CD: „Der Ring des Nibelungen“, Richard Wagner / Fabio Luisi & Dallas Symphony Orchestra

Bei dem Label Delos ist eine neue Live-Aufnahme von Wagners großangelegter Tetralogie Der Ring des Nibelungen auf CD erschienen. Mitgeschnitten wurden im Jahre 2024 mehrere Konzerte im Morton H. Meyerson Symphony Center in Dallas. Mit dieser Aufnahme wird gleich zwei Jubiläen nachhaltig Rechnung getragen: Zum einen dem 125jährigen Bestehen des Dallas Symphonie Orchestras, zum anderen der ersten Gesamtaufführung des Ring bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele im Jahre 1876. Dieses 13 CDs umfassende Album stellt den Beginn einer neuen Partnerschaft zwischen Delos und dem Dallas Symphonie Orchestra dar. Unter den zahlreichen Einspielungen von Wagners Ring steht diese Aufnahme sicher nicht an letzter Stelle. Das ist sicher unter anderem dem Dirigenten Fabio Luisi zu verdanken, der dem bestens disponierten Dallas Symphonie Orchestra in insgesamt eher langsamen, bedächtigen  Tempi den Weg durch die vier Partituren weist. Luisis Auffassung von Wagners Musik ist keine wuchtig-schwere und pathetische. Vielmehr fasst er das Werk recht leicht und kammermusikalisch auf und setzt dabei auf einen lyrischen, weichen und getragenen Orchesterklang, der sich obendrein durch eine gute Transparenz auszeichnet.

Zum großen Teil beachtlicher Natur sind die sängerischen Leistungen. Mit imposantem, ausdruckstarkem und bestens italienisch fokussiertem Heldenbariton singt Mark Delavan einen überzeugenden Wotan und Wanderer. In nichts nach steht ihm Tómas Tómasson, der seinen markanten, substanzreichen und textverständlichen Bass-Bariton in die Rolle des Alberich einbringt. Ein trefflich fundierter, ebenmäßig dahinfließender, farbenreicher und bis zu den extremen Spitzentönen herauf strahlkräftiger dramatischer Sopran zeichnet die Brünnhilde von Lise Lindstrom aus. Der saft- und kraftvolle, dabei vorbildlich italienisch geschulte Tenor von Daniel Johansson ist für den Siegfried eine erstklassige Wahl. An sein hohes Niveau kann der überhaupt nicht im Körper singende Christopher Ventris als Siegmund nicht anknüpfen. Und auch Sara JakubiaksSieglinde fehlt es etwas an sinnlicher Rundung ihres an sich nicht unschönen jugendlich-dramatischen Soprans. Mit seinem voluminösen, kraftvollen Bass verleiht Stephen Milling sowohl dem Hagen als auch dem Hunding vokal sehr bedrohliche Züge. Bei seinem sonor und wunderbar auf Linie singenden Stimmfach-Kollegen Liang Li ist der Fasolt in ausgezeichneten Händen. Einen profunden, kräftigen Bass nennt der hier mit dem Fafner betraute Andrew Harris sein Eigen. Ein flachstimmiger  Mime ist Michael Laurenz. Von den Gibichungen-Geschwistern gefällt der den Gunther mit hervorragendem Bariton singende Roman Trekel besser als die recht unterkühlt klingende und maskig singende Gutrune von Kathryn Henry, die auch die dritte Norn gibt. Die Erda und die erste Norn sind bei der tiefgründig intonierenden Tamara Mumford bestens aufgehoben. Deniz Uzon macht aus der Fricka nicht die konventionelle Zicke, sondern vermag mit ihrem gefälligen Mezzosopran klug zu argumentieren. Sehr emotional legt sie außerdem die Götterdämmerung-Waltraute an. Von Laura Wildes sensationeller Freia hätte man gerne mehr gehört. Hier empfiehlt sie sich nachdrücklich für größere Partien. Das gilt auch für den phänomenalen Tenor von Jamez McCorkle, der dem Froh einen regelrechten heldentenoralen Anstrich gibt. Er wäre ein besserer Siegmund gewesen. Stefan Margita legt den Loge ausgesprochen lyrisch und feinsinnig an. In dem gesanglich hochkarätig  anmutenden Donner Hunter Enochs wächst wohl ein guter Wotan nach. Bei den Rheintöchtern sind Valentina Farcas (Woglinde) und Renée Tatum (Floßhilde) mit solidem Stimm-Material überzeugender als die etwas unstet vokalisierende Kimberly Gratland James (Wellgunde). Frau Farcas ist zudem mit dem Waldvogel besetzt. Tiefgründig singt Jennifer Johnson Cano die zweite Norn. Gutes, aber teilweise auch nicht so Gutes vernimmt man in dem aus Alexandra Loutsion (Gerhilde), Miriam Clark (Ortlinde), Deniz Uzon (Waltraute). Jennifer Johnson Cano (Schwertleite), Kathryn Henry (Helmwige), Sun-Ly Pierce (Siegrune), Renée Tatum (Grimgerde) und Melody Wilson (Roßweise) bestehenden Ensemble der kleinen Walküren. In der Götterdämmerung zeigt sich der Dallas Symphony Chorus von seiner besten Seite.

Ludwig Steinbach, 28. Mai 2026


CD: Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner
Dallas

Musikalische Leitung: Fabio Luisi
Dallas Symphony Orchestra

Delos / Barcode: 013491362427 13 CDs