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SCHWANENSEE mit Polina Semionova

Ein zauberhafter Abend

20.09.2018
 

An diesem sommerlich warmer Septemberabend sitzen nicht alle draußen bei Wein und Bier. Die Tanzfans strömen lieber in die nun wieder von allen Wasserschäden befreite Deutsche Oper Berlin, steht doch „Schwanensee“ mit Berlins Darling und Superstar Polina Semionova auf dem Programm.

Im Vorjahr wurde sie mit dem seltenen Titel „Berliner Kammertänzerin“ geehrt. Nun hat sie die Fachzeitschrift „Tanz“ nach einer Umfrage unter internationalen Fachkritikern zur Tänzerin des Jahres 2018 gekürt. Schon  2007 wurde ihr diese undotierte, aber hochgeschätzte Ehrung zuteil.

Im November 2005 habe ich sie erstmals als Schwanenkönigin –mit Vladimir Malakhov als Prinz Siegfried – erlebt und dann im „Neuen Merker“ geschrieben: „Mit Polina Seminova hat er (Malakhov) eine Partnerin, wie sie graziler, schöner und animierender kaum sein könnte.“

Polina Semionova (c) Sandra Hastenteufel

Nach 10 Jahren ging bekanntlich die Zusammenarbeit mit ihrem Entdecker in die Brüche, und sie wechselte zum American Ballet Theater (ABT). 2014 kehrte sie nach Berlin zurück, ohne sich wieder fest ans Staatsballett zu binden. Nach einjähriger Babypause 2016/17 – auf dem damaligen Höhepunkt ihrer Karriere – tritt die Startänzerin seit April 2017 wieder als heiß geliebter Gast in den klassischen Balletten an den drei Berliner Opernhäusern auf.

Speziell ihretwegen eilen die Fans nun zur 217. Aufführung des Dauerbrenners „Schwanensee“, eine Choreographie von Patrice Bart (nach Iwanow und Petipa). Sie alle wollen diese fabelhafte Schwänin in der Doppelrolle Odette / Odile erleben. Es wird eine großartige Aufführung, immer wieder brandet der Zwischenbeifall auf.

Nicht ohne Grund. Noch mehr ist Polina in diese Rolle hineingewachsen, bringt zusammen mit ihrem Können auch ihre Lebenserfahrung mit hinein. In dem frisch engagierten Kubaner Alejandro Virelles –  zuletzt Erster Solotänzer beim Bayerischen Staatsballett und hier in seinem Rollendebüt – hat sie  auch einen überzeugenden Partner. Dem athletischen, ausdrucksstarken Tänzer, der sich beim Beifall bescheiden zurückhält, merkt wohl niemand an, dass er die Rolle des Prinzen Siegfried zumindest in Berlin zum ersten Mal interpretiert. Die beiden harmonieren vorzüglich, und bei den Hebungen, wenn das Publikum den Atem anhält, kann sie sich voll auf ihn verlassen. Auch die Soli gelingen beiden bestens.

Zunächst aber – bei den zu seiner Geburtstagsfeier gebotenen diversen Tänzen – zeigt er sich als Trotzkopf gegenüber seiner königlichen Mutter, die ihn vergöttert. Sarah Brodbeck als neu engagierte Solotänzerin im langen weißen Kleid füllt diese Rolle mit Verve aus. Das gilt auch für Alexej Orlenco als bösartiger, tänzerisch sehr wendiger Premierminister von Rotbart. Der gerade zum Demi-Solotänzer beförderte Murilo de Oliveira als Siegfrieds eifersüchtiger Freund Benno von Sommerstein punktet nicht nur mit seinen spagatartigen Sprüngen. Eine insgesamt vollwertige, ja festliche Besetzung.

Auch scheint mit dem Amtsantritt des neuen Intendanten Johannes Öhman, dem sich Sasha Waltz 2019/20 als Ko-Intendantin hinzugesellen wird, ein frischer Wind durch das personell von 84 auf 93 Tänzerinnen und Tänzer aufgestockte Staatsballett Berlin zu wehen. Das anfängliche „Nummernballett“, das mich früher mitunter gelangweilt hatte, wirkt jetzt – nicht nur wegen der farbenfrohen Kleider ((Bühnenbild und Kostüme: Luisa Spinatelli) deutlich lebhafter. Alle Tänzerinnen und Tänzer sind offenbar mit neuem Spaß bei der Sache.

Dennoch geht nichts über die Szenen mit den beiden Liebenden. Zunächst Polina Semionova als zerbrechlich-melancholische Schwanenkönigin Odette, die angstvoll vor Prinz Siegfried zurückweicht und sich zunächst keine Gefühle gönnen will. Wie sie langsam Vertrauen fasst und Liebe spürt, ist in dieser tänzerischen Vollkommenheit fast zum Weinen schön.

Doch wie anders kommt sie als schwarze Schwänin Odile daher. Als selbstbewusste Verführerin, temperamentvoll und mit blitzenden Augen. Sie wirbelt auf einem Bein, ist sich ihrer Macht sicher, und „natürlich“ kann Siegfried ihr nicht widerstehen. Siegfrieds erstem vergessenen Treueschwur folgt nun ein zweiter. Als seine weiße Schwänin im Bilde erscheint, bricht er reuevoll zusammen, hat aber noch Kraft genug, um den bösen Geist alias Premierminister, zu erwürgen.

All’ das vollzieht sich zu der wunderbaren Musik von Peter I. Tschaikowsky. Die Dirigentin  Alevtina Ioffe macht auch das Orchester der Deutschen Oper Berlin munter und achtet sehr auf die Tanzenden. Beim Schlussjubel für das neue Traumpaar, das noch einmal am 11. Oktober zu erleben ist, wird auch sie gut bedacht.

Weitere Aufführungen  von Schwanensee in anderer Besetzung siehe unter www.staatsballett-berlin.de. Übrigens gibt es im September zwei Tickets zum Preis von einem! Codewort: Iwanow

Copyright: Enrico Nawrath

Ursula Wiegand 23.9.2018

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online

 

 

Premiere 7.9.2018

Verstörender Saisonauftakt beim Staatsballett

Celis/Eyal heißt der neue Abend des Staatsballetts, der am 7. 9. 2018 in der Komischen Oper Premiere hatte und vom Publikum überraschend euphorisch und ohne jeden Widerspruch aufgenommen wurde. Er zeigt zwei Arbeiten von zeitgenössischen Choreografen, die mit ihren Kreationen seit Jahren für kontroverse Meinungen sorgen. Das Tanzstück Your passion is pure joy to me des Belgiers Stijn Celis auf eingespielte Musik von Pierre Boulez, Nick Cave, Gonzalo Rubalcaba und Krzysztof Penderecki wurde 2009 beim Goeteborg Ballet uraufgeführt. Auf der bis zu den Brandmauern leeren Bühne (ebenfalls von Celis) agieren drei Tänzerinnen und vier Tänzer in weißen T-Shirts und verschiedenfarbigen Röcken und Hosen (Kostüme: Catherine Voeffray).

Später werden für Sekunden mehrere Bildtafeln vom dem Schnürboden herabgelassen, die aber sofort wieder verschwinden. Die Bedeutung dieser Aktion erschloss sich dem Zuschauer nicht. Es gibt auch tänzerisch viel szenischen Leerlauf, stehendes Verharren, tastende Schritte, flatternde Hände, Marschieren in der Reihe, Bodengymnastik, zuckende Bewegungen, stürzende Körper. Gegen Ende sieht man ein Paar im Wechsel von enger Umklammerung als Ausdruck der Zuneigung und barschen Reaktionen als Zeichen von Abwehr.

Diesem insgesamt problematischen Einstieg folgte das Tanzstück Half Life der in Jerusalem geborenen Choreografen Sharon Eyal und Gai Behar, das 2017 vom Koeniglich Schwedischen Ballett Stockholm uraufgeführt wurde. In knappsten Trikots und mit Körpertattoos (Rebecca Hytting) zeigen zunächst ein Tänzer und eine Tänzerin in stupider Monotonie sich ewig wiederholende profane Bewegungen, bis sich endlich von rechts eine elfköpfige Tänzergruppe herein schiebt. Deren Bewegungsduktus erinnert in seinen Gliederverrenkungen und Körperverschiebungen an Behinderte. Wie unter Stromschlägen zucken und schlottern die Leiber, werden die Augen schreckhaft aufgerissen – alles noch apokalyptisch verstärkt durch die peitschenden Schläge einer immer mehr anschwellenden Lärmfolie von Ori Lichtik.

Ein geradezu blasphemischer Einfall sind die trippelnden Füße und schwanengleichen Armbewegungen als Zitat aus Tschaikowskys Klassiker, als wollten Eyal und Behar das Publikum damit für den Mangel an wirklichem Tanz entschädigen. Aber dieser Einschub bleibt marginale Episode, und bald fällt das Bewegungsspektrum zurück in das sattsam Bekannte. Immer wieder schließt sich die Gruppe Schutz suchend zusammen. Angstvoll nach oben gerichtete Blicke signalisieren Gefahr und Bedrohung. Einen gewissen Sog kann man dem Stück nicht absprechen, vor allem aber nicht den Tänzern ihr bedingungsloses Engagement und die staunenswerte Präzision.

Bernd Hoppe 11.9.2018

Bilder (c) Jubal Battisti / Staatsballett

 

 

 

Landesjugendballett Berlin: Happy Birthday!

Anlässlich seines einjährigen Bestehens lud das Landesjugendballett Berlin an der Staatlichen Ballettschule am 4. 6. 2018 zu einer großen Geburtstags-Gala in die Volksbühne ein. Gekommen waren Gratulanten aus dem In- und Ausland als Mitglieder von Junior-Compagnien, und sie alle zeugten vom außerordentlich hohen Leistungsniveau der jungen Tänzer. Sie in ihrem Enthusiasmus, ihrer Passion, ihrem Idealismus erleben zu können, riss das Publikum im Saal immer wieder zu Beifallsstürmen hin. Das abwechslungsreiche, dreistündige Programm von der Klassik bis zur Moderne hatte hohen Unterhaltungswert und demonstrierte eindrucksvoll die Vielseitigkeit der Interpreten.

Sogleich der spektakuläre Auftakt mit zwei Berlinern legte die Messlatte hoch. Elena Iseka und Haruto Goto tanzten den Grand Pas de deux aus Don Quixote in der Choreografie von Petipa in staunenswerter Perfektion. Da sah man von ihr brillant auf dem Punkt gedrehte fouettés, von ihm Sprünge von artistischer Schwierigkeit. Mit Marco Goeckes All long dem day am Ende des ersten Programmteils bewies die Compagnie in einem rasanten Wirbel auch ihre Souveränität im Modern Dance. Erst vor drei Wochen hatte sie mit diesem Stück in seiner ganz eigenen, flatternden Bewegungssprache bei der Gala des Staatsballetts Polina & Friends Furore gemacht und überzeugte auch an diesem Abend mit stupender Körperbeherrschung und perfekter Synchronität. Und natürlich oblag dem Landesjugendballett Berlin auch das Finale mit Gregor Seyfferts hinreißender Arbeit Die Zukunft beginnt jetzt auf die Musik von Ravels Bolero. In diesem Défilé wirken die Schülerinnen und Schüler des 1. bis 9. Ausbildungsjahres mit und zeigen in einer mitreißenden Parade das ganze choreografische Vokabular – angefangen von einfachen Exercicen an der Stange, in denen die reizenden Kinder als Anfänger Zeugnis ihrer Begabung abgeben und mit ihrer Leidenschaft für den Tanz berühren. Über schwierige Gruppenformationen führt der Vorbeimarsch bis zu den virtuosen Highlights der berühmten Pas de deux. Dieses Finale ist angesichts seiner Steigerung in Tempo und Bravour immer wieder von überwältigender Wirkung.

Die ersten Gäste, Stanislava Pincekova, Viktorie Dembicka und David Lampart, kamen vom Bohemia Ballett Prag und zeigten ein Stück von Marika Hanusová mit dem Titel Trio, das in nervösem Bewegungsduktus eine komplizierte Dreierbeziehung schildert. Von diesem Ensemble sorgten später Pavlina Kopecka und Kristian Pokorny mit Aubers Grand Pas Classique in der technisch immens schwierigen Choreografie von Viktor Gsovsky für einen umjubelten Höhepunkt. Mitglieder des NRW-Juniorballett Dortmund zeigten in zwei Beiträgen von Godani und Peng Wang vital-sportiven und vor Energie berstenden Tanz. Das Bayerische Junior Ballett München machte mit einer (deutlich von Kylián beeinflussten) Arbeit von Marek Svobodnik, Petite Corde auf Musik von Mozart, bekannt, in der sieben Paare mit viel Witz und Spielfreude agierten.

Aus dem Ausland kamen neben den Pragern noch Marjolaine Laurendeau und Cohen Aitchison-Dugas vom Junior Ballett Zürich, die mit dem expressiv getanzten Pas de deux Behind the Mirror von Filipe Portugal einen lyrischen Ruhepunkt setzten, sowie Karla Andressa S. do Carmo und Remilton S. Nunes vom Balé Experimental do Corpo de Dança do Amazonas aus Brasilien mit einem Duo, das zwischen slow motion und abrupten Schüttelbewegungen wechselt und eine problematische, zur Trennung führende Partnerbeziehung beschreibt.

Grandios der Auftritt von zehn Mitgliedern der Junior Company des Niederländischen Nationalballetts, die im Pas de six und der Tarantella aus Bournonvilles Napoli südliches Temperament und überschäumende Lebensfreude einbrachten. Das lange nicht in Berlin gezeigte Stück wäre auch für das Staatsballett eine Empfehlung.

Bernd Hoppe 6.6.2019

 

 

 

 

 

 

 

Doda/Goecke/Duato

Premiere 24. Mai 2018

Duatos Abschied

Noch einmal hatte das Berliner Publikum Gelegenheit, eine Arbeit des Intendanten des Staatsballetts Nacho Duato zu sehen, bevor der Spanier zum Ende der Spielzeit die Berliner Compagnie verlassen wird. Der Beitrag stand am Ende des dreiteiligen Ballettabends  der am 24. 5. 2018 in der Komischen Oper Premiere hatte, und trägt den Titel Por vos muero. Er wurde 1996 bei der Compania Nacional de Danza in Madrid uraufgeführt, als Duato dem Ensemble als dessen Leiter vorstand. Auf vitale, rhythmisch pulsierende Musik aus dem Spanien des 15. und 16. Jahrhunderts zelebrieren die Interpreten, unter ihnen Elisa Carrillo Cabrera, Ksenia Ovsyanick und Rishat Yulbarisov, in schwarz-blauen Kostümen (Duato in Zusammenarbeit mit Ismael Aznar) Tänze von höfischer Galanterie, aber auch ausgelassener Lebensfreude. Sinnlichkeit ist hier in strenge Form gegossen.

Vor diesem Finale musste man zwei schwierig zu goutierende Stücke überstehen. Vor allem der Einstieg mit was bleibt von Gentian Doda auf eine lärmende Klangcollage von Joaquin Segade erwies sich auf der diffus beleuchteten Bühne von Nicolás Fischtel als Prüfung. Klopfende, brummende, donnernde und hämmernde Geräusche hatten eine enervierende Wirkung, ebenso die überkurzen Sequenzen zu Beginn, die nach wenigen Momenten immer wieder den schwarzen Vorhang fallen lassen. Auf der Bühne von Yoko Seyama sind weiße Schnüre gespannt, welche die Tänzer in weißen, unkleidsamen Kostümen von Angelo Alberto wie ein Spinnennetz einkreisen. Oft finden sie sich zu einer Gruppe zusammen und fallen wieder zusammen. Sie marschieren im Gleichschritt und erinnern mit ihren pathetisch ausgebreiteten Armen gelegentlich an sozialistische Denkmäler von Widerstandskämpfern. Alle überragt Vladislav Marinov mit spektakulären Sprüngen und stupender Körperbeherrschung.

Das Stück ist von zähem Fluss, hat keine Spannung und kaum Höhepunkte. Am Ende bleibt ein Berg von ineinander verschlungenen, schlotternden Leibern – die Einstimmung auf das folgende Sück Pierrot lunaire auf Musik von Arnold Schönberg in der Choreografie und Ausstattung von Marco Goecke. 2010 in Rotterdam uraufgeführt, zeigt es die sattsam bekannten pathologischen Zuckungen als Stilmittel des ehemaligen Stuttgarter Choreografen. Für den jungen Gruppentänzer Konstantin Lorenz, der kürzlich auch in der Gala Polina & Friends aufgefallen war, ist das eine fordernde Aufgabe, die er Respekt gebietend meistert. Wie eine Marionette wird er vom Choreografen geführt, während Soraya Bruno, Xenia Wiest, Nikolay Korypaev, Alexander Shpak und Mehmet Yumak als Doubles synchrone Bewegungen ausführen. Der Abend fand vor allem bei jugendlichen Besuchern Zustimmung, für Duatos Abschied von Berlin hätte man sich freilich eine opulentere Produktion gewünscht.

Bernd Hoppe 29.5.2018

Bilder (c) Fernando Marcos

 

 

Polina lädt ein

Wenn Startänzer befreundete Partner zu einer Ballett-Gala einladen, verspricht das stets ein Tanzfest der Sonderklasse. Beim Staatsballett gab es solche Abende bereits in der Malakhov-Ära, nun folgte am 17. 5. 2018 Polina Semionova mit ihrem Programm Polina & Friends in der Lindenoper. Mit seinen diversen Tanzstilen bot dieses interessante Kontraste und fand die jubelnde Zustimmung des Publikums im ausverkauften Haus.

Die Starballerina selbst hatte mit vier Beiträgen von der Klassik und Neoklassik bis zur Moderne großen Anteil am Erfolg der Veranstaltung, die sie in sehr persönlicher Art zu einer Hommage an die Compagnie machte, wo sie ihre Laufbahn begonnen hatte. So ließ sie es sich nicht nehmen, zu Beginn des Abends das Publikum in deutscher Sprache und ungemein sympathisch zu begrüßen, um noch einmal auf die Bedeutung des Berliner Staatsballetts für ihre internationale Karriere hinzuweisen. Zum Auftakt bot sie mit Daniel Camargo, ehemals Erster Solotänzer des Stuttgarter Balletts und seit 2016 Principal Dancer beim Dutch National Ballet, den Pas de deux aus Le corsaire in der Choreografie von Marius Petipa. Ein spektakuläreres Entrée war kaum denkbar, denn der Brasilianer überwältigte mit Sprüngen von artistischer Bravour und sie glänzte an seiner Seite mit aristokratischer Noblesse. Ähnlich imponierend war der Pas de deux aus Kenneth MacMillans Manon, ein signature piece der Semionova, bei dem ihr Friedemann Vogel, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, zur Seite stand. Er hatte zuvor bereits das Solo Mopey in der Choreografie von Marco Goecke absolviert – eigenwillig in seinen schüttelnden, flatternden, zuckenden Bewegungen. Als Des Grieux konnte Vogel dagegen den leidenschaftlichen jugendlichen Liebhaber geben und er hatte in der kapriziösen Manon der Semionova die ideale Partnerin. Eine weitere Facette ihres Könnens zeigte die Tänzerin im zweiten Teil im Duett Without Words auf Musik von Franz Schubert in der Choreografie von Nacho Duato. Dieser sensible Pas de deux mit den typischen Bewegungselementen des Choreografen – abgewinkelte Glieder, zusammen fallende Körper – wirkte in der Programmfolge wie ein lyrisches Intermezzo. Mit ihrem Partner Ivan Zaytsev vom Mikhailovsky Theater St. Petersburg bestritt sie auch die offiziell letzte Nummer des Programms – das Duett Cantata auf Musik der Gruppe Assurd in der Choreografie von Mauro Bigonzetti. In diesem temperamentvollen, leidenschaftlichen Tanz sah man stupende Würfe und Schleuderfiguren. Vor dem geplanten Defilee aller Solisten wartete die Gastgeberin noch mit einer Überraschung auf und zeigte jenen Beitrag, der am Beginn ihrer Berliner Jahre stand – das Solo Demo auf einen Song von Herbert Grönemeyer (Choreografie: Rudi Reschke), in welchem sie das virtuose Vokabular der Klassik demonstrieren und danach sogar den Komponisten auf der Bühne begrüßen konnte.

Verdienstvoll, dass die Startänzerin auch jungen Kollegen des Staatsballetts die Gelegenheit für einen Auftritt ermöglichte. Danielle Muir und Konstantin Lorenz boten mit romantischer Allüre im Pas de deux aus Giselle eine beachtliche Talentprobe. Auch Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Ballettschule Berlin sowie des Landesjugendballetts Berlin bekam die Chance, bei der Gala mitzuwirken. Und dieser Beitrag, All Long Dem Day in einer Choreografie von Goecke, fand dann auch enthusiastisches Echo beim Publikum. In einem rasanten Wirbel zeigten die Nachwuchstänzer ihr großes Potential, das für die Zukunft hoffen lässt.

Polina Semionovas Bruder Dmitry Semionov war in zwei Beiträgen zu sehen – mit der Ersten Solistin des Staatsballetts Ksenia Ovsyanick im Duett Intimate Distance (Choreografie: Jiri Bubenicek), das gleichermaßen Nähe und Distanz wie Zuneigung und Aggressivität beschreibt, und mit der Ersten Solistin des Semperoper Ballett Svetlana Gileva in dem Pas de deux Elegie aus Schwanensee, in dem sich Odette-Zitate mit eigenen Erfindungen des Choreografen Xin Peng Wang mischen. Man hofft, den charismatischen Tänzer in seiner Hamlet-Aura wieder öfter auf den Berliner Bühnen zu sehen.

Zwei Principal Dancer vom San Francisco Ballet ergänzten die internationale Solistenriege. Die Russin Maria Kochetkova und der Italiener Carlo Di Lanno zelebrierten den Pas de deux aus Dornröschen – sie mit einer kapriziösen und er mit einer bravourösen Variation. Entbehrlich war dagegen ihr Solo Degunino auf eine Choreografie von Marcos Morau – eine Zappelnummer mit marionettenhaften Bewegungen. Aber dies war auch der einzige Schwachpunkt eines insgesamt glanzvollen Abends, zu dem man Polina Semionova und dem Staatsballett herzlich gratulieren darf.

Bernd Hoppe 18.05.2018

 

ROMEO UND JULIA

29. April 2018

Tanz von Kraft und Energie

Eine neue choreografische Version von Prokofjews Romeo und Julia muss sich stets mit den Schöpfungen von John Cranko, Kenneth MacMillan und John Neumeier messen. Auch die Neuproduktion des Staatsballetts Berlin in der Choreografie von Nacho Duato fordert diesen Vergleich heraus. In einigen Aspekten kann sie mit den großen Vorbildern durchaus standhalten. Die Gruppenbilder haben Kraft und Energie, die Kampfszenen Dramatik und Spannung. Das choreografische Vokabular fußt auf der neoklassischen Tradition, auffällig sind die häufig abgewinkelten Unterarme – eine Spezialität des Spaniers. Prüfstein jeder Choreografie zu Prokofjews Klassiker ist die Balkonszene, Duatos Deutung, die 1998 in Madrid zur Premiere kam, hat Schwung und bietet attraktive Schleuderfiguren. Auch der Abschied der Liebenden besitzt emotionale Dichte. Nach der Pause gibt es weniger inspirierte Bilder, wie die kurzen Episoden vor dem Vorhang. Und die akustische Untermalung der Tänze mit Johlen, Händeklatschen und Pfiffen ist ebenso entbehrlich wie der markerschütternde Schrei der Amme beim Anblick der vermeintlich toten Julia (Beatrice Knop mit strenger Aura). Eigene Erfindungen Duatos sind die Harlekine, die sich beim Fest der Capulets unter die Gäste mischen und ein Divertissement aufführen, das personifizierte Gift, das von den beiden Tänzern Alexander Shpak und Dominic Whitbrook dargestellt wird, sowie die schwarzen Fackelträger in der Gruft. Gänzlich missglückt ist das Finale mit dem Doppelselbstmord des Paares, der geradezu sachlich abgehandelt wird und beim Zuschauer keine Empfindungen auszulösen vermag.

Optisch leidet die Produktion unter dem recht ärmlich wirkenden Bühnenbild von Jaffar Chalabi (nach Carles Puyol und Pau Renda) mit einer niedrigen Mauer im Hintergrund und einer holzgetäfelten Bühneneinfassung mit Fenster- und Türausschnitten. Anfangs schwebt ein seidener Plafond mit dem Wappen von Verona über dem Geschehen, der die insgesamt zu dunkel ausgeleuchtete Szene (Brad Fields) erhellt, bald aber als Vorhang herabfällt. In der extrem dunklen Gruft werden die schwarzen Fahnenträger und Trauernden von den Wänden geradezu verschluckt. Die Kostüme von Angelina Atlagic sind dagegen stimmig in ihrer zeitlosen Eleganz mit angedeuteten Renaissance-Ornamenten.

Solistisch wird die Aufführung dominiert von Polina Semionova in der weiblichen Titelrolle. Sie prägt den Abend mit einer mitreißenden Darstellung der Julia, ist in der Auftrittsszene jugendlich ausgelassen und übermütig, reift dann heran zu einer hingebungsvoll Liebenden, die in den Armen von Paris wie eine leblose Marionette hängt, sich in ihrer Verweigerung dieses Mannes zu furiosen Ausbrüchen steigert. Das letzte Bild in der Gruft lebt einzig von ihrer erschütternden Gestaltung der Julia, deren unfassbarem Schmerz und der übermenschlichen Verzweiflung beim Anblick des toten Romeo. Polina Semionova ist herangereift zu einer großen Charakterdarstellerin.

Neben ihr wirkt der Gasttänzer Ivan Zaytsev vom Mikhailovsky Theater St. Petersburg als jugendlicher Romeo ausgesprochen blass in der Ausstrahlung. Gegen seine tänzerische Leistung ist nichts einzuwenden, seine Sprünge sind kraftvoll und hoch, auffällig die katzenhafte Gewandtheit, mit der er sich Julia bei der ersten Begegnung nähert. Aber sein mimischer Ausdruck bleibt zu verhalten, zeigt keine Entwicklung. Da weiß Arshak Ghalumyan als sein Freund Mercutio mit starken Auftritten mehr zu überzeugen – zu Beginn vital und schalkhaft, später tragisch endend durch Tybalts heimtückischen Mord. Andere Choreografen haben diese Todesszene freilich packender zu gestalten gewusst. Mercutios Freund Benvolio gibt Nikolay Korypaev gleichfalls jugendliches Temperament.

Den Tybalt zeichnet Federico Spallitta als prägnanten Charakter – aggressiv, fies, gefährlich. Etwas aufgewertet in Duados Choreografie scheint der Paris von Olaf Kollmannsperger, der mit Julia einen ausgedehnten Tanz zu absolvieren hat. Auch deren Eltern sind mit Alexej Orlenco als herrischem Lord Capulet mit wilden Zornesausbrüchen und Aurora Dickie als eleganter Lady Capulet einprägsam geführt.

Paul Connelly gibt mit der Staatskapelle Berlin Prokofjews Musik in all ihrer Schärfe und Dramatik wieder, scheut dabei auch nicht harte Dissonanzen und lärmende Klangballungen. Das Premierenpublikum am 29. 4. 2018 nahm die Neuproduktion, Duatos letztes Abend füllendes Stück beim Staatsballett Berlin, mit großer Zustimmung auf.

Bern Hoppe 2.5.2018

Foto (c) Fernando Marcos / Staatsballett Berlin

 

 

 

DORNRÖSCHEN

21. Vorstellung am 3.7.2016

Premiere am 13.2.2015

Repertoiretauglich

Woran misst sich der Wert einer Produktion, an der Zustimmung oder Verdammung durch die tatsächlichen oder selbsternannten Kenner oder an der jubelnden Begeisterung eines durchschnittlichen Publikums, zu dem, handelt es sich um Tschaikowskis „Dornröschen“, auch viele Kinder gehören? Die erste Choreographie des neuen Chefs des Berliner Staatsballetts, Nacho Duato, nach dem mehr oder weniger intensiv nahegelegten Abgang des alten, Vladimir Malakhov, war von den Berliner Ballettomanen im Februar 2015 mit einiger Enttäuschung aufgenommen worden, einmal weil es sich lediglich um eine Übernahme aus Petersburg (Premiere Dezember 2011) handelte, außerdem und vor allem aber wegen der sehr konventionellen Inszenierung, die mehr auf kalten Prunk als auf eine sinnvolle Gestaltung der Charaktere Wert zu legen schien.

In der als nachmittägliche Familienvorstellung ausgeschriebenen Aufführung am 3.7. beeindruckten tatsächlich erst einmal und im Prolog vor allem die wunderbaren Kostüme von Angelina Atlagic in schönen Farbabstimmungen und mit viel kostbar erscheinendem Glitzer versehen. Ihnen nicht nach stand das Bühnenbild zumindest des zweiten Akts mit der sich senkenden Dornenhecke, auf der urplötzlich üppige Rosen erblühten. Das alles trug bereits erheblich dazu bei, dass die bösen Vorahnungen angesichts der vielen Vorschulkinder im Publikum, die Vorstellung würde nicht ungestört verlaufen, sich als falsch erwiesen. Der höchst eindrucksvolle Auftritt der mit ihren bösen Höllengeistern die Bühne mit einem schwarz flatternden Tuch überziehenden Carabosse, getanzt von Rishat Yulbarisov, mag dazu auch beigetragen haben.

Für Ballettkenner besonders interessant war der Nachmittag wegen des Auftritts zweier Tänzer aus dem Petersburger Mikhailovsky-Theater in den Partien des Liebespaares. Als Aurora weckte Angelina Vorontsova nicht die Aufmerksamkeit der Ballettfreunde, sondern auch der Boulevardpresse, war es doch ihr damaliger Freund, der als mutmaßlicher Auftraggeber eines Säureattentats auf seinen Ballettchef, der ihn und seine Freundin nicht genügend bei der Rollenvergabe berücksichtigt haben sollte, vor einigen Jahren zu sechs Jahren Lagerhaft verurteilt worden war.

Angelina Vorontsova tanzte eine sehr mädchenhafte, beinahe kindliche Aurora voll nobler Anmut mit weich fließenden Bewegungen. Einen sportiven, kraftvollen Prinzen Desiré gab Leonid Sarafanov mit sympathischer Ausstrahlung. Viel tänzerische Autorität strahlte die Fliederfee von Sarah Mestrovic aus, viel Charme die Katzen Danielle Muir und Ulian Topor und Keckheit und Frische Marina Kanno (auch Blauer Vogel), Alexander Abdukarinow und Alexander Shpak als Diener-Trio. Manchmal etwas zu laut, wenigstens in den vorderen Parkettreihen, tönte es aus dem Orchestergraben unter Robert Reimer

Fotos Yan Revazov

4.7.2016 Ingrid Wanja      

 

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