
Wo Welterfolge entstanden
Natürlich wandelt man in Bad Ischl zuerst auf den Spuren der Habsburger und der Monarchie. Aber zweiter Anziehungspunkt nach der Kaiservilla ist wohl Franz Lehar (1870-1948), der neben Johann Strauß bedeutendste und meist gespielte Operettenkomponist der Welt. Er hat die Villa in Ischl, die heute als Museum zugänglich ist, 1912 erworben, da war er 42 Jahre alt und hatte bereits mit Werken wie „Die lustige Witwe“ und „Der Graf von Luxemburg“ Unsterbliches geschaffen und genügend Geld verdient, um eine opulente Villa in Bad ischl zu kaufen.
1912 konnte noch niemand ahnen, dass der „Zauber“ der Monarchie in zwei Jahren brutal enden würde. Der Kaiser kam jeden Sommer nach Bad ischl, in seinem Gefolge der Adel und der Geldadel, wer dort war, war „in“, und ein Komponist von Lehars Größenordnung konnte sich hier am richtigen Ort fühlen.
Tatsächlich war Lehar hier nicht nur glücklich, sondern auch ungemein produktiv – „In Ischl habe ich immer die besten Ideen“, ist ein von ihm überliefertes Zitat. Und diese besten Ideen, im Großen Arbeitszimmer ausgeführt, waren immerhin u.a. „Paganini“, „Der Zarewitsch“ und „Das Land des Lächelns“.
Lehar wünschte in seinem Testament, dass seine Villa, die heute am „Lehar Kai 8“ liegt, mit ihrem Inhalt in ein Museum umgewandelt würde. „Lehár hat die Villa der Stadtgemeinde im Jahr 1948 vermacht – dies mit der Auflage, sie unverändert zu erhalten und für Interessierte zu öffnen. Das ist auch unsere Vision – wir wollen Lehárs Erbe bewahren“, sagt Herta Neiß.
Man hat ihm den Wunsch erfüllt, die Einrichtung zeigt bis heute, wie Lehar in einer noch 19. Jahrhundert-Ausstattung lebte, man sieht Möbel, Gemälde, Kunstgegenstände, Devotionalien (inklusive zehn ihm gewidmete Lorbeerkränze), kurz, sein ganzes Ambiente. Man nannte das Haus auch ein „Palais, würdig des Fürsten der heiteren Musik“.
Zuletzt ist die Villa nach denkmalpflegerischer Restaurierung im Mai 2024 wieder eröffnet worden. Dazu erschien ein umfangreiches Begleitbuch, herausgegeben von Herta Neiß, ihres Zeichens Direktorin der Museen der Stadt Bad Ischl, mit Forschungsschwerpunkten zu Tourismusgeschichte, Kulturtourismus, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Dementsprechend reihhaltig ist das Buch ausgefallen, das verschiedene Artikel verschiedener Autoren zu Spezialthemen bringt, außerdem mit einer Menge Bildmaterial den Eindruck der Villa vermittelt.
Unter den Beiträgen findet sich auch ein unvermeidbares Kapitel – wie ein Künstler, der vermutlich nur von der Politik in Ruhe gelassen werden wollte, sich verhält, wenn er unglücklicherweise zu einem Lieblingskomponisten des „Führers“ wird. Regina Thumser-Wöhs schreibt über Franz Lehár, den „ewigen Lächler in der Sonne jeder wie immer gearteten Gunst“.
Das Urteil fällt für Lehar nicht heldenhaft aus – er versuchte, wie die meisten Opportunisten, sich durch die nationalsozialistische Ära zu schlängeln und seine Werke zur Aufführung zu bringen, er, buckelte, wo nötig (schaffte es immerhin dank seiner Beziehung zu Hitler und Goebbels, dass seine jüdische Frau „Ehren-Arierin“ wurde), und stellte sich nach dem Krieg gerne als Opfer dar.
In der Lehar-Villa geht es nur um den Komponisten, den Mann, der wohl Operetten-Glück verbreiten wird, solange es Menschen gibt, die zu seinen Melodien hingerissen mitsummen… Dein ist mein ganzes Herz! Meine Lippen, die küssen so heiß! Ja, das Studium der Weiber ist schwer…
Renate Wagner 5. November 2026
Franz Lehárs und Villa an der Traun
Herta Neiß (Hg.)
128 Seiten, Böhlau Verlag, 2025