CD: „Der Rosenkavalier“, Richard Strauss

Ursprünglich ein Produkt aus dem nicht mehr existierenden Hause EMI stellt Herbert von Karajans im Jahre 1956 in London entstandene Aufnahme von Strauss` Oper Der Rosenkavalier dar. Jetzt ist diese Einspielung von dem Label Gramola einem interessierten Publikum erneut auf CD zugänglich gemacht worden. Karajans Herangehensweise an die Partitur ist von zügigen Tempi, satten Klangfarben und einer prägnanten Diktion der Orchesterstimmen geprägt. Auch auf fein gesponnene Spannungsbögen und imposante Höhepunkte versteht sich der Dirigent trefflich. Eine persönliche Emotionalität bleibt Karajan indes schuldig. Außerdem ist sein Dirigat zu wenig wienerisch. Das beherzt aufspielende Philharmonia Orchestra setzt Karajans Intentionen intensiv und klangschön um.

Von den Sängern ist an erster Stelle Christa Ludwig zu nennen, die mit wunderbar italienisch fokussiertem, warmem und gefühlvollem Mezzosopran absolut phantastisch den Octavian singt. Einen bestens gestützten, profunden und kraftvollen Bass bringt Otto Edelmann in die Partie des Barons Ochs auf Lerchenau ein. Er deklamiert ausgesprochen wienerisch, dabei zudem recht wortdeutlich. Um die von Strauss vorgeschriebenen Piani beim hohen f macht er einen großen Bogen. Hier singt er entgegen der Anweisung des Komponisten ziemlich laut. Gut gefällt der jugendlich-frisch und sehr elegant intonierende Eberhard Waechter als Faninal. Die Sophie von Teresa Stich-Randall verfügt auf ihre Weise über eine ausgeprägte Piano- und Pianissimo-Kultur. Ihre Tongebung ist durchweg sehr bedächtig. Indes singt sie nicht im Körper. Von einer schönen italienischen Gesangstechnik kann bei ihr keine Rede sein. Eine herbe Enttäuschung stellt Elisabeth Schwarzkopfs Feldmarschallin dar. Dass diese Rolle eine ihrer Glanzrollen war, ist nicht nachvollziehbar. Diese Sängerin, deren Sopran überhaupt keine solide Körperstütze aufweist, ganz und gar nicht italienisch geführt wird und darüber hinaus ausgesprochen gekünstelt und mariniert klingt, war schon eine der am meisten überschätzten Gesangssolistinnen ihrer Zeit. Die Ivogün-Technik, der sie sich beim Singen bedient, ist ziemlich fragwürdig und in keinster Weise akzeptabel. Mit makelloser Technik und schön auf Linie singt Nicolai Gedda den italienschen Sänger. Einen variablen Stimmsitz weist der Valzacchi des Tenors Paul Kuen auf. Mit der Annina hat die voll und rund klingende Kerstin Meyer eine gute Partie für sich gefunden. Durchschnittlich schneiden die Sänger der zahlreichen kleinen Nebenrollen ab. Eine gefällige Leistung erbringt der Philharmonia Chorus.

Ludwig Steinbach, 5. Oktober 2026


CD: Der Rosenkavalier
Richard Strauss

Musikalische Leitung: Herbert von Karajan
Philharmonia Orchestra

Gramola
Best.Nr.: 92013
3 CDs