DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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DER KONTRAPUNKT

Lob und Tadel zu freien Themen der Politik, des Gesellschaftslebens und unseres sozialen bzw. oft weniger sozialen Umfeldes und alle freien nicht-anonymen Meinungsäußerungen, die außerhab unserer Kritiken liegen, finden hier ihren Niederschlag. Bissigkeit, Humor, Edelmut, Larmoyanz, Ironie, Wut und Sarkasmus sind nicht unerwünscht ;-) und geben nicht notwendiger Weise die Meinung des Herausgebers wieder.

Eine gewisse Beziehung zur Musik-Kultur wird allerdings immer garantiert. Schreiben Sie uns; vielleicht steht demnächst Ihr Artikel auch auf dieser Seite. Wir freuen uns >>>>>>>>>>>>>>>  opera@e.mail.de

 

 

Sich immer schön treu bleiben

Auch wenn die Kölner Oper nicht spielt, so nutzt die Kölner Stadtspitze die theaterarmen Tage, um sich, ihre skandalöse Kulturpolitik und die Kölner Oper in die Medien zu bringen. Da verkündet eine große Kölner Tageszeitung, die partei- und kulturpolitisch auch planlose Oberbürgermeisterin wolle den Vertrag mit der amtierenden Opernintendantin nicht verlängern. Aber nicht etwa, weil man mit ihr nicht zufrieden sei, sondern weil zehn Jahre in diesem Amt genug seien. In Fachkreisen bezeichnet man das auch als den „goldenen Arschtritt“. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Auf den ersten Blick eine weise Erkenntnis, denn nicht selten war es so, dass Intendanzen, die noch so gut liefen, nach zehn, nach zwölf Jahren an Strahlkraft und Innovation einbüßten.

Was macht man aber nun in Köln? Man hat ein Opernhaus, das nach wie vor eine Baustelle ist, wo vermutlich erst 2024 gespielt wird, man hat eine Intendantin, die eine größtenteils doch sehr solide Arbeit leistet, die beim Publikum trotz der Widrigkeiten des Interims eine enorme Akzeptanz genießt – aber Henriette Reker weist mit ausgestreckter Armlänge Frau Meyer die Tür, ohne einen Ersatz zu präsentieren. So zumindest der aktuelle Stand. Im Hintergrund winkt noch eine Kulturdezernentin, die auch in diesem Fall mal wieder nicht den „Oberhut“ aufhat, und in ihrer desaströsen Amtszeit in Köln eigentlich nur mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hat. Wir denken hier an die zutiefst peinliche Angelegenheit um den Abgang des exzellenten Schauspielintendanten Stefan Bachmann, der durch einen Mann aus der tiefsten Provinz ersetzt werden sollte, der es dann doch nicht wurde, und Bachmann so blieb. Ja, das hat Tradition in Köln – oder ist das schon Brauchtum?

Jetzt steht man mit der Opernintendanz genau da, wo man eigentlich als Stadt nicht stehen dürfte: kopflos und scheinbar auch planlos im leeren Raum, denn Frau Meyer soll bereits 2022 ihren Stuhl räumen. Nun weiß man, dass große Häuser – und theoretisch ist die Kölner Oper das ja immer noch – eine mehrjährige Vorlaufzeit für Planungen haben. Wer wird es denn nun richten? Glaubt man wirklich, dass man binnen eines Jahres einen so guten neuen Opernchef findet? Oder gibt es ihn schon und wir warten nur noch auf die Verkündung? Oder haben Filz und Klüngel bereits eine interne Lösung gefunden?

Die Gerüchteküche brodelt, und manch einer mag dem - ohne Fragen als Dirigent erstklassigen – GMD Francois Xavier Roth Interesse bescheinigen, doch ist dieser international gefragt und viel unterwegs (vielleicht zu viel, um den Posten in Köln zu bekleiden). Wer könnte es denn dann noch machen? Man weiß es nicht und so wird der Posten vermutlich mal wieder in einer Kurzschlussreaktion mit dem Nächstbesten besetzt, wie einst, als die Kölner Oper in der Ära Dammann in den qualitativen Sturzflug eintrat. Ja, so kann man Kulturpolitik auch machen: Hemdsärmlig, kurzsichtig und unterm Strich wurstig. Und eigentlich zeigt man damit nichts anderes, als dass einem wenig daran gelegen ist, die Strahlkraft von Kultur zu schätzen und sie als wichtigen qualitativen Faktor einer Stadt zu begreifen. Ja, so bleibt man sich in Köln treu. Frei nach dem Motto der Kölner Kulturpolitik: Gestern standen wir noch vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

 

Sebastian Jacobs, 26.11.2020

 

Licht am Ende des Tunnels

 

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Depritum verbreiten; muß allerdings meine Meinungen zu den von mir einst so titulierten Panikmachern, wie Prof. Drosten oder den SPD-Dauerfernsehgast Lauterbach Abbitte leisten. Leider ist alles genauso eingetreten, wie beide es, unabhängig voneinander, vorausgesagt hatten.

 

Es ist auch völliger Unsinn zu behaupten, in Opernhäusern oder Konzertsälen habe sich niemand angesteckt. So etwas ist bei vielen Menschen in geschlossenen Räumen nachweislich unvermeidbar - also Fake News. Tragischstes Beispiel ist der Intendant der Düsseldorfer Symphoniker Becker, der öfter in hochgradig leichtsinnigem Optimismus Masken- und Distanzregeln ignorierte (wie mir einhellig mehrere Musiker berichteten); jetzt liegt er im Krankenhaus und die Stadt Düsseldorf zittert zurecht vor Millionenklagen, in der Hoffnung, daß er keinen seiner Musiker der "Düsis" infiziert hat, denn angesprochen wurde man auf dieses Thema wohl schon öfter.

 

Der Intendant der Berliner Oper ließ, wie verlautet, edles Publikum auf ganzen Rang-Ebenen (die teuersten Plätze) unmaskiert ein, was zu regelrechten Tumulten beim überwiegend verantwortungsvollen maskiertem Normalo-Publikum führte. Seine geradezu unfassbar banale Reaktion, daß diese Leute doch alle Atteste gehabt hätten und damit des Eintrittsrecht, entlockte meinem Freund Anton Cupak die Schlagzeile vom "Ausflug der Lungenklinik".

 

 

Die Hoffnung auf eine positive Wende in Deutschland bis zum Sommer machten Millionen Ignoranten - Urlaubswahnsinnige ("Urlaub muss sein"), Partytrottel ("Ohne Feten habe ich keinen Spaß mehr am Leben") und Jetzt-erst-recht-Bekloppte ("Am Wochenende noch mal so richtig die Sau rauslassen, bevor am Montag alles zugemacht wird") - zunichte.

 

Es ist nicht der Virus an sich, der uns jetzt in diese trostlose, für viele Zeitgenossen ruinöse und für die Nicht-Hochkultur destruktöse Lage versetzt hat. Es sind die Menschen. Die Minderheit (?) von Ignoranten und Realitätsfremdem. Fazit: die Unvernunft nur die drei kleinen Regeln einzuhalten. Nix homo sapiens!

 

Und wenn nicht wenige Opernhäuser tatsächlich für Dezember immer noch (!!!) Premieren von großen Opern angesetzt haben, in der Hoffnung, daß am Aschermittwoch (2. Dezember) quasi alles vorbei ist, dann fragt man sich: Leute, wo lebt ihr eigentlich? Kann es sein, daß die Millionen an sicheren Subventionen Euren Geist vernebeln und die Realität ignorieren lassen? Ach so... Da gibt es ja noch den Plan B. Konkret lese ich aus Wien: "für den Fall, dass der Spielbetrieb der Wiener Staatsoper am 7.12. nicht wieder aufgenommen werden kann, gibt es einen „Plan B“: Netrebko, Beczala & Co singen für die Kameras." Na klar, denn hier geht es um richtig viel Honorar, welches auch die Megastars nicht verzichten wollen.

 

Kuriose Parallelen zum Bundes-Schlappekicker-Trainer Jogi Löw. Glaubt ernsthaft jemand, daß er auf jährlich vier Millionen Euro freiwillig nur wegen Dauer-Erfolgslosigkeit, vor Ende seines 2022 auslaufenden Vertrages, verzichtet. Wer das glaubt, glaubt auch dass der Weihnachtsmann 2020 endlich wahrhaftig erscheint ;-).

 

 

Zurück zum Thema: Es wird dieses Jahr, denn die Menschen werden ja nicht schlagartig vernünftig, nichts mehr geben. Immerhin Zeit genug um sich auf die im Jänner stattfindenden Giganto-Impfaktionen vorzubereiten. Ein Lichtblick am Ende des Tunnels.

 

Peter Bilsing (Hrg.) 21.11.2020

Dank an unseren Hauszeichner (c) Peter Klier

 

 

 

 

Schließung der Opern- und Konzerthäuser im Teil-Lockdown:

Solidarität, so schmerzhaft es auch ist

Es war zu ahnen und trotzdem haben wir den ganzen Tag die Daumen gedrückt und als Mantra vor uns hingemurmelt: „Nicht die Theater, bitte schließt nicht die Theater (und Konzerthäuser)! Das trifft die Falschen!“ Und als die Entscheidung dann raus war, wollte man sich sofort dem gerade veröffentlichten Offenen Brief der Leitung des Staatstheaters Mainz anschließen (hier zu lesen).

 

Aber mit ein bißchen Distanz zu sich selbst als Opernfreund kann man erkennen: Die erste emotionale Reaktion liegt neben der Spur. Das was nun als „Teil-Lockdown“ in grimmiger Einmütigkeit von Kanzlerin und sämtlichen Ministerpräsidenten aller Parteifarben präsentiert wurde, ist eben keine Bestrafungsaktion. Es ist eine Notbremsung. Und nichts von dem, was jetzt dagegen vorgebracht wird, haben wir nicht schon seit Wochen und Monaten gehört: Die Maßnahmen seien zu pauschal, es reiche aus, wenn Hygiene-Konzepte streng beachtet würden, etc. etc. Es reicht aber ganz offensichtlich nicht aus. Restaurantbesitzer, Hoteliers, Theaterleute, sie alle rufen: „Wir sind nicht das Problem! Verschon mein Haus, zünd‘ andre an!“ Trotz all der schönen Konzepte, Spendern mit Desinfektionsmitteln, Bodenmarkierungen zum Abstandhalten in Stadien, Restaurants und Theatern explodieren die Infektionszahlen, füllen sich die Intensivbetten in atemberaubender Geschwindigkeit, kapitulieren die Gesundheitsämter vor der Nachverfolgung.

 

Warum? Weil die Leute vor allem in ihrer Freizeit zu viele Kontakte haben. Das ist schon die ganze Antwort. Und darauf zielen die neuen, zeitlich eng befristeten Maßnahmen: „Hört auf, Euch in Eurer Freizeit mit Menschen außerhalb Eurer Kernfamilie zu treffen!“ – das ist die Botschaft, welche die politischen Entscheider der von ihnen regierten Spaßgesellschaft geradezu verzweifelt entgegenrufen. Schon längst kann bei 75 Prozent der Infektionen nicht mehr nachvollzogen werden, wo genau sie erfolgt sind. Die Neuinfizierten waren keineswegs allesamt vorher auf einer orientalischen Großhochzeit, in einem evangelikalen Gebetshaus oder einer Berliner Szenebar. Womöglich haben sie sich das Virus im Fitneßstudio eingefangen. Oder beim Vereinssport. Oder beim Kaffeekränzchen. Beim Feierabendbier. Oder beim Pausenwein in der Oper, als sie eben doch die Maske abgesetzt haben. Oder sie haben es sich in der Straßenbahn auf dem Weg zur „Tosca“ eingefangen.

 

Es ist übrigens eine kühne Behauptung der Mainzer Theaterleute, daß sich „nachgewiesenermaßen (…) kein Besucher und keine Besucherin in einem Theater- oder Opernhaus mit Covid19 angesteckt“ habe, wenn bei 75 Prozent auch sonst kein Infektionsort feststeht. Gerade Theatermacher sollten für Sprache sensibel sein. Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen „es wurde bislang keine Infektion nach einem Theaterbesuch nachgewiesen“ und „es gibt nachgewiesenermaßen keine Infektionen bei Theaterbesuchen“.

 

Man würde sich mit all diesen empörten Theaterleuten (die Mainzer werden nicht die letzten sein) liebend gerne solidarisieren, wenn sie sich in ihren „Offenen Briefen“, „Appellen“ – und was immer da noch kommen mag – nicht immer nur mit dem eigenen Bauchnabel beschäftigen würden. Ihre Denkweise ist geradezu dünkelhaft elitär. "Ja, in Fußballstadien, da haben sie keine Disziplin! Da liegen sie sich bei jedem Tor ohne jeden Abstand in den Armen! Und das mit aerosolverbreitenden Fangesängen können sie auch nicht lassen! Und schauen Sie mal, wie dicht die Leute vor den Clubs stehen! Und dieses Gehopse bei den Pop-Konzerten! Wir aber haben ein diszipliniertes Publikum, das Abstände einhält, zwei Stunden ruhig auf dem Platz sitzt und ohne Rumgegröle geordnet den Saal am Ende wieder verläßt."

Und es stimmt ja auch: Würde man bei den jetzt beschlossenen Maßnahmen die Theater und (klassischen) Konzerthäuser ausnehmen, würde das vermutlich auf die Infektionsverbreitung ohne jede meßbare Auswirkung bleiben.

 

Die Theaterleute sollten aber für eine Sekunde darüber nachdenken, was für ein gesellschaftlicher Sprengstoff darin bestehen würde, wenn man den Laiensportlern ihre Mannschaftssportarten wegnimmt, die Fitneßstudios schließt, überhaupt den Breitensport lahmlegt, die Clubs geschlossen läßt, Pop-Konzerte untersagt, allen und jedem nahezu jeden Freizeitspaß außer Haus nimmt, das Reisen vollständig untersagt, aber der kleinen und feinen Elite eines Bildungsbürgertums gestattet, sich mit Freunden und Bekannten in Konzerthäusern und Theatern zum stillen Genuß erlesener Kunstwerke zu treffen. Es sind oft dieselben Theaterleute, die mit sich intellektuell gebender Attitüde bei jeder Gelegenheit für jeden erdenklichen Zweck „Solidarität“ einfordern, die aber in ihrer Egomanie nicht in der Lage sind, auch nur den Gedanken zu entwickeln, daß ihr vorübergehender Verzicht ein Zeichen von Solidarität mit der sie umgebenden (und recht ordentlich ernährenden) Gesellschaft sein könnte.

 

Alle müssen jetzt einen Monat lang auf nahezu jede Freizeitbeschäftigung verzichten, die mit Kontakten verbunden ist, auf Sport, Reisen, Feiern und leider auf Kunstgenuß. Unser Verzicht auf unser epidemiologisch womöglich harmloses Vergnügen ist Solidarität mit allen anderen, die auch verzichten müssen. Mir blutet das Herz im Hinblick auf zwei vielversprechende Premieren der Oper Frankfurt, die nun im November flachfallen (aber hoffentlich nachgeholt werden). Meinem Bruder dagegen blutet das Herz, weil er wieder nicht ins Stadion kann, weil er mit seinen Vereinskollegen nicht trainieren kann, dem Nachbarn, weil die Restaurantbesuche flachfallen, dem Freund, weil er seine Urlaubsreise stornieren muß. Von allen gemeinsam ist es die Solidarität mit denen, die im Falle einer Infektion schwere Verläufe befürchten müssen, und Solidarität, die darin besteht, ein Gesundheitssystem nicht zu überlasten, damit niemandem wegen überfüllter Intensivbetten die lebensnotwendige Behandlung vorenthalten werden muß.

 

Ja, schon klar, für die Theaterleute ist das nicht „Freizeitvergnügen“. Sie bestreiten damit ihr Einkommen. Die Regierungschefs verlangen von ihnen ein Sonderopfer für die Gemeinschaft. Und jeder Jurist weiß: für Sonderopfer muß es eine angemessene Entschädigung geben. Im Frühjahr hatten das die Regierungen übersehen oder nicht schnell genug berücksichtigt. Nun aber ist die Lage eine andere: Zu den aktuellen Beschlüssen gehört die konkrete Zusage von Entschädigungen, und dieses Mal werden die Kulturschaffenden von den Theatern bis zu den freien Künstlern ausdrücklich als Berechtigte benannt. Das ist gerecht und solidarisch. Die eingeforderte Sonderrolle in einem ansonsten stillgelegten Freizeitsektor wäre es nicht.

 

28.10.2020 / Michael Demel

 

SCHLUSS MIT DEM GENDERUNFUG !

Ein Aufruf zum Widerstand gegen die Verhunzung der Deutschen Sprache

 

Aus Sorge um die zunehmenden, durch das Bestreben nach mehr Geschlechtergerechtigkeit motivierten zerstörerischen Eingriffe in die deutsche Sprache wenden wir mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit:

 

Die sogenannte gendergerechte Sprache beruht erstens auf einem Generalirrtum, erzeugt zweitens eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde und ist drittens konsequent gar nicht durchzuhalten. Und viertens ist sie auch kein Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft.

 

Der Generalirrtum: Zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht bestehe ein fester Zusammenhang. Er besteht absolut nicht. Der Löwe, die Giraffe, das Pferd. Und keinen stört es, dass alles Weibliche sich seit 1000 Jahren von dem Wort “das Weib” ableitet.

 

Die lächerlichen Sprachgebilde: Die Radfahrenden, die Fahrzeugführenden sind schon in die Straßenverkehrsordnung vorgedrungen, die Studierenden haben die Universitäten erobert, die Arbeitnehmenden viele Betriebe. Der Große Duden treibt die Gendergerechtigkeit inzwischen so weit, dass er Luftpiratinnen als eigenes Stichwort verzeichnet und Idiotinnen auch. Und dazu kommt in jüngster Zeit als weitere Verrenkung noch der seltsame Gender-Stern.

 

Nicht durchzuhalten: Wie kommt der Bürgermeister dazu, sich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken – ohne einzusehen, dass er sich natürlich „Bürgerinnen- und Bürger­meister“ nennen müsste? Wie lange können wir noch auf ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt verzichten? Wie ertragen wir es, in der Fernsehwerbung täglich dutzendfach zu hören, wir sollten uns über Risiken und Nebenwirkungen bei unserm Arzt oder Apotheker informieren? Warum fehlt im Duden das Stichwort „Christinnentum“ – da er doch die Christin vom Christen unterscheidet?

 

Und dann tragen solche Verzerrungen der Sprache nicht einmal dazu bei, den Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen. Auch im Grund­gesetz gibt es dafür kein Indiz: In 13 Artikeln spricht es 20mal vom Bundeskanzler, zusätzlich auch vom „Gewählten“ und vom „Vorgeschlagenen“. Den mehrfachen Aufstieg von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin hat dies nicht behindert, und eine mögliche neue Bundeskanzlerin fühlt sich inmitten dieses Missstands offensichtlich ziemlich wohl.

 

Also appellieren wir an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften, Betriebsräte und Journalisten: Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!

 

Zur Unterschriftenliste

 

V.i.S.d.P. Monika Maron, Wolf Schneider, Walter Krämer, Josef Kraus

 

Dank für die Karikatur an unseren Hauszeichner (c) Peter Klier

P.S.

Hier geht es zu den schier unendlich vielen anderen OPERNFREUND-Beiträgen zu diesem Thema

 

 

Wenn sich Labels selber feiern

OPUS KLASSIK

wie ernst ist dieser Preis zu nehmen?

Vorweg, wer die Verkaufszahlen der Tonträger dominiert, kann nicht „unwürdig“ sein, denn „von nichts kommt nichts“! Dennoch ist dieser Preis eine Heerschau, mit dem sich die Labels selbst feiern.

In der Jury sitzen weiterhin vor allem Entscheidungsträger von Musiklabels und finanzstarken Konzerthäusern. Nur wenige wirklich unabhängige Fachleute sind dabei. Da die Jury nur 9 Mitglieder umfasst, kann man sich leicht ausrechnen, wie viele „Unabhängige“ der Jury angehören. Dass künstlerische Kriterien bei der Auswahl erst an zweiter Stelle stehen, versucht man zu verstecken. Sogar als Objektivität geschminkte Zitate aus

Jury-Begründungen werden eingespielt, wenn Sänger wie Jonas Kaufmann, Diana Damrau oder Blockflötistin Dorothee Oberlinger die Bühne betreten. Die sind dann „König der Tenöre“, „einfühlsam“ oder ihre Kunst kostet „alle Facetten der Nacht aus“. Solche Sätze bedienen sich der gleichen abgegriffenen und völlig undurchdrungenen Klischees zur Beschreibung von Musik wie die Marketing-Sprüche der Firmen selbst. Vermutlich stammen sie von den gleichen Autoren. (Einige Formulierungen sind der „berliner Morgenpost entnommen).

Kurioses spielte sich im Vorfeld ab: Für den Komponistenpreis waren Hanns Eisler und Erich Wolfgang Korngold nominiert, beide schon längst verstorben. Der Journalist Axel Brüggemann wies in einem Artikel darauf hin und war gespannt, wie Moderator Thomas Gottschalk wohl Hanns Eisler den Preis überreichen würde! Nach Erscheinen des Brüggemann-Artikels waren Eisler und Korngold plötzlich sang- und klanglos von der Nominierten-Liste verschwunden.

Soviel zur Kompetenz der Veranstalter!

 

Anton Cupak (Hrg. MERKER-online)

 

Lungenheilandstalt auf Opernbesuch in Berlin

Tumult um Maskenpflicht bei der „Walküre“ an der DO


Die neue „Walküre“-Inszenierung an der Deutschen Oper erntete zur Premiere viele Buhs. Doch nun gab es nach der vierten Aufführung am Sonntag auch noch Tumulte zum Ende der Pausen! Teile des Publikums brüllten: „Maske auf, Maske auf!“. Auf den teuersten Logenplätze, rechts über dem Parkett, saßen Zuschauer ohne Mund-Nasen-Schutz! Wie kamen sie in die Oper?
Berliner Zeitung

Intendant Dietmar Schwarz meint zum Vorfall: „Es handelte sich um Besucher mit einem ärztlichen Attest, das besagte, dass sie aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können. Das ist zum Beispiel bei Asthmatikern der Fall.“

Wenn diese eine Karte haben, müssen sie eingelassen werden – so der Opernchef. Kurios ist, dass es sich um mehrere nebeneinander sitzende Besucher gehandelt hat. Ist da etwa eine Lungenheilanstalt gemeinsam auf Besuch in der Oper gewesen? Muss da wirklich provoziert werden? Müssen sich diese Leute in die teuerste Loge setzen, damit sie bereits dadurch Neidgefühle wecken? 

Anderseits „brüllten“ laut BZ die Maskentreuen „Maske auf“. Seit wann brüllt man in der Oper, bei uns in Wien wird gesungen. Außer nach Fallen des Vorhangs nach einer eher harmlosen Neuenfels-Inszenierung!

Drollig auch der Plan des Opernchefs, sollte er nochmals mit dem Problem konfrontiert werden: Wir werden Besucher mit Attest künftig in eine räumlich abgeschlossene Loge setzen, wo sie weniger gut gesehen werden.“

Interessant, Herrn Schwarz geht es nicht darum, dass die Besucher möglichst wenig Gefahr für die anderen Besucher darstellen, sondern darum, dass man sie nicht so gut sieht! Irgendwie bleibt mir ob dieser herrlichen Logik der Mund offen!

 

Anton Cupak, 14.10.2020

(Aus dem Tageskommentar 14.10.)

Bild (c) Peter Klier

 

P.S. MASKENFREILOGEN

 

Ich empfehle dem Intendanten bei weiter geplanter Zusammenarbeit mit den Lungenkliniken, sich an den sogenannte RAUCHERLOGEN - bekannt aus den 70ern im Kino - zu orientieren. Da wurden die hinteren Logenplätze einfach mit Glas ummantelt Der Ton kam dann über separate Lautsprecher. Man kann diese auch mit teilverspiegeltem Glas versehen, dann werden diese Besucher nicht gesehen und Missverständnisse vermieden.

 

Peter Bilsing 14.10.

 

 

Auszeichnung als „Opernhaus des Jahres“:

Eine treffsichere Hochstapelei

Alljährlich erwarten die Intendanzen der Opernhäuser im deutschsprachigen Raum gespannt die Veröffentlichung des Jahrbuchs der Zeitschrift Opernwelt. Eine bunte Mischung aus regional und überregional tätigen Opernkritikern zieht in einem Fragebogen zu jeweils 15 Kategorien Bilanz über die vergangene Spielzeit. Von der bemerkenswertesten Uraufführung über die gelungenste Inszenierung bis hin zum besten Tonträger (neuerdings formatneutral als „Medien-Veröffentlichung“ deklariert) wird kleinteilig abgefragt, was denn im Gedächtnis feuilletonistischer Vielschreiber haften geblieben ist. Kein Mensch außerhalb eines winzigen Kreises von Fachleuten würde sich dafür interessieren – wenn nicht die Macher des Nischenmagazins vor Jahren auf die geniale (und in Wahrheit größenwahnsinnige) Idee gekommen wären, die Kritikerumfrage zur Verleihung des Titels „Opernhaus des Jahres“ zu nutzen. Dafür lassen sich die solcherart gewürdigten Opernhäuser feiern, als hätten sie den Oscar im Bereich Musiktheater gewonnen. Tatsächlich handelt es sich um eine veritable Hochstapelei. Die Opernwelt addiert einfach die Eintragungen in der Kategorie „Opernhaus“ auf. Wer die meisten Nennungen bekommt, erhält den Titel. Regelmäßig genügt dafür eine Handvoll Stimmen. In diesem Jahr haben jeweils fünf Nennungen ausgereicht, um die Opernhäuser von Frankfurt am Main und Genf gemeinsam auf das Siegerpodest zu heben. Bei 43 teilnehmenden Kritikern ist das eine Quote von 11,6 Prozent pro Opernhaus. Alles andere würde überraschen. Denn unter den 43 Kritikern haben drei ihren Sitz in London, einer in New York, einer in Mailand und einer in Paris. Deren Fokus liegt naturgemäß auf den Opernhäusern ihres Sitzlandes. Gelegentlich verschlägt es sie zu den internationalen Festivals, weswegen bei ihren Nennungen auch Bayreuth und Salzburg auftauchen. Bleiben 37 Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, von denen offenbar nur die wenigsten überregional tätig sind. Ansonsten findet der Redakteur aus Bremen auffällig häufig norddeutsche Produktionen und Künstler gut, sein Kollege aus Bamberg hat Würzburg und Nürnberg im Blick, beim Kritiker aus Zürich werden Basel, Genf, Luzern, Solothurn und (Überraschung!) Zürich genannt, der Redakteur aus Freiburg findet das Theater Freiburg toll und blickt immerhin noch über die nahe Grenze nach Basel, ein Feuilletonveteran aus Wien verfährt nach dem Motto „Wien, Wien, nur du allein“ und so weiter. Natürlich kann da nichts Repräsentatives herauskommen. Die Kür eines „Opernhauses des Jahres“ auf diesem Weg ist die Anmaßung des Jahres.

 

Und doch hat es in diesem Jahr nicht die Falschen getroffen. Nun würde sich der OPERNFREUND niemals anmaßen, mit der Behauptung von Allgemeingültigkeit ein „Opernhaus des Jahres“ zu küren, denn natürlich haben auch die meisten unserer Mitarbeiter ihre regionalen Schwerpunkte. Aber man kann nachvollziehen, wie es etwa die Oper Frankfurt regelmäßig schafft, diese sehr werbewirksame Auszeichnung zu erringen: Man lockt die Kritiker mit Raritäten oder interessanten Namen an. In der vergangenen Spielzeit hat das Haus am Main etwa eine Mega-Rarität wie Pénélope von Gabriel Fauré als Premiere herausgebracht. Das ist für Kritiker aus der ganzen Republik ein Pflichttermin. Außerdem dirigierte Joana Mallwitz, die jung, charmant und enorm talentiert ist und aktuell als Vertreterin der immer noch raren Spezies weiblicher Kapellmeister der Liebling des Feuilletons ist. Ihr wurde auch das Dirigat der neuen Salome anvertraut, zu welcher die Kritiker von Nah und Fern anreisten, weil eine Regie von Barrie Kosky in schöner Regelmäßigkeit für außergewöhnliche Inszenierungen bürgt. Ein anderer junger Shootingstar, Lorenzo Viotti, machte auf Puccinis Manon mindestens ebenso neugierig wie die Besetzung der Titelpartie mit der außerordentlichen Asmik Grigorian und die Regie von La-Fura-dels-Baus-Veteran Àlex Ollé. Drei Pflichttermine für die Kritikerszene, drei Volltreffer – und schon ist man „Opernhaus des Jahres“. Pflichtschuldigst werden dann das vorzügliche Orchester und das herausragende Ensemble des Hauses gelobt, mit dem man von wenigen Gästen abgesehen sämtliche Partien rollendeckend besetzen kann. Tatsächlich aber wurden die Kritiker von den großen Namen angelockt. Daß es nicht die Namen des internationalen Jetsets sind, mit denen sich die großen Häuser in München und Wien schmücken, läßt diese Kritiker glauben, sie hätten einen besonders feinen Geschmack. Tatsächlich aber haben sie lediglich die Stars von morgen erlebt, für die der Frankfurter Intendant Loebe ein feines Gespür hat und nach denen er regelrecht Jagd macht. Viotti und Mallwitz haben in Frankfurt eben schon zu einem Zeitpunkt große Produktionen anvertraut bekommen, als sie noch nicht einmal als Geheimtipp galten. Inzwischen reißen sich die großen Orchester, Opernhäuser und Festivals um sie. Auch der „Sänger des Jahres“ Jakub Józef Orliński ist jedenfalls für Deutschland von der Oper Frankfurt entdeckt worden.

 

Der Frankfurter Opernfreund schätzt an seinem Stammhaus aber eine Qualität, die von den reisenden Berufskritikern gar nicht erfaßt werden kann: Ein reiches Repertoire mit vielen Raritäten, die auch in den Wiederaufnahmen mustergültig aufbereitet werden und musikalisch durchweg exzellent besetzt sind. In der vergangenen Spielzeit waren das etwa ein Triptychon aus drei Kurzopern von Ernst Krenek, die Julietta von Martinu oder eine hinreißende Reprise von Flotows Martha. Die mustergültige Produktion von Delius‘ Romeo und Julia auf dem Dorfe wurde tragischer Weise nach nur einer Aufführung vom Shutdown abgewürgt, die Wiederaufnahmeserie von Honeggers Jeanne d’Arc fiel nach erfolgreichen Proben der Pandemie-Eindämmung ganz zum Opfer. So sehr man der Frankfurter Intendanz unterstellen darf, daß sie ihre Neuproduktionen auch mit einem Blick auf überregionale Aufmerksamkeit programmiert, so sehr gebührt ihr unsere Dankbarkeit dafür, daß sie das so errungene Ansehen nutzt, um einen der deutschlandweit farbigsten Spielpläne auf konstant hohem musikalischem und szenischem Niveau zu präsentieren.

Und deswegen gratulieren wir herzlich zu einer Auszeichnung, über deren fragwürdiges Zustandekommen wir ausnahmsweise freundlich hinwegsehen: Paßt schon!

 

Michael Demel, 2. Oktober 2020

 

   

 

        

25. September 2020        

MAIL an Zuschauerservice@zdf-service.de

Sehr geehrte Damen und Herren des Zuschauerservice,

 

erstmal herzlichen Dank für Ihre umgehende Rückmeldung. Ich habe mich sehr über sie gefreut, auch darüber, dass Sie dieses Thema des Geschäftsführung näher bringen wollen, die sich dessen sicher lange bewusst ist.

 

Nun, ich bin selbstverständlich auch für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt, nicht aber für die Idee, deswegen die so bewährte und einzigartige deutsche Sprache (der Denker und Dichter) zu verändern, ja, wie es nun beim ZDF akustisch wahrnehmbar wird, zu verhunzen. Im Übrigen sehe ich an Ihren angehängten interessanten Leitlinien für die Gleichstellung keinen konkreten Vorschlag in diese Richtung. Praktisch alle stellen auf die Gleichstellung der Frau im Arbeitsleben ab, also speziell auf jene beim ZDF.

 

Bedenken Sie mal Folgendes: Ein mit dem Thema nicht so vertrauter Durchschnittszuschauer, und das sind die meisten, hört auf einmal eine Sprechpause vor -innen. Er wird sich wundern und nachdenken, was das soll. Unterdessen streicht die eigentliche Information nicht von ihm wahrgenommen und schon gar nicht verarbeitet vorüber. Oder etwas anderes: Der Moderator spricht von einer Schauspiel-Premiere und sagt vermeintlich "gendergerecht": "Unser Reporter X hat die Schauspieler (Sprechpause) -innen gesehen." Wie hört sich das an, was kann da assoziiert werden?! Weitere Bespiele für Absurditäten ähnlicher Art ließen sich leicht nennen.

 

Wenn man es etwas überspitzt formulieren wollte, wäre sogar zu sagen, dass sich jene, die auf Gendergerechtigkeit pochen, mit dem zwanghaften Anhängen von -in und -innen an die von ihnen vermeintlich für biologisch maskulin gehaltene Form auf -er (die aber de facto eine generische ist) gar keinen Gefallen tun. Denn sie formulieren wieder nicht gendergerecht: Das Weibliche wird lediglich zum semantischen Anhängsel des (vermeintlich) Männlichen, also einem Suffix...

 

Das führt mich zu einem weiteren Punkt, der klarmacht, dass das Weibliche, eben wenn man in Rechnung stellt, dass die auf -er lautende Form eine (nur) generisch maskuline ist (also sowohl Männer wie Frauen beinhaltet) in der deutschen Sprache klar besser gestellt ist als das Männliche. Das Weibliche hat nämlich eine sog. „markierte“ Form. Also, wann immer es Reporterin oder Reporterinnen heißt, ist automatisch klar, dass es NUR Frauen sind. Das Männliche hat KEINE markierte Form. Eben, es können beim generischen Maskulinum immer sowohl Männer als auch Freuen sein. Ein m.E. von Gendergerechtigkeits-Anhängern völlig übersehener Punkt. Das Männliche ist, wenn man die deutsche Sprache richtig versteht, (der markierten Form des Weiblichen) klar unterlegen. Und sollte Falschverstehen zum Ausgangspunkt gravierender und nachhaltiger sprachlicher Veränderung werden?!

 

Ich würde mich doch sehr freuen, wenn sich das ZDF dazu ernsthaft Gedanken machte. Diese Sprechpause hört sich einfach furchtbar an, und ich bin mir absolut sicher, dass sich die Sprechweise auf die Länge nicht durchsetzen wird. Warum also nicht gleich damit aufhören?!

 

Frau Anne Will in den ARD, die sie bisweilen auch pflegt, habe ich das auch schon nahegelegt.

 

Mit besten Grüßen,

Dr. Klaus Billand

 

 

Digitalisierungs-Steinzeit

Alles freiwillig....

Kartenbestellung in Essen

 

 

Vorhin habe ich eine Karte bei der Essener Philharmonie bestellt. Sehr "lustig":

 

- Guten Tag ich hätte gerne eine Karte für das SWR-Symphoniker. er unter Currentzis mit Werken von Lachenmann und Scelsi am nächsten Donnerstag. Ich zahle auch direkt mit Kreditkarte.

 

- Könnten Sie die Karte vorher abholen?

 

- Ich wohne in Duisburg. Ich bezahle die Karte jetzt schon, damit ich sie nicht vorher abholen muss, schließlich sind seit dem LKW-Brand am Donnerstag auf der A40 Auobahn und Zugverkehr zwischen beiden Städten unterbrochen. Ich muss auch, wenn ich ins Konzert fahre, einen Umweg in Kauf nehmen.

 

- Gut, die Kasse am Aalto-Theater hat bis 18 Uhr geöffnet. Dann holen Sie die Karte doch am Donnerstag bis 18 Uhr ab.

 

- Aber das Konzert beginnt doch erst um 20 Uhr, da muss ich ja zwei Stunden warten. 

 

- Wir wollen aber nicht, dass sich an der Abendkasse eine Schlange bildet, wegen Corona. Für den Postversand der Karte ist es jetzt auch zu spät. 

 

- Dann schicken Sie mir die Karte doch einfach per Mail als PDF.

 

- Soweit sind wir technisch noch nicht!

 

- Was ist das denn für ein Service? Wenn ich an den Theatern in Gelsenkirchen, Krefeld oder Dortmund Karten bestelle, ist das kein Problem. Da bekomme ich immer eine PDF-Datei

 

- Ja, wir sind aber noch nicht soweit. Wir arbeiten daran.

 

 

- Aber hören Sie mal. Sie können bei diesem Programm mit geradezu exotischen Werken von Lachenmann und Scelsi doch froh sein, dass da überhaupt ein interessierter aufgeschlossener Klassikfreund ins Konzert kommt. Und da legen Sie einem solche Steine in den Weg.

 

- Entschuldigen Sie bitte, Sie müssen ja nichts in dieses Konzert gehen. Es zwingt Sie ja niemand. Das ist alles freiwillig!

 

- Der Service Ihres Hauses ist aber trotzdem, mit Verlaub, große Scheiße.

 

-Ja, warten Sie mal einen Augenblick. Meine Kollegin, die das Gespräch verfolgt hat, sagt mir gerade, Sie können Ihre Karte doch an der Abendkasse abholen. Ihre Reservierungsnummer ist....

 

Ein Opernfreund Leser,

nennen wir ihn Alviano Salvago,

sonst bekommt er demnächst nie mehr Karten in Essen ;-)

 

Redaktion Peter Bilsing

Dank an unseren Hauszeichner Peter Klier

 

 

 

Haben die Corona-Regeln eventuell auch Gutes?

Ja! z.B. Keine Drängelei mehr beim Verlassen des Theaters

Stichwort Zeitgewinn. Konnte der Besucher früher beim Verlassen des Aalto Theaters, wenn man in der Mitte saß, durchaus noch ruhige 10 Minuten sitzen bleiben, da es zu unsäglichen Staus und Drängelei beim Herausgehen kam, so ist das nun völlig anders. Jetzt ruft das Aufsichtspersonal die Reihen einzeln auf, um Schlangenbildung am Ausgang zu vermeiden. Find ich grundsätzlich gut und hoffe, daß man das auch für die Essener Philharmonie übernimmt, wo man in Vor-Coronazeiten in der Konzertpause ruhig sitzen bleiben konnte, denn von den 15 minütigen Pausen verbrachte man gut 10 Minuten in der Rausgeh-Schlange.

 

Peter Bilsing 10.9.2020

 

9.11. für unsere Kulturstätten - reden wir tacheles

Was keiner gerne hören will...

In den vernünftigen Chefetagen der Verantwortlichen von Opernhäusern und Konzertsälen wird deutlicher gesprochen, als in der Öffentlichkeit oder auf Pressekonferenzen. Nach aussen muß man Optimist sein und von alten Zeiten träumen. Es geht ja um scheinbare Existenzsicherung. Doch solcher Art Gehabe führt sich selbst bald ad absurdum. Diese good old days sind erst einmal unwiderruflich vorbei. Those were the days sang einst Mary Hopkins.

 

Glaubt wirklich irgend jemand ernsthaft, daß die Vergangenheit zurück kehren wird, wo man dicht gedrängt mit tausend oder mehr Personen eng im Theater saß? Mit den Mitmenschen auf Tuchfühlung - quasi Hautkontakt - und der rücksichtslos hustende Mitbürger verbreitet seine Aerosole aus 50 cm auf uns herab?

 

Unser Nachbar wurde - und wird es noch lange - zum Todfeind erklärt, denn die Maskenpflicht wird dieses Jahr überdauern und andauern. Der Mitmensch verbreitet die Pest. Halt Abstand und schütze Dich! lautet die Parole. Das ist eine Art "9.11. Ausgangslage". Ich glaube nicht, daß sich dies wieder jemals umkehren lässt. Es beginnen andere Zeiten. Ist das nun der Tod der Oper, des Konzerts oder unserer Kultur?

 

Man kann auch positive Konsequenzen ziehen

 

Statt ein Konzert mit 2.000 Besuchern an einem Tag zu spielen, spielt die Kapelle halt dasselbe Konzert an 5 Tagen vor jeweils 400 Menschen, die dafür dann bequem und entspannt sitzen und natürlich mehr bezahlen. Funktioniert prima schon im Kino, wo man angefangen hat mit großzügig verteilten neueren Kino-Sesseln mit Tischen Raum und Bequemlichkeit zu schaffen. Statt 400 Filmfans sitzen dann nur 100 Personen im Vorführsaal und es kostet nicht 10 sondern 25 Euro. Aber es funktioniert. Immerhin rettet man so das Kino.

 

Kleinere Opern ohne Pause sind genauso schön, man ignorierte sie nur leider häufig. Ja, das Publikum will GÖTTERDÄMMERUNG, AIDA, FIDELIO... etc.pp. möglichst mit Riesenbesetzung und Star-Ensemble. Unter der Prämisse läuft die nächsten Jahre nichts mehr. Placido, Netrebko, Kaufmann und Co. sind halt nur einmal bezahlbar bei den aktuellen Salären - die singen zwar sicherlich auch sechs Mal vor 400 Leuten aber wollen dann auch jedes Mal volle Bezahlung. Die Premiumkultur für die Eliten, oder jene, die sich für diese halten wird zweilfelsohne überleben. Den ausgewählten Salzburger Festspielbesuchern könnte es egal sein, ob der Eintritt 500 oder 3000 Euro kostet. Oder doch nicht? Die Wiener Staatsoper ist eine reine Touristenoper, sie wird auch überleben, weil sie historisches Wahrzeichen der Weltstadt ist.

 

Um unseren Kulturbetrieb überhaupt zu erhalten, müssen große Opfer gebracht werden. Je schneller die Beteiligten das einsehen, umso besser. Doch so etwas wird schwierig. Musiker werden erheblich mehr spielen müssen (mehr Dienste), Sänger mehr und öfter singen und liebgewonnene gewerkschaftlich abgesicherte Statusregeln müssen überarbeitet und dem Krisenstatus angepasst werden. So geht es nicht weiter. Niemals mehr...

 

Es geht ums Überleben

Das sieht keiner in der Szene gerne, aber die Alternative ist simpel: Dann machen wir halt das Theater zu. Hallo Fußballfans der Fankurve in Dortmund/Schalke: Es wird keine Stehplätze mehr geben. Wenn Euch das nicht passt ist es auch egal - eure Meinung interessiert keinen. Ohne weitläufige starke Kompromisse, Opfer und Umstellungen werden 90 Prozent der Theater sonst verschwinden, denn die hohen Kosten waren manchen Parteien und den Politikern, die heute aufblühen, schon immer ein Dorn im Auge. Die Meinung elitärer Opernfans interessiert da keinen.

 

Vorsicht vor übertriebenem Besitzstandswahrungs-Denkens! Überleben wird unsere schöne alte Opernwelt nur durch ganz erheblichen Verzicht, Neuorientierung, Einschränkung, Kostensenkung etc... Schließtage müssen absolut tabu sein. Die Oper hat jeden Tag zu spielen um ihre Existenzberechtigung zu behalten. Dazu gehört auch eine ganztägige Gastronomie. Basta! Hehre Ziele und edles Gedankengut helfen in dieser Situation nicht weiter, wie der zukünftige Verzicht auf moderne Inszenierungen oder Regietheater-Unsinn.

 

Alle Kulturschaffenden müssen große Opfer bringen.

 

Und wer ernsthaft glaubt, die Entwicklung eines, wie auch immer gearteten Impfstoffes brächte alte Zeiten zurück, scheint mir nicht von dieser Welt. Der nächste Virus wartet schon... Machen wir das Beste draus und bleiben Realist. Nicht verzagen und bitte weiterhin fröhlich bleiben.

 

herzlichst Ihr Hrg.

 

 

Peter Bilsing 25.8.2020

 

 

Der große Wechsel in der Ballettetage des Wiener Staatsballetts: positiv, sehr positiv gedacht...

31.07.2020

 

Eine neue Ära beginnt auch für das Wiener Staatsballett. Dem sehr erfolgreichen Manuel Legris aus Paris folgt ab September als neuer Ballettdirektor der 61jährige Schweizer Choreograph Martin Schläpfer. Es ist eine überraschende Bestellung gewesen. Sein Bezug zu Wien? Vor Jahren ist er während eines Wiener Festwochen–Gastspiels des Baseler Balletts als ein elegant in die Höhe schnellender Tänzer auf der Bühne des Theaters an der Wien gestanden. Berufen als Choreograph und als Pädagoge hatte er später die Ballettkompanien von Bern, Mainz und seit 2009 das Ballett der Deutschen Oper am Rhein geleitet.

Kein bekannter Name hierzulande. Doch Liudmila Konovalova, aus der strengen Schule des Moskauer Bolschoi-Balletts gewachsen und nun seit einem Jahrzehnt eine der exzellenten Primaballerinen der Wiener Staatsoper, weiß nach sommerlichen Trainingstagen als Gast im Ballettsaal der Düsseldorfer Kompanie die Qualitäten ihres neuen Chefs zu schätzen. In den höchsten Tönen äußert sie sich über Schläpfers Training: „Dieses hat mich so richtig vorbereitet. Sofort habe ich gespürt: es hilft mir, es ist für mich notwendig. Es ist ein gutes Training um sich weiter zu entwickeln. Sehr musikalisch, sehr beweglich. Sowohl für klassische Stücke wie für moderne. Genau das, was ich für mich noch brauche.“ Und Konovalova fügt hinzu: „Er geht direkt auf dich zu, sehr persönlich. In seinem Denken muss man voll konzentriert sein – man kann nicht automatisch arbeiten. Er sieht auch, wenn alle voll mitmachen. Bei den Tänzern des Rhein-Balletts ist es überzeugend so gewesen.“

Der starke personelle Wechsel unter der neuen Leitung hat in der Staatsoper einiges Rumoren mit sich gebracht. Doch die Ersten Solisten aus der Wiener Ära Legris konnten ihre Positionen halten. Und sehr wesentlich ist nun, wohl aber auch mit den Anforderungen etwas heikler: Schläpfer möchte sich in Wien mit Nachdruck als ambitionierter Choreograph präsentieren. Als Schläpfer-Uraufführungen sind für seine Einstands-Saison ein „Mahler, Live“-Programm und „Symphonie Nr.15“ von Dmitri Schostakowitsch angesetzt. Konovalova freut sich auf diese Novitäten: „Das ist es, wonach sich Tänzer sehnen: eigene Kreationen, originale, welche ganz auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten sind. Für jeden ist es interessant Neuem zu begegnen und alles was man hat mehr und mehr zu entwickeln.“

Aus einer Tänzerinnen-Seele gesprochen: „Ich bin bereit etwas Neues zu machen, sehr offen zu probieren, ein Teil seiner Kreationen zu sein. Es wird für uns etwas geboren. Du möchtest dich weiter verbessern …. wie eine Blume wachsen!“

Somit: Positiv gedopt, positiv gedacht, mit voller Kraft voran – höchstes tänzerisches Niveau ist dem neuen Ballettdirektor von seinem Vorgänger vorgegeben.        

 

Meinhard Rüdenauer, 2.8.2020

Besonderer Dank an unserer Freunde vom MERKER-online (Wien)

 

 

Mögliche positive Folgen der Corona-Krise auf die Opernregie im Allgemeinen und die Wagner-Rezeption im Besonderen

Einführung

Die Corona-Krise führte mit ihrer Auswirkung auf den Opernbetrieb - und auf den möchte ich mich hier konzentrieren - zu einer äußerst schmerzhaften kulturellen Enthaltung, deren Länge, de facto, noch nicht ganz absehbar ist und die fast alle Aufführungen seit über zwei Monaten und nahezu alle Opernfestspiele des Sommers 2020 getroffen hat. Danach werden wir besser oder gar erst nach längerer Zeit wieder so richtig wissen, wie bedeutend die Kultur für unsere westliche Gesellschaft und ihre Ausprägung in der klassischen Musik ist. Das war vielleicht auch einmal überfällig - für mein Dafürhalten sogar tatsächlich. Es könnten durchaus auch positive Lehren bzw. Entwicklungen aus der Corona-Krise für die Opernregie im Allgemeinen und die Rezeption des Wagnerschen Werkes im Besonderen gewonnen werden.

 

(Bild rechts: Der Autor mit adäquatem Mundschutz)

 

Die freischaffenden Sänger und ihre finanziellen Ansprüche

Zunächst einmal zu den freischaffenden Sängern, also den Menschen, Individuen wie Du und ich, die wie selbstverständlich stets bereitgestanden haben und bereitstehen müssen, wenn man schon ein Jahr im Voraus seine Saison- oder Festspielkarten bestellen muss, weil ja die Nachfrage nach bestimmten Aufführungen so groß ist etc. Hat jemals einer daran gedacht, dass etwas abgesagt würde, weil einer oder mehrere Sänger einfach nicht auftreten würden, aus welchen Gründen auch immer?! Es wäre gerade bei den Stars, obwohl diese die Corona-Krise am wenigsten trifft, fast immer ein Skandal. Das Fehlen der Freischaffenden würde manche Festspielaufführung unmöglich machen, denn schon lange werden wichtige Partien aus Kostengründen nicht immer gecovert - ein Spiel im vollen Vertrauen auf die absolute Disponibilität der Künstler ohne Netz und doppelten Boden!

Aus der Sicht der freischaffenden Sänger ist es aber nun genau umgekehrt: Nachdem ihnen Auftritte schon vor langer Zeit vertraglich zugesagt wurden, auf die sie sich oft mit viel Aufwand, zumal mit der Einstudierung neuer Rollen, vorbereitet haben, werden sie nun im Regen stehen gelassen, weil eine - eh viel früher als nun zugegeben sich abzeichnende - Pandemie daher kommt, mit der niemand gerechnet hat bzw. haben will. Diese Künstler haben, wie man leider in den vergangenen Wochen bedauerlicherweise feststellen musste, nicht das Recht, wegen pandemiebedingter Absagen eine Zahlung ihrer Gage und Spesen zu verlangen. Wenn sie etwas bekamen und noch bekommen, ist es dem Entgegenkommen des jeweiligen Theaters zu verdanken. Eine rechtliche Grundlage wie die Rückerstattung des Kartenpreises an die Besucher bei Ausfall der Vorstellung gibt es nicht. Ja, lange hat sich die Politik in Deutschland und Österreich gar nicht um diese so wichtige aber relativ wehrlose Arbeitnehmergruppe, denn das sind sie profan formuliert nun einmal, gekümmert. Mir schien es lange so, als schwebten die so bedeutenden Freischaffenden, ohne die kein Festival laufen kann - schon ganz einfach weil Festivals kein festes Ensemble haben (können) - im rechtsfreien Raum. Und das tun sie im Prinzip immer noch!

Nicht zuletzt unter dem Druck der interessierten Öffentlichkeit und Kulturinteressierten wird nun seit kurzem dieser Künstlergruppe auch mit gewissen finanziellen Zuwendungen gedacht, die allerdings bei weitem nicht den Schaden ersetzen, der ihnen durch die Absage ihrer Auftritte wegen Covid-19 entstanden ist und noch entstehen wird, mit all den sich für sie daraus ergebenden Konsequenzen. Was Österreich betrifft, so scheint sich mit der überfälligen Neubestellung der Kulturstaatssekretärin nun etwas zu tun. Auch in Deutschland ist man mittlerweile draufgekommen, wie bedeutend die Kultur für das Land ist, unter anderem auch, nachdem sich einige mutige und bekannte Opernsänger hinsichtlich ihrer Lage überregional artikuliert haben und weiter nach Mitstreitern suchen.

So löblich das ist, es kann nur der erste Schritt zur Formulierung einer gesetzlichen Grundlage für Ausfalls- und Entschädigungszahlungen sein, wenn ein solcher Fall eintritt, und zwar mit genau demselben Argument, wie auch die betroffenen Opernbesucher ihre bereits gezahlten Karten zurückerstattet bekommen. Denn eines ist hier zu beachten: Erst eine gesetzliche Grundlage würde einem nicht zu den Stars gehörenden Sänger die Sicherheit für eine Zahlung bei nicht selbstverschuldeter Absage geben, ganz einfach, weil eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Theater - mit oder ohne Erfolg - ein erneutes Engagement gefährden würde und sie oder er schnell in der Szene als problem maker bekannt würde, mit möglicherweise fatalen beruflichen Folgen.

Dass eine solche gesetzliche Grundlage formuliert und beschlossen wird, wäre eine erste positive Folge der Corona-Krise. Wir sollten uns endlich einmal klar darüber werden, dass es ohne Sänger keine Oper gibt und sie das Herz dieser Kunstform sind!

Die künstlerischen Aspekte

a) Finanzierung und Rolle der Agenturen

Nun aber zu den künstlerischen Aspekten. Die Opernszene wird sich nach der Corona-Krise ganz sicher auf reduzierte öffentliche Budgets und wahrscheinlich auch Sponsorengelder für neue Produktionen einrichten müssen. Alle werden weniger Geld haben, und die Kultur wird leider wieder einmal Gefahr laufen, auf einem der letzten Plätze der politischen Prioritäten angesichts anderer publikumswirksamerer und damit stimmenrelevanterer Notwendigkeiten zu landen. Daraus kann - grosso modo - die Szene durchaus etwas machen, wenn man nur will. Denn bei genauerem Betrachten des Geschehens konnte sich bisher durchaus der Eindruck einstellen, dass die Bestrebungen auch angesichts der sicheren Finanzierung durch die öffentliche Hand und private Unterstützung sowie insbesondere bei Festspielen allzu hoher und weiter steigender (mehr als signifikant kürzlich in Bayreuth) Eintrittsgelder nicht immer „der Kunst gelten“, wie Richard Wagner es in seinen „Meistersingern von Nürnberg“ fordert. Wagner war es auch, der sagte, dass die Eintrittspreise so gestaltet sein müssten, dass jeder in der Lage ist, seine Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ einmal in seinem Leben in Bayreuth zu erleben.

Stattdessen scheinen allzu oft materielle Interessen mächtiger Agenturen und manchmal auch Regisseure im Vordergrund zu stehen, die mit der Bereitstellung eines oder mehrerer erstklassiger Sänger bzw. ihrer Regieleistung eine Neuinszenierung nahezu im Alleingang besetzen und dabei Sänger bringen, ohne dass sie immer über die dazu nötige fachlich-musikalische Kompetenz verfügen. Dabei bleiben allzu oft viel bessere, nicht so gut vernetzte und/oder von weniger mächtigen Agenturen vertretene Sänger außen vor.

Um in diesem Zusammenhang Kostenreduzierungen und eine größere Bandbreite bei der Auswahl mittlerer und kleiner Rollen sowie damit eine größere Unabhängigkeit der Intendanten bei ihrer Besetzungspolitik zu ermöglichen, könnte angesichts knapper werdender Mittel ein gewisser Wettbewerb unter den Agenturen sowie eine vertragsbezogene Trennung zwischen den Regisseuren und möglicherweise bindenden Sängervorschlägen ihrerseits erwogen werden.

b)  Zur Rolle der Intendanten und Inszenierungsstile

Auch hier, auf der Seite des Opern-Managements, scheint es bemerkenswerte Defizite im Hinblick auf das prioritäre Erzielen eines größtmöglichen künstlerischen Ergebnisses unter den gegebenen Bedingungen zu geben. Es gibt Beispiele in der jüngeren Vergangenheit, wo persönliche und politische Ansprüche und Begehrlichkeiten vor das Bemühen um künstlerische Leistung gesetzt wurden.

In Zeiten geringer fließender Mittel in der Nach-Corona-Zeit wäre zu hoffen, dass die Ressourcen ergebnisorientierter und effektiver eingesetzt werden, um das maximal mögliche künstlerische Ergebnis zu erreichen.

Ähnlich verhält es sich auch mit einer nicht unbedeutenden Reihe von Intendanten, die in einem gut etablierten Machtsystem innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches Regieaufträge quasi nach Gutsherrenart vergeben (können) und sich dabei nicht darum zu kümmern scheinen, dass ihre Häuser immer leerer werden und in zunehmendem Maße Abonnements zurückgegeben werden. Das betrifft vor allem die mittleren Häuser, die B- und C-Häuser, die weitaus meisten also. Die Entstehung einer emsigen privaten Bürgerinitiative in Hannover ist nur ein Beispiel für die Reaktion eines Opernpublikums, das sich durch Inszenierungen nicht mehr angesprochen fühlt, die in der Regel durch einen über das Ziel hinausschießenden und damit unverständlichen Regietheater-Stil gekennzeichnet sind.

Eine Möglichkeit, in Zeiten knapper werdender Mittel nach Corona gleichbleibende oder gar verbesserte Qualität von Inszenierungen zu erreichen, könnte eine Art Wettbewerb (bidding) unter mehreren Regisseuren, dabei bewusst auch jüngeren sein, über deren Vorschläge ein fliegendes Fachteam dem Intendanten gegebenenfalls beratend zur Seite steht.

c) Regietheater und Fachkompetenz

Damit sei gar nichts gegen eine betonte Vorrangstellung der Regie und Werkinterpretation gegenüber Musik und Gesang gesagt. Meiner Meinung muss auch die Oper mit ihren Universal-Kunstwerken aktuelle Themen aufgreifen, und sie kann das auch - eine Musealisierung wäre sicher tödlich. Die Konzipierung des sog. Wagnerschen Regietheaters in den 1970er Jahren mit wegweisenden Inszenierungen des „Ring des Nibelungen“ durch Joachim Herz in Leipzig, Ulrich Melchinger in Kassel und schließlich Patrice Chéreau mit seinem sog. „Jahrhundert-Ring“ 1976 in Bayreuth - der er vom künstlerischen Anspruch her tatsächlich wurde - waren in diesem Sinne epochemachend. Gutes und im besten Sinne des Ausdrucks „wasserdichtes“ Regietheater ist allerdings anspruchsvoll und verlangt eine profunde Kenntnis des Opernhandwerks, der Stücke sowie der entsprechenden Musik, wobei nicht notwendigerweise das Notenlesen gemeint ist. Der schweizerische Bühnenbildner und Regisseur Roland Aeschlimann sagte in einem Interview, das ich mit ihm 2008 in Chamonix machte, passend dazu: „Heute ist alles in Tüten verpackt. Die Hühner haben keine Köpfe mehr, auch keine Füße, die Fische keine Köpfe und meist auch keine Flossen mehr. Die Losung muss aber heißen: Zurück zum Handwerk!“

In Zukunft sollte also in höherem Maße auf die fachliche Eignung und inszenatorische Erfahrung von Opernregisseuren oder solchen in spe geachtet werden, um Betriebsverluste durch eine später wegen Nachfragemangels eventuell notwendig werdende vorzeitige Absetzung der entsprechenden Produktion vom Spielplan zu vermeiden.

Opéra nacional du Rhin Strasboug: Premierenfeier "Parsifal" im Januar 202

d)  Zur Rolle des Publikums - und damit auch der Steuerzahler

Der Regisseur sollte ein Werk des sog. Musiktheaters auch als musiktheatralisches Werk begreifen und nicht als Theater nach seinem - oftmals allzu beliebigen - individuellen Gusto mit musikalischer Untermalung. So könnte er gleich Theater machen… Dann geht auch das Publikum verloren. In manchen deutschen Häusern wird der oberste Rang schon gar nicht mehr geöffnet, weil die „normalen“ Abonnenten, von denen die Oper aber lebt, die Werke nicht mehr verstehen, das Gesehen nicht mehr nachvollziehen können, zumal wenn sie zum ersten Mal mit dem Stück in Berührung kommen, und somit das Interesse verlieren. Da reicht es dann manchmal auch nicht, wenn ein bis dato relativ unbekannter Regisseur für ein Festival bestellt wird, das dann als „spannend“ begründet wird und das Stück schließlich vor der Zeit aus dem Spielplan genommen werden muss - verbunden mit entsprechend höheren Kosten. Dazu noch einmal Roland Aeschlimann: „Das Publikum muss freien Raum haben - das ist entscheidend. Die Oper ist schon selbst surrealistisch - die Menschen sprechen singend zueinander. Das ist nicht gerade natürlich, eröffnet aber neue und interessante künstlerische Perspektiven. Die Opernarbeit ist stets so zu machen, dass sie beim Publikum ankommt. Es muss aber verstehen, was es sieht und hört, und dabei nimmt die Lichtregie eine sehr wichtige Rolle ein.“

Eine Rechtfertigung für einen solchen Publikumsschwund kann keinesfalls mit der Verständnislosigkeit des Publikums für das Programm und die Art seiner Ausführung gerechtfertigt werden. Hier sind in erster Linie öffentliche Mittel im Spiel, die Häuser haben im Rahmen einer weiter gesteckten Kulturpolitik in Ländern mit großer Kulturtradition wie Deutschland und Österreich die Aufgabe, möglichst viele Interessierte in ihre Säle zu locken. Mit einer derart weitreichenden Verfehlung der Publikumsinteresses gerät dann auch der bildungspolitische Auftrag der Opernhäuser in Frage, auf dessen Basis nicht zuletzt die öffentliche Finanzierung erfolgt. Ausgerechnet die oft als so spektakulär und vermeintlich aufregenden Regietheater-Produktionen sind ja genau die, die auch besonders teuer sind. Wir sollten in diesem Zusammenhang nicht außer Acht lassen, dass die deutsche Opernwelt in der Saison 2017/18 signifikant Besucher verloren hat und man damit auf dem gleichen Niveau wie vor sieben Jahren war. Der Publikumszuspruch in Deutschland ist klar abnehmend. Die rasante Zunahme der Bedeutung der sozialen Medien ist gerade für junge Menschen kaum ein Grund, öfter in die Oper zu gehen. Und diese wird die Oper auf lange Sicht brauchen. Ein zentrales Problem sind in diesem Zusammenhang die vermeintlichen Kultur-Eliten (sowohl bei den Kulturmachern als auch bei den Kritikern), die sich in gewissem Ausmaß selbst genügen und denen das breite Publikum egal ist. Das geht zumindest gut in Deutschland, weil der Kulturbetrieb im Vergleich zum Ausland in besonders hohem Maße öffentlich subventioniert wird. Diese Meinungsmacher arbeiten oft mehr im eigenen Saft anstatt im Dienst des Werkes und des Publikums.

Es ist zu hoffen, dass in den kommenden Zeiten zunehmender Mittelknappheit eine Besinnung aller Verantwortlichen einsetzt, insbesondere der Intendanten, welche Regisseure man bestellt und was man mit deren Interpretation im besten Sinne der Opern-Kunst und nicht ohne das jeweilige Publikum ganz aus dem Auge verlierend, zu erreichen beabsichtigt. Dazu könnte die Post-Corona-Zeit nun einen guten Anlass bieten.

Einige Gedanken zu einer moderateren Wagner-Rezeption

Gerade in der Rezeption des Oeuvres von Richard Wagner hat sich der mittlerweile auch schon als Wagnersches Regietheater bezeichnete Inszenierungsstil weitreichend entwickelt, obwohl man in vielen Fällen, wie beispielsweise zuletzt beim neuen „Ring“ in Nürnberg, aber auch beim vorletzten „Tannhäuser“ in Bayreuth nicht immer von Entwicklung, sondern eher von Fehlentwicklung sprechen muss. Neulich sagte mir eine befreundete Wagnerkennerin auf meine Rezension des laufenden Wiener „Parsifal“ hin sinngemäß: Mittlerweile haben wir zwei Inszenierungen von Wagner-Werken, die auf einer Psychiatrie spielen, und damit zwei zu viel. Nach den Nazi-Uniformen, Business-Anzügen und Aktenkoffern sind es nun die alten Krankenhausbetten und ärztliches Personal samt medizinischer Gerätschaften, etc. die die Bühne beherrschen. Das alles wird über das Werk gestülpt, nicht nur über das von Wagner, wie eine Haube, und schon hat man eine neue Inszenierung - und dazu noch eine recht teure. Das Verhältnis der Personen zueinander ist nicht so wichtig, man müsste sich mit einer ausgefeilten und sich an der Musik orientierenden Personenregie bei einsprechender Werkkenntnis auch sehr viel Mühe geben. Und auf die Musik kommt es schon gar nicht an. Das Wiener „Parsifal“-Einheitsbühnenbild von Alvis Hermanis ist in diesem Sinne doch eindrucksvoll genug!

Solches und Ähnliches kann man heute im deutschsprachigen Raum immer mehr erleben, wenn es um Wagner geht. Ob das letztlich dem Publikum gefällt und wirklich stückbezogen und nachvollziehbar durchdacht ist, scheint zweitrangig. Dies könnte in Zukunft bei knapperen Mitteln für Neuproduktionen infolge der Corona-Krise schwieriger werden.

Nun gibt es gerade in der Wagner-Rezeption ein blendendes Beispiel, wo in der Not der Mittelknappheit sogar gleich ein ganz neuer Inszenierungsstil geboren wurde, der bis heute noch von vielen immer noch als d e r Referenz-Stil für das Wagner-Theater gesehen wird - der Neu-Bayreuther Stil von Wieland Wagner 1951 und später auch seinem Bruder Wolfgang. Man hatte damals zum Neubeginn der Festspiele schlicht und einfach kein Geld für großartige Bühnenbilder und kam auf die Bedeutung und Möglichkeiten des Lichts sowie eines reduzierten Bewegungstheaters im altgriechischen Stil.

So könnte vielleicht auch das Licht mit seinen heute viel facettenreicheren Möglichkeiten ein wesentliches dramaturgisches Element in der künftigen Wagner-Rezeption werden. Man kann das beispielsweise beim neuen „Ring“ am der Finnischen Nationaloper Helsinki bewundern. Phänomenal gelingt dort die Goldgewinnung durch Alberich im „Rheingold“: Auf seiner Hand treffen sich durch einen technischen Trick grelle goldene Strahlen punktgenau wie die Hälfte eines Sterns - das Gold hat sich zu seinem Fluch auf die Liebe virtuell in seiner Hand eingefunden! Auch im 3. Bild gelingt eine überaus eindrucksvolle chiffrenartige Goldprojektion. Die meisten Bilder, besonders jene in den Zwischenspielen, werden durch den finnischen Lichtdesigner Mikki Kunttu schemenhaft verfremdet, was Assoziationen zwar ermöglicht, aber niemals zu eng werden lässt. Eine gelungene Video-Regie!

Finnische Nationaloper Helsinki, "Das Rheingold", 1. Bild - Alberich "erzwingt" das Gold durch Licht.

 

Vielleicht ein Wink in eine Zukunft, in der auch wieder mit etwas mehr Ehrfurcht vor den Schöpfungen des Komponisten Wagner an seine Werkinterpretation herangegangen wird, bei gleichzeitiger Nutzung heute zur Verfügung stehender technischer Mittel, aber prinzipiell geleitet von der Werkaussage. Vielleicht, ja ich glaube es sogar, erleben wir dann auch wieder mehr ausverkaufte Häuser, und die Corona-Krise hätte auch eine positive Wirkung auf die künstlerisch-ästhetische Werk-Interpretation Richard Wagners gehabt.

      

Fotos 1-3: K. Billand; Foto 4: Internet; Foto 5: Ralph Larmann     

Klaus Billand                                                                                                                            

 

Unendlich weit mehr als Orthographie !!

Ein Appell gegen die sogenannte Gendergerechtigkeit

Angesichts der wieder einmal so frappierenden Versuche in der Sendung von Anne Will am letzten Sonntag, der sogenannten Gendergerechtigkeit in der deutschen Sprache Auftrieb zu verleihen, haben wir von unserem Redakteur Dr. Klaus Billand einen Aufsatz übernommen, den er schon vor einem Jahr dazu veröffentlicht hat. Er hat ihn aufgrund der Sendung auch an die Redaktion von Anne Will geschickt.

Die fortschreitende Verhunzung der deutschen Sprache hat mich veranlasst, mir zu dem Thema einige Gedanken zu machen:

Zur kürzlichen Diskussion: Thomas Steinfeld (“Geschlechtergerechtes Deutsch? Grammatikalisch unmöglich!”) geht das Thema weniger emotional als Michael Zerban an, kommt aber über eine genauere Betrachtung der eigentlich hier zur Diskussion stehenden Phänomene, nämlich des biologischen und des grammatischen Geschlechts, zum gleichen Schluss.

Das Ganze ist eine Verdummung und unzulässige Verfälschung der deutschen Sprache, zumal diese mit Änderungen der Grammatik nicht mit sich spielen lässt. Und somit sollte man damit sofort aufhören, wie übrigens alle Schriftsteller in ihren Büchern und sonstigen Schriften nie darauf eingegangen sind. Übrigens auch nicht die Schriftstellerinnen. Und sie alle sollten eigentlich Deutsch beherrschen.

Es gibt ja nun noch ein weiteres Argument, das zur sofortigen Beerdigung der Verdopplung der Substantive wie „Die Studenten und Studentinnen“ oder die „Einwohner und Einwohnerinnen“ etc. führen sollte. Warum eigentlich liest man nie die „Einbrecher und Einbrecherinnen“, die „Ehebrecher und Ehebrecherinnen“ und ähnliche, möglicherweise noch negativer besetzte Substantive?! Steinfeld macht nämlich klar, dass

„Zwar gibt es Wörter, in denen das Ableitungsverhältnis in der Bedeutung verschwunden zu sein scheint. Die „Lehrerin“ zum Beispiel oder auch die „Bundeskanzlerin“ treten praktisch als unabhängige Figuren auf. Grammatisch ist das Verhängnis aber immer noch da. Diese Eigenheit der deutschen Sprache führt dazu, dass die Verfechter der geschlechtergerechten Sprache die Dominanz des Männlichen reproduzieren, wenn sie Gleichheit zu schaffen meinen.“

Noch intensiver steht es dabei mit den abhängigen Figuren auf, also z.B. „Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen“ etc. Ich habe schonmal vor dem Problem gestanden, dass ich einen Aufsatz begann, in dem im ersten Paragraphen von etwa einer halben Seite immer wieder abhängige Formen vorkamen, also wie „die Forscher“, danach die „Studenten“, etwa sieben Mal. In dem Fall hätte ich siebenmal die „-innen“-Form dazu setzen müssen. Ein Lesen wäre zur Qual geworden. So ist es ja auch lustig zu sehen, dass selbst die Verfechter der geschlechtergerechten Sprache oft nach einiger Zeit nicht mehr so genau hinschauen bei den abhängigen Figuren, es also schon mal bei den „Wissenschaftlern“ im weiteren Textverlauf allein belassen. Möglicherweise wird ihnen auch das Lesen dann zu fad…

Erschreckend ist unterdessen, dass selbst das Deutsche Goethe-Institut, welches insbesondere zur Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur im Ausland geschaffen wurde, immer noch bei den abhängigen Formen die Suffixe „-in“ und „-innen“ bringt. Man achtet dabei sogar auch darauf, dass „Ladys First!“ gilt.

Hier zwei Beispiele von der Website des GI:

1) Von minimalistischen Skizzen zu detailreichen Bildern, von autobiografischen Geschichten bis hin zu historischen Erzählungen: Die Szene der deutschen Comiczeichnerinnen und -zeichner ist vielfältig. Wir stellen Künstler vor – und erzählen, was sie bewegt.

Während europäische Großstädte wie Berlin oder Paris immer weiter wachsen, gibt es Regionen in Europa, die von Perspektivlosigkeit geprägt sind. Doch wie leben Menschen in diesen aus dem Blickfeld geratenen Gegenden? Vier Fotografinnen und Fotografen haben sich auf Einladung des Goethe-Instituts auf die Reise nach Albanien, Deutschland, Italien und Belarus begeben, um verschiedene Lebenswelten und Familiengeschichten zu beleuchten.

2) Es gibt ein Europa fern der urbanen Zentren, das wir nur selten in den Blick nehmen und dessen Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend ungesehen bleiben. Für das Projekt „Im Schatten – Familien in Europa“ sind vier Fotografinnen und Fotografen aus Albanien, Belarus, Deutschland und Italien sowohl in das eigene als auch in eines der anderen Länder gereist, begleitet von ortskundigen Journalistinnen und Journalisten. Die entstandenen Arbeiten mündeten in die Ausstellung „Unseen / Ungesehen. Blicke auf Europa. Vier Fotografen auf Reisen“, die gestern im Mailänder Zentrum für internationale Fotokunst MiCamera eröffnet wurde.

Vielleicht sollte jemand dem GI mal klarmachen, was Steinfeld über die Verstärkung der Maskulinität des weiblichen Anhangs „-in“ und „-innen“ sagt, wenn er der männlichen Form einfach angehängt wird. Etymologisch entwickelte sich übrigens in der deutschen Sprache das „-er“ als Charakterisierung desjenigen, der etwas macht, also, der Macher, der Bäcker, der Schaffner, der Bäcker usw. Im Grunde ist das das nicht markierte Geschlecht. Es war immer unbestritten, dass beim Plural nicht auch Frauen dabei sein konnten. Nur konnten bei „Lehrerinnen“ etc. niemals Männer dabei sein. Wenn es gilt, ein sog. „Binnen I“ sprachlich wiederzugeben, hörte es sich also an, als seien nur Frauen gemeint, obwohl auch Männer mit dabei sind… Dazu muss man noch sagen, dass der Plural dieser Substantive auf „-er“ mit dem bestimmten Artikel „die“, also einer Femininform, gebildet wird.

Auf Sternchen, Unterstriche, Ausrufezeichen und also auch das sog. „Binnen-I“ und Ähnliches möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Reiner Blödsinn! Und wie sollen das Ausländer verstehen, die Deutsch lernen wollen?!

Noch weitere Publikationen dazu, die ich bei meiner Recherche fand:

Dieser ist wohl der beste Essay dazu:
https://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht-1.3402438

Und dann Wikimannia:
http://de.wikimannia.org/Generisches_Maskulinum

 

Feministische Sprachkritik
In den 1970er Jahren begannen feministische Quotenfrauen, die ihre Existenz irgendwie beweisen mussten und ihre Aufgabe darin sehen, Frauen immer und überall als Opfer zu inszenieren, damit, das Generische Maskulinum zu kritisieren und zu behaupten, darin sei eine Benachteiligung der Frauen gegeben.

Diese Behauptung ist in keiner Weise stichhaltig:

1. Keine Frau hat je im Generischen Maskulinum eine Benachteiligung gesehen. Dieses künstliche Problem besteht nur im Elfenbeinturm feministischer Pseudowissenschaften.
2. Es gibt in der deutschen Sprache auch ein Generisches Femininum, ohne dass dieses die feministischen Sprachkritiker gestört hätte. Auch das macht ihr Vorbringen und ihre Motive unglaubwürdig.
3. Frauen werden nicht durch grammatisch maskuline Bezeichnungen entweiblicht, wie auch Männer nicht entmännlicht werden, wenn man sie beispielsweise eine Person nennt.
4. Der vorgebrachte Einwand, Frauen wären nur mitgemeint, ist nicht stichhaltig, weil im Generischen Maskulinum auch Männer nur mitgemeint sind.
5. Weibliche Formen wie beispielsweise Professorinnen sind letztlich auch nur Generika, in der die einzelne Frau auch nur mitgemeint ist.

Insgesamt hat die feministische Sprachkritik wenig Substanz, so wie diese auch bei der Lohndiskriminierungslüge, wo die wortreich immer wiederholte Behauptung den konkreten Beleg ersetzen muss, die gesamte Frauenforschung und Gender-Wissenschaft insgesamt sehr substanzlos sind und in denen, wie in einem Theater, immer die gleichen zwei Stücke zur Aufführung kommen: „Die Frau ist das Opfer“ und „Der Mann ist der Täter”.

Das generische Maskulinum wird laut dem Duden traditionell dann gewählt, „wenn das natürliche Geschlecht unwichtig ist oder männliche und weibliche Personen gleichermaßen gemeint sind. Das Maskulinum ist hier neutralisierend bzw. verallgemeinernd (‚generisch‘).“ Da das Maskulinum neben seiner generischen Funktion auch spezifisch (also ausschließlich für Männer) verwendet werden kann, hängt es ohne explizite Hinweise von der jeweiligen gesellschaftlichen Situation und vom Einzelnen ab, ob das andere Geschlecht eingeschlossen wird.

 

Beispiele für die verschiedenen Varianten des Generischen Maskulinums im Deutschen:

Variante 1 – Inklusion
Frauen sind mitgemeint.

Variante 1a – Pluralinklusion
Die Rede ist von Gruppen, zu denen (vermutlich) auch weibliche Personen gehören. Die Wanderer gingen den Berg hinauf.

Variante 1b – Singularinklusion
Die Rede ist nicht von einem bestimmten realen Mann, sondern von einer imaginierten Person als Träger einer Rolle oder von Eigenschaften und ohne Hinweis auf deren Geschlecht; es liegt ein generalisierender Singular[wp] vor.
Ein Feuerwehrmann hat keine Angst vor dem Feuer. – Geistig sind Frauen im Begriff der Feuerwehrleute dann eingeschlossen, wenn man einen weiblichen Feuerwehrmann für möglich hält. Der Deutsche gilt als fleißig.

Variante 2 – Exklusion
Eindeutig (ausschließlich) weibliche Personen werden mit grammatisch maskulinen Bezeichnungen bezeichnet.

Variante 2a – Singularexklusion
Die Rede ist von einer einzelnen weiblichen Person.
Sie ist unser bester Ingenieur.

Variante 2b – Pluralexklusion
Die Rede ist von mehreren weiblichen Personen; Zusatzinformation bei Benutzung des generischen Maskulinums: Es treten auch keine männlichen Sänger mehr auf. Die letzten Sänger, die auftraten, waren Lisa und Anna.

Variante 2c
feststehende Redewendung, die – anders als Variante 2a – nicht moviert werden kann, wenn sie auf eine Frau oder auf Frauen bezogen wird. Die Bundeskanzlerin wurde der Lage Herr.

Gelegentlich werden auf Menschen auch generische Feminina (die Person, die Fachkraft, die Geisel, die Waise) und generische Neutra (das Opfer, das Kind, das Mitglied, das Lebewesen) angewandt. Zur Kategorie der generischen Neutra gehören alle Verkleinerungs-formen, sofern sie als solche erkannt und empfunden werden (das Männchen, das Schneiderlein, das Hänschen, das Lieschen).
Es kommt in der deutschen Sprache und in den meisten Sprachen, die über mindestens zwei Genera verfügen, relativ häufig vor, dass das Genus[wp] (das grammatikalische Geschlecht) einer Personen¬bezeichnung vom Sexus[wp] (dem biologischen Geschlecht) der bezeichneten Person abweicht. Bei Menschen wird im Deutschen das generische Maskulinum häufiger als das generische Femininum und das generische Neutrum benutzt (z. B. bei so gut wie allen Berufsbezeichnungen und Nomina agentis).

Auch für die Bezeichnung von Tieren gibt es in der deutschen Sprache neben generischen Maskulina (der Hund, der Löwe) sowohl generische Feminina (die Gans, die Katze) als auch generische Neutra (das Pferd, das Nashorn).
Die Bezeichnung generisches Maskulinum ist nicht auf Gegenstände (der Tisch) und Abstrakta (der Ruhm) anwendbar, weil es in diesen Fällen keinen Konflikt zwischen dem Genus des Wortes (des sprachlichen Zeichens) und dem Sexus des Bezeichneten geben kann.

Das Strafgesetzbuch und andere Gesetzestexte verwenden das generische Maskulinum. Ministerinnen gelten im Sinne des Gesetzes als Minister und Mörderinnen als Mörder.

Und hier der ultimative Aufsatz dazu:
http://stemke.piraten-nds.de/2014/08/10/wie-die-geschlechter-entstehen/

 

Klaus Billand  31.5.2020

Karikaturen (c) Peter Klier

 

 

 

 

Etiam altera pars audiatur

Staatliche Subvention allein garantiert künstlerische Freiheit

Replik zum Gastbeitrag Jörg Eich vom 11.Mai 2020

BILDUNG IST EIN STAATSAUFTRAG. Soll heißen: EIN AUFTRAG DES SOUVERÄNS AN LEGISLATIVE UND EXEKUTIVE! Der Souverän ist der Stimmbürger, welcher die Legislative wählt. Die Legislative und die Exekutive und die Judikative werden vom Steuerzahler honoriert, ob er mit ihrer Arbeit zufrieden ist oder nicht, diese werden also " SUBVENTIONIERT", genauso wie die Arbeit der Kulturschaffenden. Ein Unterschied allerdings besteht: Weder Legislative, noch Exekutive noch Judikative erarbeiten irgendwelche Gelder, sie geben diese nur aus. Und dies sind die Steuergelder, welcher jede, jeder bezahlen muss ob man will oder nicht!

Die öffentlichen Schulen, die Bildungsanstalten werden vom Staat bezahlt, so auch alle Mitarbeiter. Schulen erarbeiten ebenso wenig Eigenmittel wie die oben erwähnten Staatsbehörden. Alle Bürger sind nicht nur Gehaltsempfänger, sondern auch Steuerzahler. Dies gilt ebenso für alle Kulturschaffenden, welche einerseits Subventionen empfangen und andererseits mit Eigenfinanzierung, sprich Eintritten in Theater, Konzert, Film usw. Einnahmen generieren, welche wiederum besteuert werden. Dazu kommt, dass die Kulturinstitutionen, hier im Besonderen Musik- und Sprechtheaterhäuser, immer, fast immer auch Ausbildungsbetriebe sind. Also wiederum Bildungsaufgaben übernehmen.

Nicht vom Staat subventionierte Kultur ist auf Sponsoren und Gönner angewiesen, siehe das amerikanische System. Diese Sponsoren nehmen großen Einfluss auf die Gestaltung der Aktivitäten unter der Drohung, dass das Geld bei Nichteinhalten der Vorgaben einfach nicht fließt.

Staatliche Subvention allein garantiert künstlerische Freiheit. Was passiert, wenn der Staat anfängt die Kulturbetriebe zu gängeln, kann am Beispiel des Dritten Reiches bestens nachvollzogen werden: Was nicht ins politische Schema passte, wurde als ENTARTETE KUNST, bezeichnet und schlicht verboten und unter Strafe gestellt. Heute werden von den Kritikern, den Kulturjournalisten missliebige Produktionen aller Art als GERMAN-TRASH, REGIETHEATER, VERKOPFTE PRODUKTIONEN und anderes mehr bezeichnet.

In einem Interview mit dem Opernfreund beantwortete Olivier Py, seines Zeichens Intendant und Theaterregisseur in Frankreich (Avignon) nachstehende Frage:

OF: Viel ist die Rede vom Regietheater. Im Musiktheater war früher oft der Dirigent der Vorherrschende, heute scheint es der Regisseur zu sein. Im Sprechtheater führt allem Anschein nach das Regietheater oft zu Verstümmelung und extremen Kürzungen der Texte und/oder der Musik. Halten solche Mechanismen nicht oft das Publikum vom Theaterbesuch ab? Oder haben die Theater Angst, lange Aufführungen könnten das Publikum vom Besuch abhalten?

Olivier Py: Abhalten?! Aus welchem Grund? Ich glaube nicht. Das Publikum kommt ins Theater, in die Oper, weil sie eine neue Generation Regisseure, Dirigenten erleben wollen. Auch ändert sich natürlich der Zuschauer, die Zuschauerin. Und ich glaube auch, dass das neue Publikum Interpretationen sehen will, welche mit der modernen Welt verbunden ist, der neuen Welt einen Spiegel vorhält. Wenn das Publikum fehlt, ist der Grund nach meiner Meinung der Eintrittspreis, welcher doch oft sehr hoch, zu hoch erscheint! Wobei anzumerken ist, dass eher das Sprechtheater unter dem Zuschauerschwund leidet. Musiktheater kommt meiner Erfahrung nach sehr gut an und verkauft sich auch gut. Regietheaterismus ist schlussendlich eine journalistische Sichtweise. Jeder Künstler, Regisseur, Dirigent, Sänger oder Sängerin ist ein Original, nie eine Kopie und hat seine eigene Sichtweise auf eine Rolle, ein Werk. Ich bin überzeugt, dass ein Regisseur zum Beispiel nicht bewusst schockieren will, sondern an seine Sichtweis als ein schönes Kunstwerk glaubt. Es kommt vor, dass ich ein Stück traditionell, originalgetreu inszeniere und damit den grossen Skandal hervorrufe. Wieso? Ich weiss es nicht! Das Interview mit Py und anderen Interviewpartnern ist im OF auf der Peter Heuberger Seite zu lesen.

Der grösste Konkurrent von Theatern und Filmsälen ist heute das Fernsehen: Es ist bequemer zu Hause sich ein FERNSEHFORMAT anzuschauen, dabei ein Glas Wein, ein Bier zu genehmigen und dies im bequemen Hausdress. Kein Umkleiden, keine Parkplatzsuche. Dabei geht vergessen, dass Fernsehen auch etwas kostet und zwar wahrscheinlich mehr als ein gelegentlicher Theaterbesuch.

Im Kommentar von Herrn Eich greift dasBeispiel Wien greift zu kurz. Wien ist, war stolz darauf, uralte Produktionen immer wieder mit neuen Sängerinnen und Sängern, aber gleicher Inszenierung auf die Bühne zu bringen und dies als Touristenmagnet vor allem aus Asien zu verwenden. Solches Tun entwickelt die Theaterlandschaft nicht weiter und ist rein monetär bedingt! Die Share-Holder Value, die oberste Maxime der Wirtschaft lässt grüssen.

 

Peter Heuberger (Schweiz-Korrespondent des OPERNFREUNDs), 12.5.2020

 

AKTUELLE GEDANKEN ZUM OPERNGESCHEHEN

Mit den nachfolgenden Gedanken würde ich gerne einen Anstoß geben, um das Operngeschehen in zukunftssichere Bahnen zu lenken. Denn das Ganze läuft meiner Meinung nach mehr und mehr aus dem Ruder.

 

- Da wird von Kongressen und Studien berichtet, die zeigen, dass nach Lösungen gesucht werden muss, um dem Publikumsschwund entgegen zu wirken.

- Da weiß man, dass im übersubventionierten deutschen Kulturbetrieb viele Inszenierende sich selbst verwirklichen, „german trash“ produzieren und auf das Publikum pfeifen (ganz anders als überwiegend im Ausland - und selbst da gibt es Auslastungsprobleme).

- Da kann man sich an den fünf Fingern abzählen, dass Corona die Kulturbetriebe noch lange in Finanznot bringen wird und die Subventionierenden noch lange derbe Finanzprobleme haben werden und damit die Spendierhosen zugeknöpfter werden.

- Da stehen im Kulturbetrieb wenigen gut bezahlten und teilweise mit vollen Händen Geld ausgebenden eine Masse an eher sehr knapp bezahlten Menschen gegenüb

Und in diesen Zeiten beklatscht man kommendes Regietheater in Wien mit einem neuen Direktor, dem erklärtermaßen Auslastung nicht so wichtig ist. Und der Kulturbetrieb in Deutschland möchte noch mehr finanziell unterstützt werden (verständlich, wenn man an Einzelschicksale denkt) und jammert - überwiegend ohne neue Konzepte - weil er ja bald so weitermachen will wie bisher. Wäre es jetzt nicht mal an der Zeit für einen Paradigmenwechsel aus der Kultur selbst heraus zu sorgen? Denn wenn die Kultur-„Eliten“ zufrieden gestellt sind, dann heißt das noch lange nicht, dass der Kulturbetrieb nicht am Stock gehen wird, weil die Publikumsbreite mehr und mehr weg bleibt. Verschärft wird das Problem zur Zeit noch dadurch, dass Abonnenten zu einem großen Teil zur Risikogruppe gehören und zurückhaltender bei Opern- und Theaterbesuchen sein werden.

Mir scheint, dass Demokratie heute so interpretiert wird, dass jeder machen kann was er will. Im Grundgesetz steht aber, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beschnitten wird. Auf den Kulturbetrieb übertragen heißt das für mich, dass die Kulturverantwortlichen in erster Linie verpflichtet sind gegenüber:

- dem Werk,

- der subventionierenden Gesellschaft

(in Deutschland gehen nur 3% der Bevölkerung regelmäßig in Oper oder Theater, d.h. 97% derjenigen, die das Thema gar nicht interessiert zwangs-subventionieren einen selbstgefälligen Kulturbetrieb),

- den zahlenden Zuschauern.

Und daran müssten Intendanten und Regisseure ihre eigene Gehirnakrobatik zunächst einmal spiegeln. Denn Kunst dient meiner Meinung nach eben nicht in erster Linie dem inszenierenden Individuum. Es heißt „Freiheit der Kunst“ und nicht „Freiheit des Kunstmachenden“. Nicht „wie verwirkliche ich mich selbst am besten“, sondern „wie kann ich viel und neues, zahlendes Publikum gewinnen und dabei den Kern der Werke vermitteln“ sollte der neue Leitgedanke sein.

 

Karikatur von unserem Hauszeichner Peter Klier

Gastkommentar von Jörg Eich, 11.5.2020

 

 

Der Unsicherheitsfaktor „Mensch“

Neulich sah ich in einer deutschen Nachrichtensendung einen deutschen Politiker, ich kenne ihn nicht, ich weiß nicht, wen ich zitiere. Aber er sagte, man müsse die Verantwortung für das weitere Geschehen wieder in die Hand der einzelnen Menschen legen. Hurra, nichts anderes wollten wir hören.

Aber da stock’ ich schon – denn wer garantiert, dass der Mensch ein intelligentes, veranwortungsbewußtes, soziales (also auch auf das Wohl seiner Umwelt orientiertes) Wesen ist, dem man diese „Selbstverwaltung“ seines Schicksals ohne zu zögern anvertrauen kann?

Ich erinnere mich mit Kopfschütteln an das Foto einer amerikanischen Mutter, die mit einem Haufen Kinder eng gedrängt im Gras sitzt, umgeben von Transparenten: „My Rights are from God“ und „My Rights are not from the Government“. Zu Deutsch: Ich lasse mir nicht vorschreiben, mich und die Meinen zu schützen, und auch nicht, dass ich möglichst niemanden gefährden soll. Ich bin ich und basta…

Die Beispiele, dass Wenige verderben, was viele richtig zu machen suchen (Umfragen sagen, dass in Österreich 90 Prozent der Bevölkerung die Vorgaben der Regierung für sinnvoll halten und mittragen), sind leider zahlreich.

Schweden ist das Musterland für das, was DDr. Christian Fiala predigt (zuletzt in einem langen Interview von „News“, das beleidigt ist, nicht wie Dichands und Fellner angeblich von Kurz „gekauft“ zu sein und folglich aus allen Rohren schießt): Dass Covid-19 ein Virus sei wie alle anderen auch und alle Maßnahmen der Regierung sinnlos und schädlich sind, dass wir am besten täten, „Corona“ zu ignorieren, darüber hinweg zu leben und zu warten, bis es (wie die Grippe) einmal aufhört, was angeblich in der heißen Jahreszeit ohnedies der Fall sein wird. Ja, wenn man dessen sicher sein könnte, wenn irgendjemand irgend etwas so genau wüsste, dass er definitive und richtige Entscheidungen treffen kann!

Zurück zu Schweden, wo man alles offen gehalten hat, jetzt aber überlegt, Restaurants und Kaffeehäuser doch zu schließen, weil die Menschen sich nicht an die Vorsichts- und Abstandsregeln halten. Ratschläge der Regierung braucht man offenbar nicht zu befolgen – und wenn die Schweden jetzt etwas härter agieren und erklären, es handle sich sehr wohl um Richtlinien, die zu befolgen seien, werden sie nach all der liberalen Freizügigkeit, die sie bis jetzt gezeigt haben, die Leute zum Umdenken und verantwortungvollen Handeln bringen?

Ja, gerade habe ich auch gelesen, dass man im Großraum Sydney die geöffneten Strände nach wenigen Tagen wieder geschlossen habe. Weil das Ersuchen, dass dort nur wenige Menschen Sport betreiben sollten und im übrigen nicht zusammen rücken, absolut nicht befolgt wurde. Statt dessen war für die Australier offenbar Party, Party angesagt. Was soll man nun machen? Wenn man durch Verbote doch die Bürgerrechte beschränkt! Wenn man doch dem österreichischen Kanzler einen Shitstorm an den Hals hetzt, wenn er einfach sagt, es sei keine Schande, seine Kinder in Betreuung zu geben, damit man wieder arbeiten gehen kann… Auch die Journalisten, die das aufbauschen, gehören auch und leider sehr zum Unsicherheitsfaktor Mensch.

Und die Kultur, die uns allen so am Herzen liegt? Werden wir alle neues Verhalten lernen? Werden jetzt alle, die (glücklicherweise sehnsüchtig) in die Museen streben, bedenken, sich beim Anstellen nicht zu drängeln, vor Bildern nicht auf den Nebenmann aufzurücken, damit man bessere Sicht bekommt?

Und die Theater? Keine Ahnung, was Bogdan Roscic am Sonntag verkündet, aber es gibt noch keinen Orchestergraben der Welt, wo Musiker mit einem Meter Abstand von einander sitzen können (abgesehen davon, dass man viel mehr Notenpulte bräuchte, wenn Musiker nicht mehr ein Notenmaterial teilen können). Und auf der Bühne? Bleib mir vom Leib, Aida, ich kann Dich leider nicht einmal im Tod umarmen? Und die Zuschauer? Stundenlang mit Maske vor dem Gesicht in einem geschlossenen Raum – das kann zu Panikattacken führen!

Ich habe auch schon Erwägungen gehört, man könne in Salzburg beim „Jedermann“ im Freien (und nur dort) nur jeden zweiten Sitz  belegen. Wer bekommt dann, beim überlaufensten Stück, die Karten, von denen nur noch die Hälfte zur Verfügung steht? Und – rechnet sich das Ganze überhaupt noch, denn die Stars werden wohl Gagenreduktion auf die Hälfte nicht gerne sehen. ..

Wie soll das Ganze funktionieren? Ich weiß nur eines, dass niemand, auch kein Politiker in die Zukunft schauen kann. Und sie müssen Entscheidungen treffen, die – dramatisch gesagt – Leben und Tod betreffen. Auch wenn Frau Lunacek mehr von dem verstünde, was ihr anvertraut ist, wäre sie nicht gescheiter. (Aber in Österreich war man ja immer der Ansicht, Politiker müssten von dem, was sie tun, nichts verstehen – Claudia Schmied bekam einst angeboten, sich das Ressort auszusuchen, das sie wolle, und da hat sich die Bankerin „halt“ die Kultur genommen…)

In Wien marschierten 200 Demonstranten und trugen Transparente wie „Lieber in FREIHEIT sterben als LEBEN in euren Verordnungen“. Quod erat demonstrandum. Wenn es nicht den „Unsicherheitsfaktor Mensch“ gäbe, könnte man vielleicht etwas riskieren. Aber da man es besser weiß… was tun? Der Vorhang zu und alle Fragen offen?

Renate Wagner, 7.4.2020

 

 

Der neue Spielplan der alt-ehrwürdigen Wiener Staatsoper ist da - hipp hipp hurra....

Willkommen im 21. Jahrhundert ;-)

Da kann man nur rufen: WOW! Es sind praktisch alle bedeutenden Vertreter moderner Musiktheater-Regie des 20. und 21. Jahrhunderts dabei. (Bieito, Castorf, Kosky, Neuenfels, Serebrennikov, Tcherniakow, Wieler...)

Die Schreckenherolde und Albtraum-Evozierer des friedfertigen konservativen Opernpublikums dieser Welt. Unabhängig davon, ob man sie mag - ich bin da persönlich sehr reserviert - aber was für eine Leistung des neuen Intendanten Roščić und seines Teams diese wirklich fast alle (!) schon in der ersten Saison zusammen zu bekommen. Das ist wirklich der helle Wahnsinn...

Jetzt schaut man zukünftig zuerst nach Frankfurt und dann aber sofort nach Wien. Das ist ein echter Coup. Zehn Premieren - das will schon in den heutigen Tagen auch etwas heißen. Und das ist ein Schlag ins Kontor der wahren Freunde der Wiener Staatoper. Aber immerhin werden ja die Klassiker, die teilweise über 500 und mehr Inszenierungen auf dem Puckel haben, als quasi Trostpflaster und Denkmalschutz des Opernmuseums wiederaufgenommen - Näheres hier.

Schlimmer hätte es kaum kommen können. Man wird nun endlich, bevorzugt im Kreis der Musealen Wiener Opernfans, feststellen, daß sich die Welt geändert hat und eben die Erde doch keine Scheibe ist in deren Zentrum Wien liegt. Die Erde ist jetzt eine Kugel. Quod erat demonstrandum! Und die ist am Rand ziemlich abschüssig. Und daher ad finitum mein Lieblingszitat:

"Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnten" (Rheingold, Richard Wagner)                                                      

Peter Bilsing, 27.4.2020

 

 

Auch Journalisten tragen Verantwortung

Eine Replik auf Michael Zerban

Polemik muß erlaubt sein. Gerade der OPERNFREUND mag es gerne deutlich. Kontroversen sind ausdrücklich erwünscht. Wenn ein geschätzter Kollege wie Michael Zerban, Chefredakteur von „O-Ton“, einen veritablen Wutausbruch veröffentlicht, dann ist unser erster Reflex, einen so saftig-deftigen Text zu dokumentieren (siehe unten, Original hier: https://o-ton.online/hintergruende/o-ton-berlin-corona-krise-zerban-200416/). Mit einigen Tagen Abstand erscheint es aber nötig, dem Kollegen deutlich Kontra zu geben.

Schon die Überschrift des Kommentars irritiert: „Widerstand ist das Minimum!“ Und was wäre das Maximum? Bürgerkrieg? Man fühlt sich unangenehm an die „besorgten Bürger“ erinnert, die montags in Dunkeldeutschland auch immer von „Widerstand“ gegen das „System“ schwadronieren und sich dabei in ihrer paranoiden Verbohrtheit gerne in eine Reihe mit Stauffenberg und Co. stellen. Und tatsächlich ist sich der Kollege selbst ausdrücklich nicht zu schade, den geschmacklosen, aberwitzigen, die Nazi-Barbarei verharmlosenden Vergleich mit „1933“ zu bemühen (der Autor relativiert zwar, indem er sagt, daß der Vergleich hinkt. Aber die Assoziation ist da bereits geweckt worden).

Dabei ist der Anlaß von Zerbans Zorn eine Fehlinformation, zumindest eine Überinterpretation: Die Bundeskanzlerin habe „in einem Nebensatz“ verkündet, daß „das Aufführungsverbot [für Opern und Konzerthäuser] bis Ende August“ verlängert werde. Diese Behauptung enthält mehr Irrtümer als Substantive. Frau Merkel hat nichts dergleichen verkündet. Sie könnte eine Schließung von Theatern und Opernhäusern ohnehin nicht anordnen. Dafür sind nämlich die Länder zuständig. Die haben, anders als der Kollege es unterstellt, in jeweils ähnlichen Verordnungen die Schließung von Opern- und Konzerthäusern lediglich bis zum 3. Mai verlängert. Nicht mehr und nicht weniger. Was aber ganz sicher bis Ende August (und, seien wir realistisch, bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes) nicht stattfinden kann, sind „Großveranstaltungen“, also Veranstaltungen, bei denen Hunderte oder Tausende von Menschen auf engem Raum zusammenkommen wie Fußballspiele, Volksfeste, Rock am Ring etc. Darauf haben sich die Länder unter der Moderation der Kanzlerin verständigt, und mehr hat sie nicht gesagt.

Wenn man die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gefährlichkeit des Virus und zu den Ansteckungswegen ernst nimmt, dann kann man aber tatsächlich leicht voraussagen, daß auch nach dem 3. Mai Opern- und Konzerthäuser noch auf Monate hin geschlossen oder jedenfalls in ihrem Betrieb erheblich eingeschränkt bleiben müssen. Und an dieser Stelle enthält der Kommentar des Kollegen zumindest unterschwellig eine gefährliche Botschaft: Ist doch alles nicht so schlimm! Wörtlich heißt es: „Die Verdoppelungszeit ist inzwischen über einen Monat hinausgewachsen. Ein Monat! In Deutschlands Krankenhäusern stehen zehntausende Betten leer, die erste Klinikgruppe will Kurzarbeit anmelden, weil die Patienten ausbleiben. „Zerbrechlicher Zwischenerfolg“?“

Diese Argumentation wird jetzt gerne gebraucht, vor allem von Wirtschaftsvertretern und Repräsentanten politischer Sekten: Weil die Zahl der Neuinfektionen zurückgegangen ist und die große Katastrophe uns anders als Oberitalien, das Elsaß, Spanien und New York vorerst (!) nicht erreicht hat, können wir nun endlich so weitermachen wie vor der Krise. Daß die aktuelle Ansteckungsrate womöglich nur deshalb so niedrig sein könnte, weil die Auflagen bis jetzt so konsequent waren, ist für derartige Excel-Akrobaten offenbar ein zu großer geistiger Schritt. Ähnlich schlau wäre es, Gurte, ABS, Airbags etc. mit der Begründung aus den Autos zu entfernen, daß die Zahl der Verkehrstoten seit Jahren sinkt. Oder auf die Pille zu verzichten, weil frau ja nicht schwanger geworden ist.

Man wünscht all den Verharmlosern der Gefährlichkeit dieser Seuche nichts Schlimmes, erwischt sich aber gelegentlich bei dem Gedanken, daß für den ein oder anderen ein persönlicher Boris-Johnson-Moment hilfreich sein könnte.

Es ist auch nicht klar, worauf Zerban denn hinauswill. Sollen die Opernhäuser einfach wieder öffnen? Oder mit reduziertem Programm für nur wenige Zuschauer spielen? Der Kollege ruft hier den Frankfurter Intendanten Bernd Loebe als Kronzeugen auf. Dieser habe Zuschauerzahlen von 50 pro Vorstellung für „Lunchkonzerte“ vorgeschlagen. Das ist eine gegriffene Zahl, die aber in realistischen Dimensionen denkt. Die Oper Frankfurt hat 1350 Sitzplätze. Die Reihen stehen so dicht, daß man nur jede dritte Reihe öffnen kann, wenn man einen Abstand von 1,50 Meter zum Vordermann einhalten will. Das wären dann 450 Plätze. Für den Abstand zum Nebenmann müssen aber zusätzlich immer zwei Plätze zu jeder Seite freibleiben. Dann hat man noch 150 Plätze. Man kann diese Rechnung verallgemeinern und feststellen: Unter Einhaltung der Sicherheitsabstände kann man in einem normal bestuhlten Opernhaus oder Konzertsaal maximal 10 bis 15 Prozent der verfügbaren Plätze verkaufen. Wem wäre damit geholfen? Kann man sich die Salzburger Festspiele mit derart dezimiertem Publikum vorstellen? Und was soll denn da gespielt werden? Auf und hinter der Bühne und im Orchestergraben muß der Abstand ja ebenfalls eingehalten werden. Opern kann man so nicht aufführen. Möglich sind also allenfalls Kammerkonzerte in für diese Zwecke zu großen Sälen und vor weitgehend leeren Rängen. Die Veranstalter werden kalkulieren, ob der Aufwand sich dafür lohnt. Wirtschaftlich ist das ganz sicher nicht der Fall. Und die wenigen Plätze müßte man wohl wegen der erwartbar hohen Nachfrage versteigern oder verlosen.

Gefährlich ist, daß Kommentare wie die des Kollegen Zerban den Eindruck erwecken, die Verantwortlichen in den Regierungen würden aus Machtlust handeln oder einfach, um die Leute zu ärgern. Gefährlich deswegen, weil der bisherige Erfolg bei der Eindämmung der Epidemie nur durch die Einsicht weiter Teile der Bevölkerung in die beschlossenen Maßnahmen errungen werden konnte. Diese Einsicht wird durch fahrlässige Wutreden ausgehöhlt.

Die Franzosen haben strenge Ausgangssperren, und zwar noch bis Mitte Mai. Wer da vor die Tür will, braucht einen triftigen Grund. Ähnlich ist es in Italien und Spanien. Bei uns dagegen tummelten sich am Osterwochenende bei strahlendem Wetter Jogger, Ausflügler und Familien im Freien. Die wichtigsten Geschäfte haben geöffnet, ab Montag gibt es weitere Lockerungen. Kann man vielleicht einfach einmal dankbar dafür sein, daß besonnene und gut beratene Politiker die Lage bislang so erfolgreich und so freiheitserhaltend in den Griff bekommen haben? Muß man wirklich „Widerstand“ heraufbeschwören, von „Handstreich“ reden und düstere Vergleiche zu 1933 ins Spiel bringen? Manche halten Fußball für die „schönste Nebensache der Welt“. Wir würden das eher von Opern und Konzerten sagen. Was aber die Hauptsache ist, sollte doch inzwischen jedem klar geworden sein.

 

Michael Demel, 19.4.2020

 

 

JETZT REICHT ES !

Widerstand ist das Minimum - Kommentar von M. Zerban

Was am 15. April in Berlin passiert ist, ist nichts weniger als ein Skandal. Da verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel quasi en passant, dass das Aufführungsverbot bis Ende August bestehen bleibt. Ein Nebensatz. Unter all den „wirklich wichtigen Problemen“. Die Kulturlandschaft wird lahmgelegt. Hier haben auf breiter Front alle versagt. Eine Polemik.

Die Schockstarre der Kulturschaffenden hält offenbar ungebrochen an. Anstatt im Vorfeld ordentliche Lobby-Arbeit zu leisten, wie es für jedes Unternehmen selbstverständlich ist, haben sie heute vor dem Fernseher respektive dem Internet gesessen und in einem Nebensatz erfahren, dass das Aufführungsverbot bis Ende August verlängert wird. Gut, bei den großen, staatlich subventionierten Institutionen wird es vielleicht sogar ein kleines Aufatmen gegeben haben, scheint doch die nächste Spielzeit entgegen „pessimistischer“ Prognosen möglich. Das Nachsehen haben nicht nur die Kleinen, die privaten Theater, die Kollektive der so genannten Freien Szene und so weiter, sondern in erster Linie heißt es: Die Sommerfestivals gehen über den Jordan, werden mit einem Handstreich weggewischt. Das ist ein Skandal!

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“. Allmählich reicht es. Von 83 Millionen Deutschen sind rund 132.000 Menschen nach offiziellen Zahlen am 15. April am Virus erkrankt, mehr als die Hälfte ist inzwischen wieder genesen. Die Verdoppelungszeit ist inzwischen über einen Monat hinausgewachsen. Ein Monat! In Deutschlands Krankenhäusern stehen zehntausende Betten leer, die erste Klinikgruppe will Kurzarbeit anmelden, weil die Patienten ausbleiben. „Zerbrechlicher Zwischenerfolg“? Mag sein. Aber was in Sachen Kultur abläuft, ist eine Farce. Es gibt keinen, gar keinen Grund für Aufführungsverbote, die die Kultur gleich mal als Arbeitsverbote interpretiert hat.

Anstatt kämpferisch vor die Regierung zu treten, um so künftige Einnahmen zu generieren, ergehen sich die Kulturschaffenden in Klagen darüber, dass die angekündigten Hilfen des Staates ausbleiben. Bei allem Verständnis für die Situation gerade der Freischaffenden wird es einem doch zu bunt. Jetzt bekommen alle die Quittung präsentiert. Wie einfach wäre es gewesen, auf allen Ebenen die Aufhebung des Aufführungsverbots einzuklagen. Nichts ist passiert.

Mit jedem Amtsarzt hätte man ausdiskutieren können, dass die ersten drei Reihen im Aufführungssaal frei bleiben, dass Abstandsregeln bei geringeren Besucherzahlen eingehalten würden, meinetwegen auch ein unsinniger Maskenschutz, wenn sich damit jemand besser fühlt, der Abendspielleiter könnte für die Sitzordnung verantwortlich sein. Bernd Loebe, Intendant der Frankfurter Oper, wäre mit Lunchtime-Konzerten einverstanden, auch wenn nur 50 Besucher anwesend wären, Hauptsache, es geht weiter. Und so hätte es auch mit den Festivals weitergehen können. Geringere Besucherzahlen, Regeln berücksichtigen und Künstler auftreten lassen. Können wir endlich wieder anfangen zu denken? Irgendwo habe ich jetzt gelesen, dass jeder, der bislang nicht verstanden hat, was 1933 passiert ist, gerade mal schauen könne, wie so was passiert. Ja, der Vergleich hinkt. Aber wenn er dazu dient zu verstehen, dass der Kampf der Kulturschaffenden eigentlich längst begonnen haben müsste, lasse ich ihn durchgehen.

Liebe Festivalveranstalter, schickt mir bitte keine Pressemitteilungen mehr dazu, dass Euer Festival nicht stattfindet, weil die Regierung das so beschlossen hat. Wenn Ihr mir mitteilt, dass Ihr mit Euren Kommunen Absprachen getroffen habt, wie Ihr Euer Festival trotz der Kulturfeindlichkeit der Regierung durchführen wollt, berichten wir sofort und gern darüber. Liebe Privattheater: Wir wollen nicht mehr darüber berichten, dass Ihr um Eure finanzielle Existenz kämpft, weil staatliche Hilfsprogramme eh kläglich versagen, sondern wir möchten darüber erzählen, wir Ihr Euch gegen die Obrigkeit durchsetzt und den unsinnigen Aufführungsverboten den Kampf ansagt. Das ist Eure Aufgabe jetzt!

Wir, das Publikum und die Berichterstatter, erwarten von Euch, dass Ihr mit kreativen Konzepten Sondergenehmigungen erwirkt und Eure Aufführungen gegen den Handstreich der Regierung durchsetzt. Hat es jemals zuvor Gaukler und Narren gegeben, die sich von einer Regierung haben vorschreiben lassen, wann Kunst stattfindet? Auf Jahrmärkten und bei Hofe war es – auch zu Seuchenzeiten – Pflicht, den Oberen die Nase zu zeigen. So viel Mut muss sein.

Das Aufführungsverbot der Regierung ist eine Kampfansage. Und die Kulturinstitutionen wie Theater, Opernhäuser und Festivals werden erleben, dass die Schützenvereine des Landes das Veranstaltungsverbot nicht so einfach hinnehmen. Auch Schützenvereine, die im Zeitraum bis Ende August ihre wichtigsten Veranstaltungen auf dem Terminkalender haben, erheben zu Recht den Anspruch, zur Kultur des Landes zu gehören. Aber es kann ja nicht sein, dass die Schützenvereine den Kampf für die Kulturschaffenden im herkömmlichen Sinne führen. Da muss – endlich – schon mehr von den Menschen kommen, die behaupten, sich für das kulturelle Angebot in Deutschland einzusetzen. Augenmaß statt Handstreich ist die Forderung der Stunde.

 

Michael S. Zerban, 16.4.2020

(Der Autor ist Herausgeber des renommierten Online-Magazins O-TON)

 

Good bye Adidas

never more wirst Du meine meinen Füße zieren...!!

Die neue Schuhreihe Goodbyegravity könnte zum Schicksalsschuh für den 23,6 Milliarden Umsatzriesen und Kapital-Giganten Adidas werden. Zwar hat man gerade locker mal eben 1,6 Milliarden für die Millionäre in Trainingsanzügen von Real Madrid aus der Kaffeekasse locker gemacht, aber Mieten wollen sie für die nächsten Monate nun keine mehr in Deutschland zahlen. Das ist eiskalter Steinzeitkapitalismus ohne jegliches Gewissen und gesellschaftliche Verantwortung. Das geht nun Gott sei Dank und hoffentlich nachhaltig nach hinten los... Der Sturm allein im Internet ist gigantisch. Hoffentlich wird auch das entsprechende Kaufverhalten folgen.

Verantwortung übernehmen - also anständig und solidarisch in einer Krise handeln -  hätte geheissen, daß man wie einige deutsche Hersteller mal schnell die Produktion in Teilen umstellt um Schutzkleidung, Masken etc in Notlagengebiete zu liefern, statt nur und allein an die Dividende der Aktionäre zu denken. Denen hat der Adidas Chef jetzt sicherlich einen Bärendienst erwiesen.

Politiker und vieler Bürger verbrennen zur Zeit allerorten definitiv Adidas Waren. Millionen solidarisieren sich binnen Stunden im Internet zu "no-more-Adidas Initiativen" und der Ruf ist in kürzester Zeit ruinuert; auch wenn Adidas Chef Kaspar Rorsted nun zurück rudert und sich in scheinheiliger Schadensbegrenzung übt. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und wahrscheinlich sind seine Stunden gezählt. Und da Deichmann und H & M sofort ohne Nachzudenken folgten, sollten wir das nach der Krise auch im Auge behalten.

Peter Bilsing, 30.3.2020

 

Schweinerei... MERKUR

Adidas steht zurecht am Pranger... WZ

Wie Adidas die Hilfe missbraucht... SPIEGEL

Politiker rufen zum Boykott auf... BILD

 

 

Political Correctness im Jugendtheater Wien

sinnentleert 80 Jahre alten Horvath Klassiker der Weltliteratur!

Ja seid Ihr denn alle komplett deppert...?

Von den Romanen des Ödön von Horvath reizt Jugend ohne Gott offenbar besonders zur Dramatisierung. 1937 in der Emigration geschrieben, ist der Beginn des Werks eine politische Parabel, die so aktuell anmutet, dass man sie nicht nur heute, sondern jederzeit anwenden kann. Und zu Beginn des Abends im Theater im Zentrum, den Petra Wüllenweber textlich erstellt und inszeniert hat, ist man auch voll gefesselt.

Man erkennt es: Die Schulsituation, der Lehrer, der von schlicht humanistischen Gedanken ausgeht, für den also auch „Afrikaner“ (in Horvaths Roman heißt es noch „Neger“) Menschen sind; die Schüler, ziemlich heutig in ihrer gehässigen Attitüde dem Lehrer gegenüber, sind im Gedankengut des Zeitgeistes so weit eingefärbt, dass sie ihm für seine Humanitätsduselei alle Schwierigkeiten bereiten – und der Lehrer muss sich entscheiden, ob er sich duckt und den Beruf behält, den er schließlich als Lebensunterhalt braucht, oder ob er den Mund hält und seine Empörung in sich hineinfrisst? Er duckt sich, bis zu einer Wendung am Ende…

…Bloß: Wie sehr unser Zeitgeist alles umfärbt (!!! – ist das nicht auch das Thema des Stücks, wie man sich duckt?), beweist die Schlußformulierung: Der Lehrer, der in seiner Heimat keine Möglichkeit mehr hat, wird als Entwicklungshelfer nach Afrika gehen – als „Neger“ (Außenseiter) zu Negern, wie es bei Horvath heißt. Ist die zeitgemäße Eindeutschung „als Ausländer zu Ausländern“ sinnvoll oder auch nur einsichtig? Wohl kaum. Nur weil man sich vor einem Wort fürchtet, das hier durchaus im historischen Kontext und keinesfalls diskriminierend erscheinen würde?

Renate Wagner, 14.1.2020

 

Gehirnwäsche von Kindern durch den WDR?

war das wohl die erklärte Absicht!?!

Nachdem ich mittlerweile einige hundert Mails zu dem Thema WDR-Beleidigung bekommen habe, wobei mich das obligate Viertel - wie heute normal - in die AFD und Nazi-Ecke stellte, aber immerhin der Rest sich dem WDR-Boykott durchaus gedenkt anzuschließen, wenn der Skandal-Intendant Buhrow nicht zurück tritt, muß ich mich gezwungener Maaßen noch einmal zu dem leidigen Dingen äußern.

Dazu zitiere ich einen der meistgelesenen Blogs im Internet Achgut: Die Empörung wäre wahrscheinlich noch um ein Vielfaches größer, wenn jedermann wüsste, wen der WDR da auf die Kinder loslässt. Der Chorleiter des WDR-Kinderchorliedes, Zeljo Davutovic, sagte in einem Interview des Deutschlandfunks wörtlich:

„Mir persönlich liegt viel daran, diese Offenheit der Kinder zu nutzen. Den Kindern kann man alles präsentieren, wenn sie jung sind, wenn sie im ersten, zweiten, dritten Schuljahr sind. Das nutzen wir positiv.“

Inzwischen hat unser Opernfreund auch eine Karikatur erstellt, die für alle Protestler, die sich durch volksverhetzende Äußerungen dieser Art ("Umweltsau / Nazisau") beleidigt fühlen, copyright-frei verwendet werden darf)

P.B. 1.1.2019

 

 

So sieht es die neutrale Schweiz (Neue Zürcher Zeitung) https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/wdr-als-orientierungsmaschine-eine-schrumpfkur-bitte-ld.1531635

 

Meine Oma ist ne alte Umweltsau...

Satire, Belehrung, Beleidigung, Indoktrination oder Volksverhetzung im vom Volke bezahlten WDR ?!

Zeljo Davutovic heißt der Chorleiter des WDR- Kinderchores Dortmund, der seine Schüler zu einer politischen Hasstirade gegen ältere Mitmenschen unter dem Deckmantel der Satire instrumentalisierte. Wie ernst es tatsächlich gemeint war, kann jeder dem

Statement Davutovics auf der Seite des Chores entnehmen. Man reibt sich die Augen: Keine Entschuldigung wie von WDR-Intendant Buhrow ist da zu lesen (nicht ansatzweise!) sondern eher eine Rechtfertigung. Das sei halt Parodie, Überspitzung und Humor. Wörtlich "Es geht nicht um Oma, es geht um alle!" Er hofft, damit zur Klärung beigetragen zu haben. Soviel Chuzpe ist unglaublich. Für wie blöd hält der Chorleiter eigentlich uns Eltern?

Doch die Entschuldigung von Intendant Buhrow reicht hier nicht. Man erntet, was man sät. Das war ein fast logischer Auswuchs des demagogischen Belehrungswahns des WDR, der nicht umsonst im Volksmund seiner Kritiker ja auch als Westdeutscher Rotfunk bezeichnet wird. Es kann doch wohl kaum sein, daß Herr Buhrow sogar ab Jänner ARD-Intendant wird. Ma schaue sich allein die Skandale seiner Amtszeit an.

Der Fisch stinkt vom Kopf - sagt ein altes Sprichwort. Es gab schon einmal Zeiten in Deutschland, wo Kinder gegen Eltern und Ältere aufgehetzt wurden, Herr Buhrow! Wehret den Anfängen!

Übrigens beschrieb George Orwell diese Methode schon ganz genau in seinem Roman "1984":  Man hetzt die Kinder gegen Eltern respektive Großeltern auf. Erst auf spielerische Weise, später direkter. So vernichtet man die selbstständig denkende, zusammenhaltende Einheit der Familie und schafft manipulierbare, gefügige, schwache und rückhaltlose junge Staatsklaven.

Hat bei Hitlers Nationalsozialisten und Stalin so gut funktioniert, wie in der ehemaligen Ostzone (DDR). An zensierte Nachrichten haben wir uns ja schon gewöhnt, aber jetzt läuft es über unsere Kinder. Stoppt den Wahnsin!

Da beide auch der Allgemeinheit verantwortlich sind und von uns allen bezahlt werden, über den Verstoß gegen die geltenden Rundfunkgesetze will ich gar nicht reden, ist ein Rücktritt von Buhrow und Rauswurf Davutovic das Mindeste. Juristen sollten prüfen, ob so etwas nicht auch den Paragraphen der Volksverhetzung erfüllt. Auch dienstrechtliche Verstöße müßten geprüft werden. So geht es nicht, meine Herren!

Ich habe für mich die Konsequenten gezogen. Der WDR wurde aus allen meinen Radiospeichern gelöscht, desgl. auf dem Fernsehgerät und dem Computer. Sender non grata! Ich werde, solange diese Herren noch tätig sind, den Westdeutschen Rundfunk ignorieren und hoffe daß mir noch viele Bürger folgen und dies auch öffentlich mit Namen, mal nicht internet-anonym, erklären.

 

Peter Bilsing (Hrg) 29.11.2019

 

 

Liebe Männer!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Das Angrapschen von Weibern ist zu unterlassen !!!

Und jetzt der Hinweis für die Tenöre im Besonderen

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen uralten Witz zu zitieren:

"Wieviele intelligente Tenöre passen eigentlich in eine Telefonzelle?"

Die Antwort scheint ganz einfach: ALLE!                       P.B. 29.9.2013

 

(c) Gabi Eder  / pixelio.de

 

Ach Placido...

Männer sind Schweine. Traue ihnen nicht, mein Kind. Sie wollen alle das Eine, weil Männer nun mal so sind. Männer sind Schweine, frage nicht nach Sonnenschein. Ausnahmen gibt's leider keine. In jedem Mann steckt doch immer ein Schwein.... (Tom Angelripper / Die Ärzte) Bitte anklicken!

 

Ja mein Guter PD, wärst Du mal zeitig in Ehren gegangen... Aber Größenwahn, Geldgier und nicht gerade charmantes Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht, kommt eben irgendwann vor den Fall. Nun isset passiert.

Dabei scheinst Du doch im Gegensatz zu den skrupellosen Kinderf.... in den unchristlichen Kirchen oder dem berühmten Dirigenten an der MET noch ein harmloser Casus zu sein, obwohl man täglich neues Schlechtes von Dir hört. Es brodelt. Was mag da alles noch kommen? Mir egal...

Alles Neider - versteht sich.... Nun ist die Lawine aber losgetreten und nicht mehr zu stoppen. Goodbye Placido Domingo.

Nicht nur bei uns gehen reihenweise Mails von Insidern ein, die durchaus glaubwürdig schildern, daß diese Vorwürfe nicht auf die Ereignisse vor 30 Jahren zu beschränken sind, sondern die Vita Domingo weiter und kontinuierlich begleiteten.

Was mich eher betroffen macht ist die Reaktion und Ehrenerklärungen meist weiblicher (!) Fans; Tenor "ein so toller Sänger, kann doch kein böser Mensch sein". Ja so sind sie; der Begriff "Fan" kommt ja von "Fanatismus", oder nicht? Jedenfalls macht so etwas blind. Böse und eklig wird es wenn man in den Foren liest "da gehören immer zwei dazu!" Dann packt mich leider über soviel Dämlichkeit die Wut, denn das ist die Legalisierung und Heiligsprechung einer üblen Straftat, die sich "Vergewaltigung" nennt. Und so etwas kommt von Frauen...

Fazit 1: Ein klassischer Sänger ist eben nicht mit den Kollegen in der Pop/Rock-Branche vergleichbar. Nehmen wir pars pro toto Mick Jagger oder Rod Steward, die sich unbeanstandet weiterhin respektvoll bewundert rühmen dürfen, Frauen in 4-stelliger Zahl nicht nur begrapscht, sondern auch flachgelegt zu haben. Hier hört man wenig bis gar keine MeToo-Vorwürfe. Seltsam, oder...

Fazit 2: Und das geht an die Kollegen. Nicht zu früh alles verharmlosen, sondern vielleicht mal abwarten bis die Lawine im Tal ist. Im Moment ist sie gerade erst in 4000 Meter Höhe gestartet. Da werden noch viele Bäume entwurzelt und Hänge abgetragen, bis der endgültige Schaden sichtbar ist.

 

Hojottoh Hoh sagt Ihr

Peter Bilsing (Hrg.)

 

 

Kopenhagen: RUSALKA

am 01.08.2019

Oper (nicht!) für alle

Oper für alle ist:

- wenn man 50 Minuten vor Beginn da ist und keinen Klappstuhl mehr erhält und so auf dem harten Asphalt Platz nehmen muss

- wenn Leute, die noch später kommen, sich einfach vor einem aufbauen, so dass man nichts mehr sieht

- wenn die Location zwar "in" und "hip" ist (in diesem Fall der Meatdistrict in Kopenhagen), aber für eine Oper völlig ungeeignet daherkommt (AC/DC vielleicht, Oper definitiv nein)

- wenn rund um den Platz der Restaurationsbetrieb weitergeht, viele Neugierige und Kunden einfach mal so durchlaufen, ein ständiges Kommen und Gehen herrscht und  "Oper in kleinsten Häppchen" eingenommen wird

- wenn Frauen zum Quatschen über dies und jenes hier sind und nicht um einer wunderschönen Oper zu lauschen (tut mir ja Leid, aber Männer mit solchem Verhalten habe ich nicht beobachten können, weder hier noch am 20 Juli in München bei Petrenko,Thomas Hampson und Golda Schultz - auch da waren die Damen überasu schwatzhaft)

- wenn Kinder rund um die Bühne mit Kickboards herumtollen und um Aufmerksamkeit betteln (die Eltern sind wie erwähnt mit Quatschen oder Smartphone oder dem Weisswein beschäftigt)

- wenn hervorragende gesangliche Leistungen (Olga Tenyakova sang eine wunderschöne Wassernixe, apartes Timbre, grosse Aufschwünge) im allgemeinen Geräuschpegel des Publkums untergehen

- wenn ein flott aufspielendes Orchester (das des Nationaltheaters in Bratislava) unter der zupackenden, aber auch differenziert gestaltenden Leitung von Oliver von Dohnányi nicht gerade vorteilhaft ausgesteuert wird

- wenn ein so genannter (ziemlich affektiert wirkender) Moderator erst mal eine geschlagene Viertelstunde lang das gesamte Programm des Kopenhagener Opernfestivals runterbetet (obwohl man es bereits in den Händen hält) und danach der Direktor ein paar Begrüssungsworte ans Publikum richtet und dann erst noch ein Schauspieler (Thure Lindhart) den Inhalt erzählt, so dass man beinahe 30 Minuten auf die ersten Takte der Ouvertüre warten muss.

- wenn echte Opernfreunde nach dem ersten Akt die Flucht ergreifen

OPER FÜR ALLE ist gut für viele - aber definitiv nicht für MICH.

 

Kaspar Sannemann 7.8.2019

 

SALZBURG 2019: Netrebko krank

sündteure Karten verschenkt oder empört in den Müll geworfen

Ja, da freut man sich das ganze Jahr auf ein Event der Sonderklasse im Kreis gleichgesinnter bürgerlicher Arbeitnehmer und da sagt doch tatsächlich der Megastar des Jahrhunderts ab; wagt es, sich krank zu melden. Verdammte Sauerei! So etwas ist in diesen Kreisen dann schon mal ärgerlicher als eine unerwartete Steuerprüfung. Man gönnt sich ja sonst nichts. Kann man denn nicht einmal im Jahr....

Viele der 2500 Edlen und Auserwählten erfuhren erst kurz vor der Aufführung von Adriana Lecouvreur, daß Anna Netrebko, die dieses Jahr kein handbemaltes Geschirr anbot, krank abgesagt hatte. Das hielten allerdings nicht wenige für einen schlechten Scherz. "Ja, ja, ja ! Versteckte Kamera! Kennen wir doch alles!!" ulkte ein Prominenter. Nö! Nix versteckte Kamera; auch Weltstars werden halt mal krank.

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn gab es dann zahllose Karten für die eigentlich seit Langem ausverkaufte Oper. Da die Zahl gut dreistelligen schlagartig Kartenverkaufenden natürlich die marginale Zahl der Karten-Suchenden vor dem Festspielhaus gewaltig übertrumpfte, wurden die Karten halt verschenkt oder landeten im Müll.

Daß mit Hui He (Agenturfoto Musica) eine der weltbesten kommenden Superstar als Ersatz vorgesehen war, interessierte viele der wahren Opernkenner nicht. Hier hieß das Motto "Anna Netrebko oder sonst nichts!" Schade, denn ich persönlich halte die fantastische Sopranistin nicht nur für besser, sondern auch für erheblich (nicht nur optisch ;-) interessanter als Frau Netrebko.  Peter Blsing (Hrg.)

 

P.S.

Irgendwie erinnert mich Hui He auf dem obigen Foto an den Traum meiner Jugend: die wunderbare Diana Rigg alias Emma Peel aus der legendären TV-Serie mit Schirm, Charme und Melone (The avengers).

Foto (c) Studiokanal

 

YOUNG MOVES und CHOREOGRAPH*INNEN

Junge Bewegungen nennt das Ballett der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg ein vergleichsweise neues Format, bei dem Arbeiten von Nachwuchschoreografen aus den eigenen Reihen auf der großen Bühne gezeigt werden. Und damit nicht so auffällt, wie nichtssagend und fantasielos der Begriff ist, wird er kurzerhand ins Englische übersetzt. Young Moves klingt schick und wird dann auch nicht von so vielen verstanden. Um die Verwirrung fortzusetzen, findet Young Moves „im Rahmen der Plattform Choreographie Young Moves“ statt. Der liederliche Umgang mit der deutschen Sprache findet sich dann auch im Programmheft wieder, wo man von „Choreograph*innen“ lesen kann. Dieses Wort, offenbar eine Eigenerfindung des Hauses, gibt es nicht. Die „Choreographie“ existiert seit gefühlten sechs Rechtschreibreformen nicht mehr, wird im Duden nur noch als historischer Begriff geführt, und Sternchen kommen in der deutschen Sprache nach geltenden Regeln nicht vor. Wenn Kulturinstitutionen in vorauseilendem Gehorsam scheinbar politisch korrekt sein wollen, erfüllt das historisch informierte Deutsche mit größtem Misstrauen. Aber die können der Rheinoper ja fernbleiben.

Oder manchmal eben auch nicht. Denn natürlich möchte man erfahren, was dabei herauskommt, wenn die Tänzer des „Balletts am Rhein“ – gemeint ist damit das Ballett der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg – sich als Choreografen versuchen. *                                                            

Michael Zerban 11.7.2019

 

P.S. des Herausgebers

Da wir im OPERNFREUND grundsätzlich Ideologisches, Diskriminierendes und Beleidigendes, sowie den aktuellen Trend zum Neu- und Doofsprech, ebenso, wie alle weiteren Verhunzungen der Deutschen Sprache, grundsätzlich ablehnen, hier noch einige gute Links zum Thema - Dank an Youtube ;-)

Dr. Thomas Kubelik Wie gendern unsere Sprache verhunzt

Wutrede von Dr. Wilhelm Leisenberg über den Genderwahn

Wie der Genderwahn unsere Sprache zerstört

Willkommen in der kranken Welt des komministischen Genderscheiss

...und auch den Aufsatz unseres Kritiker Dr. Klaus Billand möchte ich nicht unerwähnt lassen

 

Die Geister, die ich rief...

Schläpfers Abgang und die chaotischen Folgen

Ganz so einfach, wie es sich Rheinopern-Intendant Meyer vorstellt, wird die Übergabe des Ballettdirektoren-Zepters an den vielversprechenden Nachfolger Demis Volpi wohl nicht gehen, denn die Problempunkte am hiesigen Ballett sind unübersehbar. Warum? Der von Schläpfer vor 1,5 Jahren als neuer Ballettchef von ihm persönlich nominierte Tänzer Remus Sucheana - Schläpfer erklärte damals völlig überraschend, er wolle ab sofort in den Hintergrund treten und gebe an Herrn Sucheana die Direktion ab - ist das Problem.

Der Laie staunte, die Fachwelt wunderte sich, die Verantwortlichen in der Verwaltung der Oper bekamen fast einen Herzanfall: Ein Ballett-Direktor ernennt seinen Nachfolger ohne Einschaltung des Aufsichtsrates der Oper - quasi par Ordre du Mufti. Er erklärte wie selbstverständlich, daß seine Majestät sich nun gedenke zurück zuziehem. Aber halt doch nicht ganz, denn er wolle zukünftig nur noch als offizieller Berater des Rheinopernballetts, quasi im Hintergrund, fungieren.

Die Anfrage kritischer Journalisten nach den Kosten - Bekommen plötzlich zwei Leute ein Direktorengehalt? - wurde von der Rheinoper damals mit dem Satz beantwortet, daß der ganze Vorgang kostenneutral stattgefunden habe.

Nun hat also aktuell Sucheana einen Vertrag als Ballettdirektor bis 2024. Haben wir jetzt zukünftig zwei Ballettdirektoren? Da fragt man sich doch erst einmal wie werden zukünftig die Kompetenzen zwischen ihm und Volpi aufgeteilt sind? Oder tritt Sucheana ganz leise dann in den Hintergrund und verzichtet auf Gehalt und Position?

Hinzu kommt, daß Martin Schläpfer angekündigt hat, er wolle die Aufführungsrechte für seine Stücke in Düsseldorf lassen. Was bedeutet das für den designierten Volpi? Muss er auch Schläpfer-Stücke spielen? Hoffentlich nicht, denn dies gäbe dann so einen Klüngel, wie einst in Köln, als man den Intendanten Krämer entließ, dieser sich aber klammheimlich über die Kulturbeauftragte der GRÜNEN noch die Garantie für zwei große Operninszenierungen per annum für die nächsten vier Jahre hatte schriftlich bescheinigen lassen.

Der Vertrag des Generalintendanten Christoph Meyer, der ja die Rheinoper nach Jahren des Tiefschlafs - einzig die zwei Düsseldorfer Lokalzeitungen berichteten noch über Opern-Premieren - erstmals wieder ins internationale Feuilleton brachte mit seinem Einknicken vor der Publikumswut anlässlich einer umstrittenen Tannhäuser-Premiere, läuft nur noch bis 2024, ebenso wie der des jetzt designierten Demis Volpi. Wenn Meyer 2024 also aufhört, bedeutet dies, dass der neue Intendant auch einen neuen Ballettchef bestimmen kann. Oder macht Meyer dann noch bis zum Rentenalter weiter? Fragen über Fragen, über Fragen... Die anscheinend außer dem OPERNFREUND niemand stellt.

Wobei mich persönlich ja auch brennend interessieren würde, wer noch im Gespräch für die Übernahme der Ballettdirektion war. Aber darüber herrscht - allgemeiner Usus - ja bei jeglicher Findungskommission (gab es die überhaupt?) Stillschweigen.

 

Peter Bilsing 19.3.2019

 

Hilfe, Hilfe, wir hören unseren Jonas nicht!

na sowas...!

Da kaufen sich die Fans von Jonas Kaufmann (nomen est omen ;-) für sündteures Geld in der weltbesten aller besten Philharmonien, jenem Archipel göttlicher Akustik - die Hamburger Elbphilharmonie ist gemeint - Karten auf hinten liegenden Plätzen, die eigentlich für Chöre vorgesehen sind bzw. wo man - was durchaus nicht uninteressant ist bei Orchesterkonzerten - den Blick auf Gesicht, Aktion und Mimik des Dirigenten hat. Da dieser nicht singt, hat das keine akustischen Konsequenzen.

Aber Jonas Kaufmann - der singt.

UND - der größte Tenor aller Zeiten und aller epochalen Weltwenden singt nicht eine Sekunde in ihre Richtung, wenn man nicht unlauteren Quellen glauben darf.

NOCH SCHLIMMER: Da hat doch ein bösartiger Mensch den großen Flügel geöffnet, und so können diese ohnehin Geschlagenen ihren heißgeliebten Jonas noch nicht einmal richtig sehen. Ja, wie elendig und hundsgemein ist das denn!

Dann machen diese Besucher, was ich menschlich für völlig verständlich halte, ihrem Ärger Luft und rufen ihre Probleme lauthals in Richtung Bühne. "Halloooo, wir hören nix!" Solch direkte Rückmeldung findet ja heutzutage nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im Konzert statt - normalerweise mit positivem Bravo-Gebrüll nach jeder Arie oder durch Buhs am Ende einer Oper.

Und was ist das Ergebnis?

Der edle Jonas will nun, wie verlautet, nie mehr in jenem 8. Weltwunder - der HamburgerAlptraumphilharmonie - singen. Da habt ihr's, ihr Fans!

Si tacuisses, würde mein alter Lateinlehrer sagen.

Pecunia non olet, sagt der Opernfreund-Chef.

Hallo, Veranstalter, muß man denn wirklich jeden Winkel verkaufen, vielleicht demnächst sogar den Toilettenplatz mit Lautsprecher in der Klobrille, nur um des schnöden Mammons willen? Bei einem Sängerkonzert Plätze zu verkaufen, die im Rücken des Künstlers liegen, grenzt meiner Meinung schon an dreiste Unverschämtheit und Betrug.

Allerdings frage ich mich auch, was so ein Künstler denkt, wenn er einem Teil des Publikums während des Gesangs kontinuierlich seinen Allerwertesten zuwendet. Da hätte ich auch etwas gerufen, aber ich bin halt kein Superstar-Fan und käme also eh nicht in diese Lage. Gsd!

 

Hojottohoh.. ach jott-ach-jott

Ihr Peter Bilsing (Hrg.)

 

 

 

SIC TRANSIT GLORIA MUNDI

 

(c) Pixelio

Sanierung oder Abriss und Neubau des Düsseldorfer Opernhauses...

...das ist hier nun die Frage. Es geht  bei der alt-ehrwürdigen Deutschen Oper am Rhein im Gebäude auf der Heinrich Heine Allee um die Existenz. Beim Stichwort Sanierung fällt sofort der Name Kölle. Die Sanierung der Kölner Oper sollte vor sechs Jahren mit ein paar Milliönchen erledigt sein. Heuer sind wir bei mehr als einer halben Milliarde und ein Ende ist nicht annähernd in Sicht. 2025 so hört man aus immer noch unsicherer Quelle, soll das Opernhaus endlich eröffnet werden. Na ja, sagen wir Düsseldorfer dazu: datt is halt dä kölsche Klüngel. Und den gibt es ja nun wirklich sonst nirgendwo auf der Welt. Oder doch...?

Nicht Klüngel, sondern Angeberei, Größenwahn und Prestigesucht eines Provinz-Bürgermeisters haben den Hamburgern die Elbphilharmonie - vor Jahren noch Alptraum-Philharmonie genannt - beschert. Recondita armonia... (Tosca) - wie sich die Bilder gleichen. Auch einst mit 70 Millionen angesetzt - im Opernfreund schrieb ich damals schon, daß eine ehrliche, realistische Schätzung bei gut dem Zehnfachen liegen müsste. Zum 12-fachen Preis wurde sie schließlich fertig gestellt. Immerhin hat sie sich zum Publikumsmagneten entwickelt; Ziel Nummer drei neben Reeperbahn und Seicht-Musical. Man erfährt bei der Hafenrundfahrt, daß die oberen Stockwerke der Supermega-Luxusappartements in dem Prachtbau - in dem man als solventer Hamburger auch wohnen kann - von den Klitschkos gekauft wurden; im obersten wohnt er selber - das darunter hat er gleich mitgekauft um Ruhe zu haben. Respekt!

Doch zurück zu Düsseldorf, zu meinem Heimatopernhaus mit dem mich gute 50 Jahre Lebens- und Opernerfahrung verbinden. Doch diese tolle Heimat-Tradition macht mich weder blind noch unkritisch naiv, und so ist festzuhalten, daß wenn schon ein dreistelliger Millionenbetrag genannt wird, ähem unwidersprochen durchsickert ;-) - es in Wahrheit sicherlich ganz, ganz übel aussieht. Offiziell unbestätigte Quellen des Opernfreunds sprechen davon, daß wg. des sich senkenden Daches baldiger Handlungsbedarf besteht.

OB Geisel hat einen sympathischen Plan, wenn er auf Neubau an selbiger Stelle besteht, denn er möchte das Schauspielhaus, den Hofgarten und die Oper zu einem Kulturzentrum verbinden, mit dem sich der Düsseldorfer praktisch im Stadtkern identifizieren kann und soll; noch dazu liegt es direkt neben der längsten Theke der Welt, der Altstadt. Ein Neubau im Hafen, der sicherlich erheblich billiger wäre, entfremde die Oper allzu sehr von der Stadt. D´accord! Bei der wirklich grottenschlechten Anbindung des elenden Öffentlichen Nahverkehrs verbietet sich so etwas beim aktuellen Status Quo ohnehin. Schweig meines Jammerns jauchzender Schwall - noch ein Opernzitat.

Der Opernfreund spekuliert mal wieder und prognostiziert ein Minimum von 500 Millionen für den Neubau. Na, wer wettet dagegen? Was sich allerdings wie Peanuts anhört, angesichts des jahrzehntelangen milliardenschweren Umbaus der Innenstadt in Luxuseinkaufzentren und U-Bahnsteige. Also verehrte Sponsoren - sollte es in der Weltstadt Klein-Paris doch auch noch geben !! - hier liegt Euch ewiger Ruhm zu Füßen. Bitte melden. Immerhin hatte ja Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga nach 50 Jahren auch einen Großfinanzier gefunden...

 

Grüße vom Düsseldorfer Rheinufer / 13. Januar 2019

 

 

Standing Ovations heißt anhaltender Beifall !

Standing Ovations heißt anhaltender Beifall !

Standing Ovations heißt anhaltender Beifall !

Bitte 5000 Mal schreiben !

 

Vorfall in der Wiener Volksoper ereignete sich bereits am 6.11. nach einer Aufführung „Der Mantel“ von Puccini: Ein Besucher war so begeistert, dass er spontan aufsprang und stehend applaudierte, das gefiel dem hinter ihm sitzenden älteren behinderten Herren nun überhaupt nicht. Er klopfte mit seinem Gehstock gegen die Schulter des ihm rücksichtslos die Sicht raubenden Spontan-Stehend-Klatschers. Der lief sofort zu den Zeitungen und wahrscheinlich auch zum Kadi und beklagte dort sein Leid: Ich wollte doch nur applaudieren. - vergleichbar mit der Rechtfertigung von Besitzern beißender Hunde: Er wollte doch nur spielen.

Mitnichten, lieber Opernfreund, Sie haben den hinter Ihnen sitzenden Besuchern die Sicht genommen und das ist schlichtweg egoistisch, rücksichtslos und ausgesprochen asozial! Meiner Ansicht nach ist der Stehapplaus eine Unsitte, die sich immer mehr ausbreitet. Bei echten Sternstunden kann man ja Verständnis dafür aufbringen, aber heutzutage springt ein Animator - vielleicht sogar vom Haus bezahlt - nach jedem Schmarren auf. Nun machen es die anderen Besucher nach - a) Gruppentrieb b) Dominosteine-Effekt, es sehen die dahinter Sitzenden sons ja nichts meh. Und schon wird eine Begeisterung vorgegaukelt, über die sich selbst jene wundern, die auch aufgesprungen sind.

Wikipedia zum Stehapplaus: In bestimmten Ländern regelmäßig, in deutschsprachigen Ländern meist nur bei großer Begeisterung und mit einer besonderen Ehrenbezeugung verbunden, tritt zum langen Beifall auch das Aufstehen hinzu sogenannter Stehapplaus oder stehender - im Stehen dargebrachter - Applaus. Der englische Ausdruck standing ovation (ovation von lat. ovatio = kleiner Triumph, standing für Partizip stehend oder auch anhaltend, fortdauernd, wird im Deutschen entweder unübersetzt übernommen oder als stehende Ovationen (pl.) wiedergegeben.

Merke: Der englische Ausdruck standing ovation bedeutet also ursprünglich lang anhaltender Beifall, stürmischer Applaus. Das Adjektiv standing bezieht sich nicht auf die Körperhaltung der Applaudierenden, sondern auf die Dauer des Beifalls !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

Anton Cupak 3.12.2018

Herausgeber MERKER-online

 

 

P.S. Ergänzung / gleiches Gedankengut

"Guten Tag, ich bin Herbert Müller

Im Prinzip wird wirklich jeder Schwachsinn von den Amerikanern übernommen und falsch interpretiert bzw. übersetzt. So heißt es im Englischen for example: I am Herbert Müller. Was nichts anderes heißt als Mein Name lautet Herbert Müller.

Ohne Nachdenken haben das mittlerweile viele unsere Dümmlings-Redakteurinnen/Redakteure von den Seifemedien a la RTL kommen jetzt auch in den seriösen Medien fast überall übernommen, wo es tagein tagaus heißt: Guten Tag, ich bin Helene Dörflingern-Plappermaul. Ich denke mir dann immer noch diverse fehlende treffliche Zusätz aus, wie:

- und bin Hausfrau

- und bin dumm wie Bohnernstroh

- und bin ein eigentlich ein Stein

- und bin ziemlich hungrig

- bin ein Hurenbock

- und habe eigentlich keine Ahnung wieso ich Moderator beim WDR wurde

Wo ist der noch vor Jahren ganz normale klare Standartsatz:

- Mein Name ist...

- die Sendung wurde moderiert von...

- Herzlich grüßt Ihr... aus Köln

Ich lasse mir das nur in einem Fall gefallen, verehrte Opernfreunde und sonstige Leser ;-) Und das ist hier der Fall: I am what i am...

 

Mein Name ist übrigens Peter Bilsing

und ich bin Motorradfahrer ;-) und 198 cm groß

und Herausgeber vom OPERNFREUND

 

                                               

OPER.WUNSCH. - Gedanken eines Opernfans

Oft erlebt. Mal verstanden, mal weniger, auch mal nicht und dann doch wieder voll und ganz. Die Kritik, die Enttäuschung, der Frust darüber ganz andere Gefühle zu erleben, als die doch ursprünglich gewollten und ersehnten. Schwelgen wollen in Schönheit, vielleicht sogar in Vollendung, stattdessen nun ertragen müssen, was sich auf der Bühne tut und doch so gar nichts mehr mit Berührung und Rührung zu tun hat. Eine abermalige Deutung eines Opernstoffes unter Inkaufnahme von Verlust von Originalität, Einmaligkeit, Zauber und Gefühl? Oder doch mehr das Unabdingbare, das künstlerisch Nötige, um ein Werk, was viele Generationen und Zeiten überstanden hat, den Menschen immer wieder aufs Neue nahe zu bringen? Opernregie – Meinungen gehen bei dem Thema selten zusammen. Regie kann das Werk des Komponisten erklären, umsetzen, fühlbar machen, es kann es sogar noch ein Stück weit erheben. Es kann das Werk aber auch gewollt oder ungewollt missverständlich machen, ihm seine Gefühle nehmen, der reinen Selbstdarstellung opfern und manchmal auch einfach völliger Nonsens sein und es abwerten.  

Ich habe viele Operninszenierungen in sehr vielen unterschiedlichen Opernhäusern und auch Ländern erlebt. In fast 40 Jahren kommt da für einen Opernenthusiasten, wie ich es im Laufe der Jahre zunehmend geworden bin, eine Menge zusammen. Da war Opulentes, Ausschweifendes, Schwelgerisches dabei. In der Mailänder Scala, in der New Yorker Met, in der Arena di Verona und an ähnlich herausragenden Orten. Eben dort, wo Geld und Aufwand keine große Rolle spielen. Und es gab berührende, weil so zurückgenommene und auf das wesentliche zentrierte Inszenierungen, die mit Geld und viel Aufwand nur ihren Zauber hätten verlieren können. Diese auch an eher kleineren Theatern, fernab der großen Presse. Und es waren Inszenierungen dabei, und nicht zu selten, wo zumindest die Frage erlaubt war – sofern es subventionierte Häuser waren – wofür bekommt er oder sie, hier ist natürlich die Regie gemeint,  so viel von öffentlichen Geldern und wer hat das letztlich zu verantworten?  Und immer kamen mir dann die Sängerinnen und Sänger in den Sinn, die, da an diesen Häusern mehr oder weniger in sicheren Beschäftigungsverhältnissen und dadurch  in der Freiheit ihrer Meinung eher beschränkt sind, solche Aufführungen auch noch vertreten mussten und müssen. 

Opernregie ist natürlich ein Reizthema für jeden den es betrifft. Für die an der Oper direkt beteiligten Künstler ebenso, wie auch für die Zuschauer im Theater, die ein paar Stunden ihrer Zeit damit verbringen wollen sich unterhalten zu lassen. Wie ein Mensch unterhalten werden möchte ist natürlich völlig unterschiedlich. Der eine mag es mit vielen Gefühlen, ob heiter oder tragisch, mit Dramatik an den dafür passenden Stellen und einer gewissen Originalität der Komposition. Ein anderer mag es vielleicht eher verklärt, zugespitzt, erhöht, verdeutlicht, umgedeutet und drastisch. Da sind Mittelwege schwerlich zu schaffen. Regie kann sicher beides. Das eine, wie das andere. Sie kann auch alles vermengen und am Ende sieht man die Oper vermeintlich neu. Sie kann einen Operntraum auch jäh beenden lassen. Und ja, auch manchmal sogar Träume erzeugen. Eine Opernregie kann auch, und das ist heutzutage auch immer noch anzutreffen, einen Abend zu einem Erlebnis werden lassen, der einen für lange Zeit packt.

Aber immer geht es um Gefühle. Viele werden es kennen: wann immer in unserem Leben Entscheidendes geschieht, verbinden wir es in der Erinnerung mit Musik. Oder wir erzeugen unsere eigenen Stimmungen indem wir die entsprechende Musik hören. Will ich bewusst sentimental sein, greife ich zur entsprechenden CD oder Platte aus meiner Sammlung, die mir dafür am geeignetsten erscheint und das gleiche gilt auch für die heiteren und fröhlichen Momente. Feiern tue ich mit der dazu passenden Musik, trauern aber auch. Verliebtsein und Liebeskummer haben auch ihre musikalischen Ausdrucksweisen. Und so könnte man diese Reihe noch weiter fort führen. Musik ist also eines der besonderen Stilmittel unseren Emotionen Ausdruck zu verleihen,  sie zu verstärken, oder sie auch in die entgegengesetzte Gefühlsbahn zu lenken. Sie ist uns ein lebenslanger Begleiter, Freund, Tröster und Ratgeber. Musik ist Leben in seiner reinsten Form.

Die Oper ist in erster Linie ein musikalisches Werk. Natürlich. Musik transportiert in ihr alles was die in ihr agierenden Charaktere  ausmacht. Es bedarf nicht zwingend einer akademischen musikalischen Vorbildung um zu hören und zu spüren, was uns ein Verdi, ein Mozart, Wagner oder Puccini, – um nur einige der Größten hier zu nennen – in ihren Werken vermitteln und sagen wollen. Wie viele Emotionen stecken darin und wie berührend kann es sein, ist man auch offen und zugänglich für sie. Unbeschreiblich wenn ein „Un bel di vedremo“ uns erschüttert oder uns Isoldes „Mild und leise wie er lächelt“ so sehr erfasst, dass es schon fast mitleidend wehtut. Momente größter Kraft, geschaffen vor vielen Jahren und doch nichts von ihrer Wucht verloren.

Was kann an ihnen noch gedeutet werden? Und warum überhaupt? Ist die Sprache der Musik in diesen Augenblicken nicht laut und mächtig genug? Braucht sie tatsächlich noch einen Megaphonartigen Sinnverstärker? Hat der Komponist nicht selbst die Deutung in seine Noten geschrieben und gibt jedem, der es verstehen kann, sein Regiebuch in die Hand? Dann könnten magische Opernmomente entstehen. Und ja, dann können sie zweimal, dreimal, viermal, hundertmal, zigmal, immer wieder neu entstehen. Denn das besondere dieser musikalischen Momente im Opernhaus ist doch, dass sie immer einmalig und so gut wie nicht reproduzierbar sind in der Sekunde wo ich sie höre und erlebe. Und das sind die Momente wo ich, der Hörer, bewusst oder auch unbewusst offen bin, empfindsam bin und manchmal sogar um Fassung ringend, ergriffen bin. Und dann möchte ich diese Emotionalität auch erleben. Sei es Lachen, sei es Weinen.

Und natürlich habe ich Operninszenierungen erlebt, die genau das an Gefühlen und Empfindungen in mir verstärkt, übersetzt und auch erlebbar gemacht haben. Es sind eben diese ganz besonderen Opernabende in vielen Jahren, die in Erinnerung geblieben sind. Leider aber speist sich diese Erinnerung an solche Erlebnisse in der letzten Zeit eher spärlich. Man mag mich als konservativen Opernliebhaber bezeichnen. Das ist dann wohl so. Und vermutlich wird sich daran auch nicht viel ändern. Ich mag nun mal Kulissen, die mich zusammen mit dem Gesang und der Musik verzaubern, erheitern, mitfühlen und träumen lassen, Kostüme, die die Sänger nicht bewusst zu lächerlichen Figuren degradieren, sondern vielmehr sie dabei unterstützen, befreit und authentisch ihrer Kunst nachzugehen und ich mag die genussvolle Freude einer Opernvorstellung in ihrer absoluten Gesamtheit. Das bedingt nun nicht, dass jede Oper nach immer dem gleichen Muster und Schema abzulaufen hat, dass Deutungen, Überspitzungen, Ausleuchtungen oder Verstärkungen nicht zulässig seien. Das der Langeweile zugespielt werden soll. Mitnichten. Wie immer gibt es mehr wie eine Meinung und Betrachtungsweise.

Nein, alles ist möglich, wenn dem Komponisten zugehört wird. Oder, wie ich manchmal gern an anderer Stelle schreibe, wenn die Musik durch das Ohr direkt ins Herz gelangt, ja, dann ist man auch der Deutung einer Oper einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Und wenn es auch nur die rein persönliche ist. Alles andere erklärt uns die Musik, erklärt uns der Gesang. Musik ist stark genug. Sie benötigt keine Gehhilfe. 

Eine Oper inszenieren zu können, zu dürfen, ist sicher etwas ganz Besonderes und vielfältig Herausforderndes. Die Geschichte eines Werkes, seine Tiefe, seine ganz einmaligen Momente in Verbindung mit dieser großartigen Musik szenisch umzusetzen ist nicht nur spannend. Es ist für alle Beteiligten auch immer im Idealfall ein Lernprozess auf verschiedensten Ebenen der haften bleibt.

Aber es ist auch einfach schön. Irgendwie reizvoll und beneidenswert schön. Ja, vielleicht sollte ich doch mal mutig umdenken? Das Leben besteht nun mal aus vielen ungenutzten Möglichkeiten. Es liegt immer an uns selbst.

 

Detlef Obens 24.11.2018

 

 

WIENER WOHNEN muss 220.000 Türschilder ändern - Bürger werden zu Nummern

13.10.2018

Wie im Zuchthaus in Amerika

Ein Mieter in der österreichischen Hauptstadt will keinen Namen auf dem Klingelschild und beruft sich auf die Datenschutz-Grundverordnung. Die Stadt gibt ihm Recht, die Hausverwaltung reagiert drastisch. Jeder mit gesundem Menschenverstand fasst sich an den Kopf.

Mitarbeiter von Wiener Wohnen haben in den nächsten Monaten einiges zu tun: Ganz oben auf der To-do-Liste steht das Tauschen von „läppischen“ 220.000 Türschildern. Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dürfen nämlich keine Namen mehr auf den Gegensprechanlagen stehen. Diese werden daher durch Nummern ersetzt. Die

220.000 Mieter bekommen nun Klingelschilder ohne Namen. Nummer, wie im Knast in den Vereinigten Staaten oder in autoritären Staatsystemen. Lässt "1984" hier grüßen?

Oder ist das Kasperltheater pur. Die Namensschilder müssen entfernt werden, die Mieter können/dürfen aber selbst (für die eigene Wohnung) diese Schilder wieder anbringen.

Hätte man da nicht eine einfachere Lösung finden können? Diese ist zwar rechtens, aber dennoch ein Schildbürgerstreich sondergleichen und zudem teuer! Hat man da wirklich einen Richter gebraucht? Hätte nicht jeder Mieter, der nur „nummeriert“ sein will, sein Namenschild selbst ersetzen bzw. einen Antrag bei „Wiener Wohnen“ stellen können? 220 000 Türschilder sind sind eine Schikane, auf die mit Schikanen geantwortet gehört!

Diesen „Gesetzestreuen“ würde ich von der Hausbesorgerin auf „Dienst nach Vorschrift“ setzen lassen. Jeder Furz, den er künftig im Stiegenhaus lässt, gehört angezeigt und gerichtlich geahndet, ein kurzfristiges Abstellen von Gegenständen (etwa ein Einkaufssackerl) würde sofort als Besitzstörung erkannt und dem Anwalt übergeben!

Bei der Müllentsorgung gehört er genauestens beobachtet und gefilmt, denn irgendwann wird ihm sicher ein Sackerl (in Deutschland heißt das Tüte) runterfallen! Zudem hoffe ich, dass er recht oft von Besuchern, die eigentlich zu anderen „nummerierten“ Hausbewohnern wollen, womöglich aus dem Bett geläutet wird! Hoffentlich braucht er nicht so bald Handwerker in seiner Wohnung. Die täten mir nämlich leid, der „Türschildrebell“ dagegen keine Sekunde lang!

 

Anton Cupak 13.10.2018

 

P.S. Nachtrag "Bei uns in Germany"

Im Land der Gutmenschen wird sich bald auch die erste Dame melden und ähnlich argumentieren. Vermutlich wird man noch vom Hausbesitzer Schadensersatz verlangen. Allerdings schätze ich, daß dieser hochgradige Schwachsinn in dem Moment schnell ein Ende haben wird, wenn die Deutsche Post nichts mehr zustellt. An wen auch? Selbst die Benachrichtigung über nicht zugestellte Briefe und Päckchen kann ja nicht eingeworfen werden, denn selbstredent darf ja auch an den öffentlich einsehbahren Briefkästen dann kein Name stehen.        Peter Bilsing

 

ES IST NICHT ALLES GOLD WAS TEUER IST

Stichwort Bayreuth

Nach 30 ununterbrochenen Bayreuth-Jahren wagt der Rezensent folgende These: Immer größere Teile des Publikums wollen sich nicht enttäuschen lassen, besitzen auch immer weniger Kompetenz in der Unterscheidung zwischen sehr guten, guten und weniger guten Stimmen. Nur so ist es erklärbar, dass Sänger, deren vokale Leistung noch vor wenigen Jahren als defizitär abgeurteilt worden wäre, heute von den meisten Zuschauern so bejubelt werden, als wären die Callas oder Caruso himself vor dem Vorhang erschienen. Ich möchte nicht einmal behaupten, dass „die“ Sänger in ihrer Qualität nachgelassen hätten; das Gejammer über den Verfall des Wagner-Gesangs hat ja nun auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Es könnte nur sein, dass sich die Mischung aus der Erwartung eines hochrangigen Kulturereignisses und dem Überhören von Defiziten einer Mischung aus Selbstkonditionierung und Unkenntnis verdankt. Zumindest Ersteres hat etwas mit dem Thema des „Fliegenden Holländers“ zu tun, das die Inszenierung extrem herausgearbeitet hat: mit der Kapitalisierung aller Verhältnisse. Denn wer gibt schon gern zu, dass er für 1000 Euro (Karten plus Hotel plus Spesen) einen Abend erlebt hat, der – gemessen am Ruhm Bayreuths – so doll denn doch nicht war.

Keine Bange, liebe Zuschauer: es ist menschlich. Aber es wäre auch schön, wenn man Sängerleistungen endlich einmal wieder realistisch einordnet. Vergleiche mit früheren Aufführungen - die sich natürlich einer getrübten wie verklärten Erinnerung verdanken können - sind nicht per se verboten. Man muss ja nicht gleich buhen; man sollte es auch nicht. Und schon der nächste Abend könnte einem zeigen, was wirklich guter Wagner-Gesang – auch in Bayreuth – ist.

 

Frank Piontek, 27.8.2018

 

Macht die Opernhäuser endlich zu, denn es gibt ja genug konzertante Opern und die kann man überall aufführen !!! oder doch nicht ?

Immer wieder sieht man - zuletzt gerade aktuell in Salzburg bei Gottfried von Einems toller Oper "Der Prozess" - wie deprimierend konzertante Aufführungen sind. Eine jede solche Aufführung ist in meinen Augen ein trauriger Kompromiss, weil sie ernsthafte künstlerische Interpretation und Auseinandersetzung - und das ist mehr als der pure Gesang - einschränkt und unterdrückt. Das führt stellenweise zu kuriosen Bildern von denen unser Archiv nur so überquellt, denn wahre Musiktheaterdarsteller lassen sich heute nicht mehr einfach nur so vorne an die konzertante Rampe stellen...

Oper sollte immer lebendiges Musiktheater sein - zumindest heutzutage. Zur Oper gehören Bewegung, Kostüme, Maske, Bühnenbild und Beleuchtung. Das Opernhaus ist eigntlich ein Zauberkasten, wenn man Regisseure hat, welche die gigantisch teure Technik der Illusion auch nutzen können. Rauch, Nebel, Feuer, Wasser, Licht sind nicht nur Kernmerkmale einer jeden ZAUBERFLÖTE, sondern eigentlich jedweder Oper. Funktionierende Bühnentechnik ist quasi die "conditio sine qua non" für unterhaltsames und beeindruckendes Musiktheater.

Leider verrottet die Bühnentechnik, weil viele heutige "Regisseure" das komplexe Handwerk der Opernregie nicht gelernt haben, sie technisches Handwerkszeug also nicht nutzen können oder auch - Stichwort: simples Einheitsbühnenbild - nicht nutzen wollen. Diese stete Ignoranz der vorhandenen Technik geriert letztlich zu einem teuren Spaß: die Städte sparen sich dann die notwendige teure Wartung. Was, wie bei einem nicht regelmäßig gewarteten Auto, dann schließlich zu horrenden, eigentlich vermeidbaren Kosten führt. Jahrelange Schließungen sind die Folge, was z.B. aktuell in Köln schon Stimmen hochkeimen lässt, die sagen "Wozu brauchen wir so ein Opernhaus überhaupt noch? Geht doch auch so. Universalhallen, Zelte, Steinbrüche oder leere Schwimmbäder gibt es überall...

Jetzt kommt die KONZERTANTE OPER ins Spiel. Je mehr man diese armseligste Form der klassischen Präsentation hochlobt, begeistert bejubelt und auch noch als echte Alternative preist, desto mehr gräbt man dem Musiktheater und damit dem klassischen Opernhaus sein Grab. Konzertante Oper geht überall. Egal ob auf den Rheinwiesen, im Fußballstadion, der Philips-Halle, in Parkhäusern oder verlassenen Industrieanlagen - wenn das zum Prinzip wird, ist die Oper tot und das klassische Musiktheater-Haus erledigt. Uns fehlt dann doch eigentlich nichts, denn im Sommer haben wir ja die Festivalitis, die ohnehin pressemäßig präsenter ist. Und ein "Fliegender Holländer" im Oberammergauer Kuhstall - das ist doch ein echtes Event, oder nicht? Und viel stimmungsvoller als in der Rheinoper.

Dann es bieten sich als alternative kommende Spielstätte noch die dahindarbenden Filmpaläste an: Oper im Kino wird immer populärer. Warum nicht demnächst mit Livegesang und hinten lassen wir irgendein Filmchen ablaufen. Ein simpler Trickfim reicht den meisten Leuten - das machen doch berühmte Regisseure wie z.B. Kosky oder Neuenfels schon heute in der richtigen Oper ;-) So wird alles viel billiger...

Da sind wir dann, vor allem wenn es ums Geld geht, wieder ganz nahe bei meiner Lieblingspartei den GRÜNEN, die ja ökonomisch durchaus nachvollziehbar einst forderten "Wozu brauchen wir noch Opernhäuser, gibt es doch allüberall CD-Player?!" Heute könnte es heißen: Dank überall realisierbarer konzertanter Aufführungspraxis und den vielen Festivals brauchen wir nun wirklich keine Opernhäuser mehr. Und wenn die Fabrikhalle dann doch akustisch zu schlecht ist - wieso eigentlich ? denn Popkonzerte laufen dort doch auch prächtig - gibt es ja noch genügend wartungsfreundliche (!) gute Konzertsäle. Halleluja, oder sollte ich besser sagen Mama mia...

 

Peter Bilsing 19.8.2018

Archivbilder OF

 

Sprachliche Entgleisungen

Wer sich über Regeln hinwegsetzt, fühlt sich gut.

Und hat Recht. Meistens. Manchmal. Nicht immer. In Deutschland gibt es Rechtschreibregeln. Und die gibt es ausnahmsweise mal nicht, weil die Bürger gemaßregelt werden sollen, sondern damit ein Höchstmaß an sprachlicher Klarheit erreicht werden kann. Die Vergewaltigung der deutschen Sprache, die viele Kulturtreibende inzwischen betreiben, ist kaum noch erträglich – weil sie von nichts anderem als Dummheit zeugt.

In Backstuben herrscht Geschlechtergleichheit bei den Bäckern, wie hier im Roscheider Hof – Foto © Helge Klaus Rieder

Als Journalist bekommst du täglich etwa hundert E-Mails. Und natürlich liest du die nicht mehr. Sondern schaust nur noch auf der Suche nach Stichwörtern drüber. Alles andere wäre auch unerträglich. Weil die Dummheit eben schwer zu ertragen ist. Da strotzt es nur so von Sternchen, Unterstrichen, Schrägstrichen und Rechtschreibfehlern, als müssten die Verfasser ihre verspätete Trotzphase gegen ihre Deutschlehrer durchleben. Die neueste Idee, der Zug, auf den so viele „Kulturtreibende“ abfahren, ist die schriftliche Geschlechtergleichheit. Dabei ist die in Deutschland längst einheitlich durch den Duden geregelt. Bei den Bäckern ist klar, dass es sich um männliche und weibliche Angehörige der Berufsgruppe handelt. Das ist übrigens in anderen Sprachen auch so. Eine gute Regelung, die Klarheit schafft und für Sprachökonomie sorgt. Neuerdings wird auf der Suche nach politischer Korrektheit immer häufiger die Schreibweise Bäcker*innen verwendet. Das sieht der Duden nicht vor, es ist ein Schreibfehler. Ökonomisch ist es völliger Schwachsinn, der Geschlechtergleichheit wird es nicht annähernd gerecht. Schließlich haben wir, so hat ein amerikanischer Professor untersucht, mittlerweile mindestens 25 verschiedene Geschlechterauffassungen. Da sind Schwule, Lesben, Transen nur marginales Beispiel von dem, was viele Menschen unter ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung verstehen. Bäcker*innen trennen gemeint Bäcker ohne Brüste von Bäckern mit Brüsten. Ist das die kulturelle Revolution des 21. Jahrhunderts? Ist das der Fortschritt der Kultur, den alle wollen? Ich finde es peinlich. Wenn ich eine Puddingschnecke essen will, interessiert mich die Qualität der Puddingschnecke und nicht die sexuelle oder geschlechtliche Ausrichtung der Hersteller (sic!). Wenn ich als Bub in die Backstube durfte, bewunderte ich die Männer – damals gab es da noch keine Frauen – wie sie mit ihrer Routine die tollsten Düfte und Geschmäcker produzierten, und ich freute mich über die rundlichen Verkäuferinnen, die mir beim Hinausgehen noch irgendeine Leckerei zusteckten; es gab damals noch keine Verkäufer. Aber es interessierte mich auch ganz ehrlich überhaupt nicht, ob der Bäcker sich gerade als Schwuler fühlte oder die Fachverkäuferin auf dem Weg zur Geschlechtsumwandlung war. Er war einfach der großartige Bäcker und sie die liebevolle Verkäuferin.

Und nein, die Zeiten haben sich nicht geändert. Es gelten heute noch die gleichen Regeln. Der Begriff „die Bäcker“ legt fest, dass es sich dabei um eine Berufsgruppe handelt, in der alle Geschlechter arbeiten. Alle, versteht ihr? Als ob es 1960 nicht schon lesbische Verkäuferinnen oder schwule Bäcker gegeben hätte. Alles Mumpitz. Als ob seit 1990 nicht jeder verstünde, dass es sich bei den Bäckern um weibliche und männliche, transsexuelle oder, oder … Mitglieder einer Berufsgruppe handelte. Es ist legitim, Regeln aufzubrechen, wenn sie überholt sind. Aber wenn die Ampel rot zeigt, ist Schluss mit der Weiterfahrt. Auch dann, wenn immer mehr Menschen glauben, sich über die Regel hinwegsetzen zu können, wird es dadurch nicht richtiger. Sondern die Unfallzahlen steigen. Das gilt auch bei der Sprache. Wenn nun neuerdings Menschen im Kulturbetrieb anfangen, von Schauspieler(Pause)innen zu reden, erreicht das eine Grenze der Albernheit, die kaum mehr zu überbieten ist. Ach, die redet jetzt über Menschen mit Brüsten oder ohne Eier, oder redet sie über Leute ohne Vagina oder Vagina im Umbau oder über Leute mit weichen Eiern, die sie gern loswerden wollen oder … Nein, nein, da wird ja nur über Schauspieler geredet. Eine Unterscheidung, die so peinlich altbacken ist, dass man sich fragt, in welchem Leben diese Menschen unterwegs sind. Wenn Kulturarbeiter glauben, sich ideologisch in die Sprache einmischen zu müssen, sollten sie wenigstens Lösungen anbieten, die einer modernen Entwicklung von Sexualität und Geschlechtergleichheit gerecht werden – und nicht etwa Frauen mittels Sprache wieder an die zweite Stelle rücken, indem sie sie kurzerhand hintan hängen.

Ein Sternchen, Unterstrich oder das Anhängen des weiblichen als zweites Geschlecht führen die Geschlechterdebatte auf das falsche Schlachtfeld. An dieser Stelle sei den Bäckern gedankt, dass sie als Beispiel zur Verfügung standen. Die Intendant*innen werden niemandem helfen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Solche Entwicklungen müssen auf anderen Ebenen stattfinden, und da werden wir sie sicher unterstützen. Den albernen, abseitigen Sprachregelungen, die Kulturschaffend*innen gegen geltende Regeln durchzusetzen versuchen, wird am Ende der Sackgasse nicht einmal eine Regenbogen-Fahne winken.

 

Michael S. Zerban 9.8.2018

Original in O-Ton


Größenwahn oder Geldgier?

Domingo als Dirigent ausgebuht in Bayreuth

Oh Placido, oh Placido - dies hast Du nicht verdient, aber in blinder Selbstüberschätzung herbei geführt. Merke: "Es ist stets das größte Leid, watt dä Mensch sich selbst andeit" so lautet ein rheinisches Sprichwort. Schuster bleib bei deinen Leisten.

Daß Domingo älter sein soll, als in seinem mexikanischen ! Pass steht - geschenkt. Daß er einfach nicht aufhören kann, weil seine Fans ihn weiterhin loben - geschenkt. Daß er sich aber maßlos überschätzt und sich auch noch für einen großen Dirigenten hält - frei nach dem Motto "wenn man das tausendmal gesungen hat, dann kann man das auch dirigieren" basta ! - war bisher auch geschenkt, denn es waren meist nur die Wiener Jubler zugegen und die haben bekanntlich bei ihren Lieblingen ein eingeschränktes Gehör.

Nur leider waren nun in Bayreuth einige Nicht-Wiener-Staatsoper-Fans präsent und bekundeten - wie es in Bayreuth üblich ist - erbarmungslos ihren Unmut über eine scheinbar schlechte Leistung. Egal ob Sänger, Dirgent oder Regisseur - hier geht es klar zur Sache. Nun also steht es in allen Zeitungen als Aufreißer: "Domimngo ausgebuht". Daß er eben kein toller Dirigent ist, sondern nur ein weltbekannter beliebter und sympathischer Taktschläger. So ein Pech!

Ähnliches wurde dem großen Justus Frantz auch schon von kritischen und mutigen Musikjournalisten, die keinen Gehörschaden haben, einst in Düsseldorf bescheinigt.

Warum sind große Künstler nur so naiv?

Haben die keine Freunde, auf die man hören könnte?

Oder ist es der schnöde Mammon, der ja auch Anna Netrebko dazu trieb ein Tee-Service für 2400 zu kreieren, dessen künstlerischer Wert bei BARES FÜR RARES wahrscheinlich mit 16 Euro taxiert worden wäre.

Peinlich, peinlich, peinlich... auch für Bayreuth. Da hatte man nur des großen Namens wg. die eherne Tradition gebrochen, daß der Ring niemals zerteilt aufgeführt werden durfte und dann diese Pleite. Selbst schuld!

Aber die Fans, vor allem die wahren, vergessen schnell und so wird Placido, käme er nächstes Jahr auf die Idee Fabergé-Eier zu kreieren, auch da noch Abnehmer finden, denn wer so saugut singen kann, na der kann doch eigentlich alles ;-).... Oder nicht?

 

Gruezi aus der Schweiz                      

Ihr                    

Peter Bilsing

Hinweis auf einen älteren Kommentar zu Domingo

 

 

Bravo Mezut Özil,

unser Mezut hat es den Deutschen, alles üble Rassisten, jetzt richtig gezeigt. Auch dem rassistischen DFB mit seinem - wie es scheint - total unfähigen und unverständlichen Vorsitzenden. Und zuletzt noch seinem Werbepartner und Sponsor Mercedes. Wie gesagt, alles Rassisten, alle haben was gegen Türken und ihren ehrenwerten Anführer Erdogan. Und neuerdings gegen den Deutschen Özil.

Oder haben Sie schon einmal eine Mercedes-Werbung gesehen, wo Neger* oder Türken, die keine Fußballer sind, auftauchen? Aber Adolf !!  Schauen Sie sich mal den Werbespot an. Wobei "Rassist" jetzt gerade eben mal in diesem Zusammenhang nur für Türken gilt, denn Neger* haben ja z.B. schon in der DFB Elf gespielt. Deutsche Neger*: Koray Günther zum Beispiel.

Und alle (!) Gutmenschen in Deutschland - bevorzugt Grüne, Kommunisten und sonstige Linke schlagen in diese Kerbe. Sogar die unabhängige Tagesschau bewertet Özils Thesen (Mediziner sprechen von Verbal-Diarrhö) als so wichtig, daß man es als vorgestern um 20 15 h als ersten Beitrag brachte. Daß Angie Merkel dazu keine extra Kanzleransprache hält verwundert...

Na ja, daß nun besonders die GRÜNEN (nicht alle!) hier ihren Vorzeige-..... - verdammt jetzt hätte ich fast wieder "Neger" geschrieben - haben, ist verständlich. Bei einer Partei, denen zwar in der Vergangenheit Sex mit Kindern/Jugendlichen als verständlich und tolerabel erschien, und deren Führungspersonal in Persona einer Frau Roth (heuer Bundestagsvizepräsidentin) unbedenklich hinter Schildern wie "Deutschland Scheisseland" oder "Deutschland verrecke!" hinterher läuft** - aber etwas gegen das laute Absingen der Deutschen Nationalhymne hat. Wegen der bösen Erinnerung an die Nazizeit. Oder an: "Brüh im Glanze..."

Dieser Mezut Özil ist der perfekte Vertreter für Glaubwürdigkeit in jeder Anti-Rassismus-Kampagne. Özil ist unabhängig - Jahresverdient 20,6 Millionen Euro. Er hat eine 35 Millionen teuren Villa, also genug Platz für Flüchtlinge und Diskreditierte. Und statt Bibliothek ein eigenes Playstation Zimmer sowie ein riesiges Hauskino. Na da würden sich Asylanten echt wohl fühlen, oder...?

Seinen Mercedes Geländewagen für 200 000 (Sonderanfertigung) und eine weitere Sonderanfertigung, einen S 63 AMG Coupé (ähnlicher Preis), wird er wohl bald wieder zurück geben, nachdem sich die Daimler-Bosse jetzt so scheisse und undankbar ihm gegenüber verhalten haben. Etwas betrübt dabei, daß letzterer doch das Lieblingsauto von seiner Minidogge "Rocky Balboa" (Nomen est omen) war..

Auch lässt der wahre Mann von Welt seine Mitteilungen natürlich auf Englisch verbreiten. Englisch - eine wunderbare Sprache, die insbesondere deutsche Fußballfans ja weitest gehend beherrschen: "Fuck you" - "Champions-League" - "Motherfucker" - "Go home!" - "Coach"...

Hand aufs Herz Leute, hier kann es doch nur eine Lösung geben:

Özil wird - sozusagen als Wiedergutmachung - Berater der Nationalmannschaft und des DFB in Rassismus-Fragen. "Der Islam gehört zu Deutschland" kommt dann aufs Trikot und neben der kleinen schwarz-rot-gold-Fahne platzieren wir einen Halbmond mit Stern. Fakultativer Zusatz: Erdo ich find Dich geil. Der Begriff der "Nationalmannschaft" wird endgültig gestrichen - umbenennung in DIE TRUPPE oder YOGIS TRUPPE.

Halt durch Mezut! Lass Dich nicht entmutigen! Du bist der Größte! Du bist für mich weiterhin ne geile Sau und dä beste Fusssballaballa der Welt ;-) !

Dein Mega-Fan

Der Fortuna-Pitter

 

God save our gracious and glory Queen

 

Nachtrag

*das Wort "Neger" nehme ich natürlich mit Bedauern zurück, aber als alter langjähriger Sarotti-Schokoladen-Esser, Agatha Christie Leser und auch sonst...

Auch fällt mir schwerlich ein Ersatzbegriff ein, denn farbig sind die Leute ja nicht.

** Frau Roth hat später überzeugend erklärt, daß sie keine Ahnung hatte, was da vor ihr für Parolen auf den meterbreiten Transparenten standen und was die linken Chaoten und Jung-Faschisten da riefen.

 

 

Elf Banker solltet Ihr sein !

Wo bleibt eigentlich das Mitgefühl mit diesen armen jungen Menschen ?

Toni Kroos € 20,7 Millionen im Jahr

Mesut Özil € 20,6 Millionen

Thomas Müller € 15 Millionen

Manuel Neuer € 15 Millionen

Jerome Boateng € 11 Millionen

Ilkay Gündogan € 11 Millionen

Mats Hummels € 10 Millionen

Leon Goretzkan € 10 Millionen

Marco Reus € 10 Millionen

Die schäbigen einstelligen Verdiener, führen wir - pfui wie verachtenswert - hier nicht auf. Bis auf einen wirklich in diesem Rahmen bemitleidenswerten Proletarier:

Jogi Löw - der kriegt nur bescheidene € 3,8 Millionen

Alles ohne Werbegelder - versteht sich, denn die kommen noch drauf !

Entschuldigt Leute, aber da muss man doch nun wirklich nicht auch noch die deutsche Nationalhymne mitsingen, oder? Die Buschen denken an was ganz anderes. Mesut Özil, Manuel Neuer, Mats Hummels und Benedikt Höwedes z.B. an Nutella oder Kroos an Lays.

Im übrigen heißt/hieß die Truppe doch "Die Mannschaft". Ich sah auf den Trikot kein Schwarz-Rot-Gold mehr. Die Grünen fordern schon lange das nationalsozialistisch anmutende Absingen der Deutschen Nationalhymne in der Öffentlichkeit zu verbieten. Da läuft dann Claudia Roth - immerhin nun Vizepräsidentin des DEUTSCHEN BUNDESTAGES (!) - durchaus zurecht hinter Bannern wie "Deutschland - Scheisseland" oder "Deutschland verrecke" bei Demos hinterher. TRecht so!

Machen wir doch demnächst die Bunte Fußball-WM. Jedes Land nominiert 20 Spieler, die dann zusammengewürfelt werden und die 32 Besten wählen unter Aufsicht der FIFA dann aus dem großen Haufen eben jenne 32 Mannschaften wie in der Schule, die dann im Turnier gegeneinander antreten. Gespielt wird immer die FIFA-Hymne oder der Godfather-Waltz (Nino Rota).                             

 

P. Bilsing 29-6-18

 

 

Hallo Wien! Schläpfer kommt - Kennt Ihr den?

Wer von Österreichs Journalisten hat sich schon ernsthaft mit Martin Schläpfer auseinandergesetzt? Schweigen im heimischen Blätterwald

Dafür wundert sich die Ballettexpertin der „Frankfurter Allgemeinen“ über dieses Engagement, das gleichzeitig viele Ballettfans in Düsseldorf und Umgebung  jubeln lässt. „Hurra, den sind wir los“!  Zu früh gefreut, liebe Düsseldorfer, Martin Schläpfer hat seinen Nachfolger bereits angelernt. Aber das wissen die Düsseldorfer ohnehin, das hat uns in Wien nicht zu interessieren.

Wiebke Hüster in der FAZ: Nach der wenig aufregenden Neuinterpretation von „Schwanensee“ steht nun die Frage im Raum, wie gut Schläpfer zu Wien und das Gott sei dank traditionsstarke Staatsballett und sein Publikum zu einem Direktor passen, dessen Auffassung von Klassikerversionen unbekannt ist, der sich tanzhistorisch nur in der Moderne auskennt und, was zeitgenössischen Tanz betrifft, nicht stilsicher ist. Nicht zuletzt liegen seine besten Premieren ein paar Jahre zurück…

Wiener Staatsballett: Martin Schläpfer übernimmt das Traditionsensemble
Eine Einschätzung von Wiebke Hüster/ Frankfurter Allgemeine:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/martin-schlaepfer-uebernimmt-das-wiener-staatsballett-15654477.html

Nein, das ist nicht die typische Wiener „Raunzerei“ – und zum Ballett gehe ich weder unter Manuel Legris noch unter Martin Schläpfer. So gesehen könnte es mir völlig gleichgültig sein, wen Bogdan Roscic aus dem Hut zaubert. Hier geht es aber um die Frage, ob Herr Roscic wirklich weiß, was er da macht, denn ein „ferngesteuerter“ Operndirektor kann auch mir nicht egal sein!

Für mich ist Martin Schläpfer kein Unbekannter, denn zwangsläufig muss ich mich jeden Tag auch durch den deutschen Blätterwald schlagen. Aus dem habe ich erfahren, dass Martin Schläpfer und das, was wir als Klassisches Ballett bezeichnen, auf Kriegsfuß stehen. Angeblich, weil er in Düsseldorf gar keine Compagnie für das Klassische Ballett zur Verfügung hatte – Insider freilich vermuten, dass er gar keine klassische Compagnie wollte.

Haben zumindest Orthopäden mit Martin Schläpfer eine Freude? Aus gesundheitlichen Gründen müssten sie eine haben, aus geschäftlichen Gründen eher nicht. Aber gar so viele Orthopäden gibt es gar nicht und wie viele von denen gehen zum Ballett?

Interessant zu wissen wäre, wie Herr Roscic auf Martin Schläpfer überhaupt gekommen ist. Orientiert er sich an an Preisen, die „Opernwelt & Co.“ vergeben? Hier auszuführen, wie solche „Schmieranski-Preise“ zustande kommen, verbietet mir die Sorge um meine Brieftasche und die noch nicht abgeschlossene Suche nach einem geeigneten Medienanwalt!

Jetzt warte ich ab, bis unsere heimischen Ballettschreiber aus ihrer Agonie erwachen.

Anton Cupak 24.6.2018

 

OPER IST UNCOOL - Netrebko hin, Netrebko her - aber EVENT wow, ist supergeil !

Die Sopranistin Anna Netrebko wollte bei ihrem ersten Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker Neulingen die Klassik näher bringen:

Open-Air bedeutet ein großes Fest. Und es gibt ein anderes Publikum. Das ist gut, um mehr Leute zur Oper zu bringen.Schließlich könne sich ja sonst nicht jeder den Besuch der Wiener Staatsoper leisten.

So gut gemeint das Vorhaben von Anna Netrebko ist, so falsch ist es auch. Die Leute gehen nicht „zur Oper“, sie gehen zum Event, wollen etwas erleben, wollen aber auch jederzeit aufstehen und gehen können. Es ist keineswegs das Geld, das die Menschen vom Opernbesuch fern hält.

Ich erinnere mich meiner lächerlichen missionarischen Versuche vor vielen Jahren, Menschen, an denen mir gelegen ist, in die Oper zu bringen. Ich habe denen Opernkarten, die ich selbst gekauft habe, geschenkt (dabei habe verschwiegen, dass ich die Karten aus eigener Tasche bezahlt habe). Das Ergebnis war kläglich. Einer meiner Mitarbeiter ist nebst Familie in der Pause der „Zauberflöte gegangen, andere sind rechtzeitig krank geworden und haben die Karten verfallen lassen. Das Geld ist es also überhaupt nicht! Oper ist einfach „uncool“.              

 

Anton Cupak 1.6.2018

 

MUSS DAS SEIN ??? Splattermovie als Opern-UA

"Black Forest Chainsaw Opera"

"lustvoll arrangierte Alptraumbilder" - schreibt der Kritiker-Kollege der Badischen Zeitung. Pflichtberichterstattung? Ob man bei der im Iran üblichen Livesendung  von Enthauptungen oder Erhängen an deutschen Baukränen, meist weiblicher Delinquenten, ähnliche Worte verwenden würde, weiß ich nicht. Denn die Realität ist ja eine andere Seite der Medaille; weniger berichtenswert als so ein Dreck - ups sagte ich "Dreck"? Ich meine natürlich "abartige Kunst!" Sowas zeigt man halt gerne auf einer subventionierten Theaterbühne.

Bitte hören Sie sich an, was für einen Schwachsinn der Macher dazu sagt. Ausgerechnet ein Belgier (!) aus dem Land des Dutroux... Der Begriff "Oper" verweigert sich nicht nur mir in diesem Fall - als humanitärer Mensch mit ethischen Grundsätzen.

Sorry Folks - ich spreche jetzt bewußt die jungen Menschen an, die dort im Theater sitzen und auch noch lachen - aber hört der Spass auf!

Ich habe mich als Filmkritiker schon 1976 mit diesem und ähnlichem Unrat auf Zelluloid (bin dennoch weiterhin gegen das Verbrennen von Filmen, wohlgemerkt!) namens "Blutgericht in Texas" leider beschäftigen müssen, weiß also wovon ich rede.

Was den Intendanten des Freiburger Theater geritten hat solchen Schund der untersten Schublade, der damals komplett indiziert war (heute gilt es bei manchen als "Kult" und es gibt sogar ein Remake), als sinnvolle Programm/Repertoire-Ergänzung einzubringen, entzieht sich meiner Beurteilung.

Geht heute alles auf der Opernbühne?

Oder geht das nur wegen der vielen Steuerzahler-Millionen, die ja locker, frei und unkontrolliert verpulvert werden können. Ich bin da ratlos, vor allem angesichts der Tatsache, daß es aus dem Repertoire der 50 000 seit Monteverdi geschriebenen Opern es wahrscheinlich noch etliche richtig gute zu entdecken gilt.

Leider sind unsere Theaterintendanten überwiegend - das gilt nicht nur für Freibug - in dieser Richtung wenig kreativ... Man vertraut auf die üblichen 20 Opern, damit das Publikum zufrieden ist. Daß Intendant Peter Carp wahrscheinlich meint mit solchem Bockmist junge Menschen für die Oper gewinnen zu können, erschüttert.

*Ich halt die Idee aus so einen Thema eine Oper zu machen geradezu für krank und die Durchführung nachgerade für pervers, wenn nicht pathologisch.

Unsere absolute Negativbewertung DIE OPERNFREUND SCHNUPPE wäre zuviel der  Ehre gewesen, denn da geht es ja immer noch unstrittig um echte Kunst, was in diesem Fall ernsthaft zu bezweifeln ist. Den Opernfreunden Freiburgs sollte dieses Machwerk dennoch Schnuppe sein...

Peter Bilsing (Hrg.) 31.5.2018

 

P.S.

Dazu passend und als Nachtrag eine Karikatur unseres Haus-Karikaturisten (c) Peter Klier: mit dem passenden Titel FROHES NEUES JAHR

 

 

 

BRÜSSEL - Die Rezeptions-Geschichte von Wagners Nazi Oper LOHENGRIN muss eigentlich neu geschrieben werden

Im Brüsseler LOHENGRIN tritt vor jeder Vorstellung der Regisseur Olivier Py vor den Vorhang und gibt quasi eine Gebrauchsanweisung für seine Regie- Deutung. Man könnte auch sagen: Er belehrt das Publikum, dass Hitlers LOHENGRIN ein Werk über den Nationalsozialismus sei.

Oh Sorry… schriebe ich gerade „Hitler“? Freudsche Fehlleistung!

Gemeint ist natürlich "Richard Wagner" – der wahre Komponist des LOHENGRIN. Wer ihm dabei die Hand geführt hat… tja – wer weiß? Ich persönlich glaube ja, wie der Pabst oder noch heute in der katholischen Kirche praktizierende Taufelsaustreiber, an die reale Existenz des Leibhaftigen und seiner Konsorten allüberall, wenn ich so die News höre.

Aber jetzt noch einmal, damit es ganz klar ist:

Richard Wagners LOHENGRIN ist ein Werk über den Nationalsozialismus !

Deswegen (kleine Anmerkung des Opernfreund-Hrg.) wird auch immer der zweite Teil der Gralserzählung – der mit den wilden deutschen Horden die überall einfallen – weiterhin weg gekürzt. Finde ich persönlich gut, weil die Gralserzählung ohnehin zu lang ist.

Andererseits wäre der komplette ungekürzte LOHENGRIN ja wieder die ganz große Chance für ein Theater solche Produktion quasi „Europäische Uraufführung“ zu nennen, wie man es ja auch macht, wenn irgend so ein Sektierer von Musikwissenschaftler in alten Scheunen noch Noten einer populären Oper findet, die als verschollen galten – wenn man überhaupt davon was wusste…

 

Peter Bilsing 8. Mai 2018

 

 

YOU´LL NEVER EAT ALONE

Wie bitte, Startenor Kaufmann will in Ruhe essen?

Vorwort vom Herausgeber des OPERNFREUNDs: nachdem Jonas Kaufmann in einem mir nicht bekannten Restaurant nahe der Staatsoper einfach nur seinen Hunger nach der anstrengenden Singerei  - gerade Andrea Chenier ist ja nachweislich sehr anstrengend und kräfteraubend - stillen wollte, lehnte er doch tatsächlich (Ja... wie dreist und unverschämt ist das denn???!!!) im Restaurant den Wunsch eines Fans (oder war es eine Fanin?) ab, ein Autogramm zu geben. "Ich möchte doch nur friedlich essen, bitte haben Sie Verständnis". Ja gibbet denn sowatt? Ab sofort entlud sich - besonders im MERKER-online (Wien) - ein Shitstorm über den Startenor, der sich gewaschen hatte. Dazu schreibt mein guter Freund Anton Cupak (Herausgeber des Merker-online) heute im Tageskommentar:

Diese Frage war in den letzten Tagen Streitthema in unserem Forum. Meine Haltung dazu ist bekannt: die Privatsphäre darf in keinem Fall gestört werden. Künstler pflegen den Kontakt zum Publikum beim „Bühnentürl“, über diverse Opernclubs, durch Interviews etc. Ich weiß aber von total überzogenen Fällen auch aus unserem Merker-Bereich, wo Sänger (meist natürlich Tenöre) unvorsichtigerweise ihre Telefonnummer (im weniger gefährlichen Fall die Mailadresse) bekanntgegeben haben. Über zu nächtlicher Stunde erfolgte Anrufe haben sie sich dann gewundert. In einem Extremfall ging das bis zu einem handfesten Ehezwist. Das muss nicht sein – und diese Auswüchse sind gemeint. Ein Restaurant, in dem der Sänger nicht „flüchten“ kann, ist meiner Ansicht nach aber auch tabu.

Man soll aber auch die Popularität von Opernstars nicht überschätzen. Ich biete eine Wette an, die ich wohl nie einlösen werde müssen: Wenn ich mit Herrn Kaufmann die Meidlinger Hauptstraße von der Philadelphia- bis zur Lobkowitzbrücke (1200 Meter) oder meinetwegen sogar durch die Favoritenstraße oder die (bereits ziemlich abgesandelte) Mariahilferstraße gehe, wird Herr Kaufmann selbst ohne Sonnenbrille kein einziges Mal angesprochen.

Bei Michael Jackson hätte ich diese Wette nie angeboten, selbst Fußballer David Alaba wäre nicht ungefährdet. Sovel zum Bekanntheitsgrad unserer Opernstars. Wien ist nicht nur die Kärtnerstraße!

Ein Leser bietet eine Art Gegenwette an: "Wenn ein Sänger sich derart kommerzialisieren lässt, wie Herr Kaufmann das tut, dann muss er auch damit leben können, dass er „in der Öffentlichkeit“ angesprochen wird, erst recht wenn diese „Öffentlichkeit“ ein von Opernbesuchern und -sängern gleichermaßen frequentiertes Lokal nahe der Oper nach einer Vorstellung ist. Ich würde eine Gegenwette eingehen, dass 95 % der Künstler (aus dem Opernbereich) sich in einem solchen Fall über das Lob freuen würden und die paar Sekunden gerne opfern, die es sie kostet, einem Bewunderer ein Autogramm zu geben, gerade auch, weil man in diesem Genre nicht an jeder Straßenecke erkannt und angesprochen wird. Zur Information: Ich habe meine Infos zu dem Vorfall aus erster Hand und bin überzeugt davon, dass der betreffende Ex-Fan sich Hr. Kaufmann gegenüber nicht ungebührlich verhalten oder ihn in einer unpassenden Situation angesprochen hat, sodass dessen mir geschilderte Reaktion absolut unakzeptabel ist. Aber vermutlich hat ihm ja seine Marketingoffensive schon genug eingebracht, sodass er es nicht mehr nötig hat, seinen Bewunderern mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen."

An den Herrn Kaufmann hätte ich da aber einen Vorschlag: Wenn er nicht vor (!) dem Essen gestört werden will (während des Essens war es ja nicht), dann soll er eben nicht in ein Lokal gehen, in dem es von Opernfreunden (und auch Bewunderern) nur so wimmelt. Nicht jedes Restaurant, in dem wenige Operngäste verkehren, ist deswegen ein schlechtes Restaurant. Besagtes Restaurant kenne ich nicht, aber vielleicht gibt es dort sogar ein Extrazimmer. Wer sich in die Auslage setzt, wird gesehen, das haben Auslagen so an sich!

Für mich selbst ist aber klar: Ich würde Herrn Kaufmann keineswegs in einem Restaurant anquatschen, nicht einmal beim Bühnentürl. Dennoch: Gelbe Karte!

 

Anton Cupak 2.5.2018

 

Post Scriptum

Da bin ich natürlich überhaupt nicht der Meinung von Anton Cupak. Ein Superstar-Tenor hat die verdammte Pflicht und Verantwortung gegenüber seinen Fans bei Autogramm- oder Selfiewünschen auch während des Essens (!) oder des Toilettenganges (!) diesen sofort zu unterbrechen um den edlen Wünschen der Fangemeinde zu entsprechen - letztlich lebt er ja von ihnen, oder nicht?

Beim großen Lucianao war das übrigens kein Problem, soviel ich weiß, denn wenn er nicht sang, aß er meistens und teilte auch den letzten seiner vielen Spaghetti mit seinen Fan-Freunden vom teuren Rotwein gar nicht erst zu reden...                                                    

Peter Bilsing (Hrg.)

 

Statement Daniel Barenboim zum ECHO 2018

Ich habe die Diskussion um die ECHO-Auszeichnung für ein Rap-Album, dessen Texte eindeutig als antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und allgemein menschenverachtend zu charakterisieren sind, mit großer Bestürzung verfolgt. Als Jude, der seit vielen Jahren gerne in Deutschland lebt und Freiheit in der Kunst als ein hohes Gut ansieht, hat mich die Debatte besonders beschäftigt und ich habe auch abgewartet, ob seitens der Verantwortlichen eine adäquate Reaktion hierauf erfolgen wird. Meinungsfreiheit und Freiheit in der Kunst gehören zu den wichtigsten Errungenschaften und Werten einer demokratischen und offenen Gesellschaft. Mit jeder Freiheit kommt aber auch eine Verantwortung: unsere Verantwortung, die errungenen Freiheiten so zu nutzen, dass auch die Freiheit eines jeden anderen Menschen und Andersdenkenden bestehen kann – ebenso wie die Verantwortung, andere Menschen in ihrer Würde zu achten und zu respektieren. Diese Überzeugung ist seit vielen Jahren Kern meines Denkens als Mensch und meiner Arbeit als Künstler. Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und die offene Verachtung von vermeintlich Schwächeren und Minderheiten sind ein Missbrauch von Freiheit, den wir als Gesellschaft niemals tolerieren dürfen. Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen auszeichnen und dadurch legitimieren. Im Gegenteil, wir müssen heute mehr denn je für Menschlichkeit, gegenseitige Achtung und Empathie kämpfen. In diesem Geist habe ich mich, gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und dem West-Eastern Divan Orchestra, entschieden, unsere Auszeichnungen geschlossen zurück zu geben. Kommerzielle Interessen dürfen nicht überwiegen, wenn es um so essenzielle Fragen des Anstands und unserer Menschlichkeit geht.

 

Daniel Barenboim 22.54.2018

 

P.S. Jugendgefährdende Verbrecher-Volklore

Wir erlauben uns in diesem Zusammenhang auf einen hervorragenden Artikel in der WZ zu verweisen, der in klarer Sprache (!) und mit den richtigen Worten das Thema analysiert und bewertet. Bravo!

 

Teuerstes Ostereiersammeln der Welt beendet

SALZBURGER Osterfestspiele sind zuende gegangen

Die Osterfestspielein Salzburg 2018 sind gestern mit einer Umbesetzung einer Hauptrolle in „Tosca“ zu Ende gegangen. Die Veranstalter wollen das Image „Teuerste Festspiele der Welt“ nicht etwa widerlegen, nein, sie wollen es sogar pflegen Auszug aus orf.at: Am Image der Osterfestspiele als elitäres und teuerstes Musikfestival der Welt soll auch künftig nicht gekratzt werden. Opernkarten kosten hier bis zu 490 Euro. „Ich würde gerne für jugendliche Besucher die Kartenpreise reduzieren, wenn das irgendwie möglich ist. Aber wir haben die Aufgabe, uns zu 90 Prozent selbst zu finanzieren – durch Kartenerlöse und Zuwendungen von Förderern…

…Aber das Schöne ist, dass Jahr für Jahr 1.800 Förderer aus aller Welt zu uns kommen. Es bildet sich so eine Art Communitiy – man trifft sich einmal pro Jahr hier in Salzburg zu einem wunderbaren Kulturgenuss in dieser wunderbaren Landschaft. Und an diesem Leitbild werden wir festhalten“, betont Peter Ruzicka…
Mit der zweiten Vorstellung von Puccinis Oper „Tosca“ sind Montagabend die diesjährigen Osterfestspiele zu Ende gegangen. Es wurden 19.000 Karten verkauft. Die Sitzplatz-Auslastung im Großen Festspielhaus betrug 93 Prozent
http://salzburg.orf.at/news/stories/2904618/

Das heisst, die Förderer wollen unter sich bleiben, das gemeine Volk, das eventuell nach billigen Karten schielt, gar nicht an sich heranlassen. Tun Sie doch in den Folgejahren den Förderern und auch den Veranstaltern diesen Gefallen und behelligen Sie die Eliten nicht mit Ihrer Anwesenheit!

Ach ja, verbilligte Karten für die Jugend! Das macht sich immer gut – genauso wie „Verbilligte Startwohnungen für Junge“. Die Realität sieht dann anders aus. Dieser Tage sind in meiner unmittelbaren Umgebung zwei Endfünziger in so eine Wohnung gezogen, weil sich Junge die Wohnung nicht leisten können. Jetzt erhebt sich die Frage: „Wer ist jung“ ?

Aber in Salzburg will man über Jugendkarten erst nach 2020 überhaupt diskutieren. Ich fürchte, dass ein derartiges Vorhaben ohnehin zum Scheitern verurteilt ist, weil sich sofort Geschäftemacher der Sache annehmen werden, die verbilligte Jugendkarten verteuert an zahlungskräftige Oldies verkaufen. So geschehen in Wien, wo die Organisation, die solches laut Rechnungshof tat, weiterhin mit Jugendkarten beliefert wird!

 

Anton Cupak 3.4.2018

 

 

TOSCA und der Sprung in den Tiber

oder

SCARPIA ist unverletzlich

Thema mit Variationen

Unseren Freunden vom Merker-online (Wien) schrieb ein Fachmann zur neuesten Salzburger Produktion "kennt sich Michael Sturminger in Rom überhaupt aus? Der idiotische Einfall, dass Scarpia auf der Engelsburg auftaucht, schwer verletzt, ist mehr als ärgerlich. Vom Palazzo Farnese braucht ein gesunder Mensch nahezu 15 Minuten zu Fuß, wenn man die Treppen berücksichtigt. Scarpia, schwer verletzt, aber noch Revolver tragend, schafft das bei Sturminger. Was für ein Schmarrn!"

Dazu sei noch zu ergänzen, wenn wir schon realhistorisch denken:

Tosca war abends im Palazzo Farnese. Wenn Scarpia nach dem Messerangriff tatsächlich die Engelsburg erreicht haben sollte (???) muss er sich ja dann noch Stunden, schwer verletzt, dort versteckt gehalten haben (Sic!) oder sich erst im Morgengrauen auf den Weg gemacht, nachdem er Stunden - unentdeckt - im Palazzo Farnese in seinem Blut gelegen hatte. Einfach unsterblich dieser Scarpia.

Ich möchte noch ergänzen, daß auch der reale Sprung von der Engelsburg höchstens Superman gelungen wäre, weshalb denn es sind mindesten 30 Meter, wie man oben sieht, zu überbrücken. Daher wollten Puccinis Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica (sie kannten sich wohl auch in Rom aus) die Oper eigentlich so enden lassen, daß sie nicht stirbt, sondern wahnsinnig wird. Das allerfdings hätte uns wirklich die folgenden tollen Aktschschlüsse diverser Opernhäuser verschlossen.

In Wuppertal sah ich vor Jahrzehnten mal eine Produktion, die auch anders geendet hätte als wie im Libretto vorgesehen, wäre man bühnenrealistisch vorgegangen, denn das Erschießungkommando stand quasi im Kreis (!) um Mario herum. ;-) !. Nein, das war nicht vom großen Otti. Der kommt jetzt:

Tosca auf dem Trampolin (kommt nach 35 Minuten - aber schauen Sie sich bitte unbedingt auch die anderen köstlichen Opernparodien an!)

 

P.S.

Als Schmankerl jetzt noch ein paar (mit Sicherheit) ernst gemeinte Finali

1.) Angela Georghiu - no comment dazu, sonst werde ich verklagt ;-)

2.) Raina Kabaiwanska

Super-realistisches Doku-Ende mit Blick auf Rom und Domingo

3.) Und in der Arena di Verona 2017 die genial Lösung: einfach Licht aus!

(Leider so dunkel, daß ich die Sängerin nicht erkennen konnte ;-)

4.) Auch die tierischen Versionen der Wolf Trap Opera's production gefallen mir

5.) Daß die große Dame Kiri de Kanawa (Paris 1982) nur langsam im Fahrstuhl runterfährt, verstehe ich bei dem Tempo des Orchester

(schnell vorspulen auf Minute "7", denn die Technik ist grauenhaft)

6.) Hier besteht die ganze Bühne nur aus einer einzigen riesigen einnehmenden Rampe, wobei der Zuschauer natürlich den ganzen Akt sich spannungsvoll fragt: Was macht diese Rampe da und wer wird am Ende da wohl runterspringen?

Aber immerhin springt und singt Viktoriia Chenska toll.

7.) Die Version mit der pistolehaltenden Catherine Malfitano (Amsterdam 1998) ist sagenhaft und olympiareif - bitte achten Sie auf den phänomenalen (superb gehechteten !)  Sprung. Als alter Diplomsportlehrer und ehemaliger Bewertungs-Richter beim Wasserspringen gebe ich die absolute Bestnote dafür: 10 Points! WAHNSIN !!

8.) Tosca hat das Essen anbrennen lassen! Moderne Inszenierung. Bitte  vorspulen auf Minute 12 ;-) . Also stirbt sie in der Küche. Und wie gemütlich Scarpias (?) Schergen dann da reinlatschen.

9.) Hier stirbt Mario (= Puccini ?) direkt im Komponierzimmer - tolle humorvolle Version für Minibühnen, die gar kein Orchester haben. Es geht alles!

10.) Sieger im Concours der am längsten gehaltenen Finaltöne - da es ziemlich dunkel ist, erschießt sie vermutlich der Dirigent.

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und zum Schluß  die wirklich allerschönste und herzergreifend absolut jugendfreie Variante ab 5 Jahre  - My favourite !

 

Ihr Peter Bilsing (Hrg.)

God save the queen ;-) !

 

 

00-Apropos-Renate-ipse-300

SPRACHREGELUNG ODER SPRACHDIDKTATUR

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, lautet ein Grundsatz der „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, und man wünschte sich, das wäre nicht nur ein idealistisches Postulat, sondern die Realität. Wie man hingegen weiß, ist die Freiheit vieler absolut nicht gewährleistet, es gibt reale Sklaverei heutzutage, es gibt die Sklaverei, in totalitären Staaten leben zu müssen, es gibt die Sklaverei, die durch ökonomische Verhältnisse hervorgerufen wird. Und ob allen Menschen ihre Würde und ihre Rechte gegeben werden, kann angezweifelt werden.

Nun hat eine größere Anzahl brutaler Kriege die Soziologie der Welt schweren tektonischen Veränderungen unterworfen, die Welt ist durch Flüchtlingsströme auf einmal durcheinander gemixt, wir leben in einer neuen Völkerwanderung, die für niemanden gut ist – nicht für jene, die wandern müssen, nicht für jene, die ungefragt überlaufen werden. Dabei wird niemand einem Menschen sein Menschen- und Lebensrecht absprechen, vor Bedrohung an Leib und Leben, aber auch vor der absoluten Chancenlosigkeit einer Existenz davonzulaufen.

Die neue Problematik bringt allerdings viele Schwierigkeiten mit sich, allein in der Sprachregelung. Verlangt wird, dass die „anderen“, die da kommen, nicht mehr als solche definiert werden…

...Ist uns eigentlich klar, was wir da tun? Sagen wir damit nicht: „Schwarz darf nicht sein“? Was bedeutet das? Wäre die logische Konsequenz nicht: Schwarz darf nicht sein, weil es schlecht ist? Merken die Menschen, die dergleichen fordern, nicht, in welch gedankliches und ideologisches Chaos sie da hineingeraten? Wir dürfen nicht mehr unterscheiden, weil automatisch impliziert wird, dass Unterscheidung Diskriminierung bedeutet. Wohin sind wir geraten, wohin führen die Unterstellungen?

Um zum Ausgangspunkt, dem Telefonat des Werk X-Pressechefs, zurück zu kehren: Es steht jedermann absolut frei, jeden Migranten, der nach Österreich kommt, sofort als Landsmann zu begrüßen und zu betrachten. Wenn ich das nicht tue, wünsche ich allerdings, nicht dafür gemaßregelt zu werden. Die Freiheit der Meinung, die ich jedermann zugestehe, verlange ich auch für mich persönlich.

 

Renate Wagner 21.1.2018

 

AUCH DU, MEIN SOHN JAMES...!?

Trotz der Premieren in Wien und Berlin ist die Nachricht von der Suspendierung der Met-Institution

James Levine die „Hammernachricht des Tages“.

Auszug aus „Der Spiegel“: Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.

Die „New York Times“ und die „New York Post“ hatten berichtet, der heute 74-jährige Levine habe einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang sexuell missbraucht. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben…

James Levine: Met suspendiert Dirigenten nach Missbrauchsvorwürfen
Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.
Der Spiegel
Stardirigent soll damals 15-Jährigen missbraucht haben
Die Welt

Ich wühle überhaupt nie im Dreck anderer Leute, das ist mir zutiefst zuwider. Von diesen „ach so neuen“ Vorwürfen habe ich schon vor 25 Jahren gehört – und natürlich wussten davon auch die Met und übrigens auch die Münchner Philharmoniker, deren Chefdirigent James Levine von 1999 bis 2004 war.

Ich habe den Vorwurf damals angedeutet – na, mehr habe ich nicht gebraucht. Angeblich haben sich die Münchner Philharmoniker schwer aufgeregt, unsere leider mittlerweile verstorbene Redakteurin Dorothea Zweipfennig fiel über mich her. “ Das ist ein Künstler, der muss mit anderen Massstäben gemessen werden„. So ganz war ich dieser Meinung nie.

Mittlerweile ist James Levine ein schwerkranker Mann, seine „Tat“ gilt als verjährt. Plötzlich aber fällt sogar die Met über ihren Star her und demütigt ihn in von mir nie erwarteten Ausmaß. Suspendierung! Man hat Levine nicht einmal die Chance gegeben, krank zu werden und von sich aus auf die Dirigate zu verzichten. Ist so etwas wirklich notwendig?

Bei meinen Recherchen bin ich auf eine hohe Auszeichnung des Landes Wien gestoßen, die James Levine im Jahre 2002 empfangen hat. Ich hoffe, Wien springt auf diesen Zug der demonstrativen Ächtung nicht auf, obwohl man schon einmal einem Radsportler den „Goldenen Rathausmann“ wieder aberkannt hat, weil er des Dopings überführt wurde.

Außerdem: Ich kenne da einige Künstler, vor denen der Großteil des Publikums in Ehrfurcht erstarrt. Nein, ich werde nichts sagen. Ich warte, bis auch die an der Reihe sind. Oder ist der Ablasshandel wieder eingeführt?

 

Anton Cupak (Wien) 4.12.2017

 

 

SPASS IM INTERNET

heute: wieder mit Texten der Pressestelle der Kölner Oper

"Richard" oder "Johann" ist doch wohl völlig egal - Strauss ist Strauß.! Hauptsache geile suppi Musik !

Ja stimmt! "Genau!" möchte man rufen. Da gibt es doch auch noch Little Richard, Cliff Richard, Keith Richard, Richard Clayderman und Richard Wagner oder Johann S. Bach, Johann Lafer bzw.  Johann W. von Goethe und Sankt  Johann.

Letztere machen zwar keine Musik, aber ist doch egal! Ist mir egal, egal...

Ich erinnere mich schwach an eine Premierenfeier an der Bonner Oper vor über einem Viertel Jahrhundert: "Salome". Die Bürgermeisterin (oder war es die Kulturdezenentin?) begrüßte alle geladenen Gäste mit den Worten "also es ist ja wirklich verblüffend, daß dieser Strauss nach der lustigen Fledermaus noch so eine große dramatische Oper geschrieben hat!"

Wow! Derartige Formen der Realsatire, kann auch der fantasiereichste Schreiber sich nicht einfallen lassen. Wunderbar... Allerdings lachen nur Opernkenner.

Heute im Facebook-ja-wir duzen-uns-alle-Zeitalter ist so etwas glatt hypernormal. Da schämt man sich auch in der Marketing Abteilung der Kölner Oper nicht mehr, wenn sowas mal wieder unkorrigiert rausgeht:

Ein peinlicher Fehler, der in ähnlicher Form, ja vor gut einem Jahr schon bei Opernfreunden für Lacher im Netz sorge, ist nun gleich noch einmal passiert. Doppelt hält besser! Damals schrieb Kollege Michael Zerban (O-Ton-Herausgeber) unter der Überschrift "FÜR DUMM VERKAUFT"

Statt Entschuldigung für kardinalen Fehler Dummgeschwätz

Da passiert scheinbar eine Bagatelle, das Internet lacht sich krümelig – kein Grund, sich weiter darum zu kümmern. Schon gar nicht, dafür einen Kommentar zu verschwenden. Aber dann versucht die Oper Köln, ihr Publikum für dumm zu verkaufen. Und das ist nicht mehr so lustig. Da erwartet uns ein Jahrhundertwerk.

Gern zeigt die Oper Köln auf Facebook Fotos von Plakataufstellern, um ihre Premieren anzukündigen. So auch dieser Tage.

Und diesmal werden gleich zwei Sensationen angekündigt.

Die Premiere des Fidelio von Wolfgang Amadeus Mozart dauert vom 11. Juni bis zum 5. Juli dieses Jahres.

Ein Mega-Werk, das die Welt noch nicht gesehen hat. Und Ludwig van Beethoven wäre sicher stolz darauf gewesen, dass ein Werk, das den gleichen Namen wie seine Oper trägt, über so einen langen Zeitraum aufgeführt wird.

Shit happens ;-)

Einige glauben an fake news, der Rest der Internet-Gemeinde biegt sich vor Lachen. Halbwegs liebevoller Spott ergießt sich über die Oper. Was war da passiert? Die Premiere davor ist "Le nozze di Figaro", da hat die Grafik nur den Titel und die Daten ausgetauscht, nicht den Komponisten ... Trotzdem darf, bitte schön, jedermann entspannt bleiben.

Wer weiß das z.B. besser als die SPD in Nordrhein-Westfalen, die der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein scheint und Plakate veröffentlicht, auf denen steht „Seid 2010“. Damit war keine erforderliche Gruppenstärke gemeint, oder die Fortsetzung des martialischen Gladiatoren-Epos " 300 ". (Bild unten)

Wer jetzt eine Entschuldigung und Erklärung der Presseabteilung der Kölner Oper erwartet, wie es zu dem Versehen kommen konnte, und

damit wäre im Grunde ja alles erledigt gewesen, sieht sich nicht nur enttäuscht, sondern geradezu belehrt:

So kommt es, wenn prestissimo statt im tempo giusto gearbeitet wird...

hießt es da hochmütig, wenn nicht beleidigt. Aber Moment mal! Kein Kölner Bürger erwartet, dass die Oper schnellstmöglich arbeitet. Eine professionelle Arbeitsweise soll es wohl sein, kein „Gehudele“.

Dummer Spruch und völlig daneben statt einfacher Entschuldigung. Ein solches Verhalten passt aber gut zu jemandem, der keine Besserung gelobt, sondern lieber mit dem Finger auf andere zeigt mit den Worten:

Wer hat noch lustige, spannende, überraschende Tippfehler auf Opern- und Konzertplakaten gefunden? Schreibt uns, oder schickt uns ein Foto davon.

Jau liebe Leute, das machen wir Jungs vom OPERNFREUND sofort - hier ist es! Nur unzeitgemäß später - nochmal mit dickem Rahmen, weil es so lustig ist ;-)

Ist das nicht geil, oder ist das supergeil ??? Und es ist - na raten Sie verehrte Leser wer das nun verzapft hat - wieder ein Kapitel aus dem lustigen Verantwortungsbereich der Marketing/Presseabteilung der Kölner Oper. Die sind cool, die haben ihr Ohr am Hörrohr der Zeit. Das ist internetconform.

Mal schauen, was nächstes Jahr da noch kommt. Und jetzt mal ganz ehrlich unter uns: Ob Mercedes oder Trabant iss doch nun wirklich egal; beides sind Autos und haben Räder.Ist doch egal - Bitte alle nochmal mitsingen: Ist mir egal, egal...

Ob Radi oder Radieschen - egal, beides ist doch leckeres Gemüse. Obwohl...

Gab es da mal nicht einen Münchner Torwart, den sie "Radi" nannten?

Bleibt cool Leute.

 

(c) Warner Home Video

Peter Bilsing 3.11.2017

 

DAS-ANNA-NETREBKO-TEESERVICE für 2400 Euro

KUNST FÜR DIE EWIGKEIT

Salzburg: Hochwertige Devotionalien-Andenken für echte Fans

Es gibt tatsächlich (kein verspäteter April-Scherz!) ein Anna-Netrebko-Teeservice für schlappe 2400 Euro aktuell in Salzburg. Es ist aber nicht von Fabergé gefertigt, auch wenn der Preis es glauben machen könnte. Wir weisen darauf hin, daß Peter Carl Fabergé bereits 1920 in Lausanne gestorben ist. Das Service zeigt Motive aus der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi; so zumindest, wie es sich Anna oder wer auch immer vorstellt. Also wenn das keine Kunst für die Ewigkeit ist, dann weiß ich nicht.

Placido-Goldmünzen namens "Domingo Rand" für 3500 Euro (mit einem kleinen 300-prozentigen Aufschlag auf den Goldpreis eines Krügerrands bei ähnlichem Aussehen, nur daß sein Konterfei die Gazelle ersetzt) sind schon angedacht - wie uns eine berühmte Goldmanufaktur unter der Hand mitteilte - sie dienen dann dem Altersfond an Verarmung leidender Superstars. Würde ich mir als Domingo-Fan sofort kaufen.

Blöd nur, daß man erst jetzt auf diese geniale Idee kommt, nämlich große Künstler mit teuren Andenkelchen zu verewigen. Was hätte man alles teuer vom großen Pavarotti vermarkten können. Wenn ich nur daran denke, wieviel tausende Fans damals vierstellige DM-Beträge für einen VIP-Karten-Platz auf harten Holzstühlen im Fußballstadion bezahlten. Ein geradezu einmaliges Erlebnis war auch das Pasta-Essen mit Big P. in den gemütlichen 800-Mann-Zelten, von denen man damals extra fünf Stück neben dem Rheinstadion in Düsseldorf aufgebaut hatte.

Ja, das Geld sitzt heuer locker, wenn man kaum noch Zinsen kriegt und selbst die Schweizer Banken zu Verräter wurden. Da kommen solch hochwertige sicherlich im Wert ständig steigende Fan-Artikel gerade recht. Nebenbei bemerkt ist so etwas wirklich keine schlechte Investition.

Wären Sie z.B. ein James-Bond-Fan und hätten sich 1964 einen

Aston Martin DB 5 für schlappe 60 000 DM gekauft, dann wären Sie heute fein raus. Denken Sie nur an die tollen Gimmicks, die man ja ausgiebig im Film GOLDFINGER bewundern konnte: Maschinenpistolen, drehbare Nummernschilder, Nebelwerfer, Ölverspritzer etc.pp. und sogar ein Schleudersitz, wenn mal Gattin meckert oder zufällig ein übler Mörder oder ein Opernkritiker neben Ihnen sitzt...

Auch hier müssen wir allerdings darauf hin weisen, daß dieses Sachen nicht zur Normalausstattung des Autos gehörten (hoher Aufpreis). Jetzt Achtung: der Verkaufspreis liegt heute für einen ganz ganz schlecht erhaltenen Gebrauchten bei 3,5 Millionen und für einen gut erhaltenen im zweistelligen Millionenbereich.

Fan sein kann sich lohnen; etwas Kleingeld vorausgesetzt.

Also bitte bestellen Sie sich sofort "Annas Teeservice" ! Tun Sie es für Ihre Kinder oder Enkel - in 50 Jahren ist der kitschige Krempel vielleicht Millionen wert; vorausgesetzt ein Familiernmitglied mißbraucht ihn nicht beim Polterabend.

In diesem Zusammenhang nun eine ganz wichtige Mitteilung in eigener Sacher:

Bitte lassen Sie sich vormerken. Endlich haben wir unseren Hauszeichner

Peter Klier überreden können, einige seiner tollen einmaligen Wagner-Karikaturen ebenfalls auf edelstem Porzellan verewigen zu lassen. Für jeweils nur 16900 Euro bekommen Sie bei uns gleich ein ganzes Dutzend. Serie 1 "Der Ring des Nibelungen" wird gerade aufgelegt - daher kaufen, kaufen, kaufen...

Bilder (c) MGM, Pressebild, Der Opernfreund

 

Schöne Ferien wünscht Ihr P.B.

 

                            

Aus aktuellem  Anlaß hier eine wichtige Bekanntgabe des OND (Opernfreund-Nachrichten-Dienstes):

So eröffneten z.B. die Nachrichten des Westdeutschen Rundfunks am Premierentag mit dem Satz "Heute abend findet die Eröffnung der diesjähtrigen Bayreuther Festspiele mit Richard Wagners Oper DIE  MEISTERSINGER VON NÜRNBERG statt, der Oper (!) mit der die Nazis immer ihrer Reichsparteitage eröffneten."

Vielleicht verstehen nun nicht-regionale NRW-Leser, warum böse Zungen den Namen WDR immer mehr mit Westdeutscher Rotfunk übersetzten.               PB 27.7.17

 

 

Domingo als Kapellmeister in Bayreuth?

Ist man bei Euch in Germany verrückt geworden?

Eine Mail aus den USA:

In USA lächelt man nur noch über Placido Domingo, der dort auch als "Die Firma Domingo" bezeichnet wird. Greedy, gierig und trotz seiner früheren sängerischen Verdienste eine dubiose Figur, speziell als Administrator und Dirigent.

Als solcher kommt er nicht über einen kleinen Kapellmeister hinaus.

Aber er ist ja ein Aufmerksamkeitsbeschaffer und so fungiert er in Los Angeles auch als Operndirektor. Zwar ist er nie da, denn er muss ja gerade in Dubai ein Restaurant eröffnen, die unsägliche Catherine Jenkins unterstützen oder ewig widerlegte Lügen in Interviews wiederholen, wie er habe die meisten Rollen in der Geschichte der Oper gesungen.

Nota bene: Die meisten Tenorrollen sang Andreas Dippel, ein deutscher Sänger, aus Kassel gebürtig, der von 1890-!908 an der Met 400 Vorstellungen sang, deutsches und italienisches Fach und nachweislich 162 Tenorrollen sang, später Co-Chef der Met war neben Gatti-Casazzi und danach seine eigene Opernschule und Truppe gründete.

Doch auf LA's Opera-Seite gibt es noch immer Angaben, die auf allen anderen Foren längst getilgt sind weil sie Lügen darstellen. Wiki wiederholt diese nicht mehr und auch das Kennedy Center of Performing Arts hat sie getilgt.

Und so einen wollen sie in Bayreuth dirigieren lassen. Man kann auf vielfältige Weise den Verstand verlieren.

 

Noch etwas zur Altersfälschung:

Übrigens Domingo wurde am 15. 1. 1934 in Madrid geboren, nicht am 21. 1. 1941.

Es gab in einer Wiener Zeitung auch eine fake Geburtsurkunde, die er lancierte. Auf die angesprochen redete er sich sehr merkwürdig heraus. Nach seinen Angaben von geb. 1941 muss er in Tel AViv, wo er mit Marta Domingo geb. 1935 engagiert war 1962/63 schon 12 Riesenrollen singen müssen unter anderem Radames (mit 21 und 22); insgesamt über 200 Vorstellungen sang er nachweislich dort. Selbst mit 27 oder 28 die er zu der Zeit war, war das schon ein Hammer gewesen.

Er hat zwei Pässe, den echten spanischen, den niemand zu Gesicht bekommt, den falschen mexikanischen ... dort kriegt man ja ja alles

1994 feierte er heimlich seinen 60. in New York. Ich weiß es von jemandem, der dabei war.                                                                  John Smith 26.7.2017

 

ES ROLLEN KEINE MILLIONEN

Placido Domingos Aida-Welt-Tournee ist geplatzt

Die KASSA wird nicht klingeln - dumm gelaufen für die Investoren

Natürlich kann Placido Domingo rein rechtlich gesehen für die geplatzte Aida-Tournee nicht zur Verantwortung gezogen werden. Er sollte sich aber dennoch fragen, ob er seine Partner tatsächlich wirtschaftlich durchleuchten hat lassen – oder ob ihm das völlig egal war – Hauptsache die Kassa klingelt.

Ja, es ist zumutbar, sich über seine Geschäftspartner zu erkundigen. Selbst in meinem finanziell überschaubaren geschäftlichen Umfeld war das eine Selbstverständlichkeit, die Geschäftspartner sind nach Bonität eingestuft – danach richten sich die Zahlungsmodalitäten – und nicht einmal habe ich auf ein lukrativ scheinendes Angebot verzichtet. Es klingt arrogant, aber eigentlich habe ich meist in wenigen Sekunden gewusst, ob ich mit jemandem zusammenarbeiten will oder nicht. Es gibt ihn, den „Geschäftsadel“ – auch wenn er schon sehr aus der Mode gekommen ist. Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass ich für das, womit ich mit meinem Namen bürge, geradezustehen habe, ohne auf das Recht zu pochen!

Kaum jemand hätte sich für dieses „Aida-Spektakel“ interessiert, hätte nicht Placido Domingo mit seinem Namen (scheinbar) gebürgt. 90 Orchestermusiker, 150 Chorsänger, 85 Ballett-Tänzer und mehr als 500 Statisten: Als im Herbst 2016 die „Aida-Welttournee mit Plácido Domingo“ angekündigt wurde, wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum Glück gab es zunächst nur Karten für zwei Spielorte – Gelsenkirchen und München, was für für eine Welttournee noch ein überschaubares Angebot darstellt.

Doch das Sängerangebot konnte sich sehen lassen: Stars wie Erwin Schrott als Ramphis, Kristin Lewis als Aida, Violeta Urmana als Amneris und Roberto Alagna als Radames klangen verlockend. Diese Künstler vertrauten darauf, dass der große Placido die für ein Geschäft unbedingt nötige Sorgfalt hat walten lassen. Hat er nicht, wie man sieht. Wem soll man nun vertrauen? P.D. sicher nicht mehr!

Anton Cupak 16.6.2017

 

Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:

GIER KENNT KEINE GRENZEN

Schon früh hatten Experten Domingo vor diesem Riesenzirkus Aida gewarnt, weil die Rechnung einer Welttournee nicht aufgehen würde. Aber seinem Ehrgeiz und seiner Gier, in USA nennt man ihn greedy, oder die Firma Domingo, sind keine Grenzen gesetzt. Und so spricht er jetzt von seiner persönlichen großen Enttäuschung. Kein Wort an die, die wahrscheinlich nichts von ihrem Geld wiedersehen werden.

Er wird nun weiterhin als kurzatmiger, verkappter Tenor, der seinen Ruf selbst ruiniert, weiter Baritonrollen singen und anderen jungen Sängern diese wegnehmen. Vielleicht sollte er sich mal um seine Enkel kümmern!

Der Schreiber ist der Redaktion bekannt - und er vertritt hier zu 100 Prozent die Meinung des Opernfreund-Herausgebers, der nicht nur dahinter steht, sondern sich an dieser Stelle erheblich viel böser geäußert hätte. Danke.

Peter Bilsing 16.6.2017

 

Das Handlungsballett-WUNDER von Düsseldorf

Eine Illusion wird zur Realität

Man traut seinen Augen nicht. Wer als kundiger Ballettomane in NRW die Spielplanankündigung der Rheinoper liest, scheint seinen Augen nicht zu trauen. Ballettdirektor Martin Schläpfer bringt Tschaikowskys "Schwanensee".

Aber Holla, Herr Schläpfer! Schwanensee ist doch eines der großen Handlungsballette! Haben Sie nicht in ihren bisherigen acht Jahren die Gattung  der Handlungsballette als unzeitgemäß, und unter einem Herrn Schläpfer als Ballett-Direktor, niemals existent, einst verkündet? Und nun diese Oster-Überraschung.

"Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern." sagte einst immerhin ein wirklich Großer, nämlich Konrad Adenauer.

Wie kommt es zu dieser 180 Grad-Drehung, die mich als Fan solcher Handlungsballette erfreut, denn dann brauchen wir nicht weiter die Rheinopern-Freunde nach Krefeld, Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund zu verweisen...

Also - das ist kein April-Scherz, liebe Leser: Hurra hurra hurra! Es gibt nach acht Jahren der Abstinenz endlich wieder ein Handlungsballett in Düsseldorf. Aber!

Lesen Sie das ruhig noch einmal in dem Interview der WZ vom Oktober 2016 genau nach - vielleicht irre ich mich ja, oder interpretiere falsch. Da stand:

"Ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt... Ich habe den Verdacht, dass es eine Illusion ist. Ich kenne viele, die sich ein Erzählballett ansehen und hinterher enttäuscht sind ... Aber ist es meine Aufgabe, die Wünsche des Publikums zu erfüllen oder das zu tun, woran ich glaube? Ich bin ein Künstler, der heute arbeitet. Ich finde, der Tanz ist sich selber genug... Mit meiner Company kann ich keine „Giselle“ machen. Wie soll ich mit diesen wunderbaren Persönlichkeitssolisten zwischen 18 und 47 Jahren eine einheitliche, klassische Linie hinkriegen? Ich habe kein Corps de Ballet...." (Martin Schläpfer)

Dazu schrieb Michael Zerban im OPERNNETZ (ab 2017 heißt es "O-TON") prompt einen Kommentar mit dem Titel "Nestbeschmutzer", der - wie aus internen Quellen verlautet - wohl im Opernhaus und im lokal-politischem Umfeld der durch das WZ-Interview beleidigten Kulturverantwortlichen, viel Wirbel verursacht haben soll.

Nun denn: Man darf gespannt sein, wie Schläpfer bis zum Premierentermin am 8. Juni 2018 aus seiner Truppe, die ja erklärtermaßen ad hoc noch keine klassische Linie hinkriegt, dieses Mammutwerk aus dem Boden stampfen wird.

Denkbar wäre natürlich, daß man für diesen Schwanensee eine handlungsballett-erfahrene Compagnie einkauft, die schon bewiesen hat, daß sie "auf Linie tanzen" kann. Gute Truppen - Der Opernfreund berichtet regelmäßig - gibt es ja vor der Tür in Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund. Die wären bestimmt glücklich einmal gastweise unter dem großen "Star-Choreographen" in Düsseldorf tanzen zu dürfen...

Andererseits könnte ich mir natürlich auch einen modernen Schwanensee im Sinne des deutschen "Regie-Theaters" vorstellen, wo man diese obszöne "Linie" gar nicht mehr bräuchte. Gab es doch vor Jahren mal in Essen einen Schwanensee, der in Nachtbars und Strip-Schuppen spielte. Oder vielleicht eine Art reduzierte Matthew-Bourne-Version getanzt nur von wenigen Männern.

Der Ballettfreund darf rätseln und sich auf diese Wunder-Premiere freuen.

 

Peter Bilsing 8.4.2017

Fotos (c)

Ballett Classique de Paris

Schläpfer / Rheinoper

Schwanensee / Theater Dortmund

 

 

DIE SZENE BRAUCHT MANUEL BRUG

Ein Kritiker im Haßgewitter der Kaufmann Fans

Manuel Brug polarisiert und provoziert. Täte er das nicht, wäre er ein Anonymus wie viele „Graue Mäuse“ in der Journalistenzunft. Gegner werfen ihm Schwarz-Weiss-Malerei vor, gemeint ist, dass er nur vernichtend urteilen oder überschwänglich loben kann.

Mit Jonas Kaufmann hat sich Brug nun ein „Opfer“ gesucht, das ihm weitere Aufmerksamkeit, weitere Kritik an seiner Person garantiert. Egal wie man zu Herrn Kaufmann steht, solche „Typen“ wie ihn braucht die Opernwelt. Wir leben in einer Zeit der Superstars, die Medien fordern stets neues „Material“. Es mag menschenverachtend klingen, aber die Künstler sind für die Medien „Material“.

Journalisten wiederum brauchen Reibebäume – und es ergibt wenig Sinn, sich an „kleinen Nummern“ zu reiben. Unter diesem Aspekt muss man auch die Schreibweise des Herrn Brug sehen, dass er sich wirklich um Jonas Kaufmann Sorgen macht, nehme ich ihm nicht ab.

Jonas Kaufmann wird hoffentlich selbst wissen, was er sich zumuten kann, die Ratschläge des Herrn Brug brauchen ihn nicht zu interessieren. Den Schmeicheleien seiner Anhänger sollte er aber auch nicht trauen. Ein wirklich guter Ratgeber ist gefragt, nur wo findet man heute einen Menschen, der nicht zuerst an den eigenen Vorteil, das eigene Geschäft denkt.

Anton Cupak 16.3.2017

 

Hintergrund-Info für Nicht-Kaufmann-Fans:

Jonas Kaufmann: Vorsicht, bissiger Tenor !

Andrea Chenier: Sind die schönen Tage schon vorbei

Jetzt singt er wieder, Gott sei Dank

 

 

OTELLO Düsseldorf

Epileptiker müssen draußen bleiben !

Am Eingang der Deutschen Oper am Rhein steht ein Schild, welches darauf hinweist, dass bei der einleitenden Sturmszene von Verdis „Otello“ Stroboskop-Licht eingesetzt wird. Menschen mit Neigung zur Epilepsie seien also gewarnt. Was machen nun aber diese armen Leute? Wird man sie später einlassen oder gar erst in der Pause zum zweiten Akt? Die gesundheitlich ungefährdeten Opernbesucher freuen sich hingegen vermutlich: das wird Oper doch wohl mal richtig spannend. Nix davon in MICHAEL THALHEIMERS Inszenierung, welche im Februar dieses Jahres bereits an der Opera Vlaandern Gent heraus kam…

Und das alles an einem Haus, wo noch vor kurzem ein umstrittender TANNHÄUSER mit drastischen KZ-Bildern schon direkt nach der Premiere vom Intendanten C. Meyer abgesetzt wurde, nicht wegen der harrschen Kritik der altvorderen Wagnerianer, sondern weil es (vorgeblich) einigen Premieren-Besuchern schlecht geworden war in der Opernaufführung.

Ich wäre nicht ich, wenn mich der Hinweis für Epileptiker besonders interessieren würde. Speziell was man damit erreichen wollte. Sollen die Menschen nun draußen bleiben? Sollen sie ganz auf den ersten Akt verzichten? Hätte man da nicht eine andere Lösung als das Stroboskop-Licht gefunden?

Anton Cupak 9.10.16

 

UNLAUTERE WERBUNG

"Opernhaus des Jahres" - was für eine Farce!

Nichts mehr als ein PR-GAG 

Alle Jahre wieder legt eine kleine Fachzeitschrift denselben PR-Gag auf. Das funktioniert so lange schon, weil die Opernhäuser der Republik die Aussagen einer vollkommen invaliden Umfrage zu unlauterer Werbung nutzen. Warum eigentlich?

Nötig hat es die Staatsoper Stuttgart nicht, sich mit falschen Titeln zu schmücken >>>>>>

Tagtäglich wird auf sie eingedroschen. Sie haben keine Ahnung, wohl eine ganz andere Aufführung besucht, vernichten hoffnungsvolle Karrieren und wollen sich auf Kosten der Opernhäuser profilieren: die Kritiker. Nur einmal im Jahr sind sie die Lieblinge der Nation. Nämlich dann, wenn eine kleine, deutsche Fachzeitschrift ihren alljährlichen PR-Gag veröffentlicht.

Die Opernwelt existiert seit 1960 und hat ihre besten Zeiten längst gesehen. Heute vegetiert sie nach eigenen Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren monatlich dahin – nicht IVW-geprüft, Tendenz fallend. Zum Vergleich: Die drei großen Opernmagazine im Internet vereinen monatlich sechsstellige Besucherzahlen – auch nicht IVW-geprüft, aber mit steigender Tendenz.

Ohne irgendwelche Kollegenschelte betreiben zu wollen: Die Themen der Opernwelt sind längst überholt, wenn das gedruckte Magazin einmal im Monat erscheint. Das liegt in der Natur der Druck-Sache. Aber einmal im Jahr ist ihr Name in vieler Munde. Nämlich dann, wenn sie unter anderem das „Opernhaus des Jahres“ kürt. Dazu veranstaltet die Zeitschrift mit dem eindrucksvollen Einzelheft-Preis von 14 Euro eine „Kritikerumfrage“ – und neuerdings auch eine „Leserumfrage“. Nach Angaben der Zeitschrift werden 50 Kritiker befragt, um dann nach dem Mehrheitsprinzip zu entscheiden. Das klingt doch eindrucksvoll. Da reisen also 50 Kritiker tagtäglich durch die Republik, damit ein jeder die rund 650 Premieren während einer Spielzeit begutachtet und dann – nach bestem Gewissen – sein Urteil fällt.

Schade, dass das schon rein rechnerisch nicht geht, vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Wenn ich im Jahr über rund 100 Aufführungen berichte, bin ich sehr stolz auf mich – und fühle mich reichlich ausgelaugt. Ich habe dann so viele großartige – und schlechte – Veranstaltungen besucht, dass ich beim besten Willen nicht sagen könnte und auch gar nicht sagen will, wer da der beste gewesen ist. Von Ausnahmen abgesehen. Die Oper Stuttgart war es jedenfalls nicht. Denn für einen Besuch dort hat die Zeit nicht gereicht. Da ging es mir wie vielen der Kritiker, die für den Spaß, den sich die Opernwelt erlaubt, ihren Namen hergeben.

Die Umfrage ist also weder repräsentativ noch valide.

Sie hat in ihrer Methodik eher Lotto-Charakter. Dass sich eine Zeitschrift mit einem solchen PR-Gag über Wasser hält, ist vollkommen in Ordnung. Er funktioniert ja schließlich. Für die befragten Kritiker ist es immerhin ein lohnendes Geschäft. Nach ihren Kreuzchen auf einer Liste erhalten sie als Aufwandentschädigung eine Kiste Wein. Da mag man sich entspannt zurücklehnen.

Die eigentliche Schande ist das, was nach der Veröffentlichung dieser „Umfrage“ passiert. Eigentlich sollte man Intendanten so viel Intelligenz unterstellen, dass sie die Absicht hinter dieser „Umfrage“ erkennen und sich mindestens stillschweigend davon distanzieren. Stattdessen prasseln in diesen Tagen die Pressemitteilungen in die Redaktionsstuben, die die „Ehrung“ verkünden.

Das ist peinlich oder unlauterer Wettbewerb.

Wenn Intendanz und nachgeordnete PR-Abteilung wider besseres Wissen eine vollkommen ungedeckte Aussage nutzen, um ihr Haus in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, ist das in meinen Augen irreführende Werbung. Dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten das auch noch unterstützen, indem sie diese PR-Meldung ungeprüft verbreiten, ist ein zusätzliches Ärgernis. Da gibt es tatsächlich Meldungen wie „Stuttgart ist Opernhaus des Jahres“.

Eine Ente.

Aber dafür gab es ja vermutlich auch schöne Werbeeinnahmen für die Trailer auf Arte anlässlich der Bayreuther Festspiele. Manus manum lavat. Es mag durchaus sein, dass Opernhäuser so weit im eigenen Saft schwimmen, dass sie an der eigenen Eitelkeit ersticken. Ihre Besucher freilich nicht. Und die lesen längst im Internet, welche Theater und Opernhäuser großartige Leistungen erbringen. Die brauchen solche fragwürdigen Methoden nicht. Und sind mitunter äußerst verärgert, weil es für sie ohnehin nur ein „Opernhaus des Jahres“ gibt – das eigene Stadttheater nämlich, in dem das Ensemble sich Haare und Beine ausreißt, um sein Publikum zu begeistern. Häuser übrigens, die in der Umfrage so gut wie gar nicht vorkommen. Und die auch keiner der 50 Kritiker überhaupt besucht hat.

In der eingangs erwähnten „Leserumfrage“ wird es dann übrigens völlig absurd. Da gibt es jetzt ein zweites „Opernhaus des Jahres“. Das immerhin hat so viel Klasse, dass es die überflüssige Auszeichnung nicht einmal erwähnt. Anders als bei der ach so objektiven Wikipedia, die den Opernhäusern kommentarlos die „Titel“ zuordnet. Hier ist nicht einmal mehr erkennbar, dass es sich um den PR-Gag eines Nischenmagazins handelt.

Für eine Kiste Wein

Vermutlich hält Selbstgerechtigkeit vom Denken ab. Wie bei den 50 Kritikern, die Opernwelt zitiert. Wie kritisch sind eigentlich Leute, die ihre Kreuzchen für Aufführungen setzen, an denen sie gar nicht teilgenommen haben? Für eine Kiste Wein? Und wie peinlich sind solche Menschen für den eigenen Berufsstand, dass sie sich für einen solchen Jux hergeben?

Ich jedenfalls distanziere mich von solchen Kolleginnen und Kollegen, die den journalistischen Auftrag zugunsten der eigenen Geltungssucht vernachlässigen. Und da passt es dann auch nicht mehr mit den Lieblingen der Nation. Aber was ist das schon gegen die Lächerlichkeit, sich mit falschen Titeln zu schmücken?

Michael S. Zerban 4.10.16

Mit freundlicher Genehmigung von OPERNNETZ

 

OH JEH, OH JEE - WIE STÖRT MICH DAS...

Warum inszenieren Regisseure überhaupt Opern, die sie eigentlich doof finden?

Eine persönliche Frage angesichts des Saisonbeginns, wo ich mich  gleich zwei höchst ärgerlichen Opernabenden gegenüber sah, deren Gestalter schöne Opern, welche sie für viel Geld inszenieren dürfen, eigentlich erklärtermaßen doof finden oder die zumindest so wirkend lassen, als wenn ihre "Regisseure" sie tief im Inneren hassen und nur verunglimpfen möchten bzw. positive Bilderinnerungen und die fantasie des Standartpublikums bewusst zerstören wollen. Einige weitere Fragen:

- Darf Oper nicht mehr schön sein?

- Darf man Opern in angenehmen Bühnenbildern nicht mehr genießen?

- Hört noch jemand vom Regie-Team die Sprache der Musik und der Noten?

- Ist das Libretto zu schäbig, zu unvollkommen, daß es nicht mehr gilt?

- Warum muß das Vorspiel bebildert werden?

- Warum muß man neue Personen hinzu erfinden?

War es noch vor einem Vierteljahrhundert der omnipräsente Fernseher (z.B. John Dew), kamen später die Lammellevorhänge oder Wandbeschriftungen (z.B. Günter Krämer) - in dieser Zeit kam es auch in Mode, daß ganze Regimenter von Choristen über die Zuschauereingänge hereinstürmten, sich durch die Reihen quetschten oder Protagonisten aus dem Zuschauerraum sangen bzw. einzelner Besucher mit einbezogen in ihre Action (oft war das allerdings auch abgesprochen).

Heute gibt es ein Requisit, welches als Paradebeispiel für Mumpitz zu nennen wäre:

Ein Wohnwagen

Je schäbiger, desto besser! Ob darin nun Rusalka haust, oder Mime, oder ob man sie als bessere Pommesbude und Kapitalismus-Symbol (??) missbraucht wie in der Bonner "La Boheme", irgendwie sind Wohnwagen wieder "in" auf der Opernbühne. Wohnwagen sind hip; sind geradezu unvermeidlich.

Weitere Standard-Ingredienzienen, die ich oft besonders bei Schauspiel-Regisseuren beobachte wären: Müllplätze, Toilettenräume, düsteres Hinterhöfe, Irrenanstalten, Bordelle, Krankenbetten, Rollstühle, Bierflaschen, sinnlose Bumserei, Bierkisten als Sitzmöbel, Sauforgien oder die rudimentär bis auf die Brandmauern leer geräumte Bühne. Hab ich etwas vergessen?

Ach ja - Schauspielregisseure zeigen dem Publikum auch gerne, daß die Bühne eben kein Zauberkasten der Illusionen ist. Bühne ist Realität pur!

Da schieben dann Komparsen einen billigen Drachen auf Rädern und Stangen herein, arbeiten Bühnenwerker nicht im Dunkeln, sondern marschieren, montieren und agieren offen auf der Bühne, treten Protagonisten nicht ab, sondern müssen sich in Ecken stellen, oder wir sehen, wie man rote Taschenlampen und einen Rauchtopf in die Mülltonne stellt, die später (wieder Bonner "Boheme") zur als notdürftige Heizung mittels Verbrennung von Bücherseiten dient, was dann natürlich völlig blödsinnig aussieht. Na ja feuer auf der Bühne ist ja ohnehin verboten...

Neuester Trend: die frei hinzu erfundene - im Libretto gar nicht vorhandene - zusätzliche Personnage, die permanent auf der Bühne (meist störend) herumhampelt. Mit-dirigierend Komponisten, sich erinnernde Greise oder gar Puppen und Untote. Ich wette, jeder von meinen geneigten Lesern und Opernfreunden, könnte gleich eine handvoll Produktionen nennen, oder mein Sammelsurium ergänzen...

Bei all dem hat das Publikum eigentlich die doppelte A....-Karte (wie man heute sagt) gezogen, denn erstens bezahlen sie den ganzen Krempel und zweitens müssen sie sich den Mist auch noch anschauen. Ein Abonnement zahlt man ja im voraus.

Leiden ist angesagt!

Doch jeder leidet anders...

Nicht alle leiden gleich.

Der humorlose bärbeissige Kritiker PB leidet zum Beispiel ganz außerordentlich, wenn man Offenbachs feinsinnige Operetten im dümmlichen RTL-Klamauk inszeniert oder die Strauss´sche "Fledermaus" als moderne Dick-und-Doof-Klamotte noch dazu mit frei erfunden neuen Blödmannstexten präsentiert und damit ruiniert. Noch ärger ist es, wenn man auf harten Bürostühlen (Wuppertal) mitten der Bühne sitzen muß, weil der Zuschauerraum aus dramaturgischen Gründen z.B. leer bleiben soll. Der Steuerzahler lässt schön grüßen! Nun denn...

Das musste jetzt mal raus! Schon wegen meines Seelenheils.

Einen weiteren fröhlichen Saisonanfang 2016/17

wünscht Ihr  Peter Bilsing (Hrg.)

 

P.S.1.

Vor ganz ganz langer Zeit - alte Opernfreunde erinnern sich - war es üblich, Ouvertüre oder Vorspiel vor geschlossenem Vorhang vom Orchester spielen zu lassen, wie es ja alle Komponisten auch wünschen. Irgendwann reichte den Regisseuren, meist vom Schauspiel her zur Opernregie gewechselt, das nicht mehr, um ihre Auffassung der Handlung vorzubereiten. Also wurden Vorspiel oder Ouvertüre "bespielt". Kollege Bilsing spricht von "bebildert". Das reicht in letzter Zeit vielen immer noch nicht, man fängt jetzt schon vor jeglicher Musik mit Aktionen an, so etwa in Bonn bei "Bohème" in Münster bei "Faust" oder "Tristan" und "Giovanni" in Dortmund. Demnächst fängt man dann schon an zu spielen, bevor das Publikum überhaupt da ist,

fürchtet Sigi Brockmann. 29.9.16

 

P.S.2 Brandaktuell: Halle/Saale DER FLIEGENDE HOLLÄNDER - Auftaktpremiere

Das passt ja wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge ;-))) Regie: Florian Lutz - von unseren Kollegen der OPERNWELT zum "Newcomer des letzten Jahres" gewählt.

HETEROTOPIA: Das Publikum wird über verschiedene Decks eingelassen. Stewards und Stewardessen führen die Besucher zur Bühne, verteilen dort Schlafbrillen, die man aufsetzten muss, um dann, gruppenweise geklammert an ein Tau, auf die dunkle Szene geführt zu werden. Im Stehen ist dort die Ouvertüre anzuhören – „machen Sie sich Ihre eigenen Bilder dazu!“, mahnen die Crewmitglieder – dann geht das Licht an und die Opernbesucher dürfen endlich ihre Plätze einnehmen. Mehr demnächst...

 

 

Wenn die "Bleistiftin" in die "Papierkörbin" wandert und die "Computerin" dazu lacht ;-)

Unfassbar – denn heute ist nicht der 1. April: Die Bleistiftin, die Papierkörbin, die Computerin etc. Deutschlands Linke Spinner fordert geschlechtergerechte Sprache für Büromittel !

FLENSBURG. Der Papierkorb, der Bleistift, der Computer: Viele Arbeitsmittel sind männlich. Durch die tägliche Konfrontation mit ihnen, drohen deren Benutzer in patriarchale Denkmuster und Verhaltensweisen zurückzufallen beziehungsweise diesen nicht zu entkommen. Das zumindest fürchtet die Linkspartei in Flensburg. Ihre Ratsfraktion hat daher nun in einem Antrag gefordert, alle Arbeitsmittel aus allen Arbeitsbereichen der öffentlichen Verwaltung geschlechterneutral auszudrücken. Dies gelte „insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel“, heißt es in einer Beschlußvorlage für die Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 28. September. Beraten soll die Ratsversammlung über den Antrag dann Mitte Oktober.

Wer es nicht glaubt, findet hier den Antrag

Ich muss doch noch einmal in den Kalender blicken, gar so lange ist der 1. April noch nicht vorbei. Vielleicht haben die Abgeordneten am 1. April den Antrag beschlossen und der Amtsschimmel wiehert auch in Flensburg so lange!

Wenn ich mir aber den Antrag ansehe, fällt mir eine Inkonsequenz auf: Die Fraktionsvorsitzende heißt Gabriele Ritter und hat unter diesem Namen den Antrag eingebracht. Konsequenter Weise müsste sie mit Gabriele Ritterin unterschreiben, sonst führt sie den eigenen Antrag ad absurdum!

Oder ist das doch ein Gag auf Steuerzahlers Kosten?

„Heute“ entnehme ich: Auf Nachfrage wird klar: Die Linken um Fraktionschefin Gabi Ritter hatten mit der Aktion auf die Anfrage der Fraktion „Wir in Flensburg“ reagiert, die den Antrag stellte, „Ratsfrau“ durch „Ratsdame“ zu ersetzen.Später klärten die Linken auf ihrer Website auf: „Die Linke wird den Antrag der WiF ablehnen und empfiehlt dies auch für den eigenen Ergänzungsantrag, der bestenfalls für Lachanfälle im Rathaus sorgen sollte…“

Die Welt steht wohl nicht mehr lange!

Genießen wir daher jeden Tag, so auch den heutigen!

 

herzlichst Ihr Anton Cupak (Wien)

27.9.16

 

 

WUPPERTALER BÜHNEN

Eine neue Ära - doch quo vadis tatsächlich?

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren... Berthold Schneider ist neuer Opernintendant. Ein Aufbruch in eine neue Ära ist der Saisonstart der Oper auf jeden Fall! Aber ob die neue Welle des relativ kompromisslosen "Regie-Theaters" bei den eigentlich konservativen Wuppertaler Opernfreunden wirklich ankommt und auch das Abo der Theatergemeinden so begeistert ist, wie das gestrige Premierenpublikum, welches üblicherweise in nicht geringen Teilen aus Wohlwollenden ("Claqueure" wäre ein zu harter Begriff) - Fans und Freunden der vier "internationalen Regisseure" und Hauspersonal bestand (zumindest so meine Bobachtung und Wahrnehmung), wage ich zu bezweifeln...

Musikalisch haben sich Welten verbessert, denn Kamioka - so gut wie er als Dirigent der Sinfoniekonzerte war - hatte in der Oper über die Jahre kein richtig überzeugendes Dirigat abgeliefert. Ganz anders David Parry bei der Hoffmann-Premiere; da spielten die Damen und Herren des Sinfonieorchester Wuppertaler fast begnadet gut auf. Ähnlich hohe Qualität hatten wir jahrlang nicht mehr gehört. Und auch gesanglich war die Aufführung ohne Fehl und Tadel auf sehr hohem Niveau.

Nun zur Produktion, die ihre Nagelprobe demnächst im realen Abonnement des Alltags und der anreisenden Theatergemeinden und Besucherzirkel beweisen wird. Da sehe ich noch lange keine solche Riesenbegeisterung, es wird eher Irritation und Ärger geben...

Ich weiß nicht ob der Alltagsopernfreund das alles so leicht verkraftet, denn das Ganze hat nicht viel mit den traditionellen "Hoffmanns Erzählungen" zu tun, die man so kennt. Mit "man" meine ich Sie, verehrte Lesergemeinde der Opernfreunde, denn ich weiß ja schon seit letztem Sommer (Bregenzer Festspiele 2015: Herheims "Hoffmanns Erzählungen" im Festspielhaus), daß der Dichter eigentlich schwul, besser formuliert: eine Tunte ist, die sich überwiegend in Strapsen und Rokoko Unterwäsche feiern lässt.

Mich kann also nichts mehr erschüttern. Aber vielleicht gefällt

- Stella als eine Art Neuenfels-Parodie (stets betrunken und Unsinn lallend den Abend begleitet)

- unsäglich lange, gesprochenen Zusatztexte, die das Ganze auf fast 4 Stunden aufblähen

- ein blutiger Olympia-Akt *

* nicht nur durch das Absägen der Hand einer attraktiven Nackten, die vorher auf einem Teppich so voyeuristisch wie sinnlos über die Bühne gezogen wird, sondern auch dank einer Olympia, die mich hier irgendwie an James Bonds Beißer-Bösewicht (Moonraker, 1979) erinnert, wenn sie erst ein Vögelchen mit ihren Metallzähnchen zerfetzt und schließlich Hoffmanns kleinen Hoffmann bei einer von allen bewunderten Fellatio blutig abschnibbelt - aber vielleicht ist dies ja ein Akt zeitgemäßen Beschneidungsrituals, den ich nur nicht verstanden habe...

Doch weiter: Überspringen wir den Antonia Akt mit der sich ständig in-die-Ecke-stellenden Antonia bzw. Hoffmann und (schon wieder Blut!) die projizierten Blutspitzer an der kleinen Berliner Mauer. Daß Antonia am Ende wie eine abwärts fahrende Mülltonne im Boden versinken muss, sieht allerdings - ganz entgegen der traurigen Handlung - irgendwie komisch aus...

Springen wir also in den von allen doch so geliebten und schön musikalisch komponierten Giulietta-Venedig-Baccarolen Akt:

Natürlich erwartet keiner mehr auf der heutigen Opern-Bühne Gondeln, oder doch?

Unter uns: diese falsche Romantik war immer schon unlogisch und verlogen, denn die Geschichte spielt ja ganz einfach gesprochen im Bordell. Ja, dieser Jaques Offenbach war schon ein echter Witzbold und Zyniker. Romantik im Puff. Sauerei!

Dann ist es doch eigentlich gar nicht mehr so schlimm, wenn man es in der Wuppertaler Version folgerichtig (?) in der Irrenanstalt spielen lässt, oder stört Sie das nun doch? Es ist wohl ein Sanatorium der besonderen Art, denn hier agieren sexy Krankenschwestern in High Heels und weiß rotem Gummikostüm, die schonmal ihre Patienten mit Infusionsschläuchen fesseln, würgen od. ähnliche Dinge tun. Krankenschwesternsex will ich nicht unterstellen, denn am Ende wird Hoffmann, in einer antiken Badewanne stehend, kalt abgeduscht (keine Sorge, er ist nicht nackt!) und singt dazu; was das "Premierenpublikum" schwer begeisterte - irgendwie erinnert mich das an den schönen Woody Allen Film "To Rome with Love" (2012): da gab es einen tollen Sänger, der aber nur unter der Dusche singen konnte...

Nun denn, genug! Jetzt wissen Sie, was auf Sie zu kommt.

Trauen Sie keinem Kritiker - mir natürlich auch nicht ;-)

und so komplettiere ich meinen Satz vom Anfang, sie erinnern sich, wo es heißt:

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren...

... um sich zu ärgern!

 

Herzlich grüsst

ihr

Peter Bilsing (Hrg.)

der weiterhin von Opernhaus zu Opernhaus düst

um Sie zu informieren, was tatsächlich Sache ist...

 

 

50 JAHRE THEATER BONN

Eine sehr schöne kleine Ausstellung im Foyer der Bonner Oper

Und der WDR, der nicht eine der vielen tollen Vorstellungen binnen eines halben Jahrhunderts (!) je übertragen hat,  möchte an diesem Jubiläum noch verdienen! Unglaublich!!

(Karikatur von unserem Hauszeichner Peter Klier)

Hallo liebe Opernfreunde! Da gibt es in der Bonner Oper im Foyer eine kleine wunderbare historische Ausstellung - betitelt „50 Jahre Bonner Oper“ – nett und fantasiereich im häuslichen Rahmen liebevoll aufbereitet. Es lohnt sich für alle Opernbesucher, mal eine Stunde früher zu kommen.

Am Ende der Ausstellung steht schamhaft, fast versteckt, ein kleiner Monitor mit zwei (!) Kopfhörern, die leider elendig drücken und am Kopf schmerzen. (hat die denn keiner ausprobiert?), dennoch hat sich der Herausgeber des Opernfreunds diesem vermeidbaren Leiden für seine Leserschaft unterzogen. Und es hat sich gelohnt - mehr als gelohnt.

Es ist wirklich interessant, denn man kann hoch spannende (historisch wichtige!) Kurzbeiträge des Westdeutschen Rundfunks zu den letzten 50 Jahren Opernhaus-Historie anklicken. Wirklich toll!

Wer weiß denn z.B. noch, daß die Stadt Bonn ihr Haus schon zwei Jahre nach der Eröffnung, angesichts des drohenden Konkurses, wieder verscherbeln wollte…

Oder daß es urspünglich als hochwertiges Sprechtheater gedacht war und gelegentliche Opern eigentlich nur ein Lückenfüller sein sollten.

Oder weiss jemand noch, dass die Decke des Auditoriums früher aussah, wie "Erichs Lampenladen" bzw. die heute noch in großem Glanz existierende und gut erhaltene Decke des Münsteraner Opernhauses (siehe Bild unten).

Alleine die hunderte von Leuchtkörpern wären für heimische Lampenputzer ein Job bis ans Lebensende gewesen!

Die hochinteressante Ton- und Bilddokumente (Interviews mit Prominenz, Exintendanten und Künstlern, politische Statements, Diskussionen, Kommentare…) sind alle aus den letzten halben Jahrhundert zusammengetragen worden vom großen NRW Landessender und gut dokumentiert archiviert worden; Juwelen aus dem gigantischen Lagerkellern der Landesrundfunkanstalt - Juwelen, die sich lohnen endlich mal wieder herausgeholt und gezeigt zu werden! Warum macht man mit solchen Dingen eigentlich keinen abendlich füllenden Film?

Jetzt kommt es, bitte halten Sie sich fest: 

Für die temporäre Präsentation dieser Dokus, die man nur dort sehen kann, zahlt die Bonner Oper eine Riesenstange Geld an den WDR.

Die von mir vorgeschlagene Einbindung solch wichtiger Erinnerungen in die Homepage, sei nicht vom Rechtenutzer erlaubt und würde lt. Pressesprecher der Bonner Oper ein Vermögen kosten – auch weil das WDR Archiv diese Dokus nun von einer privaten Vermarktungsfirma verpachten lässt, die wie es scheint damit so richtig große Kohle verdienen will.

WIE BITTE?

Ich fasse es nicht, wie ist so etwas möglich?

Noch einmal zum logischen Verständnis:

Der von allen Rundfunkgebührenzahler des Landes NRW finanzierte WDR verlangt von der ebenfalls vom Steuerzahler finanzierten Bonner Oper nicht gerade wenig Geld für die Präsentation historischer Bilddokumente zum 50 jährigen Jubiläum aus deren Archiven ! 

Hallo WDR-Chefs! Hier will doch keiner mit diesen Dokus irgend etwas verdienen!

Hier sollen die Bürger des Landes, der Region Bonn, einfach über nur die Geschichte ihres hochgeschätzten Hauses mnal etwas tiefgründiger informiert werden.

Statt stolz darauf zu sein, daß endlich die alten Schätzchen (und da gibt es noch tausende Filmchen, die ungesehen und unwiederbelebt des Schicksals des Vergessens harren) nun eine Würdigung finden, und die Menschen endlich mal sehen können, wie großartig dieser WDR früher seinem Berichterstattungsauftrag über lokale Kultur-Politik (auch gelegentlich noch mit kritischen Hintergrundfragen) nachkam, blockt man nun alles ab - besser formuliert: man zockt ab! Wer nicht anständig tief in die Tasche greift, bekommt das demnächst wohl gar nicht mehr zu sehen. Basta! Interessiert doch ohnehin nur eine Minderheit!

Was für eine Chance auch fürs WDR Fernsehen, wo die Veranwortlichen immer noch nicht (auch nicht ansatzweise) den hohen kulturellen Wert unserer Theater-Produktionen in den rund 50 NRW Bühnen mit ihrem vielfältigen Programm, erkannt zu haben scheinen. Die rund ein halbes tausend Premieren jedes Jahr werden weiterhin ignoriert. Statt dessen muß sich der etwas anspruchsvollere und kulturinteressierte WDR-Fernseh-Zuschauer weiter ungebremst durch den alltäglich TV-Sondermüll, der Kochsendungen, Soaps, Smaltalks, Zoovisiten oder dümmlicher Rate- und Spielsendungen, wühlen. Was für eine Schande.

Ich finde das mehr als traurig. Es ist geradezu beschämend...

Peter Bilsing / 18.4.16

 

 

Düsseldorfer Ballettchef Schläpfer hört Ende der Saison 15/16 als "Direktor" auf

Nicht alle Ballettfreunde der Rheinregion sind darüber traurig...

Zuerst einmal die gute Nachricht - hoffentlich! - Es gibt wieder Hoffnung für die Freunde schöner Handlungsballette. Erleben wir nach Zeiten der Verbannung und Ignoranz von pars pro toto "Schwanensee", "Nussknacker" oder "La Fille mal gardé" endlich wieder auch fröhlich unterhaltsame, undeprimierende und weniger esoterische Tanztheaterabende für die ganze Familie? Es wäre wünschenswert und würde den Freunden der großen klassischen Ballette zukünftig viele lange Fahrten in die Nachbarorte Essen, Gelsenkirchen und Dortmund ersparen; oder zu jenen unsäglichen Kommerz- und Kirmes-Veranstaltungen a la "Russisches Staatsballett" in irgendwelchen Tonhallen zu Kassettenrekorder-Musik, wo man über die Jahre angesichts der mißlichen Situation notgedrungen gelandet ist.

Ungeachtet seiner sicherlich respektablen Leistung für einen Teilbereich des Balletts, nämlich das "moderne Tanztheater", war Martin Schläpfers so einseitige Sicht

("Handlungsballette gibt es bei mir nicht!") schlicht der Inbegriff von Ignoranz und Arroganz. So agiert ein verblendeter Sonnenkönig, der sich nicht dem breiten Publikum (das ja letztlich alles bezahlt) sondern seinen Vorlieben verpflichtet sieht. Ein absolutes Unding für die Verantwortung des Ganzen, die der Spartenleiter eines großen Opern-Hauses auch seinem Publikum gegenüber hat.

Was würde eigentlich passieren, wenn irgendein Opernintendant seinem Publikum nur noch Opern aus der Neuzeit präsentieren würde? Tenor: Also liebes Publikum, wir spielen ab sofort ausschließlich Zimmermann, Berg, Cage, Feldman, Kagel, Ligeti und Stockhausen. Alles was vor dem 20. Jahrhundert komponiert wurde, ist für mich alter Opernkäse und nicht mehr zeitgemäß. Basta, keine Kompromisse mehr.

Daß Rheinopern-Intendant Christoph Meyer der eigentlich Schuldige an dieser Misere war, ist unzweifelhaft. Denn Schläpfer hatte ja niemanden darüber im Unklaren gelassen, daß, wer ihn verpflichtet, die großen Ballett-Abende aus seiner Vorstellung streichen müsse. Leider hat man den Vertrag des Generalintendanten vor kurzem erst bis 2019 verlängert; eine ähnliche lange Ziel-Vorgabe, wie sie die Düsseldorfer Stadtoberen auch für die Chefposition vom Herrn Ballettdirektor Schläpfer vertraglich geregelt hatten. Das alles galt wohl nur bis heute vormittag. Man wird sich verwundert die Augen gerieben haben.

Pacta non sunt servanda an der Rheinoper - so scheint es.

Immerhin wird

Christoph Meyer ewiglich als nicht nur der Düsseldorfer Intendant in Erinnerung bleiben, der nicht nur den neuen (?) Begriff der "Oper am Rhein" kreiert hat, in dem er das naziverdächtige böse Vorwort "Deutsche" eliminieren ließ, sondern auch das Haus wieder ins Internationale Feuilleton quasi weltweit gebracht...

.. durch einen, seinen (!)Tannhäuser-Skandal.

Wobei, wie ich noch bemerken muß, das ja 2013 nicht die provokante Inszenierung von Burkhard C. Kosminski das Skandalöse war, sondern das sofortige, geradezu lächerliche Einknicken der Intendanz auf die Reaktion von Publikums-Pöblern, Wagner-Verbänden, Opernstammtischen und Pressure Groups, die überwiegend diese Produktion nicht gesehen hatten.

Doch zurück zum aktuellen Tagesthema:

Wieso die NRW Presse diesen Rückzug von Schläpfer erst durch eine heutige Meldung via Merker-Online (Wien), wo man sich auf Manuel Brug von der WELT beruft, erfährt und nicht von der offiziellen Pressestelle der Rheinoper, ist das nächste Ärgernis. Immerhin ist nach Rückfragen, dann doch endlich eine offizielle Pressemeldung darüber verspätete heute Mittag veröffentlicht worden - mit einer an Realsatire erinnernder Überschrift:

Schläpfer bekommt mehr Raum für künstlerische Arbeit

Donnerwetter, ein Geniestreich an sprachliche Formulierungskunst. Oder die übliche Realitätsverschleierung, die wir sonst nur aus der Politik kennen; erinnert mich an ein Schreiben unseres NRW-Schulministeriums, wo neuerdings Flüchtlingsklassen nur noch als "Internationale Förderklassen" bezeichnet werden dürfen.

Fassen wir die blumenreich verschwurbelte Pressemitteilung der Rheinoper kurz zusammen und zitieren als destillierte Essenz die WELT bzw. unsere Freunde vom MERKER: "Schläpfer ist die administrative Verantwortung müde. Und deshalb gibt er zum Ende der Spielzeit 2015/16 seinen Direktionsposten auf – und an seinen bisher Stellvertreter Remus Şucheană (Bild unten links) weiter. Bis mindesten 2019 (solange läuft sein bisheriger Vertrag) wird Schläpfer der von ihm ab 2009 in Düsseldorf geformten Truppe als Künstlerischer Direktor und Chefchoreograf erhalten bleiben."

Eben schrieb mir ein eifriger Opernfreund-Leser zu dem obigen Bild

"Hallo liebe Opernfreund-Redaktion, das sieht für mich aus, als lachen sich da zwei ins Fäustchen über einen gelungenen Coup." Bilder sagen mehr als Worte....

Was für eine wunderbare kleine Amigo-Affaire. Oder nicht? Und was sagt der Aufsichtsrat der Rheinoper zu solchen Überraschungs-Aktionen? Wir werden es hoffentlich erfahren, denn auch er hat wie verlautet, heuer erst getagt und vermutlich, wie immer, alles klaglos durchgewunken. Es geht also weiter nach dem Motto "Le roi s´amuse´" aber le roi tritt nicht wirklich zurück. Wie heißt es bei unserem heißgeliebten traditionellen "Dinner for one": "Same procedure as last year, same every year..."

Wird hier eigentlich das Publikum auf den Arm genommen?

Außer ein bisserl Pöstchenverschieberei ist nichts gewesen, so scheint es. Wären wir in Köln liefe das alles unter "Klüngel". Aber wir sind hier in der Landeshauptstadt und nicht in der Hauptstadt des Karnevals.

Was ändert sich eigentlich bis 2019, außer daß die Ausgaben steigen?

Oder gilt auch hier das Ying-Yang Prinzip? Was der eine weniger verdient, bekommt der andere nun mehr an Gehalt. Dann wäre die Welt, zumindest für mich, wieder teilweise in Ordnung. Aber die Familien müssen weiterhin in den Kohlenpott für zauberhafte unterhaltsame Ballettabende reisen.

Peter Bilsing 28.1.16

 

Bilder (c) Rheinoper

Remus Şucheană und Martin Schläpfer © Susanne Diesner

 

 

 

Aus aktuellem Anlaß

ES REICHT !

7.01.16

 

Ein Kommentar von  Frank Becker:

 

In der Silvesternacht haben sich im und um den Kölner Bahnhof, auf der Reeperbahn in Hamburg und möglicherweise auch anderenorts Hunderte bis Tausende von augenscheinlich aus arabischen Ländern Nordafrikas stammende junge Männer versammelt, vor den Augen der Öffentlichkeit in größeren Gruppen einzelne Frauen umringt, überfallen, massiv sexuell belästigt – es soll in Köln sogar zu zwei Vergewaltigungen gekommen sein – bestohlen und beraubt. Es ist zu Hunderten von schweren Straftaten gekommen. Wie sich jetzt langsam herausstellt, hat die Polizei in Köln Opfern nicht geholfen, den Bahnhof lediglich geräumt, also alle Tatverdächtigen vom Tatort weggeschickt, ohne Personalien aufzunehmen, Mobiltelefone sicherzustellen oder Festnahmen zu tätigen.

In der sonst so sensationsgeilen Presse war trotz vieler Strafanzeigen zunächst so gut wie nichts über dieses offenbar organisierte vielfache Massenverbrechen zu lesen, das außer den oben beschriebenen Tatbeständen auch den des schweren Landfriedensbruchs erfüllt. Die Grünen kommentierten das Geschehen nicht, die Vorsitzende Claudia Roth lieferte im WDR-Interview ein klägliches Bild des peinlich hilflosen Herumstotterns und Herunterspielens ab, und von Regierungsseite ist nichts zu hören. Die Kölner Polizei schiebt aus „Zuständigkeitsgründen“ die Verantwortung auf die Bundespolizei ab, die „auf Bahnhöfen zuständig sei“. Dort sei die Schuld an fehlenden Maßnahmen zu suchen, so der Polizeipräsident von Köln. Und NRW-Innenminister Jäger sieht ebenso keinen Grund, Verantwortung zu übernehmen.

Ist die Polizei in Köln in einer Krise?

oder können sich die Frauen in Köln einfach nicht benehmen?

Man kann keine Vorverurteilungen treffen, zumal die Täter, die sexuelle und andere Übergriffe auf Frauen (auch Diebstahl und Raub waren darunter) begangen haben, nicht namentlich bekannt sind. Warum eigentlich nicht? Durfte die Polizei niemand festnehmen, damit dessen Identität nicht bekannt wird? Gab es eine politische Weisung, womöglich von allerhöchster Stelle? Wozu brauchen wir diese Begünstigung, zur Legendenbildung? Und genau das ist der Skandal. Ginge es nach mir, müßte der Polizeichef von Köln sofort seinen Hut nehmen – in Verantwortung für die Verantwortlichen.

Die Presse hat den unglaublichen Vorfall auch einige Tage total heruntergespielt. Also ist auch die Presse in der Krise!

Manchmal ist allerdings Schweigen Gold. Aus höchstem Kölner Politikermund wurde gestern eine Fibel mit Verhaltensempfehlungen für Frauen ausgegeben. Nach der sollen Frauen größeren Männeransammlungen großflächig ausweichen und überhaupt einen Sicherheitsabstand zu Männern halten. Nachdem die attackierten Frauen in der Silvesternacht überhaupt ausgegangen und noch dazu nicht unter Frauen geblieben sind, trifft sie also selbst Schuld! Anders ist dieser blödsinnige Versuch mit der Fibel nicht zu interpretieren.

Welch Macho hat diese strohdumme Aktion vom Stapel gelassen. Frauen, wehrt Euch gegen solch einen Idioten!

Das Schlimme: Kein Macho, sondern die neu gewählte Kölner Oberbürgermeisterin hatte diese Idee!

Politiker in der Krise? Das ist wohl keine Frage mehr. Die Frage ist eher, wie diese Politiker wieder „die Kurve kratzen“.

Wäre ich an diesem Schlamassel mitschuldig, wüßte ich, was ich zu tun habe! Aber Politiker haben bekanntlich keinen „Genierer“!

Wer diese Zeichen richtig deutet, muß zutiefst um den sozialen Frieden, unsere Bevölkerung und unsere abendländische Kultur besorgt sein. Wenn ein gesetzloser Mob in der Lage ist, jegliche Menschenachtung und alle Gesetze vor den Augen der Polizei und in aller Öffentlichkeit in den Dreck seiner Unkultur zu ziehen, wenn Frauen in unserem Land zu Freiwild einer „Kultur“ werden, die Frauen niedriger als Vieh einordnet, dann gute Nacht, Abendland! Auf diese häßliche Antwort auf unsere jubelnde „Willkommenskultur“ muß die ganze Schärfe des Gesetzes und die sofortige unnachsichtige und kompromisslose Ahndung folgen. Da darf es keine politisch taktischen Rücksichten geben.

In Köln, Hamburg oder vielleicht auch anderswo haben Männer, die als Gäste, Asylbewerber, Einwanderer aus islamischen Ländern der Wohlfahrt wegen in unser Land gekommen sind, jegliches Recht, alle Gesetze von abendländischer Kultur, die Achtung vor Frauen mit Füßen getreten und damit gezeigt, was sie von unserem Land halten, dessen Vorteile sie schamlos in Anspruch nehmen. Wir sind an einem Punkt angelangt, von dem aus es für diese Leute kein Zurück und kein Pardon geben darf. Schnelle Ermittlungen, öffentliche Benennung der Täter, optimale Strafen und/oder sofortige Ausweisung in ihre Herkunftsländer, Krisenstaaten oder nicht, sind unabdingbar. Diese Leute sind hier nicht mehr willkommen und mit Sicherheit weder integrierbar noch resozialisierbar.

Wo sind eigentliche die alternativen/grünen Frauenrechtlerinnen, die sonst so vehement die Rechte von Frauen einfordern, sich über „frauenfeindliche“ Werbung und ähnlichen Unfug echauffieren? Wo sind deren Demonstrationen gegen dieses himmelschreiende Unrecht? Ihr habt dieses Problem vor der Brust, nicht den albernen Gender-Kram.

Wo ist die Anteilnahme der Bevölkerung unseres Landes, die völlig zu Recht gegen die Gewalt protestiert, welche sich gegen Flüchtlinge richtet? Ist die Gewalt eines nordafrikanischen Mobs auf deutschen Straßen und Plätzen gegen Frauen in Euren Augen nur ein Kavaliersdelikt? Seid ehrlich, davor habt Ihr Schiß!

Wo bleibt eine deutliche Stellungnahme unserer längst mit ihrer Ausländerpolitik und an ihrem „Wir schaffen das!“ gescheiterten Kanzlerin, die den Unfug des aus anderen Gründen gescheiterten Bundespräsidenten Wulff vom „Islam, der zu Deutschland gehört“ nachplappert? Das sitzen wir mal aus. Es wird Ihnen nicht gelingen, Frau Merkel!

Da ist im Zusammenhang die oben erwähnte „Verhaltensfibel“ der nach einem rechtsextremen Attentat soeben erst genesenen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein widerwärtiger Schlag ins Gesicht aller Opfer und aller Frauen schlechthin. Frau Reker, sollen Frauen in unserem Land jetzt vielleicht verschleiert gehen, um Männer nicht zu reizen? Knicken Sie vor dem radikalen Islam ein? Sind ab jetzt Vergewaltigungsopfer selber schuld, wenn sie sich in die Nähe von (möglicherweise muslimischen) Männeransammlungen begeben? Pardon, aber ist dieser Hirnriß vielleicht Folge des Attentats? Sie stellen alle unsere Rechte, Werte und Kulturgüter zur Disposition. Treten Sie sofort zurück und ordnen Sie Ihre Gedanken!

Und an die „freiheitliche Presse“, die in diesem Zusammenhang erbärmlich aussieht: was hindert Euch, liebe Kollegen, Roß und Reiter zu nennen? Vor welchen staatlichen Direktiven knickt Ihr ein? Wer hat Euch einen Maulkorb angelegt – und vor allem: warum, und wieso nehmt Ihr das hin?

Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer? Die Verbrechen der Silvesternacht gehören zum Schlimmsten, was man Frauen antun kann – das jetzt klein zu reden, wäre ebenso ein Verbrechen gegen deren Integrität wie die Straftaten selbst. Hier heißt es schonungslos aufzudecken.

Es sei allen Gutmenschen und Sozialromantikern in aller Deutlichkeit gesagt: Wir haben ein Problem. Deutschland hat ein Problem. Ein großes Problem. Jetzt solltet auch Ihr einmal aufwachen und Position beziehen, anstatt das rechten Hohlköpfen zu überlassen.

Natürlich muß der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers zurücktreten, und natürlich muß der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger zurücktreten, denn beide haben eklatant versagt, nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch in ihren butterweichen Rechtfertigungen. Und laßt bitte nicht die über jedes Maß geforderten und schlecht ausgerüsteten und schlecht geführten Polizeibeamten als Prügelknaben herhalten. Es ist Zeit für Maßnahmen, Zeit, die Polizei personell und instrumentell erheblich aufzustocken, anstatt immer weiter Stellen abzubauen. Zeit ist jetzt auch für die Justiz, deutliche Zeichen zu setzen. Sofort und nicht erst nach endlos in die Länge gezogenen Verfahren. Verbrecher wie jene, die in der Silvesternacht unsere Bürgerinnen aufs Tiefste erniedrigt und verletzt, unseren Staat und unsere Polizei lächerlich gemacht haben, dürfen keine zweite Chance haben. Und sie müssen es sofort spüren.

Oder hat die Politik der von uns gewählten „Volksvertreter" längst kapituliert? Geben wir uns in die Hand unkontrollierbarer anonymer Massen? Wie hilflos ist unser Staat eigentlich? Dürfen wir uns aufgrund der düsteren Vergangenheit Deutschlands immer noch nicht gegen von Ausländern begangenes aktuelles Unrecht wehren? Soll unser bisher funktionierendes Gemeinwesen in sich wegduckendem Chaos versinken?

Angesichts solcher Zustände und mir irgendwie bekannt erscheinender barbarischer krimineller Horden erlaube ich mir, tief beunruhigt, Max Liebermann zu zitieren, der angesichts des SA-Fackelzugs durchs Brandenburger Tor am 30. Januar 1933 sagte: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

 

Frank Becker 7.1.15

 

Presse

Medienversagen gefährdet den Sozialen Frieden in Deutschland  Huffington Post

1000 Männer belästigen Frauen und ignorieren die Polizei  Wirtschaftsnachrichten

Straftaten einer völlig neuen Dimension  Hamburger Abendblatt

Angriffe auf junde Frauen auch in Hamburg FAZ

Totgeschwiegen oder relativiert Junge Freiheit

Mittelalterliches Verhältnis von Mann und Frau Handelsblatt

 

 

 

 

 

 

 

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