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Stuttgart: „Don Giovanni“, Wolfgang Amadeus Mozart

Seit einiger Zeit ist an der Staatsoper Stuttgart wieder Mozarts Don Giovanni in der Inszenierung von Andrea Moses und dem Bühnenbild und den Kostümen von Christian Wiehle zu sehen. Obwohl sich einiges von der ursprünglichen Personenregie seit der Premiere im Jahre 2012 verflüchtigt hat, ist diese Produktion immer noch eine der interessantesten Interpretationen des Werkes. Die Regisseurin hat . . .

Meiningen: „Riemannoper“, Tom Johnson

Dass der Komponist Texte aus einem Musiklexikon von 1882 darstellen will, lässt schon leicht schaudern. Wer denkt sich denn sowas aus? Erwartet das Publikum ein pfurztrockenes Lehrstück voll musiktheoretischer Definitionen? Tom Johnson hatte ganz anderes im Sinn. Einerseits karikiert und ironisiert er die üblichen Stars eines Opernensembles, lässt sie aber andererseits tatsächlich nur, im . . .

Berlin: „Das kalte Herz“, Matthias Pintscher

Neues vom Herz(en) – Das kalte Herz ist opernmäßig gesehen weiß Gott kein unbeschriebenes Blatt, ein Märchen, das sich innerhalb der Rahmenhandlung von Wilhelm Hauffs Das Wirtshaus im Spessart befindet, in dem einst Lilo Pulver im gleichnamigen Film als Grafentochter ihr Unwesen trieb, und das unter anderen Theobald Rehbaum, Ignaz Brüll, Norbert Schultze und zuletzt 1988 Volker David . . .

Duisburg: „Malle Olé! – Das Musical, das ballert!“, Sven-Oliver Müller

Malle Olé wird als Musical angepriesen, das die großen Hits des Ballermanns mit einem großen Theatererlebnis verbinden möchte. Tatsächlich dürften an diesem Abend aber nur diejenigen Zuschauer Freude haben, die sich einmal im Jahr auf Mallorca dermaßen betrinken, dass ihnen mehr oder weniger alles egal ist. Denn genau darum dreht sich die Geschichte des Abends. In der Ankündigung zum . . .

Nürnberg: „Neujahrskonzert: Wiener Melange“, Staatsphilharmonie unter Roland Böer

Zufällig – was so „Zufall“ heißt – lese ich auf der Heimfahrt nach Bayreuth folgende Zeilen: – „Das sind sehr düstere Charakterisierungen, die darauf hinauslaufen, auch die Gegenwart selbst als ausweglos zu betrachten. Sie wird auf umfassend negative Weise als eine Zeit der Verlassenheit begriffen (…) Könnte zumindest die Musik dieser Verlassenheit Ausdruck verleihen? Jede . . .

Kontrapunkt: „Wider die digitale Lichtverschmutzung in Zuschauersälen“ – ein Hilferuf

„Störend waren mehrere Zuschauer, die während der Vorstellung keinerlei Scheu davor hatten, mit hell leuchtenden Smartphone-Bildschirmen zu fotografieren. Besonders irritierend war eine Person in der ersten Reihe, fast direkt hinter dem Dirigenten, die schamlos ganze Arien und Duette auf Video aufzeichnete.“ – Das schreibt der Kollege in seiner jüngsten Kritik zur Hamburger Tosca . . .

Buchkritik: „Triangel der Wiener Tradition – Zemlinsky – Schönberg – Hoffmann“, Gerold Gruber

 Sie waren einander erst als Lehrer und Schüler, später als Kollegen verbunden, und was zu allen Zeiten  zwischen ihnen herrschte (wenn es auch private Probleme geben mochte), war die große Wertschätzung, die sie einander entgegenbrachten. – Als „Triangel“ einer Wiener Tradition, die nichts mehr mit der legendären Wiener Klassik zu tun hatte, wurden sie 2024 zu einer . . .

Basel: „El barberillo de Lavapiés“, Francisco Asenjo Barbieri

Als im September die Zarzuela „El barberillo de Lavapiés“ im Theater Basel Premiere feierte, war sofort klar, dass dies ein absolutes Highlight der Saison wird. Christof Loy hat bei einem Aufenthalt in Spanien seine Liebe zu dieser Musikgattung entdeckt und sich zur Aufgabe gemacht, die Zarzuela in Europa wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. In Spanien gehört diese energievolle Musik zum . . .

Dresden, Konzert: „Beethovens 9.“, Dresdner Philharmonie unter Sakari Oramo

Im Februar 1824 vollendet Ludwig van Beethoven (1770-1827) die Arbeit an seiner Sinfonie Nr. 9 d-Moll op.125. Nach einer langen Phase bitterer Enttäuschungen, der Niedergeschlagenheit, begründet in Krankheit, Vereinsamung und der nun völligen Taubheit, den Streitigkeiten um das Sorgerecht für seinen Neffen Karl und der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, die nach allen revolutionären . . .