DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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DER KONTRAPUNKT

Lob und Tadel zu freien Themen der Politik, des Gesellschaftslebens und unseres sozialen bzw. oft weniger sozialen Umfeldes und alle freien nicht-anonymen Meinungsäußerungen, die außerhab unserer Kritiken liegen, finden hier ihren Niederschlag. Bissigkeit, Humor, Edelmut, Larmoyanz, Ironie, Wut und Sarkasmus sind nicht unerwünscht ;-))))

Eine gewisse Beziehung zur Musik-Kultur wird allerdings immer garantiert. Schreiben Sie uns; vielleicht steht demnächst Ihr Artikel auch auf dieser Seite.                    mailto:   Opernfreund.Contact@t-online.de

 

               

Kultauto "Knutschkugel" auf dem grünen Hügel

Unser stellvertretender Chefredakteur Michael Cramer, eingefleischter Opernfan und Isettafahrer seit Erlangung des Führerscheins, der einst seiner damaligen Freundin (und immer noch Ehefrau) ebenfalls eine solche besorgte, entdeckte dieses Exemplar auf der Bühne des Wagner-Tempels in Bayreuth. Unglaublich !

Katharina Wagner, die Herrin auf dem „Grünen Hügel“ in Bayreuth, wird es noch bereuen, den Castorfschen „Ring der Nibelungen“ so schnöde im nächsten Jahr auslaufen zu lassen. Weiß sie denn nicht, dass tausende, ach was zehntausende begeisterter Isetta- Fahrerinnen und –fahrer eigens wegen dieses Kultautos der 50er und 60er Jahre immer wieder die Festspiele besucht haben?

In der „Götterdämmerung“ prangt die legendäre Knutschkugel mitten auf der Bühne und lässt sogar den Glanz einer schwarzen Luxuslimousine – genau, die mit dem Stern! – blass erscheinen. Von wegen Schlaglochsuchgerät (wegen des engen hinteren Radstands) oder was es sonst noch an perfiden Zuschreibungen zu diesem einmaligen Erfolgsmodell gegeben hat. Cramer fährt immer noch Isetta, inzwischen eine selbst restaurierte Cabrio-Version als Rechtslenker, sehr seltenen Original-BMW-Umbau für Südafrika.

Hier vorne vor der Staatsoper München -  Türe geht andersherum auf

Die Fans des Halleleluja-Autos waren jedenfalls schier aus dem Häuschen und klatschten sich eine halbe Stunde die Finger wund. Nur Ignoranten oder völlig verstrahlte Wagner-Jünger behaupteten steif und fest, der Beifall habe ausschließlich den Sängerinnen und Sängern der Aufführung  gegolten.

Wie verlautet waren letztere ja vor Begeisterung über das Adventsauto – „Macht hoch die Tür“! – stellenweise gar nicht mehr in der Lage, einen vernünftigen Ton herauszubringen und quetschten sich kopfüber sogar durchs Luxusfaltdach in die Knutschkugel.

Was Brünnhilde und Siegfried da wohl getrieben haben? Das blieb der Phantasie der begeisterten Isetta-Fans überlassen. Manch einer schwelgte darob auch in verklärten Jugenderinnerungen und konnte dem Weltuntergangsszenario des Wagnerschen Schmachtfetzens nur noch mit tränenverschwobeltem Blick folgen, nach dem Motto: „So eng wie damals lagen wir nie mehr beieinander!“

 

Norbert Pabelick / Michael Cramer

 

Fotos © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath und Opernfreund

 

 

 

DAS-ANNA-NETREBKO-TEESERVICE für 2400 Euro

KUNST FÜR DIE EWIGKEIT

Salzburg: Hochwertige Devotionalien-Andenken für echte Fans

Es gibt tatsächlich (kein verspäteter April-Scherz!) ein Anna-Netrebko-Teeservice für schlappe 2400 Euro aktuell in Salzburg. Es ist aber nicht von Fabergé gefertigt, auch wenn der Preis es glauben machen könnte. Wir weisen darauf hin, daß Peter Carl Fabergé bereits 1920 in Lausanne gestorben ist. Das Service zeigt Motive aus der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi; so zumindest, wie es sich Anna oder wer auch immer vorstellt. Also wenn das keine Kunst für die Ewigkeit ist, dann weiß ich nicht.

Placido-Goldmünzen namens "Domingo Rand" für 3500 Euro (mit einem kleinen 300-prozentigen Aufschlag auf den Goldpreis eines Krügerrands bei ähnlichem Aussehen, nur daß sein Konterfei die Gazelle ersetzt) sind schon angedacht - wie uns eine berühmte Goldmanufaktur unter der Hand mitteilte - sie dienen dann dem Altersfond an Verarmung leidender Superstars. Würde ich mir als Domingo-Fan sofort kaufen.

Blöd nur, daß man erst jetzt auf diese geniale Idee kommt, nämlich große Künstler mit teuren Andenkelchen zu verewigen. Was hätte man alles teuer vom großen Pavarotti vermarkten können. Wenn ich nur daran denke, wieviel tausende Fans damals vierstellige DM-Beträge für einen VIP-Karten-Platz auf harten Holzstühlen im Fußballstadion bezahlten. Ein geradezu einmaliges Erlebnis war auch das Pasta-Essen mit Big P. in den gemütlichen 800-Mann-Zelten, von denen man damals extra fünf Stück neben dem Rheinstadion in Düsseldorf aufgebaut hatte.

Ja, das Geld sitzt heuer locker, wenn man kaum noch Zinsen kriegt und selbst die Schweizer Banken zu Verräter wurden. Da kommen solch hochwertige sicherlich im Wert ständig steigende Fan-Artikel gerade recht. Nebenbei bemerkt ist so etwas wirklich keine schlechte Investition.

Wären Sie z.B. ein James-Bond-Fan und hätten sich 1964 einen Aston Martin DB 5 für schlappe 60 000 DM gekauft, dann wären Sie heute fein raus. Denken Sie nur an die tollen Gimmicks, die man ja ausgiebig im Film GOLDFINGER bewundern konnte: Maschinenpistolen, drehbare Nummernschilder, Nebelwerfer, Ölverspritzer etc.pp. und sogar ein Schleudersitz, wenn mal Gattin meckert oder zufällig ein übler Mörder oder ein Opernkritiker neben Ihnen sitzt...

Auch hier müssen wir allerdings darauf hin weisen, daß dieses Sachen nicht zur Normalausstattung des Autos gehörten (hoher Aufpreis). Jetzt Achtung: der Verkaufspreis liegt heute für einen ganz ganz schlecht erhaltenen Gebrauchten bei 3,5 Millionen und für einen gut erhaltenen im zweistelligen Millionenbereich.

Fan sein kann sich lohnen; etwas Kleingeld vorausgesetzt.

Also bitte bestellen Sie sich sofort "Annas Teeservice" ! Tun Sie es für Ihre Kinder oder Enkel - in 50 Jahren ist der kitschige Krempel vielleicht Millionen wert; vorausgesetzt ein Familiernmitglied mißbraucht ihn nicht beim Polterabend.

In diesem Zusammenhang nun eine ganz wichtige Mitteilung in eigener Sacher:

Bitte lassen Sie sich vormerken. Endlich haben wir unseren Hauszeichner Peter Klier überreden können, einige seiner tollen einmaligen Wagner-Karikaturen ebenfalls auf edelstem Porzellan verewigen zu lassen. Für jeweils nur 16900 Euro bekommen Sie bei uns gleich ein ganzes Dutzend. Serie 1 "Der Ring des Nibelungen" wird gerade aufgelegt - daher kaufen, kaufen, kaufen...

Bilder (c) MGM, Pressebild, Der Opernfreund

 

Schöne Ferien wünscht Ihr P.B.

 

 

 

 

                                    

Aus aktuellem  Anlaß hier eine wichtige Bekanntgabe des OND (Opernfreund-Nachrichten-Dienstes):

So eröffneten z.B. die Nachrichten des Westdeutschen Rundfunks am Premierentag mit dem Satz "Heute abend findet die Eröffnung der diesjähtrigen Bayreuther Festspiele mit Richard Wagners Oper DIE  MEISTERSINGER VON NÜRNBERG statt, der Oper (!) mit der die Nazis immer ihrer Reichsparteitage eröffneten."

Vielleicht verstehen nun nicht-regionale NRW-Leser, warum böse Zungen den Namen WDR immer mehr mit Westdeutscher Rotfunk übersetzten.               PB 27.7.17

 

 

 

Domingo als Kapellmeister in Bayreuth?

Ist man bei Euch in Germany verrückt geworden?

Eine Mail aus den USA:

In USA lächelt man nur noch über Placido Domingo, der dort auch als "Die Firma Domingo" bezeichnet wird. Greedy, gierig und trotz seiner früheren sängerischen Verdienste eine dubiose Figur, speziell als Administrator und Dirigent.

Als solcher kommt er nicht über einen kleinen Kapellmeister hinaus.

Aber er ist ja ein Aufmerksamkeitsbeschaffer und so fungiert er in Los Angeles auch als Operndirektor. Zwar ist er nie da, denn er muss ja gerade in Dubai ein Restaurant eröffnen, die unsägliche Catherine Jenkins unterstützen oder ewig widerlegte Lügen in Interviews wiederholen, wie er habe die meisten Rollen in der Geschichte der Oper gesungen.

Nota bene: Die meisten Tenorrollen sang Andreas Dippel, ein deutscher Sänger, aus Kassel gebürtig, der von 1890-!908 an der Met 400 Vorstellungen sang, deutsches und italienisches Fach und nachweislich 162 Tenorrollen sang, später Co-Chef der Met war neben Gatti-Casazzi und danach seine eigene Opernschule und Truppe gründete.

Doch auf LA's Opera-Seite gibt es noch immer Angaben, die auf allen anderen Foren längst getilgt sind weil sie Lügen darstellen. Wiki wiederholt diese nicht mehr und auch das Kennedy Center of Performing Arts hat sie getilgt.

Und so einen wollen sie in Bayreuth dirigieren lassen. Man kann auf vielfältige Weise den Verstand verlieren.

 

Noch etwas zur Altersfälschung:

Übrigens Domingo wurde am 15. 1. 1934 in Madrid geboren, nicht am 21. 1. 1941.

Es gab in einer Wiener Zeitung auch eine fake Geburtsurkunde, die er lancierte. Auf die angesprochen redete er sich sehr merkwürdig heraus. Nach seinen Angaben von geb. 1941 muss er in Tel AViv, wo er mit Marta Domingo geb. 1935 engagiert war 1962/63 schon 12 Riesenrollen singen müssen unter anderem Radames (mit 21 und 22); insgesamt über 200 Vorstellungen sang er nachweislich dort. Selbst mit 27 oder 28 die er zu der Zeit war, war das schon ein Hammer gewesen.

Er hat zwei Pässe, den echten spanischen, den niemand zu Gesicht bekommt, den falschen mexikanischen ... dort kriegt man ja ja alles

1994 feierte er heimlich seinen 60. in New York. Ich weiß es von jemandem, der dabei war.                                                                  John Smith 26.7.2017

 

 

DAS JÜNGSTE GERÜCHT

Kommt das DUO BARRIE KOSKY & PHILIPPE JORDAN nach München?

Vorweg, es handelt sich bloß um ein Gerücht. Gerüchte haben in der „Saure Gurken-Zeit“ naturgemäß Hochsaison, aber die meisten Gerüchte sind nicht frei erfunden. Sehr oft ist etwas Wahres dran, manchmal werden Gerüchte auch wissentlich gestreut. Aus München jüngst vernahm ich die Mär, dass Barrie Kosky im Verein mit dem Dirigenten Philippe Jordan ein heißer Tipp für die Bayerische Staatsoper in der Zeit nach Nikolaus Bachler & Kirill Petrenko sein soll. Mein Informant ist in München relativ nah am Geschehen dran, natürlich muss er anonym bleiben. Auch betont er, dass noch keine Entscheidung gefallen sei!

Ein Gerücht eben.

schreibt Anton Cupak von unsrem Partner MERKER-online am 23.7.2017

 

P.S.

dazu die "Verleumdungsarie" - falls es nicht stimmen sollte. Natürlich vom großen GOTTLOB FRICK ;-)))))

 

 

 

ES ROLLEN KEINE MILLIONEN

Placido Domingos Aida-Welt-Tournee ist geplatzt

Die KASSA wird nicht klingeln - dumm gelaufen für die Investoren

Natürlich kann Placido Domingo rein rechtlich gesehen für die geplatzte Aida-Tournee nicht zur Verantwortung gezogen werden. Er sollte sich aber dennoch fragen, ob er seine Partner tatsächlich wirtschaftlich durchleuchten hat lassen – oder ob ihm das völlig egal war – Hauptsache die Kassa klingelt.

Ja, es ist zumutbar, sich über seine Geschäftspartner zu erkundigen. Selbst in meinem finanziell überschaubaren geschäftlichen Umfeld war das eine Selbstverständlichkeit, die Geschäftspartner sind nach Bonität eingestuft – danach richten sich die Zahlungsmodalitäten – und nicht einmal habe ich auf ein lukrativ scheinendes Angebot verzichtet. Es klingt arrogant, aber eigentlich habe ich meist in wenigen Sekunden gewusst, ob ich mit jemandem zusammenarbeiten will oder nicht. Es gibt ihn, den „Geschäftsadel“ – auch wenn er schon sehr aus der Mode gekommen ist. Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass ich für das, womit ich mit meinem Namen bürge, geradezustehen habe, ohne auf das Recht zu pochen!

Kaum jemand hätte sich für dieses „Aida-Spektakel“ interessiert, hätte nicht Placido Domingo mit seinem Namen (scheinbar) gebürgt. 90 Orchestermusiker, 150 Chorsänger, 85 Ballett-Tänzer und mehr als 500 Statisten: Als im Herbst 2016 die „Aida-Welttournee mit Plácido Domingo“ angekündigt wurde, wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum Glück gab es zunächst nur Karten für zwei Spielorte – Gelsenkirchen und München, was für für eine Welttournee noch ein überschaubares Angebot darstellt.

Doch das Sängerangebot konnte sich sehen lassen: Stars wie Erwin Schrott als Ramphis, Kristin Lewis als Aida, Violeta Urmana als Amneris und Roberto Alagna als Radames klangen verlockend. Diese Künstler vertrauten darauf, dass der große Placido die für ein Geschäft unbedingt nötige Sorgfalt hat walten lassen. Hat er nicht, wie man sieht. Wem soll man nun vertrauen? P.D. sicher nicht mehr!

Anton Cupak 16.6.2017

 

Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:

GIER KENNT KEINE GRENZEN

Schon früh hatten Experten Domingo vor diesem Riesenzirkus Aida gewarnt, weil die Rechnung einer Welttournee nicht aufgehen würde. Aber seinem Ehrgeiz und seiner Gier, in USA nennt man ihn greedy, oder die Firma Domingo, sind keine Grenzen gesetzt. Und so spricht er jetzt von seiner persönlichen großen Enttäuschung. Kein Wort an die, die wahrscheinlich nichts von ihrem Geld wiedersehen werden.

Er wird nun weiterhin als kurzatmiger, verkappter Tenor, der seinen Ruf selbst ruiniert, weiter Baritonrollen singen und anderen jungen Sängern diese wegnehmen. Vielleicht sollte er sich mal um seine Enkel kümmern!

Der Schreiber ist der Redaktion bekannt - und er vertritt hier zu 100 Prozent die Meinung des Opernfreund-Herausgebers, der nicht nur dahinter steht, sondern sich an dieser Stelle erheblich viel böser geäußert hätte. Danke.

Peter Bilsing 16.6.2017

 

 

FÜR DUMM VERKAUFT

Statt Entschuldigung für kardinalen Fehler Dummgeschwätz

Da passiert scheinbar eine Bagatelle, das Internet lacht sich krümelig – kein Grund, sich weiter darum zu kümmern. Schon gar nicht, dafür einen Kommentar zu verschwenden. Aber dann versucht die Oper Köln, ihr Publikum für dumm zu verkaufen. Und das ist nicht mehr so lustig.

Da erwartet uns ein Jahrhundertwerk >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Gern zeigt die Oper Köln auf Facebook Fotos von Plakataufstellern, um ihre Premieren anzukündigen. So auch dieser Tage. Und diesmal werden gleich zwei Sensationen angekündigt. Die Premiere des Fidelio von Wolfgang Amadeus Mozart dauert vom 11. Juni bis zum 5. Juli dieses Jahres. Ein Werk, das die ©Welt noch nicht gesehen hat. Und Ludwig van Beethoven wäre sicher stolz darauf gewesen, dass ein Werk, das den gleichen Namen wie seine Oper trägt, über so einen langen Zeitraum aufgeführt wird. Einige glauben an fake news, der Rest der Internet-Gemeinde biegt sich vor Lachen. Halbwegs liebevoller Spott ergießt sich über die Oper. „Ich als ÖA-Kollegin glaube, ich kann erklären, wie das passiert ist: Die Premiere davor ist Le nozze di Figaro, da hat die Grafik nur den Titel und die Daten ausgetauscht, nicht den Komponisten. Wenn man Stress hat, kann sowas passieren“, versucht Valerie Seufert gar noch, den Lapsus zu entschuldigen. Was natürlich, mit Verlaub, Quatsch mit Soße ist. Eben weil die Grafik häufig unter Hochdruck arbeitet, gibt es mindestens drei Menschen, die nach der Arbeit der Grafikabteilung dafür verantwortlich sind, dass eventuelle Fehler entdeckt werden: die Leitung der Grafikabteilung, derjenige, der für die Druckabnahme zuständig ist und diejenige, die das Druckergebnis zu beurteilen hat.

Trotzdem darf, bitte schön, jedermann entspannt bleiben. Shit happens. Wer weiß das besser als die SPD in Nordrhein-Westfalen, die der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein scheint und Plakate veröffentlicht, auf denen steht „Seid 2010“. Damit war keine erforderliche Gruppenstärke gemeint. Und dass die Plakate der Oper zwischenzeitlich im gesamten Stadtgebiet aufgehängt seien, wie in zahlreichen Facebook-Einträgen nachzulesen ist, wäre schon ärgerlich – und in der Folge teuer – genug. Die Presse-Referentin der Oper Köln hingegen gibt an, es habe sich um ein einzelnes Plakat gehandelt. Bis dahin ist also alles lustig und banal, aber entspannt. Dass die PR-Abteilung, das sind die Menschen, die für den Kontakt mit der Presse zuständig sind, Presseanfragen mit extremer zeitlicher Verzögerung beantwortet, kann man ebenfalls möglicherweise noch unter „selber schuld“ verbuchen. Wenn die Kommunikatoren der Oper ihre Kompetenz in der Verteilung von Pressemitteilungen und -karten sehen, anstatt den Dialog mit den Journalisten zu suchen, kann man zwar getrost von einer falschen Berufsauffassung ausgehen und sich fragen, wofür sie eigentlich ein monatliches Gehalt beziehen, aber in einer solchen Angelegenheit mag man darüber hinwegsehen, weil die PR-Arbeiter dann eben mit den Konsequenzen zu leben haben. Eine Public-Relations-Abteilung kann im Übrigen immer nur so gut sein, wie es die Intendanz zulässt.

In den Abendstunden allerdings äußert sich die Oper Köln – zwar nicht gegenüber der Presse – aber auf Facebook. Wer jetzt eine Entschuldigung und Erklärung erwartet, wie es zu dem Versehen kommen konnte, und damit wäre im Grunde ja alles erledigt gewesen, sieht sich nicht nur enttäuscht, sondern geradezu belehrt. „So kommt es, wenn prestissimo statt im tempo giusto gearbeitet wird“, heißt es da hochmütig, wenn nicht beleidigt. Aber Moment mal. Kein Kölner Bürger erwartet, dass die Oper schnellstmöglich arbeitet. Eine professionelle Arbeitsweise soll es wohl sein, kein „Gehudele“. Dummer Spruch und völlig daneben statt einfacher Entschuldigung. Ein solches Verhalten passt aber gut zu jemandem, der keine Besserung gelobt, sondern lieber mit dem Finger auf andere zeigt. „Wer hat noch lustige, spannende, überraschende Tippfehler auf Opern- und Konzertplakaten gefunden? Schreibt uns, oder schickt uns ein Foto davon. Wir haben – nicht bei uns in der Oper Köln – zum Beispiel eine Cenerentola von Puccini gefunden“, heißt es da als nächstes. Sag mal, Oper Köln, geht’s noch?

Und ist der Ruf erst ruiniert, so lebt sich’s richtig ungeniert. Ein Lebensmotto, das man sich offenbar erst wirklich leisten kann, wenn man ein zweistelliges Millionenbudget im Jahr verbrät. Aber weit kommt man damit nicht. Die Oper Köln hat ein Image-Problem. Und das hat sie mit Hilfe eines einfachen Plakates noch einmal klar gemacht. Weil die Geisteshaltung, die hier deutlich wird, nicht nur ungezogen ist, sondern wirklich keines Steuer-Euros mehr bedarf.

Übernahme eines Kommentars von Michael S. Zerban (O-Ton)

 

 

Rolando Villazon ist der neue umjubelte König der "Deutschen Oper am Rhein"

Gestern wurde er als Regisseur - wohl angemerkt, liebe Rheinopernfans ! - gefeiert, fast wie einst Pavarotti, der große Sänger. Ein begeistertes Premierenpublikum verlangte Vorhang auf Vorhang. Was für ein schöner Abend... Alle waren total überglücklich über seinen DON PASQUALE. Ja genauso sollte Oper immer sein! Eine Großstadt und sein Opernpublikum sind zufrieden - quasi im siebten Opernhimmel.

Die RHEINOPER ist anscheinend wieder international. Heraus aus der Provinz - hurra! Sollten endlich Aufführungen wieder über den regionalen Dunstkreis der zwei Lokalblättchen (gemeint sind RP & WZ) ihren Widerhall finden?

Es wäre zu wünschen, denn selbiges war vor Jahrenzehnten noch Standard. Topsänger traten - oft der Normalfall - selbstverständlich erst in Düsseldorf auf. Später gingen sie dann nach Salzburg, Wien oder Bayreuth. Die DOR gehörte zu den "Top Five" in Deutschland. Mittlerweile gehört sie leider eher zu den "Top Fifteen" - dabei nahe auf einem Abstiegsplatz - Zweitliga - und wird kaum noch wahrgenommen von der Presse.

Nun ist das Haus in aller Munde auf den Feuilleton-Seiten. Dummerweise steht aber überall (egal ob SZ, Hamburger Abendblatt, Welt oder diverse Provinzkäseblättchen) derselbe Text - nämlich der von der DPA (Sic !); haben sie doch seit Jahren keine eigenen Kritiker mehr vor Ort. Egal - hauptsache PR für die Rheinoper. So kann es gehen ;-). Glückwunsch an den nicht unumstrittenen Intendanten Christoph Meyer,

der die Rheinoper ja zuletzt, quasi durch ZENSUR, nämlich durch seine prompte Absetzung einer umstrittenen Tannhäuser-Produktion mehr ins Negativgerede in Europa brachte, nämlich als das Heer der Altwagnerianer pöbelnd lautstark demonstrierte und sogar den Regisseur an dern Kragen wollte. Lesen Sie das alles noch einmal nach im OPERNFREUND.

Die Verpflichtung von Rolando Villazon war zwar eine teure, aber wie es scheint sehr lohnende Geschichte - auch wenn das Ganze mal wieder eine Koproduktion ist. Das Zweistädte-Institut ist dabei auf einem guten rechten Weg, wenn man dieser gigantischen Publikumsbegeisterung glaubt. Die Umbenennung in "Ohne-Sorg-Oper Düsseldorf" bietet sich an, wenn man die Wünsche des Publikums weiter in dieser Form so sauber und beglückend bedient. Oper muß wieder Spaß machen, dafür ist Villazon ein Garant.

Auch wenn dick auf dem Plakat steht: "Rolando Villazon - Regie", glauben immer noch viele Opernfans in der Landeshauptstadt gernau dies eben nicht, oder überlesen es bewußt. Sie glauben, daß Rolando Villazon singt und buchten sich deshalb ein. Da gibt es anscheinend noch viel zu tun für die Abteilung "Werbung und Öffentlichkeitsarbeit". Oder für die Düsseldorfer Lokalpresse...

Wenn man es jetzt noch schafft die Callas und Pavarotti zurück zu klonen (wir berichteten am 1. April über diese neue revolutionäre Technik am Heinrich Heine Institut der Landeshauptstadt) liegt das Opernglück dieser Welt zukünftig nicht mehr in Wien, Salzburg, New York oder an der Mailänder Scala, sondern wieder im rheinischen Düsseldorf resp. Duisburg.

Peter Bilsing  30.4.2017

Foto (c) Rheinoper

 

P.S.

Es würde mich nicht wundern, wenn die Düsseldorfer Kultur-Politiker demnächst Herrn Villazon sogar als Meyer-Nachfolger verpflichten. Auf, auf und auf...

 

BOYKOTTAUFRUF

des Eurovision Song Contest am 13. Mai 2017 !!!

Der ukrainische Geheimdienst schreibt der EBU (Europäischen Rundfunkunion) vor, wer am diesjährigen Sangeswettbewerb teilnehmen darf und wer nicht. Heuer fängt es mit einer russischen Sängerin im Rollstuhl an, morgen wird man anderswo Schwulen und Lesben den Auftritt verbieten, und demnächst dürfen wohl nur noch parteilinientreu Künstler auftreten. Nordkorea lässt grüßen. So fängt es an...

Und alle machen mit. Alle !! Und alle sind weiterhin dabei. Kein einziges demokratisches teilnehmendes Land Europas erwägt anscheinend einen Boykott. Von den Künstlern, die sich evtl. den Sprung in die Weltkarriere erhoffen (was in der Histprie des ESC höchst selten der Fall war) kann man, verständlicher Weise, kein Rückgrat erwarten - aber wie verhalten sich die TV-Verantwortlichen? Schwanz einziehen, dezentes Meckern - der Rest ist Schweigen. Der dämlichste Vorschlag war, die russische Sängerin evtl. per Video einzublenden und so doch noch singen zu lassen. Welcher vollvertrottelte Kindskopf kommt auf so eine saublöde Idee ?

Im Prinzip könnte uns das egal sein, wäre es eine rein private Veranstaltung, aber (!) nicht nur zahlt die EBU Millionen, sondern auch die ARD beteiligt sich mit unseren Zwangsgebühr-Steuern (Rundfunkabgabe) nicht unerheblich daran.

Da sich DER OPERNFREUND nicht nur mit Klassik, sondern auch mit Crossover-Elementen der Popmusik in Musicals oder Konzerten beschäftigt, erheben wir Einspruch und fordern alle unsere Leser auf, dieses - nun zur einer zensurgesteuerten erbärmlichen Unterhaltungs-Show degradierten -  "Show Event" durch Abschalten zu boykottieren. Bitte schicken Sie als demokratischer Europäer an die Verantwortlichen bei EBU und ARD ihre Protestnote.

Wehret den Anfängen. Was haben wir uns da mit der UKRAINE alles aufgeladen?

Peter Bilsing / 29.4.2017

(Hrg. DER OPERNFREUND)

 

 

Das Handlungsballett-WUNDER von Düsseldorf

Eine Illusion wird zur Realität

Man traut seinen Augen nicht. Wer als kundiger Ballettomane in NRW die Spielplanankündigung der Rheinoper liest, scheint seinen Augen nicht zu trauen. Ballettdirektor Martin Schläpfer bringt Tschaikowskys "Schwanensee".

 

Aber Holla, Herr Schläpfer! Schwanensee ist doch eines der großen Handlungsballette! Haben Sie nicht in ihren bisherigen acht Jahren die Gattung  der Handlungsballette als unzeitgemäß, und unter einem Herrn Schläpfer als Ballett-Direktor, niemals existent, einst verkündet? Und nun diese Oster-Überraschung.

 

"Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern." sagte einst immerhin ein wirklich Großer, nämlich Konrad Adenauer.

Wie kommt es zu dieser 180 Grad-Drehung, die mich als Fan solcher Handlungsballette erfreut, denn dann brauchen wir nicht weiter die Rheinopern-Freunde nach Krefeld, Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund zu verweisen...

Also - das ist kein April-Scherz, liebe Leser: Hurra hurra hurra! Es gibt nach acht Jahren der Abstinenz endlich wieder ein Handlungsballett in Düsseldorf. Aber!

Lesen Sie das ruhig noch einmal in dem Interview der WZ vom Oktober 2016 genau nach - vielleicht irre ich mich ja, oder interpretiere falsch. Da stand:

"Ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt... Ich habe den Verdacht, dass es eine Illusion ist. Ich kenne viele, die sich ein Erzählballett ansehen und hinterher enttäuscht sind ... Aber ist es meine Aufgabe, die Wünsche des Publikums zu erfüllen oder das zu tun, woran ich glaube? Ich bin ein Künstler, der heute arbeitet. Ich finde, der Tanz ist sich selber genug... Mit meiner Company kann ich keine „Giselle“ machen. Wie soll ich mit diesen wunderbaren Persönlichkeitssolisten zwischen 18 und 47 Jahren eine einheitliche, klassische Linie hinkriegen? Ich habe kein Corps de Ballet...." (Martin Schläpfer)

Dazu schrieb Michael Zerban im OPERNNETZ (ab 2017 heißt es "O-TON") prompt einen Kommentar mit dem Titel "Nestbeschmutzer", der - wie aus internen Quellen verlautet - wohl im Opernhaus und im lokal-politischem Umfeld der durch das WZ-Interview beleidigten Kulturverantwortlichen, viel Wirbel verursacht haben soll.

Nun denn: Man darf gespannt sein, wie Schläpfer bis zum Premierentermin am 8. Juni 2018 aus seiner Truppe, die ja erklärtermaßen ad hoc noch keine klassische Linie hinkriegt, dieses Mammutwerk aus dem Boden stampfen wird.

Denkbar wäre natürlich, daß man für diesen Schwanensee eine handlungsballett-erfahrene Compagnie einkauft, die schon bewiesen hat, daß sie "auf Linie tanzen" kann. Gute Truppen - Der Opernfreund berichtet regelmäßig - gibt es ja vor der Tür in Essen, Gelsenkirchen oder Dortmund. Die wären bestimmt glücklich einmal gastweise unter dem großen "Star-Choreographen" in Düsseldorf tanzen zu dürfen...

Andererseits könnte ich mir natürlich auch einen modernen Schwanensee im Sinne des deutschen "Regie-Theaters" vorstellen, wo man diese obszöne "Linie" gar nicht mehr bräuchte. Gab es doch vor Jahren mal in Essen einen Schwanensee, der in Nachtbars und Strip-Schuppen spielte. Oder vielleicht eine Art reduzierte Matthew-Bourne-Version getanzt nur von wenigen Männern.

Der Ballettfreund darf rätseln und sich auf diese Wunder-Premiere freuen.

Peter Bilsing 8.4.2017

Fotos (c)

Ballett Classique de Paris

Schläpfer / Rheinoper

Schwanensee / Theater Dortmund

 

 

 

Einreiseverbot für Russlands Song Contest-Kandidatin - eine Farce !

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat nun endgültig auch den Eurovision Song Contest erreicht: Der ukrainische Geheimdienst SBU hat Russlands ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die Sängerin nicht beim 62. ESC Mitte Mai in Kiew auftreten. Sie dürfe für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen, sagte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja.

Die Entscheidung sei aufgrund von früheren Verstößen gegen ukrainische Gesetze getroffen worden, berichtet die Agentur Interfax. Anlass ist ein aus ukrainischer Sicht illegaler Auftritt der Sängerin auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte.

Was lässt sich die Eurovision da gefallen? Es wäre zum Bespiel undenkbar, dass ein Land einem Sportler, der gegen einen „Lokalmatador“  anzutreten hat, die Einreise verweigert. Der sofortige Ausschluss aus dem Weltverband der betreffenden Sportart wäre die logische Folge. Was aber spielt sich hier ab?

Die Ukraine möge bedenken, dass sie im Vorjahr mit ihrer mittelmäßigen Trällerei aus politischen Gründen den Sieg und damit den heurigen Song-Contest geschenkt bekam. Politik hat in diesem Wettbewerb so überhaupt nichts verloren, die Entscheidung fällt den Eurovisionsleuten nun auf den Kopf.

Die logischen Konsequenzen wären:

a.) Absage des Bewerbes überhaupt

b.) Auschluss der ukraischen Vertretung aus dem Bewerb wegen Verstosses gegen die Wettbewerbsregeln (ebenso ungerecht für die betroffenen Künstler, aber was war das schreckliche Vergehen, das zum Einreiseverbot der gelähmten Russin geführt hat? Gerecht? )

c.) Die Ukraines wird wegen Verstosses gegen die Wettbewerbsregeln für die nächsten frei Jahre aus dem Bewerb ausgeschlossen (diese Lösung würde ich als Pragmatiker vorziehen)

So geht es nämlich wirklich nicht, dass ist ein glatter Missbrauch und zeugt von der Hilflosigkeit der Eurovision!

Vielleicht setzt sich aber doch noch die Vernuft durch!

Anton Cupak 23.3.2017

 

Ergänzung vom OPERNFREUND-Herausgeber

Ich schließe mich meinem Freund Anton Cupak hier voll an und werde das erste Mal nach 25 Jahren diesen Wettbewerk, der ja nun zur absoluten Farce geriert, nicht mehr anschauen. Die deutsche Delegation sollte Vorbild sein und als erste ihrer Teilnahme absagen. Wo sind wir denn mittlerweile hingekommen?

Teilnahmeboykott möglichst vieler Länder und Zuschau-Boykott möglichst vieler anständiger deutscher Bürger wäre das Mindeste was man tun kann.

Ich kann nur hoffen, daß mehr Menschen so denken und die Verantwortlichen von Rundfunk und Fernsehen ihre hehren Richtlinien und demokratischen Traditionen wahren und umsetzen. Genehmigt jetzt die ukrainische STASI was und wen wir in Europa sehen dürfen.

Hier versucht ein Geheimdienst die europäischen TV-Zuschauer und Musikfreunde am Nasenring durch die Arena zu führen. Skandal!

Jeder anstämdige Europäer sollte sich sofort davon distanzieren.

Boykottaufruf!!!!

Peter Bilsing (Hrg.)

 

dazu:

https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20170323315012695-dehm-deutsche-esc-boykottieren/

 

 

DIE SZENE BRAUCHT MANUEL BRUG

Ein Kritiker im Haßgewitter der Kaufmann Fans

Manuel Brug polarisiert und provoziert. Täte er das nicht, wäre er ein Anonymus wie viele „Graue Mäuse“ in der Journalistenzunft. Gegner werfen ihm Schwarz-Weiss-Malerei vor, gemeint ist, dass er nur vernichtend urteilen oder überschwänglich loben kann.

Mit Jonas Kaufmann hat sich Brug nun ein „Opfer“ gesucht, das ihm weitere Aufmerksamkeit, weitere Kritik an seiner Person garantiert. Egal wie man zu Herrn Kaufmann steht, solche „Typen“ wie ihn braucht die Opernwelt. Wir leben in einer Zeit der Superstars, die Medien fordern stets neues „Material“. Es mag menschenverachtend klingen, aber die Künstler sind für die Medien „Material“.

Journalisten wiederum brauchen Reibebäume – und es ergibt wenig Sinn, sich an „kleinen Nummern“ zu reiben. Unter diesem Aspekt muss man auch die Schreibweise des Herrn Brug sehen, dass er sich wirklich um Jonas Kaufmann Sorgen macht, nehme ich ihm nicht ab.

Jonas Kaufmann wird hoffentlich selbst wissen, was er sich zumuten kann, die Ratschläge des Herrn Brug brauchen ihn nicht zu interessieren. Den Schmeicheleien seiner Anhänger sollte er aber auch nicht trauen. Ein wirklich guter Ratgeber ist gefragt, nur wo findet man heute einen Menschen, der nicht zuerst an den eigenen Vorteil, das eigene Geschäft denkt.

Anton Cupak 16.3.2017

 

Hintergrund-Info für Nicht-Kaufmann-Fans:

Jonas Kaufmann: Vorsicht, bissiger Tenor !

Andrea Chenier: Sind die schönen Tage schon vorbei

Jetzt singt er wieder, Gott sei Dank

 

 

 

WELTUNTERGANG II.

Publikum soll sich in Parma unter die Sänger Mischung

Riccardo Muti ruft Protest gegen Regisseur Graham Vick auf

Vorige Woche wurde im Wiener Italienischen Kulturinstitut das diesjährige Programm des Festivals in Parma vorgestellt. Angeblich soll dort eine geballte Ladung „Merker“ gewesen sein, von Graham Vicks Regievorhaben hat mir jedoch niemand berichtet. Nun erfahre ich aus anderen Medien von den Plänen des britischen Regisseurs Graham Vick, beim nächsten Verdi-Festival eine Version der Oper „Stiffelio“ aufzuführen, in der sich Zuschauer unter die Sänger mischen können. Natürlich gefällt das den „Loggionisti“, den Stammbesuchern des Theaters Regio von Parma, nicht und sie wollen die Aufführung boykottieren, Wenn es nur beim Boykott bliebe, wäre das wohl kein Problem, ich fürchte aber, dass die Herrschaften ihren Protest auch deutlicher zum Ausdruck bringen werden. Und wer unterstützt sie: Riccardo Muti, der findet, „dass  gegen derartige Aufführungen Barrikaden gerechtfertigt seien! „Unglaublich, welcher Dirigent akzeptiert das?“ – so der Altmeister. Wer Dirigent in Parma sein wird, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass man Berufskollegen nicht in dieser Art angreift. Niemand zwingt Herrn Muti, bei einer solchen Aufführung mitzumachen, aber den Kollegen „runterzumachen“ geht schon gar nicht.

Ich kann mir vorstellen, dass die Aktion eine einzige Szene betrifft. Inwieweit dieser Gag nötig ist, mag ich nicht beurteilen. Ich würde da nicht mitmachen, denn ich lasse mich nicht gerne dirigieren – aber wem danach ist, der soll dürfen.

Wenn diese Meldung um die Opernwelt geht, hat das Festival Parma jene Werbung, die es durch Präsentationen mit Schinken & Co. in den Kulturinstituten nie erreichen kann. Eigentlich müssten die Veranstalter Maestro Muti dankbar sein!

Anton Cupak 8.2.2017

 

Geht die Welt bald unter – wegen Donald Trump?

Den Einreisewahnsinns-Check gab es schon immer

Die mediale Berichterstattung erweckt diesen Eindruck. Gewiss, sehr geschickt wurde dieses Einreiseverbot nicht medial dargestellt – aber vielleicht war das sogar Kalkül. An Donald Trump komme ich natürlich nicht heran, sonst würde ich ihn fragen.

Eines ist aber klar: In den USA herrschten schon lange vor Donald Trump ziemlich schikanöse Einreiseformalitäten. Ein Künstler, der ständig zwischen Europa und den USA hin und herpendelt, berichtet:

„Seit ich nun seit vielen Jahren regelmässig „rüber“ muss, weiß ich, dass diese Prozedur immer schon absolut lächerlich war und noch immer ist! Und das hat wirklich nichts mit dem neuen Präsidenten zu tun!!!!
Als „Alien with extrordinary abilities“ wie das O 1- Visum für Künstler unseres Genres zum Preis von aktuell 183,30 Euro offiziell heisst, muss man jedesmal aufs Neue die lähmende Prozedur des DS-160-Formulars inkl. Botschafts/Konsulatsbesuchs und Interview ebendort über sich ergehen lassen! Die diesbezüglichen Fragen, speziell im Themenbereich „Security“, wie z.B. ob man Mitglied einer terroristischen Organisation YES/NO ist, oder ob man zum Zwecke des Menschenhandels YES/NO, der Geldwäsche YES/NO, des Drogenhandels YES/NO in die USA einreisen will bzw. ob man schon jemals an irgendeiner Form des Genozides teilgenommen hat YES/NO sind ja wohl nicht weiter zu kommentieren! Abgesehen von Greencard-Holders müssen da wirklich ALLE durch!
Vom oftmals stundenlangen Anstehen bei der Immigration-Control am Flughafen in den USA mal ganz abgesehen! Wie gesagt, ALLE! Auch z.B. die Wiener Philharmoniker und berühmte Dirigenten! 
Und das eben nicht erst seit Trump!!!

Das Gute an Trump ist aber, dass zur Zeit im kollektiven Bewusstein der westlichen Mainstreammedien-Macher jetzt für alles Schlechte in der Welt inkl. Schlechtwetter am Sonn/Feiertag nicht nur mehr der böse Putin alleine schuld ist, um es mal etwas satirisch auszudrücken.

Anton Cupak (Wien) 2.2.2017

 

DIE HUSTENBURG

Elphilharmonie zum Zweiten

 

Auszug aus der Neuen Musikzeitung: "Eine Nacht auf dem kahlen Berge kann ziemlich kalt werden. Und der Hustenreiz wird unkontrollierbar. Maestro Riccardo Muti war ohnehin schon angesäuert wegen der vielen nach der Pause zu spät auf ihre Plätze huschenden Zuhörer und dann wurde ihm auch noch Mussorgskys Gruselklassiker bronchial verunstaltet..."

Was soll der Konzertbesucher nun tun. Nicht husten, klar! Geht das? Die Veranstalter in der Elbphilharmonie täten gut dran, ganze Wagenladungen von Hustenzuckerln zu ordern und an die Konzertbesucher zu verteilen – oder eben zu verkaufen. Immerhin ist Hamburg eine klassische Handelsstadt.

„Hustenburg“ – dieser Ausdruck stammt aus Deutschland. Gemeint ist die extrem „hustenfreundliche Akustik“ in der neuen Konzerthalle.

„Angesäuerte Künstler“? Wer leicht erkrankt und damit für Husten anfällig ist, möge nicht in ein Theater oder Konzert gehen. Rückgaberecht für Karten wegen Husten? Änderung der Verkaufsgewohnheiten hin zum Abendkassenverkauf, weil man nur dann ganz sicher weiß, dass man  „pumperlgesund“ ist?

„Angesäuert“ werden die Künstler auch sein, wenn sie in den kritischen Jahreszeiten in halbvollen Häusern spielen.

Meiner Ansicht nach bedarf es Rücksichtnahme von beiden Seiten. Total verkühlt geht man eben in kein Konzert. Daheim bei Anhören der Tonkonserve kann man husten, so oft und so laut man will. Bei „leichteren Fällen“: Hustenzuckerl mitnehmen – aber bitte bereits vor dem Konzert auspacken. Rascheln stört gleichermaßen wie Husten. Und die Künstler? Bei allem Verständnis, aber das ist Berufsrisiko. Künstler sind Dienstleister.

Anton Cupak (Wien)

 

Ceterum censeo der Redaktion

Vorbild Philharmonie Köln: Hier gibt es an den Garderoben seit ihrem Bestehen Hustenbonbons und sogar Stofftaschentücher (zum Hineinhusten!) von edlen Spendern des Kölner Fachhandels. Das direkte, unflätig pöbelhafte, laute waagerechte Hineinhusten in die Haare, Ohren und Atemorgane der Vorderleute hat deutlich abgenommen.                                                                     P.B.

 

 

 

Elbphilharmonie in Hamburg endlich eröffnet

Zementierter Größenwahn oder 8. Weltwunder ?

Auf dem Teppich bleiben....

Endlich, nach 9 Jahren Bauzeit - dem dreifachen des Geplanten (!) - und der gigantischen schier unfassbaren Kostenüberschreitung - dem zehnfachen des geplanten (!!!) - ist sie nun endlich fertig und wurde feierlich, mit einem bemerkenswerten Aufwand und Programm vor 2100 Ehrengästen eröffnet.

Keiner spricht mehr von "Alb-Philharmonie" - abgeleitet von "Albtraum". Glänzende Augen, Jubel allüberall, wo jahrelang doch Spott und Hohn die planlosen Planer überzogen hatte. Auch der gebeutelte Steuerzahler scheint beeindruckt. Ja, da ist das Steuergeld wirklich gut angelegt beinhaltet es doch auch Mega-Luxuswohnungen und eine 5 Sterne-Hotel. Alles vom Feinsten: Hamburgs neues Walhall steht!

Zumindest sieht es unser Karikaturist Peter Klier so (Bid unten)

Ob das Haus wirklich das sogenannte "8.Weltwunder" ist, wie man in Hamburg schon mehrfach großspurig verkündete, und ob man immer noch"über den großen Teich ganz neidisch" nach Hamburg herüber blickt, wie einst der Initiator Ole von Beust vollmundig erklärte, bevor er sich quasi abseilte, sei dahin gestellt.

Auch die, bei fast einer Milliarde Baukosten ja schon überfällig Erklärung der Hamburger Senatoren, Altvorderen bzw. der treuen Lokalpresse, daß es sich um den mit Abstand besten Konzertsaal der Welt (warum nicht gleich des ganzen Universums?) handele und danach erst einmal eine Weile nichts käme, zeigt den schöngeredeten Größenwahn bei der Verschleuderung von Steuergeldern.

Immerhin verlautet, daß die Philharmonie kein Edelveranstaltungsort der Oberen Zehntausend (wie z.B. die Salzburger Festspiele! - Anmerkung Red.) sein soll, sondern man böte auch zu Eintrittpreisen, die auf dem Niveau einer Kinokarte lägen, jüngeren Menschen demnächst Zugang zu Konzerten an. Ein Aspekt, der erfreut.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck war beim Festakt direkt vor dem Konzert anwesend "Das Wahrzeichen einer weltoffenen, vielfältigen Metropole – und ein Juwel der Kulturnation Deutschland". Ähem... Vereherter Noch-Bundespräsident, darf man den Begriff "Kulturnation Deutschland" überhaupt noch verwenden?

Und Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich nicht nehmen in der Konzertpause von einem "fantastischen Konzertsaal" zu reden - weiter "Eines Tages werden wir alle sehr stolz sein, dass auch zu unseren Zeiten mal etwas gebaut wurde, wo Menschen vielleicht in 50 und 100 Jahren noch sagen: Guck mal, das war damals im Jahr 2017 am 11. Januar."

Unter dem Vorbehalt, daß es bös meinende Terroristen nicht wegsprengen, oder die wertvolen Kacheln allzu frühzeitig abfallen, wäre dies wirklich zu wünschen. Hoch und lang lebe die Hamburger Philharmonie wünscht DER OPERNFREUND.

Peter Bilsing 12.1.2017

Bilder (c) Der Opernfreund / Musenblaetter.de, Jürgen Drese

 

OPERNFREUND-BÜCHER-TIPP dazu

 

 

 

„Dauerbrenner“ neuer Staatsoperndirektor

Geht ab 2020 die Welt unter an der Wiener Staatsoper?

Anton Cupak (Hrg. vom Merker-online)

Dem „Kurier gab Bogdan Roscic ein Interview. Ein Auszug daraus "…Der Kern der Aufgabe ist ein anderer." Welcher? "Das Entwickeln und Gestalten von Ideen. Von Erlebnissen, die Menschen begeistern und bewegen können. Es ist eine in ihrem Kern kreative Aufgabe. Fehler sind in dieser Position unverzeihlich“ 
So der designierte Operndirektor im Interview. Wie er den Geist Gustav Mahlers wiederbeleben will und wie schwer es hat, seine Kinder für klassische Musik zu begeistern.

Die Kür des neuen Staatsoperndirektors ist natürlich das „Thema der Stunde“ und wird es viele Stunden noch bleiben. Mittlerweile schließe ich nicht mehr aus, dass die Terminwahl auf Kalkül basiert, weil die Menschen vor Weihnachten gestresst, aber auch milde gestimmt sind. Ein Machtpolitiker weiß das und nützt es zu Gunsten seiner Sache. Die Katholische Kirche leistet sich den Luxus von zwei Päpsten, da will die Staatsoper natürlich nicht nachstehen. Das ist wohl zwangsläufig so, nur Regierungen sind imstande, nahtlos binnen eines Monats zu übernehmen. Wie eine solche teure „freundliche Übernahme nun erfolgt, wollte ich gestern von den Lesern wissen. Antworten sind eingelang:

 

Renate Wagner (Urwiener Theater/Opern/Literatur und Filmkritikerin)

Selbstverständlich wird Roscic – schon des Geldes wegen –den Sony / New York-Job so lange behalten wie möglich, ich nehme an, der zahlt ja in Goldstücken.

Gleichzeitig wird er die Staatsoper vorbereiten –mit Sicherheit auch das bezahlt.Irgendetwas wird dann immer zum voll bezahlten Nebenjob werden.

Erinnere Dich an den Fall Bachler, der die Unverschämtheit hatte (und natürlich, Rotes Wien bleibt Rotes Wien, damit durchgekommen ist), schon ein Jahr in München Direktor zu sein und voll bezahlt gleichzeitig noch dasselbe Jahr Direktor am Burgtheater, in das er keinen Fuß mehr gesetzt hat, Stantejsky (!!!) und Bergmann haben die Arbeit für ihn gemacht, später sagte er auch, er habe Bergmann einen Teil seiner Gage gegeben!!!! Als ob das so unter dem Handerl erlaubt wäre, kurzer Aufschrei und schon vergessen, unterdrückt, weggedrückt, wer brav bei den Roten ist, darf alles, die anderen sind zu blöd, ihre Empörung auch effektvoll zu artikulieren. Abgesehen davon, dass da ja Gesetzwidriges geschehen ist.

Und natürlich ist auch die Frage nach den „zwei Teams“ gerechtfertigt – Hier Meyer, hier Roscic, und keiner arbeitet für Gottes Lohn, also doppelte Kosten für dreieinhalb Jahre, wusch.

Dummerweise haben wir nicht wirklich den Durchblick und, trotz Deiner Informanten, kennen wir niemanden, der uns kompetent Auskunft gibt, wie das läuft und wer das zahlt (außer wir Steuerzahler).

Übrigens fällt mir auf, weil ich gerade auf arte die schöne Balanchine-Sendung sehe, dass niemand nach dem Ballett gefragt hat (weil es kein Schwein bei uns interessiert hat). Legris konnte mit seinen Produktionen ja nur unter dem Wohlwollen von Meyer existieren, wer kann interessant genug sein, die tote Ballettszene unter Roscic zu beleben?

 

Heinrich Schramm-Schiessl (Wiener Merker-Kritiker)

erklärt an Hand von Beispielen aus der Wirtschaft: Ich weiß zwar nicht, wie es in der Staatsoper im speziellen und im Theater im allgemeinen läuft, aber ich könnte mir vorstellen, dass es ähnlich wie in der Privatwirtschaft ist: Da der neuernannte Manager, hier Staatsoperndirektor, meist zunächst bei seinem bisherigen Dienstgeber bleibt und sein Gehalt weiter bezieht bzw. beim Abgang – auch wenn er selbst kündigt, da sichert sich jeder clevere Manager ab, eine nicht unerhebliche Abfertigung kassiert, wird für die Vorbereitungszeit meist eine Pauschale – keine Sorge, wird schon nicht zu knapp sein – vereinbart. Bei den neu hinzukommenden Mitarbeitern dürfte das individuell geregelt sein. Wenn Herr Rosacic übrigens klug beraten ist, dann sollte er sich mit der Stamm-Mannschaft des Hauses, die als kompetent und erfahren gilt, gut stellen. Zumindest in den Ministerien funktioniert das unabhängig vom Couleur der jeweiligen Minister ausgezeichnet. Wenn diese z.T. hochqualifizierten Beamten das Gefühl haben, dass ihnen der Neue vertraut, dann gehen sie für ihn durchs Feuer, egal wie sehr sie den Alten geschätzt haben. Nur wenn einer kommt, und ihnen die Welt erklären will, dann kann die Rache fürchterlich sein. In sio einem Fall ist „der Neue“ auf der sicheren Seite. Damit meine ich natürlich nicht die unmittelbare Entourage des derzeitigen Direktors, die dann mit ihm das Haus verlassen wird. Anderes wäre kontraproduktiv.

Was das Büro betrifft, so würde ich gar keines in der Staatsoper selbst wollen, sondern möglichst weit weg, weil sonst jeder laut ausgesprochene Gedanke sofort die Runde im Haus macht.

26.12.2016

 

 

Die Sensation ist perfekt

Wiener Staatsoper ab 2020: Bogdan Roscic wird ab 2020 Staatsoperndirektor.

„Ich glaube, wir müssen in die Zukunft blicken“, sagt Minister Dr. Drozda zu der „wichtigsten Entscheidung seiner bisherigen politischen Tätigkeit.

Es ist ein ein Überraschungscoup: Musikmanager Bogdan Roščić wird ab 1. September 2020 Nachfolger von Dominique Meyer. Diese Entscheidung präsentierten Drozda und Holding-Chef Kircher. Roščić , einst Pop-Kritik der „Presse“, später Mastermind des ORF-Senders Ö3 und seit 2003 in der CD- und DVD-Branche aktiv, wird die Nachfolge Dominique Meyers antreten. Roscic ist derzeit Leiter des Klassik-Labels von Sony.

Auszug aus „Die Presse“: Die Entwicklung, die die Pflege der Klassik derzeit weltweit nähme, sei gut an der New Yorker Met zu studieren, diese „größte Opernhaus der Welt, das ein dreimal so hohes Budget wie die Wiener Staatsoper“ hätte. Derzeit sei an diesem Haus „jeder zweite Sitz leer“. Die Auslastung beim „populären“ Doppelabend „Cavalleria/Bajazzo“ hätte nur ein Drittel betragen. „Es wird offiziell nachgedacht über eine Winterpause“.

Man könne lernen von dem, was „unter den gnadenlosen Bedingungen in den USA“ geschehe. Auch das Publikum der Wiener Staatsoper werde, so Roscic, im Schnitt immer älter. Es sei „jeden Abend das Publikum neu anzusprechen“.

Das Publikum von morgen brauche auch Antworten auf die Fragen: Was? und Warum? Solche Antworten können „nur gegeben werden durch Erlebnisse von einer anderen Tiefe als sie die Theaterroutine oft zu bieten hat.“.. (Quelle: „Die Presse“)

Ich hätte natürlich auch ganz gut mit Frau Sobotka leben können, auch der bisherige Direktor hat die Staatsoper nicht in den Graben gefahren. Mit Bogdan Roscic hat wohl niemand gerechnet, mit einer Wette auf ihn (noch vor zwei bis drei Tagen) hätte man reich werden können – bei entsprechendem Einsatz natürlich!

Ich habe mich nie nur für Oper interessiert, in seiner Eigenschaft als Mastermind von Ö3 war Bogdan Roscic vor vielen Jahren mein Gesprächspartner, als es um behauptete Ungereimtheiten bei einer TV-Castingshow ging. Ich kann Ihnen versichern, dass Bogdan Roscic ein blitzgescheiter Mann ist, der mehr von Musik insgesamt versteht als viele der „gängigen“ Operndirektoren (und zudem nicht „betriebsblind“ ist). Zusätzlich – und das scheint mir heute besonders wichtig, ist Bogdan Roscic ein Top-Manager. Für mich ist ganz wichtig, dass der designierte Staatsoperndirektor nicht lange um den Brei herumredet, absolute Handschlagqualität hat und seinem Gegenüber beim Gespräch in die Augen schaut. 

Ob ich mich noch über die Arbeit des Bogdan Roscic freuen kann, steht in den Sternen. Ich bin kein Jüngling mehr – und vier Jahre sind eine verdammt lange Zeit! Ich bin aber überzeugt, dass Dominique Meyer ein voll intaktes Opernhaus übergibt!

Anton Cupak aus Wien 21.12.2016

 

 

Wiener Staatsoper: 103 % Besucher !

Gestern verschlug es mich zum „Liebestrank“, nicht eben meine Lieblingsoper – aber auszuhalten. Ich war nur Besucher, hatte demnach keine (bezahlte) Merker-Pressekarte sondern investierte drei Euro in einen Stehplatz. Samstag, Wien voll mit Touristen, ich besorgte mir die Karte mit meiner Stehplatz-Berechtigungkarte (zu erwerben um 50 Euro Saisongebühr), aber nur dann, wenn der derzeitige Inhaber die  Karte zurückgelegt  – es gibt meines Wissens nach eine Warteliste. Es war mir natürlich klar, dass ich 5 Minuten vor Vorstellungsbeginn keinen guten Stehplatz mehr finde (es herrscht das durchaus gerechte System „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“) – also stellte ich mich auf den allerschlechtestens Balkon-Stehplatz ein. Zuerst wollte ich mich auf der rechten Seite platzieren – keine Chance, mindestens 15 Besucher hatten keinen Platz gefunden und turnten auf den Stufen umher. „Die Touristen, die folgen einen Leithammel und wissen offenbar nicht, dass es auch eine linke Seite gibt“, so dachte ich und begab mich nach links.

Dort war es aber womöglich noch ärger, ich fand nicht einmal einen „Lehnplatz“ an der Wand, von dem man natürlich keinen Zentimeter Bühne sieht. Ich habe aber gehört, dass sich die Situation bald ändert, zumal die Besichtigungstour für viele dieser „Opernfreunde“ eigentlich absolviert ist und abgehakt werden kann. Was machen Leute, die zu spät kommen? Richtig, die sitzen auf der Galerie vor einem Bildschirm auf bequemen Sesseln. Also verließ ich den Balkon-Stehplatz und traf im Gang auf den Besucherdienst. Zuvor muss ich aber schon anmerken, dass der Besucherdienst ziemlich konsequent die Stufen geräumt hat. Das hält bekanntlich nicht lange, aber der Versuch war da.

Die „Amtssprache“ des (Balkon)-Besucherdienstes ist offenbar Englisch, das heißt, man wird, wenn nötig, gleich in englischer Sprache angesprochen (in einem österreichischen Opernhaus). Ich wollte also vom Besucherdienst wissen, wie es möglich ist, dass nur so viele Karten in den Verkauf kommen, wie es Stehmöglichkeiten „an der Stange“ und somit mit (halbwegs) Sichtmöglichkeit gibt, aber zumindest 30 Personen „überzählig“ waren. Der gute Mann stammelte verlegen, aber sehr höflich herum.

Nun, den Trick kenne ich aus meinen Jugendjahren auf den Stehplatz. Stehplatzler verbringen oft bereits mehrere Stunden im Haus  und dürfen daher das Haus zwecks Labung an preisgünstigeren Orten als es das Gerstner-Büffet ist, verlassen. Der Wiedereintritt erfolgt daher mit einer bereits „abgerissenen“ Eintrittskarte. Findige Köpfe haben herausgefunden, dass bereits im Haus befindliche Stehplatzler ihre Karten von einem „Mittelsmann“ an Wartende im Foyer weitergeben – und da kommt es dann zum Überbelag. Bei ausverkaufen Vorstellungen entsteht der Staatsoper kein finanzieller Schaden, aber für mich, der ich meine Karte regulär erworben habe, ist das weniger lustig!

Ich begab mich also auf die Galerie zum Bildschirm und wollte mir den ersten Akt von einen bequemen Sessel aus ansehen.  Die Tonqualität dort ist indiskutabel und zudem von einer Lautstärke, wie sie mir im trauten Heim abgefordert wird, wenn mein Enkel schläft! Ich beobachtete ein ständiges Kommen – aber auch Gehen. Bereits beim Auftritt des Belcore (da ist die Oper gerade mal 15 Minuten alt) verließ eine Familie mit zwei Kleinkindern (geschätzte 5 – 6 Jahre) ziemlich fluchtartig die Vorstellung, während meiner 30 minütigen Anwesenheit folgten sieben  weitere Besucher nach. Dann war ich denn doch süchtig nach einem „normalen Ton“ und wollte meinen Stehplatz wieder einnehmen.

Ich kam nicht weit, der Besucherdienst verweigerte mir den Eintritt selbst zum Stehplatz. Da dies in höflicher Form geschah, wurde es von mir auch akzeptiert. Die angebotene Sitzgelegenheit in der Garderobe lehnte ich ab und blieb im Gang stehen. Ich wurde vom Besucherdienst bis zur Pause regelrecht bewacht, der Mann wich nicht von meiner Seite.

In der Pause bemerkte ich dann einen Stau bei den Garderoben, weil sich so viele Leute bereits nach dem ersten Akt in das Wiener Nachtleben stürzen wollten. Den zweiten Akt sah ich dann von einem „verlassenen“ Stehplatz mit Sicht immerhin über die halbe Bühne!

Wie kann man das Problem der Übervölkerung auf den Stehplätzen lösen? Bei einem derartigen Besucherüberhang sollten die Damen und Herren Billeteure eben stichprobenartig Kartenkontrollen auch auf dem Stehplatz vornehmen!

Soweit meine Erlebnisse von der gestrigen vorstellung. Von Zeit zu Zeit ist es ganz günstig, wenn man sich die Dinge in der Realität anschaut!

Versöhnliches zum Abschluss: Welch anderes Operhaus der Welt hat derartige Probleme, muss mit einem derartigen Ansturm bei einem Repertoire-Liebestrank fertig werden!

Anton Cupak 11.12.16

 

OTELLO Düsseldorf

Epileptiker müssen draußen bleiben !

Am Eingang der Deutschen Oper am Rhein steht ein Schild, welches darauf hinweist, dass bei der einleitenden Sturmszene von Verdis „Otello“ Stroboskop-Licht eingesetzt wird. Menschen mit Neigung zur Epilepsie seien also gewarnt. Was machen nun aber diese armen Leute? Wird man sie später einlassen oder gar erst in der Pause zum zweiten Akt? Die gesundheitlich ungefährdeten Opernbesucher freuen sich hingegen vermutlich: das wird Oper doch wohl mal richtig spannend. Nix davon in MICHAEL THALHEIMERS Inszenierung, welche im Februar dieses Jahres bereits an der Opera Vlaandern Gent heraus kam…

Und das alles an einem Haus, wo noch vor kurzem ein umstrittender TANNHÄUSER mit drastischen KZ-Bildern schon direkt nach der Premiere vom Intendanten C. Meyer abgesetzt wurde, nicht wegen der harrschen Kritik der altvorderen Wagnerianer, sondern weil es (vorgeblich) einigen Premieren-Besuchern schlecht geworden war in der Opernaufführung.

Ich wäre nicht ich, wenn mich der Hinweis für Epileptiker besonders interessieren würde. Speziell was man damit erreichen wollte. Sollen die Menschen nun draußen bleiben? Sollen sie ganz auf den ersten Akt verzichten? Hätte man da nicht eine andere Lösung als das Stroboskop-Licht gefunden?

Anton Cupak 9.10.16

 

UNLAUTERE WERBUNG

"Opernhaus des Jahres" - was für eine Farce!

Nichts mehr als ein PR-GAG 

Alle Jahre wieder legt eine kleine Fachzeitschrift denselben PR-Gag auf. Das funktioniert so lange schon, weil die Opernhäuser der Republik die Aussagen einer vollkommen invaliden Umfrage zu unlauterer Werbung nutzen. Warum eigentlich?

Nötig hat es die Staatsoper Stuttgart nicht, sich mit falschen Titeln zu schmücken >>>>>>

Tagtäglich wird auf sie eingedroschen. Sie haben keine Ahnung, wohl eine ganz andere Aufführung besucht, vernichten hoffnungsvolle Karrieren und wollen sich auf Kosten der Opernhäuser profilieren: die Kritiker. Nur einmal im Jahr sind sie die Lieblinge der Nation. Nämlich dann, wenn eine kleine, deutsche Fachzeitschrift ihren alljährlichen PR-Gag veröffentlicht.

Die Opernwelt existiert seit 1960 und hat ihre besten Zeiten längst gesehen. Heute vegetiert sie nach eigenen Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren monatlich dahin – nicht IVW-geprüft, Tendenz fallend. Zum Vergleich: Die drei großen Opernmagazine im Internet vereinen monatlich sechsstellige Besucherzahlen – auch nicht IVW-geprüft, aber mit steigender Tendenz.

Ohne irgendwelche Kollegenschelte betreiben zu wollen: Die Themen der Opernwelt sind längst überholt, wenn das gedruckte Magazin einmal im Monat erscheint. Das liegt in der Natur der Druck-Sache. Aber einmal im Jahr ist ihr Name in vieler Munde. Nämlich dann, wenn sie unter anderem das „Opernhaus des Jahres“ kürt. Dazu veranstaltet die Zeitschrift mit dem eindrucksvollen Einzelheft-Preis von 14 Euro eine „Kritikerumfrage“ – und neuerdings auch eine „Leserumfrage“. Nach Angaben der Zeitschrift werden 50 Kritiker befragt, um dann nach dem Mehrheitsprinzip zu entscheiden. Das klingt doch eindrucksvoll. Da reisen also 50 Kritiker tagtäglich durch die Republik, damit ein jeder die rund 650 Premieren während einer Spielzeit begutachtet und dann – nach bestem Gewissen – sein Urteil fällt.

Schade, dass das schon rein rechnerisch nicht geht, vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Wenn ich im Jahr über rund 100 Aufführungen berichte, bin ich sehr stolz auf mich – und fühle mich reichlich ausgelaugt. Ich habe dann so viele großartige – und schlechte – Veranstaltungen besucht, dass ich beim besten Willen nicht sagen könnte und auch gar nicht sagen will, wer da der beste gewesen ist. Von Ausnahmen abgesehen. Die Oper Stuttgart war es jedenfalls nicht. Denn für einen Besuch dort hat die Zeit nicht gereicht. Da ging es mir wie vielen der Kritiker, die für den Spaß, den sich die Opernwelt erlaubt, ihren Namen hergeben.

Die Umfrage ist also weder repräsentativ noch valide.

Sie hat in ihrer Methodik eher Lotto-Charakter. Dass sich eine Zeitschrift mit einem solchen PR-Gag über Wasser hält, ist vollkommen in Ordnung. Er funktioniert ja schließlich. Für die befragten Kritiker ist es immerhin ein lohnendes Geschäft. Nach ihren Kreuzchen auf einer Liste erhalten sie als Aufwandentschädigung eine Kiste Wein. Da mag man sich entspannt zurücklehnen.

Die eigentliche Schande ist das, was nach der Veröffentlichung dieser „Umfrage“ passiert. Eigentlich sollte man Intendanten so viel Intelligenz unterstellen, dass sie die Absicht hinter dieser „Umfrage“ erkennen und sich mindestens stillschweigend davon distanzieren. Stattdessen prasseln in diesen Tagen die Pressemitteilungen in die Redaktionsstuben, die die „Ehrung“ verkünden.

Das ist peinlich oder unlauterer Wettbewerb.

Wenn Intendanz und nachgeordnete PR-Abteilung wider besseres Wissen eine vollkommen ungedeckte Aussage nutzen, um ihr Haus in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, ist das in meinen Augen irreführende Werbung. Dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten das auch noch unterstützen, indem sie diese PR-Meldung ungeprüft verbreiten, ist ein zusätzliches Ärgernis. Da gibt es tatsächlich Meldungen wie „Stuttgart ist Opernhaus des Jahres“.

Eine Ente.

Aber dafür gab es ja vermutlich auch schöne Werbeeinnahmen für die Trailer auf Arte anlässlich der Bayreuther Festspiele. Manus manum lavat. Es mag durchaus sein, dass Opernhäuser so weit im eigenen Saft schwimmen, dass sie an der eigenen Eitelkeit ersticken. Ihre Besucher freilich nicht. Und die lesen längst im Internet, welche Theater und Opernhäuser großartige Leistungen erbringen. Die brauchen solche fragwürdigen Methoden nicht. Und sind mitunter äußerst verärgert, weil es für sie ohnehin nur ein „Opernhaus des Jahres“ gibt – das eigene Stadttheater nämlich, in dem das Ensemble sich Haare und Beine ausreißt, um sein Publikum zu begeistern. Häuser übrigens, die in der Umfrage so gut wie gar nicht vorkommen. Und die auch keiner der 50 Kritiker überhaupt besucht hat.

In der eingangs erwähnten „Leserumfrage“ wird es dann übrigens völlig absurd. Da gibt es jetzt ein zweites „Opernhaus des Jahres“. Das immerhin hat so viel Klasse, dass es die überflüssige Auszeichnung nicht einmal erwähnt. Anders als bei der ach so objektiven Wikipedia, die den Opernhäusern kommentarlos die „Titel“ zuordnet. Hier ist nicht einmal mehr erkennbar, dass es sich um den PR-Gag eines Nischenmagazins handelt.

Für eine Kiste Wein

Vermutlich hält Selbstgerechtigkeit vom Denken ab. Wie bei den 50 Kritikern, die Opernwelt zitiert. Wie kritisch sind eigentlich Leute, die ihre Kreuzchen für Aufführungen setzen, an denen sie gar nicht teilgenommen haben? Für eine Kiste Wein? Und wie peinlich sind solche Menschen für den eigenen Berufsstand, dass sie sich für einen solchen Jux hergeben?

Ich jedenfalls distanziere mich von solchen Kolleginnen und Kollegen, die den journalistischen Auftrag zugunsten der eigenen Geltungssucht vernachlässigen. Und da passt es dann auch nicht mehr mit den Lieblingen der Nation. Aber was ist das schon gegen die Lächerlichkeit, sich mit falschen Titeln zu schmücken?

Michael S. Zerban 4.10.16

Mit freundlicher Genehmigung von OPERNNETZ

P.S.

DER OPERNFREUND schließt sich natürlich dieser Distanzierung an!

 

 

OH JEH, OH JEE - WIE STÖRT MICH DAS...

Warum inszenieren Regisseure überhaupt Opern, die sie eigentlich doof finden?

Eine persönliche Frage angesichts des Saisonbeginns, wo ich mich  gleich zwei höchst ärgerlichen Opernabenden gegenüber sah, deren Gestalter schöne Opern, welche sie für viel Geld inszenieren dürfen, eigentlich erklärtermaßen doof finden oder die zumindest so wirkend lassen, als wenn ihre "Regisseure" sie tief im Inneren hassen und nur verunglimpfen möchten bzw. positive Bilderinnerungen und die fantasie des Standartpublikums bewusst zerstören wollen. Einige weitere Fragen:

- Darf Oper nicht mehr schön sein?

- Darf man Opern in angenehmen Bühnenbildern nicht mehr genießen?

- Hört noch jemand vom Regie-Team die Sprache der Musik und der Noten?

- Ist das Libretto zu schäbig, zu unvollkommen, daß es nicht mehr gilt?

- Warum muß das Vorspiel bebildert werden?

- Warum muß man neue Personen hinzu erfinden?

War es noch vor einem Vierteljahrhundert der omnipräsente Fernseher (z.B. John Dew), kamen später die Lammellevorhänge oder Wandbeschriftungen (z.B. Günter Krämer) - in dieser Zeit kam es auch in Mode, daß ganze Regimenter von Choristen über die Zuschauereingänge hereinstürmten, sich durch die Reihen quetschten oder Protagonisten aus dem Zuschauerraum sangen bzw. einzelner Besucher mit einbezogen in ihre Action (oft war das allerdings auch abgesprochen).

Heute gibt es ein Requisit, welches als Paradebeispiel für Mumpitz zu nennen wäre:

Ein Wohnwagen

Je schäbiger, desto besser! Ob darin nun Rusalka haust, oder Mime, oder ob man sie als bessere Pommesbude und Kapitalismus-Symbol (??) missbraucht wie in der Bonner "La Boheme", irgendwie sind Wohnwagen wieder "in" auf der Opernbühne. Wohnwagen sind hip; sind geradezu unvermeidlich.

Weitere Standard-Ingredienzienen, die ich oft besonders bei Schauspiel-Regisseuren beobachte wären: Müllplätze, Toilettenräume, düsteres Hinterhöfe, Irrenanstalten, Bordelle, Krankenbetten, Rollstühle, Bierflaschen, sinnlose Bumserei, Bierkisten als Sitzmöbel, Sauforgien oder die rudimentär bis auf die Brandmauern leer geräumte Bühne. Hab ich etwas vergessen?

Ach ja - Schauspielregisseure zeigen dem Publikum auch gerne, daß die Bühne eben kein Zauberkasten der Illusionen ist. Bühne ist Realität pur!

Da schieben dann Komparsen einen billigen Drachen auf Rädern und Stangen herein, arbeiten Bühnenwerker nicht im Dunkeln, sondern marschieren, montieren und agieren offen auf der Bühne, treten Protagonisten nicht ab, sondern müssen sich in Ecken stellen, oder wir sehen, wie man rote Taschenlampen und einen Rauchtopf in die Mülltonne stellt, die später (wieder Bonner "Boheme") zur als notdürftige Heizung mittels Verbrennung von Bücherseiten dient, was dann natürlich völlig blödsinnig aussieht. Na ja feuer auf der Bühne ist ja ohnehin verboten...

Neuester Trend: die frei hinzu erfundene - im Libretto gar nicht vorhandene - zusätzliche Personnage, die permanent auf der Bühne (meist störend) herumhampelt. Mit-dirigierend Komponisten, sich erinnernde Greise oder gar Puppen und Untote. Ich wette, jeder von meinen geneigten Lesern und Opernfreunden, könnte gleich eine handvoll Produktionen nennen, oder mein Sammelsurium ergänzen...

Bei all dem hat das Publikum eigentlich die doppelte A....-Karte (wie man heute sagt) gezogen, denn erstens bezahlen sie den ganzen Krempel und zweitens müssen sie sich den Mist auch noch anschauen. Ein Abonnement zahlt man ja im voraus.

Leiden ist angesagt!

Doch jeder leidet anders...

Nicht alle leiden gleich.

Der humorlose bärbeissige Kritiker PB leidet zum Beispiel ganz außerordentlich, wenn man Offenbachs feinsinnige Operetten im dümmlichen RTL-Klamauk inszeniert oder die Strauss´sche "Fledermaus" als moderne Dick-und-Doof-Klamotte noch dazu mit frei erfunden neuen Blödmannstexten präsentiert und damit ruiniert. Noch ärger ist es, wenn man auf harten Bürostühlen (Wuppertal) mitten der Bühne sitzen muß, weil der Zuschauerraum aus dramaturgischen Gründen z.B. leer bleiben soll. Der Steuerzahler lässt schön grüßen! Nun denn...

Das musste jetzt mal raus! Schon wegen meines Seelenheils.

Einen weiteren fröhlichen Saisonanfang 2016/17

wünscht Ihr  Peter Bilsing (Hrg.)

 

P.S.1. unseres Stellvertretenden Chefredakteurs

Vor ganz ganz langer Zeit - alte Opernfreunde erinnern sich - war es üblich, Ouvertüre oder Vorspiel vor geschlossenem Vorhang vom Orchester spielen zu lassen, wie es ja alle Komponisten auch wünschen. Irgendwann reichte den Regisseuren, meist vom Schauspiel her zur Opernregie gewechselt, das nicht mehr, um ihre Auffassung der Handlung vorzubereiten. Also wurden Vorspiel oder Ouvertüre "bespielt". Kollege Bilsing spricht von "bebildert". Das reicht in letzter Zeit vielen immer noch nicht, man fängt jetzt schon vor jeglicher Musik mit Aktionen an, so etwa in Bonn bei "Bohème" in Münster bei "Faust" oder "Tristan" und "Giovanni" in Dortmund. Demnächst fängt man dann schon an zu spielen, bevor das Publikum überhaupt da ist,

fürchtet Sigi Brockmann. 29.9.16

 

P.S.2 Brandaktuell: Halle/Saale DER FLIEGENDE HOLLÄNDER - Auftaktpremiere

Das passt ja wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge ;-))) Regie: Florian Lutz - von unseren Kollegen der OPERNWELT zum "Newcomer des letzten Jahres" gewählt.

HETEROTOPIA: Das Publikum wird über verschiedene Decks eingelassen. Stewards und Stewardessen führen die Besucher zur Bühne, verteilen dort Schlafbrillen, die man aufsetzten muss, um dann, gruppenweise geklammert an ein Tau, auf die dunkle Szene geführt zu werden. Im Stehen ist dort die Ouvertüre anzuhören – „machen Sie sich Ihre eigenen Bilder dazu!“, mahnen die Crewmitglieder – dann geht das Licht an und die Opernbesucher dürfen endlich ihre Plätze einnehmen. Mehr demnächst...

 

 

 

Wenn die "Bleistiftin" in die "Papierkörbin" wandert und die "Computerin" dazu lacht ;-)

Unfassbar – denn heute ist nicht der 1. April: Die Bleistiftin, die Papierkörbin, die Computerin etc. Deutschlands Linke fordert geschlechtergerechte Sprache für Büromittel !

FLENSBURG. Der Papierkorb, der Bleistift, der Computer: Viele Arbeitsmittel sind männlich. Durch die tägliche Konfrontation mit ihnen, drohen deren Benutzer in patriarchale Denkmuster und Verhaltensweisen zurückzufallen beziehungsweise diesen nicht zu entkommen. Das zumindest fürchtet die Linkspartei in Flensburg. Ihre Ratsfraktion hat daher nun in einem Antrag gefordert, alle Arbeitsmittel aus allen Arbeitsbereichen der öffentlichen Verwaltung geschlechterneutral auszudrücken. Dies gelte „insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel“, heißt es in einer Beschlußvorlage für die Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 28. September. Beraten soll die Ratsversammlung über den Antrag dann Mitte Oktober.

Wer es nicht glaubt, findet hier den Antrag

Ich muss doch noch einmal in den Kalender blicken, gar so lange ist der 1. April noch nicht vorbei. Vielleicht haben die Abgeordneten am 1. April den Antrag beschlossen und der Amtsschimmel wiehert auch in Flensburg so lange!

Wenn ich mir aber den Antrag ansehe, fällt mir eine Inkonsequenz auf: Die Fraktionsvorsitzende heißt Gabriele Ritter und hat unter diesem Namen den Antrag eingebracht. Konsequenter Weise müsste sie mit Gabriele Ritterin unterschreiben, sonst führt sie den eigenen Antrag ad absurdum!

Oder ist das doch ein Gag auf Steuerzahlers Kosten?

„Heute“ entnehme ich: Auf Nachfrage wird klar: Die Linken um Fraktionschefin Gabi Ritter hatten mit der Aktion auf die Anfrage der Fraktion „Wir in Flensburg“ reagiert, die den Antrag stellte, „Ratsfrau“ durch „Ratsdame“ zu ersetzen.Später klärten die Linken auf ihrer Website auf: „Die Linke wird den Antrag der WiF ablehnen und empfiehlt dies auch für den eigenen Ergänzungsantrag, der bestenfalls für Lachanfälle im Rathaus sorgen sollte…“

Die Welt steht wohl nicht mehr lange!

Genießen wir daher jeden Tag, so auch den heutigen!

herzlichst Ihr Anton Cupak (Wien)

27.9.16

 

 

 

 

 

(c) P. Klier

WUPPERTALER BÜHNEN

Eine neue Ära - quo vadis tatsächlich?

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren...

Berthold Schneider ist neuer Opernintendant. Ein Aufbruch in eine neue Ära ist der Saisonstart der Oper auf jeden Fall! Aber ob die neue Welle des relativ kompromisslosen "Regie-Theaters" bei den eigentlich konservativen Wuppertaler Opernfreunden wirklich ankommt und auch das Abo der Theatergemeinden so begeistert ist, wie das gestrige Premierenpublikum, welches üblicherweise in nicht geringen Teilen aus Wohlwollenden ("Claqueure" wäre ein zu harter Begriff) - Fans und Freunden der vier "internationalen Regisseure" und Hauspersonal bestand (zumindest so meine Bobachtung und Wahrnehmung), wage ich zu bezweifeln...

Musikalisch haben sich Welten verbessert, denn Kamioka - so gut wie er als Dirigent der Sinfoniekonzerte war - hatte in der Oper über die Jahre kein richtig überzeugendes Dirigat abgeliefert. Ganz anders David Parry bei der Hoffmann-Premiere; da spielten die Damen und Herren des Sinfonieorchester Wuppertaler fast begnadet gut auf. Ähnlich hohe Qualität hatten wir jahrlang nicht mehr gehört. Und auch gesanglich war die Aufführung ohne Fehl und Tadel auf sehr hohem Niveau.

Nun zur Produktion, die ihre Nagelprobe demnächst im realen Abonnement des Alltags und der anreisenden Theatergemeinden und Besucherzirkel beweisen wird. Da sehe ich noch lange keine solche Riesenbegeisterung, es wird eher Irritation und Ärger geben...

Ich weiß nicht ob der Alltagsopernfreund das alles so leicht verkraftet, denn das Ganze hat nicht viel mit den traditionellen "Hoffmanns Erzählungen" zu tun, die man so kennt. Mit "man" meine ich Sie, verehrte Lesergemeinde der Opernfreunde, denn ich weiß ja schon seit letztem Sommer (Bregenzer Festspiele 2015: Herheims "Hoffmanns Erzählungen" im Festspielhaus), daß der Dichter eigentlich schwul, besser formuliert: eine Tunte ist, die sich überwiegend in Strapsen und Rokoko Unterwäsche feiern lässt.

Mich kann also nichts mehr erschüttern. Aber vielleicht gefällt

- Stella als eine Art Neuenfels-Parodie (stets betrunken und Unsinn lallend den Abend begleitet)

- unsäglich lange, gesprochenen Zusatztexte, die das Ganze auf fast 4 Stunden aufblähen

- ein blutiger Olympia-Akt *

* nicht nur durch das Absägen der Hand einer attraktiven Nackten, die vorher auf einem Teppich so voyeuristisch wie sinnlos über die Bühne gezogen wird, sondern auch dank einer Olympia, die mich hier irgendwie an James Bonds Beißer-Bösewicht (Moonraker, 1979) erinnert, wenn sie erst ein Vögelchen mit ihren Metallzähnchen zerfetzt und schließlich Hoffmanns kleinen Hoffmann bei einer von allen bewunderten Fellatio blutig abschnibbelt - aber vielleicht ist dies ja ein Akt zeitgemäßen Beschneidungsrituals, den ich nur nicht verstanden habe...

Doch weiter: Überspringen wir den Antonia Akt mit der sich ständig in-die-Ecke-stellenden Antonia bzw. Hoffmann und (schon wieder Blut!) die projizierten Blutspitzer an der kleinen Berliner Mauer. Daß Antonia am Ende wie eine abwärts fahrende Mülltonne im Boden versinken muss, sieht allerdings - ganz entgegen der traurigen Handlung - irgendwie komisch aus...

Springen wir also in den von allen doch so geliebten und schön musikalisch komponierten Giulietta-Venedig-Baccarolen Akt:

Natürlich erwartet keiner mehr auf der heutigen Opern-Bühne Gondeln, oder doch?

Unter uns: diese falsche Romantik war immer schon unlogisch und verlogen, denn die Geschichte spielt ja ganz einfach gesprochen im Bordell. Ja, dieser Jaques Offenbach war schon ein echter Witzbold und Zyniker. Romantik im Puff. Sauerei!

Dann ist es doch eigentlich gar nicht mehr so schlimm, wenn man es in der Wuppertaler Version folgerichtig (?) in der Irrenanstalt spielen lässt, oder stört Sie das nun doch? Es ist wohl ein Sanatorium der besonderen Art, denn hier agieren sexy Krankenschwestern in High Heels und weiß rotem Gummikostüm, die schonmal ihre Patienten mit Infusionsschläuchen fesseln, würgen od. ähnliche Dinge tun. Krankenschwesternsex will ich nicht unterstellen, denn am Ende wird Hoffmann, in einer antiken Badewanne stehend, kalt abgeduscht (keine Sorge, er ist nicht nackt!) und singt dazu; was das "Premierenpublikum" schwer begeisterte - irgendwie erinnert mich das an den schönen Woody Allen Film "To Rome with Love" (2012): da gab es einen tollen Sänger, der aber nur unter der Dusche singen konnte...

Nun denn, genug! Jetzt wissen Sie, was auf Sie zu kommt.

Trauen Sie keinem Kritiker - mir natürlich auch nicht ;-)

und so komplettiere ich meinen Satz vom Anfang, sie erinnern sich, wo es heißt:

Liebe Wuppertaler Opernfreunde, Sie brauchen nicht mehr nach Bayreuth zu fahren...

... um sich zu ärgern!

 

Herzlich grüsst

ihr

Peter Bilsing (Hrg.)

der weiterhin von Opernhaus zu Opernhaus düst

um Sie zu informieren, was tatsächlich Sache ist...

 

P.S. Zur Kritik vom Kollegen Zimmermann

 

 

In Roms Oper hat das große Zittern begonnen...

...Virginia Raggi, die neue Bürgermeisterin, scheint keine Opernfreundin zu sein. 

„Alle Römer haben ein Anrecht auf Kultur.“, betont Bürgermeisterin Virginia Raggi. dpa / Alessandro Di Meo) Mehr alternative Kultur für mehr Bürger und dafür weniger Hochkultur nur für Wenige, das hat sich Roms neue Bürgermeisterin Virginia Raggi vorgenommen. Statt Geld ins Opernhaus zu schießen, möchte sie lieber Sportstätten am Stadtrand restaurieren…

… Der Stadtrand: das ist kulturpolitisch das große Thema der neuen Bürgermeisterin. Und deshalb hat sie den einstmals linksdemokratischen Kulturpolitiker Luca Bergamo zum neuen Kulturstadtrat ernannt. Bergamo hat sich in der römischen Kommunalpolitik einen Namen als Organisator und Unterstützer vor allem alternativer Kulturprojekte machen können.

„Uns geht es nicht nur um Kultur im Stadtzentrum, in der Altstadt, sondern um die seit Jahren kulturpolitisch total vernachlässigten Peripherien. Die brauchen mehr finanziellen und logistischen Einsatz unsererseits. Alle Römer haben ein Anrecht auf Kultur.“

Fast alle Bürgermeister, ob rechts oder links, finanzierten vor allem prestigeträchtige Kulturprojekte im Stadtzentrum: vom Opernhaus, das von der Stadt Rom mit etwas mehr als 15 Millionen Euro mitfinanziert wird, über kommunale Museen, Konzerthallen und Popkonzerte. Für Theater, Kinos, Open-Air-Einrichtungen und andere Kulturinitiativen, die entweder alternativ und oder am Stadtrand beheimatet sind, blieb fast nichts mehr übrig… (Quelle: „DeutschlandRadioKultur)

Soweit die für Roms Opernfreunde nicht eben erfreuliche Nachricht. Ich kenne die Situation in Rom nicht, deshalb wäre jeder Kommentar dazu unseriös. Aber irgendwie ist die Politikerin auch zu verstehen.

Streikdrohungen werden in Roms Oper in nächster Zeit wohl ausbleiben, jeder Mitarbeiter zittert um seinen Posten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bürgermeisterin, unter Druck gesetzt, sagt „Na dann eben nicht!“

Anton Cupak 24.8.16

Foto (c) Di Meo

 

Zurück vom Ring

Der Ring bei SKY

Das Pay-TV-Unternehmen Sky bringt einen neuen Kulturkanal, Sky Arts HD, ans Netz und hat sich als erstes Großprojekt eine Weltpremiere ausgesucht: Die Live-Übertragung von Wagners Ring des Nibelungen von den Festspielen in Bayreuth. Was oft für die Inszenierungen bei den Festspielen gilt, trifft nun auch auf das ambitionierte Sendekonzept zu: Es muss dringend in die Werkstatt.

Der Splitscreen ist bekannt aus Sportübertragungen, in der Oper überzeugt er nicht.

Größenwahn, Wagner und Bayreuth – diese Wortkette kann nun um einen Begriff erweitert werden: Sky. Das Pay-TV Unternehmen ist bislang vor allem durch die Übertragungsrechte für Sportveranstaltungen aller Couleur bekannt gewesen. Auch Serienjunkies und Filmfreunde finden hier reiche Auswahl. So traut man seinen Augen kaum, als auf dem neuen Kultursender, der am 21. Juli ans Netz geht, eine Weltpremiere angekündigt wird: Die Live-Übertragung von Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Frank Castorf. Mutig ist noch eine vorsichtige Umschreibung für dieses Unterfangen eines Senders, der sich in dieser Sparte noch nicht bewähren konnte. Denn selbst lang erfahrene Programme wie 3Sat oder Arte haben das Potenzial von Opernübertragungen noch nicht umfassend ausgeschöpft.

Das Münchener Unternehmen Sky vertraut bei diesem Projekt auf seine altbewährten Pfade, Serien und Sport. Doch schon der Programmhinweis bringt den Kulturfreund zum Stirnrunzeln: Denn beispielsweise wird der Vorabend zum Ring so angekündigt: „Das Rheingold – Staffel 1, Folge 1.“ Offensichtlich sucht Sky die neuen Kulturzuschauer unter den Fans von Serien wie Game of Thrones, die mit diesen Jargons vertraut sind. Eine gewisse Ähnlichkeit der Genres ist natürlich nicht zu leugnen, aber ob man allem ein neues Etikett geben muss, ist fraglich. Bei Staffel 1, Folge 2, auch die Walküre genannt, fällt dann der kleine Etikettenschwindel auf: Denn so ganz live ist die ganze Übertragung nicht. Während im Orchestergraben Marek Janowski ziemlich pünktlich gegen 16 Uhr den Taktstock hebt, wie man auf diversen Radiosendern hören kann, beginnt Sky erst um 16:30 Uhr mit dem Vor- und Rahmenprogramm. Live-zeitversetzt nennt man dieses Format, und dann darf das auch so angekündigt werden.

Schnell glaubt man den Vorteil dieser Versetzung auszumachen. Denn dadurch könnte man die langen Pausen im Festspielhaus etwas auffangen und schließlich zeitgleich den Opernabend beenden. Doch Sky hat sich ein umfangreiches Rahmenprogramm einfallen lassen. Ehre, wem Ehre gebührt: Mit zahlreichen Gästen wird es nicht langweilig. Der Informationsgehalt ist hoch, vielleicht sogar zu hoch. Die Redaktion hat sich viel einfallen lassen, will die Festspiele, die Oper, Wagner zeitgemäß präsentieren. Allerdings muss man hinterfragen, ob man live sehen muss, wie ein ortsansässiger Tätowierer einem Gast ein Tattoo sticht. Auch Interviews mit dem Dramaturgen in der Sauna wollen nicht so recht zum Rahmenprogramm der Festspiele passen.

Umbesetzungen sind in Bayreuth nicht unüblich, Sky sollte diesbezüglich mal über einen neuen Moderator nachdenken. Axel Brüggemann gibt sich gut gelaunt und salopp, ein Strahlemann für eine dramatische Oper, vielleicht sogar passend zum im Ansatz frechen Regiekonzept von Frank Castorf. Offensichtlich ist diese Aufgabe eine Nummer zu groß für Brüggemann, der immer wieder den Faden zu verlieren scheint. Die Fragen an seine Gäste sind oft umständlich gestellt und wie man diese ausreden lässt, sollte man als Moderator auch wissen. Nur ein paar Beispiele: Bariton Ryan McKinny singt laut Brüggemann den Parsifal und nicht den Amfortas. Dem starken Einspringer Albert Pesendorfer gibt er den Vornamen Alberich, und in der Bühnenbildbeschreibung macht er aus der New Yorker Börse den Deutschen Reichstag. Die teilweise irritierten Reaktionen der Befragten sind Situationskomik pur. Das ältere Ehepaar, das nach der sexuellen Wirkung von Wagners Musik in der Walküre gefragt wurde, tut dem Zuschauer leid. Fragen aus dem Off wie „Kann ich jetzt gehen?“ erinnern an eine Sitcom.

Auch die Freunde der Sportübertragungen kommen auf ihre Kosten: Bei Gesprächen über die zuvor gesehene Halbzeit, pardon, über den zuvor gesehen Akt greift Sky zu der im Fußball bewährten Mode des Splitscreens, wo man die angesprochene Szene mit Ton (!) und die sprechenden Gäste gleichzeitig – sofern den Sinnesorganen möglich – verfolgen kann.

Kurzum: Sky hätte sich eben mehr am Theater orientieren müssen und nicht an Serien und Fußball. Nicht umsonst gibt es im Theater eine Generalprobe. So ambitioniert das Konzept auch ist, es hätte einen Probelauf gebraucht, an einer einzelnen Oper und nicht an einer derartigen Liveübertragung über mehrere Tage. Der Fluch des Rings macht auch vor dem Sender Sky nicht halt, und das merkt man allen Ecken und Enden. Die Teaser sind stellenweise laienhaft geschnitten. Da sind Ton und Bild um eine Sekunde verschoben – das ist schon im Gespräch unangenehm, während einer Oper ist das peinlich. Nicht das Fehler nicht menschlich wären, aber diese unrühmliche Präsentation eines Großprojektes wäre vermeidbar gewesen. Aber wie auch am Ende von Wagners Ring gibt es noch Hoffnung, dass sich der Werkstatt-Gedanke Bayreuths auch auf dieses Projekt anwenden lässt. Ein Bild bleibt allerdings positiv unvergesslich: Die versammelte Sängerschar, die nach der Götterdämmerung im Studio müde und glücklich in die Kamera strahlt.

Christoph Broermann 4.8.16

Besonderer Dank on OPERNNETZ

 

DER BAYXIT

Tante Katharinas Kindergarten in Bayreuth

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: ich bin nebenbei auch Kindergärtner. Überall dort, wo mehrere Personen zusammenarbeiten, entsteht ein Kindergarten für scheinbar Erwachsene. Eifersüchteleiten, Trotzgebärden – das ist doch zutiefst menschlich!

„Tante“ Katharina Wagner betreibt in Bayreuth einen Kindergarten, der sich aus der Masse derartiger Einrichtungen durch seine Medienpräsenz heraushebt – weil er nämlich ein Kindergarten für Erwachsene und solche, die es werden wollen, ist.

Wann schafft es Bayreuth eigentlich, eine Premiere ohne Rauswurf oder Rücktritt eines Künstlers in letzter Sekunde herauszubringen? Vor einigen Tagen reiste Andris Nelsons aus Franken ab – und kehrt – zumindest für diesen Festspielsommer – nicht wieder. Wer die Premiere des „Parsifal“ am 25. Juli dirigiert, ist noch unklar.

Die berühmten Bayreuth-Skandale, wie z.B. letztes Jahr die kurzfristig ausgestiegene „Isolde“, die medienwirksame Ausbootung von Parsifal-Regisseur Jonathan Meese oder 2012 die absolut lächerliche Hakenkreuz-Tatoo-Geschichte von Evgenji Nikitin (der Gipfel aller Blödheit!!!) sind ja prinzipiell nichts Neues, so dass man manchmal schon fast meinen möchte, es handelt sich um gezielte PR-Aktionen, die dem Festival kurzfristig grosse mediale Aufmerksamkeit und dadurch auch Werbung (?) bescheren. Die ebenfalls total lächerliche, für die Leute vor Ort aber angeblich tatsächlich sehr nervige Security- Farce, hätte ich als Außenbetrachter übrigens, vor allem auch in Anbetracht der medialen Ausschlachtung, in einen ähnlichen Kontext gestellt.

Sollte Andris Nelsons aber nun wirklich über diesen Festspielsommer hinaus dem Festival den Rücken kehren, wäre das schon ein herbes Eigentor!

Dr. Robert Braunmüller von der „Münchner Abendzeitung“ ist nah am Geschehen dran: Natürlich gibt es zu diesen atmosphärischen Trübungen allerlei Hügelgezwitscher. Nelsons dankt allen Mitwirkenden der Produktion einschließlich dem Management. Wo war dann das Problem? Angeblich heißt es Christian Thielemann. Der Musikdirektor der Festspiele gehört streng juristisch gesehen nicht zur Leitung der Festspiele. Er habe, so wollen Insider wissen, aber seinem Kollegen unerbeten gute Ratschläge erteilt, die dieser nicht habe hören wollen. Thielemann habe sich sogar in dessen Proben eingemischt.

Das Ganze passt zum Krach des Vorjahrs. Da erklärte Kirill Petrenko nach alsbald wieder dementierten Hausverboten für die ausscheidende Mit-Festspielchefin Eva Wagner-Pasquier und anderen Unstimmigkeiten, „nur die Verantwortung und der Respekt meinen Kollegen“ gegenüber habe ihn davon abgehalten, „seine Mitwirkung aufzukündigen.“

Auch da spielte Thielemann eine Rolle als Intrigant. Dass dieser Dirigent erfolgreiche Kollegen wegbeißt, ist seit seinem Abschied mit den Münchner Philharmonikern ein offenes Geheimnis. Nelsons ist als kommender Chef des Gewandhausorchesters Leipzig der lokale Konkurrent der von Thielemann geleiteten Staatskapelle Dresden… (Quelle: Münchner Abendzeitung)

Ich habe nun wieder meine Opernmaus ausgeschickt, die mir auch aus der Wiener Staatsoper so manch interessantes Geschichtchen berichtet. Meine Maus ist mit der Bahn im Gepäckwaggon gereist, in ein Flugzeug bringe ich sie angesichts der unsicheren Zeiten nicht rein, abgesehen davon, dass Bayreuth wohl von den wenigsten Festspielgästen „angeflogen“ wird. Die Maus hat mir bereits einen Zwischenbericht abgeliefert. Christian Thielemann mischt sich überall ein, dirigiert sogar mit, gibt dem Chor Anweisungen. Die Choristen wie auch das Orchester hören auf den „Chef“, auch das ist zutiefst menschlich. Das kann sich ein Premierendirigent natürlich nicht gefallen lassen. Im Vorjahr hat es bereits bei Petrenko gekriselt, aber der hat Herrn Thielemann anderswo elegant ausgebremst. Nun dirigiert Marek Janowski den Ring. Mein Mäuschen wird sich einen guten Platz bei den Ring-Proben sichern, denn wenn zwei Berliner – Janowski ist bereits längst einer bzw. kann es inzwischen besser als die Berliner – streiten, dann fliegen die Fetzen. Das ist anders als bei uns Wienern, wir streiten sozusagen freundlich miteinander – dafür sind wir umso nachtragender.

Wer wird sich das „Parsifal“-Dirigat unter diesen Vorzeichen nun antun? Wir werden es wohl in wenigen Stunden/Tagen wissen. Mein Mäuschen bleibt dran und wird mir auch berichten, wie „Tante Katharina“ mit ihren „Streithanseln“ umgeht!

Bayreuth liefert also pünktlich zur heute angebrochenen „Sauregurkenzeit“ für uns Medienschafffende einen Skandal. Dank an alle, die ihn ermöglicht haben!

Anton Cupak 1.7.16

 

 

Großes goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich an Staatsoperndirektor Dominique Meyer

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Dienstag mit Dominique Meyer einen Mann mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet, der in seinen Augen einen der prominentesten Jobs Österreichs innehat: “Wer Direktor der Wiener Staatsoper wird, und warum er es wird, und wie er es wird, interessiert ganz sicher sehr viel mehr Leute als die Frage, wer Bundesminister für Verteidigung wird.”

„Du kannst meiner Liebe nicht entgehen“ ruft Oskar seiner Marianne in Horvath „Geschichten aus dem Wiener Wald“ zu. „Du kannst – ab einer gewissen Position, ungeachtet dessen, ob Du diese gut oder bloß mittelmäßig machst (schlechte Arbeit wird in vom Staat besetzten Positionen grundsätzlich nicht geleistet) einem Orden nicht entgehen, wenn Du in Österreich bist“ – das behaupte nun ich!

Ob der scheidende Bundespräsident schwer in Nostalgie schwelgt oder ob er nicht weiß, was die Österreicher interessiert, lasse ich dahingestellt. Allerdings behaupte ich, dass der Bekanntheitsgrad des Verteidigungsministers Doskozil ein weiter höherer unter der Gesamtbevölkerung ist als jener des Staatsoperndirektors, auch wenn dieser auf einen weit geläufigeren Namen als der Verteidigungsminister hört. Hätten Sie „Kulturminister“ gesagt, Herr Bundespräsident, wäre darüber zu diskutieren gewesen – so aber nicht!

Es war mir ein Bedürfnis, die Relationen zurecht zu rücken, das traut sich in Österreich sonst ohnedies niemand!

War es klug, dem Staatsoperndirektor mit großer medialer Begleitung einen Orden umzuhängen, noch dazu den größten, den das Land zu vergeben hat? Nun, ich muss mich eines Ansturms von Operfreunden erwehren, die wissen wollen, womit Dominique Meyer diese Auszeichnung verdient hat.

Liebe Leute, wenn wir diese Frage ernsthaft und in allen Fällen stellen, sehe ich schwarz für die auch künftigen Aufgaben des Bundespräsidenten.

Ich habe also das getan, was ich immer mache: ich habe kalmiert. Wenn ich mir so ansehe, wer zu den Behangenen gehört, geht da auch Dominique Meyer durch. Ob es klug war, den Orden so knapp vor der Entscheidung über eine Vertragsverlängerung zu vergeben bzw. anzunehmen, überlasse ich zur Beurteilung Ihnen. Ich tue mich jedenfalls mit Erklärungen schwer, außer eben „Du kannst meinem Orden nicht entgehen“. 

Eine Warnung sei aber erlaubt: So eine Ehrung vergeben Politiker: Die „schassen“ schneller, als man glaubt, wie sie auch selbst schnell geschasst werden. Die Meyer-Erfinderin Schmied war auch bei der Behängung zugegen. Verlassen würde ich mich an des Operndirektors Stelle auf „Politiker bis auf jederzeit möglichen Widerruf“ aber nicht.

Anton Cupak 1.6.16

 

Das seltsame Politik-Verständnis eines Oberbürgermeisters

In der politischen Auseinandersetzung um die Kürzungsbeschlüsse des Hagener Stadtrats gegen das Stadttheater zeigen die Verlautbarungen des Oberbürgermeisters ein mehr als merkwürdiges Verständnis von politischer Kultur.

Maulkorb für das Theater? Nur eine von vielen Merkwürdigkeiten, die der Hagener OB an den Tag legt.

Wuppertal hat es vorgemacht. Da haben der damalige Oberbürgermeister und der Generalmusikdirektor die wohlfunktionierenden Bühnen der Stadt zu einem Scherbenhaufen zerschlagen. Jetzt sind beide von der Bildfläche verschwunden, aber der Schaden, den sie hinterlassen, ist so immens, dass er die Bühnen wohl noch über Jahre belasten wird. Ein hoher Preis für den Versuch, ein paar Euro mehr im maroden Stadtsäckel zu behalten. In der Nachbarstadt Hagen ignoriert man solche Erfahrungen, zeigen sich die politischen Entscheider notorisch lernunfähig. Dort hat der Stadtrat Kürzungen für das Stadttheater beschlossen, die zwar an der angespannten Haushaltslage der Stadt keinen Deut ändern, aber schon jetzt dem Theater massiven Schaden zufügen und es wohl – so die Auffassung vieler Experten – im Fall der Verwirklichung in seiner Existenz bedrohen.

Damit hat der Stadtrat eine Situation geschaffen, in der sich kein seriöser und verantwortungsbewusster Theatermacher respektive Musiker mehr auf die im kommenden Jahr freiwerdenden Stellen als Intendant und Generalmusikdirektor bewerben wird, wie bereits früher ausgeführt. Tatsächlich hatten ja die verbliebenen Aspiranten nach Bekanntwerden des Beschlusses ihre Bewerbungen zurückgezogen. Wie zu erwarten, wittern stattdessen die Scharlatane Morgenluft. Großspurig meldet sich dieser Tage der bereits von der Findungskommission abgewiesene Schauspieler Claude-Oliver Rudolph in der Hagener Tageszeitung zu Wort, die solcher Kraftmeierei auch noch Platz einräumt.

Aber es gibt auch engagierte Bürger in Hagen, die sich gegen die unsinnigen Kürzungsbeschlüsse zur Wehr setzen. So wie Christoph Rösner. Der Autor und Kabarettist will nicht zusehen, wie die Stadt dem Theater den Garaus macht. Er hat eine Petition verfasst, in der er Oberbürgermeister Erik O. Schulz auffordert, den Stadtratsbeschluss rückgängig zu machen. Offenbar hat der Hagener damit einen Nerv getroffen, denn bereits Mitte Mai, einen Monat vor Ablauf der Unterzeichnungsfrist, haben annähernd 9.000 Menschen die Petition unterzeichnet, davon etwa 3.000 Hagener Bürger.

Nun ist eine Petition kein politisch legitimiertes Instrument wie etwa das Bürgerbegehren oder der Bürgerentscheid. Aber man kann sie sehr wohl als Seismografen für die Stimmung in der Bevölkerung sehen. Und bis dahin herrscht auch weitgehend Übereinstimmung in Hagen.

Nach eigenem Bekunden des Oberbürgermeisters sei die Unterschriftenaktion „kein feindlicher Akt“. Eine befremdliche Aussage, die einen aufhorchen lässt. Welches Verständnis hat der parteilose 48-jährige Diplom-Verwaltungswirt, verheiratet, Vater zweier Kinder, eigentlich von Politik? Dass er, der Kultur als eines seiner Hobbies angibt, an den Beschlüssen des Stadtrates festhält, ist seine politische Position, so diskussionswürdig sie auch immer sein mag – und so gegensätzlich das auf seiner Website klingt, die allerdings wohl vor seiner Wahl 2014 entstanden ist. Bedenklich allerdings die Begründung, die er Ende vergangenen Monats in der Tageszeitung verlautbaren lässt. „Da hat der Souverän gesprochen“, sagt er zu den Stadtratsbeschlüssen. Der Stadtrat als Souverän? Da ist aber wohl einiges im demokratischen Verständnis des Oberbürgermeisters durcheinandergeraten.

Und nicht nur da. Er wolle, so lässt er weiter verlauten, die Unterschriften entgegennehmen, aber nicht von Rösner. Nach dem Motto – und hier drängt sich förmlich das Bild des dreijährigen, verknatschten Mädchens im Sandkasten auf – „Der war böse, mit dem spiele ich nicht mehr“ begründet er die Verweigerung, dass Rösner sich „in Internetforen so abwertend gegenüber ihm geäußert“ habe. Da könnte der Bürger womöglich bei der Übergabe mit Wattebäuschchen nach ihm werfen. Und solchen Gefahren geht ein intelligenter Mensch selbstverständlich frühzeitig aus dem Weg.

Wohler fühlt sich der ehemalige Verwaltungsangestellte da schon auf dem Gebiet der Rechtsvorschriften. Derzeit lässt er prüfen, ob er dem Theater einen Maulkorb verpassen kann. Schließlich hat das Theater, wie an vielen anderen Orten der Stadt auch, Unterschriftenlisten für die Menschen auslegen lassen, die nicht ins Internet gehen wollen, um ihren Willen zu bekunden. „Ich erinnere daran, dass es eine Loyalitätsverpflichtung der Theaterleitung gegenüber der Stadt gibt“, formuliert er schon mal tendenziös. Seit der Spielzeit 2014/15 ist das Theater eine gemeinnützige Gesellschaft und nicht mehr ein Amt der Stadt. Dass zu wissen, darf man OB Schulz schon unterstellen.

Ist ein Oberbürgermeister, dem es anscheinend an der nötigen Sozialkompetenz fehlt, der vergesslich zu sein scheint, was seine Wahlversprechen angeht, der sich offenbar nicht so genau mit den rechtlichen Gegebenheiten auskennt und ein demokratisches Verständnis wie „zu Kaisers Zeiten“ an den Tag legt, ansonsten aber jede Kommunikation, so hat es den Eindruck, ablehnt – hat der die Fähigkeiten, seine Stadt aus einer Krise zu führen oder auch nur dafür zu sorgen, dass das Theater erhalten bleibt?

Wollen die Hagener das Wuppertaler Desaster vermeiden, sollten sie nicht wie die Nachbarn auf die nächste Wahl warten, die den damaligen Oberbürgermeister für seine Lügen und Arroganz erst dann abstraften und heute mit den Folgen leben müssen, die noch gar nicht abzusehen sind. Erik O. Schulz wird mit seinen geplanten Kürzungen keinen Präzedenzfall schaffen, weil in zu vielen Städten längst Politiker versucht haben, kulturelle Werte zu zerstören. Einen Präzedenzfall könnten die Hagener Bürger schaffen, indem sie sich jetzt gegen die anscheinend mangelhafte Krisenkompetenz ihres Oberbürgermeisters zur Wehr setzen. Sie wissen nicht, wie das geht? Fragen Sie Ihren Stadtrat.

Michael S. Zerban 16.5.16

 

 

„Buh-Rufe“ an der Staatsoper

Persönliche Erinnerungen eines alteingesessenen Wiener Opernfreunds.

Der „Fall“ Lindstrom erinnert mich ein bisschen an Montserrat Caballé, ohne die beiden Sängerinnen jetzt wirklich zu vergleichen. Die kam – nach 2 Auftritten 1959, als sie noch kein Mensch kannte – 1971 erstmalls nach Wien (Troubadur-Leonore u. Carlo-Elisabeth) und war nur mäßig erfolgreich. Ihre Fans sagten damals, das seien nicht die richtigen Rollen gewesen, man müsste sie in den Belcanto-Partien erleben. 1977 kam dann endlich die Norma und sie enttäuschte so, dass sie am Schluss sogar ausgebuht wurde. Aber im Gegensatz zu heute hat sich damals niemand wirklich aufgeregt – aber gut, der damalige Direktor Gamsjäger war ein alter Theaterhase, den so was nicht mehr erschüttern konnte. Diese „Norma“-Premiere war überigens ein Beispiel, wie eine Produktion trotz einer von der Papierform her tollen Besetzung (Muti; Caballé, Cossotto, Cossutta) total daneben gehen kann. 

Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass das Publikum gleichgültiger geworden ist. Ich kann mich an viele Vorstellungen in den 60er- und 70er-Jahren erinnern, wo es viel öfter Missfallenskundgebungen – auch mit Zwischenrufen – gegeben hat. Der Direktor hat sogar zeitweise die Solovorhänge untersagt. Ich kann mich außerdem z.B. an die an sich im Ganzen total verunglückte „Fledermaus“-Produktion im Theater a.d. Wien zu den Festwochen 1975 erinnern, als nach dem Couplet des Orlofski, der von Blanche Aubry gestaltet – gesungen konnte man das nicht nennen – wurde, von der Galerie der Ruf kam: „Madl lern singen!“.

Diese Gleichgültigkeit hat sicher auch damit zu tun, daß der Stehplatz heute keine eingeschworene Gemeinschaft mehr ist – früher waren die ca. ersten 100-150 angestellten Stehplatzler trotz verschiedener Sängervorlieben eine eingeschworene Gesellschaft, die meinungsbildend war – sondern zum größten Teil nur mehr aus gelegentlichen Besuchern und Touristehn besteht. Mir fällt hier eine lustige Geschichte ein, die, wenn sie nicht stimmt, zumindest gut erfunden ist:

Bei der berühmt-berüchtigten Macbeth-Premiere vom 7.12.2009 (Nemirowa-Regie), ging es ja bekanntlich bereits während der Vorstellung „rund“, weshalb sich Direktor Holender den Chef des Publikumsdienstes kommen ließ und ihn aufforderte, am Stehplatz für Ruhe zu sorgen. Dieser entgegnete, dass der Stehplatz eigentlich ganz ruhig sei, die Missfallenskundgebungen kämen von den Sitzplätzen. Na ja, viele ehemaliger Stehplatzler sind halt heute „gut betucht“ und leisten sich ein Sitzplatz, aber ihre Begeisterung für die Oper haben sie noch nicht wirklich verloren.

Heinrich Schramm-Schiessl (Wien) 6.5.16

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online.

 

 

HAT DER ZWISCHENRUFER ECHT?

Der Zwischenrufer bei „Turandot“ in der Wiener StOp hat sich geoutet.

Nicht an mich, sondern an unser Forum erging nachstehend angeführtes „Bekennerschreiben“:

Ich bekenne mich zu dem „Attentat“ auf Gustavo Dudamel vom 1.Mai 2016. Als Chorsolist eines großen deutschsprachigen Opernhauses konnte ich es einfach nicht mehr mitanhören-,und sehen, wie (Chor)-Sänger-unfreundlich dieses hochgejubelte „Wunderkind“ da unten am Pult agierte. Tempi -speziell im 1.Akt- wurden so unnachgiebig rasch gedroschen, dass der wunderbare Staatsopernchor ohne Schuld ständig nachhinkte. Am Ende des 2.Aktes dann eine Lautstärke, die einer Disco alle Ehre gemacht hätte … da war keine Sängerstimme mehr zu hören.
So musste ich „leider“ diesen Zwischenruf vor Beginn des 3. Aktes tätigen, da ich sonst an meinem Ärger erstickt wäre. Und es tut mir NICHT leid. Wenn Herr Dudamel den Wortlaut nicht verstanden haben sollte, so wird man ihn ihm bestimmt schon übersetzt haben, und vielleicht ist er ja so klug, und verwendet demnächst tatsächlich eine Partitur, da stehen nämlich Lautstärke,-und Tempobezeichnungen von Giacomo Puccini drin, so wie er sie haben wollte.Der Meister wird sich bestimmt etwas dabei gedacht haben.

Das kommt selten vor, dass sich ein „Buh-Rufer“ outet. Der Mann ist tatsächlich von der „Branche“ – und ich weiß auch, wer er ist (leider wissen es Forumsteilnehmer auch, ich kann diese nur bitten, ihr Wissen nicht weiterzugeben – sonst erfahren wir von denen, die es wissen müssen, außer „Schleimscheißereien“ nichts mehr). Für meine Person kann ich Stillschweigen garantieren, ich habe mit dem Direktor noch nie im „Sole“ gespeist und werde es auch in Zukunft nicht tun!

Aber es kommen Insidermeinungen auch direkt an mich.Es hat sich bereits rumgesprochen, dass auf meine Diskretion Verlass ist, versuchen Sie also bitte nicht über „Umwege“ (Mitarbeiter) an die Namen zu kommen, die wissen diese nicht. So wird Gustavo Dudamel von einer Seite in Schutz genommen, die es wissen muss:

Der hohe Wiener Orchestergraben hat Tücken, mit denen Hausdebütanten, also Dirigenten, oftmals ihre liebe Mühe haben. Die Herren bemerken oft selber diese akustischen Probleme von ihrem Platz aus gar nicht und im Haus gibt’s momentan offensichtlich niemanden, der entweder Ohren oder zumindest Mut und Autorität hat, solche Dinge beizeiten anzusprechen, um sie entsprechend anzupassen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Auch Sänger sind oft unschuldig! Im Klartext sollte man bitte die richtigen Leute ausbuhen! Natürlich wohl wissend, dass diese meist in Dienstlogen oder gar im „(In)Kompetenz-Zentrum“ sitzen. 

Anton Cupak (Wien) 3.5.16

 

 

NEUE TURANDOT

and der Wiener Staatsoper - NEU ? Wie bitte?

„Wie sich die Bilder gleichen“ . Natürlich gleichen sie einander nicht 1:1, in Wien stand eine vom Typ her völlig andere Titelrollensängerin auf der Bühne. Ich räume ein, dass die Personenführung zwangsläufig umadaptiert wurde. Aber ist die Wiener „Turandot“  dadurch zur „Neuinszenierung“? Haben wir in Wien nun eine Co-Produktion? Wenn ja, wie wurden die Kosten aufgeteilt? Grundsätzlich ist eine Co-Produktion nichts Schlechtes, die Metropolitan Opera eröffnet die Saison mit dem „Tristan“ aus Baden Baden, der dazwischen auch noch in Warschau (Juni) gespielt wird….. Nur wird daraus kein Geheimnis gemacht!

Wie wurde in Wien abgerechnet? Wurde Herr Marelli für eine Neuproduktion honoriert oder für eine Adaption? Warum muss ein Haus von Weltgeltung (ja noch immer- aber wer weiß, wie lange noch) das übernehmen, was bereits in einem Landestheater zu sehen war?

Interessanterweise hat keine Zeitung diesen Aspekt auch nur erwähnt. Ich hätte es – ehrlich gesagt – auch nicht gewusst. Aber durch mein Netzwerk entgeht mir nicht so leicht etwas. Warum wird nicht mit offenen Karten gespielt? Wien und Graz sind 200 km voneinander entfernt, dass sich das herumspricht, war zu erwarten. Es hat sich sogar rumgesprochen, dass der Wiener „Tristan“ bereits Jahre zuvor im gleichen Ambiente in Japan zu sehen war. Wir haben uns damals über die japanischen Elemente gewundert, dachten an eine besondere Geistesfügung eines genialen Regisseurs. Im Grunde genommen hat der Regiekünstler damals nur das getan, was auf dem japanischen Martkt gut angekommen ist.

Als Kaufmann interessieren mich die kaufmännischen Fragen. Wo liegt die Ersparniss für die Wiener Staatsoper?

Wenn das geklärt ist, die Vorteile glaubhaft erklärt werden können, die Abrechnung fair erfolgt ist, dann kann ich mit dieser Produktion leben!

Anton Cupak 1.5.16

 

 

von unserem Hauskarikaturisten Peter Klier (c) 2016

 

Hamburg: Tristan und Isolde gestern ohne Bühnenbild

Sauerei? Nein ! Recht so!!!

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Hamburg sind am Freitag in einen eintägigen Warnstreik getreten. Wegen dieses Warnstreiks boten 67 städtische Kitas nur Notdienste an, 29 waren sogar ganz geschlossen. Ebenfalls betroffen waren unter anderem die Stadtreinigung, die Theater, die Hafenaufsicht und die Bücherhallen. Viele Bürger mussten dadurch Einschränkungen hinnehmen. Und das ist gut so! Konkret auf unser Sujet bezogen: Der Warnstreik sorgte auch für Störungen an der Hamburgischen Staatsoper. Der Aufbau des Bühnenbildes von „Tristan und Isolde“ war unmöglich, dadurch musste die Vorstellung konzertant gespielt werden. (Ketzerische Qnmerkung: was ja manchmal gar nicht die schlechteste Alternative ist.)

Das ist Streik an der richtigen Stelle, denn was sich in den Verhandlungen für die öffentlich Bediensteten abspielt ist eine Farce, eine Verhohnepipelung der Menschen im öffentlichen Dienst & eine grobe Respektlosigkeit:

Lohnerhöhungen im Minimalbereich werden angeboten - aber gleichzeitig Kürzungen bei der Rente sprich konkret "Zusatzversorgung". Leider wissen viele Bürger nicht, daß die keineswegs üppige Zusatzversorgung einen großen Teil der Rente (teilweise über 1/3) später im Alter ausmacht und das sich die Mitarbeiterdes Öffentlichen Dienstes daran sogar mit nicht geringen Beiträgen (bei jährlich steigenden Anteilen) beteiligen - ganz im Gegensatz zur üppigen Zusatzversorgung z.B. bei Bankern z.B.

In aktuellen und zukünftigen Zeiten wo viele Renten gerade einmal das Sozial-Hilfe-Niveau von "Harz 4" erreichen - also die Altersrente nach 45 harten Arbeitsjahren im Ergebnis gleichgesetzt wird mit der Altersversorgung von Jemandem der Überhaupt nicht (ggf. nie !) gearbeitet hat, ist so ein Angebot nicht nur eine Beleidigung, sondern sogar eine grobe Ignoranz. So frech und dreist kann man nur agieren, wenn man sein dickes Gehalt ohne Sozialversicherungszahlungen und eine fette Beamtenpension sein eigen nennt.

Jetzt werden wieder, völlig unnötiger weise, viele Räder still stehen und sich viele Bürger ärgern. Das ist gut so, denn es ist zu hoffen, daß die Betroffenen ihren gewählten Volksvertretern (die ja alle mit 5 stelligen Pensionen sicher ausgestattet sind) endlich Dampf machen. Bravo Herr Bsirske! Zumindest treffen die Streikauswirkungen diesmal hier am Staatstheater nicht die Kleinen, sondern plakativ an richtiger Stelle: nämlich da wo es sofort medienwirksam wird.

Viele einfache Mitarbeiter an deutschen Bühnen sind die Leidtragenden - dabei geht es nicht um die relativ gut bezahlten Künstler, Musiker oder Mitarbeiter der gehobenen Theaterleitung (von den 6-stelligen Intendanten und GMD-Gehältern will ich hier gar nicht reden), nein - es geht um die Kleinen (Näherinnen, Beleuchter, Reinigungskräfte, Platzanweiser, Kassiererinnen...etc).

Da redet unsere Politprominenz alltäglich in teuren Maßanzügen, die teilweise schon aus den Nähten platzen (nur nebenbei, damit Sie sich so richtig ärgern: das ist sogar steuerlich absetzbare "Dienstbekleidung" Sic! ;-) in Tages- und Talkshows blumig und populistisch davon, daß wir das Rentenproblem nur in den Griff bekommen, wenn sowohl Gehälter steigen, als auch das zweite Bein (das jetzt gekappt werden soll!) nämlich die "Zusatzversorgung" steigen muß, und auf der anderen Seite praktizieren die Verhandlungsführer genau das Gegenteil. Dazu fällt mir nur ein:

Alle Räder stehen still...

Peter Bilsing (Hrg.) 23.4.16

 

 

 

 

(c) P. Klier

 

 

Verspätete erscheint La Gheorghiu als Tosca

Die Hintergünde !

Eigentlich habe ich ein schlechtes Gewissen , wenn ich nochmals auf die Gheorghiu-Geschichte vom vergangenen Samstag zu schreiben komme. Nicht nur die Welt hat ganz andere Sorgen, auch wir Opernfreunde sollten eigentlich andere Sorgen haben. Ich kenne Frau Gheorghiu weder persönlich, noch bin ich ein Fan von ihr, ich bin jedoch der Ansicht, dass das Genre Oper Diven wie sie eine ist ganz einfach braucht – allein schon aus werbestrategischen  Gründen. Natürlich wird mir jetzt wieder einmal mangelnde Seriosität vorgeworfen, aber die Meinung, dass „Graue Mäuse“, und mögen diese noch so gut sein, der Oper nicht entscheidend weiterhelfen, vertrete ich standhaft. Vielleicht ist Angela Gheorghiu die letzte Diva überhaupt, zumal Anna Netrebko sich ziemlich bodenständig und normal gibt. Natürlich werden mir laufend Infos über die Situation vom vergangenen Samstag zugespielt (und ich bin auch dankbar dafür), aber ich möchte bei den Fakten bleiben und mich nicht in Spekulationen ergehen.

Zuerst die Meinung eines Insiders, der die Bühne von oben nach unten, von hinten nach vorne kennt. Der Informant spricht die selbstverständlichen Pflichten an: Dazu gehört, dass man, einmal in der Gasse (oder von wo der Auftritt eben erfolgt) erschienen, auch dort bleibt, bis man rausgeschickt wird. Da gibt es nur ganz wenige Hinderungsgründe: Brechdurchfall, Kreislaufkollaps, spontaner Beinbruch oder Tod. Es ist die Aufgabe des Inspizienten, darauf zu achten, dass seine Schäfchen rechtzeitig da sind (bzw. sie allenfalls nochmal einrufen zu lassen), dann darf er aber mit Fug und Recht darauf vertrauen, dass sie ihm bis zum Auftritt nicht mehr davonlaufen. Schließlich sind die Seiteninspizienten ja nicht nur exklusiv für eine Person gebucht, sondern haben sich auch um andere zu kümmern. Insofern kann ich die Ferndiagnose, der Inspizient wäre gar schuld, gar nicht nachvollziehen. Nun kann es natürlich auch schon einmal vorkommen, dass man kurz vor dem Auftritt vielleicht doch noch schnell einen Schluck Wasser möchte oder schlicht und einfach die Harnblase leeren will, sofern es die Zeit erlaubt. Aber dann meldet man das entweder direkt beim Inspizienten oder bei sonst einem Anwesenden. Damit keine Hektik ausbricht. Man geht nicht einfach wortlos wieder weg…

Gut, verstanden und gekauft! Die Situation war jedoch viel komplexer. Zuerst lassen Sie mich die offizielle Meinung der Wiener Staatsoper zitieren. Pressechef Andre Comploi: „Ich habe heute noch mit dem Inspizienten gesprochen, der Frau Gheorghiu abgeholt hat: auch er hat mir Folgendes gesagt: Frau Gheorghiu  hatte auf der (Unter)Bühne gewartet  – und als absehbar war, dass die Arie wiederholt wird (7 min Applaus – wie ich höre!) ist sie wieder in die Garderobe gegangen. Dann wurde sie abgeholt – und diesmal gab es keinen zweiten Applaus mehr nach der Arie (im Gegensatz zu letzten Samstag), was zur Folge hatte, dass sie nicht rechtzeitig auf die Bühne kam (sie muss auf die Unterbühne und dann wieder aufsteigen). Das ist die Wahrheit. Ich weiß, es gibt verschiedene Gegenmeinungen und Gerüchte!

Jetzt gibt es verschiedene „Schuldige“. Erstens das Publikum, das Kaufmann eine Wiederholung abverlangt hat. Zweitens der Tenor, der diese Wiederholung gewährte, obwohl er seine Partnerin bereits als zum Auftritt bereit sehen konnte. Dann eben diese Partnerin, die mit einer Wartezeit von 10 Minuten gerechnet und sich daraufhin entschlossen hat, die Wartezeit in der hoffentlich bequemen Garderobe zu verbringen (dazu muss man allerdings bemerken, dass die Unterbühne, aus der Tosca zu den Zinnen der Engelsburg aufzusteigen hat, ein sehr unangenehmer Warteraum ist). Und viertens trug auch Jesus Lopez-Cobos, der Dirigent – zu den Missverständnissen bei, als er nach der Wiederholung ganz einfach weiterspielen ließ. Auf den dadurch verhinderten Applaus hat Frau Gheorghiu gewartet, als dieser ausblieb, wurde die Zeit von der Garderobe auf die Unterbühne und von dort über die „Hühnerstiege“ auf die Bühne zu knapp. Das war es! 

Dass ein Inspizient die Sängerin binnen einer Minute zum Auftritt überreden hat können, wenn diese die Vorstellung hat „schmeissen“ wollen, glaubt nur der, der Diven nicht kennt (die gibt es ja nicht nur in der Oper). Ein Kniefall des Direktors wäre in solch einem Fall die wohl einzige Möglichkeit gewesen, aber der Chef saß wahrscheinlich in seiner Loge!

So, jetzt haben wir genug zu diesem Thema gehört – und die Oper kann sich glücklich schätzen, wieder von namhaften Zeitungen der Welt kontaktiert worden zu sein! 19.4.2016

Anton Cupak (direkt vor Ort)

 

 

 

50 JAHRE THEATER BONN

Eine sehr schöne kleine Ausstellung im Foyer der Bonner Oper

Und der WDR, der nicht eine der vielen tollen Vorstellungen binnen eines halben Jahrhunderts (!) je übertragen hat,  möchte an diesem Jubiläum noch verdienen! Unglaublich!!

(Karikatur von unserem Hauszeichner Peter Klier)

Hallo liebe Opernfreunde! Da gibt es in der Bonner Oper im Foyer eine kleine wunderbare historische Ausstellung - betitelt „50 Jahre Bonner Oper“ – nett und fantasiereich im häuslichen Rahmen liebevoll aufbereitet. Es lohnt sich für alle Opernbesucher, mal eine Stunde früher zu kommen.

Am Ende der Ausstellung steht schamhaft, fast versteckt, ein kleiner Monitor mit zwei (!) Kopfhörern, die leider elendig drücken und am Kopf schmerzen. (hat die denn keiner ausprobiert?), dennoch hat sich der Herausgeber des Opernfreunds diesem vermeidbaren Leiden für seine Leserschaft unterzogen. Und es hat sich gelohnt - mehr als gelohnt.

Es ist wirklich interessant, denn man kann hoch spannende (historisch wichtige!) Kurzbeiträge des Westdeutschen Rundfunks zu den letzten 50 Jahren Opernhaus-Historie anklicken. Wirklich toll!

Wer weiß denn z.B. noch, daß die Stadt Bonn ihr Haus schon zwei Jahre nach der Eröffnung, angesichts des drohenden Konkurses, wieder verscherbeln wollte…

Oder daß es urspünglich als hochwertiges Sprechtheater gedacht war und gelegentliche Opern eigentlich nur ein Lückenfüller sein sollten.

Oder weiss jemand noch, dass die Decke des Auditoriums früher aussah, wie "Erichs Lampenladen" bzw. die heute noch in großem Glanz existierende und gut erhaltene Decke des Münsteraner Opernhauses (siehe Bild unten).

Alleine die hunderte von Leuchtkörpern wären für heimische Lampenputzer ein Job bis ans Lebensende gewesen!

Die hochinteressante Ton- und Bilddokumente (Interviews mit Prominenz, Exintendanten und Künstlern, politische Statements, Diskussionen, Kommentare…) sind alle aus den letzten halben Jahrhundert zusammengetragen worden vom großen NRW Landessender und gut dokumentiert archiviert worden; Juwelen aus dem gigantischen Lagerkellern der Landesrundfunkanstalt - Juwelen, die sich lohnen endlich mal wieder herausgeholt und gezeigt zu werden! Warum macht man mit solchen Dingen eigentlich keinen abendlich füllenden Film?

Jetzt kommt es, bitte halten Sie sich fest: 

Für die temporäre Präsentation dieser Dokus, die man nur dort sehen kann, zahlt die Bonner Oper eine Riesenstange Geld an den WDR.

Die von mir vorgeschlagene Einbindung solch wichtiger Erinnerungen in die Homepage, sei nicht vom Rechtenutzer erlaubt und würde lt. Pressesprecher der Bonner Oper ein Vermögen kosten – auch weil das WDR Archiv diese Dokus nun von einer privaten Vermarktungsfirma verpachten lässt, die wie es scheint damit so richtig große Kohle verdienen will.

WIE BITTE?

Ich fasse es nicht, wie ist so etwas möglich?

Noch einmal zum logischen Verständnis:

Der von allen Rundfunkgebührenzahler des Landes NRW finanzierte WDR verlangt von der ebenfalls vom Steuerzahler finanzierten Bonner Oper nicht gerade wenig Geld für die Präsentation historischer Bilddokumente zum 50 jährigen Jubiläum aus deren Archiven ! 

Hallo WDR-Chefs! Hier will doch keiner mit diesen Dokus irgend etwas verdienen!

Hier sollen die Bürger des Landes, der Region Bonn, einfach über nur die Geschichte ihres hochgeschätzten Hauses mnal etwas tiefgründiger informiert werden.

Statt stolz darauf zu sein, daß endlich die alten Schätzchen (und da gibt es noch tausende Filmchen, die ungesehen und unwiederbelebt des Schicksals des Vergessens harren) nun eine Würdigung finden, und die Menschen endlich mal sehen können, wie großartig dieser WDR früher seinem Berichterstattungsauftrag über lokale Kultur-Politik (auch gelegentlich noch mit kritischen Hintergrundfragen) nachkam, blockt man nun alles ab - besser formuliert: man zockt ab! Wer nicht anständig tief in die Tasche greift, bekommt das demnächst wohl gar nicht mehr zu sehen. Basta! Interessiert doch ohnehin nur eine Minderheit!

Was für eine Chance auch fürs WDR Fernsehen, wo die Veranwortlichen immer noch nicht (auch nicht ansatzweise) den hohen kulturellen Wert unserer Theater-Produktionen in den rund 50 NRW Bühnen mit ihrem vielfältigen Programm, erkannt zu haben scheinen. Die rund ein halbes tausend Premieren jedes Jahr werden weiterhin ignoriert. Statt dessen muß sich der etwas anspruchsvollere und kulturinteressierte WDR-Fernseh-Zuschauer weiter ungebremst durch den alltäglich TV-Sondermüll, der Kochsendungen, Soaps, Smaltalks, Zoovisiten oder dümmlicher Rate- und Spielsendungen, wühlen. Was für eine Schande.

Ich finde das mehr als traurig. Es ist geradezu beschämend...

Peter Bilsing / 18.4.16

 

 

Abschied von der Kultur

"Ihrem Ende eilen sie zu...."

Wenn einer Stadt die Bürger davonlaufen, ist das für die Stadtoberen ein Alarmsignal. Und dann muss der Oberbürgermeister sich etwas einfallen lassen, wie er die Stadt so attraktiv gestaltet, dass seine Wähler bleiben oder womöglich neue kommen. In Hagen geht man andere Wege.
Dieses Theater haben nicht nur Kritiker aus ganz Deutschland liebgewonnen!

Die Stadt Hagen wird es mit ihren nur marginal behobenen Bausünden der Nachkriegszeit in absehbarer Zeit kaum in die Bestenliste attraktiver Innenstädte schaffen. Mit Schulden in Milliardenhöhe lassen sich ohnehin kaum große Sprünge wagen. Seit 2005 haben zehntausende Bürger und damit Steuerzahler die Stadt verlassen. Der Trend zeigt nach unten. Und was macht der Deutsche, wenn es ein Problem gibt? Er gründet eine Arbeits- oder moderner Projektgruppe. Auf städtischer Ebene heißt die meist Marketinggesellschaft und schafft die attraktive Infrastruktur, die neue Bürger anzieht und die alten zufrieden verharren lässt. In vielen Städten hat das funktioniert. So wird das Stadtsäckel gefüllt, die Schulden werden vermindert und der Oberbürgermeister wird wiedergewählt.

Zugegeben, Hagen hat nicht so viel Infrastruktur, mit der die Stadt punkten kann. Aber sie hat ein Theater. Ein kleines, gemütliches Stadttheater. So, wie es sich für eine Universitätsstadt gehört. Ja, Universität. Denn Hagen ist der Sitz der Fernuniversität. Und der Sitz des Stadttheaters. Das Theater Hagen ist weit über die Region hinaus bekannt. Es hat einen Ruf als Sprungbrett. Hier kommen gerne talentierte Sänger her, um sich für die großen Bühnen dieser Welt zu profilieren. In diesem Theater arbeiten unermüdlich engagierte Menschen, die alles daransetzen, den Bürgern der Stadt Hagen ein Bühnen-Niveau zu bieten, das sich vor anderen, auch größeren Theatern nicht zu verstecken braucht. Und nicht nur denen. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass eine Reise nach Hagen lohnt, um dort Musiktheater, Tanz, Theater oder auch Jugendtheater zu erleben.

Einen großen Anteil an diesem – ja, man kann sagen außergewöhnlichen – Erfolg hat neben dem Team Intendant Norbert Hilchenbach, der seit 2007 dem Haus vorsteht und 2017 in den Ruhestand geht. Hilchenbach hat, finanziell betrachtet, keine sehr glückliche Zeit in Hagen erlebt. Von 2002 bis 2017 musste das Theater Kürzungen in Höhe von etwa dreieinhalb Millionen Euro hinnehmen. Über viele Jahre hinweg war von Hilchenbach nichts anderes zu hören als „Wir schaffen das“. Bis zur letzten Kürzung. Dann sagte er genauso lakonisch „Jetzt ist Schluss. Mehr ist nicht zu stemmen“. Das sagte er bei einem Etat von rund 13,5 Millionen Euro jährlich. Übrigens eine Budgethöhe, bei der manchem Betreiber eines Bespieltheaters der kalte Schweiß ausbricht, weil er weiß, dass er das Programm in der gewünschten Qualität damit kaum noch gewährleisten kann. Mit diesem Miniatur-Etat wird in Hagen tatsächlich noch produziert.

Aber jetzt hat der Stadtrat einen Schlussstrich gezogen. Das haben ihm im Vorfeld die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger und der Deutsche Bühnenverein bescheinigt. Mehrfach forderten sie vergeblich Oberbürgermeister Erik O. Schulz zum Dialog auf. Auch ein Protestbrief ehemaliger Hagener Künstler verhallte ungehört. Vergangene Woche hat der Stadtrat beschlossen, den Zuschuss für das Theater ab 2018 auf 13,5 Millionen Euro einzufrieren. Außerdem ist ein Prozent der Lohnsteigerung auszugleichen, was für das Theater Mehrausgaben von etwa 130.000 Euro jährlich bedeutet. Ob die Politiker sich über die Tragweite ihres Beschlusses im Klaren sind, ist nicht bekannt. Die Kandidaten für die Intendanten-Nachfolge wissen, dass das nicht seriös zu schaffen ist. Sie haben ihre Bewerbung zurückgezogen.

Die Politik stellt sich taub, blind und stumm. Dass Kommunalpolitiker im Machtrausch Kulturinstitutionen vor die Wand fahren, ist kein neues Phänomen. Was neu zu sein scheint, ist die Ignoranz, mit der die Verantwortlichen „weitermachen“, als sei nichts geschehen. „Wir gehen davon aus, das die zukünftige künstlerische Leitung ein stimmiges Gesamtkonzept für das traditionsreiche Haus und seine Mitarbeiterschaft gemeinsam erarbeiten wird“, sagt allen Ernstes Sven Söhnchen, Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen Theatergesellschaft. Außerdem beschließt der Aufsichtsrat – na, was wohl? Eine Projektgruppe zu gründen, um ein Konzept zu erarbeiten. Bei so viel, drücken wir es positiv aus, Zweckoptimismus bleibt nur noch unverständliches Kopfschütteln. Aber der Aufsichtsrat setzt noch einen drauf – und da wird es albern. Allen Ernstes lässt er verkünden, man habe sich auf einen Kandidaten aus „einem hochkarätigen Bewerberfeld“ für die GMD-Nachfolge – Generalmusikdirektor Florian Ludwig hört mit Hilchenbach auf – einigen können und wolle nun Gespräche mit dem Wunschkandidaten aufnehmen. Halten diese Aufsichtsratsmitglieder eigentlich alle Musiker für dumme Leute?

Die Politik sprengt für ein Taschengeld – angesichts einer Milliardenverschuldung – einen Eckpfeiler städtischer Infrastruktur weg. Dass Schulz wirklich weiß, was er da gerade tut, ist nicht ernsthaft anzunehmen. Denn selbstverständlich wird jeder der 300 Mitarbeiter des Theaters, sofern er nicht durch familiäre Bindungen gezwungen ist zu bleiben oder wieder bei der Stadt unterkommt, in dieser Situation das Weite suchen. Die bisherigen Arbeitsbedingungen haben die Mitarbeiter ohnehin schon an, wenn nicht weit über ihre Grenzen gebracht. Jetzt hat der Stadtrat den Damm gebrochen. Wer sich jetzt noch in Hagen am Theater bewirbt, ist so dumm, dass er sofort genommen werden wird.

Und weil neuerdings Kulturinstitutionen so gern wie unsinnig mit Wirtschaftsunternehmen verglichen werden, und um es für dumm gehaltene Musiker und Intendantenanwärter klar zu sagen: Zu diesem Zeitpunkt müsste ein Unternehmen vermutlich Insolvenz anmelden, wollte es sich nicht einer Konkursverschleppung strafbar machen. Da sind wir auf das Konzept der Projektgruppe jetzt schon sehr gespannt.

Was fast noch verwunderlicher als die politischen Entscheidungen ist, ist allerdings die Haltung der Fernuniversität, die sich sogar hat in den Claim der Stadt schreiben lassen. Man muss Ada Pellert, Rektorin der ersten und einzigen staatlichen Fernuniversität in Deutschland, die Frage stellen dürfen, ob solch ein Standort bei Verlust der wichtigsten kulturellen Grundlage für eine Universität tatsächlich noch zu halten ist.

Übrigens sind Stadtratbeschlüsse – entgegen gern anders geschaffener Eindrücke in der Tageszeitung – weder endgültig noch unumstößlich. Eine Chance für Hagen.

Michael S. Zerban 13.4.16 OPERNNETZ

 

 

 

Leichtfertiger Umgang mit öffentlichen Mitteln

nicht nur an Wiener, sondern auch an Münchner Theatern!

Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat in seinem Jahresbericht unter anderem auch das Gärtnerplatztheater untersucht. Und die Prüfer bemängeln so einiges, unter anderem wurde ein zwölf Jahre altes Auto deutlich überteuert angemietet, für einige Aufträge können die Verantwortlichen keine Verträge vorlegen:

…Von 2010 bis 2014 stiegen die Mittel, die das Gärtnerplatztheater ausgeben konnte, von 34,6 Millionen Euro auf 40,4 Millionen Euro, also um fast 17 Prozent. Da sich die Ausgaben aber bis 2013 kaum verändert hatten und auch 2014 erst 35,5 Millionen Euro betrugen, entstanden Jahr für Jahr hohe Ausgabereste, im Jahr 2014 in Höhe von fünf Millionen Euro. Man sollte also davon ausgehen, dass bei so einem Überschuss genug Geld vorhanden ist.

Doch trotz des dicken Plus‘ im Geldbeutel „hat das Kunstministerium dem Gärtnerplatztheater sogar noch zusätzlich sogennante Verstärkungsmittel für Gastspielreisen bewilligt.“… (Münchner Abendzeitung“)

Nur ein kleines Beispiel, das einem die Haare zu Berge stehen lässt : Als Firmenwagen mieteten sich die Theaterleute einen Fiat Scudo, der im Mai 2001 seine Erstzulassung hatte. Preis der Miete pro Jahr: 3570 Euro. „Die Anmietung eines zwölf Jahre alten Fahrzeugs zu einer jährlichen Miete, die den Zeitwert übersteigt, ist unwirtschaftlich und nicht nachvollziehbar“ heißt es dazu trocken im Bericht.

Somit kommt der ORH zu der abschließenden Aussage, dass „das Kunstministerium zum Zeitpunkt der Prüfung seiner Aufgabe zur Steuerung nicht ausreichend Rechnung getragen hat. Es hat dafür Sorge zu tragen, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden und die Planung der Haushaltsmittel realistischer erfolgt.

Ich muss aber schon bemerken, dass die Gärtnerplatz-„Schlamperei“ ein Peanut im Vergleich zum Wiener Burgtheaterskandal ist: Hohe Barzahlungen und selten Belege – Millionen flossen in bar. Man glaubt es kaum: Die Burgtheater GmbH zahlte laut Bericht im Prüfzeitraum insgesamt 11,77 Millionen Euro in bar aus. Die Folge waren hohe Verwaltungsausgaben und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Wörtlich schreibt der Rechnungshof zu den über die Hauptkasse ausbezahlten Leistungen: „Die hohen Auszahlungen und die aufbau- und ablauforganisatorische Isolation der Hauptkasse bargen wesentliche Risiken wie Korruption, Verlust und fehlende Ordnungsmäßigkeit.“ Die Hauptkritik in diesem Zusammenhang richtet sich an die ehemaligen Mitglieder der Geschäftsführung des Burgtheaters, die der gesetzlichen Verpflichtung zur Installierung eines entsprechenden internen Kontrollsystems nicht nachgekommen waren. Über Weisung der Bundestheater-Holding sanken die Barzahlungen dann ab April 2014, wie die Rechnungshofkontrollore vermerkten, deutlich… (Die Presse“)

Der Rohbericht des Rechnungshofes ist heute Thema in mehreren Zeitungen, informieren Sie sich im Detail in unserer Presseschau. Nachdem es vor einigen Wochen so ausgesehen hat, als bliebe alles an Frau Stanteysky hängen, werden nun doch auch Ex-Direktor Hartmann und – in etwas abgeschwächter Form – auch Holding Chef Dr. Springer belastet. Käme Herr Hartmann ungeschoren davon, stünden Millionen Euro als Abstandszahlung, die die Republik Österreich zu leisten hätte, an! Dennoch, das letzte Wort ist nicht gesprochen.

Anton Cupak (Wien) 16.3.16

 

Ausgerastet im Konzertsaal

Gern und lautstark machen Besucher ihrem Unmut in Opernaufführungen Luft, wenn ihnen die Vorstellung nicht gefällt – ohne Rücksicht auf das übrige Publikum. Im Konzertsaal sind solche Reaktionen eher selten. Wie die Veranstalter auf solche Zwischenfälle vorbereitet sind, hat sich jetzt in der Kölner Philharmonie gezeigt: gar nicht.
Cembalist Mahan Esfahani musste in der Kölner Philharmonie sein Konzert vorübergehend abbrechen. - Foto © Charlie Forgham-Bailey

Hoppla, jetzt komm ich!“ Die neoliberale Grundhaltung in der Politik der letzten Jahre hat die deutsche Gesellschaft bis in ihre Fundamente erschüttert und zersetzt. Die Ellbogen-Mentalität des Turbokapitalismus macht auch vor dem täglichen Miteinander nicht mehr Halt. Ob im Straßenverkehr, wo sich immer mehr Menschen benehmen, als sei der Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung durch das Recht des Stärkeren ersetzt, oder auf dem gutbesuchten Wochenmarkt, wo sich die Leute rücksichtslos rempelnd ihren Weg bahnen. Waren es früher einzelne, die glaubten, mehr mit Rücksichtslosigkeit zu erreichen als mit fürsorglichem Miteinander, entwickelt sich der fehlende Respekt zum Gesellschaftstrend. Dass der mit großer Aufgeregtheit einhergeht, lässt sich in den so genannten Sozialen Medien jeden Tag aufs Neue bis zur Unerträglichkeit nachlesen.

Opernhäuser als Orte der Kultur haben ein Publikum, das einen besonders kultivierten Umgang miteinander pflegt? Weit gefehlt. Hier hat die Aufgeregtheit – eine üble – Tradition. Da nehmen sich Menschen das Recht, mit „Buh“- und „Aufhören“-Rufen eine Aufführung zu stören, weil ihnen beispielsweise die Inszenierung nicht gefällt. Übrigens nicht nur in Deutschland. Berüchtigt das italienische vergogna, wenn das Publikum der Auffassung ist, jemand habe sich auf der Bühne zu viel bewegt und diese Schande nicht erträglich ist. Vermutlich glauben die Zuschauer, dass sie der Respektlosigkeit des Regisseurs ihnen gegenüber mit fehlendem Respekt dem Regisseur gegenüber begegnen dürften. Im Konzertsaal hat es solche Ausfälle in den vergangenen 80 Jahren eher selten gegeben.

Bis zum vergangenen Sonntag in der Kölner Philharmonie. Hier gab es am Nachmittag ein Konzert von Concerto Köln mit Mahan Esfahani, einem der führenden Cembalisten der Gegenwart. Bach-Werke wurden hier Werken von Fred Frith, Henryk Mikolaj Górecki und Steve Reich gegenübergestellt. Schon in der Einführung, so berichtet Markus Schwering im Kölner Stadt-Anzeiger, wurde der Englisch sprechende Esfahani angeherrscht: „Reden Sie doch gefälligst Deutsch!“ Nach sechs Minuten Piano Phase von Steve Reich verlor ein gut Teil des Publikums jede Contenance. Lachen, Klatschen, Pfeifen und Zwischenrufe erzwangen den vorläufigen Abbruch des Konzerts. Intervention seitens der Philharmonie: Fehlanzeige! „Ich glaube, ich wäre auf die Bühne gerannt, um dem Künstler beizuspringen“, gibt Intendant Louwrens Langevoort am Montag zu Protokoll. Er war aber nicht da. Und auch sonst kein Verantwortlicher, der sich zuständig fühlte. Erst am Ende der Veranstaltung ging ein Besucher auf die Bühne, um sich bei den Künstlern für das unflätige Verhalten zu entschuldigen.

Seither wird entweder das Publikum beschimpft oder gefordert, dass man mit einem solchen Publikum im Dialog bleiben müsse, ob man wolle oder nicht. In den Medien. In der Philharmonie, sagt Langevoorts abschließend, werde man Esfahani erneut einladen, um den ganzen Reich zu spielen. Und dann? Neue Tumulte?

Das Mindeste wäre eine öffentliche Erklärung des Intendanten, wie es dazu kommen kann, dass in seinem Haus ohne irgendwelche Konsequenzen Künstler verunglimpft werden. Und wie er das in Zukunft verhindern will. Bislang ist dazu nichts zu hören.

Und solange Medien Sendezeiten und Papier mit Brandreden von bayerischen Ministern füllen, die bürgerliche und christliche Werte gleich serienweise in den Boden stampfen, soll kein Kulturveranstalter glauben, dass ihm das in seinem Hause nicht passieren kann, was in Köln geschehen ist. Vielmehr müssen hier sehr schnell, also anders als in der Politik, konkrete Antworten gefunden und umgesetzt werden. Weil sonst die Bürger, die erst zuhören und dann urteilen, den Sälen der Kultur lieber fernbleiben.

Michael S. Zerban (OPERNNETZ) 2.3.2016

 

LIVESTREAMs NICHTS FÜR PC-DEPPEN

Dominique Meyer zu den Staatsopern-Live-Streams. Das ist ein ehrgeiziges Projekt, das ich uneigennützig voll unterstütze, das aber keineswegs so gut eingeschlagen hat, wie uns glaubhaft gemacht werden soll. Weiter im „Kurier“- Interview: …Wir haben die Fähigkeit der Menschen, mit dem Computer umzugehen, falsch eingeschätzt. Und wir haben nicht bedacht, dass viele eine schlechte Internetverbindung haben. Daher stockte mitunter die Übertragung. Vor ein paar Wochen haben wir unser System umgestellt. Die Ergebnisse sind nun sehr gut. Wir sind über A1, AppleTV und Amazon erhältlich, wir werden bei UPC einsteigen. Seit Dezember haben sich 430 neue Kunden für ein Monats- oder Jahresabonnement entschieden. Die Richtung stimmt! Von „Rigoletto“ wurden 1200 Streams gebucht. Nicht schlecht! Eine Opern-Übertragung kostet uns 6000 Euro, das ist sehr günstig. Wir sind daher für TV-Anstalten ein attraktiver Partner

Wir haben die Fähigkeit der Menschen, mit dem Computer umzugehen, falsch eingeschätzt“ – das ist eigentlich eine unglaublich arrogante Behauptung, denn das heißt, dass wir überwiegend „PC-Depperl“ sind. Dass es aber bei Streams vor allem in der Anfangszeit immer wieder Ausfälle gegeben hat (der Stream ist  von Zeit zu Zeit stehengeblieben, was den Operngenuß empfindlich störte) wird nun zugegeben und beruhigt mich, denn ich habe schon geglaubt, ich muss meinen PC zum Fenster hinauswerfen. Nun darf der PC noch bleiben, die Qualität der Übertragungen hat sich tatsächlich verbessert.

Anton Cupak 29.2.16

 

Düsseldorfer Ballettchef Schläpfer hört Ende der Saison 15/16 als "Direktor" auf

Nicht alle Ballettfreunde der Rheinregion sind darüber traurig...

Zuerst einmal die gute Nachricht - hoffentlich! - Es gibt wieder Hoffnung für die Freunde schöner Handlungsballette. Erleben wir nach Zeiten der Verbannung und Ignoranz von pars pro toto "Schwanensee", "Nussknacker" oder "La Fille mal gardé" endlich wieder auch fröhlich unterhaltsame, undeprimierende und weniger esoterische Tanztheaterabende für die ganze Familie? Es wäre wünschenswert und würde den Freunden der großen klassischen Ballette zukünftig viele lange Fahrten in die Nachbarorte Essen, Gelsenkirchen und Dortmund ersparen; oder zu jenen unsäglichen Kommerz- und Kirmes-Veranstaltungen a la "Russisches Staatsballett" in irgendwelchen Tonhallen zu Kassettenrekorder-Musik, wo man über die Jahre angesichts der mißlichen Situation notgedrungen gelandet ist.

Ungeachtet seiner sicherlich respektablen Leistung für einen Teilbereich des Balletts, nämlich das "moderne Tanztheater", war Martin Schläpfers so einseitige Sicht ("Handlungsballette gibt es bei mir nicht!") schlicht der Inbegriff von Ignoranz und Arroganz. So agiert ein verblendeter Sonnenkönig, der sich nicht dem breiten Publikum (das ja letztlich alles bezahlt) sondern seinen Vorlieben verpflichtet sieht. Ein absolutes Unding für die Verantwortung des Ganzen, die der Spartenleiter eines großen Opern-Hauses auch seinem Publikum gegenüber hat.

Was würde eigentlich passieren, wenn irgendein Opernintendant seinem Publikum nur noch Opern aus der Neuzeit präsentieren würde? Tenor: Also liebes Publikum, wir spielen ab sofort ausschließlich Zimmermann, Berg, Cage, Feldman, Kagel, Ligeti und Stockhausen. Alles was vor dem 20. Jahrhundert komponiert wurde, ist für mich alter Opernkäse und nicht mehr zeitgemäß. Basta, keine Kompromisse mehr.

Daß Rheinopern-Intendant Christoph Meyer der eigentlich Schuldige an dieser Misere war, ist unzweifelhaft. Denn Schläpfer hatte ja niemanden darüber im Unklaren gelassen, daß, wer ihn verpflichtet, die großen Ballett-Abende aus seiner Vorstellung streichen müsse. Leider hat man den Vertrag des Generalintendanten vor kurzem erst bis 2019 verlängert; eine ähnliche lange Ziel-Vorgabe, wie sie die Düsseldorfer Stadtoberen auch für die Chefposition vom Herrn Ballettdirektor Schläpfer vertraglich geregelt hatten. Das alles galt wohl nur bis heute vormittag. Man wird sich verwundert die Augen gerieben haben.

Pacta non sunt servanda an der Rheinoper - so scheint es.

Immerhin wird Christoph Meyer ewiglich als nicht nur der Düsseldorfer Intendant in Erinnerung bleiben, der nicht nur den neuen (?) Begriff der "Oper am Rhein" kreiert hat, in dem er das naziverdächtige böse Vorwort "Deutsche" eliminieren ließ, sondern auch das Haus wieder ins Internationale Feuilleton quasi weltweit gebracht...

.. durch einen, seinen (!)Tannhäuser-Skandal.

Wobei, wie ich noch bemerken muß, das ja 2013 nicht die provokante Inszenierung von Burkhard C. Kosminski das Skandalöse war, sondern das sofortige, geradezu lächerliche Einknicken der Intendanz auf die Reaktion von Publikums-Pöblern, Wagner-Verbänden, Opernstammtischen und Pressure Groups, die überwiegend diese Produktion nicht gesehen hatten.

Doch zurück zum aktuellen Tagesthema:

Wieso die NRW Presse diesen Rückzug von Schläpfer erst durch eine heutige Meldung via Merker-Online (Wien), wo man sich auf Manuel Brug von der WELT beruft, erfährt und nicht von der offiziellen Pressestelle der Rheinoper, ist das nächste Ärgernis. Immerhin ist nach Rückfragen, dann doch endlich eine offizielle Pressemeldung darüber verspätete heute Mittag veröffentlicht worden - mit einer an Realsatire erinnernder Überschrift:

Schläpfer bekommt mehr Raum für künstlerische Arbeit

Donnerwetter, ein Geniestreich an sprachliche Formulierungskunst. Oder die übliche Realitätsverschleierung, die wir sonst nur aus der Politik kennen; erinnert mich an ein Schreiben unseres NRW-Schulministeriums, wo neuerdings Flüchtlingsklassen nur noch als "Internationale Förderklassen" bezeichnet werden dürfen.

Fassen wir die blumenreich verschwurbelte Pressemitteilung der Rheinoper kurz zusammen und zitieren als destillierte Essenz die WELT bzw. unsere Freunde vom MERKER: "Schläpfer ist die administrative Verantwortung müde. Und deshalb gibt er zum Ende der Spielzeit 2015/16 seinen Direktionsposten auf – und an seinen bisher Stellvertreter Remus Şucheană (Bild unten links) weiter. Bis mindesten 2019 (solange läuft sein bisheriger Vertrag) wird Schläpfer der von ihm ab 2009 in Düsseldorf geformten Truppe als Künstlerischer Direktor und Chefchoreograf erhalten bleiben."

Eben schrieb mir ein eifriger Opernfreund-Leser zu dem obigen Bild

"Hallo liebe Opernfreund-Redaktion, das sieht für mich aus, als lachen sich da zwei ins Fäustchen über einen gelungenen Coup." Bilder sagen mehr als Worte....

Was für eine wunderbare kleine Amigo-Affaire. Oder nicht? Und was sagt der Aufsichtsrat der Rheinoper zu solchen Überraschungs-Aktionen? Wir werden es hoffentlich erfahren, denn auch er hat wie verlautet, heuer erst getagt und vermutlich, wie immer, alles klaglos durchgewunken. Es geht also weiter nach dem Motto "Le roi s´amuse´" aber le roi tritt nicht wirklich zurück. Wie heißt es bei unserem heißgeliebten traditionellen "Dinner for one": "Same procedure as last year, same every year..."

Wird hier eigentlich das Publikum auf den Arm genommen?

Außer ein bisserl Pöstchenverschieberei ist nichts gewesen, so scheint es. Wären wir in Köln liefe das alles unter "Klüngel". Aber wir sind hier in der Landeshauptstadt und nicht in der Hauptstadt des Karnevals.

Was ändert sich eigentlich bis 2019, außer daß die Ausgaben steigen?

Oder gilt auch hier das Ying-Yang Prinzip? Was der eine weniger verdient, bekommt der andere nun mehr an Gehalt. Dann wäre die Welt, zumindest für mich, wieder teilweise in Ordnung. Aber die Familien müssen weiterhin in den Kohlenpott für zauberhafte unterhaltsame Ballettabende reisen.

Peter Bilsing 28.1.16

 

Bilder (c) Rheinoper

Remus Şucheană und Martin Schläpfer © Susanne Diesner

 

 

Regietheater vor Gericht

München: Streit um die geplante Tcherniakov- Inszenierung „Dialogues des Carmélites“tritt nun in die entscheidende Phase

Die Erben des Komponisten Francis Poulenc und des Autors Georges Bernanos wollen die Aufführung der Oper „Dialogues des Carmélites“ an der Bayerischen Staatsoper in München verhindern. Sie fordern Änderungen der Inszenierung, wie das Opernhaus am Donnerstag mitteilte. Andernfalls dürfe die Interpretation des russischen Regisseurs Dmitri Tcherniakov nicht auf der Bühne des Nationaltheaters gezeigt werden, verlangen die Erben.

Sie sind der Auffassung, dass die Umsetzung der Schlussszene durch Tcherniakov das Werk entstellt. In der Interpretation des Regisseurs, die im März 2010 Premiere hatte, rettet die Hauptfigur ihre Mitschwestern vor dem Tod und kommt somit als Einzige ums Leben. Nach Meinung der Erben muss der Märtyrertod aller Nonnen aber zwingend szenisch umgesetzt werden, um die Kernaussage des Werkes zu treffen… (Quelle: Münchner Merkur)

Die Oper Dialogues des Carmélites von 1957, im Auftrag von Ricordi für die Mailänder Scala komponiert, ist Poulencs wohl bekannteste. Die Handlung basiert auf dem Schicksal der 16 Karmelitinnen von Compiègne, die während der Französischen Revolution durch die Guillotine hingerichtet wurden, und auf dem Roman Die Letzte am Schafott von Gertrud von le Fort.

Francis Poulenc starb am 30. Januar 1963 in Paris an Herzversagen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris.

Nachdem der Tod von Poulenc erst 52 Jahre zurückliegt, ist das Werk sozusagen nicht „frei“. Eigentlich ist das keine künstlerische Geschmacksfrage, sondern eine reine Rechtsfrage – meine ich. Ein Gericht sieht es offenbar anders, wie der „Münchner Merker“ weiter berichtet:

Doch Intendant Nikolaus Bachler hält dagegen: „Bühnenkunst wird durch freie Interpretation am Leben erhalten, nicht durch vermeintliche Rechtsansprüche.“ Die fünf Aufführungen zwischen 23. Januar und 1. Februar sollen unverändert stattfinden.

Der Forderung der Erben geht ein längerer Rechtsstreit voraus. Schon zur Wiederaufnahme der Münchner Inszenierung im November 2012 war in Paris eine Klage unter Berufung auf das Urheberpersönlichkeitsrecht anhängig, mit der weitere Aufführungen untersagt werden sollten. Auch der Vertrieb einer DVD und die Ausstrahlung einer Fernsehaufzeichnung sollten nach dem Willen von Poulencs und Bernanos Nachkommen verboten werden. Die Klage gegen das Opernhaus wurde jedoch von zwei Gerichten abgewiesen. Allerdings entschied das Berufungsgericht, dass die DVD und die Fernsehaufzeichnung unter Verschluss bleiben müssen…

Im Grunde genommen ist diese Story bereits ein „alter Hut“ , die Gerichte haben den Erben nur in eher unwesentlichen Belangen Recht gegeben. Aber hier geht es um ein gerade unter Opernfreunden ganz heißes Thema, nämlich um das der „Werktreue“. An die Erkenntnisse der Gerichte müssen sich auch Verfechter der absoluten Werktreue halten, wenn auch zähneknirschend. Im Grunde genommen hat aber das Publikum das stärkste As im Ärmel: es muss die Aufführungen ja nicht besuchen! Aber hingehen, dort die Kassa füllen und nachher protestieren, ist keine besonders effektive Lösung.

Anton Cupak 8.1.16

 

 

Aus aktuellem Anlaß

ES REICHT !

7.01.16

In der Silvesternacht haben sich im und um den Kölner Bahnhof, auf der Reeperbahn in Hamburg und möglicherweise auch anderenorts Hunderte bis Tausende von augenscheinlich aus arabischen Ländern Nordafrikas stammende junge Männer versammelt, vor den Augen der Öffentlichkeit in größeren Gruppen einzelne Frauen umringt, überfallen, massiv sexuell belästigt – es soll in Köln sogar zu zwei Vergewaltigungen gekommen sein – bestohlen und beraubt. Es ist zu Hunderten von schweren Straftaten gekommen. Wie sich jetzt langsam herausstellt, hat die Polizei in Köln Opfern nicht geholfen, den Bahnhof lediglich geräumt, also alle Tatverdächtigen vom Tatort weggeschickt, ohne Personalien aufzunehmen, Mobiltelefone sicherzustellen oder Festnahmen zu tätigen.

In der sonst so sensationsgeilen Presse war trotz vieler Strafanzeigen zunächst so gut wie nichts über dieses offenbar organisierte vielfache Massenverbrechen zu lesen, das außer den oben beschriebenen Tatbeständen auch den des schweren Landfriedensbruchs erfüllt. Die Grünen kommentierten das Geschehen nicht, die Vorsitzende Claudia Roth lieferte im WDR-Interview ein klägliches Bild des peinlich hilflosen Herumstotterns und Herunterspielens ab, und von Regierungsseite ist nichts zu hören. Die Kölner Polizei schiebt aus „Zuständigkeitsgründen“ die Verantwortung auf die Bundespolizei ab, die „auf Bahnhöfen zuständig sei“. Dort sei die Schuld an fehlenden Maßnahmen zu suchen, so der Polizeipräsident von Köln. Und NRW-Innenminister Jäger sieht ebenso keinen Grund, Verantwortung zu übernehmen.

 

Ein Kommentar dazu von Anton Cupak, Der neue Merker, Wien:

Ist die Polizei in Köln in einer Krise?

oder können sich die Frauen in Köln einfach nicht benehmen?

Man kann keine Vorverurteilungen treffen, zumal die Täter, die sexuelle und andere Übergriffe auf Frauen (auch Diebstahl und Raub waren darunter) begangen haben, nicht namentlich bekannt sind. Warum eigentlich nicht? Durfte die Polizei niemand festnehmen, damit dessen Identität nicht bekannt wird? Gab es eine politische Weisung, womöglich von allerhöchster Stelle? Wozu brauchen wir diese Begünstigung, zur Legendenbildung? Und genau das ist der Skandal. Ginge es nach mir, müßte der Polizeichef von Köln sofort seinen Hut nehmen – in Verantwortung für die Verantwortlichen.

Die Presse hat den unglaublichen Vorfall auch einige Tage total heruntergespielt. Also ist auch die Presse in der Krise!

Manchmal ist allerdings Schweigen Gold. Aus höchstem Kölner Politikermund wurde gestern eine Fibel mit Verhaltensempfehlungen für Frauen ausgegeben. Nach der sollen Frauen größeren Männeransammlungen großflächig ausweichen und überhaupt einen Sicherheitsabstand zu Männern halten. Nachdem die attackierten Frauen in der Silvesternacht überhaupt ausgegangen und noch dazu nicht unter Frauen geblieben sind, trifft sie also selbst Schuld! Anders ist dieser blödsinnige Versuch mit der Fibel nicht zu interpretieren.

Welch Macho hat diese strohdumme Aktion vom Stapel gelassen. Frauen, wehrt Euch gegen solch einen Idioten!

Das Schlimme: Kein Macho, sondern die neu gewählte Kölner Oberbürgermeisterin hatte diese Idee!

Politiker in der Krise? Das ist wohl keine Frage mehr. Die Frage ist eher, wie diese Politiker wieder „die Kurve kratzen“.

Wäre ich an diesem Schlamassel mitschuldig, wüßte ich, was ich zu tun habe! Aber Politiker haben bekanntlich keinen „Genierer“!

 

Ein Kommentar unseres Chefredakteurs Frank Becker:

Wer diese Zeichen richtig deutet, muß zutiefst um den sozialen Frieden, unsere Bevölkerung und unsere abendländische Kultur besorgt sein. Wenn ein gesetzloser Mob in der Lage ist, jegliche Menschenachtung und alle Gesetze vor den Augen der Polizei und in aller Öffentlichkeit in den Dreck seiner Unkultur zu ziehen, wenn Frauen in unserem Land zu Freiwild einer „Kultur“ werden, die Frauen niedriger als Vieh einordnet, dann gute Nacht, Abendland! Auf diese häßliche Antwort auf unsere jubelnde „Willkommenskultur“ muß die ganze Schärfe des Gesetzes und die sofortige unnachsichtige und kompromisslose Ahndung folgen. Da darf es keine politisch taktischen Rücksichten geben.

In Köln, Hamburg oder vielleicht auch anderswo haben Männer, die als Gäste, Asylbewerber, Einwanderer aus islamischen Ländern der Wohlfahrt wegen in unser Land gekommen sind, jegliches Recht, alle Gesetze von abendländischer Kultur, die Achtung vor Frauen mit Füßen getreten und damit gezeigt, was sie von unserem Land halten, dessen Vorteile sie schamlos in Anspruch nehmen. Wir sind an einem Punkt angelangt, von dem aus es für diese Leute kein Zurück und kein Pardon geben darf. Schnelle Ermittlungen, öffentliche Benennung der Täter, optimale Strafen und/oder sofortige Ausweisung in ihre Herkunftsländer, Krisenstaaten oder nicht, sind unabdingbar. Diese Leute sind hier nicht mehr willkommen und mit Sicherheit weder integrierbar noch resozialisierbar.

Wo sind eigentliche die alternativen/grünen Frauenrechtlerinnen, die sonst so vehement die Rechte von Frauen einfordern, sich über „frauenfeindliche“ Werbung und ähnlichen Unfug echauffieren? Wo sind deren Demonstrationen gegen dieses himmelschreiende Unrecht? Ihr habt dieses Problem vor der Brust, nicht den albernen Gender-Kram.

Wo ist die Anteilnahme der Bevölkerung unseres Landes, die völlig zu Recht gegen die Gewalt protestiert, welche sich gegen Flüchtlinge richtet? Ist die Gewalt eines nordafrikanischen Mobs auf deutschen Straßen und Plätzen gegen Frauen in Euren Augen nur ein Kavaliersdelikt? Seid ehrlich, davor habt Ihr Schiß!

Wo bleibt eine deutliche Stellungnahme unserer längst mit ihrer Ausländerpolitik und an ihrem „Wir schaffen das!“ gescheiterten Kanzlerin, die den Unfug des aus anderen Gründen gescheiterten Bundespräsidenten Wulff vom „Islam, der zu Deutschland gehört“ nachplappert? Das sitzen wir mal aus. Es wird Ihnen nicht gelingen, Frau Merkel!

Da ist im Zusammenhang die oben erwähnte „Verhaltensfibel“ der nach einem rechtsextremen Attentat soeben erst genesenen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein widerwärtiger Schlag ins Gesicht aller Opfer und aller Frauen schlechthin. Frau Reker, sollen Frauen in unserem Land jetzt vielleicht verschleiert gehen, um Männer nicht zu reizen? Knicken Sie vor dem radikalen Islam ein? Sind ab jetzt Vergewaltigungsopfer selber schuld, wenn sie sich in die Nähe von (möglicherweise muslimischen) Männeransammlungen begeben? Pardon, aber ist dieser Hirnriß vielleicht Folge des Attentats? Sie stellen alle unsere Rechte, Werte und Kulturgüter zur Disposition. Treten Sie sofort zurück und ordnen Sie Ihre Gedanken!

Und an die „freiheitliche Presse“, die in diesem Zusammenhang erbärmlich aussieht: was hindert Euch, liebe Kollegen, Roß und Reiter zu nennen? Vor welchen staatlichen Direktiven knickt Ihr ein? Wer hat Euch einen Maulkorb angelegt – und vor allem: warum, und wieso nehmt Ihr das hin?

Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer? Die Verbrechen der Silvesternacht gehören zum Schlimmsten, was man Frauen antun kann – das jetzt klein zu reden, wäre ebenso ein Verbrechen gegen deren Integrität wie die Straftaten selbst. Hier heißt es schonungslos aufzudecken.

Es sei allen Gutmenschen und Sozialromantikern in aller Deutlichkeit gesagt: Wir haben ein Problem. Deutschland hat ein Problem. Ein großes Problem. Jetzt solltet auch Ihr einmal aufwachen und Position beziehen, anstatt das rechten Hohlköpfen zu überlassen.

Natürlich muß der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers zurücktreten, und natürlich muß der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger zurücktreten, denn beide haben eklatant versagt, nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch in ihren butterweichen Rechtfertigungen. Und laßt bitte nicht die über jedes Maß geforderten und schlecht ausgerüsteten und schlecht geführten Polizeibeamten als Prügelknaben herhalten. Es ist Zeit für Maßnahmen, Zeit, die Polizei personell und instrumentell erheblich aufzustocken, anstatt immer weiter Stellen abzubauen. Zeit ist jetzt auch für die Justiz, deutliche Zeichen zu setzen. Sofort und nicht erst nach endlos in die Länge gezogenen Verfahren. Verbrecher wie jene, die in der Silvesternacht unsere Bürgerinnen aufs Tiefste erniedrigt und verletzt, unseren Staat und unsere Polizei lächerlich gemacht haben, dürfen keine zweite Chance haben. Und sie müssen es sofort spüren.

Oder hat die Politik der von uns gewählten „Volksvertreter" längst kapituliert? Geben wir uns in die Hand unkontrollierbarer anonymer Massen? Wie hilflos ist unser Staat eigentlich? Dürfen wir uns aufgrund der düsteren Vergangenheit Deutschlands immer noch nicht gegen von Ausländern begangenes aktuelles Unrecht wehren? Soll unser bisher funktionierendes Gemeinwesen in sich wegduckendem Chaos versinken?

Angesichts solcher Zustände und mir irgendwie bekannt erscheinender barbarischer krimineller Horden erlaube ich mir, tief beunruhigt, Max Liebermann zu zitieren, der angesichts des SA-Fackelzugs durchs Brandenburger Tor am 30. Januar 1933 sagte: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Frank Becker 7.1.15

 

Presse

Medienversagen gefährdet den Sozialen Frieden in Deutschland  Huffington Post

1000 Männer belästigen Frauen und ignorieren die Polizei  Wirtschaftsnachrichten

Straftaten einer völlig neuen Dimension  Hamburger Abendblatt

Angriffe auf junde Frauen auch in Hamburg FAZ

Totgeschwiegen oder relativiert Junge Freiheit

Mittelalterliches Verhältnis von Mann und Frau Handelsblatt

 

 

Wird uns Silvester bloß aus Gedankenlosigkeit vermiest...

Oder steckt gar Absicht dahinter?

Ein ungenannt bleibender Leser hat folgende Gedanken zu den schon etwas hysterisch anmutenden Terror-Abwehraktionen nicht nur in Österreich eingebracht. Um nicht missverstanden zu werden: Die Geheimdienste sollen mit Volldruck und darüber hinaus arbeiten, dazu sind sie ja da. Ihre Infos haben alle Sicherheitskräfte zu interessieren, aber keineswegs die Bevölkerung. Derzeit jubeln die eigentlich geheim bleiben sollenden Organisationen jeden Tag über einen eben durch sie verhinderten Terroranschlag und die Rettung der Welt. Damit verunsichert man erstens die Bevölkerung und ermutigt zweitens auch wirkliche Terroristen zu neuen Taten – denn für diese ist es ein riesiger Erfolg, Europa mit vollen Hosen dastehen zu sehen. Aber nun zum Beitrag unseres Lesers:

"Danke für den Hinweis in Ihrem Tageskommentar auf die völlig absurde Terror-Paranoia in West/Mitteleuropa bzw. den USA, mit der sich leider sämtliche Bürgerfreiheiten und in weiterer Folge auch demokratische Grundrechte aushebeln lassen! Der „Otto-Normal-Dodl“, der den durchschnittlich medialen Quatsch à la ORF schaut, fürchtet sich nämlich vor einem (islamistischen) Terroranschlag in Wien, Salzburg oder gar St.Pölten mehr als vor der eigenen Familie, obwohl die Wahrscheinlichkeit durch ein Mitglied der eigenen Familie zu Tode zu kommen mehr als 100 Mal höher ist!!! Auch ein Lotto-Sechser ist statistisch wesentlich wahrscheinlicher als in unseren Breiten terroristisch umzukommen. 

Aus dem Tageskommentar von Anton Cupak (Wien) 31.12.15

 

Chefredakteurs P.S.

Und vorsicht pars pro toto bei Krankenhausbesuchen zwecks operativem Eingriffs! Die offiziellen - also die nicht mehr zu vertuschenden Fall-Zahlen von Ärztefehlern oder Tod durch Krankenhausinfekt - liegen bei rund 20 000. Fachleute sprechen allerdings von einer Dunkelziffer die im 6-stelligen Bereich liegt. Wie sagte einst Hacketal, der berühmte Professor und Ärztekritiker "Vorsicht Arzt!"

Haben Sie Angst vor Grippe? Sollten Sie bei rund 11 000 Toten im letzten Jahr.

Und soll ich Ihnen nun so richtig das Neue Jahr vermiesen, dann denken Sie an folgende Schicksale, die Ihnen drohen können und die sehr realistisch sind, obwohl diese de-Mortuis-Zahlen schon über 10 jahre alt sind:

Todesfälle durch

Kreislauferkrankungen 396.622, Tumorerkrankungen 209.255, Diabetes 23.941, bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten 10.891 Menschen, Unfälle mit Transportmitteln: 6842,  Stürze: 7877, Ersticken: 1318 Menschen, Vergiftungsunfälle 722 Menschen, tätliche Angriffe: 553 Menschen, Ertrinken: 514 Menschen, Aids 507 und als Zugabe noch 20 Tote durch Bienenstiche in Deutschland. Ähem - da dann Frohes neues....                                                                                    P.B.

 

 

BENEHMEN IST GLÜCKSSACHE !

IST BENEHMEN WIRKLICH GLÜCKSSACHE ?

Thomas Prochazka berichtet über so einen „Touristenabend“ in der Wiener Staatsoper: Anbei ein „Beweisfoto“ dafür, wie gut der Publikumsdienst an der Staatsoper derzeit funktioniert und daß man gutes Benehmen auch nicht um teures Geld kaufen kann:

In der gestrigen Vorstellung von La cenerentola verließen rund 30 Personen die Aufführung in der Umbaupause nach ca. 60 Minuten, nur um gleich darauf wieder in den Zuschauerraum zurückzukehren und, weil man ohne Licht die Plätze nicht gleich wieder fand, alle anderen beim Fortgang der Vorstellung zu stören.

Nach der Pause wurde in mehrere Parterre-Logen Essen und Getränke mitgenommen, als befände man sich zu Hause im Wohnzimmer. Als der Publikumsdienst endlich einschritt und die Damen und Herren einer Loge (alle anderen blieben unbehelligt) aufforderte, mit dem Essen die Loge zu verlassen, wurden die Herrschaften unwirsch. Danach kehrten sie — in Missachtung eines weiteren Punktes der Hausordnung, welcher auch Besuchern auf Logenplätzen den Zutritt nach Beginn der Vorstellung verwehrt — noch während des zweiten Aktes wieder in ihre Loge zurück und störten die Umsitzenden und vor ihnen Stehenden.

Dass auch im Parkett nach der Pause noch Publikum eingelassen wurde, als Michael Güttler schon längst am Pult stand, fiel da kaum mehr ins Gewicht. Darf man eigentlich von der Wiener Staatsoper erwarten, dass die Damen und Herren des Publikumsdienstes die Hausordnung kennen und diese in Wahrung der Rechte der überwiegenden Zahl jener Besucher, die sich daran halten, exekutiert?

Soweit der Bericht unseres Redakteurs. Ich war nicht in der Vorstellung, kann also aus eigener Wahrnehmung nichts sagen. „Vor ihnen stehenden“ besagt, dass die Herrschaften in den teuersten Logen in der Mitte mit bester Sicht  im wahrsten Sinn des Wortes „logiert“ haben. Dass es angeblich mehrere Logen betroffen haben soll, lässt darauf schließen, dass da eine ganze unerzogene Gesellschaft unterwegs war.

Bevor nun einige Leute sagen, dass „da grad der Richtige redet“, gestehe ich ein, dass ich mich bei Konzerten im Merker-Kunstsalon in der Gatterburggasse gerne mit einem gut gefüllten Gläschen an meinem Platz begebe – aber in Elena Habermanns Etablissement hat mich noch kein Publikumsdienst beanstandet. Auch in Wiens „Letztem erfreulichen Operntheater“, dem „LEO“ in der Ungargasse, leistet man diesen Sitten sogar Vorschub, indem man Tischchen bereit stellt, an denen man sich an den sensationellen Schmalzbroten das Hauses delektieren kann, nebst Flüssigem, versteht sich! Der Besuch des LEO empfiehlt sich schon allein wegen der Schmalzbrote, da ist eigentlich ziemlich egal, was gerade auf dem Spielplan steht

Aber da wie dort befinden wir uns nicht in „heiligen Hallen“.

Soviel ich weiß, stehen auch in den Vorräumen zu den Staatsopern-Logen klitzekleine Tischchen. Wozu? Eine Handtasche würde ich dort nicht ablegen, die Welt ist bekanntermaßen schlecht.

Dem Publikumsdienst würde ich eher keine Vorwürfe machen, denn was sollen diese armen Leutchen auch tun?  Es handelt sich meist um ausländische Gäste – und denen muss auch der Publikumsdienst mit gebotener Höflichkeit, mit Verständnis für Sitten und Gebräuche begegnen. 
Und jetzt mal ganz ehrlich, Herr Redakteur: Hätten Sie den Frevel mit den Sektgläsern überhaupt bemerkt, wenn der Publikumsdienst nicht eingeschritten wäre?

Wir haben keine Krise des Publikumsdienstes, sondern eine Krise des Publikums. Von anderer Seite gelangte ein Kurzberericht von der Galerie zu mir: Wir waren auch gestern in der Staatsoper und es war auf der Galerie unerträglich laut, allerdings ohne Sektgläser. Nach der Pause begann es bereits, die Türen waren noch nicht geschlossen und erst später watschelte der langsamste unter den Billeteuren heran und machte diese zu. 
Um die Glaserln zu sehen,  saßen wir sicher auf der falschen Seite. Aber schon zu Beginn hatte das Galeriepersonal das Publikum nicht im Griff.

Was soll der Publikumsdienst also tun. Angreifen darf er die Leute nicht – und der Einsatz von Pfefferspray ist (noch) nicht erlaubt!

Anton Cupak 27.12.15 (Tageskommentar Merker-Online)

 

Chefredakteurs-P.S.

Ich empfehle Elektroschocker bzw. sogenannte Taser. Bei den einfachen Geräten muß man allerdings nahe an den Störenfried heran. Für die die Ordnungkräfte

in einem Opernhaus sollte man Geräte anschaffen, wie dieses (was auch die amerikanische Polizei benutzt), denn damit kann man auch noch Rüpel ruhigstellen, die etwas weiter im Zentrum sitzen - ohne die braven Außensitzenden zu stören. Natürlich muß ein solcher Zielschuss geübt werden; versteht sich.

Ich persönlich erachte die einfachen Elektroschocker auch fürs Publikum als sehr nützlich; besonders um jener Sorte von ungehobelten Flegeln zu begegnen, die zuspätkommend widerrechtlich (!) eingelassen werden und sich dann während der Ouvertüre durch die Reihen zu drängen versuchen, um ihren Platz - meist mitten in der Reihe einzunehmen. Wobei ein kurzes Herausnehmen des Gerätes und die Demonstration des Elektroknattern meist schon ausreichen wird, damit die Leute von ihrer geplanten Untat Abstand nehmen.                                                        P.B.

 

 

 

Ausblick auf den neuen Bayreuther Parsifal

Ruhig ist es um den Bayreuther „Parsifal“ (Premiere 25.7.2016) geworden. Jonathan Meese wäre den Journalisten schon recht gewesen, allein, die Festspielleiterin Katharina Wagner bekam „kalte Füße“ oder Angst vor der eigenen Courage und setzte den Provokateur vor die Tür. Wie der Zufall so spielt, hatte Uwe Eric Laufenberg ein fertiges „Parsifal“-Konzept in der Schublade herumliegen, das er andernorts nicht verwirklichen konnte. Bayreuth war nun bereit, als „Restelverwerter“ einzuspringen. Doch halt, das ist nicht so negativ gemeint, wie es vielleicht klingen mag, auch ein zwischengelagertes Konzept kann gut sein. Die Opernwelt kennt Uwe Eric Laufenberg als seriösen Arbeiter, Theaterskandal dürfen wir uns also keinen erwarten.

Uwe Eric Laufenberg gewährte im „Hamburger Abenblatt“ erste Einblicke in seine „Parsifal“-Deutung: Der Regisseur Uwe Eric Laufenberg (55) möchte in seiner „Parsifal“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2016 die religiöse Komponente der Oper herausstellen. Komponist Richard Wagner habe gewusst, dass der „Parsifal“ sein letztes Werk sein werde, sagte Laufenberg dem Fachblatt „Das Opernglas“ (Januar-Ausgabe). „“Parsifal“ hat also direkt mit seinem Ende, mit seinem Tod zu tun, ist ein Stück der letzten Dinge. Als solches versuchen wir es auch zu inszenieren.“

Wagner habe in dem Werk versucht, das darzustellen, was er als wesentlich für das Christentum ansah: Empathie, Mitgefühl, die Hinwendung zum Nächsten, das Leid, die Erlösung. Nach Laufenbergs Ansicht gibt es aber eine große Berührungsangst, die religiösen Themen der Oper bei Inszenierungen anzutippen. Vielleicht, weil die Angst vor Religionskitsch zu groß ist, vor religiösen Momenten auf dem Theater, die dann banalisiert wirken“, sagte der Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Mit der „Parsifal“-Neuinszenierung sollen die Richard-Wagner-Festspiele am 25. Juli 2016 eröffnet werden.

Anton Cupak 25.12.15

 

 

DIE WELT IST NICHT GENUG....

20 Prozent mehr im Öffentlichen Dienst an der Kölner Oper für alle 2017...

...nein, nicht für alle.

Nur für die Intendantin!

Liebe Opernfreunde, Filmkenner und Steuerzahler, grundgütige Kölner!

Kennen Sie den legendären Satz aus dem berühmten Bond-Film, wo die böse Elektra unseren fast gefallenen Helden stranguliert und ihm ins Ohr flüstert "James, schade - ich hätte Dir die Welt zu Füßen gelegt." Und der edle Held (damals noch Pierce Brosnan) antwortet eiskalt "Die Welt ist nicht genug!"

Nichts gegen die rührige Intendantin der Kölner "Behelfsoper", Frau Dr. Birgit Meyer; wahrscheinlich würde sie die stattliche Summe von 18 000 Euro Monatsgehalt ab 2017 durchaus verdienen, vielleicht auch viel mehr, falls ihr Vertrag ohne jegliche vorherige Ausschreibung tatsächlich verlängert würde - was aber schon ziemlich sicher scheint, da dies bereits heute von verantwortlichen Lokalpolitikern - großspurig und ohne jegliche Abstimmung im Vorfeld, der Presse verkündet wurde.

Damit würde die Intendantin der "Baustellen-Oper-Köln", über die wir ja nicht nur auf dieser Seite, sondern fast ununterbrochen berichten, beinahe doppelt soviel Salär erhalten, wie Henriette Reker, die derzeitige Kölner Oberbürgermeisterin. Respekt! Und auch noch immer erheblich mehr als der Oberbürgermeister der von den Urkölnerns so gehassten Landeshauptstadt Düsseldorf.

Wahrscheinlich wird es nach 2017 dann auch eine Steigerung der anderen Gehälter an der Kölner Oper um diese 20 Prozent geben, oder etwa nicht?

Das wäre doch nur gerecht, denn es ist ja die große Leistung der Kleinen (pars pro toto: Pressereferenten, Dramaturgen, Techniker, Schneider, Maler, Beleuchter, Reinigungskräfte, Kartenverkäufer...) welche das Riesenhaus überhaupt, derzeit noch sehr notdürftig, am Leben erhalten.

Wie bitte? Ich irre mich! Unfassbar...

Alle anderen Mitarbeiter der Kölner Oper bekommen nur den üblichen Satz von ca. 1,6 Prozent, den die Gewerkschaft für alle öffentlich Bediensteten mühselig mit Streiks ausgehandelt hat - falls es 2017 angesichts der wirtschaftlichen Probleme überhaupt eine Gehaltserhöhung geben sollte.

Filmplakat (c) 20.Century Fox 

 

Neidvoller Gruß aus Düsseldorf

Ihr Peter Bilsing

 

 

 

SANIERUNG OPER KÖLN

entwickelt sich zum Alptraum für den Steuerzahler

"Jeht datt denn noch joht?"

Zu allem Übel stellte man mittlerweile auch noch fest, daß die Baustelle Kölner Oper nicht winterfest ist, so daß nun weitere Schäden und eigentlich vermeidbare Folgekosten entstehen. Aber das ist ein eher kleineres Problem. Auf der heutigen stark frequentierten Pressekonferenz der Stadt Köln auf der Baustelle im Pausenraum des Schauspielhauses wurde als nächster, voraussichtlich überhaupt möglicher Wiedereröffnungs-Termin nun die Saison 2018/19 bekannt. Die Kosten für den Steuerzahler steigen von ursprünglichen 280 Millionen auf aktuell geschätzte (!) 460 Millionen. Wer es glaubt, wird selig...

Die nach dem Attentat inzwischen im Amt befindliche neugewählte Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat es sich nicht nehmen lassen, persönlich die Pressekonferenz zu eröffnen. Wobei sie natürlich am allerwenigsten den von der Kulturdezernentin kreierten "Oberverantwortungshut" auf hat. Die versammelten Verantwortlichen konnten weder einen voraussichtlichen Eröffnungstermin benennen, noch die Kosten; das Ergebins der nun neu anzustellenden Planungen und zeitaufwändigen Ausschreibungen läge erst im kommenden Herbst vor. Aber immerhin sei die Bühnentechnik schon mal auf einem guten Weg. Nur - was nutzt sie, wenn keiner zuschauen kann ?

Den verantwortlichen Planungsfirmen, "die einfach schlecht gearbeitet haben", wurde inzwischen gekündigt. Rächt sich hier vielleicht mal wieder die Vergabe an einen billigen Anbieter ? Aber die Oper, die ja selbst nicht der Bauherr ist, soll mehr in das Procedere eingebunden werden. Immerhin sind  jetzt neue Planer im Boot, dazu eine große Kölner Anwaltskanzlei, welche die Abläufe begleiten wird. Man darf auf Regressforderungen gespannt sein.

Völlig offen ist auch , wo die Oper denn im dritten Jahr spielen soll; das Staatenhaus wird wohl nicht mehr zur Verfügung stehen, es sei denn es geschieht ein Wunder. Oberwasser haben jetzt natürlich diejenigen, welche die langfristig verfügbaren MCC-Hallen als Interim propagiert hatten. Aber hinterher ist man eh immer schlauer.

Hier der aktuelle Link des Kölner Stadtanzeigers.

Pausenraum des Schauspielhauses

Droht in Köln nun ein Debakel ähnlich der Hamburger Elb-(Alptraum)-Philharmonie, jenem Monument des Größenwahns eines Bürgermeisters (Ole von Beust), der damals siegesbewußt mit stolzer Brust (bei der Grundsteinlegung) noch vom 8. Weltwunder schwadronierte und süffisant bemerkte, daß man über den großen Deich schon ganz neidisch nach Hamburg herüberschaue. Einst mit ca. 70 Millionen angesetzt, steuert sie jetzt auf gut eine Milliarde zu. Immerhin hatte der Opernfreund damals schon den zehnfachen Betrag prognostiziert und wurde in Leserbriefen und Mails übelst beschimpft.

Nun denn, die Kölner Bürger sehen das anscheinend nicht so dramatisch, eher gelassen wie es scheint, frei nach dem Karnevals-Motto "Et hätt noch emmer joot jejange". Solange wie der Kölner Karnevalszug nicht in Gefahr ist und der 1. FC nicht wieder absteigt, schläft man augenscheinlich beruhig weiter. Die vielen Opernfreunde allerdings sind entsetzt. Ist das der Ruin der wunderbaren Kölner Oper, die einst zu den Top Five in Deutschland gehörte?

von rechts: F.-J. Höing, Baudezernent - Henriette Reker, Oberbürgermeisterin - Gregor Timmer, Presseamt - Stefan Bachmann, Intendant Schauspiel - Dr. Meyer, Intendantin Oper - Patrik Wasserbauer, geschäftsf. Direktor - nicht im Bild die Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach

Haben die Kölner "Klüngel-Politiker" es endlich geschafft, was ein Pierre Boulez 1967 mit der provokanten These (Spiegel Interview) man solle alle Opernhäuser in die Luft sprengen, mehr ironisch sarkastisch in die Diskussion ein brachte? Es scheint so.

Der Herausgeber des Opernfreund prognostiziert, daß selbst bei einer halben Milliarde noch nicht Schluss sein wird. Watt soll es - mer hamms ja (aber leider eben nicht).

Peter Bilsing & Michael Cramer 27.11.15

Fotos Michael Cramer / Opernnetz.de

Karikatur rerchts dazu von unserem Hauszeichner Peter Klier

 

 

Verdienen die Dirigenten zu viel?

Derzeit im Fokus: das renommierte Philadelphia Orchestra. Das hat zwar einen beliebten Dirigenten – Yannick Nézet-Séguin. Aber wegen ausbleibender Sponsorengelder und sinkender Zuhörerzahl sind dort markante Einschnitte nötig: Eine Budgetlücke von drei Millionen Dollar hat sich aufgetan. 153.000 Besucher wurden 2014/’15 verzeichnet; erhofft hatte man 180.000, in der Saison davor waren es 160.000. Das fehlende Geld musste durch Spenden hereingebracht werden.

Nezet Sequin erhält für seine Tätigkeit in Philadelphia etwa 550 000 Dollar pro Saison. Aber da ist er vergleichsweise ein armes Würstchen. In den USA ist man – je nachdem – stolz auf sein Gehalt und Spitzenverdiener nennen das auch unverblümt:

Laut dem Bericht bekam Riccardo Muti 2013 beim Chicago Symphony 2,3 Millionen Dollar für 14 Wochen Anwesenheit mit Tournee, Abo- und Sonderkonzerten. Der junge StarGustavo Dudamel verdiente 1,4 Millionen Dollar beim Los Angeles Philharmonic, Alan Gilbert bei den New Yorker Philharmonikern verbuchte 1,7 Millionen (2012), und der Österreicher Franz Welser-Möst beim Cleveland Orchestra 977.000 Dollar (2013).

In Philadelphia überlegt man nun, wie man sich für die Zukunft aufstellt. (Quelle: „kurier“)

Anton Cupak 25.11.15

 

 

Doch kein wirklicher Freund der Kölner Oper, Herr Dr. Groth ?

Antwort auf den Artikel "Status Oper Köln" - anlässlich der Kölner Cellini-Premiere. (siehe weiter unten)

Zwei Premieren binnen einer Woche in einem für den Spielbetrieb der Oper innerhalb von zwei Monaten hergerichtetem Gebäude mit großen nackten Hallen – das ist schon eine ganz bemerkenswerte Leistung sämtlicher Mitarbeiter des Hauses. Chapeau Chapeau !

Umso ärgerlicher und unverständlich ist es, wenn sich Ulrich Groth, Rezensent des Neuen Merker www.der-neue-merker.eu, so negativ über diese Spielstätte äußert. Hatte er denn eine bessere Idee, wo man in den nächsten beiden Jahren Oper spielen kann, und wenn, warum hat er sich nicht geäußert ? Anschließend meckern ist immer einfach. Die von CDU und FDP favorisierte einzig mögliche Alternative, die gesichtslosen MCC-Studios, weit entlegen im Kölner Norden, sind schlecht erreichbar, benachbart mit dem Kölner "Klingelpütz"-Gefängnis und Ikea, und wurden nicht nur vom neuen GMD F. X. Roth vehement abgelehnt.

Natürlich muss sich vieles einspielen, manche Unzulänglichkeiten bemerkt man erst mit der Zeit. So wird der Weg vom RTL-Parkhaus (nicht „mehrere Hundert Meter“, sondern nur zweihundert) zeitnah besser beleuchtet werden, ebenso ist eine Vorfahrtsmöglichkeit für Taxis und private Autos bereits eingerichtet. Auch soll der Weg von der U-Bahn für Fußgänger besser beschildert werden. Und: Die Gegend ist keinesfalls so einsam wie Herrn Groth schreibt; gleich daneben liegen der Rheinpark, der frequentierte Tanzbrunnen und das Tanzbrunnen-Theater.

Und für den Fall, dass Herr Groth nie einen Schirm parat hat und "durch den strömenden Regen hasten muss", da er immer auf den letzten Drücker kommt: den bräuchte er auch in Düsseldorf, in Wuppertal, in Gelsenkirchen, in Aachen, Mönchengladbach, Duisburg, auch in Hamburg, sogar in Wien, um nur einige Häuser ohne direkten Parkhauszugang zu nennen. Abwegig, dieses Argument.

Das Staatenhaus hat unbestritten einen großen Charme, man fühlt sich ein wenig in die Gründerzeit zurückversetzt, und wird vom Opernpublikum gerne angenommen, wie viele persönliche Gespräche ergaben. Die Weitläufigkeit zusammen mit einer schon jetzt gut eingespielten Gastronomie hat etwas Großstädtisches an sich, die beiden Spielstätten liegen - auch ohne Pfadfinderausbildung ganz einfach zu finden - rechts und links, die Kinderoper kommt Anfang Januar in die erste Etage, erreichbar über breite Rolltreppen. Hat sich Herr Groth denn wirklich verlaufen ? Und da die Zuschauer weit weg mit dem Rücken zur Eingangshalle sitzen, bemerken sie fehlende Türen überhaupt nicht.

Ansonsten fragt es sich, warum Herr Groth über die Anzahl der Sitzplätze meckert. Das ist doch wahrlich nicht seine Baustelle, sondern nur die der Geschäftsführung, die mit spitzem Bleistift rechnen muss. Und die Situation von Bühne und Orchester bei Cellini ist nur dem Regiekonzept geschuldet; später sind auch andere Möglichkeiten angedacht (siehe die prachtvolle Boheme vom letzten Sonntag mit Orchestergraben).

Verehrter Herr Dr. Groth, sie outen sich als „seit Jahrzehnten nachhaltiger Freund der Kölner Oper“. Dies erlaube ich mir nach Ihrem aggressiven Text nachdrücklich zu bezweifeln. Anstatt über die neue angeblich so grauenvolle Spielstätte zu lamentieren, sollte Sie sich lieber darüber freuen, dass es der Kölner Oper mit unglaublichem Einsatz und logistischem Können gelungen ist, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. In Köln gibt es wieder Oper, und das in einem durchaus sympathischen Ambiente.

Michael Cramer 24.11.15

 

STATUS OPER KÖLN

Ein Debakel

Die Kölner Oper ist eine teure Dauerbaustelle. In einer entlegenen Interimsspielstätte richten sich Musiker und Sänger so gut wie möglich ein – wie lange, das ist fraglich. Zitieren wir den Rezensenten Dr. K.U.Groth, der in seiner Kritik „Benvenuto Cellini“ auf die Situation eingeht

Der Rezensent ist seit Jahrzehnten nachhaltiger Freund der Kölner Oper und respektiert auch mit Bewunderung, was die derzeitige Intendantin Birgit Meyer gegen alle Widerstände aufge­baut hat. Leider ist jetzt aber festzustellen, dass es schlimmer eigentlich nicht mehr werden kann. War schon die Unterbringung im Musicaltheater am Hauptbahnhof, einem hässlichen akustisch unzulänglichen und feuerpolizeilich eigentlich nicht genehmigungsfähigen Bau, ein Debakel für den Qualitätsstandard der Kölner Oper, so ist man jetzt im Staatenhaus gewisser­maßen ganz unten angekommen. Der Bau aus dem Jahre 1924 liegt auf der falschen Rhein­seite weit ab vom Stadtzentrum im öden Kölner Messegelände, in das des Nachts normaler­weise keiner freiwillig zu Fuß vordringen würde. Der Zugang mit Pkw oder Taxis ist nicht möglich. Es gibt lediglich einen nur ganz schummerig beleuchteten Fußweg. Wer beispiels­weise von dem von der Oper genutzten RTL-Parkhaus ins Staatenhaus will, muss mehrere hundert Meter durch Dunkelheit und strömenden Regen hasten. Das ist ein unmöglicher Zu­stand auch im Hinblick auf geh- und sehbehinderte Zuschauer. Das Staatenhaus hat zwei Spielsälen mit jeweils nicht einmal 900 Plätzen und damit nur die halbe Kapazität des Opern­hauses. Es ist derartig weitläufig, dass man sich verlaufen könnte. Der für die besprochene Aufführung gewählte Saal I ist nicht einmal ein Saal im eigentlichen Sinne sondern offen zu einem riesigen Eingangsbereich. Eine Bühne gibt es nicht, einen Orchestergraben auch nicht. Das Orchester muss vielmehr weit hinter den Sängern postiert werden und klingt akustisch amputiert…

Ulrich Groth 22.11.15

Mit besonderem Dank an MERKER-online

 

 

Welten- und Liebesträume eines Phantasten 

Radames oder Benedikt von Peter?

Selten wohl wurde einem Berliner Opernereignis derart ungeduldig entgegen gefiebert wie der Premiere von Verdis „Aida“ am 22.11. in der Deutschen Oper Berlin, hatte doch Regisseur Benedikt von Peter durch eine Reihe von Statements die Erwartungen ins fast Unermessliche hochgeschraubt.

Zunächst einmal in Erstaunen versetzt hatte er Opernfreunde und solche, die es durch seine Arbeiten vielleicht werden könnten, mit Behauptungen wie: „Die Frauen bei Verdi haben keine Biographie, sie kommen aus dem gesellschaftlichen Nichts.“ Nun muss er Aida immerhin zugestehen, dass man über ihre Herkunft als äthiopische Prinzessin Bescheid weiß, aber wie sieht es mit anderen Verdi-Figuren aus?! Violettas Liebesleben scheitert daran, dass sie eine auch dem Zuschauer nur allzu wohlbekannte Vergangenheit hat, die von Azucena wird gleich zweimal, von Ferrando und ihr selbst dem Zuschauer vermittelt, auch Desdemona ist zwar unschuldig, aber durchaus kein unbeschriebenes Blatt.

Mit Radames scheint sich der Regisseur besonders gern anzulegen, wirft er ihm doch vor, dass der gemeinerweise nicht stirbt, er bleibt allein zurück und „ist unfähig zur Veränderung“. Welcher Grad von Veränderung sein Verdienst ist , kann der aufmerksame Zuschauer dem Nilakt entnehmen, aber der arme Radames ist halt für die Regie eine „narzistisch verklärte Figur, die allerdings für etwas anderes steht“. Leider erfährt der Leser des Interviews nicht, was dieses geheimnisvolle Andere ist. Orpheus bekommt bei dieser Gelegenheit auch gleich sein Fett weg, denn „er lässt seine Frau in der Hölle zurück“.       

Dass „Aida“ Verdis pessimistischstes Werk ist, kann man auch so recht nicht glauben, denn viel schlimmer als der Liebestod von Radames und Aida dürfte der Mehrheit der Zuschauer das Ende von Desdemona und Otello, der betrogene Rigoletto neben der durch seine Schuld zu Tode gekommenen Tochter vorkommen.

Benedikt von Peter behauptet, in „Aida“ könne der Einzelne nichts mehr bewirken, nicht einmal das Böse, wie es der Großinquisitor in „Don Carlo“ vertritt. Es gibt „nur die anonyme Gruppe der Priester“. Und was ist mit Ramfis, der im ersten Bild sogar allein, ohne die anderen Priester auftritt, ansonsten mehr als ihr Vorbeter ist, sei es im Triumph-Akt oder in der Gerichtsszene mit dem „Traditor“.

Beim Kartenkauf musste der Interessierte zur Kenntnis nehmen, dass es räumliche Veränderungen im Zuschauerraum gebe. Wie und warum das? Ein „spezifischer Klang des Werks erfordert eine spezifische Architektur“, belehrt uns Benedikt von Peter. Da hätten wir doch gern gewusst, welches dieser spezifische Klang von „Aida“ ist. Nur die Aida-Trompeten können damit doch wohl nicht gemeint sein. Irgendwie schimmert durch, dass Sänger und Orchestermitglieder sich ins Publikum begeben werden, denn „dadurch kann der kriegerische Gesellschaftsaufbau eine größere Dringlichkeit erlangen“. Aha, aber was ist mit dem Armen, in dessen Ohr keine Aida-Trompete bläst und kein Tenor seinen Weltschmerz heult? Ihm bleibt das verwehrt, was der erlebt, dem die „Brutalität des Machtapparats physisch erfahrbar“ wurde, „wenn der Klang unmittelbar neben seinem Ohr erzeugt wurde“ Aber vielleicht hat der Regisseur längst eine Lösung für dieses Problem gefunden, denn schließlich ist er sich sicher: „Ich versuche immer die zentrale Energie eines Werks erwischen“. (Das „zu“ ging ihm dabei durch di Lappen, so wie es ihm entwischte, dass man diese zentrale Energie auch gern erfahren hätte.)

Ist es ein Vorwurf oder mitleidige Nachsicht, wenn die „larmoyante Aussage der Oper“ damit begründet wird, dass Benedikt von Peter feststellen muss: „Die Figuren sind vielfach zersplittert, auch weil Verdi kein Theoretiker und stringent denkender Dramaturg war“. Ach nein, er war ja nicht einmal der Librettist von „Aida“ und zum Glück erst recht kein „stringent denkender Dramaturg“. Von denen gibt es heute zur Rettung des Werks und zur Freude des Publikums genügend viele.   

Über seine kommende Intendantenzeit in Luzern meint Benedikt von Peter hochgemut: „Ich will gleich zu Beginn ein volles Haus.“ Dann sollte er seine Regisseure sorgfältig auswählen.

Ingrid Wanja 20.11.15

Die Karikaturen sind von unserem Hauszeichner Peter Klier

 

 

 

EIN ZAUN IST EIN ZAUN

Schnelle Flüchtlingshilfe in Mauerbach bei Wien gescheitert...

Viktor Orban hat in Ungarn einen Zaun gebaut. Das ist böse! Deshalb will Österreich keinen Zaun bauen. Gesucht werden die besten Umschreibungen, Vorschläge bitte an die österreichische Bundesregierung. Auch ich habe vor wenigen Monaten meinen Zaun erneuert, was von den Nachbarn nicht als Affront ausgelegt wurde. Da mein Grundstück in Mauerbach an den Wienerwald grenzt, wurde waldseitig sogar ein Stacheldraht angebracht. In der Rechnung steht schlicht die Warenbezeichnung „Zaun“, zum Glück ! Denn hätte ich eine „Technische Abgrenzung“ in Auftrag gegeben, hätte sich das mit einer Null hinten dran zu Buche geschlagen!

Es könnte natürlich sein, dass in Spielfeld eine „Bauliche Maßnahme“ haargenau wie ein Zaun ausschaut, aber keiner ist! So viel Vertrauen müssen wir in unsere Regierung haben, dass sie nicht auf Orbans Spuren wandelt!

Apropos Mauerbach: Die Gemeinde hat dort für Flüchtlinge eine Unterkunft extra und mit großem Einsatz von Freiwilligen renoviert – Platz ist dort für 12 Personen. Das ist dem Innenministerium und den NGOs zu klein, man bevorzugt „größere Quartiere“. Unsere Sozialgemeinderätin ist tieftraurig und will nun einen neuen Versuch starten. Einzelpersonen waren da unbürokratischer und erfolgreicher: sie haben sich Flüchtlinge aus Traiskirchen ganz einfach geholt. Einige davon sind bereits wieder weg, aber das ist eine andere Geschichte.

Für die Wahrheit dieser Geschichte verbürge ich mich, man kann sie sogar „ergoogeln“. An dieser Problematik zerbrechen langjährige Freundschaften. Die Meinung in der Bevölkerung ist geteilt, gekippt ist sie meiner Ansicht nach nicht! Wir „Ösis“ sind ein hilfsbereites Volk – und müssen uns dafür noch beschimpfen lassen. Auch ich bekam gestern mein Fett ab:

Hi,. der letzte Absatz ist eine bodenlose Unverschämtheit. Ich finde Seehofer auch gräßlich, aber noch gräßlicher sind Menschen, wie Ihre Innenministerin, die sich beklagt, das wir zu wenig Flüchtlinge aufnehmen. Einen Zaun um Ihr gräßliches Land bauen will und die Flüchtlinge unversorgt durch Ihr Land kutschiert. Pfui Deibel, da kommt die Bezeichnung für Österreicher voll zur Geldung, Schluchtenkacker!!!!. Ich werde jedenfalls in Zukunft Ihre Seite meiden. Schämen Sie sich!

Soweit ein Leser, dessen Name hier ungenannt bleiben soll. Ich würde mich ja gerne schämen, wenn ich wüsste, wofür ich mich schämen soll. Also gut, für mich schäme ich mich, verzeihen Sie bitte, dass ich lebe! Soll ich mich nun für die „grässliche Innenministerin“ und gleich pauschal für mein „grässliches Land“ schämen? Darf ich das überhaupt? Jetzt steht auch die Freundschaft zwischen Bayern und Österreich auf dem Spiel! Dabei haben wir nie ein Hehl daraus gemacht, dass die Bayern unsere liebsten Nachbarn sind.

Angela Merkel, was haben Sie da angerichtet?

Hoffen wir auf ein gutes Ende. Wenn sich das „zaunlos“ verwirklichen lässt, ersparen wir uns sogar eine Menge Geld!

Anton Cupak (Hrg. vom Merker-online) 29.10.15

 

 

 

Missbrauchte Pressefreiheit

Im Theater Hagen brennt es derzeit lichterloh an allen Fronten. Neben dem laufenden Theaterbetrieb, der nur durch ein übermäßiges Engagement der Mitarbeiter aufrechterhalten werden kann, drohen weitere Kürzungen, die das Haus existenziell gefährden. Als ob das nicht reichte, müssen sich die Manager auch noch mit tendenziösen Artikeln der Westfalenpostauseinandersetzen.

In Deutschland geht niemand für den Erhalt von Kultur auf die Straße. Das ist auch gar nicht nötig. Wenn städtische Politiker versuchen, die kulturellen Angebote in der Stadt zu dezimieren, werden sie abgestraft. Die nächste Wahl kommt bestimmt, und wer dann noch in der Stadt lebt, geht an die Urne. Peter Jung versuchte als Oberbürgermeister von Wuppertal, das Ensemble der Oper zu streichen. Das Amt ist inzwischen neu besetzt. Die Folgen allerdings sind fatal, und es wird lange dauern, bis die Oper sich von den machtpolitischen Gelüsten des Kommunalpolitikers erholt haben wird.

Gefährlicher wird es, wenn lokale Journalisten versuchen, Kultur oder kulturelle Institutionen niederzuschreiben. Denn es gibt noch eine ganze Reihe von Menschen, die auf eine objektive Berichterstattung ihrer lokalen Tageszeitung vertrauen. Ein solcher Schmierfink wird also nicht nur der Institution Schaden zufügen, sondern vor allem auch seinem Blatt einen nachhaltigen Vertrauensverlust bescheren.

Das Theater Hagen kämpft weiter um seine Existenz. Seit 2002 geht das schon so. Trotz permanenter Streichungen hat das Theater eine Leistung aufrechterhalten, die weit über die Stadtgrenzen hinaus gerühmt wird. Bei der letzten Kürzung hatte Norbert Hilchenbach, der Intendant des Stadttheaters, angekündigt, dass damit nun die Grenzen überschritten seien. Weitere Kürzungen würden das Haus in seiner Substanz gefährden. Ungeachtet dessen verlangen die Stadtoberen eine weitere Kürzung des nicht eben üppigen 15-Millionen-Euro-Etats um weitere anderthalb Millionen Euro. Nicht nur dem Geschäftsführer Michael Fuchs geht damit die finanzielle Puste aus; auch Hilchenbach sieht als Konsequenz die Schließung einer Sparte. Oberbürgermeister Erik Schulz geht auf Konfrontationskurs. Schützenhilfe kommt von unerwarteter Seite.

Die Westfalenpost ist mit ihrer Zentralredaktion in Hagen nach eigenen Angaben die „größte Zeitung in Südwestfalen“. Sie versteht sich als „Anwalt der Bürger“. Martin Weiske, stellvertretender Redaktionsleiter der Zeitung, muss da was falsch verstanden haben. Anstatt sich in der angespannten Lage zwischen Rathaus und Theater um eine besonders ausgewogene Berichterstattung zu bemühen, wie es ohnehin seine ethische Pflicht als Journalist gebietet, hat er ein Störfeuer gegen das Theater eröffnet, das selbst dem Oberbürgermeister die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. In seinem Artikel Hagen bleibt bei den Kulturausgaben Spitze betreibt er wüste Zahlenspielereien, die inzwischen deutlich widerlegt sind und sich auf das Jahr 2012 beziehen, und will damit offenbar suggerieren, wie „hoch subventioniert“ Theater und Orchester eigentlich seien. In seinemKommentar einige Tage zuvor betreibt er eine Demagogie, wie sie sonst nur aus Bonner Sportvereinen zu hören ist: „Man darf gespannt sein, wie lange die Hagener da mitziehen, während parallel das nächste Bad schließt, Sportplätze zuwuchern und weitere Gebühren- und Steuererhöhungen drücken.“ Inzwischen wird sich Weiske als „Anwalt des Rathauses“ seiner Sache sicherer. In seinem Artikel Unzureichende Antworten aus dem Hagener Theater findet sich beispielsweise die Passage „Auf den letzten Drücker haben Intendant Norbert Hilchenbach, GMD Florian Ludwig und Theater-Geschäftsführer Michael Fuchs am späten Donnerstagabend dann doch noch fristgemäß ihre Antworten […] per E-Mail dem Rathaus zugestellt.“ Fristgemäß ist nicht auf den letzten Drücker. Neben weiteren tendenziösen Phrasen gibt es viel Spekulatives. „Hinter den Kulissen des Rathauses sickerte durch“, „so ein Rathaus-Insider“ und so weiter. Das ist nicht nur unsauber recherchiert, sondern unterstellt drei erfahrenen Managern ohne jede Grundlage – und daher auch nur indirekt – dilettantische, einfallslose Arbeit. Die scheinbare Drohung „Sollte dies nicht gelingen (ein erneutes Gespräch zwischen OB und Intendanz, Anm. d. Verf.), steht die Einschaltung externer Prüfer im Raum“, die Weiske als letzten Satz formuliert, dürfte bei Hilchenbach und Fuchs eher Heiterkeit hervorrufen. Das Theater Hagen gehört vermutlich inzwischen zu den bestuntersuchten Häusern der Republik.

Persönliche Rachefeldzüge von Lokalreportern – insbesondere gegen kulturelle Institutionen – kommen immer mal wieder vor und sind gefürchtet, weil solche Leute nicht mit offenem Visier arbeiten, sondern als Heckenschützen auftreten. Allerdings ist es für Leser einfacher als für Bürger, sich dagegen zur Wehr zu setzen, dass sie mit unredlichen Mitteln für die Ziele anderer vereinnahmt werden sollen. Sie brauchen nicht bis zur nächsten Wahl zu warten, sondern können zum Beispiel einfach morgen aufhören, eine Zeitung zu kaufen, die sie hinters Licht führt.

Michael S. Zerban 17.10.2015

Chefredakteur OPERNNETZ

 

 

Neues WIENER STAATSOPERNPUBLIKUM ?

Die Wiener Staatsoper spielt wieder Macbeth. Das ist erfreulich. Wie sie es tut, allerdings weniger. Und ein leicht zu begeisterndes Publikum bejubelt alles, was es zu hören und zu sehen bekommt.

Misst man Aufführungen an den Reaktionen des Publikums, war die zweite Vorstellung dieser Inszenierung ein sehr, sehr guter Abend. Die Kompetenz eines Publikums, welches kenntnisreich die Generalpause zwischen „Vieni, t’affretta“ und der nachfolgenden cabaletta zum Applaus benützt und damit die von Tatiana Serjan mühsam aufgebaute Spannung wieder zunichtemacht, darf allerdings infrage gestellt werden. (aus dem  Bericht von Thomas Prochazka)

Jetzt möchte ich völlig wertfrei die Qualifikation des Publikums zur Diskussion stellen. Warum gehen die Menschen  in die Oper? Weil sie einige unbeschwerte Stunden auf gehobenem Niveau erleben wollen? Weil sie so viel Fachkenntnis besitzen und diese bei jeder Vorstellung überprüfen und gegebenenfalls nachschärfen wollen? Ist Oper Unterhaltung, Wissenschaft oder Menschenbesserungsinstitution? Gehen sie in die Oper um sich zu erfreuen? Bedürfen sie der Belehrung durch Theaterleute (Regisseure und auch darstellende Künstler sind damit gemeint)? Ist Sachverstand Grundvoraussetzung für den Besuch einer Oper? Soll man überhaupt den Zwischenapplaus abstellen? (ich gehe meist zu Strauss und Wagner, da empfinde ich das Fehlen des Zwischenapplauses als geradezu wohltuend)

Zu den Kritikern, ob nun professionell zum Broterwerb oder aus Berufung und Liebe zum Metier (kein Werturteil, in diesem Bereich finden sich Bestsausgebildete oder „Jahrzehntelang-Opernerfahrene“:  Gehen die Kritiker in ein Theater, um möglichst viel Kritisierenswertes zu entdecken?  Gehen sie, um mit eigenem Fachwissen und mit Fachausdrücken zu brillieren. Oder gehen sie gar, um befreundeten Künstlern einen Gefallen zu erweisen und dementsprechend zu berichten?

All das sind Fragen, zu deren Beantwortung ich nachdenke – und zu den unterschiedlichsten Schlüssen gelange!

Anton Cupak 8.10.15

 

 

PROBLEM EINES HERAUSGEBERS

La Gruberova singt wieder am edlen Haus in Wien

Anton Cupak ist Herausgeber vom MERKER-online

Ausgangspunkt: KS Edita Gruberova, die im Februar ihr 45jähriges Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper feierte, kehrt am Freitag, 9. Oktober 2015 in der Titelpartie von Donizettis Anna Bolena zurück auf die Bühne des Hauses am Ring. Edita Gruberova war bereits beim Japan-Gastspiel der Wiener Staatsoper 2012 als Anna Bolena in der Produktion von Eric Génovèse zu erleben und verkörpert diese Rolle nun erstmals auf der Staatsopernbühne.

Es herrscht also Alarmstufe 1 auch für unsere Redaktion. Wen „besetzen“ wir in der ersten Vorstellung? Die Bereitschaft dazu hält sich in Grenzen. Jeder Rezensent kann dabei nur verlieren. Schreibt sie/er eine Hymne auf Frau Gruberova, wird in der Redaktion angefragt, ob sie/er auf den Ohren sitzt. Das ist nun bitte keineswegs als Werturteil meinerseits aufzufassen (dafür ist meine diesbezügliche Qualifikation zu bescheiden), aber „ich kenne meine Pappenheimer“! Äußert sie/er sich kritisch und bringt etwa Alternativen in das Spiel, dann werden wir in der Redaktion mit wüsten Verwünschungen heimgesucht. Mein Vorschlag (undurchführbar): Das Ereignis findet für uns nicht statt. Persönlich halte ich es so, aber ich kann natürlich nur über mich verfügen !

Dabei herrscht ein „Griss“ um Gruberova-Karten (was eindeutig für die Diva spricht. Die reservierten Online-Merker-Kaufkarten müssen bis eine Woche vor der Vorstellung abgeholt (und bezahlt) werden. In der Regel klappt das auch, nicht so bei einer Gruberova-Vorstellung. Die Karten wurden abgeholt (offensichtlich von einem mit den Gepflogenheiten vertrauten Insider) – und die Redaktion nicht verständigt. Es ist wohl klar, dass ich bei besagter Vorstellung in einen Stehplatz investiere – nicht weil mich die Vorstellung so interessiert – sondern weil ich wissen will, wer auf diesen Karten sitzt! Das erinnert mich an einen besonders kuriosen Kriminalfall: Ein junger Mann ließ bei einem Wohnungseinbruch auch Opernkarten „mitgehen“. Da er selbst kein Opernfreak war – und ein Geburtstagsgeschenk für die Schwiegereltern brauchte – schenkte er diesen die Opernkarten. Vor der Vorstellung wartete bereits die Polizei und eskortierte die konsternierten Schwiegereltern auf die Polizeistation. Dort lüfteten diese auch das Geheimnis um den großzügigen Spender!

P.S. Was es nicht alles gibt...

Ich werde Ihnen in den nächsten Tagen von einem anderen Fall berichten, in dem ein Rezensent offenbar von einem Fan wegen einer Kritik auf Widerruf (!) geklagt wurde (das geschah erst dieser Tage). Der Fall würde zwar wunderbar zu dieser Thematik passen, hat aber mit Frau Gruberova überhaupt nichts zu tun, so dass ich ihn nicht in der selben Tageskolumne publizieren möchte!

AC 7.10.15

 

 

                                      

GLAUBE KEINEM KRITIKER !

Heuer ganz kontrovers in der Orchesterbeurteilung ARABELLA Düsseldorf

Einen Hochglanz-Strauss realisiert LUKAS BEIKIRCHER mit den DÜSSELDORFER SYMPHONIKERnzwar nicht durchwegs, aber parfümierte Seidigkeit würde der nüchternen Optik auch nicht recht anstehen. Ansonsten ist sein Dirigat absolut angemessen.

(Christoph Zimmermann – MERKER ONLINE)

ARABELLA-Mumpitz …was man der aktuellen Produktion unter dem Dirigat von Lukas Beikircher (dem Neffen des allbekannten Kölner Humoristen) kaum zubilligen kann; zu laut, zu undifferenziert und allzu stimm-mordend tönen (besser: dröhnen) die „DÜSIs“ aus dem Graben. Das Seelenheil echter Straussianer wird also nicht nur optisch, sondern auch ohrenmäßig in Mitleidenschaft gezogen; ich gebe also einmal wieder diesen klaren Opernfreund-Hinweis für unsere Leser: Achtung liebe Strauss-Fans! Diese Inszenierung könnte vielleicht ihrem Seelenheil schaden…

Peter Bilsing – DER OPERNFREUND)

Satire statt Komödie …debütiert Kapellmeister Lukas Beikircher mit dieser Arabella-Aufführung. Und ist damit überfordert. Das Gefühl für Strauss fehlt ebenso wie die Balance zwischen Bühne und Graben. Gnadenlos werden die nach Kräften laut agierenden Sängerinnen und Sänger von der Musik völlig überflüssig überdeckt. Fair ist zu erwähnen, dass so mancher Dirigent die Möglichkeiten des neuen Grabens und der verbesserten Akustik im Düsseldorfer Opernhaus unterschätzt. Aber mit dieser Vehemenz und fehlenden Differenzierung hat man es doch selten erlebt.


(Michael Zerban –  – OPERNNETZ)

Schade für die jungen, prächtigen Stimmen, die sich gegen den unsensiblen orchestralen Gewaltritt von Kapellmeister Lukas Beikircher nur mit Mühe und unnötigem Dauer-Forcieren durchsetzen konnten. Welches Kapital wird da verspielt? Böse Proteste des Premieren-Publikums gegen Dirigenten und szenisches Team.

(Pedro Obiera – WAZ)

Zusammengestellt von Anton Cupak (Wien) 20.9.15

 

SALZBURGER FESTSPIELE

27.8.15

POLITPOKEREI


Wird Dr. Claudia Schmied nun Präsidentin der Salzburger Festspiele?

Die überraschende (vorläufige) Weigerung von Helga Rabl-Stadler hat einen tieferen politischen Hintergrund. Salzburgs Landeshauptmann Haslauer hat bekanntlich die derzeitige Präsidentin gebeten, ihren Vertrag zu verlängern. Angeblich soll er aber die Rechnung ohne die SPÖ gemacht haben, der eine andere Lösung vorschwebt: Ex-Ministerin Dr. Claudia Schmied hat ein unvorstellbares Chaos hinterlassen. U.a. hat sie auch den Operndirektor im Alleingang bestellt. Nichts gegen den Operndirektor, aber diese “Langzeitgeschichte” (angeblich strebt der Direktor eine dritte Amtszeit an, zumindest hat sich der Philharmoniker-Chef Andreas Großbauer dafür stark gemacht – und der tut das wohl nicht grundlos) hätte nicht geradezu überfallsartig gestartet werden dürfen. Dr. Schmied ist längere Zeit in der Versenkung untergetaucht, nun tritt sie wieder auf den Plan bzw. wird auf den Plan getreten. Falls Schmied denn doch nicht durchsetzbar ist, scharrt angeblich Dr. Rudolf Scholten in den Startlöchern.

Die Präsidentin hat also praktisch die Flucht nach vorne angetreten, will das Gesetz des Handelns selbst übernehmen und über ihr weiteres Festspiel-Schicksal selbst bestimmen – also verzichtet sie von sich aus auf eine Vertragsverlängerung – “unter den derzeitigen Umständen”!

So war das also gemeint! Anscheinend bin ich doch kein “Blitzgneisser (Copyright Toni Polster), denn auf das hätte ich selbst kommen können!

Wenn Frau Dr. Rabl-Stadler nur das Angebot des Landeshauptmanns (der rechtlich zu diesem anscheinend gar nicht befugt ist) annehmen müsste, dann schlage ich ein kollektives “Auf den Knien rutschen” zu Helga Rabl-Stadler vor und würde da selbstverständlich mitmachen (wenn ich wüßte, dass mir wer wieder aufhülfe, denn meine Knie sind kaputt).

Welche Rolle spielt Ex-Holding-Chef Dr. Georg Springer in diesem Spiel? Er zieht die Fäden, das wissen selbst politisch Unbedarfte. Out ist der noch lange nicht! Ob er sich mit der Rolle des Königsmachers begnügt?

Übrigens: Ist Salzburg ein Ausgedinge für glücklose Politiker? Die ÖVP hat schon Dr. Maria Fekter im Aufsichtsrat (?)  untergebracht!

Anton Cupak 27.8.15

 

OPER KÖLN

Lobet den Herren....

*Im Rathaus der weltberühmten westdeutschen Großstadt *** erschien dieser Tage ein beleibter Herr in rosafarbenem Dreireiher und verlangte in herrischem Ton den Bürgermeister zu sprechen.

„Welchen?“ fragte der Pförtner, „wir haben deren mehrere. Aber sie sind zur Zeit alle ausser Hauses. Sie wissen ja, wichtige Obliegenheiten: Hier ein verstopfter Brunnen, dort ein verkehrstoter weißer Pudel, an dritter Stelle ein betrunkener Schornsteinfeger, an wiederum anderem Ort ein vom Verdörren bedrohtes Lavendelbeet. Das muss ja alles beobachtet, beanstandet, bereinigt, beurteilt, bestraft werden. Wissen Sie, was ich meine?“

*“Freilich“, gab der ob der Suada merklich erboste feiste Besucher zurück. “Aber wer amtiert denn nun, wem obliegt die Verantwortung für die Stadt und ihre Bürger? Nun?“ Der Pförtner, ein spindeldürrer Longinus mit naphtalinbraunen Fingern, fuhr pikiert zurück. “Na, der Oberbürgermeister, wer sonst?“ „Den will ich sprechen“ bellte der Rosafarbene. “Melden Sie mich an. Ich werde erwartet, mein Name ist Skandal“.

*Der Pförtner hatte noch gar nicht begriffen und agieren können, da öffneten sich auf den Fluren schon alle Türen, und eine Unzahl aufgeregter Bürokraten und Bürokratinnen stürmte, angeführt von einem drahtigen Springinsfeld, auf Herrn Skandal zu. Man hatte Skandals Stimme im ganzen Haus gehört und erkannt und war nun freudig erregt, den berühmten Mann, nach dessen Wünschen und Maximen man zeitlebens beflissen gehandelt hatte, leibhaftig vor sich zu sehen und aus erster Hand neue Direktiven entgegen nehmen zu können.

*“Herr Skandal!“ hob Oberbürgermeister Manuel de Falla-Litzenborn, jener wild bewegte Anführer des Rudels, nun feierlich an. „Sie werden wissen, dass wir in kein Fettnäpfchen zu treten versäumt haben, und Ihren Ruhm auch über die Stadtgrenzen hinaus vermehrt haben. Wenn sich jetzt im ganzen Land die Pannen häufen, wenn alles in Ruinen liegt, wenn Geld verschleudert wird, wenn alle sozialen Belange missachtet werden – dann weiß und lobt man im ganzen Land: Das waren die Meister von ***, die Treuesten der Treuen aus Ihrem Gefolge, verehrter Herr Skandal. Ich hoffe, Sie sind mit uns zufrieden“.

*“Na, besser kann’s immer noch werden“, schmunzelte der nunmehr sichtlich besänftigte Skandal und zündete sich eine Papirossi an. „Es ist gut“ winkte er grandios in die Menge seiner Jünger, „dass Sie alle sich meinen Idealen untergeordnet haben und mit Ihnen wahrlich prächtig leben können. Bleiben Sie hart, verpflichten Sie sich weiterhin dem Hehren und hören Sie auch nicht auf jene parasitären Besserwisser, die Ihnen die stündlich wachsende Blamage neiden. Dann werden Sie glücklich sein bis ans Ende ihrer Tage“.

*Und dann durchmaß Herr Skandal die Reihen seiner Vasallen und Vasallinnen und verteilte schallende Ohrfeigen.“ Dass Sie meiner nur nie vergessen“, erklärt er den ob der Züchtigung strahlenden Skandalträchtigen mit verkniffener Miene. Dann verließ er das Rathaus der weltberühmten westdeutschen Großstadt ***, in jeder Bewegung die Siegessicherheit seiner Allgegenwart ausstrahlend.

Lobt Euren Herrn und Meister, den Skandal. Denn ohne ihn würde ja kein Mensch von euch sprechen, so aber steht ihr jeden Tag in der Zeitung.

Giorgio Barbaro 23.98.15

 

 

ÖSTERREICH IM KNÖLLCHEN-GENDERWAHN

Wer noch kräftig über Österreichs derzeitige Politiker lachen will, dem sein ein Schmankerl erzählt: Millionen von Strafzettel-Vordrucke mussten der Vernichtung zugeführt werden, weil die Anrede nicht “gegendert” war. “Sehr geehrter Fahrzeuglenker” stand da zu lesen. Was ist mit den Fahrzeuglenkerinnen, die wollen doch auch Strafe bezahlen! Jetzt ist dieser Schaden behoben, auch die Lenkerinnen werden angesprochen. Doch halt, weitere Tausende Strafzettel müssten vernichtet werden, den plötzlich steht bei der ersten Auflage der Organmandate : “Sehr geehrter Fahrezeuglenker, sehr geehrte Fahrezeuglenkerin”. (Quelle ” Kurier”) . Dieser offensichtliche Rechtschreibfehler stört nun nicht, die erste Tranche der Zettel bleibt im Verkehr!

Das österreichische Polittheater ist durch kein Kabarett der Welt zu übertreffen!

Wenn ich nun die Fahrt von Mauerbach nach Wien antrete, steige ich auf das Gas, sollte ich eines Polizisten ansichtig werden. So einen berühmten Strafzettel möchte ich auch besitzen, der könnte bald mehr wert sein als die “Blaue Mauritius”

Anton Cupak (Wien) 16.8.15

Bild von Peter Klier

 

 

 

 

Wenn Wagner in Wacken verschlammt

Brug besucht die Schlamm-Rocker in Wacken (das muss ihm seine Kollegin von der FAZ erstmal nachmachen…), die FAS beschwört den unvermeidlichen Niedergang der Oper, und die ZEIT räumt vier jungen Komponisten ein umfangreiches Diskussionsforum über Zustand und Zukunft der zeitgenössischen Musik ein. Wird jetzt der „Summer of (classical) music“ ausgerufen?

Die Zeitungskrise wächst sich aus, und nun auch noch das alljährliche Sommerloch – da muss man sich schon mächtig was einfallen lassen, um den Leser zum Kaufen oder Klicken (am besten ja beides) zu animieren. Frei nach der erprobten Journalisten-Devise „Bad news are good news“ klappt das am besten mit der Ankündigung vermeintlich drohenden Unheils, das man, wenn es gar nicht anders geht, auch noch selbst herbeischreibt. Blöd nur: Selbst Staatspleiten vermögen kaum jemanden mehr zu schocken. Wo also könnte die neue Katastrophe lauern? Richtig: Dort, wo der Unterschied zwischen Wagner und Wacken verschlammt – äh, schwimmt.

Musik nämlich ist tatsächlich beides, wie sogar der von der WELT abkommandierte Kritiker feststellen muss. Übrigens: Die absonderliche Unterscheidung von „ernster“ und „Unterhaltungs“-Musik existiert bezeichnenderweise nur im deutschsprachigen Raum. (Und ebenfalls nur hier gibt es den Begriff „Kleinkunst“ – als ob es sich bei der klassischen Ausprägung des Kabaretts, wie es von Aristide Bruant bis Georg Kreisler geprägt wurde, nicht um große Kunst handelte.)

Um jedoch die Schlussfolgerungen des ansonsten auf klassische Musik abonnierten Rezensenten zu vervollständigen: Ähnlichkeiten der Strukturen bestehen nicht nur auf soziologischer Ebene – der Bayreuth-Besucher nimmt ebenso an einer Art „Kult“ teil wie jener in Wacken, und in beiden Fällen gibt es feste Erwartungen hinsichtlich des dargebotenen Programms –, sondern auch musikalisch gibt es Parallelen: „Heavy Metal“ mag in den Ohren des ungeübten Hörers zwar chaotisch klingen – hat jedoch ein durchaus komplexes Strukturgefüge. Der Höreindruck, den das Finale des zweiten Aufzugs der „Meistersinger“ auf den gestandenen Rocker machen dürfte, ist wahrscheinlich jenem des eingefleischten Wagnerianers bezüglich des Wackenrepertoires nicht unähnlich. Bloß was die Dezibelzahl anbetrifft, würde der Wackern-Fan mit Sicherheit noch mehr aufdrehen wollen, als dies in Opernhäusern üblich ist.

Was den Rocker an Oper und klassischer Musik jedoch viel mehr schocken dürfte ist die Tatsache, dass man stundenlang stillsitzen muss. Und das, obwohl es nicht wenige Werke gibt, bei denen es den für Rhythmus empfänglichen Hörer nur schwer in den Sitzen hält – „Luisa Miller“, „Traviata“, „Fürst Igor“, sogar der „Lohengrin“ haben überaus beschwingte Passagen, die geradezu dazu auffordern, sich mitzubewegen. In einer Gesellschaft, deren grundsätzliches Lebensgefühl ohnehin von Hektik, Mobilität und Multitasking geprägt ist, ist diese (zumal körperlich fühlbare) Einschränkung der jungen Generation kaum mehr vermittelbar.

Was Schlussjubel oder Schlusstumulte anbetrifft, scheint übrigens selbst der angejahrte Bayreuth-Besucher dem Rockfestival-Jugendlichen an Temperament und Brüllfähigkeit nicht sonderlich nachzustehen, wie fast jede Neuinszenierung des „Ring“ beweist. Die künstlich aufgetürmten Grenzen sind sehr viel fragiler als sie scheinen. Deshalb: Hört endlich auf, das „Ende der Klassik“ herbeizureden! Macht stattdessen die Konzertsäle und Opernhäuser zu Music Halls – zu Tanzhallen der Klassik!

Christa Habicht, 3. August 2015

 

 

 

Darf man Wagners Werke mögen...

...ohne Antisemit oder Nazi-Sympathisant zu sein?

Mich nervt, wenn ich speziell in Zeitungen “mittleren Formats” eingangs jeder Kritik über eines der zehn gängigen Wagner-Werke stets einen Hinweis auf dessen Antisemitismus lesen muss. Danke, wir, die wir uns mit Wagner beschäftigen, wissen das bereits und haben es wohl in unsere Überlegungen miteinbezogen.  Ein Beispiel aus der Mittelbayerischen Zeitung gefällig: Seine Opern sind große Kunst. Seine Festspielidee war verwegen. Er hat glühende Anhänger – leider gehörte dazu auch Adolf Hitler. Wagner gilt als Erneuerer des Musiktheaters, aber auch als übler Antisemit. In Israel ist seine Musik bis heute verpönt. Die Nationalsozialisten bedienten sich seiner Werke. Und trotzdem gehört Wagner heute zu den bekanntesten deutschen Komponisten. Die “Mittelbayerische” biet eine Auswahl von Gründen, Wagner, sein Werk und die Bayreuther Festspiele (25. Juli bis 28. August 2015) zu lieben oder aber abzulehnen:

Ein Pluspunkt ist das Festspielhaus: Ein Haus, in dem das Publikum überall die gleichen Bedingungen vorfindet und es keine besseren oder schlechteren Plätze gibt – Wagners Idee war die eines nahezu demokratischen Kunstgenusses. Die Akustik des Hauses gilt als einmalig. Er gab sich nicht mit dem Komponieren zufrieden, sondern konzipierte auch eine bis heute gültige Festspielidee. Einer der Angriffspunkte. Es gibt bis heute keine Klimaanlage. Das ist schweißtreibend. Es geht recht steif zu am Grünen Hügel. Nicht ganz so festlich gekleidete Menschen können geringschätzige Blicke ernten. Wegen der Hitze verschafft sich mancher Zuschauer mit einem Fächer Abkühlung oder fächelt sich mit der Festspielkarte notdürftig Luft zu – allerdings findet das dann mancher Sitznachbar störend.

Die Wagnerianer sind ein eigenes Kapitel. Wer sich bei 30 und mehr Grad um 16 h , aufgeputzt wie ein Palm-Esel, in die unbequemen Sitze zwängt und denkt, das müsse eben so sein, ist mir leicht suspekt. Anderseits war ich ja auch schon dort – das letzte Mal in Turnschuhen, weil ich mit denen bequemer die 6 Stunden Spieldauer überstehe – aber Bayreuth-süchtig werde ich wohl nie werden. 

Bayreuth hat das begrenzteste Repertoire aller großen Festspiele. Man zeigt immer nur eine Auswahl aus den zehn Bayreuth-würdigen Wagner-Werken. Auch die Gäste zur Eröffnung (am 25. Juli) sind immer die selben, wie etwa die Kanzlerin, die andere Sorgen als “Tristan und Isolde” haben müsste, die Abordnung der Abgetakelten, vertreten durch Thomas Gottschalk und Roberto Blanco, auch der mittelprächtige Mime Harald Krassnitzer wird in der Presse bereits als eröffnender Festspielgast genannt. Wirkliche Prominenz (jetzt mal mit Ausnahme der Kanzlerin) sieht anders aus! Wer lädt Premierengäste eigentlich ein? Arbeitet diese/dieser jemand seit Menschengedenken mit derselben Liste?

Schafft Katharina Wagner endlich den Durchbruch als Regisseurin? Dieser ist ihr nämlich wirklich noch nicht gelungen.

Anton Cupak 17.7.15

 

 

noch einmal

Elbphilharmonie

Hamburgs Unwahrzeichen eröffnet am 11. Januar 2017

Ortstermin im Großen Konzertsaal der neuen ElbphilHARMONIE

Norddeutsche Notizen von Andreas Greve

Hauptkonstruktionselement der Elbphilharmonie war bislang der Spannungsbogen, der sich aus der Frage speiste: Wie weit liegt das angestrebte Ziel einer Fertigstellung von der Baurealität entfernt? Ist überhaupt noch mit einer Fertigstellung zu rechnen? Vor einiger Zeit trug Hamburgs alternativer Meinungsträger Christoph Twickel eine dritte Variante in die Öffentlichkeit und zwar: Das Ding einfach halbfertig dort stehen lassen als Monument des Unvermögens und als Symbol für die unselige Neigung der Politik, zu glauben, daß jede Stadt so ein „Leuchtturm-Projekt“ brauche, um sich gegen andere Wahrzeichen oder besser Unwahrzeichen abzusetzen.

Meine Ansichten dazu sind gespalten. Als Hanseat und Medien-Hansel würde ich sogar der frisch ausgegebenen Parole des Bürgermeisters glauben: Der Prachtbau wird fertig! Punkt. Ganz nach Plan, völlig energisch, zielführend in einer konzertierten Aktion aller Beteiligten. Ein Olaf, ein Wort. Das ist doch mal eine Abwechslung, diese Zuversicht und HARMONIE!

Wenn schon alle – von Bauherr über Bauträger bis zu den Architekten gar – an einem Strang ziehen, spielt man doch gerne die mediale Begleitmusik dazu. Die „Süddeutsche“ mochte sich allerdings nur soweit aus dem Fenster lehnen, als sie diese Frohe Botschaft in drei Fragesätze verpackte - denn wie Kulturkorrespondent Till Briegleb schrieb: „Wie beim Berliner Flughafen besaßen auch bei der Hamburger Elbphilharmonie „definitive“ Zeitpläne irgendwann nur noch die Glaubwürdigkeit von nordkoreanischen Propagandameldungen.“ Und schloß seinen elegant-süffisanten und fast satirischen Artikel dann versöhnend: „Wenn es eine Gerechtigkeit in der Bauwelt gibt, dann erinnert man (sich) … irgendwann … nicht nur an das maskuline Gezerre, daß aus einer schönen Idee einen solch teuren Zankapfel macht.“ Denkbar.

Als Dichter hingegen ziehe ich natürlich derzeit mehr Honig aus großartigem Scheitern oder veritablem Versagen als aus kleinteiligem Abarbeiten von Ausschreibungspositionen.

Deshalb muß ich leider beide Haltungen durchspielen. 1. Sprachrohr des neuen Optimismus und Verkünder von Pressemitteilungen. 2. Lyriker, der aus dem Leid schöpft.

Geben wir der Politik den Vortritt: Plötzlich und unerwartet soll die Elbphilharmonie nun doch fertig werden. Das wurde am 12. Januar bei einer Pressekonferenz hoch über der Elbe im zukünftigen Konzertsaal, der mittlerweile nicht nur ein Dach, sondern sogar schon weitgehend eine Decke hat, vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt verkündet. Bei der Jahreszahl zögerte Olaf Scholz so furchterregend lange, daß ihm die Kultursenatorin Barbara Kisseler die Zahl „2017“ lieber halblaut zurief. Daß die Senatorin so fest an diesen Termin glaubt, bedeutet für mich, daß sie faktisch dafür einsteht. Und da sie oft erfreulich viel pragmatische Handlungskraft zeigt und – für politische Verhältnisse - erstaunlich wenig haltlose Versprechen macht, neige ich in der Tat dazu, ihr zu glauben, wenngleich jede Aussage in den Wochen bis zum 15. Februar natürlich auch im Lichte der anstehenden Bürgerschaftswahl zu betrachten ist.

Rund 100 Pressevertreter wollten per Lastenfahrstuhl nach oben geschafft werden. Der Konzertsaal ist noch rundherum eingerüstet, besitzt aber soviel sakrale Aura, daß man sich da und dort gut einen Michelangelo auf dem Rücken robbend vorstellen kann. Die Mitte des Raumes wölbt sich pfeilerfrei, leicht abgesenkt der tonnenschwere sogenannte Reflektor, bereits mit der „weißen Haut“ versehen, was rein technisch eine ausgeklügelte Oberfläche für die Akustik bedeutet, optisch aber an Pizzeria erinnert. Das wäre dann die teuerste Pizzeria aller Zeiten. Die „Hamburger Morgenpost“ titelte „Die 789-Millionen Tröte“. Wenn ich mich nicht irre, hat die Elbphilharmonie es mit dieser stolzen Summe auf Rang neun der teuersten Hochhäuser der Welt gebracht. Wohlgemerkt ummantelt und finanziell erträglich gemacht von einem Luxus-Hotel und Luxus-Eigentumswohnungen als inhouse-Lösung.

Das „Hamburger Abendblatt“ schrieb unter ein sehr hochformatiges Foto, das von der Saaldecke bis zum Boden reichte und auf dem in Eintracht Intendant, Architekt und Bauherren nebeneinander standen: „Vorfreude ist die schönste Freude“. Aber als besonderen Leserservice und echtes Schmankerl stellte die Metropol-Regionalzeitung ein 360-Grad-Panorama des Großen Saals online: Da wirkt mein Schnappschuß des Showdowns zwischen Macht, Machern und Medien – umgeben von Baugerüsten – ein wenig spröde.

Das Konzerterlebnis soll extrem lauschig sein, weil das Publikum so dicht am Orchester und um das Orchester herum sitzt, daß es fast Angst haben muß, einen Geigenbogen ins Auge zu bekommen. Intimer soll es weltweit nirgends sein - und das trotz 2.100 Sitzplätzen.

Schon vor dem festlichen Eröffnungstermin soll die „Plaza“ in 40 Metern Höhe auf dem alten Kaispeicher fertig sein, sodaß auch kulturfernere Bürger sich dem Spaßvergnügen „Komm se rauf, könnse runtergucken“ hingeben können. Olaf Scholz nannte auch deshalb den gläsernen Luxusbau „demokratisch“. Für den Abendblattartikel zeichneten Jan Haarmeyer und Joachim Mischke, die jüngst einen Journalistenpreis bekamen für ein 16seitiges Elbphilharmonie-Dossier mit dem schönen Titel „Wunschkonzert – wie aus einer genialen Idee der größte Bauskandal in Hamburgs Historie wurde.“

Wird der Bau jemals fertig? Ich setze drei Flaschen „Helbing“, Hamburgs feiner Kümmel seit 1836, dagegen. Meine Gründe legte ich in einem gegen Ende 2014 verfaßten Gedicht nieder (das ich dem großen Humoristen F.W.Bernstein widmete, der in der Hauptstadt wohnt, und der mir daraufhin pointensicher zurückmailte: „Wenn ich mein Versepos über den BER-Flughafen jemals fertig habe, werd ichs Andreas Greve widmen"). Wohlan!

Originalbeitrag: www.musenblaetter.de

 

 

 

DIE OPER ALS PHANTOM

oder

DIE STIMME DES ARCHITEKTEN

Norddeutsche Notizen von Andreas Greve
 
Erstaunlicherweise sieht die Baustelle der Elbphilharmonie nach der Wahl genauso aus wie vor der Wahl. Architektur ist noch langsamer als Politik. Dafür oft genauso seelenlos und geistesverlassen. Und von beiden wünschte man sich manchmal, daß sie gar nicht stattfänden. Oder nur in Büchern. Denn Kunst nimmt der Wahrheit den Wirklichkeitsdruck – leider wird davon zu selten Gebrauch gemacht. Es gibt durchaus wahre Künstler unter den Architekten, oh, ja. Ich habe auch nichts gegen die beiden Basler Architekten Herzog de Meuron. oder gegen Neubauten. Überhaupt nicht. Aber für unser Stadtbild gilt: Die Entwürfe der letzten Jahre kommen eigentlich im Modell am besten. (Trauriges Beispiel für eine vertane Chance ist die niegelnagelneue Hafen-City. Über die wollte ich mich hier gar nicht auslassen - sondern mich lediglich zu einigen Behauptungen zu versteigen.) Wir Norddeutschen verstehen uns nämlich durchaus darauf, Äpfel mit Birnen zu vergleichen:
 
Mir erscheint die Abermillionen teure Elbphilharmonie von Herzog de Meuron nicht annähernd so sinnreich, wie die CD für 14.- Euro, auf der der Schweizer Baumeister Peter Zumthor mit leiser Stimme und großer Bedächtigkeit seine Gedanken und Überlegungen zu Räumen und Gebäuden erzählt. Er horcht im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal in die gestellte Aufgabe hinein. Und lehnte zweifelhafte Aufträge dann auch lieber ab. Zugleich Welt zugewandt und Welt entrückt. Zumthor fühlt sich dem Begriff Baukunst verpflichtet und neigt lieber und eher zur kargen Kartause, anders als seine eidgenössischen Kollegen aus Basel mit ihrer Ader für einfallsreiche und auffällige Imposanz (siehe Allianz-Arena).
Das gigantverglaste Pompösarium, der vieldiskutierte philharmonische Skandalbau in der Elbe, der vor ein paar Monaten die Maßstabsführung für die gesamte Hafensilhouette endgültig an sich riß, aber bislang noch nichts von all dem gehalten hat, was es versprach, taugt allemal für ein PR-Foto. Als solches ziert es den Umschlag eines Buches, das „Die große Verschwendung“ heißt und für knapp  20,- Euro völlig legal zu haben ist. Es handelt angeblich nicht von der Hamburger Elbphilharmonie, sondern von einem anderen Prestige-Projekt in der kleineren Nachbar-Hanse-Stadt Bremen, wo eine „Maritime Oper“ a la Sydney die Augen der Welt auf sich ziehen und als Leuchtturm der Kultur und musikalischer Mega-Magnet, Millionen anziehen – und nicht etwa  nur verschlingen – soll. Hunderttausende wurden allein für Gutachten ausgegeben, die so Sensationelles zu Tage brachten wie: daß „Bremen eine Stadt am Fluß, eine Stadt am Meer“ sei.
Wahr ist, daß der Autor des Romans, Wolfgang Schömel, in Bremen wohnt, aber seit Jahr und Tag in der Hamburger Kulturbehörde als Literaturreferent tätig ist. Bei der Lesung im Literaturhaus saß – so Sigrid Löffler, die eigens gekommen war, das neue Werk des Schwerenöters Schömel vorzustellen - „die halbe Behörde“ im Saal. Kaum einer konnte wohl die verbale Banalisierung und Degradierung der Kultur zum unternehmensberatischeren Steppingstone des Stadtmarketing besser mit verfolgen als Schömel. „Man konnte quasi die Uhr danach stellen“ wie ein frisch in die Welt gesetztes Unwort wie „Kreativwirtschaft“, „Entertainment-Cluster“ oder auch der allgegenwärtige „Leuchtturm“, den es galt „in Augenhöhe“ zu bringen – sich epidemisch über die Gänge und durch alle Gremien verbreitete. Vermutlich hat ihm das nicht nur Schmerzen als denkender Mensch bereitet, sondern auch diebische Freude als Zyniker und Sammler von Persönlichkeitsprofilen der Kategorien Platzhirsch, Profilneurotiker und Proporzpolitiker. Das sind natürlich nur Vermutungen. Genauso wie die, daß die resolute Literaturkritikerin Löffler dem liederlichen Schreiber nach der Lesung für den unverblümtem und ungezügelten Machismo und die menschenverachtende Genauigkeit bei der Beschreibung körperlichen Zustandsmeldungen noch gehörig den Marsch geblasen hat, nachdem das all zu häufig kichernde Publikum in der Rolle des PC-Warts völlig versagt hatte.
Mein Vorwurf an den Autor wäre ein anderer: zu wenig Architektur. Wer so viel weiß und so scharfzüngig schreiben kann, sollte sein Können der satirischen Behandlung eines der großen Probleme des modernen Menschen – dem umbauten Raum – zur Verfügung stellen und nicht stundenlang zwischen praller Eichel und offenen Schamlippen herumvagabundieren und sich dabei kopfgeburtsstark um den letzten Rest Lebensgeist sinnieren. Das nenne ich Verschwendung.
 
Bezeichnenderweise hat die Kunst- und Architektur-Buchhandlung „Sautter & Lackmann“, nicht weit vom Hafen auf der Fleetinsel, „Die große Verschwendung“ nicht ausliegen. Dort, wo in den Regalen jeder japanische oder amerikanische Gestalter von Rang präsent ist, wo es zu jedem Maler das Buch und zu jedem Designer von Welt das Werk in gedruckter Form gibt, sucht man Schömels Erotoman-Roman vergeblich. Dafür liegt hier die CD zu Zumthor neben der zu Daniel Libeskind und Zaha Hadid aus der gleichen Reihe. Und an vorrätigen Bildbänden und Büchern von und zu Peter Zumthor zähle ich alleine fünf – zwei weitere werden erwartet. „Architektur denken“ heißt eines von ihnen. Keine Bibliothek kann besser bestückt sein. Viele Architekten kaufen hier (vermutlich ist Bauen deshalb so kostspielig: wie sollte man sonst je das Geld für dieses teure Vergnügen wieder reinbekommen). Aber es kommen natürlich auch Fotografen, Maler, Museumsleute, Werber. Und Menschen wie ich, die sich freuen, daß es an einem solchen Ort der Folianten und Formate auch etwas für die Faust gibt: Etwa ganz Hamburg handtellergroß auf 240 Seiten für 5.- Euro aus dem Jovis Verlag „Architektur der sich wandelnden Stadt“. S. 82/83: Elbphilharmonie! So in der Hand betrachtet wirkt alles sehr vielversprechend. Letztlich kommt es mir auf eine Oper mehr oder weniger nicht an, aber ich könnte mir Hamburg o h n e Sautter & Lackmann, ohne dieses fantastische, vergeistigte und doch völlig unprätentiöse - früher durfte sich sogar noch die Haus-Katze auf den wertvollen Büchern entspannt ablegen - Eldorado, das gerade sein 40 jähriges Bestehen gefeiert hat, nicht vorstellen. Florian Sautter führt diese Kultur-Institution in zweiter Generation weiter. Zum Glück.
Natürlich habe ich als Hamburger Schömels Buch von vorne bis hinten gelesen. Klar. Bremen ist wirklich nur ein Pseudonym - die Oper als Phantom, der Schmerz als ein gemeinsamer. Aber genauso natürlich würde ich als Hamburger Autor - und gar als Mitglied im Writers Room - nie etwas gegen das Werk unseres Cheflobbyisten und Literaturreferenten sagen. Bewahre. So etwas mag sich eine Sigrid Löffler  herausnehmen, die im Literaturhaus mit herzlicher Direktheit klarmachte, daß - bei aller gemeinsamer Sexualfixiertheit - die literarischen Schuhe von Philip Roth dann doch etliche Nummern größer wären. Das war hart.
 
Ich würde an dieser Stelle auf etwas völlig  anderes zeigen und zwar auf das Buch „Rødby – Puttgarden“ von Helle Helle. Auch weil es für mich den Bogen zur „Brücke“ schlägt. Die dänische Autorin hat ihren Roman dort angesiedelt, wo das kleine Leben kleiner Leute in kleinen Jobs in Kiosk oder Cafeteria auf dem schaukelnden Soziotop Fähre in einigen Jahren durch eine gigantische Brücke (sic!) ersatzlos gestrichen sein wird. Ich zeige nicht ohne Grund auf dieses klare und schlichte Stück  Alltagserzählung, weil das Buch nämlich vor mir liegt und ich es eigentlich schon lange gelesen haben wollte. Es soll sehr gut sein. Aus dem Dörlemann Verlag, Zürich.
Aber als gezielten Hinweis an die neue Hamburger Kulturpolitik unter Olav Scholz nur dies: Wenn der „Leuchtturm“ als Metapher nun verglüht sein sollte, wäre die bedeutungsschwerere „Brücke“ vielleicht ein, äh, ein, sagen wir…. äh, ein – ach, weiß der Schömel…
 
Ihr Andreas Greve

Originalbeitrag: www.musenblaetter.de

 

 

DER "WUNDERTENOR"

Krank? Gestern war Joseph Calleja noch “pumperlgsund”, im September wird er krank sein? Wer hat da einen kapitalen Bock geschossen?

“Wundertenor” ist treffend, denn ich wundere mich tatsächlich, wie ein Sänger, der am 3. Juli in Berlin eine fulminante Vorstellung abliefert, bereits zu diesem Zeitpunkt weiß, dass er im September so krank sein wird, dass er “Rigoletto”-Vorstellungen in Wien absagen muss.

Was ist da geschehen bzw. wem ist da was passiert? Hat die Staatsoper die Meldung über die krankheitsbedingte Absage urlaubsbedingt zum früh vom Stapel gelassen? Hätte man nicht “La Rondine” in Berlin abwarten sollen und damit unseren Merker-Detektiven die Chance zur Recherche nehmen sollen?

Aber es ist urlaubszeit, also erledigt man (in seriöser Weise – was nicht immer bedeutet, dass das auch klug ist) die Arbeit, um dann den Laden dicht zu machen. Urlaub ist für mich ein Reizwort, denn ich war in meinem ganzen Leben zweimal auf Urlaub – und das war zweimal zuviel. Beim ersten Mal nutzen meine Gegner in den Fußball-Verbandsgremien meinen Urlaub, um flugs eine Sitzung nur zum Zwecke meiner Abwahl einzuberufen (wäre ich dabei gewesen, hätte ich meine Gegner zur Schnecke gemacht), beim zweiten Mal biss mein in Obhut gegebener und deshalb offenbar frustrierter Hund (ein Boxer, typischer Familienhund, der aber in keine Reisetasche passt) ein Kind und ich musste sofort die Heimreise antreten, um dann festzustellen, dass das bestenfalls ein Kratzer war, mit dem sich aber die Eltern des Kindes sanieren wollten. Seitdem gibt es keinen Urlaub mehr.

Die Wiener Staatsoper hat die Meldung von der voraussichtlichen Erkrankung von Joseph Calleja also zumindest um zwei Wochen verfrüht bekanntgegeben.

Das ist einerseits seriös, denn wären unsere Opernfreunde draufgekommen, dass Calleja bereits im Juni abgesagt, die Staatsoper die Info darüber bis August zurückgehalten hat, hätte man ihr weiß Gott was unterstellt. Anderseits ist es – aus zuvor geschilderten Gründen – keine taktische Meisterleistung!

Was ist nun wirklich? Es besteht immerhin die Möglichkeit, dass sich Herr Calleja zum Zeitpunkt September irgendeinem chirurgischen Eingriff zu unterziehen hat – und dann wäre er wirklich das, was man “krank” nennt. Diese Option müssen wir im Auge behalten. Allerdings darf Herr Calleja zu diesem Zeitpunkt nirgendwo singen – sonst ist er der Lüge überführt.

Oder ist “krankheitsbedingt” die Standardformulierung der Opernhäuser, zumindest unserer Staatsoper. Da sollte man denn doch besser bei der Wahrheit bleiben, denn “nichts ist so fein gesponnen…”

Oder sind Herrn Calleja die Wiener Opernfreunde schlichtweg wurscht? Dann sollten wir es wissen, damit uns auch Herr Calleja wurscht sein kann!

In jedem Fall schreit diese Absage/ Umbesetzung nach Aufklärung. Aber es ist Urlaubszeit! Spätestens im September, wenn dann die “Rigoletto”-Vorstellungen anstehen, wird das unter Garantie wieder zum Thema!

Mein Vorschlag: macht reinen Tisch, wer immer in dieser Angelegenheit “Butter auf dem Kopf hat”, möge den Sachverhalt eingestehen. ” Denn eines wiss und wahr es immer”- die Wiener Opernfreunde sind nicht blöd!

Mit den besten Grüßen aus Wien

Anton Cupak 4.7.15

 

 

 

STREAMING IN MÜNCHEN UND WIEN

Ob die Zahlen wirklich stimmen ?

Über 9.000 WIENER STAATSOPER live at home-Kunden (davon ca. 200 Abonnenten) haben in der Spielzeit 2014/2015 knapp 18.000 Streams gebucht. Die 45 Übertragungen von Opern- und Ballettvorstellungen in HD sowie teilweise in UHD sahen 35.000+ Zuseherinnen und Zuseher – aufgrund von Umfragen und aus dem intensiven Kundenkontakt geht hervor, dass die Livestreams meist zu Zweit oder in größeren Gruppen angesehen werden.

Die meistgebuchten Livestreams waren Die Fledermaus am 31. Dezember 2014 (rund 1.200 Nutzer) undGötterdämmerung am 7. Juni 2015 (4.300 Nutzer aufwww.staatsoperlive.com  und auf der von der EU geförderten theoperaplatform.eu).

25 % der Zuschauerinnen und Zuschauer kommen aus Österreich, 17 % aus den USA, 16 % aus Deutschland, 30 % aus dem restlichen Europa und 12 % aus dem restlichen Ausland.

Soweit die nackten Zahlen. Die sind so nieder angesetzt, dass ich von deren Richtigkeit ausgehe. Tiefstapeln empfiehlt sich beim Finanzamt, sonst aber begegne ich meist Hochstaplern. Jeder will mehr scheinen, als er ist.

Der Chef der Bayerischen Staatsoper erzählt von bis zu 100 000 Streams pro Vorstellung (im Gegensatz zu den Wiener Streams sind jene aus München kostenlos) – angesichts der von der Wiener Staatsoper genannten “ehrlichen Zahlen” glaube ich dem Herrn Nikolaus die 100 ooo ganz einfach nicht!

Es kann nicht nur an den Kosten liegen. Der Stream “Götterdämmerung” wurde kostenfrei angeboten und interessierte trotzdem weltweit “nur” 4.300 Opernfreunde. Es liegt wohl auch daran, dass ein Opernbesuch als Gesamtpaket zu verstehen ist, das “Drumherum” wie anschließender restaurant- Bar- oder Kinobesuch miteingeschlossen. Das ist eine günstige Entwicklung für die Theater, die Streams anbieten und sich mit der großzügig angelegten Zahl offenbar doch nicht das Wasser abgraben. Die Frage ich freilich, inwieweit sie kleineren Theatern schaden. Wenn wir aber der Wiener Staatsoper (wozu soll diese tiefstapeln?) und nicht dem Herrn Bachler in München glauben, hält sich die Gefahr in Grenzen.

In Wien liegt das Problem wahrscheinlich auch in der kompliziert scheinenden Anmeldung bei “culturall” . Aber keine Angst, wenn ich das mittlerweile problemlos schaffe, dann wohl auch Sie. Man muss nur Geduld haben. Ich wüsste nämlich nicht, wie es anders gehen könnte, will man die Ideologie des “was nichts kostet, ist nichts wert” aufrechterhalten.

Rein rechnerisch “kostet die Suppe wohl mehr als das Fleisch”, denn alle Streams während der gesamten Saison schlagen sich in Wien mit weniger als 300 000 Euro  (großzügigst berechnet) zu Buche. Das würde ein Sponsor locker bezahlen – aber das wäre dann auch gegen die Ideologie. 

Allerdings: Bachlers 100 000 glaube ich ganz einfach nicht!

1.7.15 Anton Cupak (Wien)

 

 

Neues vom "Denver Clan"

aus Bayreuth 11.6.15

An Wagners Kultstätte gerät die Festspielleitung zunehmend in Turbulenzen – die Führungsqualität wird in Frage gestellt, wenn jeder das machen kann, was nicht gerade zum Vorteil der Festspiele der Festspiele ist. Angeblich soll Christian Thielemann  die Mit-Geschäftsführerin Eva Wagner-Pasquier während der Probenzeit für “Tristan und Isolde” auf dem Grünen Hügel nicht sehen wollen, dementiert das aber. Unklar ist die Rolle von Kirill Petrenko, denn gerade er hat gegen Umbesetzungen bei seinem letzten Bayreuther “Ring” protestiert. Zuständig für Casting und Besetzung ist aber Eva Wagner-Pasquier. Gleichzeitig nennt aber Petrenko den Umgang mit Wagner-Pasqier “menschenverachtend”.  Da kennt sich wohl niemand mehr aus (“Alle lügen” meint Wagner-Pasqiers Anwalt). Sehr viel Erhellung in die Angelegenheit bringt auch der Bericht der “Presse” nicht

Überrascht“ gibt man sich auf dem „Grünen Hügel“ über jüngste Berichte, es gebe Streit um das Vertragsende der zweiten Intendantin Eva Wagner-Pasquier. Kein Geringerer als Star-Dirigent Christian Thielemann, der heuer in Bayreuth „Tristan und Isolde“ dirigiert, habe gedroht, „nicht den Taktstock“ zu heben, wenn Wagner-Pasquier anwesend sei. In der „Süddeutschen Zeitung“ dementiert Thielemann das „Hügel-Verbot“ für Wagner-Pasquier „ausdrücklich. Da ist wirklich nichts dran. Ich habe nie ein Problem mit Eva Wagner-Pasquier gehabt. Um Himmels willen, ich hebe den Taktstock garantiert, wenn sie im Raum ist, denn ich freue mich wahnsinnig darauf, den ,Tristan’ zu dirigieren, basta!“ Soweit Thielemann…

…Man habe sich in Bayreuth entschlossen, wieder zu den üblichen zwei statt bisher drei Geschäftsführern zurückzukehren, erläutert Pressesprecher Emmerich. Wagner-Pasquier werde aber für drei Jahre einen Berater-Vertrag erhalten. Die „Süddeutsche“ zitierte indes aus einem Schreiben, das der bayerische CSU-Politiker Georg Freiherr von Waldenfels an den Anwalt von Wagner-Pasquier, Peter Raue sandte: Darin heißt es u. a., dass Wagner-Pasquier zwischen 1. 6. und 20. 7. „auf dem Gelände der Bayreuther Festspiele nicht anwesend sein wird. Alle Beteiligten hätten über diesen Beschluss Stillschweigen zu bewahren.“ Es handelt sich um die heiße Probenzeit, vor dem Beginn des Festivals am 25. 7. Waldenfels ist ein wichtiger Mann, Chef der Gesellschaft der Freunde (und Mäzene) von Bayreuth und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung (zwei Stimmen im 24köpfigen Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung, Träger des Festivals). „In dieser Causa sagt kaum jemand die Wahrheit“, erklärt Anwalt Raue, Spezialist für komplizierte Kultur-Fälle, am Mittwoch der „Presse“: „Wahr ist, dass der Sprecher der vier Gesellschafter der Bayreuth-GmbH, Freiherr von Waldenfels, mir erklärt hat, unter keinen Umständen dürfe sich Eva Wagner-Pasquier von 1. Juni bis 22. Juli auf dem Hügel blicken lassen, da Herr Thielemann ungeachtet seiner Dementis sonst den ,Tristan’, nicht dirigieren könne. Deshalb dürfe Wagner-Pasquier auch nicht zur Generalprobe gehen…

Das ist stark, bezichtigt der Freiherr doch Christian Thielemann damit der Lüge (“er wird trotz seiner Dementis nicht dirigieren”). Der Stil des Stardirigenten war bereits füher hinterfragenswert. Es ist bereits längere Zeit her, da hat Christian Thielemann in Wien “Tristan und Isolde” abgesagt (Franz Welser-Möst hat dadurch erst seinen Fuß einen Spalt breit in die Türe der Wiener Staatsoper bekommen). Die Absage hat Herr Thielemann aber nicht selbst dem damaligen Direktor Holender mitgeteilt – er hat damit seine Mutter zum Opernchef geschickt!

Anton Cupak 11.6.15

 

Nochmals zum Song-Contest

Anton Cupak zeigt die Gelbe Karte

Bisher hat sich noch keine Zeitung anzusprechen getraut, dass Österreich zwar mit Lob für die Organisation überschüttet wurde, die “Makemakes” aber keinen einzigen Punkt erhielten. Sogar bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 hat uns der Schiedsrichter in letzter Minute einen Elfer zum 1:1 gegen Polen geschenkt, damit wir als Gastgeber nicht völlig leer ausgehen. Was wäre schon groß dabei gewesen, wenn man uns einige von den “kleinen Pünktchen” sozusagen als Gastgeschenk präsentiert hätte? Einen Gastgeber mit null Punkten hat es in der Geschichte des Song-Contests nicht gegeben. Dass sich Deutschland und Österreich nicht verständigen konnten ist eigentlich nicht zu glauben.”Du gibst mir drei Punkte – und ich gebe sie Dir wieder zurück” – so wäre die ärgste Schmach gebannt gewesen und Deutschland wie Österreich noch vor den arroganten Engländern gelandet, bei denen man irgendwie noch versteht, dass sie keine große internationale Allianz zustande bringen. Hätte ich zu reden gehabt, stünden Österreich und Deutschland nicht punktelos da!

Aber im Ernst, wie kann so etwas geschehen? Der Song-Contest” ist eine hoch politische Angelegenheit. Österreich und Deutschland (die Österreicher sind da zugegeben noch viel devoter) wollen allen gefallen – und wer allen gefallen will, gefällt letztlich niemand! Das ist wie bei einem Kritiker, der stets nur Lob schreibt (“unbedingt hingehen, anschauen” et.). Nach außen hin wird der Kritiker beliebt sein, wenn es aber darauf ankommt, wir ihn niemand ernst nehmen, er wird bestenfalls belächelt werden!

Was haben der Sieger des Contests und der Rennfahrer Nico Rosberg gemeinsam: beide profitierten gestern von “äußeren Umständen, Rosberg in Monaco, der Schwede in der Wiener Stadthalle. Einzig die “Wiener Zeitung” / Edwin Baumgartner traut sich schüchtern anzudeuten, was Fakt ist:  Am Ende ging ein kollektives Seufzen der Erleichterung durch das Pressezentrum des Song Contest. Mit dem Schweden Mans Zelmerlöw und seinen “Heroes” konnten alle leben. “Wir sind sehr froh, ein Song Contest in Russland wäre schwierig gewesen”, sagt Brian. Der britische Blogger drückt das aus, was sich auch im wechselnden Applaus während der Ergebnisverkündung abgezeichnet hatte. Zu Beginn, als Russland vorne wegzog, begann der Zuspruch immer spärlicher zu werden.

Dabei kann die Russin Polina Gagarina, deren “A Million Voices” durchaus Siegerpotenzial hatte, nichts dafür. Ihr Hit war grundsolides Pop-Material, wunderbar vorgetragen und eines Song-Contest-Siegers würdig gewesen. Dass sie am Ende mit 303 Punkten hinter Zelmerlöw mit 365 Punkte landete ist vielleicht auch politisch motiviert – ein Song Contest in Moskau war nicht nur im Lichte der Krise in der Ukraine, sondern auch wegen dem Umgang Moskaus mit Homosexualität für viele offenbar nicht vorstellbar.

Diese Idioten! Wenn man für die Sache der Homosexuellen, vor allem für die in Russland,  wirklich etwas tun hätte wollen, dann hätte man den Contest nach Moskau transferieren sollen. Aber so weit denken diese Kleinhirne nicht!

“Der Applaus wurde immer spärlicher” ist nett umschrieben (vielleicht auch von der Chefredaktion aufgezwungen). In der Halle anwesende Ohrenzeugen berichten, dass bei jedem Punkt für die Russin Buhrufe vernehmbar waren, bei jeden Voting für den Schweden jedoch die Halle in Euphorie versank! Bekanntlich wurde bei der TV-Übertragung an den Tonhebeln gedreht! Nico Rosberg sprach in Monaco von viel Glück, Herr Zelmerlöw wird sich das bei selbstkritischer Betrachtung für sich wohl denken! Ein unwürdiger Sieger ist er gewiss nicht, aber ein durch die politische Situation begünstigter.

Anton Cupak 25.5.15

 

Zusätzliche Anmerkung des OF-Herausgeber

Ich bin da völlig der Meinung meines Freundes Toni. Was kann diese blutjunge sympathische russische Sängerin (ein ganz großes Talent!) für die Unsitten, die Unterdrückung und die Kriegstreiberei nicht weniger Spiessgenossen ihres Landes oder deren Führung. Das wirkt auf mich wie der hirnlose Angriff auf die deutsche Bundeskanzlerin mit Hitlerzeichnung kürzlich noch in diversen griechischen Medien.

Seit über 40 Jahren gehört dieser Wettbewerb, der früher mal "Grand Prix d´Eurovision de la Chanson" hieß,  zu meinen Traditions-TV-Abenden, weil er wirklich völkerverbindend ist, trotz allen Konkurrenzkampfes. Österreich hat eine fantastische Präsentation in seiner Hauptstadt geboten - und das musikalische Niveau war qualitativ wie selten. Ich hatte auf meinem Votingzettel den russischen Beitrag auf Platz Eins und die Italienischen "Three Tenors" - versteht sich! - auf Platz Zwei; umgekehrt wäre mir es auch recht gewesen ;-). Und nur so nebenbei: Hört man den schwedischen Siegertitel im Radio, also ohne die tollen sympathischen Strichmännchen, klingt er fade und langweilig.

Soviel zur optischen Präsentation, wobei ich mir als alter Opernkritiker nur immer wieder wünschen würde, daß unsere einfallslosen und moderner-technik-feindlichen Bühnenbildner mal nur Etwas von diesem großen Spektakel mitnehmen würden, damit wir Theaterabende auch so erleben, wie es sein sollte, nämlich als großen verblüffenden Zauberkasten der Illusionen und der Fantasie.

Peter Bilsing 25.5.15

 

 

 

SPIESSER ODER NICHTSPIESSER ?

Achtung!   Anzug und Krawatte, das könnte Sie als als Spießer entlarven !

Wenn ich in die Oper gehe, dann meist in Jeans, ohne Krawatte und  – wenn ich gerade neue erstanden habe – in Turnschuhen. Bin ich deswegen kein “Spießer”? Da ich sehr zukunftsorientiert bin, fühle ich mich keineswegs als Spießer. Wenn ich aber nicht alle “Trends” mitmache, über die Richtung, die der Song-Contest eingeschlagen hat, nicht im Kollektiv juble, bin ich wohl wieder ein Spießer. Ich verkleide mich keineswegs als “Nicht-Spießer”, denn erstens sind Jeans praktisch,  zweitens habe ich Probleme, den obersten Hemdknopf überhaupt zuzuknöpfen (da ist dann nichts mit Krawatte, die auch sehr einengt) und drittens gibt es keine bequemeren Schuhe als Turnschuhe, zumindest nicht in der Preiskategorie, die ich mir leisten kann.

Warum dieses Outing? Ein Herr Philipp Wilhelmer schreibt in der “Zeitung “Kurier” in Zusammenhang mit dem heute zu Ende gehenden Song-Contest in Wien wörtlich: Irgendwann im Laufe der Jahrzehnte ist der Eurovision Song Contestvon der Spießerveranstaltung in Hemd und Krawatte zu einem Event der Gay Culture geworden…

Ist es nicht herrlich, mit einem so einfach gestrickten Weltbild durch das Leben wandeln zu können? Ich ziehe daraus den Schluss, das jede Frau, die ihr bestens Kleid zu einem Theaterbesuch ausführt (und womöglich, was ein absolutes ”Geht nicht”  ist, zur Feier des Tages vorher beim Friseur war) und jeder Mann, der sich zum Anzug eine Krawatte umzwingt, von Herrn Wilhelmer in die Kategorie “Spießer” eingeordnet wird.   Demnach wäre ich kein Spießer, bin es aber trotz der “Verkleidung” trotzdem, weil ich der Meinung bin, dass sexuelle Ausrichtungen reine Privatsache sind, die eine Öffentlichkeit überhaupt nichts angehen. Ich habe noch nie (m)eine Partnerin in der Öffentlichkeit abgeknutscht. Und weil mich stört, dass Andere sich da weniger Zwang antun, nehme ich zur Kenntnis, dass ich ein Spießer bin. So gesehen bin ich gerne ein Spießer, nur eben einer ohne Anzug und Krawatte. Wie viele Spießer aber in ausgewaschenen Jeans und zu groß geratenen Pullis unterwegs sind, möchte ich gar nicht wissen!

Frohe Pfingsten

wünscht Anton Cupak 23.5.15

 

 

WIEDER EIN PROVINZPOLITIKER...

Laut dem General-Anzeiger Bonn sind sich in Bonn die Musiker des Beethoven Orchesters und die Findungskommission auffallend uneinig über die Nachfolge von Stefan Blunier als Generalmusikdirektor der Stadt.

Die Findungskommission, bestehend aus Peter Gülke, Nike Wagner (Beethovenfest) und Bernhard Helmich (Theater Bonn), plädiert mehrheitlich für den Franzosen Marc Piollet, wobei sich Gülke selber für Jun Märkl starkmacht. Das Orchester hat sich mit einer 98-Prozent-Mehrheit für Märkl entschieden. Dennoch will Martin Schumacher, der Kulturdezernent der Stadt, dem Rat der Stadt Piollet als Blunier-Nachfolger vorschlagen.

Formaljuristisch sei dies korrekt, zitiert die Zeitung Gülke, weil «das Orchester in dem Findungsverfahren kein Stimmrecht habe, sondern nur als Berater der Kommission gehört werde». Allerdings sei es fraglich, ob eine Zusammenrbeit zwischen neuem GMD und Orchester unter solchen Voraussetzungen auf gute Wege gebracht werden könnte. (Quelle: “Codex Flores”)

Wenn Sie mich fragen, dann sage ich ein klares Nein. In Berlin war das Orchester selbst uneins, selbst ein von 60 % (davon war man  weit entfernt, sonst wäre die Wahl ja abgeschlossen) gewählter Chef hat immerhin die 40 % der  in der Abstimmung Unterlegen gegen sich, jetzt einmal davon abgesehen, dass die Orchestermusiker die Meinung der jeweils “Opposition” kennen und es nicht ausgeschlossen ist, dass sie vom Wissen dem Chef gegenüber Gebrauch machen. Ich pauschaliere natürlich nicht, aber es gibt überall starke und schwache Charaktere, auch bei Philharmonikern.  Wenn man ein Orchester aber vorher fragt und dort herrscht eine 98 % Übereinstimmung, dann kann nur ein Geistesgestörter einen Job annehmen, der sich gegen die Meinung von 98 % stellt!

Warten wir ab, wie die Bonner Kulturverantwortlichen in der Sache verfahren. Was hat Nike Wagner da groß zu entscheiden? Gar so lange ist sie noch nicht beim Beethovenfest, um sich da in personellen Fragen wichtig zu machen!

Anton Cupak 20.5.15

 

 

Frauen und Kinder zuerst?

-Denkste! VIPs zuerst !

PRO7-Nachlese 16.5.15

Wenn man den letzten Pressemeldungen glauben darf, wurden nach der anonymen telefonischen Bombendrohung beim großen (wahrscheinlich zum letzten Mal live!) ausgestrahlten PRO7-Finale von "Germanys next Top Model" erst die sogenannten VIPs vorzeitig evakuiert und mit gut 20-minütiger Verspätung dann langsam erst das normale Volk.

Es ging augenscheinlich nach dem Motto, welches auch Kapitän Francesco Schettino, am 13.1.2012 auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff Costa Concordia, berücksichtigte, nämlich zuerst die wirklich wichtigen Personen zu retten.

Nun hat diese Unsitte (gesonderte VIP-Bereiche auch in unseren Opernhäusern und Theatern einzurichten) damit ja auch etwas Gutes - zumindest für Selbige. Da werden sich die zahllosen "besonders ehrenwerten und ausgewählten Besucher" (eben diese VIPs!) in unserer subventionierten Musentempel aber freuen. 

Glück auf Freunde! Ihr werdet zuerst gerettet. Der Steiger kommt im Gefahrenmoment; er hat sein helles Licht mitgebracht und rettet Euch aus der Gefahr, dem dunklen finsteren Schacht - für den Pöbel wird es Nacht. (frei nach dem klassischen Steigerlied aus unserer Region). Da bietet es sich doch auch gleich an eben dieses Lied der Gemeinsamkeit und Verbrüderung schon vor jeder Premiere gemeinschaftlich zu singen, wie hier unsere sozialdemokratischen Freunde.

Na, wenn sich so etwas durchsetzt. Da möchte man doch vor lauter Neid und Missgunst doch gleich selber ein VIP sein.

VIPs im Opernbereich meines Stammhauses (Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf) habe ich übrigens immer nur hinterher bei den Premierenfeiern gesehen - vorher in der Oper waren sie selten. Das ändert sich nun zunehmend, nachdem eine teutsche Nobelwagenschmiede diese gratis von Tür zu Tür chauffiert

Noch etwas zu diesen VIPs im Opernbereich, die eine sogenannte "Ehrenkarte" bekommen, also für lau reingelassen werden: an manchen Häusern im mehr südlich gelegenen Bereich Deutschlands (Das Autokennzeichen fängt mit "M" an) soll es an diesen Premieren-Abenden mehr Frei-Karten geben, als im freien Vorverkauf und im Abo zusammen gerechnet.

Halleluja

Ihr Peter Bilsing

 

P.S.

Mein Tipp: Setzen Sie sich immer auf Außenplätze und behalten die VIPs in ihren Logen und abgesperrten Bereichen stets im Auge! Auch wenn die schwarzen AUDI A 8 Limousinen, die ja direkt vor der Operntüre parken plötzlich sich ziemlich panikartig dünne machen, sollten auch sie Fersengeld geben ;-)

 

 

BERLIN - Wahl-"Konklave" der Philharmoniker

was für ein Affentheater…

Das ganze Theater um die Wahl zum neuen GMD zeigt letztlich, daß man so eine Entscheidung eben NICHT demokratischen Gepflogenheiten überlassen darf!

Und vor allem nicht Musikern! Die sind nicht reif für eine Demokratie ;-)))

Wenn Sie einmal wissen wollen, was in so einem Orchester wirklich vor sich geht, dann schauen Sie sich den grandiosen Fellini-Film an - hier in voller Länge und im Original; leider gibt es davon wohl keine synchronisierte deutsche Fassung. Das Ganze gibt es auch als grandiose Oper von Battistelli (zuletzt in Düsseldorf 1997). Ja.... Verehrte Opernfreunde - genau so geht es wirklich in einem Orchester zu!

Ein Kollektiv, welches nur unter der harten Hand eines Diktator (hier Dirigent bzw. konkret GMD) ordentlich und gut funktioniert, muß eben auch autoritär seinen "Anführer" aufoktruiert bekommen.

Nicht umsonst heißt der Titel ja auch GENERAL !!! -Musikdirektor

Der wird es – sagt bitte demnächst der Senat – und BASTA!

Besser:

wenn es schon demokratisch zugehen soll (wie bei der Papswahl :-), dann hätte man die BEZAHLER (das Publikum & die weiteren Steuerzahler) entscheiden lassen müssen – die Schweizer nennen das VOLKSABSTIMMUNG – das wäre wirklich gerecht und ausgesprochen demokratisch.

Peter Bilsing 14.5.15

 

Post Scriptum

Da man mittlerweile ja auch Dinosaurier aus alten Resten von DNA wiederherstellen kann (siehe "Jurassic Park") müsste das auch mit Karajan dem Großen möglich sein; ich sehe darin die einzige befriedigende Lösung.

Zur Zeit würde ich sagen, daß zu diesem Haufen am besten der "Pausenclown" Dudamel passen würde.

 

 

Ist alles schon bezahlt

Eine gute Idee: Eine zentrale Plattform für Opernliebhaber und solche, die es noch werden wollen, zu schaffen. Sie ist nicht neu und wurde schon oft verwirklicht. Es gibt im Internet eine ganze Reihe von publizistischen Angeboten, die versuchen, möglichst umfassend über die Welt der Oper oder besser des Musiktheaters zu berichten. Ihnen allen ist in all ihrer Unterschiedlichkeit eines gemein: Sie werden privat finanziert und stehen in gesundem Wettbewerb zueinander. In Zukunft mischt die Europäische Union mit.

Opera Europa bezeichnet sich selbst als Berufsverband der Opernhäuser und Festivals in Europa. Der Verband mit Sitz in Brüssel gibt an, 155 Mitglieder zu haben. Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft beträgt 2.700 Euro. Dieser stolze Betrag dürfte dafür sorgen, dass nicht gleich jeder, der sich für Erhalt und Weiterentwicklung der Oper interessiert, die Beitrittserklärung unterschreibt. Ist vielleicht auch gar nicht gewünscht.

In diesen Tagen macht Opera Europa mit einer neuen Plattform im Internet von sich reden. Der Anspruch: „Die Seite soll der Anlaufpunkt sein, die auf Oper in Europa neugierig sind. Wir haben gesehen, wie die European Opera Days viel öffentliche Sichtbarkeit für unser Metier geschaffen haben, indem wir uns auf Wochenenden der offenen Tür konzentriert haben. So soll auch diese neue Platform erhebliches neues Interesse daran schaffen, die Welt der europäischen Oper auf einer einzigen, massgebenden Website zu entdecken … 24 Stunden am Tag, in Deutsch, Englisch und Französisch.“ Angeboten werden Übertragungen von Opern im Internet „gratis, live und on demand“. Der Fernsehsender Arte stellt dazu Ressourcen bereit. Ressourcen, die längst von den Steuerzahlern über die Rundfunkzwangsgebühren bezahlt sind.

Opera Europa macht kein Geheimnis daraus, dass auf der neuen Plattform publizistische Inhalte angeboten werden sollen. „Der redaktionelle Inhalt wird massgeblich dazu beitragen, die Platform als wichtigsten Anlaufpunkt für europäische Oper zu etablieren. Der Inhalt wird aber breiter gefächert sein, um ein vielfältiges Publikum anzusprechen. Es wird Hintergrundinformationen in kürzeren Formaten geben, z. B. Videos, Texte, Photos, Musik, detaillierte historische Informationen über einzelne europäische Opernhäuser, ein Archiv ausgewählter Inszenierungen, Interviews mit führenden Künstlern und Zugang zu Manuskripten in Musikbüchereien.“

Das ist nicht ganz so neu und einzigartig, wie es vielleicht klingt. Seit vielen Jahren gibt es ein breites publizistisches Angebot im Internet, das Menschen für die Oper begeistern will. So unterschiedlich und vielfältig diese Angebote im Einzelnen sind, sie sind allesamt privat finanziert und stehen in einem gesunden Wettbewerb zueinander. In der Gesamtheit begeistern sie Monat für Monat hunderttausende Besucherinnen und Besucher für das Thema. Die Europäische Union macht jetzt Schluss mit diesem Wettbewerb. Im Rahmen des Creative Europe Programme überweist sie Millionenbeträge, um die Website von Opera Europa zu finanzieren. Ist also nix mit gratis bei Opera Europa, sondern alles teuer bezahlt mit Steuermitteln.

Ein unausgegorenes Projekt noch dazu. Zu viele Fragen bleiben offen. Was eigentlich werden diese kostenlosen Live-Übertragungen bewirken? Schon jetzt beeilen sich die Betreiber der Site zu versichern: „Dabei zu sein, ist doch schöner.“ Bei dem Projekt nicht mit dabei sind übrigens kleinere Häuser wie etwa Stadttheater, die durch solche Übertragungen weiter aus dem Wettbewerb gedrängt werden könnten. Wer eine Traviata aus Madrid für lau im Internet sehen kann, geht anschließend in sein Stadttheater, um sie dort noch einmal zu sehen? Weil er oder sie sein oder ihr Ensemble so sehr liebt, dass er oder sie nicht kennt? Es bestünde auch durchaus die Möglichkeit, dass die EU Millionen ausgibt, damit ein paar Freaks sich ihre Opern auch noch im Internet anschauen können. Verlässliche Prognosen über die Besucherzahlen dieser Website gibt es nicht. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Begeisterung des Publikums für Live-Übertragungen im Internet sich in deutlichen Grenzen hält. Dem könnte man entgegenhalten: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Danach muss die EU auch mal Gelder bereitstellen, um sich, um die eigene Kultur weiter zu entwickeln. Einverstanden. Aber bitte nicht zu Lasten bestehender oder sich entwickelnder Wettbewerbe – denn die treiben die Entwicklung bekanntermaßen sehr viel schneller voran.

Das Thema Video-Streaming wurde bislang in der Branche heiß gehandelt. Geschäftsmodelle wurden ebenso diskutiert wie technische Lösungen. Diesen Wettbewerb hat die EU kurzerhand eingestellt. Dass ihr das mit den bereits existierenden publizistischen Angeboten zum Thema Oper ebenfalls gelingt, ist eher unwahrscheinlich. „Angst habe ich keine, wir dürfen nur unseren Stil nicht ändern. Eine von Opernhäusern erstellte Webseite muss unkritisch sein, wird sich auf Ankündigungen beschränken – und das tun, was wir ohnedies nicht können: Opern-Direkt-Übertragungen zur Verfügung stellen. Ich denke nicht, dass uns Leser untreu werden, die neue Site ist eine Ergänzung“, ist Anton Cupak, Herausgeber des Neuen Online-Merker, sicher. Und Peter Bilsing, der den Opernfreund herausgibt, lehnt sich erst mal zurück. „Es gab auch in der Vergangenheit immer mal wieder Leute, die versucht haben, uns das Wasser abzugraben. Von denen spricht heute niemand mehr“, berichtet er aus der Erfahrung der zurückliegenden Jahre. Freilich gab es unter diesen Wettbewerbern bislang auch niemanden, der gleich mit einem Millionen-Etat der EU und der von Zuschauern finanzierten Unterstützung des Fernsehsenders Arte und seinem Know-how aufwarten konnte.

Ob das Publikum sich von solcher Großmannssucht wirklich beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten. Die deutsche Opernlandschaft jedenfalls trägt diese Skepsis. Gerade mal die Komische Oper Berlin und die Oper Stuttgart beißen mit in den großen Kuchen. Es könnte sein, dass es unter dem Zuckerguss von Arte und EU durchaus Bitterstoffe gibt, die einem den Geschmack ganz schön vergällen können.

Michael S. Zerban (Chefredakteur OPERNNETZ) 8.5.2015

 

Redaktions P.S.

Wir würden uns ja über eine EU-Förderung für unsere kulturelle Arbeit freuen, ebenso wie unsere Freunde vom Opernnetz oder vom Wiener Online-Merker - aber warum will die EU mit deutschen Steuergeldern eine Konkurrenz aufbauen - noch dazu eine finanzkräftige Konkurrenz?                              Peter Bilsing 8.5.15

 

 

PEINLICHER FLIMM AUFTRITT BEI SHICOFF GALA "40 JAHRE BÜHNE" in Wien

aus dem Tagekommentar vom 5.5. von Merker-Online Herausgeber Anton Cupak

Aufsehen erregte ein sich völlig daneben befindlicher Jürgen Flimm, seines Zeichens Intendant der Staatsoper Berlin. Wenn es eines Beweises bedurfte hätte, dass der rheinländische oder auch der Berliner Humor mit unserem Wiener Humor nicht vereinbar, vergleichbar  sind – Jürgen  Flimm, der “Elefant im Porzellanladen, hat ihn eindrücklich geliefert. Um Missverständnissen vorzubeugen sei festgehalten, dass ich den “Wiener Schmäh”, der zwangsläufig mit den echten Wienern (die immer weniger werden)  aussterben muss, keineswegs als “Leithumor” bezeichne, aber dass man die Gastgeber beleidigt, ist bei jeder Art von Humor ein “No go”. Ich habe gestern dazu aufgerufen, Eindrücke von Flimms unterirdischen Auftritt zu liefern – und habe mir zur Kontrolle selbst noch die Aufzeichnung angehört. Eine nicht genannt werden wollende Leserin fasst treffend zusammen: Die Buhrufe gegen Jürgen Flimm lassen sich leicht erklären. Wenn jemand schon ankündigt, dass „es jetzt komisch werden soll“ und zu dem Zweck eine „Mütze“ = Baseballkappe aufgesetzt werden muss, gesagt wird, dass es ganz  schnell geht und dann wird volle 8 Minuten unendlich langatmig uninteressantes Zeug gequatscht, dann kann das Publikum und offenbar auch der Geehrte schon einmal die Geduld verlieren. Wörtliches Zitat vor der Gesangseinlage: „Wir  wollten immer schon mal Tenöre werden. Er hat sich immer vorgedrängt, jetzt wo  es mit ihm in die Dämmerung geht (sic!), kommt unsere große Chance… Er wird ungeduldig; das ist doch sonst gar nicht seine Art!“
So etwas provoziert halt unweigerlich den lautstarken Zwischenruf aus dem Publikum „Wir auch!“ Daraufhin Flimm: „Neeeeein! Sie wissen ja gar nicht, was jetzt kommt!“ Und nach überstandener Einlage: „Das war doch ziemlich gut, oder??“ Das nennt sich wohl  „betteln um Buhrufe“, die auch prompt kamen. Und wenn’s dann weiter geht mit „Ich merke schon, dass der rheinische Humor bei Ihnen nicht ankommt. Dabei heißt das Lied „Die Wiener braucht man gar nicht erst in Stimmung zu bringen; die san’s ja scho!“, da hat der Wiener dann endgültig „g’fressen“ und legt noch ein paar Buhs nach… Ich jedenfalls wurde den Eindruck nicht los, dass auch bei dieser „Laudatio“ vielleicht ein bisschen „Himbeersaft im Spiel“ war (auch eines  der „launigen“ Zitate). Jedenfalls war die Erleichterung deutlich spürbar, als die beiden Herren endlich die Klappe hielten! Was waren Holenders Worte doch  dann für eine Wohltat!

H.J.K. aus Deutschland legt nach: Der Auftritt war dumm und peinlich -man schämt sich dass ein solcher I….ein so bedeutendes Haus leiten darf…. Den Mann aus Ludwigsburg kennt kein Mensch, sein Haus ebenso und 90% in Deutschland haben keine Ahnung, wo das überhaupt liegt….einen solchen Quatsch hat Shicoff nicht verdient !!!! Danke an alle Buhrufer!!!!!!

Frau B.E. hat sogar den ersten Beitrag über die Schilderung des Flimm-Desasters geliefert.  Schon die Rede war sehr schlecht, Flimm hat unzusammenhängend und langatmig gesprochen. Immer wieder Witzchen machend über den Intendanten von Ludwigsburg (dem das – meinem Gefühl nach – eher peinlich war) Sätze anreißend über die erste Vorstellung damals vor 40 Jahren (es gab laut Flimm Buhrufe? Wegen der Inszenierung? Shicoff hat herzlich gelacht?) und letztendlich keine der angefangenen G’schichterln oder Episoden oder what ever beendend. Nach einem Zwischenruf aus dem Publikum, der ungefähr ausgesagt hat, dass er zu einem Ende kommen sollte, begann Flimm eine Geschichte über die Freundschaft zu Shicoff zu erzählen, die (die Geschichte) darin gipfelte, dass sie sich alle drei “Fred” nennen (?), was auch in der Schirmkappe, die er aufgesetzt hatte, drinnen steht. Und dann kam dieses Lied, das ich übrigens unter anderen Umständen sehr gerne habe, aber nach dieser eindrucksvollen Vorstellung eher wie ein Schlag ins Gesicht wirkte. Die Buhrufe galten nicht dem Gesang, sondern dem völlig unpassenden Auftritt von Flimm, der dann auch präpotent über den mangelnden Humor und das Nichtverständnis des rheinländischen Witzes der Wiener gar nicht mehr humorvoll herzog. Die Ansprache von Holender (den ich gar nicht so gerne mag) war rührend, charmant und witzig)

Ich danke dem Merker für seine Kritiken, seine Informationen und dafür, dass ich mir das von der Seele schreiben konnte.

Die Gala war einfach wunderbar. Shicoff hat, nach anfänglicher Nervosität im Hoffmann, diese verloren und mit dem Finale der Carmen mich und ich glaube viele andere berührt wie eh und je.

Dem kann man nur zustimmen. Wer hat den Flimm überhaupt eingeladen? Hat er sich aufgedrängt? Ich gehe davon aus, dass in Wien keine weiteren Projekte mit Jürgen Flimm geplant sind, denn gar so schnell vergessen die Wiener nicht. Seinen Humor kann sich Herr Flimm jedenfalls an den Hut stecken! Den rheinländischen Humor versteht man übrigens nur im Rheinland!                                   A.C.

 

BECKENBAUER NACHFOLGER VON RATTLE ?

Drei Tage zuvor – nämlich am 11. Mai – wählen die Philharmoniker im Rahmenprogramm des Fußballturniers nebenbei noch ihren neuen Chefdirigenten.

 Die Frage ist aber nicht nur: “Wer wird der Nachfolger von Simon Rattle?” sondern: “Wer wird denn nach dem Champions-League-Aus der Bayern gegen Barcelona einen Tag später – nämlich am 12. Mai – Nachfolger von Pep Guardiola?”

Bevor jetzt wieder Witzlose vom Stuhl fallen sei erwähnt, dass sich Franz Beckenbauer für die Fußballmannschaft der Berliner Philharmoniker zu alt fühlt. Die Kicker der “Berliner” sind nämlich nicht Weltklasse, denn das Fußballturnier gewinnt mit ziemlicher  Regelmäßigkeit dasKonzerthausorchester Berlin.


Auch ein Kandidat für die Rattle-Nachfolge: Rudi Völler

Wer werden jetzt aber die Nachfolger? Kommt nun Christian (“Endlich mal wieder ein Deutscher!”) Thielemann als Bayern-Coach? Stellt er Müller-Wohlfahrt wieder ein? Und kann Jürgen Klopp die Berliner Philharmoniker zur innigst herbeigesehnten deutschen Klangästhetik von vor “äh… circa 70 Jahren” zurückführen?

Wir haben exklusiv für den Bad Blog alle Kandidaten auf Herz und Schilddrüse getestet!

Georg Solti und Pep Guardiola
Pep Guardiola übt auch schon Gesten für einen Berufswechsel ein, Wer weiß, ob er am 12.5. noch Bayern-Trainer ist, wenn seine Mannschaft gegen Barcelona ausscheidet: Pep imitiert übrigens den legendären Georg Solti!

Anton Cupak 29.4.15

 

 

NEGER

Nun gelangen wir zu einem Anschlag auf die Politische Korrektheit. Vor 60 Jahren sang beim Mainzer Karneval ein Dachdeckermeister namens Ernst Neger Schunkellieder wie “Heile, heile Gänsje” oder so ähnlich. Ich habe das aus meiner Kindheitszeit noch in Erinnerung, weil es nur ein Fernsehprogramm gab, was letztlich dazu führte, dass sich mein Vater sogar Opern ansah.  Dieser Mainzer Dachdecker entwarf ein Firmenlogo, das seinem tatsächlichen Namen entsprach – und hielt das für witzig. Nun kann man über den Witz der Mainzer Karnevalssitzungen geteilter Meinung sein. Ernst Neger ist längst verstorben, sein Enkel führt aber die Firma mit demselben Logo weiter. Und das geht schon gar nicht!

Der Vergleich mit dem Weißbrot liegt nahe. Die Lokalzeitung ist schon drauf gekommen: Was würde ein hellhäutiger Tourist wohl sagen, grinste ihm beim Brotverkäufer in Schwarzafrika ein käsiger Teutone als Werbefigur an? Fände er das witzig? Hätte der Reisende Selbstironie im Gepäck, schon. Dieselbe ist in der Fastnachtshochburg Mainz allerdings gerade ausgegangen. Dort ist ein Streit um Symbolik derart eskaliert,dass sogar die „Washington Post“ die Frage stellt, ob es sich bei dem Dachdeckermeister Thomas Neger um einen Rassisten handelt beziehungsweise ob das Logo seiner Firma fremdenfeindlich ist. Das Signet zeigt eine Figur mit einem wie ein Dach geformten Rock, großen Lippen, Kreolen in den Ohren und einem Schieferhammer in der rechten Hand…

Ich frage mich, warum in Zeiten wie diesen der wackere Dachjongleur überhaupt “Neger” heißen darf. Könnte man den nicht “zwangsumbenennen”? Thomas Schwarzafrikanerklingt doch viel besser. Wenn ich mit dem 62er fahre, gewahre ich am Anfang der Hetzendorferstraße das Schild der Firma “Hietler”. Der gute Mann wird wohl immer, wenn er sich vorstellt, “aber bitte mit e nach dem i” dazusagen. Mir wäre das zu blöd, anderseits verstehe ich, dass man einen Familiennamen mit Stolz trägt – so wie ich den meinen!

Anton Cupak 16.4.14

 

STILKRITIK

Kürzlich betitelte ein Kollege seine Opernrezension mit der tiefsinnigen Mutmaßung, die Regisseurin und einige der Protagonisten des von ihr inszenierten Werks seien anscheinend beim gleichen Friseur gewesen. Ja, geht es dem weltbewegenden Verlag, in dem seine Zeitung erscheint, so haarsträubend schlecht, dass das Musikressort das Genre Stilkritik in Personalunion mitbetreuen muss?

Für eine andere Kollegin hat sich in gleicher Angelegenheit bereits im allerersten Satz „die Sache“ nach „gut drei Minuten“ „erledigt“. Das immerhin klingt sehr viel sachlicher, auch wenn es dies tatsächlich gar nicht ist. Denn besucht man als kluger Kopf, der hinter ihrer Zeitung steckt, die Inszenierung, stellt man fest, dass sie keineswegs so platt und lächerlich ist, wie die Rezension, vor allem deren Headline, vermuten lässt.

Deutlich reflektierter äußert sich ein dritter Kollege, dessen Blatt sich zwar nicht als „Zeitung für Deutschland“ positioniert, aber hierzulande durchaus wahrgenommen wird. Allerdings kann auch er nicht umhin, das auf den ersten Blick albernste Requisit in seine Artikelüberschrift zu hieven.

Denn bekanntlich haben wir eine Zeitungskrise, und schon lang vorher lautete die Devise „Bad news are good news“. Wirklich ärgerlich wäre es jedoch, wenn diese heute in dem Sinne ausgelegt wird, dass es gut ist, die Dinge schlechtzuschreiben.

Übrigens: Über etwas herzuziehen, nur weil sich einem der Sinn nicht unmittelbar erschließt, ist nicht lustig. Es ist nicht einmal schlechter Stil. Es zeugt von Gedankenlosigkeit. Und die ist wirklich stillos.

Christa Habicht 16.4.15

 

 

OHNE GELD KA MUSI


 

Nur fünf Premieren in der kommenden Spielzeit

Nein, früher war nicht alles besser – auch nicht in der “Schilling-Zeit”. Allerdings waren 5000 Schilling so viel Geld, dass bei den  Kaufleuten angesichts einer 5000 Schilling-Note die Panik ausbrach – soviel Geld Wechselgeld war meist nicht in der Kassa. Heute sind das keine 400 Euro – und mit denen kommt man bekanntlich nicht weit!

“Früher” waren in Staatsopern-Spielzeiten mindestens sechs Opernpremieren angesetzt – heute sind es nur fünf. Soviel ich hörte, war eine sechste geplant, ließ sich aber dann nicht realisieren. Die Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Eine Premiere weniger bedeutet eine Einsparung – in Zeiten schrumpfender Budgets wird dies für eine Tugend gehalten. Nicht so bei unseren Opernfreunden, denen sind fünf Premieren zu wenig. Wobei ich aber zu bedenken gebe, dass selbst zehn Premieren nicht zwangsläufig Qualitätsanhebung bedeuten müssen.

Wir beginnen mit einem neuen “Macbeth” – und das ist wiederum ein Himmelfahrtskommando. Der Direktor machte sich zu Beginn seiner Amtszeit beliebt, in dem er Neuinszenierungen der drei nach Meinung des Staatsopernpublikums misslungendsten Szenerien zu ersetzen versprach: Es waren dies Koskys “Lohengrin”, Krämers “Tristan” und Nemirovas “Macbeth”. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber ich habe diese drei für gar nicht so schlecht empfunden (offenbar habe ich eben keinen Geschmack). Was kam bei den ersten Versuchen heraus: eine für Japan zugeschneiderte  und dort auch eingekaufte “Tristan”-Inszenierung (wobei noch bis kurz vor der Premiere behauptet wurde, dass es eine waschechte Neuinszenierung ist – was wir jedoch mit Fotos aus Japan ganz leicht widerlegen konnten), Homokis “Bayerischer “Lohengrin im Wirtshaus” – und nun steht “Macbeth” bevor. Inszenieren wird Christian Räth.

Weil man ihn in unseren Breiten nicht kennt, muss er deswegen kein schlechter Regisseur sein. Ich “googelte” ihn – und stieß zuerst auf einen Klempner in Vorpommern. Dann erst gelangte ich zur San Francisco-Opera. Warten wir aber ab, was er zu bieten hat. “Macbeth” ist aber ähnlich wie “Elektra” ein Himmelfahrtskommando: Während Uwe Eric Laufenberg gegen eine Inszenierung ankämpfen musste, an die sich die Wiener im Laufe der Jahre gewöhnt haben (und deshalb nur verlieren konnte), hat Christian Späth die Chance, eine ungeliebte Inszenierung zu ersetzen. Das ist nur auf dem ersten Blick eine dankbare Aufgabe! Sein “Macbeth” muss weit besser als jener von Frau Nemirova sein, andernfalls ich schon die Wiener “raunzen” höre “Da hät ma gleich die Nemirova lassen können”!

Interessant ist auch, dass “Hänsel und Gretel” von den Wiener Opernfans nicht wirklich ernstgenommen wird, denn drei befragte Personen sagten mir gegenüber unabhängig voneinander “Fünf Premieren – und darunter ist “Hänsel und Gretel”!
Christian Thielemann hat sich aber für Humperdincks Werk sehr stark gemacht, also erwarten wir Besonderes. Eine, die diese “Hänsel und Gretel”-Premiere im Falle des Falles retten hätte können, wäre die in Wien ungemein geliebte Elisabeth Kulman gewesen, die aber den Hänsel zurücklegte (und ihren Fans gleichsam die kalte Schulter zeigte), weil sie beschlossen hat, ihre Opernkarriere abzubrechen, um künftig nur mehr Konzerte zu singen. Der Direktor hofft, dass für künftige Projekte ein Umdenken der Kulman erreicht werden kann, aber für “Hänsel und Gretel” ist der Zug nun abgefahren. Die Sängerin scheint nicht einfach gestrickt zu sein!

Wer ersetzt nun die Kulman? Daniela Sindram, die keinen Heimvorteil hat! Wie sagte doch ein Fußball-Philosoph: “Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu” !

Bei den Sängern wir ein Staraufgebot zu erleben sein, wie es anderswo kaum zu toppen sein wird (vielleicht zu erreichen, aber kaum zu überbieten). Netrebko ist da, Gheorghiu, Di Donato, Garanca, Harteros bzw. Kaufmann und Domingo (dem man in weiser Voraussicht den alten Germont in “La  Traviata” anvertraut hat, der altersmäßig durchaus passend ist).

Anton Cupak 10.4.15

 

Talentsuche in großem Format

Dutch Opera Design Award

Die drei großen Opernhäuser in den Niederlanden haben sich zusammengeschlossen, um zum ersten Mal den Dutch Opera Design Award auszurufen. Gesucht werden junge, talentierte Kreative, die Bühnenbild und Kostüme entwerfen. Der Clou: Die so gestaltete Ausstattung wird tatsächlich in einer Inszenierung zu sehen sein.

Die Opernlandschaft in den Niederlanden wirkt eher karg. Da gibt es in Amsterdam De Nederlandse Opera mit festem Sitz im Muziektheater. Die Fläche wird im Norden überwiegend von De Nederlandse Reisopera mit Sitz in Enschede und im Süden bevorzugt von der Opera Zuid mit Sitz in Maastricht versorgt. In den vergangenen Jahren brachten erhebliche Kürzungen staatlicherseits die ohnehin nicht üppig ausgestatteten Häuser weiter in Bedrängnis. Die Reisopera musste als letzte Institution ihr Ensemble aufgeben. Erschwerend kam hinzu, dass 2013 das Limburg Symphonieorchester und das Brabant Orchester zur Philharmonie Zuidnederland fusionieren mussten, deren Leitung ab 2016 Dmitri Liss für drei Jahre übernehmen wird. Umso eindrucksvoller, dass die Verantwortlichen mit immer neuen Mitteln auch um die Nachwuchsförderung kämpfen.

„Alle drei sind sehr begeistert, jungen Talenten Chancen zu geben und junge Künstler zu fördern. Wir haben immer guten Kontakt gehabt und haben uns entschlossen, eine gemeinsame Produktion mit jungen Talenten zu machen: Il matrimonio segreto mit einem Wettbewerb für Bühnen- und Kostümbildner. Wir denken, das wichtige Signal zu geben, dass alle drei Opernhäuser ein gemeinsames Ziel haben, nämlich Talentförderung“, sagt Peter van der Leeuw, der im Haus an der Amsterdamer Waterlooplein für die jungen Talente verantwortlich ist. Ihm gehe es nicht, betont er, um kurzfristige Ideen, sondern um die strategische Förderung von Sängern, Dirigenten, Regisseuren, Bühnen- und Kostümbildnern oder Dramaturgen. So finden in Amsterdam regelmäßig Workshops und Meisterkurse statt, um die Entwicklung neuer Talente voranzutreiben.

Derzeit organisiert van der Leeuw den Dutch Opera Design Award, der von den drei Opern zum ersten Mal ausgerichtet wird. Oft scheitern richtig gute Ideen einfach daran, dass sie nicht umgesetzt werden, weiß Klaus Bertisch, der Dramaturg, der den Wettbewerb mit betreut. „Wir suchen Kontakt zu den Ausbildungsinstituten, aber auch zu erfahrenen Bühnen- und Kostümbildnern, deren Schüler oder Assitenten sich bewerben können, wenn sie den Schritt in die Umsetzung ihrer eigenen kreativen Ideen wagen wollen. Und wenn man vom ewigen Assitentendasein weg will, muss man diesen Schritt auch tun!“ Mit solch klaren Worten lädt Bertisch Menschen ab dem Geburtsjahrgang 1979 ein, für Domenico Cimarosas Il matrimonio segreto Bühnenbild und Kostüme zu entwickeln.In einem mehrstufigen Wettbewerb sollen möglichst viele Kreative um die beste Lösung ringen. „Quereinsteiger sind sicher willkommen, aber eine Altersgrenze muss sein, denn sonst ist man ja kein ‚junges’ Talent mehr. Und jeder Profi kennt sicher jemanden, der etwas kann, aber nicht zum Zuge kommt. Doch die Voraussetzungen müssen für alle gleich sein. Jeder, der den Mut hat sich zu bewerben und die Bedingungen erfüllt, sollte sich nicht scheuen“, ermuntert Bertisch und verweist gleichzeitig darauf, dass es hier nicht darum geht, schon vorher festgelegte Beziehungen zu anderen Institutionen mit Preisen zu bedenken.

Entscheidungen fallen im Team

Letztlich wird sich eine Jury, die sich aus den Intendanten der Opernhäuser, der Regisseurin und zwei Designern zusammensetzt, unter sieben Finalisten entscheiden, wessen Bühnen- und Kostümbild das Rennen macht. Monique Wagemakers ist die Regisseurin der Inszenierung, die im Frühjahr des folgenden Jahres ihren Weg auf die Bühne finden wird. Sie freut sich schon auf fantasievolle Einsendungen, weiß aber auch, dass zwischen Kreation und Realisation Welten klaffen können. „Ich bin sicher, dass junge Bühnen- und Kostümbildner neue Ideen finden und interessante Entwürfe präsentieren werden. Ich hoffe, dass die Teilnehmer an diesem Wettbewerb mit viel Phantasie und Humor an die Sache herangehen und sich inspirieren lassen. Aber man darf von Bühnenbildnern auch erwarten, dass die Entwürfe, die sie einreichen, einigermaßen durchführbar sind“, mahnt Wagemakers. Mit den Finalisten will sie in den Dialog eintreten. „Mit den sieben Finalisten werde ich mich noch individuell über das eingereichte Konzept unterhalten und konkret auseinandersetzen. Man darf zunächst träumen, muss diese Träume dann in der Arbeit auch an der Realität messen. Es soll ja zu einer Aufführung kommen und nicht Fantasie bleiben. In der gemeinsamen Arbeit wird sich dann erweisen, ob es noch Anpassungen geben muss, so wie das bei der Zusammenarbeit in einem Team immer der Fall ist“, sagt sie.

Der Anfang ist gemacht

Wie auch immer die Bühne aussehen wird, schon jetzt steht fest: Die heimliche Ehe des Komponisten Cimarosa wird ein Fest der Jugend werden. Im Graben wird das Niederländische Jugendorchester Platz nehmen und „im Juni dieses Jahres werden wir junge Sängerinnen und Sänger bei einem Vorsingen auswählen“, sagt van der Leeuw, der auch die Zukunft schon fest im Blick hat. Denn der Dutch Opera Design Award soll keine Eintagsfliege bleiben. „Wir haben sicher vor, diesen Wettbewerb zu wiederholen. Ich denke, es ist realistisch, alle zwei oder drei Jahre einen solchen Wettbewerb zu organisieren. Für das nächste Mal kann ich mir vorstellen, einen Wettbewerb für ein komplettes Konzept für Regie, Bühnen- und Kostümbild auszuschreiben.“ Auch die Kooperation der drei Opernhäuser soll nach einer erfolgreichen Inszenierung von Il matrimonio segreto fortgesetzt werden.

Bis es dazu kommt, steht aber erst mal die Ausschreibung für den ersten Nachwuchswettbewerb für Bühnen- und Kostümbildner an. Ende Mai läuft die Bewerbungsfrist ab.

Besonderer Dank an Michael S. Zerban, 19.3.2015

Opernnetz.de

 

 

POLIZEI-EINSATZ gegen "Gewalttäter" ?

"Ordnung schafft die Polizei wo Menschen wohnen,

so war das schon damals bei den Pharaonen...."

aus der Oper Lady Macbeth von Mzensk (Schostakowitsch)

Die Beamten wurden bei dem Einsatz leicht verletzt.

Ein unerfreuliches Erlebnis hatte ein russisches Ehepaar, Fans von Dmitri Hvorostovsky, die mit der in der Wiener Staatsoper offenbar in zunehmender Präsenz vertretenen Polizei.

Unsere Leserin Anna Reichenberger war gestern in der Staatsoper und schreibt sich ihren Frust noch in der Nacht von der Seele: Es handelte sich um ein Ehepaar aus Sibirien, sie kennen Dmitri Hvorostovsky (Posa) persönlich. Die beiden kamen exakt 2 Minuten zu spät. Sie hatten teure Logenplätze: Parterre Loge re 1.Reihe Sitz 2 und 3. Sie wurden vom Personal abgehalten, schnellen Schrittes noch vor Beginn der Vorstellung in ihre Loge zu kommen. „Nein, Sie müssen auf die Galerie bis zur Pause.“ Darauf der gut deutsch sprechende Mann: „Wir möchten den Verantwortlichen sprechen. “ Der war aber nicht auffindbar – weder in seinem Büro, noch sonst wo. Wertvolle Zeit verging, als man nach ihm suchte.

Ein Billeteur verstellte den beiden brutal den Weg, die Frau hat ihn weggeschubst und die beiden betraten nach Beginn der Vorstellung die Loge. Niemand ahnte etwas, alles geschah ganz leise, nur konnten Insider feststellen, dass während der Vorstellung der diensthabende Arzt, der auf der ggü liegenden Seite in der 12.Reihe am Eck saß, vier Mal den Zuschauerraum verließ.

Kaum senkte sich der Vorhang zur Pause, strömte das Publikum auch aus den Logen. Das standen unübersehbar 6 Polizisten und ein Bediensteter der Staatsoper vor der 8er Loge. Ich fragte den Mann ohne Uniform, was denn los sei – in Zeiten wie diesen – mit verständlicher Sorge. „Diese Frau“, sie wurde gerade von einem hochdekorierten Polizisten abgeführt, „ hat einen Mann die Stiegen hinunter gestoßen und der hat sich die Wirbelsäule gebrochen!“ Entsetzen herrschte. Diese kleine sexy gekleidete Frau?

Nach der Pause erschienen – zu aller Überraschung – die beiden dann wieder auf ihren Plätzen und erzählten die bereits oben geschilderte Geschichte.

Sie wurden auch am Ende der Vorstellung nicht mehr bewacht. Die Sache war offenbar doch nicht so schlimm. Nur für die betuchten Gäste aus Sibirien, die sich einen schönen Opernabend machen wollten – und das war dieser Don Carlo wirklich – Sternstunde –, werden sich an diesen Abend nicht nur mit Freude erinnern. Wien ist eben anders!

Ich gehe davon aus, dass sich die Staatsoper nicht den umstrittenen Sanktionen gegen Russland und russische Staatsbürger angeschlossen hat. Etwas viel Polizei wird aber scheinbar in letzter Zeit gebraucht. Dabei heißt es doch bei uns, dass Russland ein Polizeistaat sei!

Wo war der Revisionsbeamte, der angeblich nicht auffindbar war? Gut, möglicherweise hatte er einem dringenden Bedürfnis nachzukommen – das muss man verstehen und entschuldigen.  Warum die Staatsoper mit so wenig Fingerspitzengefühl und nach dem Prinzip “Vurschrift is Vurschrift” vorgeht, verstehe ich schon weit weniger. Es ist einzusehen, dass man zu spät kommende Besucher, die einen Sitz mitten in der Reihe haben, im Interesse der übrigen Besucher erst zur Pause einlassen kann. Aber Logenbesucher stören eigentlich nicht, höchstens jene, die sich mit billigen Karten auf die leer gebliebenen teuren Plätze setzen wollten (oder auch nicht).

Es wird etwas viel kriminalisiert in unserer Staatsoper, besteht das Publikum zum großen Teil aus Gewalttätern? Sicher nicht! Und nun zur “Vorschrift”: Natürlich soll sich der Arzt vom Dienst die Vorstellung ansehen können, das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Aber dann möge bitte auch bei anderen Besuchern mit dem nötigen Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. Sonst dürfen wir uns nämlich über Russland nicht aufregen!

Anton Cupak (Tageskommentar Der-neue-Merker) 26.2.15

 

Schlechte Zeiten für Einspringer

Ist Shicoff wirklich an der StOp unersetzbar?

Was aber kann die Staatsoper machen, dass Freitag tatsächlich La Juive” auf dem Programm steht? Ein weiteres Mal “Liebestrank” ist den Besuchern wohl nicht zuzumuten. Ich sehe schon ein, dass es innerhalb kürzester Zeit (das ist relativ),  nicht möglich war, einen Einspringer zu finden, der dem Niveau des Hauses angemessen diese exponierte Rolle drauf und noch dazu am besagten Abend nichts Besseres vor hat. Für gängigere Rollen findet man binnen weniger Stunden einen geeigneten Ersatz – für den weltweit von Shicoff praktisch belegten Eleazar eben nicht.

Da rächt sich die Monopol-Stellung – aber wenn es tatsächlich eine Kehlkopfentzündung und nicht bloß ein Schnupfen ist, täte die Staatsoper gut daran, sich bereits jetzt einen Ersatzmann zu sichern. Das kostet Geld, das ist mir schon klar, anderseits müssen die für La Juive engagierten Sänger, sofern sie nicht dem Staatsopern-Ensemble angehören – wohl auch ausbezahlt werden. Im Zuge des Sramek-Jubiläums erfuhren wir, dass ein Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper für ein “Einsprigen” bloß mit dem vertraglich vereinbarten Fixgehalt abgefertigt wird. Als Beispiel sei Paolo Rumetz genannt, der als “Rigoletto-Ersatz zum Retter der Premierenserie wurde, was sich für ihn aber monetär so überhaupt nicht niederschlug.  

Angeblich soll dieses System noch Eberhard Wächter, natürlich gemeinsam mit Ioan Holender, eingeführt haben, nachdem gerade er durch diverse zusätzliche Abende gutes Geld abgecasht hat. Für unsere Leser mag nun auch der Einsatz von Ensemblemitgliedern auch für Hauptrollen verständlich sein, denn erstens ist “Ensemblemitglied” nicht gleichbedeutend mit “Zweite Kategorie”  und zweitens kosten die “Haussänger” kein zusätzliches Geld – und wollen natürlich auch beschäftigt werden. Ein arbeitsloses Einkommen würde nicht nur der Rechnungshof kritisieren, es wäre auch gegen jede Spargesinnung und somit ein miserables Zeichen.

Einmal haben wir für eine Vorstellungsänderung Verständnis, am Freitag hat der Vorhang aber für “La Juive” hochzugehen, ungeachtet dessen, ob nun Shicoff noch darniederliegt oder nicht. Als Gewerbetreibender hatte ich Termine einzuhalten, andernfalls hohe Pönalezahlungen fällig gewesen wären. Kein Auftraggeber hat sich darum geschert, ob nun drei wichtige Mitarbeiter gleichzeitig krank wurden. Ich hatte, egal wie, den Termin einzuhalten. Selbiges wird nun vom Staatsoperndirektor verlangt – dafür bekommt er nämlich gutes Geld!

Anton Cupak 22.1.15

 

„Trägt die Sprache schon Gesang in sich…“

Oper ist nicht nur schön. Sie ist auch ziemlich lächerlich. Nicht wegen Handlung und Sujets – Tod, Liebe, Hass, Eifersucht sind ja Themen, die jeden betreffen. Auch nicht wegen der Interpreten – die meisten Sänger sind heute auch hervorragende Schauspieler, die, was ihre körpersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten angeht, zuweilen über geradezu artistische Fähigkeiten verfügen.

Aber in der Oper wird schrecklich viel gesungen. Schrecklich ist dies insofern, als dass der Gesang stilisiert, mithin artifiziell ist. Das ist das Lächerliche daran. Kein Mensch spricht so im wirklichen Leben.

In der Wiederaufnahme der „Elektra“ in Hamburg kann man gerade erleben, dass einer Opernsängerin das Wunder gelingt, ihre hoch artifizielle Partie fast so natürlich wie gesprochene Sprache wirken zu lassen.

Wobei das Wunder bereits auf einer ganz anderen Ebene beginnt.

Besagte Sängerin ist nämlich eine Grande Dame des Metiers. In Zeiten des allseits zelebrierten Jugendwahns wäre schon allein dies Grund, ihre Leistung enthusiastisch zu würdigen. Man stellt sich, angesichts ihres Alters, aus dem sie kein Geheimnis macht, automatisch vor, wie wohl Madonna in fünfzehn Jahren in einer Bühnenshow abschneiden würde – und bei der ist die Stimme seit je elektronisch verstärkt. Was die Energie jener Operninterpretin anbetrifft, so wäre vielleicht Tina Turner ein brauchbarer Maßstab. Die absolvierte ihre wirklich allerletzte Tour mit wahrscheinlich 69 Jahren (genau konnte man das bei ihr nie sagen) und verfügte bis dahin unbestreitbar über eine markerschütternde Rock-Röhre, die jedoch eher durch wuchtige Emotionalität als durch Ausdrucksfeinheit gekennzeichnet war.

Eine einzige Parallele zu einer Sängerin der „U“-Musik tut sich auf in Barbra Streisand. Mit über 65 Jahren füllt sie ebenfalls noch die größten Hallen mit umwerfender Stimme und Persönlichkeit, und sie singt nach wie vor vergleichsweise komplizierte Partien, von denen sie viele schon in jungen Jahren im Repertoire hatte. Allerdings hält sich bei ihren Konzerten der Anteil von Gesang und Erzähltem fast exakt die Waage.

Womit wir beim Kernpunkt angelangt sind, wie eine reife Sängerin die enorme technische Schwierigkeit meistert, den ganzen Abend bei Stimme zu bleiben. Denn „Schnatterinchen“ Streisand vertreibt sich die Zeit ihrer Auftritte nicht deshalb mit ausgiebigem Palavern, weil sie so mitteilungsfreudig ist. Sie tut das, um zwischendurch ihre Stimme zu entlasten.

Diese Art Erholungsphasen sind in der Oper, zumal einer durchkomponierten wie „Elektra“, natürlich nicht möglich. Und dennoch erobert sie sich Agnes Baltsa mit einem klugen Kunstgriff: Für den Zuhörer fast unmerkbar verfällt sie während der mörderischen Partie der Klytämnestra für kurze Momente in eine Art melodiösen Sprechgesang. Intelligent nutzt sie den Libretto-Text, sich daraus gestalterische Freiräume zu schaffen und die Kraft für die Spitzentöne zu bewahren. Ganz wie nebenbei gelingt ihr dadurch eine psychologisch vollkommen überzeugende Interpretation der von ihr verkörperten Figur.

Das offene „O“ in den „Motten“, von denen sie sich zerfressen wähnt, tönt hier voll kehliger Abscheu, und als sie zu Beginn von ihrer Tochter in der dritten Person spricht, so ist das schrill hervorgestoßene „die“ in „eine wie die da“ wüstes Keifen einer hasserfüllten, sich unverstanden fühlenden Frau, nicht bloß Gesangspassage einer Opernsängerin. Baltsa macht durch ihren Vortrag aus einer mythischen, von uns Heutigen weit entfernten Figur einen vollkommen realen Menschen. Man kann sich mühelos vorstellen, wie atemberaubend die Wirkung ihrer Kundry sein wird. Auch die darf nie ausschließlich „schön“ gesungen werden – wenn sie Parsifal beispielsweise in ihren Bann schlagen will, so muss der Begriff der „Gottheit“, die sie ihm verspricht, hässlich-verzerrt hervorgestoßen werden, sonst ist nicht nur der Effekt, sondern das Verständnis der ganzen Figur zunichte.

Um den Charakter eines fiktiven Protagonisten ganz und gar zu durchdringen, braucht es ohnehin ein erhebliches Maß an Lebenserfahrung, ebenso wie langjährige Bühnenpraxis. Obendrein jedoch braucht es eine innere Unabhängigkeit und Selbstbewusstheit, sich von allen Zuschreibungen und Erwartungen zu lösen, wie man eine Partie denn wohl „richtig“ und „schön“ zu singen habe, und statt einzig auf die Wirkung der Musik auch auf jene der Sprache zu setzen. Eine diesbezügliche derart nonchalante Souveränität, wie Agnes Baltsa sie besitzt und ausstrahlt, wirkt übrigens auch äußerst wohltuend auf den Zuhörer.

Für Richard Strauss trug Sprache „schon Gesang in sich“ (so der Titel einer Ausstellung über „Richard Strauss und die Oper“ im Wiener Theatermuseum). In Agnes Baltsas atemberaubener Interpretation der Klytämnestra bekommt man einen Eindruck davon, wie dieser Spruch gemeint sein könnte.

Und davon, wie umwerfend lebensecht Oper ist.

Christa Habicht, 18. Februar 2015                                     

 

 

OPERNBALL 2015

Der Wiener Opernball 2015 ist nun bereits wieder Geschichte. Er hat die Staatsoper praktisch eine Woche lahmgelegt, war fad wie selten zuvor und unterlag im Rennen um die TV-Quote (bisher eine sichere Bank für den “Ball der Bälle”) sogar einer Salzburger Maid aus den alpinen Skigebieten, die im fernen Colorado um eine WM-Goldmedaille kämpfte.

Und wahrlich, der Ball hat es nicht anders verdient, das Format ist völlig überaltet, als Ballgäste sieht man immer wieder die selben Gesichter, die im Laufe der Jahre zudem trotz medizinischer Hilfsmittel an Attraktivität – sollten sie jemals eine gehabt haben – verlieren. Die “Küss die Hand-Gesellschaft” produziert Langweiler sonder Zahl, den Baumeister hat man mehr oder weniger ausgebootet, ohne die Zahl der Peinlichkeiten verringern zu können. Im Gegenteil, es sah so aus, als würde “Mr. Wunderbar” dreimal die Feststiege emporschreiten (man kommt bei der Nebenstiege leicht wieder runter, um dann nochmals an den TV-Kameras vorbei defilieren zu können) – oder war er von dort nicht wegzubekommen, die Balletteinlagen – choreographiert von Evelyne Teri – waren wunderschön, aber viel zu lang, die Gesangseinlagen mit dem “Hingucker” Aida Garifullina zumindest wohltuend kurz, deshalb auszuhalten. Ein Ball ist ja in erster Linie zum Tanzen da!

Als scharfer Beobachter fiel mir auf, dass sich einige Ballbesucher auffallend oft in Nähe der Moderatoren aufhielten. Wer von diesen zum Zug (zum Interview) gekommen ist, weiß ich nicht, weil ich nicht bis zum bitteren Ende bleiben wollte! Irgendwie braucht der Opernball auch andere Ballgäste! 

Anton Cupak 14.2.15

 

 

SCHERE IM KOPF

Kölner Karneval beugt sich dem Terror

Köln 31.1.15

Wie einst vor den Nationalsozialisten und ihren braunen Terrorhorden, denen man sogar noch zugejubelt hat, als längst klar war, was auf das deutsche Volk, seine jüdischen Mitbürger und die Welt zukam, knickt heute die Mehrheit der Deutschen in vorauseilendem Gehorsam schon vor noch nicht einmal expressis verbis ausgesprochenen angeblichen Drohungen islamischer Terroristen ein. Diese unter dem Deckmantel einer Religion agierenden Verbrecher organisieren sich in unserem Land ebenso wie in Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweden oder England durch eine Vielzahl von „Schläfern“, während die Geheimdienste und die Polizei wegen der völligen Unfähigkeit und Entschlußlosigkeit der wie gelähmt wirkenden Politik nur hilflos zusehen dürfen.
Satiriker, Polizisten und jüdische Bürger werden in Frankreich von Islamisten ermordet, Soldaten in England auf offener Straße abgeschlachtet, Polizeibeamte in Belgien und nach Informationen aus glaubhaften Quellen auch im Bergischen Land werden konkret bedroht, hohe Würdenträger des Islam sprechen „Fatwa“ genannte Mordaufrufe aus, ohne belangt zu werden, Schriftsteller und Zeichner fürchten deshalb und nach tatsächlichen Anschlägen weltweit um ihr Leben, Kabarettisten werden in Deutschland von fanatischen Moslems vor Gericht gezerrt, weil sie es wagen, mit Satire Kritik an dieser hegemonialen, keineswegs nur friedfertigen Religion zu äußern. Bei organisierten Aufständen in islamischen Ländern folgen Zehntausende gläubige Moslems den Hetzparolen gegen liberale westliche Länder, verbrennen Fahnen, werfen Steine gegen diplomatische Vertretungen. Da handelt es sich gewiß nicht um eine verschwindende Minderheit, das ist eine unberechenbare fanatisierte Vielzahl. Der Islam zeigt dort seine nicht einmal latent gefährliche Seite.

Als in Paris islamische Terroristen ihre unfaßbaren Morde begingen, schrie die Welt auf, alle vergossen Krokodilstränen und schworen „Nie wieder“. Jetzt kneift das Festkomitee Kölner Karneval und zieht seinen erst vor acht Tagen mit geschwellter Brust und (nur scheinbarem) Selbstvertrauen vorgestellten Karnevalswagen zurück, der nichts weiter zeigen sollte, als die Entschlossenheit, mit Satire weiter gegen Mord, Menschenraub, Vergewaltigung, Meinungsunterdrückung, Entrechtung von Frauen und Religionsterror aufzustehen. Auch im Interesse der moderaten Moslems in unserem Land. Wo sind sie bloß alle geblieben, die großmäuligen „Je suis Charlie“-Twitterer? Nur 20 Tage nach der internationalen Empörung und der Solidarisierung mit den Machern von Charlie Hebdo kneifen die Kölner Großsprecher – und sicher nicht nur sie. Der Karikaturist Harm Bengen bringt es auf den Punkt: „Wer kommt zuerst“, fragt im Wartezimmer die Sprechstundenhilfe, „der Herr mit der Schere im Kopf oder der mit dem eingekniffenen Schwanz?“. Ein Klima der Angst hat sich breit gemacht.

Die Islamisten haben, so scheint es, ihr Ziel bereits erreicht.

Wer sich jetzt nicht wehrt, wird bald seine Meinung nicht mehr sagen dürfen.

Zur begleitenden Lektüre empfohlen: „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, „Die Rückkehr des Kalifats“ von Loretta Napoleoni und „Kamelle und Mimosen“ von Thomas Liessem. Einen fröhlichen Karneval noch.

Ludwig Lenis 31.1.15

mit freundicher Genehmigung von Musenblaetter.de


 

 

LA GRUBEROVA

Wie sage ich es meinem Star möglicht schonend

aus dem Tageskommentar von Merker-Online-Hrg. Anton Cupak

Ich habe gestern an dieser Stelle den Text aus der Kritik “gefiltert”, weil ich der Meinung bin, dass Edita Gruberova immer noch für ihre Fans ein Ereignis ist  und damit nicht verdient, medial niedergemacht zu werden. Zudem ist als Alternative Marlis Petersen vorgesehen (zum Beispiel heute in der B-Premiere), es ist also kein Belcanto-Fan gezwungen, sich die Gruberova anzuhören, wenn er die Straniera erleben will. Dass aber selbst Gruberova-Fans (nicht die “eingefleischten”, mit denen ist nicht zu reden, sondern die “Realos” )  befürchten, dass sich die Diva selbst in ihrem Ruf beschädigt, habe ich selbst gestern in Anrufen in der Redaktion erlebt. Wie aber kann man Gruberova vor sich selbst schützen?  Die Diva hat Großartiges für ihr Genre geleistet, nun sollte sie langsam an einen würdevollen Abschied denken. Eine Zeitung hebt die Tatsache, dass ein Teil der Serie mit Marlis Petersen besetzt ist, zum “Krieg der Diven” hervor, was insoferne ein Unsinn ist, weil sich die Gruberova nie auf einen “Krieg eingelassen hätte und auch Marlis Petersen diesbezüglich keine Ambitionen hat.

In jeder der vorliegenden Rezensionen dringt große Achtung vor Gruberova durch. Anderseits lesen wir so zwischen den Zeilen “wie sage ich es meinem Star möglichst schonend”? Die gesamte Kritikerschaft steht noch hinter Gruberova, sie möge es aber  ihren Freunden nicht zu schwer machen. Dominik Troger von ” www.operinwien.at ” wägt seine Worte immer sorgfältig ab:   

Edita Gruberovas Sopran benötigte diesmal nur wenige Minuten, um auf Betriebstemperatur zu kommen – den einleitenden „Vokalisen” der Alaide lauschte man nicht ohne einer gewissen Sorge, wobei sich die Sängerin an diesem Abend aber insgesamt in einer deutlich besseren Form befand, als in der von mir zuletzt gehörten „Roberto Devereux“-Vorstellung an der Staatsoper im Oktober. Die Stimme war elastischer, punktete mit einigen nach wie vor betörend gesponnenen Pianophrasen, und ließ die Sängerin auch beim sicher gesetzten und lang gehaltenen hohen Schlusston im Finale nicht im Stich. Die Tiefe hob sich allerdings wieder deutlich ab, dunkler gefärbt und schon recht „deklamatorisch” gebraucht. Jedenfalls siegte an diesem Abend die Kunst doch noch über die angesammelten Karrierejahre – und solange dieses Spiel der Kräfte einigermaßen in Balance bleibt, werden die Verehrerinnen und Verehrer der Sängerin in der Lage sein, sich das aus der Erinnerung zu ergänzen, was ihnen sonst vielleicht schon abgehen würde. Allerdings scheint die Tagesverfassung inzwischen eine so große Rolle zu spielen, dass jeder Abend einer wohlwollenden Zuhörerschaft erneut das Gefühl vermittelt, als spiele sie um hohe Einsätze beim Roulette.

P.S.

zur Diskussion im Merker-Forum

 

Eine Schande für eine Kulturstadt

Wien_U-Bahn-Station_Kagraner_Platz_Bahnsteig
Eine Schande für die “Kultustadt Wien”: Obdachloser liegt mit Herzinfarkt 5 Stunden lang im U-Bahnaufzug – und niemand reagiert

Ich habe ganz bewusst dieses Thema an den Anfang meiner heutigen Kolumne gestellt, weil mir nach Kenntnis dieses Vorfalls wirklich nicht danach ist, mit Walzerseligkeit und Operettenromantik zu beginnen. In einer Wiener U-Bahnstation (Volkstheater) lag in der Nacht zum Stephanietag (26.12.) ein Mann fünf Stunden lang reglos in einem Aufzug, Passanten stiegen über ihn drüber – und kein Mensch  (in diesem Zusammenhang fällt mir die Verwendung dieses Wortes schwer) kam auf die Idee, die Rettung zu verständigen – und dies im Zeitalter des Mobiltelefons, wo U-Bahn-Benützer ständig in ihr “Handy” quatschen, um ihren jeweiligen Standort bekanntzugeben. Es ist nicht gesagt, dass dem Manne, der sich später als obdachloser Pole herausstellte, geholfen werden hätte können – aber darum geht es gar nicht. Es geht um die unfassbare Ignoranz, die wir unseren Mitmenschen entgegebringen, nämlich dann, wenn wir persönlich gefordert sind. “Der Staat soll etwas tun” die berühmte Forderung der “Gutmenschen”, die in sehr vielen Fällen gar keine “guten Menschen” sind”, liegt uns täglich im Ohr, Benefizveranstaltungen, bei denen für den “guten Zweck” gefressen und gesoffen wird, sind dazu da, unser Gewissen zu beruhigen. Und dann steigt man über einen Menschen ganz einfach drüber! Es ist wirklich zum Kotzen!

Natürlich habe ich darüber nachgedacht, was ich in diesem Fall getan hätte. Vermutlich auch zu wenig, aber immerhin etwas. Mund zu Mund-Beatmung hätte ich sicher nicht gemacht (obwohl ich eigentlich von Rechts wegen dazu verpflichtet gewesen wäre), angesichts meiner diesbezüglichen Kenntnisse hätte ich den Zustand womöglich noch verschlechtert – wenn dies überhaupt noch möglich gewesen wäre. Aber die Rettung hätte ich ganz sicher verständigt und auf deren Eintreffen gewartet. Dann allerdings wäre ich gegangen, denn Katastrophen-Schaulustiger bin ich wirklich keiner!

Jetzt frage ich mich, wie viele Leser dieser Kolumne auch über den Mann im Aufzug gestiegen wären und weggeschaut, wie viele meiner Mitarbeiter ebenso reagiert hätten. Ich will es gar nicht wissen, denn wüsste ich es, müsste ich sofort mit diesem “Dienst am Kunden” ohne jedwede Bezahlung aufhören.  Denn ich will für Menschen arbeiten, die diese Bezeichnung auch verdienen.

Die Wiener Linien haben zwei Mitarbeiter, die eigentlich während dieser fünf Stunden den Aufzug zweimal kontrollieren hätten müssen, “entlassen”. Stimmt nicht, glatte Lüge! Rechtskräftig ginge sich das gar nicht aus.  Die Mitarbeiter wurden “vom Dienst freigestellt”, eine Entlassung ist ein langwieriger Prozess. Ich unterstelle nun, dass im konkreten Fall der Betriebsrat bereits im Türrahmen steht, um das Verhalten der Mitarbeiter verständlich zu machen. Ich habe dorthin ganz gute Kontakte und werde ein Auge darauf haben, was in Folge nun wirklich geschieht. In einer Werkstätte ohne direkten Kontakt zu Kunden können diese Leute weiterarbeiten, Verantwortung für Menschen dürfen sie jedoch niemals mehr haben dürfen.

Anton Cupak, 3.Jänner 2015

 

Anmerkung:

Sollte uns allen dies zu denken geben? Ich sage JA! Denn Wien ist eigentlich überall auf dieser kalten Welt, wo es doch allen "so gut" geht und wir zum Jahreswechsel hunderte Millionen verbrennen um das "Gute Neue Jahr" zu begrüßen....          PB

 

 

CASUS NETREBKO

Merker-online Mitarbeiter Heinrich Schramm-Schiessl spricht aus, was viele denken, es sich aber nicht aus Furcht vor “Sanktionen gegen” sich zu sagen trauen. Soweit sind wir nämlich bereits gekommen:

Dass Anna Netrebko zu ihrem Geburts- und Heimatland steht, geht völlig in Ordnung – österr. Staatsbürgerschaft hin oder her. Schon gar nicht regt mich mehr auf, wenn sich prominente Ex-Politiker – man bezeichnet sie gerne als Elder-Statesman – wie z.B. Helmut Schmidt – Ikone und (selbsternanntes) Gewissen der deutschen Politik – oder Egon Bahr – Architekt der dt. Ostpolitik unter Willy Brandt – ohne allzu heftige Kritik der Medien als Russland- bzw. Putin-Versteher gerieren dürfen. Auch wir Österreich sollten eher leise sein, durfte doch Herr Putin unter der Leitung des Chefs der Bundeswirtschaftskammer Christoph Leitl vor wenigen Monaten in Wien seine Thesen von sich geben. Die Distanzierung unseres Außenamtes war hier sicher nicht mehr als eine Pflichtübung.

Ebenso habe ich völliges Verständnis dafür, dass Frau Netrebko einem Opernhaus, das ihr offenbar etwas bedeutet und in dem sie, wie sie sagt, viele Freunde hat, eine Spende zukommen läßt, egal ob sich dieses Haus im Separatistengebiet befindet oder nicht. Die – mittlerweile offenbar schon wieder entsorgte – Ansicht, daß sie dabei gegen die EU-Sanktionen verstoßen hat, habe ich von Anfang an als Wichtigtuerei einiger profilierungssüchtiger Juristen gehalten.

Bleibt als einziges Problem die Sache mit der Fahne. Wahrscheinlich werden wir hier die Wahrheit nie erfahren. Eines frage ich mich aber schon: Wie jeder in der Öffentlichkeit stehende Mensch hat sicher auch Anna Netrebko einen sicher nicht schlecht bezahlten Beraterstab hinter sich und wenn man weiß, wie nervig solche PR-Berater gerade bei solchen Ereignissen sein können – ich habe sie in menem Berufsleben öfters erlebt – und auf jeden Lichteinfall oder herumstehenden Sessel, der für ihren Schützling unvorteilhaft sein könnte, so reagieren, als würde die Welt im nächsten Moment untergehen, dann wundert es schon, dass diese die PR-Falle nicht erkannt haben. Ich würde an Netrebkos Stelle den Verantwortlichen sofort an die Luft setzen.

Dank an den Merker-online für die Übernahmegenehmigung

 

 

DER OPERNFREUND  | Opernfreund.Contact@t-online.de