Braunschweig: „Neujahrskonzert“, Staatsorchesters Braunschweig, Leitung: Sraba Diníc

Das traditionelle Neujahrskonzert des Staatsorchesters Braunschweig fand auch diesmal wieder im Großen Haus des Staatstheaters statt. Es stand unter dem Motto „Auf Los geht’s los!“, was inhaltlich erst mal wenig aussagte. Das Programm enthielt – wie seit einigen Jahren in Braunschweig üblich – einige unbekannte und im Konzertbetrieb eher vernachlässigte Werke, die natürlich neben Allbekanntem aus Konzerten zum Jahreswechsel standen. Es begann mit der frisch musizierten, stimmungsvollen Ouvertüre zur Oper Undine von Albert Lortzing, die nun auf das wirkliche Motto des Abends hindeutete, wie die Moderatorin des Abends, Mitglied des Schauspiel-Ensembles Lea Sophie Salfeld auf charmant-sympathische Art erläuterte: Im September 2025 hatten beim Theaterfest zur Spielzeit-Eröffnung viele Menschen ihre Programmwünsche abgegeben, aus denen Orchesterdirektorin Verena Rast ein buntes Programm rund um das Thema Wasser gestaltet hat.

© Joseph Ruben

Der Ouvertüre zur Oper um die Wassernixe Undine folgte Die Libelle von Josef Strauß. Hier zeigte sich wie schon in der Ouvertüre das herausgehobene Niveau des Staatsorchesters Braunschweig, das unter der souveränen Leitung seines Generalmusikdirektors Sraba Dinic den eleganten Walzer dynamisch fein abgestuft präsentierte. In der folgenden Impression In einer Hafenstadt aus der viersätzigen Orchester-Suite Südlich der Alpen des deutschen Komponisten Erich Fischer (1900-1975) gab es ausgesprochen zügige Tempi, die das muntere Treiben am Mittelmeer verdeutlichten. Mit schwungvollem Musizieren wurden im Walzer von Johann Strauß (Sohn) Wellen und Wogen herausgearbeitet. Sie führten zu zwei der Four Sea Interludes von Benjamin Britten, die dieser als Zwischenspiele zu seiner in einer Hafenstadt spielenden Oper Peter Grimes komponiert hat. Versiert in allen Instrumenten-Gruppen meisterte das Orchester die technisch und im Zusammenspiel anspruchsvollen Stücke Sunday Morning und Storm, die auf die gesamte Oper neugierig machten, die ab Februar 2026 auf dem Braunschweiger Spielplan stehen wird. Ebenso ungewöhnlich für ein Neujahrskonzert war das nach der Pause erklingende Im Spiel der Wellen aus den Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin von Max Reger. Die vielen unterschiedlichen lautmalerischen Stimmungen in Die Moldau von Bedrich Smetana von den rieselnden Quellen (glänzend die beiden Flöten) über die lustige Bauernhochzeit und wilde Stromschnellen bis zur majestätischen Burg auf dem Felsen Vyseherad wurden eindrucksvoll gestaltet, auch ein Verdienst der präzisen, umsichtigen Leitung des scheidenden GMD. Weiter ging es mit der gefälligen Najaden Quadrille von Johann Strauß (Vater), die zu An der schönen blauen Donau, dem Abschluss des glanzvollen Neujahrskonzerts überleitete. Dieser berühmte Walzer von Johann Strauß (Sohn) wurde mit raffinierten Verzögerungen versehen, sodass eine sehr differenzierte und damit prächtige Wiedergabe gelang.

Auf den tosenden Beifall des begeisterten Publikums gab es vier (!) Zugaben, eine äußerst flotte Polka, den schmissigen Ungarischen Tanz Nr. 5  von Johannes Brahms, die Berliner Luft und den wohl unvermeidlichen RadetzkyMarsch.

Gerhard Eckels, 3. Januar 2026


Neujahrskonzert
Staatstheater Braunschweig

2. Januar 2026

Musikalische Leitung: Sraba Diníc
Staatsorchester Braunschweig