Meiningen: „Die Csárdásfürstin“, Emmerich Kálmán (zweite Besprechung)

Mit über 60 Freunden bin ich wieder einmal nach Meiningen gefahren, um mir Die Csárdásfürstin, eine der schönsten Operetten Kálmáns anzusehen und anzuhören. Die Fahrt nach Meiningen ist immer eine Freude, da mir noch nie vorgekommen ist, dass eine total verhunzte Aufführung geboten wird und ein weiteres kommt dazu, Meiningen hat auch mit seinen Sängerverpflichtungen immer ein mehr als gutes Händchen, so auch bei dieser flotten, spritzigen Operette, die wir an einem Dienstagnachmittag genießen.

Die Regie hat der in Memmingen geborene Dominik Wildenbus. Der versierte Musiktheater- und Schauspielregisseur hat das Stück im Großen und Ganzen recht publikumswirksam auf die Bühne gebracht. Eingefügt sind in der Inszenierung ein (sehr toll agierendes) Tanzpaar, besetzt mit den vorzüglichen Tänzern Elena Zanato und Andrea De Marzo, die relativ oft, auch während der Gesangspartien auftreten. Dem Publikum gefällt es, mir nehmen die beiden ein bisschen die Aufmerksamkeit am gesanglichen Vortrag der Protagonisten. Auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist die Einführung des alten Paares, würdevoll dargeboten von Barbara und Michael Neumann; die zwar nicht unbedingt stören, dem Stück aber auch keine große zusätzliche Besonderheit verleihen. Das Bühnenbild von Peter Engels ist dem Stück angepasst und angemessen, mit einigen schönen Ideen, wie der Miniaturbühne im ersten Akt und dem riesengroßen bunten Vogel, mit dem viel angestellt werden kann, im zweiten Akt. Die eindrucksvollen Kostüme von Uschi Haug sind bunt, farbenprächtig und schmeicheln dem Auge. Die Choreographie von Tamás Mester ist völlig dem Ablauf angepasst. Die Ausflüge und damit auch der kritische Ansatzpunkt in den drohenden Krieg und dessen Auswirkungen sind zurückhaltend gemacht und stören den insgesamt fröhlichen und positiven Ausgang nicht. Ob man dies in dieser Art machen soll, ist wahrlich Geschmackssache, dem Publikum jedenfalls hat es gefallen.

Ganz kurz, denn die meisten werden den Inhalt der Operette kennen, zur Geschichte Edwins, des Sohnes des Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim, der sich unsterblich in die reizende Chansonette Sylva Varescu verliebt. Nachdem diese auf eine längere Tournee gehen will, zwingt er sie förmlich mit seinem schriftlichen Heiratsversprechen zum Bleiben. Ihm ist die höfische Etikette egal, er liebt Sylva trotz aller Widerstände. Seine Eltern, die natürlich strikt gegen die Beziehung mit einer Tingeltangel-Sängerin sind, haben aber schon Verlobungskarten von ihm mit Komtesse Stasi gedruckt, die ihm seit Kindheit versprochen ist. Diese Karte kommt Sylva in die Hände und sie fährt überstürzt und total enttäuscht nun doch auf die Tournee. Wenige Tage vor Ablauf der schriftlichen Heiratsfrist erscheint sie bei Edwin und gibt sich als Frau seines Freundes Graf Boni aus. Edwin, der sich schon fast in sein Schicksal mit Komtesse Stasi abgefunden hat, glaubt nun seine, von ihm nach wie vor geliebte, Sylva nach der Scheidung als geschiedene Gräfin heiraten und seiner Familie vorstellen zu können. Nachdem sich zwischenzeitlich Boni in Stasi verliebt hat, erscheint alles sehr einfach. Doch dann gibt sich Sylva als Chansonette zu erkennen, da sie sich, um den Standesdünkel aufzuzeigen, verstellt hat. Sie verlässt Edwin und reist ab. Dieser jedoch kann nicht von ihr lassen und als sein fürstlicher Vater erfährt, dass seine eigene Frau, die Kupfer-Hilde vom Varieté ist, die sich hochgeheiratet hat, gibt er seinen Widerstand auf. Sylva und Edwin sowie Boni und Stasi finden für immer zueinander.

Emma McNairy / © Christina Iberl

Die Meininger Hofkapelle wird an diesem heutigen Nachmittag von dem in New York City geborenen jungen Christopher Važan geleitet. Er ist als zweiter Kapellmeister seit zwei Jahren am Staatstheater verpflichtet und er bringt eine vorzügliche Leistung. Er hat das – wie praktisch immer – glänzend aufgelegt und beschwingt und mitreißend spielendes Orchester fest im Griff. Er lässt es dort auftrumpfen, wo es notwendig ist, nimmt es aber auch sängerdienlich dort zurück, wo die Gefahr besteht, die Sänger zu übertönen. Für den noch sehr jungen slowakisch-amerikanischen Dirigent und Pianist eine tolle Leistung, die auch mit viel Applaus vom Publikum belohnt wird. Er hat mit Sicherheit noch eine große Karriere vor sich. Der hervorragend eingestellte und agierende Chor, der mit enormer Spielfreude und Leidenschaft agiert, ist von Roman David Rothenaicher stimmlich toll vorbereitet worden und so macht Operette einfach nur Spaß. Doch nun zu dem, was für mich zum Allerwichtigsten an einer guten Operette gehört, den Sängern und auch hier gibt es nur Gutes zu berichten, hervorragende Leistungen und keinen einzigen Ausfall.

Als Sylva Varescu erleben wir die amerikanische Sopranistin aus Austin in Texas, Emma McNairy. Seit nunmehr drei Spielzeiten gehört sie zum Ensemble im Staatstheater Meiningen. Sie ist nicht nur eine stattliche Erscheinung, sondern überzeugt bei ihren Auftritten auch mit Noblesse und Leidenschaft. Ihr warmer, weicher, aber auch strahlender Sopran füllt den Theaterraum aus und beim Csárdás kann sie auch mit dem notwendigen durchschlagenden Feuer aufwarten. So stellt man sich eine echte Chansonette vor. Eine mehr als rollendeckende Besetzung, die zu Recht großen Applaus erhält..

Ihr Edwin ist der amerikanische Tenor aus Orlando in Florida, Garrett Evers. Es ist seine erste Spielzeit in Meiningen und er führt sich beeindruckend ein. Er besitzt einen gefühlvollen und biegsamen Tenor, der jedoch auch zu entsprechenden Ausbrüchen fähig ist. Teilweise strahlend und auch höhensicher setzt er seine Stimme ein und auch im Duett mit Sylva kann er entsprechend punkten. Ein kleines bisschen muss man sich an die Größenunterschiede zwischen den beiden Hauptakteuren einstellen, was besonders bei den Duetten etwas gewöhnungsbedürftig ist. Dies tut aber dem feinen Zusammenspiel beider Stimmen keinen Abbruch.

Garrett Evers / © Christina Iberl

Graf Boni, ein guter Freund Edwins, wird von dem aus dem Ruhrgebiet stammenden Tenor Tobias Glagau verkörpert. Darstellerisch, aber auch im Tanz, vermag der junge sympathische Künstler voll zu überzeugen. Mit runder, klangvoller Stimme und darstellerischen Höhepunkten weiß er sich publikumswirksam zu präsentieren und ist zusammen mit seiner Partnerin ein weiteres Highlight dieser Aufführung. Diese Partnerin ist die junge in Limburg geborene Sopranistin Hannah Gries als Comtesse Stasi. Mit Feuer und Temperament kann sie das Publikum rasch auf ihre Seite bringen und ihr schöner, geschmeidiger, runder, ausdrucksstarker Sopran weiß auch entsprechend zu brillieren. Vor allen in den Duetten kommt dies sehr stark zum Tragen und ermuntert das Publikum zu stürmischen Beifallskundgebungen für die beiden Wirbelwinde auf der Bühne. Auf jeden Fall sind beide ein toll aufeinander abgestimmtes Buffopaar, bei dem es einfach Spaß macht, zuzuschauen und zuzuhören. Als Feri Bácsi, ein Freund Edwins, tritt der amerikanische Bass aus Philadelphia, Mark Hightower auf. Es ist seine zweite Spielzeit in Meiningen und er überzeugt mit seinem profunden, durchschlagskräftigen, vollmundigen, ausdrucksstarken und stimmschönen Bass. Er bringt einen tollen, leichtlebigen, aber auch weisen und mahnenden Feri Báci auf die Bretter, die die Welt bedeuten, lebt alle Facetten der Rolle aus und wird zu Recht mit stürmischem Beifall gefeiert.

Tanzpaar / © Christina Iberl

Leopold Maria Fürst Lippert-Weylersheim, der Vater Edwins wird von dem in Weimar geborenen Matthias Herold dargestellt und er weiß in dieser Rolle voll zu überzeugen. Am Schluss muss er resigniert seinem Sohn die Heirat mit Sylva erlauben, da er mit seiner Ehefrau Anhilte, sehr gut dargestellt von der Sächsin Elke Büchner, ja bereits ungewolltes Theaterblut in der Familie hat. Beide spielen ihre Rolle überzeugend und sind eine Bereicherung der Aufführung.

Bei den weiteren Partien keinerlei Ausfälle, alle machen ihre Sache ausgezeichnet und tragen ihr Scherflein zum Erfolg dieser Aufführung bei. Steffen Köllner als zackiger Oberleutnant von Rhonsdorf, Silvio Wild als Notar Kiss, Matthias Richter als Botschafter MacGrave, Yannik Schiller als Groom, das alte Paar mit Barbara und Michael Neumann und das exzellente Tanzpaar mit Elena Zanato und Andrea De Marzo.

So will man Operette sehen und hören und so macht die alten Dame Operette weiterhin viel Freude.

Manfred Drescher, 26. Januar 2026


Die Csárdásfürstin
Operette von Emmerich Kálmán

Staatstheater Meiningen

Premiere: 5. Dezember 2025
Besuchte Vorstellung: 20. Januar 2026

Regie: Dominik Wilgenbus
Musikalische Leitung: Christopher Važan
Meininger Hofkapelle und Chor des Staatstheaters Meiningen