Archiv

Dortmund: „Mazeppa“, Clemence de Grandval (Zweite Besprechung)

Seit einigen Jahren bringen viele Opernhäuser verstärkt die Werke von Komponistinnen auf die Bühne und heben dabei vergessene Schätze. Erinnert sei an Fausto von Louise Bertin in Essen und La Montagne Noir von Augusta Holmes in Dortmund. The Wreckers von Ethel Smyth hat es sogar in Schwerin, Meiningen, Karlsruhe und zuletzt in Detmold auf die Bühne gebracht. Im Dortmunder Opernhaus ist jetzt . . .

Duisburg: „Die blaue Sau“, Anno Schreier

Gewöhnlich werden junge Leute mit Klassikern wie Zauberflöte oder Hänsel und Gretel in die Welt der Oper eingeführt (oder, wie der Rezensent schon mehrfach erleben durfte, erfolgreich mit Werken Richard Wagners). Mittlerweile gibt es Werke, die unter der Gattung Familienoper diese Zielgruppe direkt anspricht, oft mit aktuellen Themen und mit einer Musiksprache, die eingängig, aber raffiniert . . .

Pionteks Bayreuth: „Michael Wessel: Mozart der Humorist“

Erst kürzlich war am selben Ort Mozarts Sonate KV 281 zu hören. Ein Dresdner Klavierschüler spielte sie so, dass man merkte, dass es eines ist, die schnellen Sätze „technisch perfekt“ zu bringen und sie gleichzeitig klingeln zu lassen. Dies habe er, schrieb ich, mit vielen wesentlich erfahreneren Pianisten gemein; selbst weltberühmte Pianistinnen und Pianisten schaffen es nicht immer, . . .

Buchkritik: „Aufgehobene Revolution. Annäherungen an Richard Wagners ‚Ring'“, Laurenz Lütteken

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner ist auch 150 Jahre nach der Uraufführung des gesamten Zyklus eine Herausforderung. In acht Essays nähert sich der deutsch-schweizerische Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken vor allem Wagners Chef d'Œu­v­re. Sein Grundgedanke und roter Faden der vier Texte, die er für die Ring-Inszenierung am Theater LaMonnaie/De Munt in Brüssel 2023/2024 . . .

Buchkritik: „Menschen. Zeiten. Musik“, Peter Gülke

Rück- und Ausblick – Erst einmal enttäuscht sein wird der reine Opernfreund, wenn er sich das Inhaltsverzeichnis von Peter Gülkes neuem (letztem?) Buch mit dem Titel Menschen. Zeiten. Musik durchliest, obwohl der Titel ihn hätte warnen müssen. Erst als allerletztes von hundert Kapiteln, die dreihundert Seiten füllen, findet sich ein opernträchtiges mit dem Zitat der Marschallin aus . . .

Bremerhaven: „La Traviata“, Giuseppe Verdi

Das während des Vorspiels zu Giuseppe Verdis La Traviata auf einen Zwischenvorhang projizierte Video zeigt eine von Regisseurin Katharina Kastening hinzuerfundene Vorgeschichte: Violetta ist Mutter von zwei Kindern und aus einem Kriegsgebiet geflohen. Man sieht Bilder von zerbombten Häusern wie in der Ukraine. Das soll offenbar implizieren, dass Violetta aus Not und um ihre Kinder versorgen zu . . .

Frankfurt: „Written on Skin“, George Benjamin / Martin Crimp

Written on Skin ist der beispiellose Fall einer zeitgenössischen Oper, die sich in wenigen Jahren auf breiter Ebene im Repertoire durchgesetzt hat. Daß die Uraufführungs-Produktion aus Aix-en-Provence von 2012 in den Co-produzierenden Häusern von London, Amsterdam, Toulouse und Florenz gezeigt wurde, lag in der Natur der Sache. Für die Qualität dieser Produktion sprachen aber bereits . . .

Kontrapunkt: „Theatermacher, stoppt endlich das Gendern!“ – das finale Wort zur Genderdebatte

Die Abneigung gegen Gender-Sonderzeichen teilt mit uns unter vielen anderen der Herausgeber der Zeitschrift "O-Ton". Wir übernehmen daher gerne seinen aktuellen Kommentar: – Obwohl der Rat für deutsche Sprache einmal mehr deutlich gemacht hat, dass Gender-Sonderzeichen – keinen Eingang in das amtliche Regelwerk für deutsche Sprache Eingang finden, weil unter anderem – . . .

Linz: „Des Esels Schatten“, Richard Strauss / „Der zerbrochene Krug“, Viktor Ullmann

„Der Doppelabend mit zwei Opern von Viktor Ullmann (1898–1944) und von Richard Strauss (1864–1949) präsentiert zwei komische Werke, die inhaltlich viel gemeinsam haben, da sich beide um einen Gerichtsprozess drehen. Sie stammen von zwei Zeitgenossen, deren Lebenswege jedoch sehr unterschiedlich verliefen. Denn während Strauss der erfolgreichste deutsche Opernkomponist seiner Zeit war, der . . .