DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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DER KONTRAPUNKT

Lob und Tadel zu freien Themen der Politik, des Gesellschaftslebens und unseres sozialen bzw. oft weniger sozialen Umfeldes und alle freien nicht-anonymen Meinungsäußerungen, die außerhab unserer Kritiken liegen, finden hier ihren Niederschlag. Bissigkeit, Humor, Edelmut, Larmoyanz, Ironie, Wut und Sarkasmus sind nicht unerwünscht ;-) und geben oft die Meinung des Herausgebers wieder.

Eine gewisse Beziehung zur Musik-Kultur wird allerdings immer garantiert. Schreiben Sie uns; vielleicht steht demnächst Ihr Artikel auch auf dieser Seite. Wir freuen uns:  opera@e.mail.de

 

Der neue Erlkönig heißt Loebe

jettet jetzt immer zwischen Frankfurt und Erl. Jettet er überhaupt? Erl hat meines Wissens nach keinen Flughafen. Der nunmehrige Geschäftsführer – ein „Kuhn-Mann“ – bleibt vorerst in Amt und Würden und erledigt die Arbeit. Zumindest solange er sich als „Kein Kuhn-Mann“ erweist! Ist Erl-Intendant ein Teilzeitjob? Nun, gewiss hatte auch Gustav Kuhn viel Freizeit, die er für Aktionen genützt hat, die ihm nun auf den Kopf gefallen sind. Bernd Loebe leitet aber immerhin die Oper Frankfurt, oftmaliges „Opernhaus des Jahres“ von Gnaden eines sich überwichtig gebenden deutschen Opernjournals. Das ist immerhin schon etwas, darob flippt sogar die ZIB aus. Ich bin leider ein Banause, ich gebe es ja zu.

Für mich zählen Auslastungszahlen, immerhin musste ich meine Firma und damit meine und die Familien meiner Mitarbeiter ohne jedwede Zuschüsse ernähren, da zählt nur das, was unter’m Strich herauskommt. Von den Auslastungszahlen diverser „Opernhäuser des Jahres“ hat die ZIB nichts gesagt! Genau kenne ich diese auch nicht, lese aber manch Lamento aus Berichten heraus! Egal, Herr Loebe ist auch Vorsitzender der „Deutschsprachigen Opernkonferenz“, die immer rasch mit mahnenden Worten sogar nach Russland zur Stelle ist.

Herr Loebe ist also – nach eigenen (in der ZIB gehörten) Worten „kein fauler Mensch“. Das reicht! Auch für Sternstunden?

DER WUNDERWUZZI VON TIROL

Michael S. Zerban schreibt in seinem „Magazin mit Charakter „O-Ton“: Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. „Ich traue mir zu, beides zu schaffen“, sagt der Opernmanager. Das wirft Fragen auf. Ein Genie, das gleich zwei Häuser leiten kann, gibt es ja immerhin eher selten. War Loebe also in seiner bisherigen Funktion nicht ausgelastet – dann sollte die Stadt Frankfurt doch noch einmal ernsthaft über seine Stellenplatzbeschreibung nachdenken – oder sind die Festspiele in Erl tatsächlich so unbedeutend, dass man sie „mal so nebenbei“ leiten kann? Das Bild, das in der Öffentlichkeit entsteht, ist fatal. Intendanten bekommen ein „fürstliches“ Gehalt, weil sie so wahnsinnig beschäftigt sind, am Ruhm ihres Hauses zu arbeiten? Seit heute gilt diese Vorstellung sicher nicht mehr. Offenbar sind sie hoffnungslos überbezahlt, wenn sie Zeit genug haben, nebenbei ein weiteres Haus zu leiten…

O-TON (Michael S. Zerban)

Warum dürfte Herr Haselsteiner offenbar im Alleingang den Erl-Intendanten küren? Hat Tirol keine Kulturpolitiker? Wir sind gespannt, wie sich Erl weiter entwickelt. Natürlich bekomme ich diesbezüglich auch Zuschriften, die ich in voller Länge nicht veröffentlichen darf, weil da auch Namen von Personen genannt werden, die dies vermutlich gar nicht gerne sehen würden:

Ja, ja der Erlkönig. Eigentlich hat er am längsten aller Festspielgründer und Leiter durchgehalten… Umgang mit Sängern:  Zu Mittag des Aufführungstages erst verkünden, wer am Abend singen darf, ist eine absolute Frechheit oder Machtbeweis. Viele sprangen da rechtzeitig wieder ab, viele glaubten blind an ihn und landeten auf der Verliererseite. Wer bei Kuhn auftrat musste über Kapital verfügen, war diese lange Zeit im Kloster „MONTEGRAL“ doch unbezahlt, die späteren Gagen, falls man dran kam, nicht gerade berauschend. Viele reisten mit hohen Verlusten nach Hause. Wer die GP singen durfte bekam natürlich kein Geld. 

Die Bestellung des Neuen war schwammig wie die Bestellung des Operndirektors in Wien.

Anton Cupak (Wien) 26.10.2018

 

 

 

WIENER WOHNEN muss 220.000 Türschilder ändern - Bürger werden zu Nummern

13.10.2018

Wie im Zuchthaus in Amerika

Ein Mieter in der österreichischen Hauptstadt will keinen Namen auf dem Klingelschild und beruft sich auf die Datenschutz-Grundverordnung. Die Stadt gibt ihm Recht, die Hausverwaltung reagiert drastisch. Jeder mit gesundem Menschenverstand fasst sich an den Kopf.

Mitarbeiter von Wiener Wohnen haben in den nächsten Monaten einiges zu tun: Ganz oben auf der To-do-Liste steht das Tauschen von „läppischen“ 220.000 Türschildern. Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dürfen nämlich keine Namen mehr auf den Gegensprechanlagen stehen. Diese werden daher durch Nummern ersetzt. Die

220.000 Mieter bekommen nun Klingelschilder ohne Namen. Nummer, wie im Knast in den Vereinigten Staaten oder in autoritären Staatsystemen. Lässt "1984" hier grüßen?

Oder ist das Kasperltheater pur. Die Namensschilder müssen entfernt werden, die Mieter können/dürfen aber selbst (für die eigene Wohnung) diese Schilder wieder anbringen.

Hätte man da nicht eine einfachere Lösung finden können? Diese ist zwar rechtens, aber dennoch ein Schildbürgerstreich sondergleichen und zudem teuer! Hat man da wirklich einen Richter gebraucht? Hätte nicht jeder Mieter, der nur „nummeriert“ sein will, sein Namenschild selbst ersetzen bzw. einen Antrag bei „Wiener Wohnen“ stellen können? 220 000 Türschilder sind sind eine Schikane, auf die mit Schikanen geantwortet gehört!

Diesen „Gesetzestreuen“ würde ich von der Hausbesorgerin auf „Dienst nach Vorschrift“ setzen lassen. Jeder Furz, den er künftig im Stiegenhaus lässt, gehört angezeigt und gerichtlich geahndet, ein kurzfristiges Abstellen von Gegenständen (etwa ein Einkaufssackerl) würde sofort als Besitzstörung erkannt und dem Anwalt übergeben!

Bei der Müllentsorgung gehört er genauestens beobachtet und gefilmt, denn irgendwann wird ihm sicher ein Sackerl (in Deutschland heißt das Tüte) runterfallen! Zudem hoffe ich, dass er recht oft von Besuchern, die eigentlich zu anderen „nummerierten“ Hausbewohnern wollen, womöglich aus dem Bett geläutet wird! Hoffentlich braucht er nicht so bald Handwerker in seiner Wohnung. Die täten mir nämlich leid, der „Türschildrebell“ dagegen keine Sekunde lang!

Anton Cupak 13.10.2018

 

P.S. Nachtrag "Bei uns in Germany"

Im Land der Gutmenschen wird sich bald auch die erste Dame melden und ähnlich argumentieren. Vermutlich wird man noch vom Hausbesitzer Schadensersatz verlangen. Allerdings schätze ich, daß dieser hochgradige Schwachsinn in dem Moment schnell ein Ende haben wird, wenn die Deutsche Post nichts mehr zustellt. An wen auch? Selbst die Benachrichtigung über nicht zugestellte Briefe und Päckchen kann ja nicht eingeworfen werden, denn selbstredent darf ja auch an den öffentlich einsehbahren Briefkästen dann kein Name stehen.        Peter Bilsing

 

 

Können zwei „Alphatiere“ miteinander gut auskommen? 

Nikolaus Bachler soll Intendant der Salzburger Osterfestspiele werden. Das ist – auf den ersten Blick – eine „Win-Win-Situation. Einerseits bekommt Salzburg einen hocherfahrenen Intendanten, anderseits ist Nikolaus Bachler schon 70 – und in diesem Alter kann man es ruhig etwas langsamer angehen lassen. Der Job wird auch sicher gut bezahlt.

Wo liegt das Problem? Nikolaus Bachler ist ein „Alpha-Mann“ – und bei den Osterfestspielen träfe er in Salzburg auf einen ebensolchen.

Heinrich Schramm-Schiessl hat sich Gedanken gemacht:

Mir war in dem Moment klar, dass er es wird, als ich hörte, dass Nikolaus Bachler als neuer Intendant der Osterfestspiele zur Diskussion steht. Er gilt als einer im internationalen Opern- und Theatergeschehen bestens vernetzter Mann und hat als Intendant der Bayrischen Staatsoper – egal ob man das, was er gemacht hat, goutiert oder nicht – für Aufsehen gesorgt.

Mit der nunmehr auf ihn gefallenen Entscheidung gehen die Osterfestspiele – und das traue ich mir jetzt bereits zu sagen – unruhigen Zeiten entgegen. Bisher gab es mit Christian Thielemann einen klaren Chef und die jeweiligen Intendanten beschränkten sich auf die administrativen Tätigkeiten und mischten sich nicht in die Programmgestaltung ein. Abgesehen davon, dass jetzt zwei Alphamänner an der Spitze des Festivals stehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass Bachler darauf verzichten wird, sich in die Programmatik einzubringen. Damit meine ich nicht die Opernregisseure. Hier war Thielemann schon bisher Pragmatiker und und mehr oder weniger „blind“ für das, was auf der Bühne geschah. Ich glaube aber, dass Bachler möglicherweise die Grundausrichtung der Festspiele in Frage stellen könnte und hier sehe ich Konfliktpotential, zumal die beiden Herren weltanschaulich nicht unbedingt im gleichen Boot sitzen… (MERKER-online)

Anton Cupak 14.9.2018

 

ES IST NICHT ALLES GOLD WAS TEUER IST

Nach 30 ununterbrochenen Bayreuth-Jahren wagt der Rezensent folgende These: Immer größere Teile des Publikums wollen sich nicht enttäuschen lassen, besitzen auch immer weniger Kompetenz in der Unterscheidung zwischen sehr guten, guten und weniger guten Stimmen. Nur so ist es erklärbar, dass Sänger, deren vokale Leistung noch vor wenigen Jahren als defizitär abgeurteilt worden wäre, heute von den meisten Zuschauern so bejubelt werden, als wären die Callas oder Caruso himself vor dem Vorhang erschienen. Ich möchte nicht einmal behaupten, dass „die“ Sänger in ihrer Qualität nachgelassen hätten; das Gejammer über den Verfall des Wagner-Gesangs hat ja nun auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Es könnte nur sein, dass sich die Mischung aus der Erwartung eines hochrangigen Kulturereignisses und dem Überhören von Defiziten einer Mischung aus Selbstkonditionierung und Unkenntnis verdankt. Zumindest Ersteres hat etwas mit dem Thema des „Fliegenden Holländers“ zu tun, das die Inszenierung extrem herausgearbeitet hat: mit der Kapitalisierung aller Verhältnisse. Denn wer gibt schon gern zu, dass er für 1000 Euro (Karten plus Hotel plus Spesen) einen Abend erlebt hat, der – gemessen am Ruhm Bayreuths – so doll denn doch nicht war.

Keine Bange, liebe Zuschauer: es ist menschlich. Aber es wäre auch schön, wenn man Sängerleistungen endlich einmal wieder realistisch einordnet. Vergleiche mit früheren Aufführungen - die sich natürlich einer getrübten wie verklärten Erinnerung verdanken können - sind nicht per se verboten. Man muss ja nicht gleich buhen; man sollte es auch nicht. Und schon der nächste Abend könnte einem zeigen, was wirklich guter Wagner-Gesang – auch in Bayreuth – ist.

Frank Piontek, 27.8.2018

 

 

Was haben der HSV und die Salzburger Festspiele gemein?

Antwort: Hamburgs Tycoon Klaus-Michael Kühne

Er finanziert Salzburg. Er finanziert übrigens auch den Hamburger Sportverein – und die sind seit heuer zweitklassig! Ab 2019 wird Kühnes Stiftung Nestlé als Hauptsponsor der Salzburger Festspiele ablösen – Der Standard
Salzburger Festspiele begeistern einen Stifter. Erstmals gewährt eine Stiftung auf drei Jahre zugesagte Beiträge für das Festspielbudget - Salzburger Nachrichten

Der Mann bzw. dessen Imperium ist politisch nicht unumstritten – hat man das bedacht oder ist es den Festspielen egal? Kühne & Nagel ist steuerschonend in der Schweiz angesiedelt – das für unsere deutschen Leser!

Ich wildere oft in anderen Foren, so etwa im Form des „Standards“. Einige Auszüge daraus.

- Vorsicht! Der Mann ist fordernd, sehr selbstbewusst, nicht einfach. Ob das in Salzburg gut ankommen wird?

- Nach der HSV-Pleite sucht der wohl eine neues Be(s)tätigungsfeld
Dort hat er wenigstens noch was für die Bevölkerung getan.
Jetzt lässt er sich von der Exklusiv-Clique loben.

- Weiters: aber im ernst: da ich ein paar eingefleischte hsv’ler kenne und die mich ja in letzter zeit auch anlässlich des freundschaftsspiels mit rapid vollsudern: so mäzenhaft ist kühne nicht. denn im grunde war es nur geborgtes geld, womit der hsv ja schuldentechnisch erst recht in eine krise schlitterte. erlöse von spielern flossen wieder an kühne zurück.

- zu der vergangenheit wurde eh von den vorpostern alles gesagt. auch, dass die wenns darum geht ihren solidarischen beitrag der allgemeinheit gegenüber zu leisten, alles andere als „sozial“ ist und war. ob er der richtige als sponsor ist, pecunia non olet scheint die devise zu lauten

Wie gesagt, das sind Auszüge aus dem „Standard“-Forum, einer Zeitung, die ziemlich weit links steht!                                                            

Anton Cupak  / 20.8.2018

 

 

Bis an die Schmerzgrenze

Der Streit um die BDS-Zugehörigkeit einer zur Ruhrtriennale eingeladenen Hip-Hop-Band lässt Souveränität auf allen Seiten vermissen. Gleichwohl sollte er Anlass sein, die politische Bedeutung eines solchen Festivals in Erinnerung zu rufen.

Stefanie Carp ist die amtierende Intendantin der Ruhrtriennale. – Foto © Daniel Sadrowski

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen, ist die einzige, der man einen angemessenen und professionellen Umgang mit der umstrittenen Einladung der Band Young Fathers zur Ruhrtriennale bescheinigen kann. Die Kunstfreiheit müsse bis zur „Schmerzgrenze“ belastbar sein, heißt ihr Credo. Wo die Grenze zum Missbrauch zu ziehen ist, darüber darf und muss gestritten werden. Dass der Ministerin die Zugehörigkeit der schottischen Hip-Hop-Band zur Israel-kritischen BDS-Kampagne nicht schmeckt, ist ihr gutes Recht. Aber sie stellte sich der Diskussion und boykottiert nicht schmollend das gesamte sechswöchige Festival wie Ministerpräsident Armin Laschet. Eine armselige Reaktion eines Landesvaters, der das Fest immerhin mit zwölfeinhalb Millionen Euro aus Landesmitteln subventioniert.

Keine Frage: BDS ist umstritten, jene diffus organisierte Bewegung, die unter dem Motto „Boycott, Divestment and Sanctions“ den Staat Israel aus Protest gegen die Unterdrückung der Palästinenser politisch, wirtschaftlich und kulturell isolieren will. Mehr ein bunter Haufen als eine straffe Organisation, in der von einzelnen Mitgliedern oder Sympathisanten auch antisemitische Töne zu hören sind und auch nicht jeder das Existenzrecht Israels befürwortet. Eine pauschale Gleichsetzung von Israel-kritischer Haltung und Antisemitismus hat die Bewegung allerdings nicht verdient und die Band ebenso wenig wie die Intendantin Stefanie Carp.

Die hätte gut daran getan, die Einladung der Musiker aufrechtzuhalten und die brisanten Fragen öffentlich zu diskutieren. Dass sie gleich bei den ersten kritischen Anzeichen die Musiker aus- und kurze Zeit später wieder eingeladen hat, ist ein Zeichen ungeschickten Taktierens, aber kein Anzeichen antisemitischer Tendenzen, die man der Intendantin völlig haltlos vorgeworfen hat. Eine Erklärung zum Existenzrecht Israels, die Laschet von der Intendantin erwartet hat, ist völlig überflüssig, die Forderung Laschets geradezu anmaßend.

Die Band hat dann freiwillig auf die Teilnahme im Ruhrgebiet verzichtet. Das Konzert hätte ohnehin nur einen winzigen Baustein im üppigen Angebot des Festivals ausgemacht. Die neue Qualität des Programms, die an sich forsche Handschrift der Intendantin verlor man angesichts der Debatte aus den Augen, woran Carp freilich nicht unschuldig ist. Im Gegensatz zu den ästhetisch oft abgehobenen Programmen ihrer Vorgänger Heiner Goebbels und Johan Simons möchte sie das Festival mit einem Schub politischer Brisanz beleben. Das scheint ihr mit dem Schwerpunkt „Afrika“ auch zu gelingen, wie bereits die glänzende Eröffnungspremiere von William Kentridges Musiktheater The Head & the Load zeigte, die nicht nur den Finger auf die Wunden kolonialer Verbrechen der Vergangenheit legte, sondern auch den Blick auf den immer noch arroganten, ausbeuterischen Umgang des Westens mit dem afrikanischen Kontinent richtete. Eine Arroganz, die den Westen noch teuer zu stehen kommen wird, wenn sich die Flüchtlingsströme zu Flüchtlingsfluten ausweiten werden.

Das sind Akzente, die man auf der Ruhrtriennale lange nicht hörte. Und es sind Akzente dieser Art, die die Subventionierung mit öffentlichen Gelder legitimieren. Zudem sprechen wir von Impulsen mit Widerhaken, die zur Diskussion, ja zum Streit motivieren sollen und müssen. Wegducken, wie es der Landesvater demonstrierte, ist die falsche Reaktion, ebenso das frühe Einknicken der Intendantin im Falle der Young Fathers.

Stefanie Carp hat es verdient, angesichts des hochinteressanten Konzepts ihre dreijährige Amtszeit überstehen zu können. Dass sie mit Gegenwind zu kämpfen hat, beweist letztlich nur die Wirksamkeit ihrer Programmpolitik. Aus ihrem frühen Fehler dürfte sie gelernt haben. Und vielleicht traut sich demnächst auch der Landesvater wieder ins Revier, wenn auch mit dem Risiko, sich ärgern zu müssen. Doch auch das ist legitim und spricht nicht gegen das Festival.

Pedro Obiera 25.8.2018

Besonderer Dank an unsere Freunde von O-Ton

 

 

Machtkampf um die Osterfestspiele Salzburg

Ist Dominique Meyer ein Kompromisskandidat für deren Intendanz?

Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu realisieren, dass die Salzburger Oster-Festspiele und die Salzburger Festspiele auf verschiedenen Gleisen verlaufen. Dann habe ich mich mit den handelnden Personen näher beschäftigt – und dann war mir auch klar, warum das so ist,  sein muss.

Die Ausschreibungsfrist für die Intendanz der Osterfestspiele hat am 9. Juni geendet. Wir aller sich beworben hat, wird aus gutem Grund nicht bekanntgegeben – und das ist auch fair und logisch. Beginnen soll die neue Intendanz  am 1. Juli 2020. Bis dahin ist Peter Ruzicka der Osterfestspiel-Intendant. Die Ausschreibung verlangt nach einer „bedeutenden Persönlichkeit des internationalen Musikmanagements“, die „über nachweisbaren Erfolg und Erfahrung in der Führung eines bedeutenden Kulturbetriebes sowie über weitreichende künstlerische, organisatorische und wirtschaftliche Kenntnisse“ verfügt.

Am 20. Juni soll bereits eine Sondierungs-Gesprächsrunde mit den aussichtsreichsten Bewerbern stattgefunden haben.

So weit ist alles  klar. Beworben haben sich offensichtlich Nikolaus Bachler (Noch-Intendant der Bayerischen Staatsoper) und Andreas Mölich-Zebhauser (Festspiele Baden-Baden). Ob sich Dominique Meyer, bis 2020 Chef der Wiener Staatsoper, auch beworben hat, geht aus den mir vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Aber von irgend etwas muss er ja auch nach 2020 leben – und bei uns lebt es sich (noch) relativ gut!

Ab nun wird es kompliziert. Christian Thielemann favorisiert Herrn Möllich-Zebhauser, der aber angeblich bei der Aufsichtsratsvorsitzenden der Osterfestspiele, Sarah Wedl-Wilson, nicht durchzubringen ist. Dieser Aufsichtsrat will angeblich Nikolaus Bachler – den will aber anscheinend Christian Thielemann nicht. Er fürchtet, dass Bachler seinen Münchner „Spezi“ Kirill Petrenko einbinden will, was wiederum Herrn Thielemann so gar nicht in den Kram passt.

Als Kompromisskandidat wird angeblich Dominique Meyer gehandelt, der Thielemann nicht in Frage stellen würde!

Und eine Fusionierung der namensgleichen Festspiele? Eher unwahrscheinlich, Thielemann wird sich kaum Herrn Hinterhäuser unterordnen!

Kompliziert!

Anton Cupak grüßt aus Wien / 22.8.2018

 

Macht die Opernhäuser endlich zu, denn es gibt ja genug konzertante Oper !!!

Immer wieder sieht man - zuletzt gerade aktuell in Salzburg bei Gottfried von Einems toller Oper "Der Prozess" - wie deprimierend konzertante Aufführungen sind. Eine jede solche Aufführung ist in meinen Augen ein trauriger Kompromiss, weil sie ernsthafte künstlerische Interpretation und Auseinandersetzung - und das ist mehr als der pure Gesang - einschränkt und unterdrückt. Das führt stellenweise zu kuriosen Bildern von denen unser Archiv nur so überquellt, denn wahre Musiktheaterdarsteller lassen sich heute nicht mehr einfach nur so vorne an die konzertante Rampe stellen...

Oper sollte immer lebendiges Musiktheater sein - zumindest heutzutage. Zur Oper gehören Bewegung, Kostüme, Maske, Bühnenbild und Beleuchtung. Das Opernhaus ist eigntlich ein Zauberkasten, wenn man Regisseure hat, welche die gigantisch teure Technik der Illusion auch nutzen können. Rauch, Nebel, Feuer, Wasser, Licht sind nicht nur Kernmerkmale einer jeden ZAUBERFLÖTE, sondern eigentlich jedweder Oper. Funktionierende Bühnentechnik ist quasi die "conditio sine qua non" für unterhaltsames und beeindruckendes Musiktheater.

Leider verrottet die Bühnentechnik, weil viele heutige "Regisseure" das komplexe Handwerk der Opernregie nicht gelernt haben, sie technisches Handwerkszeug also nicht nutzen können oder auch - Stichwort: simples Einheitsbühnenbild - nicht nutzen wollen. Diese stete Ignoranz der vorhandenen Technik geriert letztlich zu einem teuren Spaß: die Städte sparen sich dann die notwendige teure Wartung. Was, wie bei einem nicht regelmäßig gewarteten Auto, dann schließlich zu horrenden, eigentlich vermeidbaren Kosten führt. Jahrelange Schließungen sind die Folge, was z.B. aktuell in Köln schon Stimmen hochkeimen lässt, die sagen "Wozu brauchen wir so ein Opernhaus überhaupt noch? Geht doch auch so. Universalhallen, Zelte, Steinbrüche oder leere Schwimmbäder gibt es überall...

Jetzt kommt die KONZERTANTE OPER ins Spiel. Je mehr man diese armseligste Form der klassischen Präsentation hochlobt, begeistert bejubelt und auch noch als echte Alternative preist, desto mehr gräbt man dem Musiktheater und damit dem klassischen Opernhaus sein Grab. Konzertante Oper geht überall. Egal ob auf den Rheinwiesen, im Fußballstadion, der Philips-Halle, in Parkhäusern oder verlassenen Industrieanlagen - wenn das zum Prinzip wird, ist die Oper tot und das klassische Musiktheater-Haus erledigt. Uns fehlt dann doch eigentlich nichts, denn im Sommer haben wir ja die Festivalitis, die ohnehin pressemäßig präsenter ist. Und ein "Fliegender Holländer" im Oberammergauer Kuhstall - das ist doch ein echtes Event, oder nicht? Und viel stimmungsvoller als in der Rheinoper.

Dann es bieten sich als alternative kommende Spielstätte noch die dahindarbenden Filmpaläste an: Oper im Kino wird immer populärer. Warum nicht demnächst mit Livegesang und hinten lassen wir irgendein Filmchen ablaufen. Ein simpler Trickfim reicht den meisten Leuten - das machen doch berühmte Regisseure wie z.B. Kosky oder Neuenfels schon heute in der richtigen Oper ;-) So wird alles viel billiger...

Da sind wir dann, vor allem wenn es ums Geld geht, wieder ganz nahe bei meiner Lieblingspartei den GRÜNEN, die ja ökonomisch durchaus nachvollziehbar einst forderten "Wozu brauchen wir noch Opernhäuser, gibt es doch allüberall CD-Player?!" Heute könnte es heißen: Dank überall realisierbarer konzertanter Aufführungspraxis und den vielen Festivals brauchen wir nun wirklich keine Opernhäuser mehr. Und wenn die Fabrikhalle dann doch akustisch zu schlecht ist - wieso eigentlich ? denn Popkonzerte laufen dort doch auch prächtig - gibt es ja noch genügend wartungsfreundliche (!) gute Konzertsäle. Halleluja, oder sollte ich besser sagen Mama mia...

Peter Bilsing 19.8.2018

Archivbilder OF

 

 

 

Sprachliche Entgleisungen

Wer sich über Regeln hinwegsetzt, fühlt sich gut.

Und hat Recht. Meistens. Manchmal. Nicht immer. In Deutschland gibt es Rechtschreibregeln. Und die gibt es ausnahmsweise mal nicht, weil die Bürger gemaßregelt werden sollen, sondern damit ein Höchstmaß an sprachlicher Klarheit erreicht werden kann. Die Vergewaltigung der deutschen Sprache, die viele Kulturtreibende inzwischen betreiben, ist kaum noch erträglich – weil sie von nichts anderem als Dummheit zeugt.

In Backstuben herrscht Geschlechtergleichheit bei den Bäckern, wie hier im Roscheider Hof – Foto © Helge Klaus Rieder

Als Journalist bekommst du täglich etwa hundert E-Mails. Und natürlich liest du die nicht mehr. Sondern schaust nur noch auf der Suche nach Stichwörtern drüber. Alles andere wäre auch unerträglich. Weil die Dummheit eben schwer zu ertragen ist. Da strotzt es nur so von Sternchen, Unterstrichen, Schrägstrichen und Rechtschreibfehlern, als müssten die Verfasser ihre verspätete Trotzphase gegen ihre Deutschlehrer durchleben. Die neueste Idee, der Zug, auf den so viele „Kulturtreibende“ abfahren, ist die schriftliche Geschlechtergleichheit. Dabei ist die in Deutschland längst einheitlich durch den Duden geregelt. Bei den Bäckern ist klar, dass es sich um männliche und weibliche Angehörige der Berufsgruppe handelt. Das ist übrigens in anderen Sprachen auch so. Eine gute Regelung, die Klarheit schafft und für Sprachökonomie sorgt. Neuerdings wird auf der Suche nach politischer Korrektheit immer häufiger die Schreibweise Bäcker*innen verwendet. Das sieht der Duden nicht vor, es ist ein Schreibfehler. Ökonomisch ist es völliger Schwachsinn, der Geschlechtergleichheit wird es nicht annähernd gerecht. Schließlich haben wir, so hat ein amerikanischer Professor untersucht, mittlerweile mindestens 25 verschiedene Geschlechterauffassungen. Da sind Schwule, Lesben, Transen nur marginales Beispiel von dem, was viele Menschen unter ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung verstehen. Bäcker*innen trennen gemeint Bäcker ohne Brüste von Bäckern mit Brüsten. Ist das die kulturelle Revolution des 21. Jahrhunderts? Ist das der Fortschritt der Kultur, den alle wollen? Ich finde es peinlich. Wenn ich eine Puddingschnecke essen will, interessiert mich die Qualität der Puddingschnecke und nicht die sexuelle oder geschlechtliche Ausrichtung der Hersteller (sic!). Wenn ich als Bub in die Backstube durfte, bewunderte ich die Männer – damals gab es da noch keine Frauen – wie sie mit ihrer Routine die tollsten Düfte und Geschmäcker produzierten, und ich freute mich über die rundlichen Verkäuferinnen, die mir beim Hinausgehen noch irgendeine Leckerei zusteckten; es gab damals noch keine Verkäufer. Aber es interessierte mich auch ganz ehrlich überhaupt nicht, ob der Bäcker sich gerade als Schwuler fühlte oder die Fachverkäuferin auf dem Weg zur Geschlechtsumwandlung war. Er war einfach der großartige Bäcker und sie die liebevolle Verkäuferin.

Und nein, die Zeiten haben sich nicht geändert. Es gelten heute noch die gleichen Regeln. Der Begriff „die Bäcker“ legt fest, dass es sich dabei um eine Berufsgruppe handelt, in der alle Geschlechter arbeiten. Alle, versteht ihr? Als ob es 1960 nicht schon lesbische Verkäuferinnen oder schwule Bäcker gegeben hätte. Alles Mumpitz. Als ob seit 1990 nicht jeder verstünde, dass es sich bei den Bäckern um weibliche und männliche, transsexuelle oder, oder … Mitglieder einer Berufsgruppe handelte. Es ist legitim, Regeln aufzubrechen, wenn sie überholt sind. Aber wenn die Ampel rot zeigt, ist Schluss mit der Weiterfahrt. Auch dann, wenn immer mehr Menschen glauben, sich über die Regel hinwegsetzen zu können, wird es dadurch nicht richtiger. Sondern die Unfallzahlen steigen. Das gilt auch bei der Sprache. Wenn nun neuerdings Menschen im Kulturbetrieb anfangen, von Schauspieler(Pause)innen zu reden, erreicht das eine Grenze der Albernheit, die kaum mehr zu überbieten ist. Ach, die redet jetzt über Menschen mit Brüsten oder ohne Eier, oder redet sie über Leute ohne Vagina oder Vagina im Umbau oder über Leute mit weichen Eiern, die sie gern loswerden wollen oder … Nein, nein, da wird ja nur über Schauspieler geredet. Eine Unterscheidung, die so peinlich altbacken ist, dass man sich fragt, in welchem Leben diese Menschen unterwegs sind. Wenn Kulturarbeiter glauben, sich ideologisch in die Sprache einmischen zu müssen, sollten sie wenigstens Lösungen anbieten, die einer modernen Entwicklung von Sexualität und Geschlechtergleichheit gerecht werden – und nicht etwa Frauen mittels Sprache wieder an die zweite Stelle rücken, indem sie sie kurzerhand hintan hängen.

Ein Sternchen, Unterstrich oder das Anhängen des weiblichen als zweites Geschlecht führen die Geschlechterdebatte auf das falsche Schlachtfeld. An dieser Stelle sei den Bäckern gedankt, dass sie als Beispiel zur Verfügung standen. Die Intendant*innen werden niemandem helfen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Solche Entwicklungen müssen auf anderen Ebenen stattfinden, und da werden wir sie sicher unterstützen. Den albernen, abseitigen Sprachregelungen, die Kulturschaffend*innen gegen geltende Regeln durchzusetzen versuchen, wird am Ende der Sackgasse nicht einmal eine Regenbogen-Fahne winken.

Michael S. Zerban 9.8.2018

Original in O-Ton

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie können es nicht lassen

Nachdem Gustav Kuhn nun seinen Sessel als Künstlerischer Leiter – vorübergehend – geräumt hat, wird Andreas Leisner interimistischer Leiter der Tiroler Festspiele Erl. So, hat man gedacht, kommt nun Ruhe in die Angelegenheit, um die Vorwürfe gegen Kuhn abseits des Festspielgeschehens untersuchen zu können. Aber schon einen Tag nach der „Selbst-Suspendierung“ stellt sich die Frage, ob es sich hier nicht eher um einen weiteren Winkelzug handelt.

Die Erleichterung war auf allen Seiten spürbar, als Gustav Kuhn, Dirigent und Künstlerischer Leiter der Tiroler Festspiele Erl, endlich erklärte, sein Amt ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe wegen des sexuellen Missbrauchs gegen ihn aufgeklärt seien. Dass er weiterhin erklärte, es handele sich bei diesem Entschluss nicht um ein Schuldeingeständnis, versteht jeder genauso wie den Grund seines Handelns: Er wolle Schaden von den Festspielen abwenden. Ebenso verständlich die Bekanntgabe, dass sein Stellvertreter, Andreas Leisner, nun seine Funktion vorübergehend übernehmen werde. Dass der studierte Opernregisseur, der nach eigenen Angaben das Dirigentenhandwerk von Kuhn gelernt hat, seit zwölf Jahren enger Vertrauter Kuhns ist, muss man wohl in Kauf nehmen, jedenfalls können so die Geschäfte reibungslos weiterlaufen.

Und auch sonst scheint jetzt manches in geregelteren Bahnen zu laufen. Die merkwürdige Konstellation, dass ein Rechtsanwalt gleich drei Parteien vertritt, ist inzwischen aufgelöst. Ex-Justizminister Michael Krüger kümmert sich nun ausschließlich um die Angelegenheiten Kuhns. Die Staatsanwaltschaft ist mit der strafrechtlichen Prüfung der lautgewordenen Vorwürfe beauftragt, auch wenn jetzt schon klar sein dürfte, dass diese Ermittlungen im Sande verlaufen werden, weil die bekannten Tatsachen vermutlich längst verjährt sein werden. Interessanter wird die Untersuchung der Gleichbehandlungskommission beim Bundeskanzleramt, die nun auf Betreiben des Vorstandes der Stiftung in die Wege geleitet wird. Ombudsfrau Christine Baur, die bereits mit Aufkommen der ersten Vorwürfe eingesetzt wurde, weiß, dass eine solche Untersuchung „zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern“ kann. Da Gustav Kuhn vor Beendigung dieser Untersuchung nicht als Künstlerischer Leiter nach Erl zurückkehren wird, sollte man annehmen, dass er dort in diesem Jahr nicht mehr in Erscheinung tritt. Weit gefehlt.

„Wir planen das weitere Programm ab kommendem Herbst mit Kuhn am Dirigentenpult“, erklärt Leisner quasi als erste Amtshandlung gegenüber einer Tageszeitung. Da bleibt einem die Spucke weg. Es bleibt also alles, wie es ist, nur der Dirigent hat nicht mehr Künstlerischer Leiter auf seiner Visitenkarte stehen? Glaubt der alte Mann allen Ernstes, mit einem solchen Winkelzug die Öffentlichkeit täuschen zu können? Es ist absurd. Bezieht sich doch ein Teil der Vorwürfe gerade auf diesen Bereich seiner bisherigen Arbeit. Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, bedeutete das nichts anderes, als dass Beleidigungen und Grapschereien nun nicht mehr im Büro des Künstlerischen Leiters, sondern nur noch im Probenraum stattfinden.

Bleibt nur zu hoffen, dass Leisner bis zum Herbst seine offenbar falsch verstandene Loyalität über Bord wirft und sich darauf besinnt, was seine eigentliche Aufgabe ist: Die künstlerische Leitung des Festspielhauses wahrzunehmen und Schaden von ihm abzuwenden. Allein so könnte er sich für nachfolgende Positionen empfehlen. Denn dass er die Nachfolge Kuhns nach dessen offiziellem Ausscheiden spätestens 2020 antreten könnte, ist bereits jetzt ausgeschlossen. „Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner hat mir zu verstehen gegeben, dass man einen Neustart anstrebt mit einer Persönlichkeit, die nicht in Erl groß geworden ist“, sagt Leisner. Es muss also in seinem eigenen Interesse liegen, Kuhns öffentlich angekündigte „Selbst-Suspendierung“ ernst zu nehmen und sich nicht auf sprachliche Winkelzüge einzulassen. Der Image-Schaden – nicht nur für das Festspielhaus – wäre sonst gewaltig.

Michael S. Zerban, O-TON

 

Größenwahn oder Geldgier?

Domingo als Dirigent ausgebuht in Bayreut

Oh Placido, oh Placido - dies hast Du nicht verdient, aber in blinder Selbstüberschätzung herbei geführt. Merke: "Es ist stets das größte Leid, watt dä Mensch sich selbst andeit" so lautet ein rheinisches Sprichwort. Schuster bleib bei deinen Leisten.

Daß Domingo älter sein soll, als in seinem mexikanischen ! Pass steht - geschenkt. Daß er einfach nicht aufhören kann, weil seine Fans ihn weiterhin loben - geschenkt. Daß er sich aber maßlos überschätzt und sich auch noch für einen großen Dirigenten hält - frei nach dem Motto "wenn man das tausendmal gesungen hat, dann kann man das auch dirigieren" basta ! - war bisher auch geschenkt, denn es waren meist nur die Wiener Jubler zugegen und die haben bekanntlich bei ihren Lieblingen ein eingeschränktes Gehör.

Nur leider waren nun in Bayreuth einige Nicht-Wiener-Staatsoper-Fans präsent und bekundeten - wie es in Bayreuth üblich ist - erbarmungslos ihren Unmut über eine scheinbar schlechte Leistung. Egal ob Sänger, Dirgent oder Regisseur - hier geht es klar zur Sache. Nun also steht es in allen Zeitungen als Aufreißer: "Domimngo ausgebuht". Daß er eben kein toller Dirigent ist, sondern nur ein weltbekannter beliebter und sympathischer Taktschläger. So ein Pech!

Ähnliches wurde dem großen Justus Frantz auch schon von kritischen und mutigen Musikjournalisten, die keinen Gehörschaden haben, einst in Düsseldorf bescheinigt.

Warum sind große Künstler nur so naiv?

Haben die keine Freunde, auf die man hören könnte?

Oder ist es der schnöde Mammon, der ja auch Anna Netrebko dazu trieb ein Tee-Service für 2400 zu kreieren, dessen künstlerischer Wert bei BARES FÜR RARES wahrscheinlich mit 16 Euro taxiert worden wäre.

Peinlich, peinlich, peinlich... auch für Bayreuth. Da hatte man nur des großen Namens wg. die eherne Tradition gebrochen, daß der Ring niemals zerteilt aufgeführt werden durfte und dann diese Pleite. Selbst schuld!

Aber die Fans, vor allem die wahren, vergessen schnell und so wird Placido, käme er nächstes Jahr auf die Idee Fabergé-Eier zu kreieren, auch da noch Abnehmer finden, denn wer so saugut singen kann, na der kann doch eigentlich alles ;-).... Oder nicht?

Gruezi aus der Schweiz                      

Ihr                    

Peter Bilsing

 

P.S.

Hinweis auf ei9nen älteren Kommentar zu Domingo

 

 

Bravo Mezut Özil,

unser Mezut hat es den Deutschen, alles üble Rassisten, jetzt richtig gezeigt. Auch dem rassistischen DFB mit seinem - wie es scheint - total unfähigen und unverständlichen Vorsitzenden. Und zuletzt noch seinem Werbepartner und Sponsor Mercedes. Wie gesagt, alles Rassisten, alle haben was gegen Türken und ihren ehrenwerten Anführer Erdogan. Und neuerdings gegen den Deutschen Özil.

Oder haben Sie schon einmal eine Mercedes-Werbung gesehen, wo Neger* oder Türken, die keine Fußballer sind, auftauchen? Aber Adolf !!  Schauen Sie sich mal den Werbespot an. Wobei "Rassist" jetzt gerade eben mal in diesem Zusammenhang nur für Türken gilt, denn Neger* haben ja z.B. schon in der DFB Elf gespielt. Deutsche Neger*: Koray Günther zum Beispiel.

Und alle (!) Gutmenschen in Deutschland - bevorzugt Grüne, Kommunisten und sonstige Linke schlagen in diese Kerbe. Sogar die unabhängige Tagesschau bewertet Özils Thesen (Mediziner sprechen von Verbal-Diarrhö) als so wichtig, daß man es als vorgestern um 20 15 h als ersten Beitrag brachte. Daß Angie Merkel dazu keine extra Kanzleransprache hält verwundert...

Na ja, daß nun besonders die GRÜNEN (nicht alle!) hier ihren Vorzeige-..... - verdammt jetzt hätte ich fast wieder "Neger" geschrieben - haben, ist verständlich. Bei einer Partei, denen zwar in der Vergangenheit Sex mit Kindern/Jugendlichen als verständlich und tolerabel erschien, und deren Führungspersonal in Persona einer Frau Roth (heuer Bundestagsvizepräsidentin) unbedenklich hinter Schildern wie "Deutschland Scheisseland" oder "Deutschland verrecke!" hinterher läuft** - aber etwas gegen das laute Absingen der Deutschen Nationalhymne hat. Wegen der bösen Erinnerung an die Nazizeit. Oder an: "Brüh im Glanze..."

Dieser Mezut Özil ist der perfekte Vertreter für Glaubwürdigkeit in jeder Anti-Rassismus-Kampagne. Özil ist unabhängig - Jahresverdient 20,6 Millionen Euro. Er hat eine 35 Millionen teuren Villa, also genug Platz für Flüchtlinge und Diskreditierte. Und statt Bibliothek ein eigenes Playstation Zimmer sowie ein riesiges Hauskino. Na da würden sich Asylanten echt wohl fühlen, oder...?

Seinen Mercedes Geländewagen für 200 000 (Sonderanfertigung) und eine weitere Sonderanfertigung, einen S 63 AMG Coupé (ähnlicher Preis), wird er wohl bald wieder zurück geben, nachdem sich die Daimler-Bosse jetzt so scheisse und undankbar ihm gegenüber verhalten haben. Etwas betrübt dabei, daß letzterer doch das Lieblingsauto von seiner Minidogge "Rocky Balboa" (Nomen est omen) war..

Auch lässt der wahre Mann von Welt seine Mitteilungen natürlich auf Englisch verbreiten. Englisch - eine wunderbare Sprache, die insbesondere deutsche Fußballfans ja weitest gehend beherrschen: "Fuck you" - "Champions-League" - "Motherfucker" - "Go home!" - "Coach"...

Hand aufs Herz Leute, hier kann es doch nur eine Lösung geben:

Özil wird - sozusagen als Wiedergutmachung - Berater der Nationalmannschaft und des DFB in Rassismus-Fragen. "Der Islam gehört zu Deutschland" kommt dann aufs Trikot und neben der kleinen schwarz-rot-gold-Fahne platzieren wir einen Halbmond mit Stern. Fakultativer Zusatz: Erdo ich find Dich geil. Der Begriff der "Nationalmannschaft" wird endgültig gestrichen - umbenennung in DIE TRUPPE oder YOGIS TRUPPE.

Halt durch Mezut! Lass Dich nicht entmutigen! Du bist der Größte! Du bist für mich weiterhin ne geile Sau und der beste Fusssballa der Welt ;-) !

Dein Mega-Fan

Der Fortuna-Pitter

 

God save our gracious and glory Queen

 

Nachtrag

*das Wort "Neger" nehme ich natürlich mit Bedauern zurück, aber als alter langjähriger Sarotti-Schokoladen-Esser, Agatha Christie Leser und auch sonst...

Fällt mir schwerlich ein Ersatzbegriff ein, denn farbig sind die Leute ja nicht.

** Frau Roth hat später überzeugend erklärt, daß sie keine Ahnung hatte, was da vor ihr für Parolen auf den meterbreiten Transparenten standen und was die linken Chaoten und Jung-Faschisten da riefen.

 

 

Pause auf der Waldbühne einfach aufgehoben

"Aber Herr Kaufmann, denken Sie doch bitte auch an die Niederungen der Gastronomie!"

Als ehemaliger Kaufmann/ Gewerbetreibender verstehe ich nicht, dass der Künstler von sich aus die Pause absagen kann. Es gibt Verträge mit der Gastronomie, die vielleicht eine Versicherungsklausel bezüglich Absage durch Regen enthalten, aber sicher keinen Schadenersatz für Absage bei Verdacht auf Regen. Vielleicht geschah die Absage in Übereinstimmung mit dem Veranstalter, da ginge mein Vorwurf ins Leere (da hätte allerdings der Dirigent die Noten zur Hand gehabt). Das allein war gemeint – und ich weiß, wie schwierig es ist, auch in der Gastronomie zu überleben (auch dort war ich unternehmerisch aktiv). Ob Herr Kaufmann an diese Vertragssituation gedacht hat? Ihm hätte es vermutlich egal sein können, das Konzert war über die Hälfte gediehen, Eintrittsgelder daher nicht mehr zurückzuzahlen – was volle Gage für die Sänger bedeutet. Aber es gibt Firmen, die auf die Erfüllung von Verträgen angewiesen sind. Denen fühle ich mich auf Grund meiner Vergangenheit näher verbunden. Ich bitte um Verständnis !

Gelbe Karte von Anton Cupak 15.7.2018

 

 

Die Kunst des Scheiterns

Drei Tage vor Probenbeginn für sein Rollendebüt als Lohengrin in Bayreuth hat Tenor Roberto Alagna sein Engagement abgesagt. Die Opernwelt reagiert mit den üblichen Reflexen. In der Tagespresse ist von Mini-Skandal und Skandal die Rede. In den so genannten sozialen Medien hagelt es Hass, Unkenntnis und Liebeserklärungen der Anhänger des Sängers.

Aus Zeitmangel habe er den Text nur bis zum zweiten Akt einstudieren können. So, ist zu lesen, sagte Roberto Alagna unmittelbar vor Probenbeginn sein geplantes Rollendebüt des Lohengrin in Bayreuth ab. „Skandal!“ ist von den Schreihälsen zu hören, die ja schon die ganze Zeit auf die jahreszeitübliche Nachricht aus Bayreuth gewartet haben. Von einem Mini-Skandal reden die Gemäßigten. Was der eigentliche Skandal ist, wird dabei nicht so ganz klar.

Roberto Alagna gehört zu den derzeit gefragtesten Tenören der Welt. Als Heldentenor im französischen und italienischen Fach heimst er einen Erfolg nach dem anderen ein. Natürlich wäre Bayreuth ein Coup gelungen, wenn ein solcher Sänger erfolgreich als Lohengrin debütiert. Tenöre, die in der Lage sind, diese Rolle zu übernehmen, gibt es. Aber eine solche Besetzung wäre weitaus weniger spektakulär. Also haben sich die Verantwortlichen in Bayreuth für ein nur wenig kalkulierbares Risiko entschieden. Das ist so lange legitim, so lange das Scheitern des Unterfangens einkalkuliert wird.

Man darf wohl getrost unterstellen, dass Alagna sich den Entschluss nicht leichtgemacht haben wird. Dazu steht für ihn zu viel auf dem Spiel. Nicht nur finanziell – die Festivalleitung soll bereits angekündigt haben, die Möglichkeit einer Schadenersatzklage juristisch prüfen zu lassen, und der Ausfall der Gage wird auch ihn schmerzen – sondern vor allem künstlerisch sind die Folgen kaum absehbar. Andererseits ist oft genug betont worden, dass Kunst auch immer die Möglichkeit des Scheiterns beinhalten muss. Sonst sei sie keine Kunst mehr. Die Schwierigkeit für den Künstler ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem er sich das Scheitern eingestehen muss. Zu dem Zeitpunkt, als Wagner und Thielemann ihn umschmeichelten, den Vertrag doch zu unterschreiben, sicher nicht. Sich im dritten Akt des Lohengrin bei der Premiere zu blamieren, wäre ebenso unprofessionell gewesen wie ein Auftritt bei den Proben mit den Worten „Das wird nichts“. Bleibt also die Zeit vor den Proben.

Die Begründung, aus Zeitmangel den Text nicht gelernt haben zu können, klingt für Außenstehende irritierend. Nur geht es hier nicht darum, in der sechsten Klasse das Heideröslein auswendig aufsagen zu wollen. Wenn Medien das jetzt – mehr oder minder bewusst – so darstellen, beweist das vor allem eines: Die Unkenntnis der Schreiberlinge von der Arbeit des Sängers. Ich empfehle jedem, der glaubt, süffisant aus einem Sänger, der seinen Ruhm hart erarbeitet hat und gerade deshalb ehrlich eingesteht, wo seine Grenzen sind, einen dummen Schulbub machen zu wollen, ein solches Rollenstudium leibhaftig zu erleben, anstatt sich darauf zu beschränken, das Ergebnis vom Fauteuil des Zuschauerraums oder der Redaktionsstube aus zu beurteilen.

Roberto Alagna braucht sicher niemanden wie mich, um ihn in Schutz zu nehmen. Und ich habe auch ganz sicher keine Lust dazu. Auch wenn mir die Ehrlichkeit des Sängers Respekt abnötigt. Ein vorgeschobener kleiner Stimmbandknoten hätte es schließlich auch getan. Aber vielleicht braucht es einen Ordnungsruf, um diese unwürdige Eskalationsschreiberei wenn schon nicht zu verhindern, so denn doch einzudämmen.

Ach ja, wo ist denn nun dieser verdammte Skandal, den die Festspiele im bayerischen Oberfranken alljährlich so dringend zu brauchen scheinen, um auf sich aufmerksam zu machen? Nun, der liegt wohl darin, dass die Festival-Verantwortlichen trotz des hohen Risikos die Rolle einfach besetzt zu haben scheinen. So viel Mangel an Professionalität traut man kleinen Stadttheatern zu, die nicht das Budget für eine Doppelbesetzung haben, aber doch nicht einem Festival, das mit Millionen jongliert. Hätte es den Plan B der Verantwortlichen in Bayreuth gegeben, wäre die Nachricht einer Umbesetzung auf ihre eigentliche Bedeutung zusammengeschnurrt: Einen Vierzeiler unter Vermischtes.

Michael S. Zerban 7.7.2018

Besonderer Dank an O-TON

 

 

Elf Banker solltet Ihr sein !

Wo bleibt eigentlich das Mitgefühl mit diesen armen jungen Menschen ?

Toni Kroos € 20,7 Millionen im Jahr

Mesut Özil € 20,6 Millionen

Thomas Müller € 15 Millionen

Manuel Neuer € 15 Millionen

Jerome Boateng € 11 Millionen

Ilkay Gündogan € 11 Millionen

Mats Hummels € 10 Millionen

Leon Goretzkan € 10 Millionen

Marco Reus € 10 Millionen

Die schäbigen einstelligen Verdiener, führen wir - pfui verachtenswert - hier nicht auf. Bis auf einen wirklich in diesem Rahmen bemitleidenswerten Proletarier:

Jogi Löw - der kriegt nur bescheidene € 3,8 Millionen

Alles ohne Werbegelder - versteht sich, denn die kommen noch drauf !

Entschuldigt Leute, aber da muss man doch nun wirklich nicht auch noch die deutsche Nationalhymne mitsingen, oder? Die Buschen denken an was ganz anderes. Mesut Özil, Manuel Neuer, Mats Hummels und Benedikt Höwedes z.B. an Nutella oder Kroos an Lays.

Im übrigen heißt/hieß die Truppe doch "Die Mannschaft". Ich sah auf den Trikot kein Schwarz-Rot-Gold. Die Grünen fordern schon lange das ev. nationalsozialistisch anmutende Absingen der Deutschen Nationalhymne in der Öffentlichkeit zu verbieten. Da läuft dann Claudia Roth - immerhin nun Vizepräsidentin des DEUTSCHEN BUNDESTAGES (!) - durchaus zurecht hinter Bannern wie "Deutschland - Scheisseland" oder "Deutschland verrecke" bei Demos hinterher.

Machen wir doch demnächst die Bunte Fußball-WM. Jedes Land nominiert 20 Spieler, die dann zusammengewürfelt werden und die 32 Besten wählen unter Aufsicht der FIFA dann aus dem großen Haufen eben jenne 32 Mannschaften wie in der Schule, die dann im Turnier gegeneinander antreten. Gespielt wird immer die FIFA-Hymne oder der Godfather-Waltz (Nino Rota).                              P. Bilsing 29-6-18

 

 

HALLO ! Schläpfer kommt - Kennt Ihr den ?

Wer von Österreichs Journalisten hat sich schon ernsthaft mit Martin Schläpfer auseinandergesetzt? Schweigen im heimischen Blätterwald

Dafür wundert sich die Ballettexpertin der „Frankfurter Allgemeinen“ über dieses Engagement, das gleichzeitig viele Ballettfans in Düsseldorf und Umgebung  jubeln lässt. „Hurra, den sind wir los“!  Zu früh gefreut, liebe Düsseldorfer, Martin Schläpfer hat seinen Nachfolger bereits angelernt. Aber das wissen die Düsseldorfer ohnehin, das hat uns in Wien nicht zu interessieren.

Wiebke Hüster in der FAZ: Nach der wenig aufregenden Neuinterpretation von „Schwanensee“ steht nun die Frage im Raum, wie gut Schläpfer zu Wien und das Gott sei dank traditionsstarke Staatsballett und sein Publikum zu einem Direktor passen, dessen Auffassung von Klassikerversionen unbekannt ist, der sich tanzhistorisch nur in der Moderne auskennt und, was zeitgenössischen Tanz betrifft, nicht stilsicher ist. Nicht zuletzt liegen seine besten Premieren ein paar Jahre zurück…

Wiener Staatsballett: Martin Schläpfer übernimmt das Traditionsensemble
Eine Einschätzung von Wiebke Hüster/ Frankfurter Allgemeine:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/martin-schlaepfer-uebernimmt-das-wiener-staatsballett-15654477.html

Nein, das ist nicht die typische Wiener „Raunzerei“ – und zum Ballett gehe ich weder unter Manuel Legris noch unter Martin Schläpfer. So gesehen könnte es mir völlig gleichgültig sein, wen Bogdan Roscic aus dem Hut zaubert. Hier geht es aber um die Frage, ob Herr Roscic wirklich weiß, was er da macht, denn ein „ferngesteuerter“ Operndirektor kann auch mir nicht egal sein!

Für mich ist Martin Schläpfer kein Unbekannter, denn zwangsläufig muss ich mich jeden Tag auch durch den deutschen Blätterwald schlagen. Aus dem habe ich erfahren, dass Martin Schläpfer und das, was wir als Klassisches Ballett bezeichnen, auf Kriegsfuß stehen. Angeblich, weil er in Düsseldorf gar keine Compagnie für das Klassische Ballett zur Verfügung hatte – Insider freilich vermuten, dass er gar keine klassische Compagnie wollte.

Haben zumindest Orthopäden mit Martin Schläpfer eine Freude? Aus gesundheitlichen Gründen müssten sie eine haben, aus geschäftlichen Gründen eher nicht. Aber gar so viele Orthopäden gibt es gar nicht und wie viele von denen gehen zum Ballett?

Interessant zu wissen wäre, wie Herr Roscic auf Martin Schläpfer überhaupt gekommen ist. Orientiert er sich an an Preisen, die „Opernwelt & Co.“ vergeben? Hier auszuführen, wie solche „Schmieranski-Preise“ zustande kommen, verbietet mir die Sorge um meine Brieftasche und die noch nicht abgeschlossene Suche nach einem geeigneten Medienanwalt!

Jetzt warte ich ab, bis unsere heimischen Ballettschreiber aus ihrer Agonie erwachen.

Anton Cupak 24.6.2018

 

GIBT ES ÜBERHAUPT EIN MANDAT ?

Und die Pressestelle schweigt...

Es ist aber bedauerlich, dass die von ihr präsidierten Festspiele gegen einen gemeinnützigen Internetauftritt wie den „Online-Merker“ anwaltlich vorgehen, sich zumindest der (für uns kostenpflichtigen) Drohung eines Dritten anschließen.

Noch präziser geschrieben: Wir wurden von einer Wiener Anwaltskanzlei aufgefordert, uns u.a. bei den Salzburger Festspielen zu entschuldigen, was nahelegt, dass die Festspiele mit diesem Vorgehen einverstanden sind. Unsere mehrmalige Anfrage an das Salzburger Pressebüro, ob überhaupt ein Mandat vorliegt,  wurde bis heute nicht beantwortet.

Das ist für uns eine neue Situation, zumal wir seit vielen Jahren mit diversen Pressestellen gut zusammenarbeiten, kostenlos deren Aussendungen an die zahlreichen Leser weitergeben. Natürlich gab es da wie dort oft heftige Diskussionen, wir haben uns immer ausgesprochen und noch nie einen Richter gebraucht. Der „Online-Merker“ ist nicht die Firma „Lob & Hudel“, spricht Themen oft hart an (siehe heutiger Bericht über eine Aufführung der Wiener Festwochen). Gerade deswegen wächst unsere Leserschaft ständig, denn Medien, die wegen bezogener Pressekarten oder sonstiger Begünstigungen pflichtschuldigst jubeln, gibt es genug.

Für meine Person kann ich sagen, dass ich noch nie eine Begünstigung eines Theaters, über das wir möglichst objektiv (soweit das in diesem Genre überhaupt möglich ist) berichten, bezogen habe. Für mich wäre ein derartiges Nahverhältnis mit meiner übrigens zu 100 % ehrenamtlichen Tätigkeit unvereinbar. Für die Kollegen „an der Front“ ist das natürlich in vielen Fällen nicht machbar, Theaterkarten kosten Geld und über eine „durchwachsene“ Aufführung eine Kritik zu schreiben kostet oft Überwindung, zumindest aber viel Zeit. Es ist „ein saures Amt“ – glauben Sie mir!

Wie dem auch sei, wir werden auch weiterhin die Aufführungen der Salzburger Festspiele mit der gebotenen Objektivität begleiten. Den konkreten Anlassfall werden wir dabei im Auge behalten.                                  

Anton Cupak 2.6.2018

 

 

OPER IST UNCOOL - Netrebko hin, Netrebko her, aber EVENT ist geil !

Die Sopranistin Anna Netrebko wollte bei ihrem ersten Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker Neulingen die Klassik näher bringen:

Open-Air bedeutet ein großes Fest. Und es gibt ein anderes Publikum. Das ist gut, um mehr Leute zur Oper zu bringen.Schließlich könne sich ja sonst nicht jeder den Besuch der Wiener Staatsoper leisten.

So gut gemeint das Vorhaben von Anna Netrebko ist, so falsch ist es auch. Die Leute gehen nicht „zur Oper“, sie gehen zum Event, wollen etwas erleben, wollen aber auch jederzeit aufstehen und gehen können. Es ist keineswegs das Geld, das die Menschen vom Opernbesuch fern hält.

Ich erinnere mich meiner lächerlichen missionarischen Versuche vor vielen Jahren, Menschen, an denen mir gelegen ist, in die Oper zu bringen. Ich habe denen Opernkarten, die ich selbst gekauft habe, geschenkt (dabei habe verschwiegen, dass ich die Karten aus eigener Tasche bezahlt habe). Das Ergebnis war kläglich. Einer meiner Mitarbeiter ist nebst Familie in der Pause der „Zauberflöte gegangen, andere sind rechtzeitig krank geworden und haben die Karten verfallen lassen. Das Geld ist es also überhaupt nicht! Oper ist einfach „uncool“.              

Anton Cupak 1.6.2018

 

 

MUSS DAS SEIN ??? Splattermovie als Opern-UA

"Black Forest Chainsaw Opera"

"lustvoll arrangierte Alptraumbilder" - schreibt der Kritiker-Kollege der Badischen Zeitung. Pflichtberichterstattung? Ob man bei der im Iran üblichen Livesendung  von Enthauptungen oder Erhängen an deutschen Baukränen, meist weiblicher Delinquenten, ähnliche Worte verwenden würde, weiß ich nicht. Denn die Realität ist ja eine andere Seite der Medaille; weniger berichtenswert als so ein Dreck - ups sagte ich "Dreck"? Ich meine natürlich "abartige Kunst!" Sowas zeigt man halt gerne auf einer subventionierten Theaterbühne.

Bitte hören Sie sich an, was für einen Schwachsinn der Macher dazu sagt. Ausgerechnet ein Belgier (!) aus dem Land des Dutroux... Der Begriff "Oper" verweigert sich nicht nur mir in diesem Fall - als humanitärer Mensch mit ethischen Grundsätzen.

Sorry Folks - ich spreche jetzt bewußt die jungen Menschen an, die dort im Theater sitzen und auch noch lachen - aber hört der Spass auf!

Ich habe mich als Filmkritiker schon 1976 mit diesem und ähnlichem Unrat auf Zelluloid (bin dennoch weiterhin gegen das Verbrennen von Filmen, wohlgemerkt!) namens "Blutgericht in Texas" leider beschäftigen müssen, weiß also wovon ich rede.

Was den Intendanten des Freiburger Theater geritten hat solchen Schund der untersten Schublade, der damals komplett indiziert war (heute gilt es bei manchen als "Kult" und es gibt sogar ein Remake), als sinnvolle Programm/Repertoire-Ergänzung einzubringen, entzieht sich meiner Beurteilung.

Geht heute alles auf der Opernbühne?

Oder geht das nur wegen der vielen Steuerzahler-Millionen, die ja locker, frei und unkontrolliert verpulvert werden können. Ich bin da ratlos, vor allem angesichts der Tatsache, daß es aus dem Repertoire der 50 000 seit Monteverdi geschriebenen Opern es wahrscheinlich noch etliche richtig gute zu entdecken gilt.

Leider sind unsere Theaterintendanten überwiegend - das gilt nicht nur für Freibug - in dieser Richtung wenig kreativ... Man vertraut auf die üblichen 20 Opern, damit das Publikum zufrieden ist. Daß Intendant Peter Carp wahrscheinlich meint mit solchem Bockmist junge Menschen für die Oper gewinnen zu können, erschüttert.

*Ich halt die Idee aus so einen Thema eine Oper zu machen geradezu für krank und die Durchführung nachgerade für pervers, wenn nicht pathologisch.

Unsere absolute Negativbewertung DIE OPERNFREUND SCHNUPPE wäre zuviel der  Ehre gewesen, denn da geht es ja immer noch unstrittig um echte Kunst, was in diesem Fall ernsthaft zu bezweifeln ist. Den Opernfreunden Freiburgs sollte dieses Machwerk dennoch Schnuppe sein...

Peter Bilsing (Hrg.) 31.5.2018

 

P.S.

Dazu passend und als Nachtrag eine Karikatur unseres Haus-Karikaturisten (c) Peter Klier: mit dem passenden Titel FROHES NEUES JAHR

 

 

Die Rezeptions-Geschichte von LOHENGRIN muss eigentlich neu geschrieben werden

Im Brüsseler LOHENGRIN tritt vor jeder Vorstellung der Regisseur Olivier Py vor den Vorhang und gibt quasi eine Gebrauchsanweisung für seine Regie- Deutung. Man könnte auch sagen: Er belehrt das Publikum, dass Hitlers LOHENGRIN ein Werk über den Nationalsozialismus sei.

Oh Sorry… schriebe ich gerade „Hitler“? Freudsche Fehlleistung!

Gemeint ist natürlich "Richard Wagner" – der wahre Komponist des LOHENGRIN. Wer ihm dabei die Hand geführt hat… tja – wer weiß? Ich persönlich glaube ja, wie der Pabst oder noch heute in der katholischen Kirche praktizierende Taufelsaustreiber, an die reale Existenz des Leibhaftigen und seiner Konsorten allüberall, wenn ich so die News höre.

Aber jetzt noch einmal, damit es ganz klar ist:

Richard Wagners LOHENGRIN ist ein Werk über den Nationalsozialismus !

Deswegen (kleine Anmerkung des Opernfreund-Hrg.) wird auch immer der zweite Teil der Gralserzählung – der mit den wilden deutschen Horden die überall einfallen – weiterhin weg gekürzt. Finde ich persönlich gut, weil die Gralserzählung ohnehin zu lang ist.

Andererseits wäre der komplette ungekürzte LOHENGRIN ja wieder die ganz große Chance für ein Theater solche Produktion quasi „Europäische Uraufführung“ zu nennen, wie man es ja auch macht, wenn irgend so ein Sektierer von Musikwissenschaftler in alten Scheunen noch Noten einer populären Oper findet, die als verschollen galten – wenn man überhaupt davon was wusste…

Peter Bilsing 8. Mai 2018

 

 

YOU´LL NEVER EAT ALONE

Wie bitte, Startenor Kaufmann will in Ruhe essen?

Vorwort vom Herausgeber des OPERNFREUNDs: nachdem Jonas Kaufmann in einem mir nicht bekannten Restaurant nahe der Staatsoper einfach nur seinen Hunger nach der anstrengenden Singerei  - gerade Andrea Chenier ist ja nachweislich sehr anstrengend und kräfteraubend - stillen wollte, lehnte er doch tatsächlich (Ja... wie dreist und unverschämt ist das denn???!!!) im Restaurant den Wunsch eines Fans (oder war es eine Fanin?) ab, ein Autogramm zu geben. "Ich möchte doch nur friedlich essen, bitte haben Sie Verständnis". Ja gibbet denn sowatt? Ab sofort entlud sich - besonders im MERKER-online (Wien) - ein Shitstorm über den Startenor, der sich gewaschen hatte. Dazu schreibt mein guter Freund Anton Cupak (Herausgeber des Merker-online) heute im Tageskommentar:

Diese Frage war in den letzten Tagen Streitthema in unserem Forum. Meine Haltung dazu ist bekannt: die Privatsphäre darf in keinem Fall gestört werden. Künstler pflegen den Kontakt zum Publikum beim „Bühnentürl“, über diverse Opernclubs, durch Interviews etc. Ich weiß aber von total überzogenen Fällen auch aus unserem Merker-Bereich, wo Sänger (meist natürlich Tenöre) unvorsichtigerweise ihre Telefonnummer (im weniger gefährlichen Fall die Mailadresse) bekanntgegeben haben. Über zu nächtlicher Stunde erfolgte Anrufe haben sie sich dann gewundert. In einem Extremfall ging das bis zu einem handfesten Ehezwist. Das muss nicht sein – und diese Auswüchse sind gemeint. Ein Restaurant, in dem der Sänger nicht „flüchten“ kann, ist meiner Ansicht nach aber auch tabu.

Man soll aber auch die Popularität von Opernstars nicht überschätzen. Ich biete eine Wette an, die ich wohl nie einlösen werde müssen: Wenn ich mit Herrn Kaufmann die Meidlinger Hauptstraße von der Philadelphia- bis zur Lobkowitzbrücke (1200 Meter) oder meinetwegen sogar durch die Favoritenstraße oder die (bereits ziemlich abgesandelte) Mariahilferstraße gehe, wird Herr Kaufmann selbst ohne Sonnenbrille kein einziges Mal angesprochen.

Bei Michael Jackson hätte ich diese Wette nie angeboten, selbst Fußballer David Alaba wäre nicht ungefährdet. Sovel zum Bekanntheitsgrad unserer Opernstars. Wien ist nicht nur die Kärtnerstraße!

Ein Leser bietet eine Art Gegenwette an: "Wenn ein Sänger sich derart kommerzialisieren lässt, wie Herr Kaufmann das tut, dann muss er auch damit leben können, dass er „in der Öffentlichkeit“ angesprochen wird, erst recht wenn diese „Öffentlichkeit“ ein von Opernbesuchern und -sängern gleichermaßen frequentiertes Lokal nahe der Oper nach einer Vorstellung ist. Ich würde eine Gegenwette eingehen, dass 95 % der Künstler (aus dem Opernbereich) sich in einem solchen Fall über das Lob freuen würden und die paar Sekunden gerne opfern, die es sie kostet, einem Bewunderer ein Autogramm zu geben, gerade auch, weil man in diesem Genre nicht an jeder Straßenecke erkannt und angesprochen wird. Zur Information: Ich habe meine Infos zu dem Vorfall aus erster Hand und bin überzeugt davon, dass der betreffende Ex-Fan sich Hr. Kaufmann gegenüber nicht ungebührlich verhalten oder ihn in einer unpassenden Situation angesprochen hat, sodass dessen mir geschilderte Reaktion absolut unakzeptabel ist. Aber vermutlich hat ihm ja seine Marketingoffensive schon genug eingebracht, sodass er es nicht mehr nötig hat, seinen Bewunderern mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen."

An den Herrn Kaufmann hätte ich da aber einen Vorschlag: Wenn er nicht vor (!) dem Essen gestört werden will (während des Essens war es ja nicht), dann soll er eben nicht in ein Lokal gehen, in dem es von Opernfreunden (und auch Bewunderern) nur so wimmelt. Nicht jedes Restaurant, in dem wenige Operngäste verkehren, ist deswegen ein schlechtes Restaurant. Besagtes Restaurant kenne ich nicht, aber vielleicht gibt es dort sogar ein Extrazimmer. Wer sich in die Auslage setzt, wird gesehen, das haben Auslagen so an sich!

Für mich selbst ist aber klar: Ich würde Herrn Kaufmann keineswegs in einem Restaurant anquatschen, nicht einmal beim Bühnentürl. Dennoch: Gelbe Karte!

Anton Cupak 2.5.2018

 

Post Scriptum

Da bin ich natürlich überhaupt nicht der Meinung von Anton Cupak. Ein Superstar-Tenor hat die verdammte Pflicht und Verantwortung gegenüber seinen Fans bei Autogramm- oder Selfiewünschen auch während des Essens (!) oder des Toilettenganges (!) diesen sofort zu unterbrechen um den edlen Wünschen der Fangemeinde zu entsprechen - letztlich lebt er ja von ihnen, oder nicht?

Beim großen Lucianao war das übrigens kein Problem, soviel ich weiß, denn wenn er nicht sang, aß er meistens und teilte auch den letzten seiner vielen Spaghetti mit seinen Fan-Freunden vom teuren Rotwein gar nicht erst zu reden...                                                    

Peter Bilsing (Hrg.)

 

Statement Daniel Barenboim zum ECHO 2018

Ich habe die Diskussion um die ECHO-Auszeichnung für ein Rap-Album, dessen Texte eindeutig als antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und allgemein menschenverachtend zu charakterisieren sind, mit großer Bestürzung verfolgt. Als Jude, der seit vielen Jahren gerne in Deutschland lebt und Freiheit in der Kunst als ein hohes Gut ansieht, hat mich die Debatte besonders beschäftigt und ich habe auch abgewartet, ob seitens der Verantwortlichen eine adäquate Reaktion hierauf erfolgen wird. Meinungsfreiheit und Freiheit in der Kunst gehören zu den wichtigsten Errungenschaften und Werten einer demokratischen und offenen Gesellschaft. Mit jeder Freiheit kommt aber auch eine Verantwortung: unsere Verantwortung, die errungenen Freiheiten so zu nutzen, dass auch die Freiheit eines jeden anderen Menschen und Andersdenkenden bestehen kann – ebenso wie die Verantwortung, andere Menschen in ihrer Würde zu achten und zu respektieren. Diese Überzeugung ist seit vielen Jahren Kern meines Denkens als Mensch und meiner Arbeit als Künstler. Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und die offene Verachtung von vermeintlich Schwächeren und Minderheiten sind ein Missbrauch von Freiheit, den wir als Gesellschaft niemals tolerieren dürfen. Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen auszeichnen und dadurch legitimieren. Im Gegenteil, wir müssen heute mehr denn je für Menschlichkeit, gegenseitige Achtung und Empathie kämpfen. In diesem Geist habe ich mich, gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und dem West-Eastern Divan Orchestra, entschieden, unsere Auszeichnungen geschlossen zurück zu geben. Kommerzielle Interessen dürfen nicht überwiegen, wenn es um so essenzielle Fragen des Anstands und unserer Menschlichkeit geht.

Daniel Barenboim 22.54.2018

 

P.S. Jugendgefährdende Verbrecher-Volklore

Wir erlauben uns in diesem Zusammenhang auf einen hervorragenden Artikel in der WZ zu verweisen, der in klarer Sprache (!) und mit den richtigen Worten das Thema analysiert und bewertet. Bravo!

 

Teuerstes Ostereiersammeln der Welt beendet

SALZBURGER Osterfestspiele sind zuende gegangen

Die Osterfestspielein Salzburg 2018 sind gestern mit einer Umbesetzung einer Hauptrolle in „Tosca“ zu Ende gegangen. Die Veranstalter wollen das Image „Teuerste Festspiele der Welt“ nicht etwa widerlegen, nein, sie wollen es sogar pflegen Auszug aus orf.at: Am Image der Osterfestspiele als elitäres und teuerstes Musikfestival der Welt soll auch künftig nicht gekratzt werden. Opernkarten kosten hier bis zu 490 Euro. „Ich würde gerne für jugendliche Besucher die Kartenpreise reduzieren, wenn das irgendwie möglich ist. Aber wir haben die Aufgabe, uns zu 90 Prozent selbst zu finanzieren – durch Kartenerlöse und Zuwendungen von Förderern…

…Aber das Schöne ist, dass Jahr für Jahr 1.800 Förderer aus aller Welt zu uns kommen. Es bildet sich so eine Art Communitiy – man trifft sich einmal pro Jahr hier in Salzburg zu einem wunderbaren Kulturgenuss in dieser wunderbaren Landschaft. Und an diesem Leitbild werden wir festhalten“, betont Peter Ruzicka…
Mit der zweiten Vorstellung von Puccinis Oper „Tosca“ sind Montagabend die diesjährigen Osterfestspiele zu Ende gegangen. Es wurden 19.000 Karten verkauft. Die Sitzplatz-Auslastung im Großen Festspielhaus betrug 93 Prozent
http://salzburg.orf.at/news/stories/2904618/

Das heisst, die Förderer wollen unter sich bleiben, das gemeine Volk, das eventuell nach billigen Karten schielt, gar nicht an sich heranlassen. Tun Sie doch in den Folgejahren den Förderern und auch den Veranstaltern diesen Gefallen und behelligen Sie die Eliten nicht mit Ihrer Anwesenheit!

Ach ja, verbilligte Karten für die Jugend! Das macht sich immer gut – genauso wie „Verbilligte Startwohnungen für Junge“. Die Realität sieht dann anders aus. Dieser Tage sind in meiner unmittelbaren Umgebung zwei Endfünziger in so eine Wohnung gezogen, weil sich Junge die Wohnung nicht leisten können. Jetzt erhebt sich die Frage: „Wer ist jung“ ?

Aber in Salzburg will man über Jugendkarten erst nach 2020 überhaupt diskutieren. Ich fürchte, dass ein derartiges Vorhaben ohnehin zum Scheitern verurteilt ist, weil sich sofort Geschäftemacher der Sache annehmen werden, die verbilligte Jugendkarten verteuert an zahlungskräftige Oldies verkaufen. So geschehen in Wien, wo die Organisation, die solches laut Rechnungshof tat, weiterhin mit Jugendkarten beliefert wird!

Anton Cupak 3.4.2018

 

 

TOSCA und der Sprung in den Tiber

oder

SCARPIA ist unverletztlich

Thema mit Variationen

Unseren Freunden vom Merker-online (Wien) schrieb ein Fachmann zur neuesten Salzburger Produktion "kennt sich Michael Sturminger in Rom überhaupt aus? Der idiotische Einfall, dass Scarpia auf der Engelsburg auftaucht, schwer verletzt, ist mehr als ärgerlich. Vom Palazzo Farnese braucht ein gesunder Mensch nahezu 15 Minuten zu Fuß, wenn man die Treppen berücksichtigt. Scarpia, schwer verletzt, aber noch Revolver tragend, schafft das bei Sturminger. Was für ein Schmarrn!"

Dazu sei noch zu ergänzen, wenn wir schon realhistorisch denken:

Tosca war abends im Palazzo Farnese. Wenn Scarpia nach dem Messerangriff tatsächlich die Engelsburg erreicht haben sollte (???) muss er sich ja dann noch Stunden, schwer verletzt, dort versteckt gehalten haben (Sic!) oder sich erst im Morgengrauen auf den Weg gemacht, nachdem er Stunden - unentdeckt - im Palazzo Farnese in seinem Blut gelegen hatte. Einfach unsterblich dieser Scarpia.

Ich möchte noch ergänzen, daß auch der reale Sprung von der Engelsburg höchstens Superman gelungen wäre, weshalb denn es sind mindesten 30 Meter, wie man oben sieht, zu überbrücken. Daher wollten Puccinis Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica (sie kannten sich wohl auch in Rom aus) die Oper eigentlich so enden lassen, daß sie nicht stirbt, sondern wahnsinnig wird. Das allerfdings hätte uns wirklich die folgenden tollen Aktschschlüsse diverser Opernhäuser verschlossen.

In Wuppertal sah ich vor Jahrzehnten mal eine Produktion, die auch anders geendet hätte als wie im Libretto vorgesehen, wäre man bühnenrealistisch vorgegangen, denn das Erschießungkommando stand quasi im Kreis (!) um Mario herum. ;-) !. Nein, das war nicht vom großen Otti. Der kommt jetzt:

Tosca auf dem Trampolin (kommt nach 35 Minuten - aber schauen Sie sich bitte unbedingt auch die anderen köstlichen Opernparodien an!)

 

P.S.

Als Schmankerl jetzt noch ein paar (mit Sicherheit) ernst gemeinte Finali

1.) Angela Georghiu - no comment dazu, sonst werde ich verklagt ;-)

2.) Raina Kabaiwanska

Super-realistisches Doku-Ende mit Blick auf Rom und Domingo

3.) Und in der Arena di Verona 2017 die genial Lösung: einfach Licht aus!

(Leider so dunkel, daß ich die Sängerin nicht erkennen konnte ;-)

4.) Auch die tierischen Versionen der Wolf Trap Opera's production gefallen mir

5.) Daß die große Dame Kiri de Kanawa (Paris 1982) nur langsam im Fahrstuhl runterfährt, verstehe ich bei dem Tempo des Orchester

(schnell vorspulen auf Minute "7", denn die Technik ist grauenhaft)

6.) Hier besteht die ganze Bühne nur aus einer einzigen riesigen einnehmenden Rampe, wobei der Zuschauer natürlich den ganzen Akt sich spannungsvoll fragt: Was macht diese Rampe da und wer wird am Ende da wohl runterspringen?

Aber immerhin springt und singt Viktoriia Chenska toll.

7.) Die Version mit der pistolehaltenden Catherine Malfitano (Amsterdam 1998) ist sagenhaft und olympiareif - bitte achten Sie auf den phänomenalen (superb gehechteten !)  Sprung. Als alter Diplomsportlehrer und ehemaliger Bewertungs-Richter beim Wasserspringen gebe ich die absolute Bestnote dafür: 10 Points! WAHNSIN !!

8.) Tosca hat das Essen anbrennen lassen! Moderne Inszenierung. Bitte  vorspulen auf Minute 12 ;-) . Also stirbt sie in der Küche. Und wie gemütlich Scarpias (?) Schergen dann da reinlatschen.

9.) Hier stirbt Mario (= Puccini ?) direkt im Komponierzimmer - tolle humorvolle Version für Minibühnen, die gar kein Orchester haben. Es geht alles!

10.) Sieger im Concours der am längsten gehaltenen Finaltöne - da es ziemlich dunkel ist, erschießt sie vermutlich der Dirigent.

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und zum Schluß  die wirklich allerschönste und herzergreifend absolut jugendfreie Variante ab 5 Jahre  - My favourite !

 

Ihr Peter Bilsing (Hrg.)

God save the queen ;-) !

 

 

Endlich Ruhe in der Kölner Oper

Mit Stand vom 28. Februar 2018 hat sich der Geschäftsführende Direktor der Bühnen Köln, Herr Patrick Wasserbauer, im Auftrag seiner Dienstvorgesetzten der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Frau Henriette Reker, für den unten geschilderten Vorgang (Plötzliche Aussperrung von Pressekarten wg. unliebsamer Berichterstattung) schriftlich entschuldigt.

Unsere Freunde und Kooperationspartner vom internationalen Kultur- und Opernmagazin O-Ton gehen (wie auch DER OPERNFREUND) nun davon aus, dass es damit keine weitere Behinderung journalistischer Arbeit durch die Oper Köln gibt.

Der Herausgeber vom OPERNFREUND freut sich besonders, daß sich anscheinend Vernunft und Normalität, sowie das Einsehen und Verstehen der Bedeutung und Wichtigkeit der großen Online-Magazine in der Berichterstattung über das Kulturleben in Deutschland, besonders auch der Kölner Oper, durchgesetzt haben.

Peter Bilsing (Hrg.)

 

PRESSEKARTEN

Aus gegebenem Anlass

In einem Land, wo 85 Prozent der meist hohen zweistelligen Millionenkosten eines Opernhauses von den Steuerzahlern getragen werden, von denen ohnehin nur ein Bruchteil dies überhaupt nutzt (!), haben alle Bürger der BRD auch das Anrecht auf freie unzensierte Berichterstattung. Das ist auch im Deutschen Presserecht relativ unmissverständlich geregelt und ist eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit. Daher sind Pressekarten kein wohlwollend, gnädiges Zugeständnis an die Kritiker, sondern gesellschaftlich selbstverständliche Notwendigkeit.

Nicht mehr an der Kölner Oper !

Das sehen Marketingleiter Gunnar Reichard im Auftrag seiner Intendantin Birgit Meyer anscheinend nicht mehr so, denn man gewährt unseren Freunden von O-TON (früher OPERNNETZ) nach 18 Jahren plötzlich keine Pressekarten mehr und teilt der Redaktion mit, daß die Kölner Oper an der Berichterstattung einer Opernplattform, wie O-TON nicht interessiert sei. Räume aber generös das Recht ein (Sic!) sich Karten weiterhin kaufen zu dürfen und erlaube über die Produktionen dann auch zu berichten.

Oh welche Gnade....

Erweckt den Eindruck man erwarte Hofberichterstattung

Ja, verehrte Leserschaft, da fällt Ihnen die Brille von der Nase, oder?

Nein, verehrte Freunde, DER OPERNFREUND ist davon noch nicht betroffen, was aber nichts heißt. Bei kritischer Berichterstattung könnte uns, sowie den Freunden unseres Kooperationspartner MERKER-ONLINE (Wien) sicherlich demnächst Ähnliches passieren.

Nein, hochverehrte Leserschaft, wir befinden uns nicht wieder in den Zeiten des Feudalismus und "Ja" verehrte Opernfreund-Fangemeinde, wir haben tatsächlich das Jahr 2018!

Doch zurück zu dem Hauptthema meines Kommentars nämlich den "Pressekarten"

Wirklich alles so wunder, wunderbar ?

Der Wert solcher Pressekarten - meistens ist es ja nur eine, denn die Begleitkarte muß mittlerweile fast überall bezahlt werden - steht allerdings in keinerlei Verhältnis zum Arbeitsaufwand. Hand aufs Herz: Würden Sie, sich für sechs Stunden (in etwas der Zeitaufwand für eine ordentlich ausgearbeitete Kritik) mit einem Honorar zwischen 18 und 50 Euro begnügen? Also meine Putzfrau bekommt erheblich mehr...

Daher breche ich hic et nunc mal eine Lanze für die Zeitungskollegen und bitte Sie, verehrte Opernfreunde um Verständnis, wenn Sie ihren Lokalkritiker mal mit finsterem Gesicht in der Oper sitzen sehen, denn der arme Kerl muß zum Beispiel (auch meistens wg. der marginal erstatteten Fahrtkosten) wenn Sie in ihr warmes Auto steigen, sich mit der Straßenbahn heimwärts quälen, denn die haben oft gar kein Auto! Können "Die Götterdämmerung" oft gar nicht zu Ende schauen, da sie den letzten Zug nach Köln ggf. sonst verpassen würden.

Die Tatsache, daß die Tageszeitungen ihre einst fest engagierten Kulturkritiker überwiegend ausgesourced haben, ist dem Zeitgeist zu verdanken, denn die Mehrheit der Leser ist halt mehr an Berichten über das Dschungelcamp, DSDS, Kreisliga-Fußball, Titten- oder Promigewäsch interessiert. Nein, verehrte Leser, ich spreche hier nicht über die Bildzeitung oder ähnliches Gewirk, sondern über meine Hauspostillen - die früher als seriös von mir konsumierten Blätter wie z.B. Rheinische Post, WZ oder Zeitungen der WAZ-Gruppe.

Dank an die Zeitungsherausgeber

Das wiederum hat nun GsD ;-) dazu geführt, daß wir Online Magazine boomen. Grob geschätzt die Hälfte aller Opernfreunde (siehe auch unser WDR Interview mit dem OPERNFREUND) informieren sich heute online. Einige wenige Häuser haben das leider immer noch nicht verstanden. Die Kölner Oper möchte die Zeit zurückdrehen...

Das hat vor gut 20 Jahren auch dazu geführt, daß wir unseren traditionellen OPERNFREUND nach 30 Jahren (!) von Heft- auf Onlineformat umgestellt haben, worauf die Leserschaft von damals (1000er Auflage) sich zu unserer totalen Überraschung binnen kurzer Zeit mehr als verdreissigfacht hat, was sich heute in den Millionenanklicks der Mehrfachtäter niederschlägt.

Besonderen Dank an unseren Hauskarrikaturisten (c) Peter Klier / 25.2.2018

herzlichst Ihr Peter Bilsing (Hrg.)

Bitte lesen Sie auch dies

 

 

 

 

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SPRACHREGELUNG ODER SPRACHDIDKTATUR

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, lautet ein Grundsatz der „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, und man wünschte sich, das wäre nicht nur ein idealistisches Postulat, sondern die Realität. Wie man hingegen weiß, ist die Freiheit vieler absolut nicht gewährleistet, es gibt reale Sklaverei heutzutage, es gibt die Sklaverei, in totalitären Staaten leben zu müssen, es gibt die Sklaverei, die durch ökonomische Verhältnisse hervorgerufen wird. Und ob allen Menschen ihre Würde und ihre Rechte gegeben werden, kann angezweifelt werden.

Nun hat eine größere Anzahl brutaler Kriege die Soziologie der Welt schweren tektonischen Veränderungen unterworfen, die Welt ist durch Flüchtlingsströme auf einmal durcheinander gemixt, wir leben in einer neuen Völkerwanderung, die für niemanden gut ist – nicht für jene, die wandern müssen, nicht für jene, die ungefragt überlaufen werden. Dabei wird niemand einem Menschen sein Menschen- und Lebensrecht absprechen, vor Bedrohung an Leib und Leben, aber auch vor der absoluten Chancenlosigkeit einer Existenz davonzulaufen.

Die neue Problematik bringt allerdings viele Schwierigkeiten mit sich, allein in der Sprachregelung. Verlangt wird, dass die „anderen“, die da kommen, nicht mehr als solche definiert werden…

...Ist uns eigentlich klar, was wir da tun? Sagen wir damit nicht: „Schwarz darf nicht sein“? Was bedeutet das? Wäre die logische Konsequenz nicht: Schwarz darf nicht sein, weil es schlecht ist? Merken die Menschen, die dergleichen fordern, nicht, in welch gedankliches und ideologisches Chaos sie da hineingeraten? Wir dürfen nicht mehr unterscheiden, weil automatisch impliziert wird, dass Unterscheidung Diskriminierung bedeutet. Wohin sind wir geraten, wohin führen die Unterstellungen?

Um zum Ausgangspunkt, dem Telefonat des Werk X-Pressechefs, zurück zu kehren: Es steht jedermann absolut frei, jeden Migranten, der nach Österreich kommt, sofort als Landsmann zu begrüßen und zu betrachten. Wenn ich das nicht tue, wünsche ich allerdings, nicht dafür gemaßregelt zu werden. Die Freiheit der Meinung, die ich jedermann zugestehe, verlange ich auch für mich persönlich.

Renate Wagner 21.1.2018

 

Nur nicht aus Ärger weinen…

Auch wenn man gewohnt ist, im allgemeinen ziemlich unverblümt seine Meinung zu sagen (ist der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert), gibt es Fälle von Selbstzensur, wo man sich zurückhält. Weil man sich nicht wohl dabei fühlt, große Künstler, die man selbst als solche anerkennt und bewundert, unverblümt zu kritisieren. Andererseits, wenn es die Sache will…

Immerhin war es eine Erleichterung, sich nicht ganz allein mit seiner Meinung fühlen. „Nun sagt mal, hat Euch das Konzert wirklich gefallen? Ich kanns nicht glauben“, fragt Lohengrin im „Merker“-Forum und spricht mir aus der Seele.

Die Rede ist natürlich vom Silvesterkonzert aus Dresden, das am 31. am Spätnachmittag im ZDF meine erste Wahl war (so dass ich zu den Berlinern auf arte erst verspätet einsteigen konnte – auch nicht die wahre Rücksichtnahme der Programmierer überall). Erstens halte ich viel von guter Filmmusik, und zweitens erschien mir die Idee, einmal mit „100 Jahre UFA“ ein paar Schätze zu heben, einfallsreich. Und dazu „unsere“ Elisabeth Kulman, dazu Angela Denoke und Daniel Behle, ganz zu schweigen von Christian Thielemann am Pult „seiner“ Staatskapelle Dresden… da gab es nur Erwartungen und keine Befürchtungen.

Das machte die Sache ja noch schlimmer. Als Elisabeth Kulman auftrat – herrlich, der freche Lockenkopf, die opulente weiße Federboa-Robe, die reine Diven-Verarschung, wirklich schön. Doch hat sie die Zarah-Leander-Schlager gesungen? Sie hat sie gesäuselt und gehaucht, und das mit einer exzessiven Affektation, die dann nichts mehr mit Ironie zu tun hatte, sondern mit einem destruktiven „Stil“, der das Original unterwandern sollte. Mit dem Effekt, dass von den Qualitäten dieser Musik nichts mehr übrig blieb,

Ist schon klar, dass man die Leander nicht imitieren muss (obwohl das manche können und mit großen Effekt getan haben, wie auch die Piaf-Interpretinnen oder Sona MacDonald als Lotte Lenya, besser als das Original). Aber Schlager, die auf die offensive, sinnliche Art der Leander hin geschrieben wurden, dann einfach zu ruinieren, indem man sie absichtsvoll miß-interpretiert – was soll das? Muss alles Neue auch das Richtige sein, nur damit man das Alte vermeidet?

Angela Denoke – muss man erwähnen, wie sehr man sie vor allem als Gestalterin schätzt? – war da nicht besser. Ich denke, sie wollte halt überlegen und leicht zynisch aus der Wäsche gucken, tatsächlich wirkte sie so verkrampft wie erstarrt. Daniel Behle hatte sich noch am wenigsten in ein Konzept gezwängt, aber auch er – und natürlich Thielemann – waren keine Freude. Gott, was gab es da an Musik, an sich vergnüglich, schmissig, witzig, schwungvoll. An sich. Nicht hier. Na ja, nur nicht aus Ärger weinen, es gibt im Leben nicht nur den einen Versuch…

Persönlich muss man glatt zu seinen DVDs der alten Filme zurück, um zu wissen, wie das klingen kann – wobei, bitte wohlgemerkt, ich die Dietrich für keine Meistersängerin halte und man „Ich bin von Kopf bis Fuß“ besser singen kann als sie. Das wäre doch eine Möglichkeit gewesen. Hat nicht stattgefunden.

Nun haben Christian Thielemann und Elisabeth Kulman bei uns Merker-intern und natürlich auch bei den Lesern eine große Lobby, und weil Kritik nicht sein darf, wird man mich der Vorurteile zeihen, abgesehen davon, dass ich von all dem ohnedies nichts verstehe… sonst müsste man ja nachdenken, ob der Abend wirklich so gut war, wie manche glauben machen. (Und ob Muti, der steif wie Stock vor den Philharmonikern stand, wirklich so großartig war, wie viele ihn erlebten…)

Ich möchte dazu noch betonen, wie sehr ich Frau Kulman auch für ihr Leben und ihre Entscheidungen bewundere. Man kann ja durch ihre Newsletter (es ist sehr vernünftig, den Finger am Puls der Zeit zu haben) nicht nur verfolgen, was sie tut, sondern auch, was sie denkt. Sie hat sich aus dem Opernzirkus ausgeklinkt und läuft mehr und mehr auf der Schiene der „Entertainer“ (was große Kollegen überall, Michael Heltau zum Beispiel, ja auch erfolgreich tun, um von niemandem abhängig zu sein als von sich selbst). Wenn ihre Entscheidungen – etwa Zarah Leander alternativ zu säuseln – nicht jeden überzeugen, ist das wohl ein kalkuliertes Risiko, und ihre Fans werden sie dabei ohnedies unerschütterlich begleiten.

Dass Elisabeth Kulman bald aufhören will, ist auch bemerkenswert: „Man wird mich nicht mit nassen Fetzen von der Bühne runterprügeln müssen“, sagt sie. Und sie kann sich vornehmen, mit ihren nun knapp 45 Lebensjahren nur noch ein paar Jahre aktiv als Sängerin weitermachen. Und dann wird ihr mit ihren vielen Interessen und sozialen Ambitionen sicher nicht langweilig werden.

Kurz, es gibt ein Leben außerhalb des Karrierezirkus. Das sollten wir, die den Stars so gespannt bei ihren Anstrengungen zusehen, von Rolle zu Rolle und von Bühne zu Bühne zu rasen, auch bedenken…

Renate Wagner 4.1.2018

Übernahme  MERKER-online Tageskommentar

 

 

Frauen, wehrt Euch

Cristiano Chiarot, der Intendant des Florentiner Theaters, hat meine Phantasie vor ungeheure Herausforderungen gestellt. Seine dezidierte Anweisung an den (anfangs selbst erschrockenen) Regisseur nach einer „feministischen“ Umdeutung des „Carmen“-Finales eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für die Opernliteratur. Wenn Carmen nun Don José erschießen darf, weil sich die Frauen solche Behandlung einfach nicht mehr gefallen lassen können, dann gilt das ja auch für andere Ladies der Opernliteratur?

Also: Gilda erdolcht den Herzog und Desdemona erwürgt Othello – das ist leicht. Aida könnte mit Radames (wir sind ja nicht grundsätzlich männerfeindlich) aus ihrer Totenkammer schleichen und Amneris dort einsperren (es gibt ja auch böse Frauen, die bestraft gehören). Azucena freilich wird sich schon schwerer dabei tun, den Grafen Luna ins Feuer zu schleudern… Und wem kann Violetta ihren Schwindsucht-Tod anlasten? Natürlich dem fortgesetzten Missbrauch durch die gesamte Männerwelt. Nur – wie macht man das jetzt?

Ähnliche Probleme hat Mimi (soll Rudolf sich an ihrer Stelle zu Tode husten?), und was Tosca betrifft, die hat den Scarpia ja schon umgebracht, da ist gendertechnisch nicht mehr viel zu holen. Aber Butterfly! Die kann den Dolch, statt ihn gegen sich selbst zu richten, nehmen und Pinkterton dafür zerstückeln, geschieht ihm Recht, dem Ungetreuen!

Bei Wagner wird es entschieden schwieriger. Senta, Elsa, Elisabeth – was fängt man mit ihnen an? Wie rächt man sich an ohnedies schon gänzlich gebrochenen Männern? Und Isolde und Brünnhilde begraben ja ihre Ehegesponse, Kundry wird der Erlösung teilhaftig… nein, das ist nicht so einfach vom feministischen Standpunkt. Aber Evchen! Die kann nicht nur Sachs in den Orkus schicken (ein Mann, der „Was deutsch und echt“ singt, pfui, weg mit ihm!), sondern auch den schönen Stolzing, wer braucht den schon, und sich mit Beckmesser am Arm dem Volk zeigen: Es leben die Außenseiter!

Und bei Mozart? Da fährt der Weiber-Benützer und Weiber-Vernichter Don Giovanni ohnedies in die Hölle – aber hoppla, wie wäre es denn, ihn am Leben zu lassen? Dann kann er nämlich zum Schluß-Sextett hereinschleichen und Zerlina (oder Anna oder Elvira oder alle drei?) in den Hintern kneifen. Die kreischen dann auf, möglichst mit ein paar Koloraturen, und jodeln „#metoo“! Dann wäre die Sache doch noch feministisch auf den Punkt gebracht…

Ich bezweifle gar nicht, dass wir der einen oder anderen Möglichkeit irgendwann auf einer Bühne begegnen werden. Und dass sich Journalistenkollegen finden, die dergleichen schönschreiben. Ist ja auch nicht schwer. Könnte ich auch. Jederzeit. Ich will nur nicht.

Ja, Frauen wehrt Euch! Vor allem gegen den Unsinn, der da in Eurem Namen unternommen wird.

Renate Wagner 3.1.2018

 

 

Preisermäßigung - Klug gedacht, leider aber oft unzureichend gemacht

Irgendwann entdeckten kulturelle Institutionen, dass ihnen der Nachwuchs wegblieb. Also stellten sie flugs Theaterpädagogen ein, die seither Kinder mit verschiedensten Mitteln für Theater, Oper und Tanz zu begeistern versuchen. Solche Arbeit wird gern subventioniert, deshalb erfreut sie sich größter Beliebtheit. Warum sie möglicherweise trotzdem zum Scheitern verurteilt ist, offenbart sich erst bei genauerem Hinschauen.

Betrachten wir einmal kurz und stark vereinfacht den Ablauf des menschlichen Lebens in Deutschland. Nach der Schulzeit erfolgt Ausbildung oder Studium. Mitte 20 beginnt die Karriere und Familiengründung. Mitte 40 etwa fängt der Mensch an, nach sinnstiftender Beschäftigung neben der Arbeit zu suchen, der er sich nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess zumeist intensiver widmet. In vergangenen Jahrzehnten verloren immer mehr Menschen das Interesse an Theater, Tanz und Oper. Und gaben damit auch ihren Kindern keine diesbezügliche Orientierung mehr. Die Folgen sind unübersehbar, der Prozess ist längst nicht aufgehalten. Aber nahezu alle kulturellen Institutionen arbeiten daran. Ganze Abteilungen für Theater- oder Museumspädagogik wurden aufgebaut, längst gibt es eigene Studiengänge. Die Grundidee: Kinder, die in der Schule bereits mit der Kultur in Kontakt kommen, kommen in einem späteren Lebensabschnitt darauf wieder zurück, selbst wenn sie sich zwischenzeitlich ausschließlich mit Familie und Karriere beschäftigt haben. Wer übrigens nach dem Theaterpädagogen in seinem Opernhaus sucht, wird nur selten fündig. Es klingt wohl wichtiger und „moderner“, solche Abteilungen nun education zu nennen. Besser oder verständlicher wird dadurch nichts, aber vielleicht glauben die Verantwortlichen, es klinge weltläufiger. Im Grunde müsste man jeden dieser Verantwortlichen auf der Stelle entlassen, weil so viel Borniertheit und Wirklichkeitsfremdheit nicht zu einer solchen Stellung passen. Zugegeben: Der Begriff Theaterpädagogik entbehrt gleichfalls jeglicher Attraktivität, aber wenn einem nicht mehr als eine fragwürdige englische Übersetzung einfällt, ist man vielleicht nicht der rechte Mann am rechten Fleck. Alldieweil leisten die Pädagogen hervorragende Arbeit. Sie gehen in die Schulen, begeistern Opernsänger dafür, es ihnen gleichzutun, laden Kinder in spezielle Foyer-Aufführungen ein, entwickeln mit Jugendlichen gemeinsame Projekte. Es gibt kaum einen Jugendlichen, der sich solch spannenden und vielfältigen Angeboten entziehen kann. Mit Ende der Schulzeit ist dann für einen Teil der Bevölkerung Schluss mit lustig.

Kürzlich veranstaltete der Kreis der Freunde und Förderer der Tonhalle in Düsseldorf einen Liederabend mit Christian Gerhaher. Studenten wurde die Eintrittskarte mit einem Preis von fünf Euro quasi geschenkt. Zu sehen war keiner von ihnen. Zu Beginn der Spielzeit verkündeten Theater und Philharmonie Essen voller Stolz, dass sie nun mit dem Allgemeinen Studentenausschuss – AstA – der Universität Duisburg-Essen die Ausgabe eines Kulturtickets vereinbart hätten. Damit kommen Studenten in viele Veranstaltungen für den Eintrittspreis von einem Euro. Solche Angebote sind auch in anderen Städten nicht unbekannt. Nur, dass hier keiner glaubt, es würde etwas verschenkt: Wie der AStA die Ausgaben rechtfertigt, ist nicht bekannt, soll hier auch nicht Thema sein, aber er subventioniert diese „Wohltat“. Tolle Geschichte. Da kommen also die jungen Menschen, die von der Unterstützung ihrer Eltern leben, BaFöG beziehen oder ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten müssen, in den Genuss massiv verbilligter Eintrittskarten, um so die Arbeit der Theaterpädagogen nicht mit der Schulzeit enden zu lassen. Also alles bestens in Deutschland oder wenigstens in Essen?

Mitnichten. Auszubildende werden hier glatt vor der Tür stehen gelassen. Sie können ja auf eines der zahlreichen anderen Angebote zugreifen, sagen die Essener. Ein-Euro-Angebote gibt es darunter allerdings nicht. Und dürften damit den Zorn all jener Theaterpädagogen auf sich ziehen, die viel Arbeitszeit in den Haupt- und Realschulen zugebracht haben, um die Heranwachsenden für Theater, Tanz, Oper und Museum zu begeistern. Für die ist mit Beginn der Ausbildung Feierabend mit kulturellem Interesse. Denn ihre finanziellen Verhältnisse sehen beileibe nicht viel anders aus als die der Studenten. Kategorisch lehnen die Essener ein Weiterdenken ab. „Ein vergleichbares Angebot für andere Gruppen wird es nicht geben“, teilt Christoph Dittmann, Pressesprecher, schriftlich auf Anfrage mit. Das klingt nicht nur arrogant, sondern vor allem auch fern von jeder Aufgabenstellung, die die kulturellen Institutionen haben. Nirgendwo steht geschrieben, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen zu bevorzugen oder andere zu benachteiligen sind. Beeindruckend wäre gewesen, hätten die Essener mitgeteilt, dass es ihnen nach Abschluss der Verhandlungen mit dem AStA nun auch gelungen sei, die Industrie- und Handelskammer mit ins Boot zu holen. Stattdessen Beton im Kopf. Nicht für einen Groschen nachgedacht. Lohnt es sich nicht, den Bäckermeister von Morgen, den zukünftig erfolgreichen Industriekaufmann schon in der Ausbildungszeit an sich zu binden, während angehende Ärzte auf dem Sprung in die USA gepampert werden? Kaum nachvollziehbar.

Spricht man mit Intendanten über die strategische Ausrichtung ihres Hauses, dauert es nicht lange, bis der Wunsch nach der Erschließung neuer Publika – oder auf marketingdeutsch Zielgruppen – laut wird. Ganz anders bei Hein Mulders. Der Intendant der Theater und Philharmonie Essen schließt von vornherein Menschen aus, die nicht seinem Bildungsideal entsprechen. Eine solche Einstellung mag sich jemand leisten können, der ein Privattheater betreibt, denn dann liegt das finanzielle Risiko bei ihm selbst. Der kann dann auch die hohen Investitionen in die Theaterpädagogik ignorieren. Der Künstlerische Leiter eines öffentlichen Hauses muss sich allerdings fragen lassen, ob die Denkstrukturen, die vor 50 Jahren galten, als man Akademikern höhere Einkommenschancen voraussagte, heute noch Gültigkeit besitzen.

Da kann sich die Theaterpädagogik, Entschuldigung, die Abteilung für education, noch so sehr mühen. Wenn Jugendliche in der Ausbildung und somit nach Schulschluss die Wahl haben zwischen Kino mit Freunden oder einem Theaterbesuch zum gleichen Preis, wird ihnen niemand verdenken, das Kino zu bevorzugen. In Essen ist das egal. Da gehen zukünftig so viele Studenten in Theater und Konzert, dass für die Auszubildenden ohnehin kein Platz mehr wäre. Klug gedacht.

Michael S. Zerban 21.11.2017 o-ton.online *

* Wer am 1./2. Weihnachtsfeiertag O-TON 2018 abonniert, zahlt nur die Hälfte

 

LEVINE zum Zweiten

München: James Levine und die Diskussion im Münchner Stadtrat
Der Dirigent James Levine wird in den USA des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Levine arbeitete über 40 Jahre für die Metropolitan Opera in New York. Aber er war von 1999 bis 2004 auch Chefdirigent bei den Münchner Philharmonikern. Vor seiner Berufung hatte es im Münchner Stadtrat heftige Diskussionen gegeben. BR-Klassik

Kein Ende der Diskussion um James Levine. Mich stört diese Verlogenheit, mit der nun auch von den Münchner Philharmonikern reagiert wird. Als ich seinerzeit – vor der Bestellung zum Münchner „Chef“ – das thematisiert habe, was ohnedies jeder Insider wusste, wurde ich rüde zurechtgewiesen, so unter dem Motto „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“. Nun fällt man in das andere Extrem – im konkreten Fall seitens der Politik:

Ich denke, bei solchen sexuellen Übergriffen, die auch sehr viel mit Würde und Menschenwürde zu tun haben, muss man dann schon eine Grenze ziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man solche Menschen auf ein Orchester mit 120 oder 125 Mitgliedern loslassen sollte. Wir haben es ja auch mit jungen Leuten zu tun, insbesondere bei der Orchesterakademie .“

Richard Quaas, Stadtrat und kulturpolitischer Sprecher der CSU

„Solche Menschen“, „loslassen“u.s.w. Seinerzeit hat man „Kettenhunde“ auf jene losgelassen, die einen leisen Einwand gewagt haben!
Der Dirigent James Levine wird in den USA des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Levine arbeitete über 40 Jahre für die Metropolitan Opera in New York. Aber er war von 1999 bis 2004 auch Chefdirigent bei den Münchner Philharmonikern. Vor seiner Berufung hatte es im Münchner Stadtrat heftige Diskussionen gegeben. BR-Klassik

Anton Cupak 14.12.2017

        

 

AUCH DU, MEIN SOHN JAMES...!?

Trotz der Premieren in Wien und Berlin ist die Nachricht von der Suspendierung der Met-Institution

James Levine die „Hammernachricht des Tages“.

 

Auszug aus „Der Spiegel“: Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.

Die „New York Times“ und die „New York Post“ hatten berichtet, der heute 74-jährige Levine habe einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang sexuell missbraucht. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben…

James Levine: Met suspendiert Dirigenten nach Missbrauchsvorwürfen
Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.
Der Spiegel
Stardirigent soll damals 15-Jährigen missbraucht haben
Die Welt

Ich wühle überhaupt nie im Dreck anderer Leute, das ist mir zutiefst zuwider. Von diesen „ach so neuen“ Vorwürfen habe ich schon vor 25 Jahren gehört – und natürlich wussten davon auch die Met und übrigens auch die Münchner Philharmoniker, deren Chefdirigent James Levine von 1999 bis 2004 war.

Ich habe den Vorwurf damals angedeutet – na, mehr habe ich nicht gebraucht. Angeblich haben sich die Münchner Philharmoniker schwer aufgeregt, unsere leider mittlerweile verstorbene Redakteurin Dorothea Zweipfennig fiel über mich her. “ Das ist ein Künstler, der muss mit anderen Massstäben gemessen werden„. So ganz war ich dieser Meinung nie.

Mittlerweile ist James Levine ein schwerkranker Mann, seine „Tat“ gilt als verjährt. Plötzlich aber fällt sogar die Met über ihren Star her und demütigt ihn in von mir nie erwarteten Ausmaß. Suspendierung! Man hat Levine nicht einmal die Chance gegeben, krank zu werden und von sich aus auf die Dirigate zu verzichten. Ist so etwas wirklich notwendig?

Bei meinen Recherchen bin ich auf eine hohe Auszeichnung des Landes Wien gestoßen, die James Levine im Jahre 2002 empfangen hat. Ich hoffe, Wien springt auf diesen Zug der demonstrativen Ächtung nicht auf, obwohl man schon einmal einem Radsportler den „Goldenen Rathausmann“ wieder aberkannt hat, weil er des Dopings überführt wurde.

Außerdem: Ich kenne da einige Künstler, vor denen der Großteil des Publikums in Ehrfurcht erstarrt. Nein, ich werde nichts sagen. Ich warte, bis auch die an der Reihe sind. Oder ist der Ablasshandel wieder eingeführt?

Anton Cupak (Wien) 4.12.2017

 

Mann kann´s einfach nicht akzeptieren

Der erbitterte Kampf des Wiener Sprechtheater gegen die österreichische Realpolitik

Was bot nun „Willkommen bei den Hartmanns“ im Akademietheater der Burg? Ich zitiere unsere Premierenrezensentin:

Fest steht – man hat das Geschehen nach Österreich verlegt, hauptsächlich, um die künftige Regierung zu beschimpfen und ihre Anhänger als Abschaum hinzustellen – das ist in der Demokratie möglich, ein Recht, das man niemandem bestreitet. Immer schon wurde von Theaterbrettern herunter Politik gemacht. (Und wenn man über die großen Ohren des künftigen Kanzlers ätzen kann, lässt man sich das natürlich nicht entgehen – jeder Untergriff erlaubt!)

Alles, was sonst noch an „Österreichischem“ hinzugefügt wurde, ist in seiner Primitivität extrem peinlich (etwa, wenn Döblinger Damen den schwarzafrikanischen Flüchtling in Lederhose und Trachtenhut kleiden wollen). Weil das Burgtheater meint, man habe hier auch eine Aufführung für junge Menschen anzubieten („Familienstück für Menschen von 12 – 99 Jahren“), glaubt man, für die Jugend unbedingt Einschlägiges bieten zu müssen – Rock-Party mit Drugs und Ladies (die sind wohl eher für die älteren Herren)…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Auch tags zuvor wurde im Burgtheater ein politisches Stück gespielt, „Ein Volksfeind“. Bevor oder nachdem sich Joachim Meyerhoff verknöchelte, ließ er noch eine Botschaft an das Publikum los: Der Arzt wird am Ende zum Volksfeind stigmatisiert, bei seiner Brandrede zur Rettung der Erde abgedrängt, von der Rampe geschubst. Die Zwerge scheinen mächtiger zu sein als der Einsame, da mag Meyerhoff noch so wunderbar und sprachmächtig deklamieren.
Meyerhoff wandte sich – zumindest bei der Premiere – schließlich im Parkett ans Publikum, beschimpfte es ordinär wegen dessen „unfassbarer Apathie“ und erinnerte geradezu nostalgisch an den Tumult, als an der Burg 1988 Thomas Bernhards „Heldenplatz“ uraufgeführt wurde – auch an FPÖ-Chef Strache, der damals zu den Störenfrieden der Premiere gehört habe. Meyerhoffs Impromptu mag gut gemeint gewesen sein, wirkte aber etwas peinlich.

Ordinär? Diese Feststellung treffe nicht ich – das meint Norbert Mayer von der „Presse“.

„Volksfeind“-Premiere: Zwerge in XXXL und eine Publikumsbeschimpfung
Regisseurin Jette Steckel präsentiert Henrik Ibsens zorniges Gesellschaftsdrama „Ein Volksfeind“ mit erhobenem Zeigefinger. Auch ein Staraufgebot und einige starke Szenen können das gut gemeinte Unternehmen nicht retten. Zu wenig Spannung. Bei der Premiere beschimpfte Joachim Meyerhoff das Publikum Die Presse

Tageskommentar von Anton Cupak am 20.11.2017

 

 

 

SPASS IM INTERNET

heute: wieder mit Texten der Pressestelle der Kölner Oper

"Richard" oder "Johann" ist doch wohl völlig egal - Strauss ist Strauß.! Hauptsache geile suppi Musik !

Ja stimmt! "Genau!" möchte man rufen. Da gibt es doch auch noch Little Richard, Cliff Richard, Keith Richard, Richard Clayderman und Richard Wagner oder Johann S. Bach, Johann Lafer bzw.  Johann W. von Goethe und Sankt  Johann.

Letztere machen zwar keine Musik, aber ist doch egal! Ist mir egal, egal...

Ich erinnere mich schwach an eine Premierenfeier an der Bonner Oper vor über einem Viertel Jahrhundert: "Salome". Die Bürgermeisterin (oder war es die Kulturdezenentin?) begrüßte alle geladenen Gäste mit den Worten "also es ist ja wirklich verblüffend, daß dieser Strauss nach der lustigen Fledermaus noch so eine große dramatische Oper geschrieben hat!"

Wow! Derartige Formen der Realsatire, kann auch der fantasiereichste Schreiber sich nicht einfallen lassen. Wunderbar... Allerdings lachen nur Opernkenner.

Heute im Facebook-ja-wir duzen-uns-alle-Zeitalter ist so etwas glatt hypernormal. Da schämt man sich auch in der Marketing Abteilung der Kölner Oper nicht mehr, wenn sowas mal wieder unkorrigiert rausgeht:

Ein peinlicher Fehler, der in ähnlicher Form, ja vor gut einem Jahr schon bei Opernfreunden für Lacher im Netz sorge, ist nun gleich noch einmal passiert. Doppelt hält besser! Damals schrieb Kollege Michael Zerban (O-Ton-Herausgeber) unter der Überschrift "FÜR DUMM VERKAUFT"

Statt Entschuldigung für kardinalen Fehler Dummgeschwätz

Da passiert scheinbar eine Bagatelle, das Internet lacht sich krümelig – kein Grund, sich weiter darum zu kümmern. Schon gar nicht, dafür einen Kommentar zu verschwenden. Aber dann versucht die Oper Köln, ihr Publikum für dumm zu verkaufen. Und das ist nicht mehr so lustig. Da erwartet uns ein Jahrhundertwerk.

 

Gern zeigt die

Oper Köln auf Facebook Fotos von Plakataufstellern, um ihre Premieren anzukündigen. So auch dieser Tage.

 

Und diesmal werden gleich zwei Sensationen angekündigt.

Die Premiere des Fidelio von Wolfgang Amadeus Mozart dauert vom 11. Juni bis zum 5. Juli dieses Jahres.

Ein Mega-Werk, das die Welt noch nicht gesehen hat. Und Ludwig van Beethoven wäre sicher stolz darauf gewesen, dass ein Werk, das den gleichen Namen wie seine Oper trägt, über so einen langen Zeitraum aufgeführt wird.

Shit happens ;-)

Einige glauben an fake news, der Rest der Internet-Gemeinde biegt sich vor Lachen. Halbwegs liebevoller Spott ergießt sich über die Oper. Was war da passiert? Die Premiere davor ist "Le nozze di Figaro", da hat die Grafik nur den Titel und die Daten ausgetauscht, nicht den Komponisten ... Trotzdem darf, bitte schön, jedermann entspannt bleiben.

Wer weiß das z.B. besser als die SPD in Nordrhein-Westfalen, die der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein scheint und Plakate veröffentlicht, auf denen steht „Seid 2010“. Damit war keine erforderliche Gruppenstärke gemeint, oder die Fortsetzung des martialischen Gladiatoren-Epos " 300 ". (Bild unten)

 

Wer jetzt eine Entschuldigung und Erklärung der Presseabteilung der Kölner Oper erwartet, wie es zu dem Versehen kommen konnte, und

damit wäre im Grunde ja alles erledigt gewesen, sieht sich nicht nur enttäuscht, sondern geradezu belehrt:

 

So kommt es, wenn prestissimo statt im tempo giusto gearbeitet wird...

hießt es da hochmütig, wenn nicht beleidigt. Aber Moment mal! Kein Kölner Bürger erwartet, dass die Oper schnellstmöglich arbeitet. Eine professionelle Arbeitsweise soll es wohl sein, kein „Gehudele“.

Dummer Spruch und völlig daneben statt einfacher Entschuldigung. Ein solches Verhalten passt aber gut zu jemandem, der keine Besserung gelobt, sondern lieber mit dem Finger auf andere zeigt mit den Worten:

Wer hat noch lustige, spannende, überraschende Tippfehler auf Opern- und Konzertplakaten gefunden? Schreibt uns, oder schickt uns ein Foto davon.

Jau liebe Leute, das machen wir Jungs vom OPERNFREUND sofort - hier ist es! Nur unzeitgemäß später - nochmal mit dickem Rahmen, weil es so lustig ist ;-)

Ist das nicht geil, oder ist das supergeil ??? Und es ist - na raten Sie verehrte Leser wer das nun verzapft hat - wieder ein Kapitel aus dem lustigen Verantwortungsbereich der Marketing/Presseabteilung der Kölner Oper. Die sind cool, die haben ihr Ohr am Hörrohr der Zeit. Das ist internetconform.

Mal schauen, was nächstes Jahr da noch kommt. Und jetzt mal ganz ehrlich unter uns: Ob Mercedes oder Trabant iss doch nun wirklich egal; beides sind Autos und haben Räder.Ist doch egal - Bitte alle nochmal mitsingen: Ist mir egal, egal...

Ob Radi oder Radieschen - egal, beides ist doch leckeres Gemüse. Obwohl...

Gab es da mal nicht einen Münchner Torwart, den sie "Radi" nannten?

Bleibt cool Leute.

(c) Warner Home Video

Peter Bilsing 3.11.2017

 

 

 

DAS-ANNA-NETREBKO-TEESERVICE für 2400 Euro

KUNST FÜR DIE EWIGKEIT

Salzburg: Hochwertige Devotionalien-Andenken für echte Fans

Es gibt tatsächlich (kein verspäteter April-Scherz!) ein Anna-Netrebko-Teeservice für schlappe 2400 Euro aktuell in Salzburg. Es ist aber nicht von Fabergé gefertigt, auch wenn der Preis es glauben machen könnte. Wir weisen darauf hin, daß Peter Carl Fabergé bereits 1920 in Lausanne gestorben ist. Das Service zeigt Motive aus der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi; so zumindest, wie es sich Anna oder wer auch immer vorstellt. Also wenn das keine Kunst für die Ewigkeit ist, dann weiß ich nicht.

Placido-Goldmünzen namens "Domingo Rand" für 3500 Euro (mit einem kleinen 300-prozentigen Aufschlag auf den Goldpreis eines Krügerrands bei ähnlichem Aussehen, nur daß sein Konterfei die Gazelle ersetzt) sind schon angedacht - wie uns eine berühmte Goldmanufaktur unter der Hand mitteilte - sie dienen dann dem Altersfond an Verarmung leidender Superstars. Würde ich mir als Domingo-Fan sofort kaufen.

Blöd nur, daß man erst jetzt auf diese geniale Idee kommt, nämlich große Künstler mit teuren Andenkelchen zu verewigen. Was hätte man alles teuer vom großen Pavarotti vermarkten können. Wenn ich nur daran denke, wieviel tausende Fans damals vierstellige DM-Beträge für einen VIP-Karten-Platz auf harten Holzstühlen im Fußballstadion bezahlten. Ein geradezu einmaliges Erlebnis war auch das Pasta-Essen mit Big P. in den gemütlichen 800-Mann-Zelten, von denen man damals extra fünf Stück neben dem Rheinstadion in Düsseldorf aufgebaut hatte.

Ja, das Geld sitzt heuer locker, wenn man kaum noch Zinsen kriegt und selbst die Schweizer Banken zu Verräter wurden. Da kommen solch hochwertige sicherlich im Wert ständig steigende Fan-Artikel gerade recht. Nebenbei bemerkt ist so etwas wirklich keine schlechte Investition.

Wären Sie z.B. ein James-Bond-Fan und hätten sich 1964 einen

Aston Martin DB 5 für schlappe 60 000 DM gekauft, dann wären Sie heute fein raus. Denken Sie nur an die tollen Gimmicks, die man ja ausgiebig im Film GOLDFINGER bewundern konnte: Maschinenpistolen, drehbare Nummernschilder, Nebelwerfer, Ölverspritzer etc.pp. und sogar ein Schleudersitz, wenn mal Gattin meckert oder zufällig ein übler Mörder oder ein Opernkritiker neben Ihnen sitzt...

Auch hier müssen wir allerdings darauf hin weisen, daß dieses Sachen nicht zur Normalausstattung des Autos gehörten (hoher Aufpreis). Jetzt Achtung: der Verkaufspreis liegt heute für einen ganz ganz schlecht erhaltenen Gebrauchten bei 3,5 Millionen und für einen gut erhaltenen im zweistelligen Millionenbereich.

Fan sein kann sich lohnen; etwas Kleingeld vorausgesetzt.

Also bitte bestellen Sie sich sofort "Annas Teeservice" ! Tun Sie es für Ihre Kinder oder Enkel - in 50 Jahren ist der kitschige Krempel vielleicht Millionen wert; vorausgesetzt ein Familiernmitglied mißbraucht ihn nicht beim Polterabend.

In diesem Zusammenhang nun eine ganz wichtige Mitteilung in eigener Sacher:

Bitte lassen Sie sich vormerken. Endlich haben wir unseren Hauszeichner

Peter Klier überreden können, einige seiner tollen einmaligen Wagner-Karikaturen ebenfalls auf edelstem Porzellan verewigen zu lassen. Für jeweils nur 16900 Euro bekommen Sie bei uns gleich ein ganzes Dutzend. Serie 1 "Der Ring des Nibelungen" wird gerade aufgelegt - daher kaufen, kaufen, kaufen...

Bilder (c) MGM, Pressebild, Der Opernfreund

 

Schöne Ferien wünscht Ihr P.B.

 

 

                                    

Aus aktuellem  Anlaß hier eine wichtige Bekanntgabe des OND (Opernfreund-Nachrichten-Dienstes):

So eröffneten z.B. die Nachrichten des Westdeutschen Rundfunks am Premierentag mit dem Satz "Heute abend findet die Eröffnung der diesjähtrigen Bayreuther Festspiele mit Richard Wagners Oper DIE  MEISTERSINGER VON NÜRNBERG statt, der Oper (!) mit der die Nazis immer ihrer Reichsparteitage eröffneten."

Vielleicht verstehen nun nicht-regionale NRW-Leser, warum böse Zungen den Namen WDR immer mehr mit Westdeutscher Rotfunk übersetzten.               PB 27.7.17

 

 

Domingo als Kapellmeister in Bayreuth?

Ist man bei Euch in Germany verrückt geworden?

Eine Mail aus den USA:

In USA lächelt man nur noch über Placido Domingo, der dort auch als "Die Firma Domingo" bezeichnet wird. Greedy, gierig und trotz seiner früheren sängerischen Verdienste eine dubiose Figur, speziell als Administrator und Dirigent.

Als solcher kommt er nicht über einen kleinen Kapellmeister hinaus.

Aber er ist ja ein Aufmerksamkeitsbeschaffer und so fungiert er in Los Angeles auch als Operndirektor. Zwar ist er nie da, denn er muss ja gerade in Dubai ein Restaurant eröffnen, die unsägliche Catherine Jenkins unterstützen oder ewig widerlegte Lügen in Interviews wiederholen, wie er habe die meisten Rollen in der Geschichte der Oper gesungen.

Nota bene: Die meisten Tenorrollen sang Andreas Dippel, ein deutscher Sänger, aus Kassel gebürtig, der von 1890-!908 an der Met 400 Vorstellungen sang, deutsches und italienisches Fach und nachweislich 162 Tenorrollen sang, später Co-Chef der Met war neben Gatti-Casazzi und danach seine eigene Opernschule und Truppe gründete.

Doch auf LA's Opera-Seite gibt es noch immer Angaben, die auf allen anderen Foren längst getilgt sind weil sie Lügen darstellen. Wiki wiederholt diese nicht mehr und auch das Kennedy Center of Performing Arts hat sie getilgt.

Und so einen wollen sie in Bayreuth dirigieren lassen. Man kann auf vielfältige Weise den Verstand verlieren.

 

Noch etwas zur Altersfälschung:

Übrigens Domingo wurde am 15. 1. 1934 in Madrid geboren, nicht am 21. 1. 1941.

Es gab in einer Wiener Zeitung auch eine fake Geburtsurkunde, die er lancierte. Auf die angesprochen redete er sich sehr merkwürdig heraus. Nach seinen Angaben von geb. 1941 muss er in Tel AViv, wo er mit Marta Domingo geb. 1935 engagiert war 1962/63 schon 12 Riesenrollen singen müssen unter anderem Radames (mit 21 und 22); insgesamt über 200 Vorstellungen sang er nachweislich dort. Selbst mit 27 oder 28 die er zu der Zeit war, war das schon ein Hammer gewesen.

Er hat zwei Pässe, den echten spanischen, den niemand zu Gesicht bekommt, den falschen mexikanischen ... dort kriegt man ja ja alles

1994 feierte er heimlich seinen 60. in New York. Ich weiß es von jemandem, der dabei war.                                                                  John Smith 26.7.2017

 

ES ROLLEN KEINE MILLIONEN

Placido Domingos Aida-Welt-Tournee ist geplatzt

Die KASSA wird nicht klingeln - dumm gelaufen für die Investoren

Natürlich kann Placido Domingo rein rechtlich gesehen für die geplatzte Aida-Tournee nicht zur Verantwortung gezogen werden. Er sollte sich aber dennoch fragen, ob er seine Partner tatsächlich wirtschaftlich durchleuchten hat lassen – oder ob ihm das völlig egal war – Hauptsache die Kassa klingelt.

Ja, es ist zumutbar, sich über seine Geschäftspartner zu erkundigen. Selbst in meinem finanziell überschaubaren geschäftlichen Umfeld war das eine Selbstverständlichkeit, die Geschäftspartner sind nach Bonität eingestuft – danach richten sich die Zahlungsmodalitäten – und nicht einmal habe ich auf ein lukrativ scheinendes Angebot verzichtet. Es klingt arrogant, aber eigentlich habe ich meist in wenigen Sekunden gewusst, ob ich mit jemandem zusammenarbeiten will oder nicht. Es gibt ihn, den „Geschäftsadel“ – auch wenn er schon sehr aus der Mode gekommen ist. Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass ich für das, womit ich mit meinem Namen bürge, geradezustehen habe, ohne auf das Recht zu pochen!

Kaum jemand hätte sich für dieses „Aida-Spektakel“ interessiert, hätte nicht Placido Domingo mit seinem Namen (scheinbar) gebürgt. 90 Orchestermusiker, 150 Chorsänger, 85 Ballett-Tänzer und mehr als 500 Statisten: Als im Herbst 2016 die „Aida-Welttournee mit Plácido Domingo“ angekündigt wurde, wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum Glück gab es zunächst nur Karten für zwei Spielorte – Gelsenkirchen und München, was für für eine Welttournee noch ein überschaubares Angebot darstellt.

Doch das Sängerangebot konnte sich sehen lassen: Stars wie Erwin Schrott als Ramphis, Kristin Lewis als Aida, Violeta Urmana als Amneris und Roberto Alagna als Radames klangen verlockend. Diese Künstler vertrauten darauf, dass der große Placido die für ein Geschäft unbedingt nötige Sorgfalt hat walten lassen. Hat er nicht, wie man sieht. Wem soll man nun vertrauen? P.D. sicher nicht mehr!

Anton Cupak 16.6.2017

 

Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:

GIER KENNT KEINE GRENZEN

Schon früh hatten Experten Domingo vor diesem Riesenzirkus Aida gewarnt, weil die Rechnung einer Welttournee nicht aufgehen würde. Aber seinem Ehrgeiz und seiner Gier, in USA nennt man ihn greedy, oder die Firma Domingo, sind keine Grenzen gesetzt. Und so spricht er jetzt von seiner persönlichen großen Enttäuschung. Kein Wort an die, die wahrscheinlich nichts von ihrem Geld wiedersehen werden.

Er wird nun weiterhin als kurzatmiger, verkappter Tenor, der seinen Ruf selbst ruiniert, weiter Baritonrollen singen und anderen jungen Sängern diese wegnehmen. Vielleicht sollte er sich mal um seine Enkel kümmern!

Der Schreiber ist der Redaktion bekannt - und er vertritt hier zu 100 Prozent die Meinung des Opernfreund-Herausgebers, der nicht nur dahinter steht, sondern sich an dieser Stelle erheblich viel böser geäußert hätte. Danke.

Peter Bilsing 16.6.2017

 

FÜR DUMM VERKAUFT

Statt Entschuldigung für kardinalen Fehler Dummgeschwätz

Da passiert scheinbar eine Bagatelle, das Internet lacht sich krümelig – kein Grund, sich weiter darum zu kümmern. Schon gar nicht, dafür einen Kommentar zu verschwenden. Aber dann versucht die Oper Köln, ihr Publikum für dumm zu verkaufen. Und das ist nicht mehr so lustig.

Da erwartet uns ein Jahrhundertwerk >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Gern zeigt die Oper Köln auf Facebook Fotos von Plakataufstellern, um ihre Premieren anzukündigen. So auch dieser Tage. Und diesmal werden gleich zwei Sensationen angekündigt. Die Premiere des Fidelio von Wolfgang Amadeus Mozart dauert vom 11. Juni bis zum 5. Juli dieses Jahres. Ein Werk, das die ©Welt noch nicht gesehen hat. Und Ludwig van Beethoven wäre sicher stolz darauf gewesen, dass ein Werk, das den gleichen Namen wie seine Oper trägt, über so einen langen Zeitraum aufgeführt wird. Einige glauben an fake news, der Rest der Internet-Gemeinde biegt sich vor Lachen. Halbwegs liebevoller Spott ergießt sich über die Oper. „Ich als ÖA-Kollegin glaube, ich kann erklären, wie das passiert ist: Die Premiere davor ist Le nozze di Figaro, da hat die Grafik nur den Titel und die Daten ausgetauscht, nicht den Komponisten. Wenn man Stress hat, kann sowas passieren“, versucht Valerie Seufert gar noch, den Lapsus zu entschuldigen. Was natürlich, mit Verlaub, Quatsch mit Soße ist. Eben weil die Grafik häufig unter Hochdruck arbeitet, gibt es mindestens drei Menschen, die nach der Arbeit der Grafikabteilung dafür verantwortlich sind, dass eventuelle Fehler entdeckt werden: die Leitung der Grafikabteilung, derjenige, der für die Druckabnahme zuständig ist und diejenige, die das Druckergebnis zu beurteilen hat.

Trotzdem darf, bitte schön, jedermann entspannt bleiben. Shit happens. Wer weiß das besser als die SPD in Nordrhein-Westfalen, die der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein scheint und Plakate veröffentlicht, auf denen steht „Seid 2010“. Damit war keine erforderliche Gruppenstärke gemeint. Und dass die Plakate der Oper zwischenzeitlich im gesamten Stadtgebiet aufgehängt seien, wie in zahlreichen Facebook-Einträgen nachzulesen ist, wäre schon ärgerlich – und in der Folge teuer – genug. Die Presse-Referentin der Oper Köln hingegen gibt an, es habe sich um ein einzelnes Plakat gehandelt. Bis dahin ist also alles lustig und banal, aber entspannt. Dass die PR-Abteilung, das sind die Menschen, die für den Kontakt mit der Presse zuständig sind, Presseanfragen mit extremer zeitlicher Verzögerung beantwortet, kann man ebenfalls möglicherweise noch unter „selber schuld“ verbuchen. Wenn die Kommunikatoren der Oper ihre Kompetenz in der Verteilung von Pressemitteilungen und -karten sehen, anstatt den Dialog mit den Journalisten zu suchen, kann man zwar getrost von einer falschen Berufsauffassung ausgehen und sich fragen, wofür sie eigentlich ein monatliches Gehalt beziehen, aber in einer solchen Angelegenheit mag man darüber hinwegsehen, weil die PR-Arbeiter dann eben mit den Konsequenzen zu leben haben. Eine Public-Relations-Abteilung kann im Übrigen immer nur so gut sein, wie es die Intendanz zulässt.

In den Abendstunden allerdings äußert sich die Oper Köln – zwar nicht gegenüber der Presse – aber auf Facebook. Wer jetzt eine Entschuldigung und Erklärung erwartet, wie es zu dem Versehen kommen konnte, und damit wäre im Grunde ja alles erledigt gewesen, sieht sich nicht nur enttäuscht, sondern geradezu belehrt. „So kommt es, wenn prestissimo statt im tempo giusto gearbeitet wird“, heißt es da hochmütig, wenn nicht beleidigt. Aber Moment mal. Kein Kölner Bürger erwartet, dass die Oper schnellstmöglich arbeitet. Eine professionelle Arbeitsweise soll es wohl sein, kein „Gehudele“. Dummer Spruch und völlig daneben statt einfacher Entschuldigung. Ein solches Verhalten passt aber gut zu jemandem, der keine Besserung gelobt, sondern lieber mit dem Finger auf andere zeigt. „Wer hat noch lustige, spannende, überraschende Tippfehler auf Opern- und Konzertplakaten gefunden? Schreibt uns, oder schickt uns ein Foto davon. Wir haben – nicht bei uns in der Oper Köln – zum Beispiel eine Cenerentola von Puccini gefunden“, heißt es da als nächstes. Sag mal, Oper Köln, geht’s noch?

Und ist der Ruf erst ruiniert, so lebt sich’s richtig ungeniert. Ein Lebensmotto, das man sich offenbar erst wirklich leisten kann, wenn man ein zweistelliges Millionenbudget im Jahr verbrät. Aber weit kommt man damit nicht. Die Oper Köln hat ein Image-Problem. Und das hat sie mit Hilfe eines einfachen Plakates noch einmal klar gemacht. Weil die Geisteshaltung, die hier deutlich wird, nicht nur ungezogen ist, sondern wirklich keines Steuer-Euros mehr bedarf.

Übernahme eines Kommentars von Michael S. Zerban (O-Ton)

 

Rolando Villazon ist der neue umjubelte König der "Deutschen Oper am Rhein"

Gestern wurde er als Regisseur - wohl angemerkt, liebe Rheinopernfans ! - gefeiert, fast wie einst Pavarotti, der große Sänger. Ein begeistertes Premierenpublikum verlangte Vorhang auf Vorhang. Was für ein schöner Abend... Alle waren total überglücklich über seinen DON PASQUALE. Ja genauso sollte Oper immer sein! Eine Großstadt und sein Opernpublikum sind zufrieden - quasi im siebten Opernhimmel.

 

Die RHEINOPER ist anscheinend wieder international. Heraus aus der Provinz - hurra! Sollten endlich Aufführungen wieder über den regionalen Dunstkreis der zwei Lokalblättchen (gemeint sind RP & WZ) ihren Widerhall finden?

Es wäre zu wünschen, denn selbiges war vor Jahrenzehnten noch Standard. Topsänger traten - oft der Normalfall - selbstverständlich erst in Düsseldorf auf. Später gingen sie dann nach Salzburg, Wien oder Bayreuth. Die DOR gehörte zu den "Top Five" in Deutschland. Mittlerweile gehört sie leider eher zu den "Top Fifteen" - dabei nahe auf einem Abstiegsplatz - Zweitliga - und wird kaum noch wahrgenommen von der Presse.

Nun ist das Haus in aller Munde auf den Feuilleton-Seiten. Dummerweise steht aber überall (egal ob SZ, Hamburger Abendblatt, Welt oder diverse Provinzkäseblättchen) derselbe Text - nämlich der von der DPA (Sic !); haben sie doch seit Jahren keine eigenen Kritiker mehr vor Ort. Egal - hauptsache PR für die Rheinoper. So kann es gehen ;-). Glückwunsch an den nicht unumstrittenen Intendanten Christoph Meyer,

der die Rheinoper ja zuletzt, quasi durch ZENSUR, nämlich durch seine prompte Absetzung einer umstrittenen Tannhäuser-Produktion mehr ins Negativgerede in Europa brachte, nämlich als das Heer der Altwagnerianer pöbelnd lautstark demonstrierte und sogar den Regisseur an dern Kragen wollte. Lesen Sie das alles noch einmal nach im OPERNFREUND.

Die Verpflichtung von Rolando Villazon war zwar eine teure, aber wie es scheint sehr lohnende Geschichte - auch wenn das Ganze mal wieder eine Koproduktion ist. Das Zweistädte-Institut ist dabei auf einem guten rechten Weg, wenn man dieser gigantischen Publikumsbegeisterung glaubt. Die Umbenennung in "Ohne-Sorg-Oper Düsseldorf" bietet sich an, wenn man die Wünsche des Publikums weiter in dieser Form so sauber und beglückend bedient. Oper muß wieder Spaß machen, dafür ist Villazon ein Garant.

Auch wenn dick auf dem Plakat steht: "Rolando Villazon - Regie", glauben immer noch viele Opernfans in der Landeshauptstadt gernau dies eben nicht, oder überlesen es bewußt. Sie glauben, daß Rolando Villazon singt und buchten sich deshalb ein. Da gibt es anscheinend noch viel zu tun für die Abteilung "Werbung und Öffentlichkeitsarbeit". Oder für die Düsseldorfer Lokalpresse...

Wenn man es jetzt noch schafft die Callas und Pavarotti zurück zu klonen (wir berichteten am 1. April über diese neue revolutionäre Technik am Heinrich Heine Institut der Landeshauptstadt) liegt das Opernglück dieser Welt zukünftig nicht mehr in Wien, Salzburg, New York oder an der Mailänder Scala, sondern wieder im rheinischen Düsseldorf resp. Duisburg.

Peter Bilsing  30.4.2017

Foto (c) Rheinoper

 

P.S.

Es würde mich nicht wundern, wenn die Düsseldorfer Kultur-Politiker demnächst Herrn Villazon sogar als Meyer-Nachfolger verpflichten. Auf, auf und auf...

 

Das Handlungsballett-WUNDER von Düsseldorf

Eine Illusion wird zur Realität

Man traut seinen Augen nicht. Wer als kundiger Ballettomane in NRW die Spielplanankündigung der Rheinoper liest, scheint seinen Augen nicht zu trauen. Ballettdirektor Martin Schläpfer bringt Tschaikowskys "Schwanensee".

Aber Holla, Herr Schläpfer! Schwanensee ist doch eines der großen Handlungsballette! Haben Sie nicht in ihren bisherigen acht Jahren die Gattung  der Handlungsballette als unzeitgemäß, und unter einem Herrn Schläpfer als Ballett-Direktor, niemals existent, einst verkündet? Und nun diese Oster-Überraschung.

"Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern." sagte einst immerhin ein wirklich Großer, nämlich Konrad Adenauer.

Wie kommt es zu dieser 180 Grad-Drehung, die mich als Fan solcher Handlungsballette erfreut, denn dann brauchen wir nicht weiter die Rheinopern-Freunde nach Krefeld, Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund zu verweisen...

Also - das ist kein April-Scherz, liebe Leser: Hurra hurra hurra! Es gibt nach acht Jahren der Abstinenz endlich wieder ein Handlungsballett in Düsseldorf. Aber!

Lesen Sie das ruhig noch einmal in dem Interview der WZ vom Oktober 2016 genau nach - vielleicht irre ich mich ja, oder interpretiere falsch. Da stand:

"Ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt... Ich habe den Verdacht, dass es eine Illusion ist. Ich kenne viele, die sich ein Erzählballett ansehen und hinterher enttäuscht sind ... Aber ist es meine Aufgabe, die Wünsche des Publikums zu erfüllen oder das zu tun, woran ich glaube? Ich bin ein Künstler, der heute arbeitet. Ich finde, der Tanz ist sich selber genug... Mit meiner Company kann ich keine „Giselle“ machen. Wie soll ich mit diesen wunderbaren Persönlichkeitssolisten zwischen 18 und 47 Jahren eine einheitliche, klassische Linie hinkriegen? Ich habe kein Corps de Ballet...." (Martin Schläpfer)

Dazu schrieb Michael Zerban im OPERNNETZ (ab 2017 heißt es "O-TON") prompt einen Kommentar mit dem Titel "Nestbeschmutzer", der - wie aus internen Quellen verlautet - wohl im Opernhaus und im lokal-politischem Umfeld der durch das WZ-Interview beleidigten Kulturverantwortlichen, viel Wirbel verursacht haben soll.

Nun denn: Man darf gespannt sein, wie Schläpfer bis zum Premierentermin am 8. Juni 2018 aus seiner Truppe, die ja erklärtermaßen ad hoc noch keine klassische Linie hinkriegt, dieses Mammutwerk aus dem Boden stampfen wird.

Denkbar wäre natürlich, daß man für diesen Schwanensee eine handlungsballett-erfahrene Compagnie einkauft, die schon bewiesen hat, daß sie "auf Linie tanzen" kann. Gute Truppen - Der Opernfreund berichtet regelmäßig - gibt es ja vor der Tür in Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund. Die wären bestimmt glücklich einmal gastweise unter dem großen "Star-Choreographen" in Düsseldorf tanzen zu dürfen...

Andererseits könnte ich mir natürlich auch einen modernen Schwanensee im Sinne des deutschen "Regie-Theaters" vorstellen, wo man diese obszöne "Linie" gar nicht mehr bräuchte. Gab es doch vor Jahren mal in Essen einen Schwanensee, der in Nachtbars und Strip-Schuppen spielte. Oder vielleicht eine Art reduzierte Matthew-Bourne-Version getanzt nur von wenigen Männern.

Der Ballettfreund darf rätseln und sich auf diese Wunder-Premiere freuen.

Peter Bilsing 8.4.2017

Fotos (c)

Ballett Classique de Paris

Schläpfer / Rheinoper

Schwanensee / Theater Dortmund

 

 

DIE SZENE BRAUCHT MANUEL BRUG

Ein Kritiker im Haßgewitter der Kaufmann Fans

Manuel Brug polarisiert und provoziert. Täte er das nicht, wäre er ein Anonymus wie viele „Graue Mäuse“ in der Journalistenzunft. Gegner werfen ihm Schwarz-Weiss-Malerei vor, gemeint ist, dass er nur vernichtend urteilen oder überschwänglich loben kann.

Mit Jonas Kaufmann hat sich Brug nun ein „Opfer“ gesucht, das ihm weitere Aufmerksamkeit, weitere Kritik an seiner Person garantiert. Egal wie man zu Herrn Kaufmann steht, solche „Typen“ wie ihn braucht die Opernwelt. Wir leben in einer Zeit der Superstars, die Medien fordern stets neues „Material“. Es mag menschenverachtend klingen, aber die Künstler sind für die Medien „Material“.

Journalisten wiederum brauchen Reibebäume – und es ergibt wenig Sinn, sich an „kleinen Nummern“ zu reiben. Unter diesem Aspekt muss man auch die Schreibweise des Herrn Brug sehen, dass er sich wirklich um Jonas Kaufmann Sorgen macht, nehme ich ihm nicht ab.

Jonas Kaufmann wird hoffentlich selbst wissen, was er sich zumuten kann, die Ratschläge des Herrn Brug brauchen ihn nicht zu interessieren. Den Schmeicheleien seiner Anhänger sollte er aber auch nicht trauen. Ein wirklich guter Ratgeber ist gefragt, nur wo findet man heute einen Menschen, der nicht zuerst an den eigenen Vorteil, das eigene Geschäft denkt.

Anton Cupak 16.3.2017

 

Hintergrund-Info für Nicht-Kaufmann-Fans:

Jonas Kaufmann: Vorsicht, bissiger Tenor !

Andrea Chenier: Sind die schönen Tage schon vorbei

Jetzt singt er wieder, Gott sei Dank

 

DIE HUSTENBURG

Elphilharmonie zum Zweiten

 

Auszug aus der Neuen Musikzeitung: "Eine Nacht auf dem kahlen Berge kann ziemlich kalt werden. Und der Hustenreiz wird unkontrollierbar. Maestro Riccardo Muti war ohnehin schon angesäuert wegen der vielen nach der Pause zu spät auf ihre Plätze huschenden Zuhörer und dann wurde ihm auch noch Mussorgskys Gruselklassiker bronchial verunstaltet..."

Was soll der Konzertbesucher nun tun. Nicht husten, klar! Geht das? Die Veranstalter in der Elbphilharmonie täten gut dran, ganze Wagenladungen von Hustenzuckerln zu ordern und an die Konzertbesucher zu verteilen – oder eben zu verkaufen. Immerhin ist Hamburg eine klassische Handelsstadt.

„Hustenburg“ – dieser Ausdruck stammt aus Deutschland. Gemeint ist die extrem „hustenfreundliche Akustik“ in der neuen Konzerthalle.

„Angesäuerte Künstler“? Wer leicht erkrankt und damit für Husten anfällig ist, möge nicht in ein Theater oder Konzert gehen. Rückgaberecht für Karten wegen Husten? Änderung der Verkaufsgewohnheiten hin zum Abendkassenverkauf, weil man nur dann ganz sicher weiß, dass man  „pumperlgesund“ ist?

„Angesäuert“ werden die Künstler auch sein, wenn sie in den kritischen Jahreszeiten in halbvollen Häusern spielen.

Meiner Ansicht nach bedarf es Rücksichtnahme von beiden Seiten. Total verkühlt geht man eben in kein Konzert. Daheim bei Anhören der Tonkonserve kann man husten, so oft und so laut man will. Bei „leichteren Fällen“: Hustenzuckerl mitnehmen – aber bitte bereits vor dem Konzert auspacken. Rascheln stört gleichermaßen wie Husten. Und die Künstler? Bei allem Verständnis, aber das ist Berufsrisiko. Künstler sind Dienstleister.

Anton Cupak (Wien)

 

Ceterum censeo der Redaktion

Vorbild Philharmonie Köln: Hier gibt es an den Garderoben seit ihrem Bestehen Hustenbonbons und sogar Stofftaschentücher (zum Hineinhusten!) von edlen Spendern des Kölner Fachhandels. Das direkte, unflätig pöbelhafte, laute waagerechte Hineinhusten in die Haare, Ohren und Atemorgane der Vorderleute hat deutlich abgenommen.                                                                     P.B.

 

Elbphilharmonie in Hamburg endlich eröffnet

Zementierter Größenwahn oder 8. Weltwunder ?

Auf dem Teppich bleiben....

Endlich, nach 9 Jahren Bauzeit - dem dreifachen des Geplanten (!) - und der gigantischen schier unfassbaren Kostenüberschreitung - dem zehnfachen des geplanten (!!!) - ist sie nun endlich fertig und wurde feierlich, mit einem bemerkenswerten Aufwand und Programm vor 2100 Ehrengästen eröffnet.

Keiner spricht mehr von "Alb-Philharmonie" - abgeleitet von "Albtraum". Glänzende Augen, Jubel allüberall, wo jahrelang doch Spott und Hohn die planlosen Planer überzogen hatte. Auch der gebeutelte Steuerzahler scheint beeindruckt. Ja, da ist das Steuergeld wirklich gut angelegt beinhaltet es doch auch Mega-Luxuswohnungen und eine 5 Sterne-Hotel. Alles vom Feinsten: Hamburgs neues Walhall steht!

Zumindest sieht es unser Karikaturist Peter Klier so (Bid unten)

Ob das Haus wirklich das sogenannte "8.Weltwunder" ist, wie man in Hamburg schon mehrfach großspurig verkündete, und ob man immer noch"über den großen Teich ganz neidisch" nach Hamburg herüber blickt, wie einst der Initiator Ole von Beust vollmundig erklärte, bevor er sich quasi abseilte, sei dahin gestellt.

Auch die, bei fast einer Milliarde Baukosten ja schon überfällig Erklärung der Hamburger Senatoren, Altvorderen bzw. der treuen Lokalpresse, daß es sich um den mit Abstand besten Konzertsaal der Welt (warum nicht gleich des ganzen Universums?) handele und danach erst einmal eine Weile nichts käme, zeigt den schöngeredeten Größenwahn bei der Verschleuderung von Steuergeldern.

Immerhin verlautet, daß die Philharmonie kein Edelveranstaltungsort der Oberen Zehntausend (wie z.B. die Salzburger Festspiele! - Anmerkung Red.) sein soll, sondern man böte auch zu Eintrittpreisen, die auf dem Niveau einer Kinokarte lägen, jüngeren Menschen demnächst Zugang zu Konzerten an. Ein Aspekt, der erfreut.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck war beim Festakt direkt vor dem Konzert anwesend "Das Wahrzeichen einer weltoffenen, vielfältigen Metropole – und ein Juwel der Kulturnation Deutschland". Ähem... Vereherter Noch-Bundespräsident, darf man den Begriff "Kulturnation Deutschland" überhaupt noch verwenden?

Und Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich nicht nehmen in der Konzertpause von einem "fantastischen Konzertsaal" zu reden - weiter "Eines Tages werden wir alle sehr stolz sein, dass auch zu unseren Zeiten mal etwas gebaut wurde, wo Menschen vielleicht in 50 und 100 Jahren noch sagen: Guck mal, das war damals im Jahr 2017 am 11. Januar."

Unter dem Vorbehalt, daß es bös meinende Terroristen nicht wegsprengen, oder die wertvolen Kacheln allzu frühzeitig abfallen, wäre dies wirklich zu wünschen. Hoch und lang lebe die Hamburger Philharmonie wünscht DER OPERNFREUND.

Peter Bilsing 12.1.2017

Bilder (c) Der Opernfreund / Musenblaetter.de, Jürgen Drese

 

OPERNFREUND-BÜCHER-TIPP dazu

 

 

Die Sensation ist perfekt

Wiener Staatsoper ab 2020: Bogdan Roscic wird ab 2020 Staatsoperndirektor.

„Ich glaube, wir müssen in die Zukunft blicken“, sagt Minister Dr. Drozda zu der „wichtigsten Entscheidung seiner bisherigen politischen Tätigkeit.

Es ist ein ein Überraschungscoup: Musikmanager Bogdan Roščić wird ab 1. September 2020 Nachfolger von Dominique Meyer. Diese Entscheidung präsentierten Drozda und Holding-Chef Kircher. Roščić , einst Pop-Kritik der „Presse“, später Mastermind des ORF-Senders Ö3 und seit 2003 in der CD- und DVD-Branche aktiv, wird die Nachfolge Dominique Meyers antreten. Roscic ist derzeit Leiter des Klassik-Labels von Sony.

Auszug aus „Die Presse“: Die Entwicklung, die die Pflege der Klassik derzeit weltweit nähme, sei gut an der New Yorker Met zu studieren, diese „größte Opernhaus der Welt, das ein dreimal so hohes Budget wie die Wiener Staatsoper“ hätte. Derzeit sei an diesem Haus „jeder zweite Sitz leer“. Die Auslastung beim „populären“ Doppelabend „Cavalleria/Bajazzo“ hätte nur ein Drittel betragen. „Es wird offiziell nachgedacht über eine Winterpause“.

Man könne lernen von dem, was „unter den gnadenlosen Bedingungen in den USA“ geschehe. Auch das Publikum der Wiener Staatsoper werde, so Roscic, im Schnitt immer älter. Es sei „jeden Abend das Publikum neu anzusprechen“.

Das Publikum von morgen brauche auch Antworten auf die Fragen: Was? und Warum? Solche Antworten können „nur gegeben werden durch Erlebnisse von einer anderen Tiefe als sie die Theaterroutine oft zu bieten hat.“.. (Quelle: „Die Presse“)

Ich hätte natürlich auch ganz gut mit Frau Sobotka leben können, auch der bisherige Direktor hat die Staatsoper nicht in den Graben gefahren. Mit Bogdan Roscic hat wohl niemand gerechnet, mit einer Wette auf ihn (noch vor zwei bis drei Tagen) hätte man reich werden können – bei entsprechendem Einsatz natürlich!

Ich habe mich nie nur für Oper interessiert, in seiner Eigenschaft als Mastermind von Ö3 war Bogdan Roscic vor vielen Jahren mein Gesprächspartner, als es um behauptete Ungereimtheiten bei einer TV-Castingshow ging. Ich kann Ihnen versichern, dass Bogdan Roscic ein blitzgescheiter Mann ist, der mehr von Musik insgesamt versteht als viele der „gängigen“ Operndirektoren (und zudem nicht „betriebsblind“ ist). Zusätzlich – und das scheint mir heute besonders wichtig, ist Bogdan Roscic ein Top-Manager. Für mich ist ganz wichtig, dass der designierte Staatsoperndirektor nicht lange um den Brei herumredet, absolute Handschlagqualität hat und seinem Gegenüber beim Gespräch in die Augen schaut. 

Ob ich mich noch über die Arbeit des Bogdan Roscic freuen kann, steht in den Sternen. Ich bin kein Jüngling mehr – und vier Jahre sind eine verdammt lange Zeit! Ich bin aber überzeugt, dass Dominique Meyer ein voll intaktes Opernhaus übergibt!

Anton Cupak aus Wien 21.12.2016

 

Wiener Staatsoper: 103 % Besucher !

Gestern verschlug es mich zum „Liebestrank“, nicht eben meine Lieblingsoper – aber auszuhalten. Ich war nur Besucher, hatte demnach keine (bezahlte) Merker-Pressekarte sondern investierte drei Euro in einen Stehplatz. Samstag, Wien voll mit Touristen, ich besorgte mir die Karte mit meiner Stehplatz-Berechtigungkarte (zu erwerben um 50 Euro Saisongebühr), aber nur dann, wenn der derzeitige Inhaber die  Karte zurückgelegt  – es gibt meines Wissens nach eine Warteliste. Es war mir natürlich klar, dass ich 5 Minuten vor Vorstellungsbeginn keinen guten Stehplatz mehr finde (es herrscht das durchaus gerechte System „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“) – also stellte ich mich auf den allerschlechtestens Balkon-Stehplatz ein. Zuerst wollte ich mich auf der rechten Seite platzieren – keine Chance, mindestens 15 Besucher hatten keinen Platz gefunden und turnten auf den Stufen umher. „Die Touristen, die folgen einen Leithammel und wissen offenbar nicht, dass es auch eine linke Seite gibt“, so dachte ich und begab mich nach links.

Dort war es aber womöglich noch ärger, ich fand nicht einmal einen „Lehnplatz“ an der Wand, von dem man natürlich keinen Zentimeter Bühne sieht. Ich habe aber gehört, dass sich die Situation bald ändert, zumal die Besichtigungstour für viele dieser „Opernfreunde“ eigentlich absolviert ist und abgehakt werden kann. Was machen Leute, die zu spät kommen? Richtig, die sitzen auf der Galerie vor einem Bildschirm auf bequemen Sesseln. Also verließ ich den Balkon-Stehplatz und traf im Gang auf den Besucherdienst. Zuvor muss ich aber schon anmerken, dass der Besucherdienst ziemlich konsequent die Stufen geräumt hat. Das hält bekanntlich nicht lange, aber der Versuch war da.

Die „Amtssprache“ des (Balkon)-Besucherdienstes ist offenbar Englisch, das heißt, man wird, wenn nötig, gleich in englischer Sprache angesprochen (in einem österreichischen Opernhaus). Ich wollte also vom Besucherdienst wissen, wie es möglich ist, dass nur so viele Karten in den Verkauf kommen, wie es Stehmöglichkeiten „an der Stange“ und somit mit (halbwegs) Sichtmöglichkeit gibt, aber zumindest 30 Personen „überzählig“ waren. Der gute Mann stammelte verlegen, aber sehr höflich herum.

Nun, den Trick kenne ich aus meinen Jugendjahren auf den Stehplatz. Stehplatzler verbringen oft bereits mehrere Stunden im Haus  und dürfen daher das Haus zwecks Labung an preisgünstigeren Orten als es das Gerstner-Büffet ist, verlassen. Der Wiedereintritt erfolgt daher mit einer bereits „abgerissenen“ Eintrittskarte. Findige Köpfe haben herausgefunden, dass bereits im Haus befindliche Stehplatzler ihre Karten von einem „Mittelsmann“ an Wartende im Foyer weitergeben – und da kommt es dann zum Überbelag. Bei ausverkaufen Vorstellungen entsteht der Staatsoper kein finanzieller Schaden, aber für mich, der ich meine Karte regulär erworben habe, ist das weniger lustig!

Ich begab mich also auf die Galerie zum Bildschirm und wollte mir den ersten Akt von einen bequemen Sessel aus ansehen.  Die Tonqualität dort ist indiskutabel und zudem von einer Lautstärke, wie sie mir im trauten Heim abgefordert wird, wenn mein Enkel schläft! Ich beobachtete ein ständiges Kommen – aber auch Gehen. Bereits beim Auftritt des Belcore (da ist die Oper gerade mal 15 Minuten alt) verließ eine Familie mit zwei Kleinkindern (geschätzte 5 – 6 Jahre) ziemlich fluchtartig die Vorstellung, während meiner 30 minütigen Anwesenheit folgten sieben  weitere Besucher nach. Dann war ich denn doch süchtig nach einem „normalen Ton“ und wollte meinen Stehplatz wieder einnehmen.

Ich kam nicht weit, der Besucherdienst verweigerte mir den Eintritt selbst zum Stehplatz. Da dies in höflicher Form geschah, wurde es von mir auch akzeptiert. Die angebotene Sitzgelegenheit in der Garderobe lehnte ich ab und blieb im Gang stehen. Ich wurde vom Besucherdienst bis zur Pause regelrecht bewacht, der Mann wich nicht von meiner Seite.

In der Pause bemerkte ich dann einen Stau bei den Garderoben, weil sich so viele Leute bereits nach dem ersten Akt in das Wiener Nachtleben stürzen wollten. Den zweiten Akt sah ich dann von einem „verlassenen“ Stehplatz mit Sicht immerhin über die halbe Bühne!

Wie kann man das Problem der Übervölkerung auf den Stehplätzen lösen? Bei einem derartigen Besucherüberhang sollten die Damen und Herren Billeteure eben stichprobenartig Kartenkontrollen auch auf dem Stehplatz vornehmen!

Soweit meine Erlebnisse von der gestrigen vorstellung. Von Zeit zu Zeit ist es ganz günstig, wenn man sich die Dinge in der Realität anschaut!

Versöhnliches zum Abschluss: Welch anderes Operhaus der Welt hat derartige Probleme, muss mit einem derartigen Ansturm bei einem Repertoire-Liebestrank fertig werden!

Anton Cupak 11.12.16

 

OTELLO Düsseldorf

Epileptiker müssen draußen bleiben !

Am Eingang der Deutschen Oper am Rhein steht ein Schild, welches darauf hinweist, dass bei der einleitenden Sturmszene von Verdis „Otello“ Stroboskop-Licht eingesetzt wird. Menschen mit Neigung zur Epilepsie seien also gewarnt. Was machen nun aber diese armen Leute? Wird man sie später einlassen oder gar erst in der Pause zum zweiten Akt? Die gesundheitlich ungefährdeten Opernbesucher freuen sich hingegen vermutlich: das wird Oper doch wohl mal richtig spannend. Nix davon in MICHAEL THALHEIMERS Inszenierung, welche im Februar dieses Jahres bereits an der Opera Vlaandern Gent heraus kam…

Und das alles an einem Haus, wo noch vor kurzem ein umstrittender TANNHÄUSER mit drastischen KZ-Bildern schon direkt nach der Premiere vom Intendanten C. Meyer abgesetzt wurde, nicht wegen der harrschen Kritik der altvorderen Wagnerianer, sondern weil es (vorgeblich) einigen Premieren-Besuchern schlecht geworden war in der Opernaufführung.

Ich wäre nicht ich, wenn mich der Hinweis für Epileptiker besonders interessieren würde. Speziell was man damit erreichen wollte. Sollen die Menschen nun draußen bleiben? Sollen sie ganz auf den ersten Akt verzichten? Hätte man da nicht eine andere Lösung als das Stroboskop-Licht gefunden?

Anton Cupak 9.10.16

 

UNLAUTERE WERBUNG

"Opernhaus des Jahres" - was für eine Farce!

Nichts mehr als ein PR-GAG 

Alle Jahre wieder legt eine kleine Fachzeitschrift denselben PR-Gag auf. Das funktioniert so lange schon, weil die Opernhäuser der Republik die Aussagen einer vollkommen invaliden Umfrage zu unlauterer Werbung nutzen. Warum eigentlich?

Nötig hat es die Staatsoper Stuttgart nicht, sich mit falschen Titeln zu schmücken >>>>>>

Tagtäglich wird auf sie eingedroschen. Sie haben keine Ahnung, wohl eine ganz andere Aufführung besucht, vernichten hoffnungsvolle Karrieren und wollen sich auf Kosten der Opernhäuser profilieren: die Kritiker. Nur einmal im Jahr sind sie die Lieblinge der Nation. Nämlich dann, wenn eine kleine, deutsche Fachzeitschrift ihren alljährlichen PR-Gag veröffentlicht.

Die Opernwelt existiert seit 1960 und hat ihre besten Zeiten längst gesehen. Heute vegetiert sie nach eigenen Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren monatlich dahin – nicht IVW-geprüft, Tendenz fallend. Zum Vergleich: Die drei großen Opernmagazine im Internet vereinen monatlich sechsstellige Besucherzahlen – auch nicht IVW-geprüft, aber mit steigender Tendenz.

Ohne irgendwelche Kollegenschelte betreiben zu wollen: Die Themen der Opernwelt sind längst überholt, wenn das gedruckte Magazin einmal im Monat erscheint. Das liegt in der Natur der Druck-Sache. Aber einmal im Jahr ist ihr Name in vieler Munde. Nämlich dann, wenn sie unter anderem das „Opernhaus des Jahres“ kürt. Dazu veranstaltet die Zeitschrift mit dem eindrucksvollen Einzelheft-Preis von 14 Euro eine „Kritikerumfrage“ – und neuerdings auch eine „Leserumfrage“. Nach Angaben der Zeitschrift werden 50 Kritiker befragt, um dann nach dem Mehrheitsprinzip zu entscheiden. Das klingt doch eindrucksvoll. Da reisen also 50 Kritiker tagtäglich durch die Republik, damit ein jeder die rund 650 Premieren während einer Spielzeit begutachtet und dann – nach bestem Gewissen – sein Urteil fällt.

Schade, dass das schon rein rechnerisch nicht geht, vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Wenn ich im Jahr über rund 100 Aufführungen berichte, bin ich sehr stolz auf mich – und fühle mich reichlich ausgelaugt. Ich habe dann so viele großartige – und schlechte – Veranstaltungen besucht, dass ich beim besten Willen nicht sagen könnte und auch gar nicht sagen will, wer da der beste gewesen ist. Von Ausnahmen abgesehen. Die Oper Stuttgart war es jedenfalls nicht. Denn für einen Besuch dort hat die Zeit nicht gereicht. Da ging es mir wie vielen der Kritiker, die für den Spaß, den sich die Opernwelt erlaubt, ihren Namen hergeben.

Die Umfrage ist also weder repräsentativ noch valide.

Sie hat in ihrer Methodik eher Lotto-Charakter. Dass sich eine Zeitschrift mit einem solchen PR-Gag über Wasser hält, ist vollkommen in Ordnung. Er funktioniert ja schließlich. Für die befragten Kritiker ist es immerhin ein lohnendes Geschäft. Nach ihren Kreuzchen auf einer Liste erhalten sie als Aufwandentschädigung eine Kiste Wein. Da mag man sich entspannt zurücklehnen.

Die eigentliche Schande ist das, was nach der Veröffentlichung dieser „Umfrage“ passiert. Eigentlich sollte man Intendanten so viel Intelligenz unterstellen, dass sie die Absicht hinter dieser „Umfrage“ erkennen und sich mindestens stillschweigend davon distanzieren. Stattdessen prasseln in diesen Tagen die Pressemitteilungen in die Redaktionsstuben, die die „Ehrung“ verkünden.

Das ist peinlich oder unlauterer Wettbewerb.

Wenn Intendanz und nachgeordnete PR-Abteilung wider besseres Wissen eine vollkommen ungedeckte Aussage nutzen, um ihr Haus in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, ist das in meinen Augen irreführende Werbung. Dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten das auch noch unterstützen, indem sie diese PR-Meldung ungeprüft verbreiten, ist ein zusätzliches Ärgernis. Da gibt es tatsächlich Meldungen wie „Stuttgart ist Opernhaus des Jahres“.

Eine Ente.

Aber dafür gab es ja vermutlich auch schöne Werbeeinnahmen für die Trailer auf Arte anlässlich der Bayreuther Festspiele. Manus manum lavat. Es mag durchaus sein, dass Opernhäuser so weit im eigenen Saft schwimmen, dass sie an der eigenen Eitelkeit ersticken. Ihre Besucher freilich nicht. Und die lesen längst im Internet, welche Theater und Opernhäuser großartige Leistungen erbringen. Die brauchen solche fragwürdigen Methoden nicht. Und sind mitunter äußerst verärgert, weil es für sie ohnehin nur ein „Opernhaus des Jahres“ gibt – das eigene Stadttheater nämlich, in dem das Ensemble sich Haare und Beine ausreißt, um sein Publikum zu begeistern. Häuser übrigens, die in der Umfrage so gut wie gar nicht vorkommen. Und die auch keiner der 50 Kritiker überhaupt besucht hat.

In der eingangs erwähnten „Leserumfrage“ wird es dann übrigens völlig absurd. Da gibt es jetzt ein zweites „Opernhaus des Jahres“. Das immerhin hat so viel Klasse, dass es die überflüssige Auszeichnung nicht einmal erwähnt. Anders als bei der ach so objektiven Wikipedia, die den Opernhäusern kommentarlos die „Titel“ zuordnet. Hier ist nicht einmal mehr erkennbar, dass es sich um den PR-Gag eines Nischenmagazins handelt.

Für eine Kiste Wein

Vermutlich hält Selbstgerechtigkeit vom Denken ab. Wie bei den 50 Kritikern, die Opernwelt zitiert. Wie kritisch sind eigentlich Leute, die ihre Kreuzchen für Aufführungen setzen, an denen sie gar nicht teilgenommen haben? Für eine Kiste Wein? Und wie peinlich sind solche Menschen für den eigenen Berufsstand, dass sie sich für einen solchen Jux hergeben?

Ich jedenfalls distanziere mich von solchen Kolleginnen und Kollegen, die den journalistischen Auftrag zugunsten der eigenen Geltungssucht vernachlässigen. Und da passt es dann auch nicht mehr mit den Lieblingen der Nation. Aber was ist das schon gegen die Lächerlichkeit, sich mit falschen Titeln zu schmücken?

Michael S. Zerban 4.10.16

Mit freundlicher Genehmigung von OPERNNETZ

P.S.

DER OPERNFREUND schließt sich natürlich dieser Distanzierung an!

 

 

OH JEH, OH JEE - WIE STÖRT MICH DAS...

Warum inszenieren Regisseure überhaupt Opern, die sie eigentlich doof finden?

Eine persönliche Frage angesichts des Saisonbeginns, wo ich mich  gleich zwei höchst ärgerlichen Opernabenden gegenüber sah, deren Gestalter schöne Opern, welche sie für viel Geld inszenieren dürfen, eigentlich erklärtermaßen doof finden oder die zumindest so wirkend lassen, als wenn ihre "Regisseure" sie tief im Inneren hassen und nur verunglimpfen möchten bzw. positive Bilderinnerungen und die fantasie des Standartpublikums bewusst zerstören wollen. Einige weitere Fragen:

- Darf Oper nicht mehr schön sein?

- Darf man Opern in angenehmen Bühnenbildern nicht mehr genießen?

- Hört noch jemand vom Regie-Team die Sprache der Musik und der Noten?

- Ist das Libretto zu schäbig, zu unvollkommen, daß es nicht mehr gilt?

- Warum muß das Vorspiel bebildert werden?

- Warum muß man neue Personen hinzu erfinden?

War es noch vor einem Vierteljahrhundert der omnipräsente Fernseher (z.B. John Dew), kamen später die Lammellevorhänge oder Wandbeschriftungen (z.B. Günter Krämer) - in dieser Zeit kam es auch in Mode, daß ganze Regimenter von Choristen über die Zuschauereingänge hereinstürmten, sich durch die Reihen quetschten oder Protagonisten aus dem Zuschauerraum sangen bzw. einzelner Besucher mit einbezogen in ihre Action (oft war das allerdings auch abgesprochen).

Heute gibt es ein Requisit, welches als Paradebeispiel für Mumpitz zu nennen wäre:

Ein Wohnwagen

Je schäbiger, desto besser! Ob darin nun Rusalka haust, oder Mime, oder ob man sie als bessere Pommesbude und Kapitalismus-Symbol (??) missbraucht wie in der Bonner "La Boheme", irgendwie sind Wohnwagen wieder "in" auf der Opernbühne. Wohnwagen sind hip; sind geradezu unvermeidlich.

Weitere Standard-Ingredienzienen, die ich oft besonders bei Schauspiel-Regisseuren beobachte wären: Müllplätze, Toilettenräume, düsteres Hinterhöfe, Irrenanstalten, Bordelle, Krankenbetten, Rollstühle, Bierflaschen, sinnlose Bumserei, Bierkisten als Sitzmöbel, Sauforgien oder die rudimentär bis auf die Brandmauern leer geräumte Bühne. Hab ich etwas vergessen?

Ach ja - Schauspielregisseure zeigen dem Publikum auch gerne, daß die Bühne eben kein Zauberkasten der Illusionen ist. Bühne ist Realität pur!

Da schieben dann Komparsen einen billigen Drachen auf Rädern und Stangen herein, arbeiten Bühnenwerker nicht im Dunkeln, sondern marschieren, montieren und agieren offen auf der Bühne, treten Protagonisten nicht ab, sondern müssen sich in Ecken stellen, oder wir sehen, wie man rote Taschenlampen und einen Rauchtopf in die Mülltonne stellt, die später (wieder Bonner "Boheme") zur als notdürftige Heizung mittels Verbrennung von Bücherseiten dient, was dann natürlich völlig blödsinnig aussieht. Na ja feuer auf der Bühne ist ja ohnehin verboten...

Neuester Trend: die frei hinzu erfundene - im Libretto gar nicht vorhandene - zusätzliche Personnage, die permanent auf der Bühne (meist störend) herumhampelt. Mit-dirigierend Komponisten, sich erinnernde Greise oder gar Puppen und Untote. Ich wette, jeder von meinen geneigten Lesern und Opernfreunden, könnte gleich eine handvoll Produktionen nennen, oder mein Sammelsurium ergänzen...

Bei all dem hat das Publikum eigentlich die doppelte A....-Karte (wie man heute sagt) gezogen, denn erstens bezahlen sie den ganzen Krempel und zweitens müssen sie sich den Mist auch noch anschauen. Ein Abonnement zahlt man ja im voraus.

Leiden ist angesagt!

Doch jeder leidet anders...

Nicht alle leiden gleich.

Der humorlose bärbeissige Kritiker PB leidet zum Beispiel ganz außerordentlich, wenn man Offenbachs feinsinnige Operetten im dümmlichen RTL-Klamauk inszeniert oder die Strauss´sche "Fledermaus" als moderne Dick-und-Doof-Klamotte noch dazu mit frei erfunden neuen Blödmannstexten präsentiert und damit ruiniert. Noch ärger ist es, wenn man auf harten Bürostühlen (Wuppertal) mitten der Bühne sitzen muß, weil der Zuschauerraum aus dramaturgischen Gründen z.B. leer bleiben soll. Der Steuerzahler lässt schön grüßen! Nun denn...

Das musste jetzt mal raus! Schon wegen meines Seelenheils.

Einen weiteren fröhlichen Saisonanfang 2016/17

wünscht Ihr  Peter Bilsing (Hrg.)

 

P.S.1. unseres Stellvertretenden Chefredakteurs

Vor ganz ganz langer Zeit - alte Opernfreunde erinnern sich - war es üblich, Ouvertüre oder Vorspiel vor geschlossenem Vorhang vom Orchester spielen zu lassen, wie es ja alle Komponisten auch wünschen. Irgendwann reichte den Regisseuren, meist vom Schauspiel her zur Opernregie gewechselt, das nicht mehr, um ihre Auffassung der Handlung vorzubereiten. Also wurden Vorspiel oder Ouvertüre "bespielt". Kollege Bilsing spricht von "bebildert". Das reicht in letzter Zeit vielen immer noch nicht, man fängt jetzt schon vor jeglicher Musik mit Aktionen an, so etwa in Bonn bei "Bohème" in Münster bei "Faust" oder "Tristan" und "Giovanni" in Dortmund. Demnächst fängt man dann schon an zu spielen, bevor das Publikum überhaupt da ist,

fürchtet Sigi Brockmann. 29.9.16

 

P.S.2 Brandaktuell: Halle/Saale DER FLIEGENDE HOLLÄNDER - Auftaktpremiere

Das passt ja wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge ;-))) Regie: Florian Lutz - von unseren Kollegen der OPERNWELT zum "Newcomer des letzten Jahres" gewählt.

HETEROTOPIA: Das Publikum wird über verschiedene Decks eingelassen. Stewards und Stewardessen führen die Besucher zur Bühne, verteilen dort Schlafbrillen, die man aufsetzten muss, um dann, gruppenweise geklammert an ein Tau, auf die dunkle Szene geführt zu werden. Im Stehen ist dort die Ouvertüre anzuhören – „machen Sie sich Ihre eigenen Bilder dazu!“, mahnen die Crewmitglieder – dann geht das Licht an und die Opernbesucher dürfen endlich ihre Plätze einnehmen. Mehr demnächst...

 

 

Wenn die "Bleistiftin" in die "Papierkörbin" wandert und die "Computerin" dazu lacht ;-)

Unfassbar – denn heute ist nicht der 1. April: Die Bleistiftin, die Papierkörbin, die Computerin etc. Deutschlands Linke fordert geschlechtergerechte Sprache für Büromittel !

FLENSBURG. Der Papierkorb, der Bleistift, der Computer: Viele Arbeitsmittel sind männlich. Durch die tägliche Konfrontation mit ihnen, drohen deren Benutzer in patriarchale Denkmuster und Verhaltensweisen zurückzufallen beziehungsweise diesen nicht zu entkommen. Das zumindest fürchtet die Linkspartei in Flensburg. Ihre Ratsfraktion hat daher nun in einem Antrag gefordert, alle Arbeitsmittel aus allen Arbeitsbereichen der öffentlichen Verwaltung geschlechterneutral auszudrücken. Dies gelte „insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel“, heißt es in einer Beschlußvorlage für die Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 28. September. Beraten soll die Ratsversammlung über den Antrag dann Mitte Oktober.

Wer es nicht glaubt, findet hier den Antrag

Ich muss doch noch einmal in den Kalender blicken, gar so lange ist der 1. April noch nicht vorbei. Vielleicht haben die Abgeordneten am 1. April den Antrag beschlossen und der Amtsschimmel wiehert auch in Flensburg so lange!

Wenn ich mir aber den Antrag ansehe, fällt mir eine Inkonsequenz auf: Die Fraktionsvorsitzende heißt Gabriele Ritter und hat unter diesem Namen den Antrag eingebracht. Konsequenter Weise müsste sie mit Gabriele Ritterin unterschreiben, sonst führt sie den eigenen Antrag ad absurdum!

Oder ist das doch ein Gag auf Steuerzahlers Kosten?

„Heute“ entnehme ich: Auf Nachfrage wird klar: Die Linken um Fraktionschefin Gabi Ritter hatten mit der Aktion auf die Anfrage der Fraktion „Wir in Flensburg“ reagiert, die den Antrag stellte, „Ratsfrau“ durch „Ratsdame“ zu ersetzen.Später klärten die Linken auf ihrer Website auf: „Die Linke wird den Antrag der WiF ablehnen und empfiehlt dies auch für den eigenen Ergänzungsantrag, der bestenfalls für Lachanfälle im Rathaus sorgen sollte…“

Die Welt steht wohl nicht mehr lange!

Genießen wir daher jeden Tag, so auch den heutigen!

herzlichst Ihr Anton Cupak (Wien)

27.9.16

 

 

 

 

(c) P. Klier

 

WUPPERTALER BÜHNEN

Eine neue Ära - quo vadis tatsächlich?

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren...

Berthold Schneider ist neuer Opernintendant. Ein Aufbruch in eine neue Ära ist der Saisonstart der Oper auf jeden Fall! Aber ob die neue Welle des relativ kompromisslosen "Regie-Theaters" bei den eigentlich konservativen Wuppertaler Opernfreunden wirklich ankommt und auch das Abo der Theatergemeinden so begeistert ist, wie das gestrige Premierenpublikum, welches üblicherweise in nicht geringen Teilen aus Wohlwollenden ("Claqueure" wäre ein zu harter Begriff) - Fans und Freunden der vier "internationalen Regisseure" und Hauspersonal bestand (zumindest so meine Bobachtung und Wahrnehmung), wage ich zu bezweifeln...

Musikalisch haben sich Welten verbessert, denn Kamioka - so gut wie er als Dirigent der Sinfoniekonzerte war - hatte in der Oper über die Jahre kein richtig überzeugendes Dirigat abgeliefert. Ganz anders David Parry bei der Hoffmann-Premiere; da spielten die Damen und Herren des Sinfonieorchester Wuppertaler fast begnadet gut auf. Ähnlich hohe Qualität hatten wir jahrlang nicht mehr gehört. Und auch gesanglich war die Aufführung ohne Fehl und Tadel auf sehr hohem Niveau.

Nun zur Produktion, die ihre Nagelprobe demnächst im realen Abonnement des Alltags und der anreisenden Theatergemeinden und Besucherzirkel beweisen wird. Da sehe ich noch lange keine solche Riesenbegeisterung, es wird eher Irritation und Ärger geben...

Ich weiß nicht ob der Alltagsopernfreund das alles so leicht verkraftet, denn das Ganze hat nicht viel mit den traditionellen "Hoffmanns Erzählungen" zu tun, die man so kennt. Mit "man" meine ich Sie, verehrte Lesergemeinde der Opernfreunde, denn ich weiß ja schon seit letztem Sommer (Bregenzer Festspiele 2015: Herheims "Hoffmanns Erzählungen" im Festspielhaus), daß der Dichter eigentlich schwul, besser formuliert: eine Tunte ist, die sich überwiegend in Strapsen und Rokoko Unterwäsche feiern lässt.

Mich kann also nichts mehr erschüttern. Aber vielleicht gefällt

- Stella als eine Art Neuenfels-Parodie (stets betrunken und Unsinn lallend den Abend begleitet)

- unsäglich lange, gesprochenen Zusatztexte, die das Ganze auf fast 4 Stunden aufblähen

- ein blutiger Olympia-Akt *

* nicht nur durch das Absägen der Hand einer attraktiven Nackten, die vorher auf einem Teppich so voyeuristisch wie sinnlos über die Bühne gezogen wird, sondern auch dank einer Olympia, die mich hier irgendwie an James Bonds Beißer-Bösewicht (Moonraker, 1979) erinnert, wenn sie erst ein Vögelchen mit ihren Metallzähnchen zerfetzt und schließlich Hoffmanns kleinen Hoffmann bei einer von allen bewunderten Fellatio blutig abschnibbelt - aber vielleicht ist dies ja ein Akt zeitgemäßen Beschneidungsrituals, den ich nur nicht verstanden habe...

Doch weiter: Überspringen wir den Antonia Akt mit der sich ständig in-die-Ecke-stellenden Antonia bzw. Hoffmann und (schon wieder Blut!) die projizierten Blutspitzer an der kleinen Berliner Mauer. Daß Antonia am Ende wie eine abwärts fahrende Mülltonne im Boden versinken muss, sieht allerdings - ganz entgegen der traurigen Handlung - irgendwie komisch aus...

Springen wir also in den von allen doch so geliebten und schön musikalisch komponierten Giulietta-Venedig-Baccarolen Akt:

Natürlich erwartet keiner mehr auf der heutigen Opern-Bühne Gondeln, oder doch?

Unter uns: diese falsche Romantik war immer schon unlogisch und verlogen, denn die Geschichte spielt ja ganz einfach gesprochen im Bordell. Ja, dieser Jaques Offenbach war schon ein echter Witzbold und Zyniker. Romantik im Puff. Sauerei!

Dann ist es doch eigentlich gar nicht mehr so schlimm, wenn man es in der Wuppertaler Version folgerichtig (?) in der Irrenanstalt spielen lässt, oder stört Sie das nun doch? Es ist wohl ein Sanatorium der besonderen Art, denn hier agieren sexy Krankenschwestern in High Heels und weiß rotem Gummikostüm, die schonmal ihre Patienten mit Infusionsschläuchen fesseln, würgen od. ähnliche Dinge tun. Krankenschwesternsex will ich nicht unterstellen, denn am Ende wird Hoffmann, in einer antiken Badewanne stehend, kalt abgeduscht (keine Sorge, er ist nicht nackt!) und singt dazu; was das "Premierenpublikum" schwer begeisterte - irgendwie erinnert mich das an den schönen Woody Allen Film "To Rome with Love" (2012): da gab es einen tollen Sänger, der aber nur unter der Dusche singen konnte...

Nun denn, genug! Jetzt wissen Sie, was auf Sie zu kommt.

Trauen Sie keinem Kritiker - mir natürlich auch nicht ;-)

und so komplettiere ich meinen Satz vom Anfang, sie erinnern sich, wo es heißt:

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren...

... um sich zu ärgern!

 

Herzlich grüsst

ihr

Peter Bilsing (Hrg.)

der weiterhin von Opernhaus zu Opernhaus düst

um Sie zu informieren, was tatsächlich Sache ist...

 

P.S. Zur Kritik vom Kollegen Zimmermann

 

 

In Roms Oper hat das große Zittern begonnen...

...Virginia Raggi, die neue Bürgermeisterin, scheint keine Opernfreundin zu sein. 

„Alle Römer haben ein Anrecht auf Kultur.“, betont Bürgermeisterin Virginia Raggi. dpa / Alessandro Di Meo) Mehr alternative Kultur für mehr Bürger und dafür weniger Hochkultur nur für Wenige, das hat sich Roms neue Bürgermeisterin Virginia Raggi vorgenommen. Statt Geld ins Opernhaus zu schießen, möchte sie lieber Sportstätten am Stadtrand restaurieren…

… Der Stadtrand: das ist kulturpolitisch das große Thema der neuen Bürgermeisterin. Und deshalb hat sie den einstmals linksdemokratischen Kulturpolitiker Luca Bergamo zum neuen Kulturstadtrat ernannt. Bergamo hat sich in der römischen Kommunalpolitik einen Namen als Organisator und Unterstützer vor allem alternativer Kulturprojekte machen können.

„Uns geht es nicht nur um Kultur im Stadtzentrum, in der Altstadt, sondern um die seit Jahren kulturpolitisch total vernachlässigten Peripherien. Die brauchen mehr finanziellen und logistischen Einsatz unsererseits. Alle Römer haben ein Anrecht auf Kultur.“

Fast alle Bürgermeister, ob rechts oder links, finanzierten vor allem prestigeträchtige Kulturprojekte im Stadtzentrum: vom Opernhaus, das von der Stadt Rom mit etwas mehr als 15 Millionen Euro mitfinanziert wird, über kommunale Museen, Konzerthallen und Popkonzerte. Für Theater, Kinos, Open-Air-Einrichtungen und andere Kulturinitiativen, die entweder alternativ und oder am Stadtrand beheimatet sind, blieb fast nichts mehr übrig… (Quelle: „DeutschlandRadioKultur)

Soweit die für Roms Opernfreunde nicht eben erfreuliche Nachricht. Ich kenne die Situation in Rom nicht, deshalb wäre jeder Kommentar dazu unseriös. Aber irgendwie ist die Politikerin auch zu verstehen.

Streikdrohungen werden in Roms Oper in nächster Zeit wohl ausbleiben, jeder Mitarbeiter zittert um seinen Posten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bürgermeisterin, unter Druck gesetzt, sagt „Na dann eben nicht!“

Anton Cupak 24.8.16

Foto (c) Di Meo

 

Zurück vom Ring

Der Ring bei SKY

Das Pay-TV-Unternehmen Sky bringt einen neuen Kulturkanal, Sky Arts HD, ans Netz und hat sich als erstes Großprojekt eine Weltpremiere ausgesucht: Die Live-Übertragung von Wagners Ring des Nibelungen von den Festspielen in Bayreuth. Was oft für die Inszenierungen bei den Festspielen gilt, trifft nun auch auf das ambitionierte Sendekonzept zu: Es muss dringend in die Werkstatt.

Der Splitscreen ist bekannt aus Sportübertragungen, in der Oper überzeugt er nicht.

Größenwahn, Wagner und Bayreuth – diese Wortkette kann nun um einen Begriff erweitert werden: Sky. Das Pay-TV Unternehmen ist bislang vor allem durch die Übertragungsrechte für Sportveranstaltungen aller Couleur bekannt gewesen. Auch Serienjunkies und Filmfreunde finden hier reiche Auswahl. So traut man seinen Augen kaum, als auf dem neuen Kultursender, der am 21. Juli ans Netz geht, eine Weltpremiere angekündigt wird: Die Live-Übertragung von Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Frank Castorf. Mutig ist noch eine vorsichtige Umschreibung für dieses Unterfangen eines Senders, der sich in dieser Sparte noch nicht bewähren konnte. Denn selbst lang erfahrene Programme wie 3Sat oder Arte haben das Potenzial von Opernübertragungen noch nicht umfassend ausgeschöpft.

Das Münchener Unternehmen Sky vertraut bei diesem Projekt auf seine altbewährten Pfade, Serien und Sport. Doch schon der Programmhinweis bringt den Kulturfreund zum Stirnrunzeln: Denn beispielsweise wird der Vorabend zum Ring so angekündigt: „Das Rheingold – Staffel 1, Folge 1.“ Offensichtlich sucht Sky die neuen Kulturzuschauer unter den Fans von Serien wie Game of Thrones, die mit diesen Jargons vertraut sind. Eine gewisse Ähnlichkeit der Genres ist natürlich nicht zu leugnen, aber ob man allem ein neues Etikett geben muss, ist fraglich. Bei Staffel 1, Folge 2, auch die Walküre genannt, fällt dann der kleine Etikettenschwindel auf: Denn so ganz live ist die ganze Übertragung nicht. Während im Orchestergraben Marek Janowski ziemlich pünktlich gegen 16 Uhr den Taktstock hebt, wie man auf diversen Radiosendern hören kann, beginnt Sky erst um 16:30 Uhr mit dem Vor- und Rahmenprogramm. Live-zeitversetzt nennt man dieses Format, und dann darf das auch so angekündigt werden.

Schnell glaubt man den Vorteil dieser Versetzung auszumachen. Denn dadurch könnte man die langen Pausen im Festspielhaus etwas auffangen und schließlich zeitgleich den Opernabend beenden. Doch Sky hat sich ein umfangreiches Rahmenprogramm einfallen lassen. Ehre, wem Ehre gebührt: Mit zahlreichen Gästen wird es nicht langweilig. Der Informationsgehalt ist hoch, vielleicht sogar zu hoch. Die Redaktion hat sich viel einfallen lassen, will die Festspiele, die Oper, Wagner zeitgemäß präsentieren. Allerdings muss man hinterfragen, ob man live sehen muss, wie ein ortsansässiger Tätowierer einem Gast ein Tattoo sticht. Auch Interviews mit dem Dramaturgen in der Sauna wollen nicht so recht zum Rahmenprogramm der Festspiele passen.

Umbesetzungen sind in Bayreuth nicht unüblich, Sky sollte diesbezüglich mal über einen neuen Moderator nachdenken. Axel Brüggemann gibt sich gut gelaunt und salopp, ein Strahlemann für eine dramatische Oper, vielleicht sogar passend zum im Ansatz frechen Regiekonzept von Frank Castorf. Offensichtlich ist diese Aufgabe eine Nummer zu groß für Brüggemann, der immer wieder den Faden zu verlieren scheint. Die Fragen an seine Gäste sind oft umständlich gestellt und wie man diese ausreden lässt, sollte man als Moderator auch wissen. Nur ein paar Beispiele: Bariton Ryan McKinny singt laut Brüggemann den Parsifal und nicht den Amfortas. Dem starken Einspringer Albert Pesendorfer gibt er den Vornamen Alberich, und in der Bühnenbildbeschreibung macht er aus der New Yorker Börse den Deutschen Reichstag. Die teilweise irritierten Reaktionen der Befragten sind Situationskomik pur. Das ältere Ehepaar, das nach der sexuellen Wirkung von Wagners Musik in der Walküre gefragt wurde, tut dem Zuschauer leid. Fragen aus dem Off wie „Kann ich jetzt gehen?“ erinnern an eine Sitcom.

Auch die Freunde der Sportübertragungen kommen auf ihre Kosten: Bei Gesprächen über die zuvor gesehene Halbzeit, pardon, über den zuvor gesehen Akt greift Sky zu der im Fußball bewährten Mode des Splitscreens, wo man die angesprochene Szene mit Ton (!) und die sprechenden Gäste gleichzeitig – sofern den Sinnesorganen möglich – verfolgen kann.

Kurzum: Sky hätte sich eben mehr am Theater orientieren müssen und nicht an Serien und Fußball. Nicht umsonst gibt es im Theater eine Generalprobe. So ambitioniert das Konzept auch ist, es hätte einen Probelauf gebraucht, an einer einzelnen Oper und nicht an einer derartigen Liveübertragung über mehrere Tage. Der Fluch des Rings macht auch vor dem Sender Sky nicht halt, und das merkt man allen Ecken und Enden. Die Teaser sind stellenweise laienhaft geschnitten. Da sind Ton und Bild um eine Sekunde verschoben – das ist schon im Gespräch unangenehm, während einer Oper ist das peinlich. Nicht das Fehler nicht menschlich wären, aber diese unrühmliche Präsentation eines Großprojektes wäre vermeidbar gewesen. Aber wie auch am Ende von Wagners Ring gibt es noch Hoffnung, dass sich der Werkstatt-Gedanke Bayreuths auch auf dieses Projekt anwenden lässt. Ein Bild bleibt allerdings positiv unvergesslich: Die versammelte Sängerschar, die nach der Götterdämmerung im Studio müde und glücklich in die Kamera strahlt.

Christoph Broermann 4.8.16

Besonderer Dank on OPERNNETZ

 

DER BAYXIT

Tante Katharinas Kindergarten in Bayreuth

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: ich bin nebenbei auch Kindergärtner. Überall dort, wo mehrere Personen zusammenarbeiten, entsteht ein Kindergarten für scheinbar Erwachsene. Eifersüchteleiten, Trotzgebärden – das ist doch zutiefst menschlich!

„Tante“ Katharina Wagner betreibt in Bayreuth einen Kindergarten, der sich aus der Masse derartiger Einrichtungen durch seine Medienpräsenz heraushebt – weil er nämlich ein Kindergarten für Erwachsene und solche, die es werden wollen, ist.

Wann schafft es Bayreuth eigentlich, eine Premiere ohne Rauswurf oder Rücktritt eines Künstlers in letzter Sekunde herauszubringen? Vor einigen Tagen reiste Andris Nelsons aus Franken ab – und kehrt – zumindest für diesen Festspielsommer – nicht wieder. Wer die Premiere des „Parsifal“ am 25. Juli dirigiert, ist noch unklar.

Die berühmten Bayreuth-Skandale, wie z.B. letztes Jahr die kurzfristig ausgestiegene „Isolde“, die medienwirksame Ausbootung von Parsifal-Regisseur Jonathan Meese oder 2012 die absolut lächerliche Hakenkreuz-Tatoo-Geschichte von Evgenji Nikitin (der Gipfel aller Blödheit!!!) sind ja prinzipiell nichts Neues, so dass man manchmal schon fast meinen möchte, es handelt sich um gezielte PR-Aktionen, die dem Festival kurzfristig grosse mediale Aufmerksamkeit und dadurch auch Werbung (?) bescheren. Die ebenfalls total lächerliche, für die Leute vor Ort aber angeblich tatsächlich sehr nervige Security- Farce, hätte ich als Außenbetrachter übrigens, vor allem auch in Anbetracht der medialen Ausschlachtung, in einen ähnlichen Kontext gestellt.

Sollte Andris Nelsons aber nun wirklich über diesen Festspielsommer hinaus dem Festival den Rücken kehren, wäre das schon ein herbes Eigentor!

Dr. Robert Braunmüller von der „Münchner Abendzeitung“ ist nah am Geschehen dran: Natürlich gibt es zu diesen atmosphärischen Trübungen allerlei Hügelgezwitscher. Nelsons dankt allen Mitwirkenden der Produktion einschließlich dem Management. Wo war dann das Problem? Angeblich heißt es Christian Thielemann. Der Musikdirektor der Festspiele gehört streng juristisch gesehen nicht zur Leitung der Festspiele. Er habe, so wollen Insider wissen, aber seinem Kollegen unerbeten gute Ratschläge erteilt, die dieser nicht habe hören wollen. Thielemann habe sich sogar in dessen Proben eingemischt.

Das Ganze passt zum Krach des Vorjahrs. Da erklärte Kirill Petrenko nach alsbald wieder dementierten Hausverboten für die ausscheidende Mit-Festspielchefin Eva Wagner-Pasquier und anderen Unstimmigkeiten, „nur die Verantwortung und der Respekt meinen Kollegen“ gegenüber habe ihn davon abgehalten, „seine Mitwirkung aufzukündigen.“

Auch da spielte Thielemann eine Rolle als Intrigant. Dass dieser Dirigent erfolgreiche Kollegen wegbeißt, ist seit seinem Abschied mit den Münchner Philharmonikern ein offenes Geheimnis. Nelsons ist als kommender Chef des Gewandhausorchesters Leipzig der lokale Konkurrent der von Thielemann geleiteten Staatskapelle Dresden… (Quelle: Münchner Abendzeitung)

Ich habe nun wieder meine Opernmaus ausgeschickt, die mir auch aus der Wiener Staatsoper so manch interessantes Geschichtchen berichtet. Meine Maus ist mit der Bahn im Gepäckwaggon gereist, in ein Flugzeug bringe ich sie angesichts der unsicheren Zeiten nicht rein, abgesehen davon, dass Bayreuth wohl von den wenigsten Festspielgästen „angeflogen“ wird. Die Maus hat mir bereits einen Zwischenbericht abgeliefert. Christian Thielemann mischt sich überall ein, dirigiert sogar mit, gibt dem Chor Anweisungen. Die Choristen wie auch das Orchester hören auf den „Chef“, auch das ist zutiefst menschlich. Das kann sich ein Premierendirigent natürlich nicht gefallen lassen. Im Vorjahr hat es bereits bei Petrenko gekriselt, aber der hat Herrn Thielemann anderswo elegant ausgebremst. Nun dirigiert Marek Janowski den Ring. Mein Mäuschen wird sich einen guten Platz bei den Ring-Proben sichern, denn wenn zwei Berliner – Janowski ist bereits längst einer bzw. kann es inzwischen besser als die Berliner – streiten, dann fliegen die Fetzen. Das ist anders als bei uns Wienern, wir streiten sozusagen freundlich miteinander – dafür sind wir umso nachtragender.

Wer wird sich das „Parsifal“-Dirigat unter diesen Vorzeichen nun antun? Wir werden es wohl in wenigen Stunden/Tagen wissen. Mein Mäuschen bleibt dran und wird mir auch berichten, wie „Tante Katharina“ mit ihren „Streithanseln“ umgeht!

Bayreuth liefert also pünktlich zur heute angebrochenen „Sauregurkenzeit“ für uns Medienschafffende einen Skandal. Dank an alle, die ihn ermöglicht haben!

Anton Cupak 1.7.16

 

 

„Buh-Rufe“ an der Staatsoper

Persönliche Erinnerungen eines alteingesessenen Wiener Opernfreunds.

Der „Fall“ Lindstrom erinnert mich ein bisschen an Montserrat Caballé, ohne die beiden Sängerinnen jetzt wirklich zu vergleichen. Die kam – nach 2 Auftritten 1959, als sie noch kein Mensch kannte – 1971 erstmalls nach Wien (Troubadur-Leonore u. Carlo-Elisabeth) und war nur mäßig erfolgreich. Ihre Fans sagten damals, das seien nicht die richtigen Rollen gewesen, man müsste sie in den Belcanto-Partien erleben. 1977 kam dann endlich die Norma und sie enttäuschte so, dass sie am Schluss sogar ausgebuht wurde. Aber im Gegensatz zu heute hat sich damals niemand wirklich aufgeregt – aber gut, der damalige Direktor Gamsjäger war ein alter Theaterhase, den so was nicht mehr erschüttern konnte. Diese „Norma“-Premiere war überigens ein Beispiel, wie eine Produktion trotz einer von der Papierform her tollen Besetzung (Muti; Caballé, Cossotto, Cossutta) total daneben gehen kann. 

Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass das Publikum gleichgültiger geworden ist. Ich kann mich an viele Vorstellungen in den 60er- und 70er-Jahren erinnern, wo es viel öfter Missfallenskundgebungen – auch mit Zwischenrufen – gegeben hat. Der Direktor hat sogar zeitweise die Solovorhänge untersagt. Ich kann mich außerdem z.B. an die an sich im Ganzen total verunglückte „Fledermaus“-Produktion im Theater a.d. Wien zu den Festwochen 1975 erinnern, als nach dem Couplet des Orlofski, der von Blanche Aubry gestaltet – gesungen konnte man das nicht nennen – wurde, von der Galerie der Ruf kam: „Madl lern singen!“.

Diese Gleichgültigkeit hat sicher auch damit zu tun, daß der Stehplatz heute keine eingeschworene Gemeinschaft mehr ist – früher waren die ca. ersten 100-150 angestellten Stehplatzler trotz verschiedener Sängervorlieben eine eingeschworene Gesellschaft, die meinungsbildend war – sondern zum größten Teil nur mehr aus gelegentlichen Besuchern und Touristehn besteht. Mir fällt hier eine lustige Geschichte ein, die, wenn sie nicht stimmt, zumindest gut erfunden ist:

Bei der berühmt-berüchtigten Macbeth-Premiere vom 7.12.2009 (Nemirowa-Regie), ging es ja bekanntlich bereits während der Vorstellung „rund“, weshalb sich Direktor Holender den Chef des Publikumsdienstes kommen ließ und ihn aufforderte, am Stehplatz für Ruhe zu sorgen. Dieser entgegnete, dass der Stehplatz eigentlich ganz ruhig sei, die Missfallenskundgebungen kämen von den Sitzplätzen. Na ja, viele ehemaliger Stehplatzler sind halt heute „gut betucht“ und leisten sich ein Sitzplatz, aber ihre Begeisterung für die Oper haben sie noch nicht wirklich verloren.

Heinrich Schramm-Schiessl (Wien) 6.5.16

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online.

 

 

HAT DER ZWISCHENRUFER ECHT?

Der Zwischenrufer bei „Turandot“ in der Wiener StOp hat sich geoutet.

Nicht an mich, sondern an unser Forum erging nachstehend angeführtes „Bekennerschreiben“:

Ich bekenne mich zu dem „Attentat“ auf Gustavo Dudamel vom 1.Mai 2016. Als Chorsolist eines großen deutschsprachigen Opernhauses konnte ich es einfach nicht mehr mitanhören-,und sehen, wie (Chor)-Sänger-unfreundlich dieses hochgejubelte „Wunderkind“ da unten am Pult agierte. Tempi -speziell im 1.Akt- wurden so unnachgiebig rasch gedroschen, dass der wunderbare Staatsopernchor ohne Schuld ständig nachhinkte. Am Ende des 2.Aktes dann eine Lautstärke, die einer Disco alle Ehre gemacht hätte … da war keine Sängerstimme mehr zu hören.
So musste ich „leider“ diesen Zwischenruf vor Beginn des 3. Aktes tätigen, da ich sonst an meinem Ärger erstickt wäre. Und es tut mir NICHT leid. Wenn Herr Dudamel den Wortlaut nicht verstanden haben sollte, so wird man ihn ihm bestimmt schon übersetzt haben, und vielleicht ist er ja so klug, und verwendet demnächst tatsächlich eine Partitur, da stehen nämlich Lautstärke,-und Tempobezeichnungen von Giacomo Puccini drin, so wie er sie haben wollte.Der Meister wird sich bestimmt etwas dabei gedacht haben.

Das kommt selten vor, dass sich ein „Buh-Rufer“ outet. Der Mann ist tatsächlich von der „Branche“ – und ich weiß auch, wer er ist (leider wissen es Forumsteilnehmer auch, ich kann diese nur bitten, ihr Wissen nicht weiterzugeben – sonst erfahren wir von denen, die es wissen müssen, außer „Schleimscheißereien“ nichts mehr). Für meine Person kann ich Stillschweigen garantieren, ich habe mit dem Direktor noch nie im „Sole“ gespeist und werde es auch in Zukunft nicht tun!

Aber es kommen Insidermeinungen auch direkt an mich.Es hat sich bereits rumgesprochen, dass auf meine Diskretion Verlass ist, versuchen Sie also bitte nicht über „Umwege“ (Mitarbeiter) an die Namen zu kommen, die wissen diese nicht. So wird Gustavo Dudamel von einer Seite in Schutz genommen, die es wissen muss:

Der hohe Wiener Orchestergraben hat Tücken, mit denen Hausdebütanten, also Dirigenten, oftmals ihre liebe Mühe haben. Die Herren bemerken oft selber diese akustischen Probleme von ihrem Platz aus gar nicht und im Haus gibt’s momentan offensichtlich niemanden, der entweder Ohren oder zumindest Mut und Autorität hat, solche Dinge beizeiten anzusprechen, um sie entsprechend anzupassen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Auch Sänger sind oft unschuldig! Im Klartext sollte man bitte die richtigen Leute ausbuhen! Natürlich wohl wissend, dass diese meist in Dienstlogen oder gar im „(In)Kompetenz-Zentrum“ sitzen. 

Anton Cupak (Wien) 3.5.16

 

 

NEUE TURANDOT

von unserem Hauskarikaturisten Peter Klier (c) 2016

Hamburg: Tristan und Isolde gestern ohne Bühnenbild

Sauerei? Nein ! Recht so!!!

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Hamburg sind am Freitag in einen eintägigen Warnstreik getreten. Wegen dieses Warnstreiks boten 67 städtische Kitas nur Notdienste an, 29 waren sogar ganz geschlossen. Ebenfalls betroffen waren unter anderem die Stadtreinigung, die Theater, die Hafenaufsicht und die Bücherhallen. Viele Bürger mussten dadurch Einschränkungen hinnehmen. Und das ist gut so! Konkret auf unser Sujet bezogen: Der Warnstreik sorgte auch für Störungen an der Hamburgischen Staatsoper. Der Aufbau des Bühnenbildes von „Tristan und Isolde“ war unmöglich, dadurch musste die Vorstellung konzertant gespielt werden. (Ketzerische Qnmerkung: was ja manchmal gar nicht die schlechteste Alternative ist.)

Das ist Streik an der richtigen Stelle, denn was sich in den Verhandlungen für die öffentlich Bediensteten abspielt ist eine Farce, eine Verhohnepipelung der Menschen im öffentlichen Dienst & eine grobe Respektlosigkeit:

Lohnerhöhungen im Minimalbereich werden angeboten - aber gleichzeitig Kürzungen bei der Rente sprich konkret "Zusatzversorgung". Leider wissen viele Bürger nicht, daß die keineswegs üppige Zusatzversorgung einen großen Teil der Rente (teilweise über 1/3) später im Alter ausmacht und das sich die Mitarbeiterdes Öffentlichen Dienstes daran sogar mit nicht geringen Beiträgen (bei jährlich steigenden Anteilen) beteiligen - ganz im Gegensatz zur üppigen Zusatzversorgung z.B. bei Bankern z.B.

In aktuellen und zukünftigen Zeiten wo viele Renten gerade einmal das Sozial-Hilfe-Niveau von "Harz 4" erreichen - also die Altersrente nach 45 harten Arbeitsjahren im Ergebnis gleichgesetzt wird mit der Altersversorgung von Jemandem der Überhaupt nicht (ggf. nie !) gearbeitet hat, ist so ein Angebot nicht nur eine Beleidigung, sondern sogar eine grobe Ignoranz. So frech und dreist kann man nur agieren, wenn man sein dickes Gehalt ohne Sozialversicherungszahlungen und eine fette Beamtenpension sein eigen nennt.

Jetzt werden wieder, völlig unnötiger weise, viele Räder still stehen und sich viele Bürger ärgern. Das ist gut so, denn es ist zu hoffen, daß die Betroffenen ihren gewählten Volksvertretern (die ja alle mit 5 stelligen Pensionen sicher ausgestattet sind) endlich Dampf machen. Bravo Herr Bsirske! Zumindest treffen die Streikauswirkungen diesmal hier am Staatstheater nicht die Kleinen, sondern plakativ an richtiger Stelle: nämlich da wo es sofort medienwirksam wird.

Viele einfache Mitarbeiter an deutschen Bühnen sind die Leidtragenden - dabei geht es nicht um die relativ gut bezahlten Künstler, Musiker oder Mitarbeiter der gehobenen Theaterleitung (von den 6-stelligen Intendanten und GMD-Gehältern will ich hier gar nicht reden), nein - es geht um die Kleinen (Näherinnen, Beleuchter, Reinigungskräfte, Platzanweiser, Kassiererinnen...etc).

Da redet unsere Politprominenz alltäglich in teuren Maßanzügen, die teilweise schon aus den Nähten platzen (nur nebenbei, damit Sie sich so richtig ärgern: das ist sogar steuerlich absetzbare "Dienstbekleidung" Sic! ;-) in Tages- und Talkshows blumig und populistisch davon, daß wir das Rentenproblem nur in den Griff bekommen, wenn sowohl Gehälter steigen, als auch das zweite Bein (das jetzt gekappt werden soll!) nämlich die "Zusatzversorgung" steigen muß, und auf der anderen Seite praktizieren die Verhandlungsführer genau das Gegenteil. Dazu fällt mir nur ein:

Alle Räder stehen still...

Peter Bilsing (Hrg.) 23.4.16

 

 

 

 

 

(c) P. Klier

 

Verspätete erscheint La Gheorghiu als Tosca

Die Hintergünde !

Eigentlich habe ich ein schlechtes Gewissen , wenn ich nochmals auf die Gheorghiu-Geschichte vom vergangenen Samstag zu schreiben komme. Nicht nur die Welt hat ganz andere Sorgen, auch wir Opernfreunde sollten eigentlich andere Sorgen haben. Ich kenne Frau Gheorghiu weder persönlich, noch bin ich ein Fan von ihr, ich bin jedoch der Ansicht, dass das Genre Oper Diven wie sie eine ist ganz einfach braucht – allein schon aus werbestrategischen  Gründen. Natürlich wird mir jetzt wieder einmal mangelnde Seriosität vorgeworfen, aber die Meinung, dass „Graue Mäuse“, und mögen diese noch so gut sein, der Oper nicht entscheidend weiterhelfen, vertrete ich standhaft. Vielleicht ist Angela Gheorghiu die letzte Diva überhaupt, zumal Anna Netrebko sich ziemlich bodenständig und normal gibt. Natürlich werden mir laufend Infos über die Situation vom vergangenen Samstag zugespielt (und ich bin auch dankbar dafür), aber ich möchte bei den Fakten bleiben und mich nicht in Spekulationen ergehen.

Zuerst die Meinung eines Insiders, der die Bühne von oben nach unten, von hinten nach vorne kennt. Der Informant spricht die selbstverständlichen Pflichten an: Dazu gehört, dass man, einmal in der Gasse (oder von wo der Auftritt eben erfolgt) erschienen, auch dort bleibt, bis man rausgeschickt wird. Da gibt es nur ganz wenige Hinderungsgründe: Brechdurchfall, Kreislaufkollaps, spontaner Beinbruch oder Tod. Es ist die Aufgabe des Inspizienten, darauf zu achten, dass seine Schäfchen rechtzeitig da sind (bzw. sie allenfalls nochmal einrufen zu lassen), dann darf er aber mit Fug und Recht darauf vertrauen, dass sie ihm bis zum Auftritt nicht mehr davonlaufen. Schließlich sind die Seiteninspizienten ja nicht nur exklusiv für eine Person gebucht, sondern haben sich auch um andere zu kümmern. Insofern kann ich die Ferndiagnose, der Inspizient wäre gar schuld, gar nicht nachvollziehen. Nun kann es natürlich auch schon einmal vorkommen, dass man kurz vor dem Auftritt vielleicht doch noch schnell einen Schluck Wasser möchte oder schlicht und einfach die Harnblase leeren will, sofern es die Zeit erlaubt. Aber dann meldet man das entweder direkt beim Inspizienten oder bei sonst einem Anwesenden. Damit keine Hektik ausbricht. Man geht nicht einfach wortlos wieder weg…

Gut, verstanden und gekauft! Die Situation war jedoch viel komplexer. Zuerst lassen Sie mich die offizielle Meinung der Wiener Staatsoper zitieren. Pressechef Andre Comploi: „Ich habe heute noch mit dem Inspizienten gesprochen, der Frau Gheorghiu abgeholt hat: auch er hat mir Folgendes gesagt: Frau Gheorghiu  hatte auf der (Unter)Bühne gewartet  – und als absehbar war, dass die Arie wiederholt wird (7 min Applaus – wie ich höre!) ist sie wieder in die Garderobe gegangen. Dann wurde sie abgeholt – und diesmal gab es keinen zweiten Applaus mehr nach der Arie (im Gegensatz zu letzten Samstag), was zur Folge hatte, dass sie nicht rechtzeitig auf die Bühne kam (sie muss auf die Unterbühne und dann wieder aufsteigen). Das ist die Wahrheit. Ich weiß, es gibt verschiedene Gegenmeinungen und Gerüchte!

Jetzt gibt es verschiedene „Schuldige“. Erstens das Publikum, das Kaufmann eine Wiederholung abverlangt hat. Zweitens der Tenor, der diese Wiederholung gewährte, obwohl er seine Partnerin bereits als zum Auftritt bereit sehen konnte. Dann eben diese Partnerin, die mit einer Wartezeit von 10 Minuten gerechnet und sich daraufhin entschlossen hat, die Wartezeit in der hoffentlich bequemen Garderobe zu verbringen (dazu muss man allerdings bemerken, dass die Unterbühne, aus der Tosca zu den Zinnen der Engelsburg aufzusteigen hat, ein sehr unangenehmer Warteraum ist). Und viertens trug auch Jesus Lopez-Cobos, der Dirigent – zu den Missverständnissen bei, als er nach der Wiederholung ganz einfach weiterspielen ließ. Auf den dadurch verhinderten Applaus hat Frau Gheorghiu gewartet, als dieser ausblieb, wurde die Zeit von der Garderobe auf die Unterbühne und von dort über die „Hühnerstiege“ auf die Bühne zu knapp. Das war es! 

Dass ein Inspizient die Sängerin binnen einer Minute zum Auftritt überreden hat können, wenn diese die Vorstellung hat „schmeissen“ wollen, glaubt nur der, der Diven nicht kennt (die gibt es ja nicht nur in der Oper). Ein Kniefall des Direktors wäre in solch einem Fall die wohl einzige Möglichkeit gewesen, aber der Chef saß wahrscheinlich in seiner Loge!

So, jetzt haben wir genug zu diesem Thema gehört – und die Oper kann sich glücklich schätzen, wieder von namhaften Zeitungen der Welt kontaktiert worden zu sein! 19.4.2016

Anton Cupak (direkt vor Ort)

 

 

 

50 JAHRE THEATER BONN

Eine sehr schöne kleine Ausstellung im Foyer der Bonner Oper

Und der WDR, der nicht eine der vielen tollen Vorstellungen binnen eines halben Jahrhunderts (!) je übertragen hat,  möchte an diesem Jubiläum noch verdienen! Unglaublich!!

 

(Karikatur von unserem Hauszeichner Peter Klier)

Hallo liebe Opernfreunde! Da gibt es in der Bonner Oper im Foyer eine kleine wunderbare historische Ausstellung - betitelt „50 Jahre Bonner Oper“ – nett und fantasiereich im häuslichen Rahmen liebevoll aufbereitet. Es lohnt sich für alle Opernbesucher, mal eine Stunde früher zu kommen.

Am Ende der Ausstellung steht schamhaft, fast versteckt, ein kleiner Monitor mit zwei (!) Kopfhörern, die leider elendig drücken und am Kopf schmerzen. (hat die denn keiner ausprobiert?), dennoch hat sich der Herausgeber des Opernfreunds diesem vermeidbaren Leiden für seine Leserschaft unterzogen. Und es hat sich gelohnt - mehr als gelohnt.

Es ist wirklich interessant, denn man kann hoch spannende (historisch wichtige!) Kurzbeiträge des Westdeutschen Rundfunks zu den letzten 50 Jahren Opernhaus-Historie anklicken. Wirklich toll!

Wer weiß denn z.B. noch, daß die Stadt Bonn ihr Haus schon zwei Jahre nach der Eröffnung, angesichts des drohenden Konkurses, wieder verscherbeln wollte…

Oder daß es urspünglich als hochwertiges Sprechtheater gedacht war und gelegentliche Opern eigentlich nur ein Lückenfüller sein sollten.

Oder weiss jemand noch, dass die Decke des Auditoriums früher aussah, wie "Erichs Lampenladen" bzw. die heute noch in großem Glanz existierende und gut erhaltene Decke des Münsteraner Opernhauses (siehe Bild unten).

Alleine die hunderte von Leuchtkörpern wären für heimische Lampenputzer ein Job bis ans Lebensende gewesen!

Die hochinteressante Ton- und Bilddokumente (Interviews mit Prominenz, Exintendanten und Künstlern, politische Statements, Diskussionen, Kommentare…) sind alle aus den letzten halben Jahrhundert zusammengetragen worden vom großen NRW Landessender und gut dokumentiert archiviert worden; Juwelen aus dem gigantischen Lagerkellern der Landesrundfunkanstalt - Juwelen, die sich lohnen endlich mal wieder herausgeholt und gezeigt zu werden! Warum macht man mit solchen Dingen eigentlich keinen abendlich füllenden Film?

Jetzt kommt es, bitte halten Sie sich fest: 

Für die temporäre Präsentation dieser Dokus, die man nur dort sehen kann, zahlt die Bonner Oper eine Riesenstange Geld an den WDR.

Die von mir vorgeschlagene Einbindung solch wichtiger Erinnerungen in die Homepage, sei nicht vom Rechtenutzer erlaubt und würde lt. Pressesprecher der Bonner Oper ein Vermögen kosten – auch weil das WDR Archiv diese Dokus nun von einer privaten Vermarktungsfirma verpachten lässt, die wie es scheint damit so richtig große Kohle verdienen will.

WIE BITTE?

Ich fasse es nicht, wie ist so etwas möglich?

Noch einmal zum logischen Verständnis:

Der von allen Rundfunkgebührenzahler des Landes NRW finanzierte WDR verlangt von der ebenfalls vom Steuerzahler finanzierten Bonner Oper nicht gerade wenig Geld für die Präsentation historischer Bilddokumente zum 50 jährigen Jubiläum aus deren Archiven ! 

Hallo WDR-Chefs! Hier will doch keiner mit diesen Dokus irgend etwas verdienen!

Hier sollen die Bürger des Landes, der Region Bonn, einfach über nur die Geschichte ihres hochgeschätzten Hauses mnal etwas tiefgründiger informiert werden.

Statt stolz darauf zu sein, daß endlich die alten Schätzchen (und da gibt es noch tausende Filmchen, die ungesehen und unwiederbelebt des Schicksals des Vergessens harren) nun eine Würdigung finden, und die Menschen endlich mal sehen können, wie großartig dieser WDR früher seinem Berichterstattungsauftrag über lokale Kultur-Politik (auch gelegentlich noch mit kritischen Hintergrundfragen) nachkam, blockt man nun alles ab - besser formuliert: man zockt ab! Wer nicht anständig tief in die Tasche greift, bekommt das demnächst wohl gar nicht mehr zu sehen. Basta! Interessiert doch ohnehin nur eine Minderheit!

Was für eine Chance auch fürs WDR Fernsehen, wo die Veranwortlichen immer noch nicht (auch nicht ansatzweise) den hohen kulturellen Wert unserer Theater-Produktionen in den rund 50 NRW Bühnen mit ihrem vielfältigen Programm, erkannt zu haben scheinen. Die rund ein halbes tausend Premieren jedes Jahr werden weiterhin ignoriert. Statt dessen muß sich der etwas anspruchsvollere und kulturinteressierte WDR-Fernseh-Zuschauer weiter ungebremst durch den alltäglich TV-Sondermüll, der Kochsendungen, Soaps, Smaltalks, Zoovisiten oder dümmlicher Rate- und Spielsendungen, wühlen. Was für eine Schande.

Ich finde das mehr als traurig. Es ist geradezu beschämend...

Peter Bilsing / 18.4.16

 

 

Abschied von der Kultur

"Ihrem Ende eilen sie zu...."

Wenn einer Stadt die Bürger davonlaufen, ist das für die Stadtoberen ein Alarmsignal. Und dann muss der Oberbürgermeister sich etwas einfallen lassen, wie er die Stadt so attraktiv gestaltet, dass seine Wähler bleiben oder womöglich neue kommen. In Hagen geht man andere Wege.
Dieses Theater haben nicht nur Kritiker aus ganz Deutschland liebgewonnen!

Die Stadt Hagen wird es mit ihren nur marginal behobenen Bausünden der Nachkriegszeit in absehbarer Zeit kaum in die Bestenliste attraktiver Innenstädte schaffen. Mit Schulden in Milliardenhöhe lassen sich ohnehin kaum große Sprünge wagen. Seit 2005 haben zehntausende Bürger und damit Steuerzahler die Stadt verlassen. Der Trend zeigt nach unten. Und was macht der Deutsche, wenn es ein Problem gibt? Er gründet eine Arbeits- oder moderner Projektgruppe. Auf städtischer Ebene heißt die meist Marketinggesellschaft und schafft die attraktive Infrastruktur, die neue Bürger anzieht und die alten zufrieden verharren lässt. In vielen Städten hat das funktioniert. So wird das Stadtsäckel gefüllt, die Schulden werden vermindert und der Oberbürgermeister wird wiedergewählt.

Zugegeben, Hagen hat nicht so viel Infrastruktur, mit der die Stadt punkten kann. Aber sie hat ein Theater. Ein kleines, gemütliches Stadttheater. So, wie es sich für eine Universitätsstadt gehört. Ja, Universität. Denn Hagen ist der Sitz der Fernuniversität. Und der Sitz des Stadttheaters. Das Theater Hagen ist weit über die Region hinaus bekannt. Es hat einen Ruf als Sprungbrett. Hier kommen gerne talentierte Sänger her, um sich für die großen Bühnen dieser Welt zu profilieren. In diesem Theater arbeiten unermüdlich engagierte Menschen, die alles daransetzen, den Bürgern der Stadt Hagen ein Bühnen-Niveau zu bieten, das sich vor anderen, auch größeren Theatern nicht zu verstecken braucht. Und nicht nur denen. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass eine Reise nach Hagen lohnt, um dort Musiktheater, Tanz, Theater oder auch Jugendtheater zu erleben.

Einen großen Anteil an diesem – ja, man kann sagen außergewöhnlichen – Erfolg hat neben dem Team Intendant Norbert Hilchenbach, der seit 2007 dem Haus vorsteht und 2017 in den Ruhestand geht. Hilchenbach hat, finanziell betrachtet, keine sehr glückliche Zeit in Hagen erlebt. Von 2002 bis 2017 musste das Theater Kürzungen in Höhe von etwa dreieinhalb Millionen Euro hinnehmen. Über viele Jahre hinweg war von Hilchenbach nichts anderes zu hören als „Wir schaffen das“. Bis zur letzten Kürzung. Dann sagte er genauso lakonisch „Jetzt ist Schluss. Mehr ist nicht zu stemmen“. Das sagte er bei einem Etat von rund 13,5 Millionen Euro jährlich. Übrigens eine Budgethöhe, bei der manchem Betreiber eines Bespieltheaters der kalte Schweiß ausbricht, weil er weiß, dass er das Programm in der gewünschten Qualität damit kaum noch gewährleisten kann. Mit diesem Miniatur-Etat wird in Hagen tatsächlich noch produziert.

Aber jetzt hat der Stadtrat einen Schlussstrich gezogen. Das haben ihm im Vorfeld die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger und der Deutsche Bühnenverein bescheinigt. Mehrfach forderten sie vergeblich Oberbürgermeister Erik O. Schulz zum Dialog auf. Auch ein Protestbrief ehemaliger Hagener Künstler verhallte ungehört. Vergangene Woche hat der Stadtrat beschlossen, den Zuschuss für das Theater ab 2018 auf 13,5 Millionen Euro einzufrieren. Außerdem ist ein Prozent der Lohnsteigerung auszugleichen, was für das Theater Mehrausgaben von etwa 130.000 Euro jährlich bedeutet. Ob die Politiker sich über die Tragweite ihres Beschlusses im Klaren sind, ist nicht bekannt. Die Kandidaten für die Intendanten-Nachfolge wissen, dass das nicht seriös zu schaffen ist. Sie haben ihre Bewerbung zurückgezogen.

Die Politik stellt sich taub, blind und stumm. Dass Kommunalpolitiker im Machtrausch Kulturinstitutionen vor die Wand fahren, ist kein neues Phänomen. Was neu zu sein scheint, ist die Ignoranz, mit der die Verantwortlichen „weitermachen“, als sei nichts geschehen. „Wir gehen davon aus, das die zukünftige künstlerische Leitung ein stimmiges Gesamtkonzept für das traditionsreiche Haus und seine Mitarbeiterschaft gemeinsam erarbeiten wird“, sagt allen Ernstes Sven Söhnchen, Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen Theatergesellschaft. Außerdem beschließt der Aufsichtsrat – na, was wohl? Eine Projektgruppe zu gründen, um ein Konzept zu erarbeiten. Bei so viel, drücken wir es positiv aus, Zweckoptimismus bleibt nur noch unverständliches Kopfschütteln. Aber der Aufsichtsrat setzt noch einen drauf – und da wird es albern. Allen Ernstes lässt er verkünden, man habe sich auf einen Kandidaten aus „einem hochkarätigen Bewerberfeld“ für die GMD-Nachfolge – Generalmusikdirektor Florian Ludwig hört mit Hilchenbach auf – einigen können und wolle nun Gespräche mit dem Wunschkandidaten aufnehmen. Halten diese Aufsichtsratsmitglieder eigentlich alle Musiker für dumme Leute?

Die Politik sprengt für ein Taschengeld – angesichts einer Milliardenverschuldung – einen Eckpfeiler städtischer Infrastruktur weg. Dass Schulz wirklich weiß, was er da gerade tut, ist nicht ernsthaft anzunehmen. Denn selbstverständlich wird jeder der 300 Mitarbeiter des Theaters, sofern er nicht durch familiäre Bindungen gezwungen ist zu bleiben oder wieder bei der Stadt unterkommt, in dieser Situation das Weite suchen. Die bisherigen Arbeitsbedingungen haben die Mitarbeiter ohnehin schon an, wenn nicht weit über ihre Grenzen gebracht. Jetzt hat der Stadtrat den Damm gebrochen. Wer sich jetzt noch in Hagen am Theater bewirbt, ist so dumm, dass er sofort genommen werden wird.

Und weil neuerdings Kulturinstitutionen so gern wie unsinnig mit Wirtschaftsunternehmen verglichen werden, und um es für dumm gehaltene Musiker und Intendantenanwärter klar zu sagen: Zu diesem Zeitpunkt müsste ein Unternehmen vermutlich Insolvenz anmelden, wollte es sich nicht einer Konkursverschleppung strafbar machen. Da sind wir auf das Konzept der Projektgruppe jetzt schon sehr gespannt.

Was fast noch verwunderlicher als die politischen Entscheidungen ist, ist allerdings die Haltung der Fernuniversität, die sich sogar hat in den Claim der Stadt schreiben lassen. Man muss Ada Pellert, Rektorin der ersten und einzigen staatlichen Fernuniversität in Deutschland, die Frage stellen dürfen, ob solch ein Standort bei Verlust der wichtigsten kulturellen Grundlage für eine Universität tatsächlich noch zu halten ist.

Übrigens sind Stadtratbeschlüsse – entgegen gern anders geschaffener Eindrücke in der Tageszeitung – weder endgültig noch unumstößlich. Eine Chance für Hagen.

Michael S. Zerban 13.4.16 OPERNNETZ

 

 

 

Leichtfertiger Umgang mit öffentlichen Mitteln

nicht nur an Wiener, sondern auch an Münchner Theatern!

Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat in seinem Jahresbericht unter anderem auch das Gärtnerplatztheater untersucht. Und die Prüfer bemängeln so einiges, unter anderem wurde ein zwölf Jahre altes Auto deutlich überteuert angemietet, für einige Aufträge können die Verantwortlichen keine Verträge vorlegen:

…Von 2010 bis 2014 stiegen die Mittel, die das Gärtnerplatztheater ausgeben konnte, von 34,6 Millionen Euro auf 40,4 Millionen Euro, also um fast 17 Prozent. Da sich die Ausgaben aber bis 2013 kaum verändert hatten und auch 2014 erst 35,5 Millionen Euro betrugen, entstanden Jahr für Jahr hohe Ausgabereste, im Jahr 2014 in Höhe von fünf Millionen Euro. Man sollte also davon ausgehen, dass bei so einem Überschuss genug Geld vorhanden ist.

Doch trotz des dicken Plus‘ im Geldbeutel „hat das Kunstministerium dem Gärtnerplatztheater sogar noch zusätzlich sogennante Verstärkungsmittel für Gastspielreisen bewilligt.“… (Münchner Abendzeitung“)

Nur ein kleines Beispiel, das einem die Haare zu Berge stehen lässt : Als Firmenwagen mieteten sich die Theaterleute einen Fiat Scudo, der im Mai 2001 seine Erstzulassung hatte. Preis der Miete pro Jahr: 3570 Euro. „Die Anmietung eines zwölf Jahre alten Fahrzeugs zu einer jährlichen Miete, die den Zeitwert übersteigt, ist unwirtschaftlich und nicht nachvollziehbar“ heißt es dazu trocken im Bericht.

Somit kommt der ORH zu der abschließenden Aussage, dass „das Kunstministerium zum Zeitpunkt der Prüfung seiner Aufgabe zur Steuerung nicht ausreichend Rechnung getragen hat. Es hat dafür Sorge zu tragen, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden und die Planung der Haushaltsmittel realistischer erfolgt.

Ich muss aber schon bemerken, dass die Gärtnerplatz-„Schlamperei“ ein Peanut im Vergleich zum Wiener Burgtheaterskandal ist: Hohe Barzahlungen und selten Belege – Millionen flossen in bar. Man glaubt es kaum: Die Burgtheater GmbH zahlte laut Bericht im Prüfzeitraum insgesamt 11,77 Millionen Euro in bar aus. Die Folge waren hohe Verwaltungsausgaben und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Wörtlich schreibt der Rechnungshof zu den über die Hauptkasse ausbezahlten Leistungen: „Die hohen Auszahlungen und die aufbau- und ablauforganisatorische Isolation der Hauptkasse bargen wesentliche Risiken wie Korruption, Verlust und fehlende Ordnungsmäßigkeit.“ Die Hauptkritik in diesem Zusammenhang richtet sich an die ehemaligen Mitglieder der Geschäftsführung des Burgtheaters, die der gesetzlichen Verpflichtung zur Installierung eines entsprechenden internen Kontrollsystems nicht nachgekommen waren. Über Weisung der Bundestheater-Holding sanken die Barzahlungen dann ab April 2014, wie die Rechnungshofkontrollore vermerkten, deutlich… (Die Presse“)

Der Rohbericht des Rechnungshofes ist heute Thema in mehreren Zeitungen, informieren Sie sich im Detail in unserer Presseschau. Nachdem es vor einigen Wochen so ausgesehen hat, als bliebe alles an Frau Stanteysky hängen, werden nun doch auch Ex-Direktor Hartmann und – in etwas abgeschwächter Form – auch Holding Chef Dr. Springer belastet. Käme Herr Hartmann ungeschoren davon, stünden Millionen Euro als Abstandszahlung, die die Republik Österreich zu leisten hätte, an! Dennoch, das letzte Wort ist nicht gesprochen.

Anton Cupak (Wien) 16.3.16

 

Ausgerastet im Konzertsaal

Gern und lautstark machen Besucher ihrem Unmut in Opernaufführungen Luft, wenn ihnen die Vorstellung nicht gefällt – ohne Rücksicht auf das übrige Publikum. Im Konzertsaal sind solche Reaktionen eher selten. Wie die Veranstalter auf solche Zwischenfälle vorbereitet sind, hat sich jetzt in der Kölner Philharmonie gezeigt: gar nicht.
Cembalist Mahan Esfahani musste in der Kölner Philharmonie sein Konzert vorübergehend abbrechen. - Foto © Charlie Forgham-Bailey

Hoppla, jetzt komm ich!“ Die neoliberale Grundhaltung in der Politik der letzten Jahre hat die deutsche Gesellschaft bis in ihre Fundamente erschüttert und zersetzt. Die Ellbogen-Mentalität des Turbokapitalismus macht auch vor dem täglichen Miteinander nicht mehr Halt. Ob im Straßenverkehr, wo sich immer mehr Menschen benehmen, als sei der Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung durch das Recht des Stärkeren ersetzt, oder auf dem gutbesuchten Wochenmarkt, wo sich die Leute rücksichtslos rempelnd ihren Weg bahnen. Waren es früher einzelne, die glaubten, mehr mit Rücksichtslosigkeit zu erreichen als mit fürsorglichem Miteinander, entwickelt sich der fehlende Respekt zum Gesellschaftstrend. Dass der mit großer Aufgeregtheit einhergeht, lässt sich in den so genannten Sozialen Medien jeden Tag aufs Neue bis zur Unerträglichkeit nachlesen.

Opernhäuser als Orte der Kultur haben ein Publikum, das einen besonders kultivierten Umgang miteinander pflegt? Weit gefehlt. Hier hat die Aufgeregtheit – eine üble – Tradition. Da nehmen sich Menschen das Recht, mit „Buh“- und „Aufhören“-Rufen eine Aufführung zu stören, weil ihnen beispielsweise die Inszenierung nicht gefällt. Übrigens nicht nur in Deutschland. Berüchtigt das italienische vergogna, wenn das Publikum der Auffassung ist, jemand habe sich auf der Bühne zu viel bewegt und diese Schande nicht erträglich ist. Vermutlich glauben die Zuschauer, dass sie der Respektlosigkeit des Regisseurs ihnen gegenüber mit fehlendem Respekt dem Regisseur gegenüber begegnen dürften. Im Konzertsaal hat es solche Ausfälle in den vergangenen 80 Jahren eher selten gegeben.

Bis zum vergangenen Sonntag in der Kölner Philharmonie. Hier gab es am Nachmittag ein Konzert von Concerto Köln mit Mahan Esfahani, einem der führenden Cembalisten der Gegenwart. Bach-Werke wurden hier Werken von Fred Frith, Henryk Mikolaj Górecki und Steve Reich gegenübergestellt. Schon in der Einführung, so berichtet Markus Schwering im Kölner Stadt-Anzeiger, wurde der Englisch sprechende Esfahani angeherrscht: „Reden Sie doch gefälligst Deutsch!“ Nach sechs Minuten Piano Phase von Steve Reich verlor ein gut Teil des Publikums jede Contenance. Lachen, Klatschen, Pfeifen und Zwischenrufe erzwangen den vorläufigen Abbruch des Konzerts. Intervention seitens der Philharmonie: Fehlanzeige! „Ich glaube, ich wäre auf die Bühne gerannt, um dem Künstler beizuspringen“, gibt Intendant Louwrens Langevoort am Montag zu Protokoll. Er war aber nicht da. Und auch sonst kein Verantwortlicher, der sich zuständig fühlte. Erst am Ende der Veranstaltung ging ein Besucher auf die Bühne, um sich bei den Künstlern für das unflätige Verhalten zu entschuldigen.

Seither wird entweder das Publikum beschimpft oder gefordert, dass man mit einem solchen Publikum im Dialog bleiben müsse, ob man wolle oder nicht. In den Medien. In der Philharmonie, sagt Langevoorts abschließend, werde man Esfahani erneut einladen, um den ganzen Reich zu spielen. Und dann? Neue Tumulte?

Das Mindeste wäre eine öffentliche Erklärung des Intendanten, wie es dazu kommen kann, dass in seinem Haus ohne irgendwelche Konsequenzen Künstler verunglimpft werden. Und wie er das in Zukunft verhindern will. Bislang ist dazu nichts zu hören.

Und solange Medien Sendezeiten und Papier mit Brandreden von bayerischen Ministern füllen, die bürgerliche und christliche Werte gleich serienweise in den Boden stampfen, soll kein Kulturveranstalter glauben, dass ihm das in seinem Hause nicht passieren kann, was in Köln geschehen ist. Vielmehr müssen hier sehr schnell, also anders als in der Politik, konkrete Antworten gefunden und umgesetzt werden. Weil sonst die Bürger, die erst zuhören und dann urteilen, den Sälen der Kultur lieber fernbleiben.

Michael S. Zerban  2.3.2016

 

 

Düsseldorfer Ballettchef Schläpfer hört Ende der Saison 15/16 als "Direktor" auf

Nicht alle Ballettfreunde der Rheinregion sind darüber traurig...

Zuerst einmal die gute Nachricht - hoffentlich! - Es gibt wieder Hoffnung für die Freunde schöner Handlungsballette. Erleben wir nach Zeiten der Verbannung und Ignoranz von pars pro toto "Schwanensee", "Nussknacker" oder "La Fille mal gardé" endlich wieder auch fröhlich unterhaltsame, undeprimierende und weniger esoterische Tanztheaterabende für die ganze Familie? Es wäre wünschenswert und würde den Freunden der großen klassischen Ballette zukünftig viele lange Fahrten in die Nachbarorte Essen, Gelsenkirchen und Dortmund ersparen; oder zu jenen unsäglichen Kommerz- und Kirmes-Veranstaltungen a la "Russisches Staatsballett" in irgendwelchen Tonhallen zu Kassettenrekorder-Musik, wo man über die Jahre angesichts der mißlichen Situation notgedrungen gelandet ist.

Ungeachtet seiner sicherlich respektablen Leistung für einen Teilbereich des Balletts, nämlich das "moderne Tanztheater", war Martin Schläpfers so einseitige Sicht

("Handlungsballette gibt es bei mir nicht!") schlicht der Inbegriff von Ignoranz und Arroganz. So agiert ein verblendeter Sonnenkönig, der sich nicht dem breiten Publikum (das ja letztlich alles bezahlt) sondern seinen Vorlieben verpflichtet sieht. Ein absolutes Unding für die Verantwortung des Ganzen, die der Spartenleiter eines großen Opern-Hauses auch seinem Publikum gegenüber hat.

Was würde eigentlich passieren, wenn irgendein Opernintendant seinem Publikum nur noch Opern aus der Neuzeit präsentieren würde? Tenor: Also liebes Publikum, wir spielen ab sofort ausschließlich Zimmermann, Berg, Cage, Feldman, Kagel, Ligeti und Stockhausen. Alles was vor dem 20. Jahrhundert komponiert wurde, ist für mich alter Opernkäse und nicht mehr zeitgemäß. Basta, keine Kompromisse mehr.

Daß Rheinopern-Intendant Christoph Meyer der eigentlich Schuldige an dieser Misere war, ist unzweifelhaft. Denn Schläpfer hatte ja niemanden darüber im Unklaren gelassen, daß, wer ihn verpflichtet, die großen Ballett-Abende aus seiner Vorstellung streichen müsse. Leider hat man den Vertrag des Generalintendanten vor kurzem erst bis 2019 verlängert; eine ähnliche lange Ziel-Vorgabe, wie sie die Düsseldorfer Stadtoberen auch für die Chefposition vom Herrn Ballettdirektor Schläpfer vertraglich geregelt hatten. Das alles galt wohl nur bis heute vormittag. Man wird sich verwundert die Augen gerieben haben.

Pacta non sunt servanda an der Rheinoper - so scheint es.

Immerhin wird

Christoph Meyer ewiglich als nicht nur der Düsseldorfer Intendant in Erinnerung bleiben, der nicht nur den neuen (?) Begriff der "Oper am Rhein" kreiert hat, in dem er das naziverdächtige böse Vorwort "Deutsche" eliminieren ließ, sondern auch das Haus wieder ins Internationale Feuilleton quasi weltweit gebracht...

.. durch einen, seinen (!)Tannhäuser-Skandal.

Wobei, wie ich noch bemerken muß, das ja 2013 nicht die provokante Inszenierung von Burkhard C. Kosminski das Skandalöse war, sondern das sofortige, geradezu lächerliche Einknicken der Intendanz auf die Reaktion von Publikums-Pöblern, Wagner-Verbänden, Opernstammtischen und Pressure Groups, die überwiegend diese Produktion nicht gesehen hatten.

Doch zurück zum aktuellen Tagesthema:

Wieso die NRW Presse diesen Rückzug von Schläpfer erst durch eine heutige Meldung via Merker-Online (Wien), wo man sich auf Manuel Brug von der WELT beruft, erfährt und nicht von der offiziellen Pressestelle der Rheinoper, ist das nächste Ärgernis. Immerhin ist nach Rückfragen, dann doch endlich eine offizielle Pressemeldung darüber verspätete heute Mittag veröffentlicht worden - mit einer an Realsatire erinnernder Überschrift:

Schläpfer bekommt mehr Raum für künstlerische Arbeit

Donnerwetter, ein Geniestreich an sprachliche Formulierungskunst. Oder die übliche Realitätsverschleierung, die wir sonst nur aus der Politik kennen; erinnert mich an ein Schreiben unseres NRW-Schulministeriums, wo neuerdings Flüchtlingsklassen nur noch als "Internationale Förderklassen" bezeichnet werden dürfen.

Fassen wir die blumenreich verschwurbelte Pressemitteilung der Rheinoper kurz zusammen und zitieren als destillierte Essenz die WELT bzw. unsere Freunde vom MERKER: "Schläpfer ist die administrative Verantwortung müde. Und deshalb gibt er zum Ende der Spielzeit 2015/16 seinen Direktionsposten auf – und an seinen bisher Stellvertreter Remus Şucheană (Bild unten links) weiter. Bis mindesten 2019 (solange läuft sein bisheriger Vertrag) wird Schläpfer der von ihm ab 2009 in Düsseldorf geformten Truppe als Künstlerischer Direktor und Chefchoreograf erhalten bleiben."

Eben schrieb mir ein eifriger Opernfreund-Leser zu dem obigen Bild

"Hallo liebe Opernfreund-Redaktion, das sieht für mich aus, als lachen sich da zwei ins Fäustchen über einen gelungenen Coup." Bilder sagen mehr als Worte....

Was für eine wunderbare kleine Amigo-Affaire. Oder nicht? Und was sagt der Aufsichtsrat der Rheinoper zu solchen Überraschungs-Aktionen? Wir werden es hoffentlich erfahren, denn auch er hat wie verlautet, heuer erst getagt und vermutlich, wie immer, alles klaglos durchgewunken. Es geht also weiter nach dem Motto "Le roi s´amuse´" aber le roi tritt nicht wirklich zurück. Wie heißt es bei unserem heißgeliebten traditionellen "Dinner for one": "Same procedure as last year, same every year..."

Wird hier eigentlich das Publikum auf den Arm genommen?

Außer ein bisserl Pöstchenverschieberei ist nichts gewesen, so scheint es. Wären wir in Köln liefe das alles unter "Klüngel". Aber wir sind hier in der Landeshauptstadt und nicht in der Hauptstadt des Karnevals.

Was ändert sich eigentlich bis 2019, außer daß die Ausgaben steigen?

Oder gilt auch hier das Ying-Yang Prinzip? Was der eine weniger verdient, bekommt der andere nun mehr an Gehalt. Dann wäre die Welt, zumindest für mich, wieder teilweise in Ordnung. Aber die Familien müssen weiterhin in den Kohlenpott für zauberhafte unterhaltsame Ballettabende reisen.

Peter Bilsing 28.1.16

 

Bilder (c) Rheinoper

Remus Şucheană und Martin Schläpfer © Susanne Diesner

 

Regietheater vor Gericht

München: Streit um die geplante Tcherniakov- Inszenierung „Dialogues des Carmélites“tritt nun in die entscheidende Phase

Die Erben des Komponisten Francis Poulenc und des Autors Georges Bernanos wollen die Aufführung der Oper „Dialogues des Carmélites“ an der Bayerischen Staatsoper in München verhindern. Sie fordern Änderungen der Inszenierung, wie das Opernhaus am Donnerstag mitteilte. Andernfalls dürfe die Interpretation des russischen Regisseurs Dmitri Tcherniakov nicht auf der Bühne des Nationaltheaters gezeigt werden, verlangen die Erben.

Sie sind der Auffassung, dass die Umsetzung der Schlussszene durch Tcherniakov das Werk entstellt. In der Interpretation des Regisseurs, die im März 2010 Premiere hatte, rettet die Hauptfigur ihre Mitschwestern vor dem Tod und kommt somit als Einzige ums Leben. Nach Meinung der Erben muss der Märtyrertod aller Nonnen aber zwingend szenisch umgesetzt werden, um die Kernaussage des Werkes zu treffen… (Quelle: Münchner Merkur)

Die Oper Dialogues des Carmélites von 1957, im Auftrag von Ricordi für die Mailänder Scala komponiert, ist Poulencs wohl bekannteste. Die Handlung basiert auf dem Schicksal der 16 Karmelitinnen von Compiègne, die während der Französischen Revolution durch die Guillotine hingerichtet wurden, und auf dem Roman Die Letzte am Schafott von Gertrud von le Fort.

Francis Poulenc starb am 30. Januar 1963 in Paris an Herzversagen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris.

Nachdem der Tod von Poulenc erst 52 Jahre zurückliegt, ist das Werk sozusagen nicht „frei“. Eigentlich ist das keine künstlerische Geschmacksfrage, sondern eine reine Rechtsfrage – meine ich. Ein Gericht sieht es offenbar anders, wie der „Münchner Merker“ weiter berichtet:

Doch Intendant Nikolaus Bachler hält dagegen: „Bühnenkunst wird durch freie Interpretation am Leben erhalten, nicht durch vermeintliche Rechtsansprüche.“ Die fünf Aufführungen zwischen 23. Januar und 1. Februar sollen unverändert stattfinden.

Der Forderung der Erben geht ein längerer Rechtsstreit voraus. Schon zur Wiederaufnahme der Münchner Inszenierung im November 2012 war in Paris eine Klage unter Berufung auf das Urheberpersönlichkeitsrecht anhängig, mit der weitere Aufführungen untersagt werden sollten. Auch der Vertrieb einer DVD und die Ausstrahlung einer Fernsehaufzeichnung sollten nach dem Willen von Poulencs und Bernanos Nachkommen verboten werden. Die Klage gegen das Opernhaus wurde jedoch von zwei Gerichten abgewiesen. Allerdings entschied das Berufungsgericht, dass die DVD und die Fernsehaufzeichnung unter Verschluss bleiben müssen…

Im Grunde genommen ist diese Story bereits ein „alter Hut“ , die Gerichte haben den Erben nur in eher unwesentlichen Belangen Recht gegeben. Aber hier geht es um ein gerade unter Opernfreunden ganz heißes Thema, nämlich um das der „Werktreue“. An die Erkenntnisse der Gerichte müssen sich auch Verfechter der absoluten Werktreue halten, wenn auch zähneknirschend. Im Grunde genommen hat aber das Publikum das stärkste As im Ärmel: es muss die Aufführungen ja nicht besuchen! Aber hingehen, dort die Kassa füllen und nachher protestieren, ist keine besonders effektive Lösung.

Anton Cupak 8.1.16

 

 

Aus aktuellem Anlaß

ES REICHT !

7.01.16

In der Silvesternacht haben sich im und um den Kölner Bahnhof, auf der Reeperbahn in Hamburg und möglicherweise auch anderenorts Hunderte bis Tausende von augenscheinlich aus arabischen Ländern Nordafrikas stammende junge Männer versammelt, vor den Augen der Öffentlichkeit in größeren Gruppen einzelne Frauen umringt, überfallen, massiv sexuell belästigt – es soll in Köln sogar zu zwei Vergewaltigungen gekommen sein – bestohlen und beraubt. Es ist zu Hunderten von schweren Straftaten gekommen. Wie sich jetzt langsam herausstellt, hat die Polizei in Köln Opfern nicht geholfen, den Bahnhof lediglich geräumt, also alle Tatverdächtigen vom Tatort weggeschickt, ohne Personalien aufzunehmen, Mobiltelefone sicherzustellen oder Festnahmen zu tätigen.

In der sonst so sensationsgeilen Presse war trotz vieler Strafanzeigen zunächst so gut wie nichts über dieses offenbar organisierte vielfache Massenverbrechen zu lesen, das außer den oben beschriebenen Tatbeständen auch den des schweren Landfriedensbruchs erfüllt. Die Grünen kommentierten das Geschehen nicht, die Vorsitzende Claudia Roth lieferte im WDR-Interview ein klägliches Bild des peinlich hilflosen Herumstotterns und Herunterspielens ab, und von Regierungsseite ist nichts zu hören. Die Kölner Polizei schiebt aus „Zuständigkeitsgründen“ die Verantwortung auf die Bundespolizei ab, die „auf Bahnhöfen zuständig sei“. Dort sei die Schuld an fehlenden Maßnahmen zu suchen, so der Polizeipräsident von Köln. Und NRW-Innenminister Jäger sieht ebenso keinen Grund, Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Ist die Polizei in Köln in einer Krise?

oder können sich die Frauen in Köln einfach nicht benehmen?

Man kann keine Vorverurteilungen treffen, zumal die Täter, die sexuelle und andere Übergriffe auf Frauen (auch Diebstahl und Raub waren darunter) begangen haben, nicht namentlich bekannt sind. Warum eigentlich nicht? Durfte die Polizei niemand festnehmen, damit dessen Identität nicht bekannt wird? Gab es eine politische Weisung, womöglich von allerhöchster Stelle? Wozu brauchen wir diese Begünstigung, zur Legendenbildung? Und genau das ist der Skandal. Ginge es nach mir, müßte der Polizeichef von Köln sofort seinen Hut nehmen – in Verantwortung für die Verantwortlichen.

Die Presse hat den unglaublichen Vorfall auch einige Tage total heruntergespielt. Also ist auch die Presse in der Krise!

Manchmal ist allerdings Schweigen Gold. Aus höchstem Kölner Politikermund wurde gestern eine Fibel mit Verhaltensempfehlungen für Frauen ausgegeben. Nach der sollen Frauen größeren Männeransammlungen großflächig ausweichen und überhaupt einen Sicherheitsabstand zu Männern halten. Nachdem die attackierten Frauen in der Silvesternacht überhaupt ausgegangen und noch dazu nicht unter Frauen geblieben sind, trifft sie also selbst Schuld! Anders ist dieser blödsinnige Versuch mit der Fibel nicht zu interpretieren.

Welch Macho hat diese strohdumme Aktion vom Stapel gelassen. Frauen, wehrt Euch gegen solch einen Idioten!

Das Schlimme: Kein Macho, sondern die neu gewählte Kölner Oberbürgermeisterin hatte diese Idee!

Politiker in der Krise? Das ist wohl keine Frage mehr. Die Frage ist eher, wie diese Politiker wieder „die Kurve kratzen“.

Wäre ich an diesem Schlamassel mitschuldig, wüßte ich, was ich zu tun habe! Aber Politiker haben bekanntlich keinen „Genierer“!

 

Ein Kommentar unseres Chefredakteurs Frank Becker:

Wer diese Zeichen richtig deutet, muß zutiefst um den sozialen Frieden, unsere Bevölkerung und unsere abendländische Kultur besorgt sein. Wenn ein gesetzloser Mob in der Lage ist, jegliche Menschenachtung und alle Gesetze vor den Augen der Polizei und in aller Öffentlichkeit in den Dreck seiner Unkultur zu ziehen, wenn Frauen in unserem Land zu Freiwild einer „Kultur“ werden, die Frauen niedriger als Vieh einordnet, dann gute Nacht, Abendland! Auf diese häßliche Antwort auf unsere jubelnde „Willkommenskultur“ muß die ganze Schärfe des Gesetzes und die sofortige unnachsichtige und kompromisslose Ahndung folgen. Da darf es keine politisch taktischen Rücksichten geben.

In Köln, Hamburg oder vielleicht auch anderswo haben Männer, die als Gäste, Asylbewerber, Einwanderer aus islamischen Ländern der Wohlfahrt wegen in unser Land gekommen sind, jegliches Recht, alle Gesetze von abendländischer Kultur, die Achtung vor Frauen mit Füßen getreten und damit gezeigt, was sie von unserem Land halten, dessen Vorteile sie schamlos in Anspruch nehmen. Wir sind an einem Punkt angelangt, von dem aus es für diese Leute kein Zurück und kein Pardon geben darf. Schnelle Ermittlungen, öffentliche Benennung der Täter, optimale Strafen und/oder sofortige Ausweisung in ihre Herkunftsländer, Krisenstaaten oder nicht, sind unabdingbar. Diese Leute sind hier nicht mehr willkommen und mit Sicherheit weder integrierbar noch resozialisierbar.

Wo sind eigentliche die alternativen/grünen Frauenrechtlerinnen, die sonst so vehement die Rechte von Frauen einfordern, sich über „frauenfeindliche“ Werbung und ähnlichen Unfug echauffieren? Wo sind deren Demonstrationen gegen dieses himmelschreiende Unrecht? Ihr habt dieses Problem vor der Brust, nicht den albernen Gender-Kram.

Wo ist die Anteilnahme der Bevölkerung unseres Landes, die völlig zu Recht gegen die Gewalt protestiert, welche sich gegen Flüchtlinge richtet? Ist die Gewalt eines nordafrikanischen Mobs auf deutschen Straßen und Plätzen gegen Frauen in Euren Augen nur ein Kavaliersdelikt? Seid ehrlich, davor habt Ihr Schiß!

Wo bleibt eine deutliche Stellungnahme unserer längst mit ihrer Ausländerpolitik und an ihrem „Wir schaffen das!“ gescheiterten Kanzlerin, die den Unfug des aus anderen Gründen gescheiterten Bundespräsidenten Wulff vom „Islam, der zu Deutschland gehört“ nachplappert? Das sitzen wir mal aus. Es wird Ihnen nicht gelingen, Frau Merkel!

Da ist im Zusammenhang die oben erwähnte „Verhaltensfibel“ der nach einem rechtsextremen Attentat soeben erst genesenen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein widerwärtiger Schlag ins Gesicht aller Opfer und aller Frauen schlechthin. Frau Reker, sollen Frauen in unserem Land jetzt vielleicht verschleiert gehen, um Männer nicht zu reizen? Knicken Sie vor dem radikalen Islam ein? Sind ab jetzt Vergewaltigungsopfer selber schuld, wenn sie sich in die Nähe von (möglicherweise muslimischen) Männeransammlungen begeben? Pardon, aber ist dieser Hirnriß vielleicht Folge des Attentats? Sie stellen alle unsere Rechte, Werte und Kulturgüter zur Disposition. Treten Sie sofort zurück und ordnen Sie Ihre Gedanken!

Und an die „freiheitliche Presse“, die in diesem Zusammenhang erbärmlich aussieht: was hindert Euch, liebe Kollegen, Roß und Reiter zu nennen? Vor welchen staatlichen Direktiven knickt Ihr ein? Wer hat Euch einen Maulkorb angelegt – und vor allem: warum, und wieso nehmt Ihr das hin?

Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer? Die Verbrechen der Silvesternacht gehören zum Schlimmsten, was man Frauen antun kann – das jetzt klein zu reden, wäre ebenso ein Verbrechen gegen deren Integrität wie die Straftaten selbst. Hier heißt es schonungslos aufzudecken.

Es sei allen Gutmenschen und Sozialromantikern in aller Deutlichkeit gesagt: Wir haben ein Problem. Deutschland hat ein Problem. Ein großes Problem. Jetzt solltet auch Ihr einmal aufwachen und Position beziehen, anstatt das rechten Hohlköpfen zu überlassen.

Natürlich muß der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers zurücktreten, und natürlich muß der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger zurücktreten, denn beide haben eklatant versagt, nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch in ihren butterweichen Rechtfertigungen. Und laßt bitte nicht die über jedes Maß geforderten und schlecht ausgerüsteten und schlecht geführten Polizeibeamten als Prügelknaben herhalten. Es ist Zeit für Maßnahmen, Zeit, die Polizei personell und instrumentell erheblich aufzustocken, anstatt immer weiter Stellen abzubauen. Zeit ist jetzt auch für die Justiz, deutliche Zeichen zu setzen. Sofort und nicht erst nach endlos in die Länge gezogenen Verfahren. Verbrecher wie jene, die in der Silvesternacht unsere Bürgerinnen aufs Tiefste erniedrigt und verletzt, unseren Staat und unsere Polizei lächerlich gemacht haben, dürfen keine zweite Chance haben. Und sie müssen es sofort spüren.

Oder hat die Politik der von uns gewählten „Volksvertreter" längst kapituliert? Geben wir uns in die Hand unkontrollierbarer anonymer Massen? Wie hilflos ist unser Staat eigentlich? Dürfen wir uns aufgrund der düsteren Vergangenheit Deutschlands immer noch nicht gegen von Ausländern begangenes aktuelles Unrecht wehren? Soll unser bisher funktionierendes Gemeinwesen in sich wegduckendem Chaos versinken?

Angesichts solcher Zustände und mir irgendwie bekannt erscheinender barbarischer krimineller Horden erlaube ich mir, tief beunruhigt, Max Liebermann zu zitieren, der angesichts des SA-Fackelzugs durchs Brandenburger Tor am 30. Januar 1933 sagte: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Frank Becker 7.1.15

 

Presse

Medienversagen gefährdet den Sozialen Frieden in Deutschland  Huffington Post

1000 Männer belästigen Frauen und ignorieren die Polizei  Wirtschaftsnachrichten

Straftaten einer völlig neuen Dimension  Hamburger Abendblatt

Angriffe auf junde Frauen auch in Hamburg FAZ

Totgeschwiegen oder relativiert Junge Freiheit

Mittelalterliches Verhältnis von Mann und Frau Handelsblatt

 

 

 

BENEHMEN IST GLÜCKSSACHE !

IST BENEHMEN WIRKLICH GLÜCKSSACHE ?

Thomas Prochazka berichtet über so einen „Touristenabend“ in der Wiener Staatsoper: Anbei ein „Beweisfoto“ dafür, wie gut der Publikumsdienst an der Staatsoper derzeit funktioniert und daß man gutes Benehmen auch nicht um teures Geld kaufen kann:

In der gestrigen Vorstellung von La cenerentola verließen rund 30 Personen die Aufführung in der Umbaupause nach ca. 60 Minuten, nur um gleich darauf wieder in den Zuschauerraum zurückzukehren und, weil man ohne Licht die Plätze nicht gleich wieder fand, alle anderen beim Fortgang der Vorstellung zu stören.

Nach der Pause wurde in mehrere Parterre-Logen Essen und Getränke mitgenommen, als befände man sich zu Hause im Wohnzimmer. Als der Publikumsdienst endlich einschritt und die Damen und Herren einer Loge (alle anderen blieben unbehelligt) aufforderte, mit dem Essen die Loge zu verlassen, wurden die Herrschaften unwirsch. Danach kehrten sie — in Missachtung eines weiteren Punktes der Hausordnung, welcher auch Besuchern auf Logenplätzen den Zutritt nach Beginn der Vorstellung verwehrt — noch während des zweiten Aktes wieder in ihre Loge zurück und störten die Umsitzenden und vor ihnen Stehenden.

Dass auch im Parkett nach der Pause noch Publikum eingelassen wurde, als Michael Güttler schon längst am Pult stand, fiel da kaum mehr ins Gewicht. Darf man eigentlich von der Wiener Staatsoper erwarten, dass die Damen und Herren des Publikumsdienstes die Hausordnung kennen und diese in Wahrung der Rechte der überwiegenden Zahl jener Besucher, die sich daran halten, exekutiert?

Soweit der Bericht unseres Redakteurs. Ich war nicht in der Vorstellung, kann also aus eigener Wahrnehmung nichts sagen. „Vor ihnen stehenden“ besagt, dass die Herrschaften in den teuersten Logen in der Mitte mit bester Sicht  im wahrsten Sinn des Wortes „logiert“ haben. Dass es angeblich mehrere Logen betroffen haben soll, lässt darauf schließen, dass da eine ganze unerzogene Gesellschaft unterwegs war.

Bevor nun einige Leute sagen, dass „da grad der Richtige redet“, gestehe ich ein, dass ich mich bei Konzerten im Merker-Kunstsalon in der Gatterburggasse gerne mit einem gut gefüllten Gläschen an meinem Platz begebe – aber in Elena Habermanns Etablissement hat mich noch kein Publikumsdienst beanstandet. Auch in Wiens „Letztem erfreulichen Operntheater“, dem „LEO“ in der Ungargasse, leistet man diesen Sitten sogar Vorschub, indem man Tischchen bereit stellt, an denen man sich an den sensationellen Schmalzbroten das Hauses delektieren kann, nebst Flüssigem, versteht sich! Der Besuch des LEO empfiehlt sich schon allein wegen der Schmalzbrote, da ist eigentlich ziemlich egal, was gerade auf dem Spielplan steht

Aber da wie dort befinden wir uns nicht in „heiligen Hallen“.

Soviel ich weiß, stehen auch in den Vorräumen zu den Staatsopern-Logen klitzekleine Tischchen. Wozu? Eine Handtasche würde ich dort nicht ablegen, die Welt ist bekanntermaßen schlecht.

Dem Publikumsdienst würde ich eher keine Vorwürfe machen, denn was sollen diese armen Leutchen auch tun?  Es handelt sich meist um ausländische Gäste – und denen muss auch der Publikumsdienst mit gebotener Höflichkeit, mit Verständnis für Sitten und Gebräuche begegnen. 
Und jetzt mal ganz ehrlich, Herr Redakteur: Hätten Sie den Frevel mit den Sektgläsern überhaupt bemerkt, wenn der Publikumsdienst nicht eingeschritten wäre?

Wir haben keine Krise des Publikumsdienstes, sondern eine Krise des Publikums. Von anderer Seite gelangte ein Kurzberericht von der Galerie zu mir: Wir waren auch gestern in der Staatsoper und es war auf der Galerie unerträglich laut, allerdings ohne Sektgläser. Nach der Pause begann es bereits, die Türen waren noch nicht geschlossen und erst später watschelte der langsamste unter den Billeteuren heran und machte diese zu. 
Um die Glaserln zu sehen,  saßen wir sicher auf der falschen Seite. Aber schon zu Beginn hatte das Galeriepersonal das Publikum nicht im Griff.

Was soll der Publikumsdienst also tun. Angreifen darf er die Leute nicht – und der Einsatz von Pfefferspray ist (noch) nicht erlaubt!

Anton Cupak 27.12.15 (Tageskommentar Merker-Online)

 

Chefredakteurs-P.S.

Ich empfehle Elektroschocker bzw. sogenannte Taser. Bei den einfachen Geräten muß man allerdings nahe an den Störenfried heran. Für die die Ordnungkräfte

in einem Opernhaus sollte man Geräte anschaffen, wie dieses (was auch die amerikanische Polizei benutzt), denn damit kann man auch noch Rüpel ruhigstellen, die etwas weiter im Zentrum sitzen - ohne die braven Außensitzenden zu stören. Natürlich muß ein solcher Zielschuss geübt werden; versteht sich.

Ich persönlich erachte die einfachen Elektroschocker auch fürs Publikum als sehr nützlich; besonders um jener Sorte von ungehobelten Flegeln zu begegnen, die zuspätkommend widerrechtlich (!) eingelassen werden und sich dann während der Ouvertüre durch die Reihen zu drängen versuchen, um ihren Platz - meist mitten in der Reihe einzunehmen. Wobei ein kurzes Herausnehmen des Gerätes und die Demonstration des Elektroknattern meist schon ausreichen wird, damit die Leute von ihrer geplanten Untat Abstand nehmen.                                                        P.B.

 

DIE WELT IST NICHT GENUG....

20 Prozent mehr im Öffentlichen Dienst an der Kölner Oper für alle 2017...

...nein, nicht für alle. Nur für die Intendantin!

Liebe Opernfreunde, Filmkenner und Steuerzahler, grundgütige Kölner!

Kennen Sie den legendären Satz aus dem berühmten Bond-Film, wo die böse Elektra unseren fast gefallenen Helden stranguliert und ihm ins Ohr flüstert "James, schade - ich hätte Dir die Welt zu Füßen gelegt." Und der edle Held (damals noch Pierce Brosnan) antwortet eiskalt "Die Welt ist nicht genug!"

Nichts gegen die rührige Intendantin der Kölner "Behelfsoper", Frau Dr. Birgit Meyer; wahrscheinlich würde sie die stattliche Summe von 18 000 Euro Monatsgehalt ab 2017 durchaus verdienen, vielleicht auch viel mehr, falls ihr Vertrag ohne jegliche vorherige Ausschreibung tatsächlich verlängert würde - was aber schon ziemlich sicher scheint, da dies bereits heute von verantwortlichen Lokalpolitikern - großspurig und ohne jegliche Abstimmung im Vorfeld, der Presse verkündet wurde.

Damit würde die Intendantin der "Baustellen-Oper-Köln", über die wir ja nicht nur auf dieser Seite, sondern fast ununterbrochen berichten, beinahe doppelt soviel Salär erhalten, wie Henriette Reker, die derzeitige Kölner Oberbürgermeisterin. Respekt! Und auch noch immer erheblich mehr als der Oberbürgermeister der von den Urkölnerns so gehassten Landeshauptstadt Düsseldorf.

Wahrscheinlich wird es nach 2017 dann auch eine Steigerung der anderen Gehälter an der Kölner Oper um diese 20 Prozent geben, oder etwa nicht?

Das wäre doch nur gerecht, denn es ist ja die große Leistung der Kleinen (pars pro toto: Pressereferenten, Dramaturgen, Techniker, Schneider, Maler, Beleuchter, Reinigungskräfte, Kartenverkäufer...) welche das Riesenhaus überhaupt, derzeit noch sehr notdürftig, am Leben erhalten.

Wie bitte? Ich irre mich! Unfassbar...

Alle anderen Mitarbeiter der Kölner Oper bekommen nur den üblichen Satz von ca. 1,6 Prozent, den die Gewerkschaft für alle öffentlich Bediensteten mühselig mit Streiks ausgehandelt hat - falls es 2017 angesichts der wirtschaftlichen Probleme überhaupt eine Gehaltserhöhung geben sollte.

Filmplakat (c) 20.Century Fox 

 

Neidvoller Gruß aus Düsseldorf

Ihr Peter Bilsing

 

 

 

Derzeit im Fokus: das renommierte Philadelphia Orchestra. Das hat zwar einen beliebten Dirigenten – Yannick Nézet-Séguin. Aber wegen ausbleibender Sponsorengelder und sinkender Zuhörerzahl sind dort markante Einschnitte nötig: Eine Budgetlücke von drei Millionen Dollar hat sich aufgetan. 153.000 Besucher wurden 2014/’15 verzeichnet; erhofft hatte man 180.000, in der Saison davor waren es 160.000. Das fehlende Geld musste durch Spenden hereingebracht werden.

Nezet Sequin erhält für seine Tätigkeit in Philadelphia etwa 550 000 Dollar pro Saison. Aber da ist er vergleichsweise ein armes Würstchen. In den USA ist man – je nachdem – stolz auf sein Gehalt und Spitzenverdiener nennen das auch unverblümt:

Laut dem Bericht bekam Riccardo Muti 2013 beim Chicago Symphony 2,3 Millionen Dollar für 14 Wochen Anwesenheit mit Tournee, Abo- und Sonderkonzerten. Der junge StarGustavo Dudamel verdiente 1,4 Millionen Dollar beim Los Angeles Philharmonic, Alan Gilbert bei den New Yorker Philharmonikern verbuchte 1,7 Millionen (2012), und der Österreicher Franz Welser-Möst beim Cleveland Orchestra 977.000 Dollar (2013).

In Philadelphia überlegt man nun, wie man sich für die Zukunft aufstellt. (Quelle: „kurier“)

Anton Cupak 25.11.15

 

 

Welten- und Liebesträume eines Phantasten 

Radames oder Benedikt von Peter?

Selten wohl wurde einem Berliner Opernereignis derart ungeduldig entgegen gefiebert wie der Premiere von Verdis „Aida“ am 22.11. in der Deutschen Oper Berlin, hatte doch Regisseur Benedikt von Peter durch eine Reihe von Statements die Erwartungen ins fast Unermessliche hochgeschraubt.

Zunächst einmal in Erstaunen versetzt hatte er Opernfreunde und solche, die es durch seine Arbeiten vielleicht werden könnten, mit Behauptungen wie: „Die Frauen bei Verdi haben keine Biographie, sie kommen aus dem gesellschaftlichen Nichts.“ Nun muss er Aida immerhin zugestehen, dass man über ihre Herkunft als äthiopische Prinzessin Bescheid weiß, aber wie sieht es mit anderen Verdi-Figuren aus?! Violettas Liebesleben scheitert daran, dass sie eine auch dem Zuschauer nur allzu wohlbekannte Vergangenheit hat, die von Azucena wird gleich zweimal, von Ferrando und ihr selbst dem Zuschauer vermittelt, auch Desdemona ist zwar unschuldig, aber durchaus kein unbeschriebenes Blatt.

Mit Radames scheint sich der Regisseur besonders gern anzulegen, wirft er ihm doch vor, dass der gemeinerweise nicht stirbt, er bleibt allein zurück und „ist unfähig zur Veränderung“. Welcher Grad von Veränderung sein Verdienst ist , kann der aufmerksame Zuschauer dem Nilakt entnehmen, aber der arme Radames ist halt für die Regie eine „narzistisch verklärte Figur, die allerdings für etwas anderes steht“. Leider erfährt der Leser des Interviews nicht, was dieses geheimnisvolle Andere ist. Orpheus bekommt bei dieser Gelegenheit auch gleich sein Fett weg, denn „er lässt seine Frau in der Hölle zurück“.       

Dass „Aida“ Verdis pessimistischstes Werk ist, kann man auch so recht nicht glauben, denn viel schlimmer als der Liebestod von Radames und Aida dürfte der Mehrheit der Zuschauer das Ende von Desdemona und Otello, der betrogene Rigoletto neben der durch seine Schuld zu Tode gekommenen Tochter vorkommen.

Benedikt von Peter behauptet, in „Aida“ könne der Einzelne nichts mehr bewirken, nicht einmal das Böse, wie es der Großinquisitor in „Don Carlo“ vertritt. Es gibt „nur die anonyme Gruppe der Priester“. Und was ist mit Ramfis, der im ersten Bild sogar allein, ohne die anderen Priester auftritt, ansonsten mehr als ihr Vorbeter ist, sei es im Triumph-Akt oder in der Gerichtsszene mit dem „Traditor“.

Beim Kartenkauf musste der Interessierte zur Kenntnis nehmen, dass es räumliche Veränderungen im Zuschauerraum gebe. Wie und warum das? Ein „spezifischer Klang des Werks erfordert eine spezifische Architektur“, belehrt uns Benedikt von Peter. Da hätten wir doch gern gewusst, welches dieser spezifische Klang von „Aida“ ist. Nur die Aida-Trompeten können damit doch wohl nicht gemeint sein. Irgendwie schimmert durch, dass Sänger und Orchestermitglieder sich ins Publikum begeben werden, denn „dadurch kann der kriegerische Gesellschaftsaufbau eine größere Dringlichkeit erlangen“. Aha, aber was ist mit dem Armen, in dessen Ohr keine Aida-Trompete bläst und kein Tenor seinen Weltschmerz heult? Ihm bleibt das verwehrt, was der erlebt, dem die „Brutalität des Machtapparats physisch erfahrbar“ wurde, „wenn der Klang unmittelbar neben seinem Ohr erzeugt wurde“ Aber vielleicht hat der Regisseur längst eine Lösung für dieses Problem gefunden, denn schließlich ist er sich sicher: „Ich versuche immer die zentrale Energie eines Werks erwischen“. (Das „zu“ ging ihm dabei durch di Lappen, so wie es ihm entwischte, dass man diese zentrale Energie auch gern erfahren hätte.)

Ist es ein Vorwurf oder mitleidige Nachsicht, wenn die „larmoyante Aussage der Oper“ damit begründet wird, dass Benedikt von Peter feststellen muss: „Die Figuren sind vielfach zersplittert, auch weil Verdi kein Theoretiker und stringent denkender Dramaturg war“. Ach nein, er war ja nicht einmal der Librettist von „Aida“ und zum Glück erst recht kein „stringent denkender Dramaturg“. Von denen gibt es heute zur Rettung des Werks und zur Freude des Publikums genügend viele.   

Über seine kommende Intendantenzeit in Luzern meint Benedikt von Peter hochgemut: „Ich will gleich zu Beginn ein volles Haus.“ Dann sollte er seine Regisseure sorgfältig auswählen.

Ingrid Wanja 20.11.15

Die Karikaturen sind von unserem Hauszeichner Peter Klier

 

 

 

 

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