Paris: „Un ballo in maschera“, Giuseppe Verdi

Eindrucksvolles Operngeschehen

In der Regie von Gilbert Deflo gelang der Opéra national de Paris Bastille mit der Neuinszenierung der Oper Un ballo in maschera von Giuseppe Verdi ein großer Opernwurf, der einmal mehr die ganze Dramatik und Wirkung der Kunstform zeigte, wenn sich die Bühnenbilder mit der jeweiligen dramaturgischen Aussage treffen und gegenseitig potenzieren. Das war endlich einmal wieder die Verdichtung auf das, was die Oper eigentlich ist. Klar konturierte Bühnenbilder von William Orlandi, der auch für die überaus geschmackvollen und auf die Dekors fein abgestimmten Kostüme verantwortlich zeichnete, passten thematisch zum jeweiligen Akt vor einem dunklen bis schwarzen Hintergrund. Dieser ließ im Grunde schon die ganze Tragik dieses Melodramma in drei Akten erahnen. Es geht letzten Endes um den gewaltsamen Tod von König Riccardo, und das amtete dieses Bühnenbild in jedem Moment.

© Benjamin Girette / Opéra national de Paris

Da beherrschte zunächst der große weiße Adler symbolhaft für das souveräne Herrschertum Riccardos die Bühne. Beim Auftritt Ulricas waren drei düster und gefährlich wirkende Schlangenköpfe zu sehen. Auch der Maskenball an sich war dezent in schwarz/weiß gestaltet und wurde von Micha von Höcke phantasievoll choreografiert.

Der Star des Abends war Anna Netrebko als Amelia, die in dieser ersten Reprise nach der Premiere drei Tage zuvor erneut das zu erwartende stimmliche Glanzlicht setzte und dabei wie immer auch mit einer intensiven emotionalen Darstellung beeindruckte. Absolute Weltklasse! Matthew Polenzani war ihr als Riccardo ein Partner auf Augenhöhe mit einem kraftvoll heldischem Tenor. Étienne Dupuis als Renato vervollkommnete dieses Dreigestirn erstklassiger Protagonisten mit einem wohlklingendem Bariton und starkem Auftritt. Sara Blanch gab einen agilen und schön singenden Oscar. Elisabeth DeShong beeindruckte als kraftvoll singende und darstellerisch ausdrucksstarke Ulrica in Rot.

© Benjamin Girette / Opéra national de Paris

Speranza Scappucci dirigierte mit großer Souveränität das Orchestre de l’Opéra national de Paris sowie den hervorragenden, von Alessandro Di Stefano einstudierten Chor. So schuf sie mit ihrer musikalischen Interpretation zum erstklassigen Gesang und der stimmigen Szene einen intensiven Opernabend. Das Orchester zeigte sich in Bestform! Lang anhaltender und starker sowie verdienter Applaus!

Klaus Billand, 27. Februar 2026


Un ballo in maschera
Giuseppe Verdi

Opéra national de Paris Bastille

Premiere am 27. Januar 2026
Besuchte erste Reprise der Neuinzenierung am 30. Januar 2026

Inszenierung: Gilbert Deflo
Musikalische Leitung: Speranza Scappucci
Orchestre de l’Opéra national de Paris

Video-Kritik des Autors