Reisebilanz IV: Tops und Flops der „Saison 2025/26“
. . .
. . .
Smetana, Dvořák, Janáček, wohl auch Martinů – diese Herren fallen einem ein, wenn man über die tschechische Oper nachdenkt. Fibich und Foerster, das sind zwei weitere Namen, die zumindest der kennt, der etwas tiefer in der tschechischen Opern- und Musikgeschichte nachkramt – aber wer kennt, zumindest bei uns, Karel Kovařovic? Nicht einmal in Prag, wo in der heutigen Staatsoperdie . . .
Die letzte Reisebilanz kommt im Norden nicht weiter als bis nach Kassel, im Süden dafür nach Venedig, im Osten sogar nach Tschechien, und berücksichtigt obendrein eine Fülle von kleinen Theatern, die in der zurückliegenden Saison Beachtliches geleistet haben. – . . .
Wer oder was ist Juliette? Eine „Schnepfe“, auf die der Jäger (angeblich) geschossen hat? Schon möglich. Eine Traumfantasie der einzigen Figur, mit der sich der Zuschauer identifizieren könnte? Mag sein. Eine kollektive Männerfantasie? Eher unwahrscheinlich, auch wenn manch Regisseurin dies behaupten mag. Eine (Alb-)Traumfrau? Auf jeden Fall. – Bohuslav Martinů schuf mit seiner . . .
Es war die letzte Aufführung dieser „Manon“ Produktion, die ursprünglich in Ostrava herausgebracht worden war und dann 2023 aus dem tschechischen Osten in das westliche Plzen übersiedelte. Und es war eine spannende, zum Teil etwas ungewöhnliche Aufführung. Manchem wäre es vielleicht zu „veristisch – zupackend“ gewesen, oder zu laut; nun „ziseliert“ wurde nicht, aber mit . . .
Am Ende ist es eine ehemalige Hauptrollensängerin (Aida, Mimi, Turandot, Rusalka, Salome, Senta, so Sachen), die das Finale des dritten Akts rettet. Ihr Name muss, obwohl sie nur einige wenige Sätze sang, zuerst genannt werden: Ivana Šaková. Einst war sie die Milada, nun steht sie, die inzwischen als Ensemblemitglied des J.K. Tyl-Theaters sog. „Wurzen“ singt, als Einspringerin für die . . .
An der Fassade des Tyl-Theaters ist auch sein Porträt zu sehen. Für das frühe 20. Jahrhundert war er also offensichtlich der repräsentative tschechische Vertreter der Gattung Oper. Ist er es zurecht, obwohl er auch auf den Bühnen seines Heimatlandes, ganz zu schweigen von den nichttschechischen Ländern, mit seinen gesamten acht Opern nur selten vertreten ist? Wer gerade die Smetana-Trilogie . . .
Am alten Theatervorhang ist er gleich unten zu sehen. Gegenüber dem Namensgeber des Theaters, dem Dramatiker J.K. Tyl, schaut er nach links: der Komponist Bedřich Smetana. Kein Wunder, gilt er doch als Begründer der tschechischen Nationalmusik (falls es so etwas gibt: nationale Kunstmusik). Zudem hat er von 1840 bis 1843, da war er 16 bis 19 Jahre jung, in Pilsen gelebt und studiert, wovon . . .
Mittags, im Westböhmischen Museum, sehen wir im Kaiser-Franz-Josef die Fresken, die die Landbevölkerung im realistischen Stil der vorletzten Jahrhundertwende zeigen. Abends, im Tyl-Theater, erblicken wir auf dem Theatervorhang einige verwandte Figuren, die sich nach dem Öffnen desselben auf der Bühne zeigen. Das Národni divadlo moravskosleské hat also am zweiten Abend seiner . . .
Müsste ich mich heute für eine Smetana-„Lieblingsoper“ entscheiden, so wäre dies Die Teufelswand, also Čertova stěna. – Die Teufelswand? Ausgerechnet diese Oper, die als dramaturgisch besonders missglückt gilt? Ja, denn auch hier gilt, dass die Musik wieder einmal alle Zwecke heiligt. Die Smetanakritiker unter den Smetanafreunden mögen recht haben, wenn sie die etwas ungelenke . . .
Hand aufs Herz: wer kennt nicht nur die Verkaufte Braut, sondern auch Libussa, Dalibor, Der Kuss oder gar Die Teufelswand? Wer hat sie das letzte mal auf einer deutschen Bühne gesehen? – Selbst die einmal unverwüstlich scheinende Verkaufte Braut hat längst ihren Tribut an ein in den letzten 30 Jahren erneuertes Musiktheater zahlen müssen. Dass jedoch zum jetzigen Zeitpunkt selbst im . . .
Die Oper gilt, vertraut man dem einschlägigen Nachschlagewerk, also „Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters“, dramaturgisch als problematisch. Der Textdichter, „der sonst als Meister der dichterischen Form und des poetischen Ausdrucks gelten“ müsse, habe hier „erhebliche Schwächen nicht nur im dramatischen Aufbau und im logischen Gefüge der Handlung, sondern stellenweise auch in der . . .