Schürhaken anstelle von Schwertern – und wo sind die sieben Türen?
Leider fühlt sich der Herausgeber gezwungen dazu einen Schnuppentext zu schreiben, was ich üblicherweise selten mache. Denn genau zu dem Thema habe ich während meines Anglistik-Studiums vor 100 Jahren einen längeren Vortrag gehalten. Thema, wenn ich mich noch richtig erinnere, war „Oscar Wilds fantastisches Märchen „die florentinische Tragödie“ und deren kongeniale Umsetzung als Oper von Zemlinsky“. Für mich ist das geniale Werk bis heute nicht nur meine absolute Lieblingsoper, sondern auch das Maß der Dinge quasi der Inbegriff von Oper – in ökonomischen 75 Minuten finden wir alles, wirklich alles was die große Faszination einer Oper ausmacht: Schönheit, Liebe, Eifersucht, Untreue, Rache, Mord, Erlösung und dazu ganz große Musik mit teilweise Wagnerschen Dimensionen. Wenn also ein sogenannter „Regisseur“ meint, dass der große Oscar Wilde Kappes geschrieben habe und man die Geschichte ändern müsste (bei der Verhunzung von Blaubarts Burg ist sowas eigentlich noch schlimmer!) dann muß es schon im Vorfeld heißen: Bitte Abstand nehmen vom Besuch! Gehen Sie lieber nett essen. Ist ja in Wien kein Problem was Traumhaftes zu finden 😉
Man erlaube noch eine Ergänzung zur obigen Produktion: Im Original kommt es zum Duell über einen Vergleich der Schwerter. Der Handlungsreisende spricht von seinem alten Schwert, was sicherlich nicht so gut und scharf sei, wie der goldene Degen des Prinzen. „Das wollen wir doch mal testen?“ Heuer in Wien geht es um Schürhaken – wie bitte? Der Prinz hat also einen edlen Schürhaken und der Hausherr nur einen alten verrostet kaputten… aaaaaaaaah!
Peter Bilsing 6. Oktober 2026