Wien: „Someone is going to come“, Knut Vaage

Am 28. Februar führte das für alle Genres offene Jazz-Theater Porgy & Bess in Wien die österreichische Erst-Aufführung von Knut Vaages Kammeroper ‚Someone is going to come‘ in der Regie von Bruno Berger- Gorski mit dem aus Norwegen angereisten Klangkörper ‚Insimul‘  aus Stavanger auf. 

Die Handlung des Einakters: 
In einer einsamen Landschaft am Meer hat ein Paar ein altes Haus gekauft, um ‘Allein miteinander, allein beieinander’ zu sein, fern von anderen Menschen.
Das Bühnenbild aus weißem Tüll von Alice Sturt betont durch Projektionen und das Licht-Design von Alaa Alkurdi visionäre innere wie äußere Zustände von zerbrochenen Menschen. 
Schon direkt bei der Ankunft spüren beide, dass sie unterschiedliche Vorstellungen vom Leben in der Einsamkeit haben. Der Mann (‘He’ Halvor F. Melien mit frischem, jungem Bariton) versucht die Frau (‘She’ Marianne Folkestad Jahren)  mit seinen Kunst- Arbeiten inspiriert von den Wellen des Meeres zu beruhigen.
Tatsächlich erscheint der Vorbesitzer des Hauses (‘The Man’, Tenor Magnus Staveland) und wird von dem Mann als Bedrohung empfunden, von der Frau als möglicher Rettungsanker gedeutet, da sie seine Telefon-Nummer akzeptiert, was zum endgültigen Bruch der Beziehung führt.

© Archiv P&B

Das von Bjarte Engeset präzis einstudierte 8-köpfige Ensemble Insimul gilt als Spezialisten für zeitgenössische Musik und zog die Zuschauer mit der expressiven Musik von Knut Vaage und der als ‘psychologisch-krankhaften’ inszenierten Beziehung des Paares in ihren Bann. Jon Fosse schrieb 1996 dieses spannende Drama um eine toxische Beziehung und 2000 fand die Uraufführung der Kammeroper in der Vertonung von Knut Vaage beim Ultima-Festival in Oslo statt. Jon Fosse und Knut Vaage leben an der Westküste bei Bergen, wo auch die Handlung in einem einsamen Haus am Meer spielt. Die Flucht des sensibel von Berger-Gorski inszenierten Paares in ihre innere Welt und die nicht mehr mögliche Kommunikation durch Worte, aber durch die vertonte Sehnsucht, beieinander und ‘Ineinander’ zu sein, werden durch Gesten und Mimik der intensiven Darstellung genau gezeichnet. Mit ihren intensiven Blicken aufs imaginäre Meer und die Flucht von ‘He’ in seine Arbeiten unterstreicht der Regisseur den zerbrochenen Charakter von ‘Ihm’ und seine Sehnsucht in die immer wiederkehrenden Klänge und die genial komponierten ‘Wellenklänge’ des Meeres. Das Leitmotiv des Wassers erzeugt eine Sog-Wirkung, die den Zuschauer tief in die Beziehung des krankhaft voneinander abhängigen Paares eintauchen lässt. Die feine bis ins Detail ausgearbeitete Gestik und Intensität der Darstellung legt einen zutiefst verzweifelten Zustand einer Beziehung offen, aus der es kein Entrinnen gibt.

© Archiv P&B

Mit seiner auch elektronische Instrumente verwendenden Vertonung gelingen dem Komponisten faszinierende Klänge, die sowohl abgehackte, abrupte wie auch eine poetische Wirkung ausstrahlen und den verzweifelten Kampf unterstreichen, sich aus der schon zu Beginn zerrütteten Beziehung zu lösen. 

Die zwei überraschenden Besuche des ehemaligen Hausbesitzers (herrlich karikierend mit durchdringendem Tenor Magnus Staveland) sind szenisch wie auch musikalisch leicht ironisch überzeichnet und zeigen einen neureich protzenden, wunderbar agierenden ehemaligen Hausbesitzer, der mit seinen Erzählungen über die Geschichte des Hauses und mit seinen plumpen Annäherungsversuchen ‘She’ in ihre eigenen Kindheits-Traumata zurückfallen lässt.

Konsequenterweise verlässt ‘She’ den Partner am Ende, und während des berührend gesungenen Finales durch den klangschönen Bariton von Halvor F. Melien hofft man gemeinsam mit dem Verlassenen auf die Rückkehr von ihr, da er ohne sie nicht lebensfähig scheint…

© Archiv P&B

Nach dem ergreifenden Abend im gut besuchten Porgy & Bess wartet man auf Erst-Aufführung in deutscher Sprache und die große Oper ‘Khairos’ von Knut Vaage, die bisher nur 2011 an der Oper in Oslo aufgeführt wurde. 

Gunhild Kranz, 2. März 2026


Someone is going to come
Kammeroper von Knut Vaage (Musik) und Jon Fosse (Text)

Co-Produktion von Musiktheater Wien, Ensemble Insimul Stavanger und dem Jazz-Theater Porgy & Bess

Besuchte Vorstellung: Premiere am 28. Februar 2026

Inszenierung / Konzept: Bruno Berger-Gorski
Dirigent: Bjarte Engeset