

Als Vorbild für die Beschreibung der Figur Aschenbachs diente Mann der Komponist und Wiener Opernintendant Gustav Mahler. In Wherlocks Ballett ist Gustav von Aschenbach, wunderbar getanzt von Javier Rodriguez Cobos, Fotograf, ein Fotograf welcher schlussendlich müde und degoutiert vom ewig Schönen nach Venedig zieht.

>Wie bei Mann treffen auch in diesem Ballett unüberwindbare Gegensätze aufeinander. Fasziniert beobachten wir den rational agierenden und nach Perfektion strebenden Gustav Aschenbach, der auf eine emotionale Welt trifft, die ihn magisch anzieht: Tod und Begehren, Schönheit und Verfall, Nüchternheit und Verzückung liegen dicht beieinander und bilden für diese choreografische Umsetzung des Stoffes die Matrix< (© Theater Basel Programmheft)

Der Fremde, meisterhaft dargestellt von Frank Fannar Pedersen, ist mehr als nur Begleiter, er ist sicher kein Engel, sondern die Personifizierung der allegorischen Figuren wie des Todesboten (Thanatos), des Fährmanns über den Styx in den Hades (Charon), des Reisens, des Genusses (Dionysos). Wherlock hat die Mythologie gerade dieser Figur sehr genau studiert. In der Basler Choreografie ist der Fremde nicht richtig fassbar, nicht abschliessend definierbar, unwirklich.

In der Musik von Dmitri Schostakowitsch fühlt man das Sehnen Aschenbachs, seine wachsende Abscheu gegen die Zwänge der modernen, schönheitsgeilen Zivilisation. Dies trotz der Obsession Aschenbachs in Venedig für den jungen, schönen Tadzio, getanzt von Anthony Ramiandrisoa, trotz seinem schlussendlichen Sehnen nach dem wieder Jungsein, der Angst vor dem Alter. Seine Angst vor dem Alter, auch sein Ekel vor sich selbst, seiner Obsession gipfelt im Tod Aschenbachs, nicht an der Cholera, sondern im Wasser, dem Urquell des Lebens.

Richard Wherlock hat die Musik hervorragend ausgewählt. Sie unterstreicht, begleitet und verstärkt die im Tanz dargestellten Emotionen, die Geschichte Gustav von Auerbachs. Unter der Stabführung von Thomas Herzog interpretiert das Sinfonieorchester Basel (SOB) die ausgewählten Musikstücke meisterhaft, kein Bruch in der Melodieführung, in der Musikalität ist zu spüren, zu hören.

Für das ansprechende Bühnenbild zuständig ist Bruce French. Dabei auffallend die Projektionsfläche für die Videoeinspielungen, welche an Strandkörbe ebenso erinnern wie an die immerwährende Meeresbrandung.

Eine spezielle Erwähnung bedarf die Schweizer Videografin, Tabea Rothfuchs. Ihre Arbeit zeugt von einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen in die Ausdrucksform Ballett. Subtil unterstreicht ihr Werk die Choreografie, die zu erzählende Geschichte ohne sich je in den Vordergrund zu drängen, den Tanz zu stören.

Für mich wird die Geschichte, welche Mann schrieb, durch die Inszenierung auf eine moderne zwingend logische Weise erzählt. Wichtig sind die „Pas de Deux“ mit Cobos und Pedersen, ebenso die Arbeit von Cobos, Pedersen und Max Zachrisson, dem Assistenten Aschenbachs, zu Zweien und zu Dreien. Dabei ist anzumerken, dass keine der Solotänzerinnen, keiner der Solotänzer in ihrer/seiner Performance abfällt. Alle meistern ihren Part bravourös, professionell mit viel Emotion und auch Humor. Auch kleinere Rollen wie die Assistentinnen des Stylisten Lisa Horten-Skilbrei, Marina Sanchez Garrigòs und Sidney Elizabeth Turtschi waren hervorragend besetzt. Der Stylist, Sergio Bustinduy tanzte seine Rolle mit hörbarem Spass. Dies gilt für das gesamte Ballett Theater Basel, welches in Tod in Venedig in diversen Rollen zu sehen, zu bewundern war. Der verdiente, lang anhaltende Schlussapplaus des zahlreich erschienen Premierenpublikums galt allen Beteiligten.

 

Peter Heuberger 14.4.2019

 

 

Ballett von Johan Inger

CARMEN

Premiere: 15. November 2018

 

Dazu der schwedische Choreograph Johan Inger: In meinem Ballett steht nicht allein die weibliche Hauptfigur Carmen im Mittelpunkt der Geschichte. Wie in Prosper Mérimées Original konzentriert sich das Stück auf Don Josés Liebeskummer. Er ist unfähig, den Freiheitsdrang seiner Geliebten zu ertragen und wird getrieben von blinder Leidenschaft und zermürbenden Rachegelüsten.

Interessant für mich waren die dramaturgischen Anspielungen Ingers auf Amor Brujo. Vor allem die Todesboten in schwarz aus der Geisterwelt weisen auf das Ballett von Manuel de Falla hin. Sie erscheinen immer wenn das schlechte Gewissen und die Eifersucht bei Don José überhand nehmen. Dieses Element fehlt im Original von Bizet, da dort vor allem die starke Frau, Carmen, dargestellt wird. Dazu kommt, dass Johan Inger die Wichtigkeit der kurzen Pausen kennt und diese in seiner Choreografie gekonnt einsetzt.

Immer wieder gibt es einen kurzen Stillstand in der Handlung, um die dramaturgischen Effekte zu verstärken. Diese dramaturgischen Verstärkungen hat der Cho-reograf schon in seiner letzten Basler Inszenierung Per Gynt eingesetzt. Auch die Rolle des Beobachters, dargestellt durch ein Kind, vor dem Mord an Zuñiga in weissem Kostüm, nach dem Verbrechen ganz in Schwarz, fehlt im Original von Bizet.

Dazu Inger: Eine Annäherung an das Thema wollte ich mithilfe einer reinen, unberührten Sichtweise zugänglich machen: der eines Kindes. Es ist eine Figur, die uns dazu bringen soll, einer-seits das Geschehen mit unschuldigem Blick zu beobachten, die uns andererseits aber auch dazu zwingt, Zeuge davon zu werden, was die Gewalt wiederum mit diesem Kind macht.

 

Johan Inger versteht es, in seinen Choreografien Geschichten verständlich und überzeugend zu visualisieren.

Die Musik zum Ballett Carmen, schrieb der russische Komponist Rodion K. Schtschedrin, wobei Anspielungen auf Bizets Original nicht fehlen. Weitere wichtige Musik wurde vom Spanier Marc Alvarez komponiert. Unter der Stabführung von Thomas Herzog läuft das Sinfonieorchester Basel zur Hochform auf und interpretiert die Ballett-Musik emotionell und musikalisch hervorragend.

Eine spezielle Erwähnung im musikalischen Geschehen verdient die Arbeit des Basler Tonmeisters Jan Fitschen. Seine Einspielungen über Lautsprecher waren derart gut gesetzt, so professionell abgeglichen, dass der Unterschied zur Life-Musik des SOB kaum wahrzunehmen war.

Don José, dargestellt/getanzt von Max Zachrisson, überzeugt auf der ganzen Linie. Seine Eifersucht und seine emotionale Unbeherrschtheit werden mit seinem tänzerischen Können für die Zuschaue-rInnen/Zuhörerinnen körperlich spürbar.

Die Rolle von Carmen tanzte Debora Maiques Marin mit überzeugender Emotion, ausgezeichneter Körpersprache, welche ihre Bühnenpräsenz optimal unterstrich. Ihr Wunsch nach Eigenständigkeit, ihr unbändiger Drang nach Freiheit ist zu fühlen und nachzuvollziehen.

Das Kind, eine kleine aber wichtige Rolle in dieser Choreografie, gibt Alba Carbonell Castillo. Sie überzeugt, trotz Lockerheit, mit präziser Tanzkunst.

Als Zuñiga wird Piran Scott von Don José ermordet und den Torero tanzt Javier Rodriguez Cobos. Auch die Leistungen dieser beiden Solo-Tänzer sind über jeden Zweifel erhaben und gefallen gut.

Dramaturgisch hervorragen eingesetzt sind die Arbeiterinnen, dann auch die vier jungen Männer und die Wärter. Alle sind Mitglieder des "Ballett Theater Basel", genau wie die Solotänzer und -Tänzerinnen.

Die Arbeiterinnen: Paige Borowski, Lydia Caruso, Gaia Mentoglio, Annabelle Peintre, Raquel Rey Ramos, Marina Sanchez Garrigós, Dévi-Azélia Selly

Vier junge Männer: Diego Benito Gutierrez, Mirko Campigotto, Jorge García Pérez, Anthony Ramiandrisoa

Wärter: Giacomo Altovino, Florent Mollet

Der lautstarke, langanhaltende Schlussapplaus des zahlreich erschienenen Premierenpublikums belohnt die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne, die hervorragende musikalische Interpretation des SOB im Dirigat von Thomas Herzog und die Arbeit des ganzen Teams dieser Produktion.

 

Peter Heuberger 18.11.2018

Fotos © Lucian Hunziker

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de