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Neue Philharmonie Frankfurt

Konzert am 27. April 2019

 

Michail Glinka Ouvertüre zu „Ruslan und Ljudmila"

Pjotr I. Tschaikowsky Violinkonzert D-Dur op. 35

Sergej Rachmaninow Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27

Fedor Rudin Violine / Jens Troester Leitung

RUSSISCHE SEELE

In seinem aktuellen Konzertprogramm zeigte die Neue Philharmonie Frankfurt ein breites Spektrum der russischen Musik. Dabei war die Wahl der Werke besonders anspruchsvoll ausgefallen, was die Neugierde auf die zu erwartende Umsetzung groß machte. Selten ist eine Zusammenstellung zu erleben, die drei derart herausragende Meisterwerke in den Mittelpunkt der Zuhörer stellt.

Unter Leitung seines Chefdirigenten Jens Troester begann das Konzert mit der Ouvertüre zu Michail Glinkas 1842 uraufgeführter fantastischer Oper „Ruslan und Ljudmila“. Es handelt sich dabei um Glinkas zweites Opernwerk, welches er nach „Ein Leben für den Zaren“ schrieb und was auf einer Vorlage von Puschkin basiert. Es blieb bei zwei Opern, denn Glinka galt als Vater russischen Konzertmusik. Und so ist es eine leise Ironie, dass es lediglich die mitreißende Ouvertüre zu „Ruslan und Ljudmila“ geschafft hat, größte Popularität zu erlangen. Somit war es ein gut gewählter Beginn. Das Orchester ist hier bereits heftig gefordert. Wilde Streicherläufe, markige Bläserakkorde, unterbrochen von sehr deutlichen Akzenten auf der Pauke, alles dann am Ende in einem wilden Galopp endend. Die Neue Philharmonie Frankfurt, die mit ihren weit über 60 Orchestermitgliedern mittlerweile in Hanau beheimatet ist, zeigte eindrucksreich ihre spieltechnische Kompetenz mit diesem eingängigen und doch auch schwer zu spielenden Stück. Dirigent Jens Troester entschied sich für ein flottes Tempo und arbeitete bestens die verschiedenen Leitmotive der Oper heraus. Ein schöner Beginn, der sogleich beim Publikum für hörbare Begeisterung sorgte.

Im Mittelpunkt des Interesses stand der Solist des Abends: der russische Geiger Fedor Rudin. Der vielfach ausgezeichnete Musiker hat auf der ganzen Welt mit den berühmtesten Orchestern musiziert und ist seit diesem Jahr mit gerade mal 27 Jahren dazu Konzertmeister der Wiener Philharmoniker.

Mit dem Violinkonzert von Pjotr I. Tschaikowsky, entstanden 1878, erlebte das Publikum das bekannteste Konzert seiner Gattung in der russischen Musik. Erkennbar ist der wieder gewonnene Optimismus des Komponisten, der sich in jener Zeit in einer tiefen Phase der Depression steckte und im Rahmen eines erfolgreichen Kuraufenthaltes wieder zu neuer Schaffenskraft fand.

Die Anforderungen für den Solisten sind herausragend. Leise Melancholie und warme Kantabilität stehen großen Orchesterausbrüchen gegenüber, gesteigert in einem mitreißend virtuos komponierten Schlusssatz. Und doch ist es vor allem der tief berührende zweite Satz, die poesievolle Canzonetta, die dieses Werk so unwiderstehlich macht. Hier treffen Sehnsucht und Melancholie aufeinander. Und doch ist immer wieder ein Lichtstrahl am Ende des musikalischen Horizontes erkennbar.

Fedor Rudin hatte keinerlei technische Schwierigkeiten und spielte dieses so schwere Werk, als wäre es eine Kleinigkeit. Mit geradezu lässig wirkender Selbstverständlichgkeit begegnete er diesem Violinkonzert, nichts war zu schwer für ihn. Dabei drang er tief in die russische Seele dieser Musik ein. Der herrlich warme Ton seiner Violine, von Lorenzo Storioni 1779 in Cremona gebaut, bestach in seinem raumgreifenden Klang. Ein sensibler Dialog, ein echtes Miteinander wurde von ihm mit dem flexibel agierenden Orchester sehr gut realisiert. Seine Phrasierung war stets kantabel und erkennbar in die musikalische Struktur hinein hörend. Atemberaubend schnell sein rasantes Tempo im beschließenden Allegro vivacissimo. Dirigent Jens Troester begleitete Rudin sensibel, immer äußerst aufmerksam und sorgte mit z.T. wuchtigen Akzenten dafür, dass das Orchester immer ein gleich berechtigter Partner blieb. Die Neue Philharmonie Frankfurt hatte hörbar viel Freude an dieser herrlichen Komposition und blieb ihr nichts schuldig. Große Begeisterung beim Publikum bereits nach dem ersten Satz. Am Ende dann stürmische Ovationen. Fedor Rudin dankte mit einer innigen Zugabe von J. S. Bach.

Es ist immer wieder ein Erlebnis, Rachmaninows bekannteste Symphonie aus dem Ursprung seiner Entstehung zu hören. Die vom Komponisten so favorisierte erste Symphonie erlitt bei der Uraufführung ein Desaster. Dieses war so traumatisch, dass Rachmaninow in eine tiefe Schaffenskrise geriet. Mit Disziplin und größter Willenskraft fand er wieder aus diesem schwarzen Seelental heraus. Seine zweite Symphonie entstand in den Jahren 1906/07, als Rachmaninow länger in Dresden weilte. 1908 war er Dirigent der Uraufführung in St. Petersburg.

Rachmaninows zweite Symphonie darf sicherlich als Gipfelpunkt der russisch symphonischen Spätromantik gelten. Überwältigend sind die zahlreichen schwelgerischen, endlos anmutenden Streicherabschnitte, die mit breitem Pinsel die musikalische Seele ins Zentrum des eigenen Seins führen. Tief bewegende Soli, wie z.B. das berühmte Solo der Klarinette im dritten Satz. Und welcher Kontrast, dann der mitreißende finale vierte Satz, der einer Tarantella ähnelnd, mit prasselnden Beckenschlägen diese Symphonie würdig und optimistisch beschließt.

Wie kam nun die Neue Philharmonie Frankfurt mit den schweren Anforderungen der Partitur zurecht? Zunächst überzeugte der nicht sehr groß besetzte Streicherapparat, welcher ein erkennbares Miteinander gewährleistete. Sehr gut waren die Nebenstimmen zu erkennen, und auch in den Fugato-Passagen war Transparenz zu erleben. Erstaunlich war es, welche Klangfülle der beständig motivierende Dirigent aus seinem Orchester heraus beförderte.

Die Bläser sind viel gefordert. Die strahlenden Hörner begeisterten und dazu besonders der Solo-Klarinettist, der hoch sensibel sein wunderbares Solo mit größter Ruhe vortrug. Gut aufgelegt und immer auf dem Punkt war das viel geforderte Schlagzeug, welches vor allem den vierten Satz zu einem besonderen Erlebnis machte. Markus Troester hatte sein Orchester ausgezeichnet vorbereitet. Seine große Affinität zu dieser Musik war immer zu spüren. Bereits der Beginn ließ in seinem sehr gemessenen Tempo aufhorchen. Bereits in den ersten Minuten zeigte sich, dass eine besondere Interpretation dieser Symphonie an das Ohr der Zuhörer drang. Souverän in der Phrasierung und der Wahl der gemessenen Tempi baute Troester viele Spannungsbögen auf. In den ruhigeren Abschnitten hörte er tief in die Verästelungen des Werkes hinein. Dann wieder in den vielen Ausbrüchen konnte die Neue Philharmonie Frankfurt eine beeindruckende, immer kultivierte Klangfülle offenbaren. Und doch war es der dritte Satz, in welchem das Orchester den höchsten Gipfel seiner Spielkultur erklomm und die Zuhörer mit ihrem seelenvoll Spiel beschenkte. Eine begeisternde Darbietung dieser schwer zu spielenden Symphonie.

Am Ende tosender, jubelnder Beifall und viele glückliche Gesichter im sehr gut besetzten Auditorium.

 

Dirk Schauß 28.4.2019

Fotos (c) Neue Philharmonie / fedorrudin.com

 

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