DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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www.waldbuehne-heldritt.de

 

 

THE BLUES BROTHERS IN PRISON

Besuchte Vorstellung am 19.08.2017      Premiere am 09.08.2017

Laut, schrill, unkonventionell und gar nicht operettig

(c) Universal - Der Original Kultfilm, aktuell nur 5 Euro,  gehört einfach dazu ;-))

 

Eine „Musical-Comedy“ lässt ihr Publikum in die Jugendjahre zurückwandern und abrocken – Die Coburger Sommeroperette auf der Waldbühne in Heldritt wird zur Nostalgieshow

In diesem Jahr hat mich die Coburger Sommeroperette vor ein großes Problem gestellt. Ursprünglich war „Die Fledermaus“ angekündigt und dann Programmwechsel. Auf der wunderschönen Waldbühne der Coburger Sommeroperette wird ganz überraschend die Musical-Comedy „The Blues Brothers in: Prison“ gezeigt. Es kostet viel Überredungskunst meiner Freunde, mit denen ich nach Heldritt fahre, um meine Voreingenommenheit in den Hintergrund zu drängen und mich dazu zu bewegen nach Heldritt zu fahren. Um es gleich vorwegzunehmen, ich habe es nicht bereut. Doch der Reihe nach. Die überaus engagierte, rührige und äußerst erfolgreiche Produktionsleiterin Adelheid Frankenberger hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass in Heldritt Operette auf höchstem Niveau gespielt worden ist. Sie holt Ausnahmekünstler zu einem Honorar auf die Waldbühne, für die sie woanders nicht einmal eine Stunde auftreten würden. In dem in Wien erscheinenden Magazin „Festspiele“ rangiert die Sommeroperette Coburg im letzten Jahr in der Abteilung Operette und Musical auf dem sensationellen vierten Platz, nach den Seefestspielen Mörbisch, dem Lehár-Festival Bad Ischl und dem Operettenfest Baden bei Wien und somit auf Platz 1 in Deutschland. Ich habe dies im letzten Jahr schon geschrieben, aber es ist so grandios, dass man es immer wieder wiederholen sollte. Es ist so sensationell, dass Coburg und das ganze Coburger Land in Ehrfurcht erstarren und so viel Fördermittel wie nur möglich aus allen möglichen Töpfen zur Verfügung stellen müssten, damit diese überragende Auszeichnung keine Eintagsfliege bleibt. Na ja, ich habe mich zwar nicht damit abgefunden, aber es als feststehend zur Kenntnis genommen, dass in Coburg der Prophet im eigenen Land nichts gilt und dass im Coburger Raum die Operette momentan auf verlorenem Posten steht. Das Publikum sieht es Gott sei Dank vollkommen anders und das sollte auch einmal die Region begreifen und ihr zu denken geben. Um das hervorragende Niveau der Coburger Sommeroperette auf Dauer zu halten, zu stärken und zu festigen, erfordert es keiner jährlichen Zuschusskrumen, die auch für eine solide Planung problematisch sind, sondern einer andauernden gleichbleibenden Unterstützung auf breiter Ebene. Vielleicht werde ich es ja eines Tages noch erleben, dass hier ein Umdenken stattfindet. Die Operette (Gott sei Dank ab nächstem Jahr wieder auf dem Programm) und die Verantwortlichen der Coburger Sommeroperette haben es mehr als verdient.

Thomas Gerber-Ron Williams-Karsten Kenzel

Auch heute muss ich wieder einmal auf eine kleine Besonderheit in Heldritt hinweisen und dies tue ich mit besonderer Freude. Eine Besonderheit, die meine Pfunde immer etwas in die Höhe schießen lassen, aber das weiß ich von vornherein und stelle mich darauf ein. Man kann hier in wunderschönem Ambiente lukullische Köstlichkeiten der Region zu sich nehmen und sich mit diesen Schmankerln auf die bevorstehende Aufführung einstimmen. Auch das gehört hier zum Theatererlebnis einfach dazu und hebt die Sommeroperette auch in dieser Beziehung von anderen Spielorten ab. Die Bewirtung übernehmen ehrenamtliche Helfer, so wie die Ehrenamtlichkeit der gesamten Sommeroperette im Vordergrund aller Arbeiten steht, ohne das wäre all diese Arbeit auch nicht zu stemmen. Auch deshalb ist eine besondere, regionale und überregionale feststehende finanzielle Hilfe einfach zum Überleben dieser einmaligen Einrichtung erforderlich.

Nun, im letzten Jahr wurden wir auf der Waldbühne von einem ganz tollen „Fidelen Bauer“ verwöhnt und deshalb war ich ja so gespannt auf die angekündigte „Fledermaus“, die ich auch als stv. Vorsitzender der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft mit besonders kritischen Augen und Ohren verfolgen wollte – Pustekuchen – Programmänderung. Die „Fledermaus“ soll nun im nächsten Jahr zum 25jährigen Bühnenjubiläum aufgeführt werden und ich gebe gerne zu, dass ich mich darauf ganz besonders freue. Doch nun zur heutigen Aufführung.

Karsten Kenzel-Ron Williams-Thomas Gerber

Der Autor Thomas Elben hat die Handlung des berühmten Films „Blues Brothers“ von 1980 anders geformt und vollkommen im Gefängnis spielen lassen. Man hat gar nicht erst versucht eine große schlüssige Handlung zu ersinnen, die alles wiedergibt, sondern man hat um die Songs und Musizierbereiche eine lockere Handlung gesponnen. Die eigentliche Hauptperson ist der Gefängnisdirektor (auch in der Rolle des Hausmeisters und des Gefängnisarztes) in der Gestalt von Ron Williams als unumstrittener Stargast der gesamten Produktion. Daneben sind noch die beiden Bluesbrothers, ihr ungeschickter Anwalt Sline mit seiner Adjutantin, die beiden Gefängniswärterinnen und Etta, die Henkerin die weiteren Darsteller des Geschehens. Bezeichnend ist ja schon, dass im Programmheft keinerlei Handlungsbeschreibung enthalten ist, einfach deshalb, weil sie neben den Songs und Ohrwürmern nachrangig ist. Die Uraufführung erfolgte bei den Alzenauer Burgfestspielen 2016, von denen die meisten Akteure auch heute in Heldritt dabei sind. Im Gegensatz zu meinen sonstigen Rezensionen werde ich auf die einzelnen Protagonisten nur ganz grob eingehen. Dazu kommt, dass mich diese Art von Musik nicht so toll anspricht und ich mit „normalem Gesicht“ neben meinen wie wild rockenden und zuckenden Freunden auf den Plätzen um mich sitze, ohne Zucken, ohne Kopfwackeln. Das führt dazu, dass mich Ron Williams, indem er auf mich zeigt und seine Mundwinkel nach oben schiebt, auffordert, doch auch endlich in den Rausch der Musik einzusteigen. Gut, ich bemühe mich dann etwas mehr, aber so ganz ist es doch nicht meine Welt, aber das ist natürlich mein persönliches Problem. Auch kenne ich fast keinen der Songs, was meine Mitreisenden fast schon erschüttert. Nun gut, zugeben muss ich, dass alles mitreißend und doch schon sehr unterhaltend ist, wenn auch durch eine gewisse Übersteuerung der Musikanlage das Ganze für mich etwas zu laut und damit zu wenig zu verstehen ist. Nun aber zu den einzelnen Darstellern.

Ben Schobel, Amina Marjam Liedtke

Also ein Orchester im eigentlichen Sinn gibt es bei der heutigen Aufführung nicht. Die „Prison Band“ spielt im Orchestervogelhaus über den Köpfen des Publikums die Prison Band und die Jungs machen ihren Job wirklich recht gut. Fetzig, schmissig, mitreißend, manchmal ein bisschen zu laut und überdreht, aber immer gefällig, spielen die sechs Musiker unter der Leitung von Christoph Gerz, der auch an den Keyboards sitzt. An der Gitarre Gabor Racz, an den Saxophonen Valentin Huber und Alexander Jung, am Bass Jan-Nicolai Schmidt, an der Trompete Steffen Mathes und am Schlagzeug schließlich Tobias Vogelsang. Regie führt Ulrich Cyran und er macht es schnörkellos und mit einfachen Mitteln. Unterstützt von der Choreographie von Ben Schobel und dem Bühnenbild von Matthias Winkler. Den Sängern merkt man an, dass sie großen Spaß an ihren Rollen haben. Sie knien sich richtig hinein und geben teilweise mehr als ihr Bestes um die bekannten Songs über die Rampe zu bringen. Hier ist natürlich an erster Stelle der in Kalifornien geborene Ron Williams zu nennen, der übrigens für dieses Musical zwei Songs komponiert hat. Ron Williams ist das, was man gemeinhin als „Bühnensau“ oder „Rampensau“ im allerbesten Sinn bezeichnet. Er hat über 800 Fernsehauftritte als Gast und über 300 eigene Sendungen im deutschsprachigen Raum hinter sich. Wenn er über die Bühne rockt, kann keiner glauben, dass er bereits über 75 Jahre alt ist. Bei ihm scheint die Zeitmessung stehengeblieben zu sein. Mit rauer, vollmundiger und volltönender Stimme ist er der Mittelpunkt der Aufführung, mit seiner „Röhre“, man gestatte mir den Ausdruck, füllt er das Rund der Waldbühne. Wie er zeitlos diese Bühne für sich vereinnahmt und die Zuschauer für sich einnimmt, das ist schon beeindruckend. Als Jolient Jake Blues gibt Karsten Kenzel sein Bestes und als sein Bruder Elwood J. Blues steht ihm Thomas Gerber in nichts nach. Di beiden ergänzen sich vorzüglich, sind gut bei Stimme und auch darstellerisch gibt es keinerlei Einschränkungen. Als Wärterin Nancy Charles weiß Dorothee Streich sowohl mit ihrer Stimme als auch mit ihrer überzeugenden Darstellung zu beeindrucken. Gut aufgelegt, ein anwaltlicher Hans Dampf in allen Gassen und durch seine Spontanität von folgenschweren Fehlentscheidungen nicht gefeit, ist Ben Schobel als Anwalt Bernie Sline eine Type für sich. Als Voodoo-Hexe und Oberin überzeugt als seine Assistentin Amina Marjam Liedtke in jeder Beziehung. Keinerlei stimmlichen oder darstellerischen Ausfälle bei der kompletten Truppe. Als Etta die Henkerin setzt Mandy Menz eine äußerst beeindruckende Stimme ein, die die Waldbühne bis in den letzten Winkel mühelos ausfüllt. Als Tänzerinnen und im Chor können sich Nathalie Hack und Sol Spies eindrucksvoll in Szene setzen. Der Chor der Coburger Sommeroper passt sich nahtlos dem Niveau der Gäste an und er trägt ein großes Stück vom Erfolg dazu bei.

Die Songs und Lieder der Jugendzeit wieder zu hören, hat an diesem Nachmittag das Publikum restlos begeistert, welches immer mehr mitklatscht und mitgeht, vor allem nach der Pause ist es fast nicht mehr zu halten. Langanhaltender stürmischer Beifall für eine geschlossene und eindrucksvolle Leistung aller beteiligten Künstler. Dass ich mich trotzdem auf die „Fledermaus“ im nächsten Jahr riesig freue, sei mir hoffentlich ein bisschen verziehen.

Manfred Drescher 22.08.2017          

Bilder 1 bis 3 von Ulrich Göpfert, Coburg, Bild 4 Opernfreund

 

Zugaben

Original FIMTRAILER (1980)

Filmausschnitt 1

Filmausschnitt 2 (die legendäre Club Szene!)

Filmausschnitt 3

Blues Brothers 2000 TRAILER (Remake 1998)

 

 

 

 

Ein operettiges Schmankerl mit

DER FIDELE BAUER

bei der Coburger Sommeroperette auf der Waldbühne in Heldritt

Besuchte Vorstellung am 20.08.2016      

Premiere am 10.08.2016

Leo Falls Erfolgsoperette in Kooperation mit der Pramtaler Sommeroperette aus Oberösterreich

Ohne engagierte Streiter, könnte die Coburger Sommeroperette auf der wunderschönen Waldbühne in Heldritt wohl kaum überleben. Es ist in erster Linie der rührigen Produktionsleiterin Adelheid Frankenberger zu verdanken, gemeinsam mit Claus J. Frankl, der guten Seele der Sommeroperette, der die Spielleitung und Dramaturgie innehat, dass hier auf höchstem Niveau Operette (und manchmal auch Musical) aufgeführt wird. Seit Jahren stellen die beiden wunderbare Musikerlebnisse auf die Bretter, die die Welt bedeuten und Adelheid Frankeberger lässt neben ihrem Charme alle Beziehungen spielen, um Ausnahmekünstler zu kleinem Honorar auf die Waldbühne zu bringen. Drei Spielzeiten war der international zurzeit aufsehenerregende Tenor Andreas Schagerl, der sich jetzt, nachdem er Bayreuther Wagnerweihen hinter und vor sich hat und sich nun Andreas Schager nennt, Haustenor auf der Bühne der Sommeroperette. Mit geringen finanziellen Mitteln gelang es immer wieder tolle Künstler zu annehmbaren Preisen nach Heldritt zu holen. In der neuen Ausgabe des in Wien erscheinenden Magazins „Festspiele“ rangiert die Sommeroperette Coburg in der Abteilung Operette und Musical als erstplatziertes Festival in Deutschland auf dem sensationellen vierten Platz, nach den Seefestspielen Mörbisch, dem Lehár-Festival Bad Ischl und dem Operettenfest Baden bei Wien. Bestplatziert in Deutschland müsste Adelheid Frankenberger eigentlich vor Stolz zerspringen und die Region um Coburg herum vor Ehrfurcht erstarren lassen. Aber nein, wir sind ja im Coburger Raum, wo der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt. Es ist für mich eine Schande, wie gering dieser sensationelle Erfolg gesehen wird, wie wenig die Politik bereit ist, dieses außergewöhnliche Festival im eigenen Land zu unterstützen. Anstatt stolz wie Oscar zu sein und die finanziellen Drahtseilakte etwas abzufedern, lässt man die Bühne teilweise am ausgestreckten Arm verhungern. Um das erreichte Niveau der Coburger Sommeroperette auf Dauer zu halten und zu festigen, wäre auch eine andauernde gleichbleibende Unterstützung mehr als erforderlich. Vielleicht besinnt sich der ein oder andere Politiker einmal darauf, dass nicht nur das Sambafestival ein großer Segen für Coburg und die Region ist.

Alois Walchshofer-Willi Narowetz

Ein kleiner Nachteil, auf den ich immer wieder hinweise, der aber leider nur für meine Figur gilt, ist, dass man vor Beginn der Vorstellung den überaus schmackhaften Köstlichkeiten der Region ausgesetzt ist und sich an so manchem schmackhaftem Schmankerl laben kann. Aber das gehört zur Coburger Sommeroperette und der Waldbühne Heldritt einfach dazu und unterscheidet Heldritt von anderen Spielorten, ebenso wie die überdurchschnittliche ehrenamtliche Mitarbeit einer Unzahl von Helfern.

Nun, in diesem Jahr hat man die wunderschöne Operette von Leo Fall „Der fidele Bauer“ ausgegraben, die in der Region seit fast 40 Jahren nicht mehr aufgeführt worden war und es ist schön, dass zur Zeit die Werke von Leo Fall eine wahre Renaissance erleben, so in diesem Jahr auch „Die Rose von Stambul“ in Bad Ischl. Erstmalig hat man mit der Pramtaler Sommeroperette zusammengearbeitet, einen Teil der dortigen Inszenierung übernommen, die Orchesterstimmen und den Text (wodurch man einiges an Euros sparen konnte) aber das Ganze auch für die Waldbühne angepasst. Und zum Coburger Ensemble hat man einige Gäste aus Pramtal dazu genommen, auch das ist nicht unbedingt für die Authentizität schädlich, im Gegenteil. Nun ja, ein bisschen hat man auch die Handlung umgestellt, der letzte Akt wird zum großen Teil als Eingangsakt gezeigt, aus dem Stefan wird das Heinerle, welcher in der sonst üblichen Fassung der Operette vom Zipfelhaubn-Bauern als Sohn angenommen wird, nachdem sein eigener Sohn ihn so schmählich in Stich lässt, obwohl er sich für ihn aufgeopfert hat. Diese Fassung basiert aus den 1990er Jahren von Wilfried Steiner und ist im Großen und Ganzen stimmig und nachvollziehbar inszeniert. Das Bühnenbild von Ruth Krottenthaler vermittelt den ländlichen Charakter des Bauernstücks ohne in den schenkelklopfenden Bereich des Komödienstadels abzugleiten. Bunt und voller prallem Leben bietet sich die Operette dem Zuschauer dar.

Das Orchester der Coburger Sommeroperette wird von Urs-Michael Theus geleitet, der Chor stimmig und eindrucksvoll von Stefan Meier einstudiert und mehr als ergänzend, sondern ein richtiger Hingucker der Einsatz der Mädchen und Buben des Theater- und Konzert-Kinderchores Coburg e.V., der von Arno Seifert geleitet und einstudiert ist. Es macht Spaß den Kindern zuzuhören und zuzuschauen, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Urs-Michael Theis hat das gut aufgelegte Orchester fest im Griff. Schwungvoll und rasant lässt er es musizieren, lässt es auch einmal feurig galoppieren, um es dann bei der Begleitung der Sänger wieder etwas zurückzunehmen, damit diese nicht überdeckt werden. Er arbeitet auch die Feinheiten der Partitur heraus, bringt auch ohne Frage bei manchen der leiseren Stücke den melancholischen Ausdruck eindrucksvoll zur Geltung. Zu Recht bekommen er und sein eindrucksvolles Orchester großen Beifall, nicht nur am Schluss der Operette, Eine feine Leistung und musikalisch auf hohem Niveau.

Christine Holzwarth-Giorgio Valenta

Wieder einmal ein feines und vor allem erfolgreiches Händchen beweisen Adelheid Frankenberger und Claus J. Frankl mit der Besetzung der Sänger und der Gesangsschauspieler. Der Zipfelhaubn-Bauer, Matthias Scheichelreuther wird von dem österreichischen Bariton aus Linz Alois Walchshofer verkörpert. Ich habe Alois Walchshofer schon sehr oft erlebt, auch mit der Wiener Operettenbühne, und man hat den Eindruck, dass er mit zunehmendem Alter immer besser wird. Er bringt den sich für seinen Sohn aufopfernden einfachen Bauern nicht rührselig sondern rührend auf die Bühne. Er, der alles in seinen Sohn steckt, in Armut, ja, man kann schon sagen, dahindarbt und der auch dann noch voll hinter ihm steht, als ihm selbst aufgeht, dass dieser sich für ihn, den einfachen Bauern schämt, er zieht das Publikum in seinen Bann, welches bei vielen seiner Passagen mucksmäuschenstill zuhört, und dass ist für eine Operette nicht gerade üblich. Aber Gott sei Dank gibt es ja auch die vielen fröhlichen und lustigen Momente. Alois Walchshofer gestaltet seinen Bauern mit warmem, vollem, durchschlagskräftigem und vollkommen überzeugenden weichen Bariton und wird zu Recht gefeiert. Neben ihm, dem ausgebildeten Sänger wird noch ein weiterer gefeiert, nämlich Willi Narowetz als Heinrich Lindoberer, Bürgermeister und Holzfabrikant und Taufpate des angehenden jungen Doktors. Willi Narowetz, der aus Blindenmarkt in Niederösterreich stammt, hat nie eine Schauspielausbildung genossen, das Naturtalent und Operettenurgestein ist seit Jahrzehnten Publikumsliebling und so auch hier. Er, der Schlawiner, der den Zipfelhaubn-Bauern auch unterstützt wo er kann, führt alle nach Wien zum feinen Herrn Doktor und dort kommt alles zum guten Ende. Der Sohn erkennt, was sein Vater getan hat und bittet ihn um Verzeihung und die hochgebildeten Schwiegerleute aus Berlin merken auch, dass nicht die Abstammung sondern auch die Herzenswärme viel zu sagen hat.

Alois Walchshofer-Theater- und Konzert-Kinderchor Coburg e.V. 

Der feine Herr Doktor wird vom aus Coburg stammenden Tenor Giorgio Valenta dargeboten, der bereits im letzten Jahr den Barinkay im „Zigeunerbaron“ gesungen hat. Und er bringt eine gute Leistung auf die Bühne. Sein hoher Tenor, der schlank geführt wird und auch in den Höhen strahlt, weiß voll zu überzeugen. Ein bisschen schwerer tue ich mir mit der gestalterischen Darstellung, etwas steif agiert er für meine Begriffe schon und der jugendliche Heißsporn von Doktor ist er inzwischen auch nicht mehr so ganz. Aber das sind wieder einmal einige wenige beckmesserische Einwände, die das Publikum anders sieht, großer Applaus für den Coburger Heimkehrer. Christine Holzwarth weiß als Annamirl, die Tochter des Zipfelhaubn-Bauern mit silbrigem zartem Sopran zu überzeugen, eigentlich ist die Wienerin eine vorzügliche Soubrette. Vincenz, der Sohn des Bürgermeisters wird vom Oberösterreicher Harald Wurmsdobler dargeboten. Sein Tenor ist kein Kraftmeier sondern ein wunderschön geführter, zarter voller Ausdruck versehener weicher und tragfähiger Tenor, der mir sehr gut gefallen hat. Harald Wurmsdorbler ist gleichzeitig auch der Intendant der Pramtaler Sommeroperette seit ihrer Gründung und ein Tausendsassa im Operettenhimmel. Jan Reimitz, der geborene Wetzlarer, der in Heldritt kein unbekannter ist, bringt in bewährter Weise die Figur des Dorfpolizisten Zopf auf die Bühne und sorgt für so manchen Lacher. Daneben ist er auch für die Choreographie zuständig, und auch hier hat er eine Leistung ohne Fehl und Tadel hingelegt. Als blasiertes Schwiegerelternpaar aus Berlin können Adelheid Brandstetter als Viktoria und Claus J. Frankl als Friedrich von Grunow (der auch noch einen weiteren Bauern spielt – und diesen ebenso überzeugend) ein Paradestückchen abliefern. Adelheid Brandsetter, die leider nur einen kleinen Gesangspart hat, ich habe sie schon oft erfolgreich in größeren Rollen erleben dürfen, zeigt, dass sie immer noch zur vordersten Reihe gehört und Claus J. Frankl zeigt, dass er für die Coburger Sommeroperette unersetzbar ist. Der Bayreuther Charakterkomiker, der seit vielen Jahren auch als Dramaturg und Regisseur für Musiktheater erfolgreich tätig ist, zeigt immer wieder seine tiefe Verbundenheit zur Coburger Sommeroperette. Als Friederike, die Tochter der beiden Berliner und Gattin des geläuterten Doktors ist die Sopranistin Thea Schuette aus Münster in Westfalen mit gefälligem Sopran zu hören.

Alphornbläser des Musikvereins „Stadtkapelle Baunach“

Kenai Bug mit zarter berührender Stimme ist der kleine Heinerle. Nach der Pause geben in der besuchten Vorstellung die Alphornbläser des Musikvereins „Stadtkapelle Baunach“ ein mit viel Beifall bedachtes „Zwischenspiel“. Am Schluss der Operette hat Claus J. Frankl noch einen stimmigen Einfall, er lässt die wunderschöne Melodie von Leo Fall „Und der Himmel hängt voller Geigen“ als walzerseligen „Rausschmeißer“ den „Fidelen Bauern“ beenden.

Beim Nachhausegehen fast nur glückliche Gesichter, viele, die die Melodien vor sich hin pfeifen und die Freude auf das nächste Jahr, wenn mit „Die Fledermaus“ die Königin der Operette von Johann Strauss jun. auf der Waldbühne von Heldritt aufgeführt werden wird. Ich freue mich schon darauf.

Manfred Drescher 27.08.2016          

Bilder von Ulrich Göpfert, Coburg

 

 

KISS ME KATE 

Aufführung am 17.08.2013

Cole Porter tritt in Heldritt auf

Im letzten Jahr hatte ich mich gefreut, dass in Heldritt wieder Operette gespielt wurde, hoffte auf einen Ausrutscher bei der Stückauswahl, prompt steht wieder ein Musical auf dem Spielplan. Ich gebe gerne zu, dass ich kein besonderer Freund des Musicals bin, vor allem, da die gesanglichen Leistungen hier mitunter nicht unbedingt im Vordergrund stehen, teilweise schwer zu verdauen sind und auch die Auswahl schöner und eingängiger Melodien in der Regel sehr überschaubar ist. Nun gut, man hatte mit „Kiss me, Kate“ von Cole Porter wenigstens einen Klassiker, der noch als Ausläufer der guten alten Operette gelten kann, ausgewählt und so war die Überwindung nach Heldritt zu fahren für mich nicht gar so groß.

Vor der Vorstellung habe ich mich natürlich wieder an den kulinarischen Köstlichkeiten der Region gütlich getan – und dies ist ein gewisses Problem in Heldritt, aber nur für meine Figur und die rein zwangsläufige Zunahme, weil man ja alles ein bisschen probieren will, nein muss, und das ist nicht wenig, was hier immer wieder angeboten wird. Aber nun zurück zur Hauptsache, der Aufführung und der Umsetzung auf der kleinen wunderschönen Naturbühne in Heldritt.

Die Geschichte des gezähmten Kätchens ist wohlbekannt, die Uraufführung war in New York im Jahre 1948, in Frankfurt am Main war dann die deutschsprachige Erstaufführung. Mitunter geht es sehr toll zu auf der Bühne in Heldritt, denn das Stück im Stück erfordert eine große Anpassung aller Beteiligten. Die Geschichte um eine Theatergruppe, die eine musikalische Fassung von Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ zur Aufführung bringen will, draußen auf dem Land, wo man so etwas ja mal ausprobieren kann, ist mitunter ganz schön verworren, denn das Paar aus Shakespeare hat auf der wirklichen Bühne fast die gleichen Probleme miteinander, aber wie in (fast) jedem guten musikalischen Operettenstück, wendet sich am Schluss alles wieder zum Guten.

Die Musik von Cole Porter ist eingängig, teilweise sehr schmissig und kommt gut an, sei es jetzt „Wunderbar“, „Premierenfieber“, „Wo ist die liebestolle Zeit“, als auch „Schlag nach bei Shakespeare“ und vieles andere. Dr. Attila Lang hat die Inszenierung gemacht, er ein alter Hase, Chef-Producer der Wiener Festwochen und geübter Musiktheatermacher hat ein glückliches Händchen bei seiner „Kiss me, Kate“, die er übrigens das erste Mal inszeniert. Viele Musicals hat der gebürtige Ungar schon auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gebracht, darunter „Anatevka“, „Gigi“ und „Cabaret“, aber jetzt zum ersten Mal bei der Coburger Sommeroperette „Kiss me, Kate“.

Der Wiener Choreograf Christian Zmek steht ihm zur Seite, er ist vor allen Dingen für die ausgezeichneten Chorauftritte zuständig und Frieder Klein hat die nicht leichte Aufgabe, die entsprechenden Kulissen für die Waldbühne zu entwerfen, hervorragend gelöst. Immer ist etwas los, die Bühne wird in ihrer vollen Länge und Breite „bespielt“ und man merkt den Sängern und Darstellern an, wie viel Spaß ihnen das Stück macht. Und da sind wir dann auch bei den Leistungen der einzelnen Beteiligten. Und hier muss man mit seiner Kritik natürlich etwas zurückhaltender sein, denn ein guter Musicaldarsteller muss nicht unbedingt ein guter Sänger sein – und ist es meistens leider auch nicht. Vom rein stimmlichen, aber auch darstellerisch überzeugt mich am meisten Dirk Mestmacher als Fred Graham/Petruchio. Er ist durchgehend auf der Bühne präsent und hat einen wohlklingenden sicher geführten, schlanken Tenor. Es macht Spaß ihm zuzuhören und zuzuschauen. Seine Lilli Vanessi/Katharina ist Lenneke Willemsen. Auch sie fügt sich gut in die Rolle ein und ist Dirk Mestmacher eine sehr gute, fast gleichwertige Partnerin. Vom Spiel und vom Temperament auf jeden Fall, vom gesanglichen kann sie zum größten Teil ebenfalls überzeugen. Laura Mann als Ann Lane/Bianca hat das Publikum voll hinter sich. Die 23jährige gebürtige Coburgerin, die den Musik-Förderpreis der Stadt Coburg im Jahr 2010 erhielt, hat hier einfach ein Heimspiel. Und sie bringt dieses Debüt in Heldritt gut auf die Bretter.  Die Freier, Rainer Möbius als Harrison Howell, der mit seinem Reichtum protzt und sich auch entsprechend gibt, aber am Ende trotz aller Millionen doch leer ausgeht, Stephan Ignaz, einstiger Liebling des Landestheaters Coburg als Bob/Gremio und Robin Koger als Harold/Hortensio verkörpern ihre Rollen überzeugend und sorgen für viele Lacher, so wie das Lachen bei dieser Aufführung sehr oft an erster Stelle steht. Claus J. Frankl als Harry/und genervter Brautvater Baptista war Dramaturg am Coburger Landestheater von 1988 bis 1993. Er ist der Coburger Sommeroper seit vielen Jahren verbunden und zeigt hier auf das vortrefflichste, wie und was man aus einer vermeintlich kleinen Rolle alles herausholen kann. Als mafiosiähnliches Ganovenpärchen brillieren Alexander M. Helmer und John Sweeney. Sie machen aus den beiden Bösewichtern Paraderollen, sorgen für viel Stimmung und heimsen – zu Recht – viel Applaus ein. Adelheid Frankenberger, die Produktionsleiterin und Mädchen für alles bei der Coburger Sommeroperette will mit der Aufführung von Musicals mit Sicherheit auch ein zusätzliches jüngeres Publikum erschließen. Etwas, was auch die „großen“ Häuser in Mörbisch und Bad Ischl vor- und mitmachen. Man will damit versuchen, dieses neue Publikum auch an die Operette heranzubringen. Solange aber Operette in Rundfunk und Fernsehen nicht nur stiefmütterlich, sondern praktisch fast gar nicht mehr gespielt wird und solange nicht das musikliebende Publikum die Sender mit Briefen bombardiert dies wieder zu ändern, wird der Besucherkreis für eine der reizvollsten Musikarten immer geringer werden.

Dem Orchester der Coburger Sommeroperette unter der Leitung von Iván Boldog, merkt man richtig den Spaß an, so richtig „schmissig aufzuspielen“ und die Melodien feurig an das Publikum weiterzugeben. Es unterstützt die Sänger auch behutsam, und lässt keinen Sänger, auch wenn die Stimme nicht so tragfähig ist, untergehen. Vor allem auch der Chor gibt sein bestes und das ist nicht wenig. Man merkt ihm richtig an, dass ihm die Musik einfach Spaß macht und dies bringen sie auch über die Rampe. Insgesamt eine gute Aufführung, die dem Publikum sichtlich gefällt. Ich jedenfalls freue mich, dass im nächsten Jahr wieder zur Operette zurückgekehrt wird und zwar mit der Aufführung der leider nur selten gespielten „Die Zirkusprinzessin“ vom Emmerich Kálmán.

Manfred Drescher    

Bilder 1 und 2 Ulrich Göpfert, Coburg; Applausbild: Manfred Drescher

 

 

 

GASPARONE

Besuchte Aufführung am 18.08.2012

 Carl Millöcker in Heldritt

Schön, dass die Coburger Sommeroperette weiterhin Operette spielt und ihr Musicalausflug nur eine Eintagsfliege war. Diesmal steht „Gasparone“ auf dem Spielplan. Eine Operette von Carl Millöcker, die wunderschöne Melodien beinhaltet, aber unbegreiflicherweise nur selten aufgeführt wird. Dass dies ein Fehler ist, sieht man an der schwungvollen und stimmigen Inszenierung von Thomas Mittmann. Die Produktionsleitung liegt wieder in den Händen von Adelheid Frankenberger, die bei der Auswahl des Stücks erneut ein gutes Händchen gehabt hat. Man merkt dies, wenn man sich die Gesichter der Menschen, die nach der Vorstellung nach Hause strömten anschaut. Man sieht ihnen richtig an, dass ihnen die vergangenen zwei Stunden ausgesprochenen Spaß gemacht haben. Und das muss Operette sein, sie muss Freude bereiten, sie muss Lust auf mehr machen und sie muss vor allem ernst genommen werden. Und dies gelang auf der wunderschönen Naturbühne in Heldritt auf das trefflichste. Die Zuhörer und – schauer waren begeistert, und so soll es sein.

Ein kleiner Nachteil – aber leider nur für meine Figur – ist, dass man vor Beginn der Vorstellung den schmackhaften Köstlichkeiten der Region ausgesetzt ist. Auch dies ist eine Besonderheit und hebt Heldritt von anderen Spielorten hervor. Italienisches Flair wurde versucht auf die Heldritter Bühne zu bringen – und es gelang vorzüglich. Man fühlte sich in die sizilianische Welt versetzt, wenngleich es leider nicht ganz so warm war. Dies war aber zu verschmerzen, denn die Musik Millöckers heizte gut ein.

Gesungen wurde überwiegend hervorragend. Ganz ausgezeichnet mit voll erblühtem warmem und ausdrucksstarkem Sopran wartete Constanze Meijer als Charlotta auf, eine ganz hervorragende Leistung. Markus Gruber war Conte Erminio und hier hatte ich dieses Jahr meine Probleme. Gruber, der im letzten Jahr noch in „Viktoria und ihr Husar“ glänzte und zu den Besten zählte, hatte für mich – jedenfalls in der von mir besuchten Aufführung einige Probleme. Er sang für mich zu verhalten, mit gebremstem Schaum, mir fehlten das Feuer und die strahlenden Töne. Vielleicht lag auch eine nicht angesagte kleine Indisposition vor. Vom spielerischen und in den stillen leisen Passagen war er jedoch ebenfalls wieder sehr gut. Ausgezeichnet auch Beate-Maria Vorwerk als Zenobia, die Vertraute der Gräfin Charlotta. „Es gibt ja keine Männer mehr“ singt sie, und das so ausdrucksstark, das man ihr das fast glauben konnte. Ein ausgezeichnetes Paar geben Dirk Mestmacher als Benozzo, dem Wirt und Chef der Schmugglerband und Verena te Best als seine Frau Sora. Verena te Best ist nicht nur reizend anzusehen und spielt quicklebendig, sondern besitzt auch einen sehr schönen feinen aber dennoch durchschlagenden Sopran, der gut zu der geläufigen tenoralen Gurgel von Dirk Mestmacher passt. John Sweeney macht aus der Rolle des Bürgermeister Nasoni, dem es einfach nicht gelingen will, Gasparone zu fangen, ein kleines Paradestück. Der Bassbariton, dessen schönes Material positiv auffällt, überzieht meiner Meinung nach etwas. Ein bisschen weniger wäre wohl mehr gewesen, aber das ist ein ganz subjektiver Eindruck von mir. Dem Publikum gefällt es und der Beifall will gar nicht aufhören. Alexander M. Helmer, von dem man gerne mehr sehen und hören möchte, wenn er nicht den totalen Deppen spielen muss, ließ durch seine gefühlvolle und ausdruckstarke Stimme aufhorchen.

Dem Orchester der Coburger Sommeroperette unter der Leitung von Ivan Boldog, merkt man richtig an, wie sie in der wunderschönen Musik von Carl Millöcker schwärmen können. Auch der Chor und das Ballett laufen zur Höchstform auf und lassen ein glückliches Operettenpublikum nach Haus. Insgesamt eine ausgezeichnete Aufführung, die wiederrum Lust auf mehr macht. Ich hoffe, dass man dann wieder eine so tolle Operette aus dem Hut zaubert und nicht unbedingt erneut ein Musical. Dafür gibt es andere Spielorte als die Coburger Sommeroperette.

Manfred Drescher

 

 

 

VIKTORIA UND IHR HUSAR

Besuchte Aufführung am 20.08.2011

Heldritt ist eine Reise wert

Nach dem Abstecher zum Musical im letzten Jahr kehrte die Sommeroperette wieder zur Operette zurück – und dies war gut so. Paul Abrahams relativ selten aufgeführte „Viktoria und ihr Husar“ zog aus, um das Publikum auf der Waldbühne wieder zu verzaubern. Und es gelang. Es gelang so gut, dass man beim Nachhause gehen nur fröhliche, gelöste Gesichter sah, die die Melodien aus „Viktoria“ noch vor sich hin pfiffen. Welches schönere Kompliment kann es für eine Aufführung geben, bei der alles passte.

Dabei waren die Vorzeichen gar nicht so gut gewesen. Der kürzlich engagierte Regisseur Bernhard Maxara, der einige Jahre bleiben wollte, erklärte seinen Rückzug nach der Generalprobe. Künstlerische Differenzen und unterschiedliche Vorstellungen mit Adelheid Frankenberger, der Produktionsleiterin und 1. Vorsitzenden des Vereins Coburger Sommeroperette über den künftigen Kurs der Sommeroperette, sollen der Hintergrund sein. Auch der langjährige Kapellmeister Reinhard Schmidt verließ im Frühjahr nach 17 Jahren die Sommeroperette. Alle Differenzen, sofern sie vorhanden waren, haben dazu geführt, dass die Operette in Heldritt wie Phoenix aus der Asche gestiegen ist. Adelheid Frankenberger sah sich nach der Aufführung für ihre Arbeit der vergangen Zeit reich belohnt.

Dass man vor der Vorstellung kulinarischen Genüssen frönen kann, hebt die Coburger Sommeroperette zusätzlich aus der Reihe der weiteren Operettenaufführungsorte hervor (und lässt mich sündigen).

Bernhard Maxara hat das Ganze äußerst publikumswirksam inszeniert. Das Publikum ging richtig mit, die romantische Geschichte um den Rittmeister gab Anlass zu viel Lachen aber auch etwas zurückhaltendes Mitleiden. Das am Schluss alles wieder gut wird und sich alle bekommen, dies ist halt in der Operette so. Und deshalb wird sie wahrscheinlich auch so sehr geliebt –gestern wie auch heute.

Gesungen wurde durchwegs vorzüglich. Asa Elmgren als Viktoria besitzt eine schöne, voll erblühte Sopranstimme, die sie stilsicher einzusetzen weiß. Ihr Mann John Cunlight wird von Heimir Wium als älterer, vornehm zurückhaltender Mann auf die Bretter gestellt. Der Husarenrittmeister Stefan Koltay besitzt einen klaren, weichen, warmen Tenor, der sich durchschlagkräftig in den Soli als auch in den Duetten entfaltet. Gesungen wird er von dem Coburger Markus Gruber, der zurzeit in Detmold engagiert ist und dem eine große Zukunft vorhergesagt wird. Als Stefan Koltay jedenfalls bietet er eine hervorragende Interpretation und ich bin sicher, dass man noch viel von ihm hören wird.

Isabella Lechner als Riquette und Sascha Mei als Janczy, dem Burschen Koltays wirbeln über die Bühne, dass es einem Angst und bange wird. Daneben singen sie beide auch noch vorzüglich und heimsen zu Recht den Applaus des begeisterten Publikums ein.

Auch das zweite Buffopaar, Nadja Plattner als O Lia San, Ferrys Braut und Jan Reimitz als Graf Ferry passen hervorragend zusammen. Auch hier passen Tanz und Gesang überein. Beide Soubretten singen und tanzen bezaubernd und ihre beiden „Burschen“ stehen ihnen in nichts nach.

Das Orchester der Coburger Sommeroperette unter der Leitung von Ivan Boldog, bringt die wunderschönen Melodien Paul Abrahams zum Erblühen. Die ungarischen Musiker schaffen die Sänger unterstützend, werkgetreu und schmissig, die Grundlage für eine durchweg gelungene Aufführung.

Die Aufführung macht Lust auf mehr und so freut man sich im nächsten Jahr auf eine selten aufgeführte Operette, den „Gasparone“ von Karl Millöcker.

Manfred Drescher

 

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