Blu-ray: „Rusalka“, Antonin Dvorák

Live aus der Dutch National Opera kommt ein Mitschnitt von Dvoraks bekanntester Oper Rusalka, den das Label Naxos nun einem interessierten Publikum auf Blu-ray zugänglich gemacht hat. Herzlichen Dank dafür. Diese Veröffentlichung ist, um das Fazit einmal vorwegzunehmen, voll und ganz der Anschaffung wert. Die hier auf Blu-ray gebannte Aufführung ist einfach nur phantastisch! Eine absolut erstklassige Angelegenheit!

Das beginnt schon bei der Inszenierung. Die Regisseure Philipp Stölzl und Philipp M. Krenn leisten hier erstklassige Arbeit. Von Stölzl stammt auch die gelungene Lichtregie. Zusammen mit Heike Vollmer zeichnet er zudem für das Bühnenbild verantwortlich. Die ansprechenden Kostüme liefert  Anke Winckler. Das Regieteam bringt hier kein traditionelles altbackenes Märchen auf die Bühne, sondern wartet im Gegenteil mit einer modernen Sichtweise auf. Geschickt verlegt es die Handlung in die Glanz- und Glamourwelt Hollywoods der 1950er Jahre. Zu Beginn sieht man auf einer Leinwand den Schluss des soeben aus der Taufe gehobenen Films Der Prinz und die Meerfrau ablaufen. Der Prinz ist in dieser Inszenierung kein wirklicher Prinz, sondern heißt nur so. Er wird von den beiden Regisseuren als ein erfolgreicher Schauspieler mit Namen Henry Prince vorgeführt. In sein von einem Filmplakat herab lächelndes Konterfei hat sich die  heruntergekommene, rauschgiftsüchtige, eine Brille tragende und nicht gerade schön anzusehende Prostituierte Rusalka unsterblich verliebt. Sie lebt indes in einer ganz anderen Welt als ihr angebeteter Schwarm. Ihr Zuhause ist der Straßenstrich, in der sie es mit weiteren leichten Mädchen – ursprünglich die Wassernymphen – auf Freier abgesehen hat. Der Wassermann fungiert als ihr Zuhälter. Diesem tristen Ambiente möchte Rusalka entrinnen. Sie träumt von ihrem Geliebten, wie er in einem großen Wagen angefahren kommt und ihr einen Blumenstrauß überreicht. Damit sich dieser Traum verwirklichen kann, muss sie aber erst einmal ihr Erscheinungsbild zum Positiven wenden. Dazu sind ihr die Leiterin eines Friseursalons Jezibaba und deren Angestellten behilflich. Auf einem Friseurstuhl wird Rusalka von ihnen in einen neuen, hübschen Menschen verwandelt, wobei sie sich auch mal von hinten oben ohne zeigt.

Mit diesem neuen Outfit erweckt sie auch sogleich die Aufmerksamkeit des Schauspielers Prince. Er nimmt sie mit in das Filmstudio, in dem er gerade für die Fortsetzung des oben erwähnten Films Die Meerfrau kehrt zurück vor der Kamera steht. Aus den ursprünglichen Charakteren macht die Regie gekonnt Angehörige der Filmwelt. So arbeitet beispielsweise der hier als Frau gezeigte Küchenjunge in der Maskenabteilung und schminkt die Schauspieler. Auch Rusalka erhält eine Rolle in dem neuen Film. Bald schon berichten die Zeitungen von der Verlobung von Henry Prince mit der schönen neuen Schauspielerin, die ihr Glück kaum fassen kann. Photographen machen Bilder von dem neuen Paar, und Prince steckt seiner Angebeteten einen Verlobungsring an den Finger. Wäre da nur nicht die Hauptdarstellerin des Films, ursprünglich die Fremde Fürstin, die ebenfalls ein Auge auf ihren Schauspiel-Kollegen geworfen hat und sämtliche Register zieht, ihn für sich zu gewinnen. Gekonnt animiert sie Prince zum Sex, der allerdings von der eifersüchtigen Rusalka heftig unterbrochen wird – eine Begegnung, bei der auch ein wenig Blut fließt. Zuvor ist Rusalka bereits von ihrem Wassermann-Zuhälter telefonisch vor den Schlichen der ihr fremden Welt gewarnt worden. Dass er recht hat, muss sie jetzt schmerzlich erkennen.

Der dritte Akt spielt einige Monate später. Es herrscht Winter. Rusalka hat sich von Prince getrennt und lebt wieder auf der Straße. Ein Kinoplakat kündet den neuen Film an. Gerade findet die Oscar-Verleihung statt. Prince und die fremde Fürstin erscheinen mit ihren Trophäen vor dem Eingang  des Lichtspielhauses. Rusalka beobachtet, wie sich die beiden küssen und ihren Erfolg mit Sekt begießen. Später erscheint Prince mit Schal und Wintermantel auf der Straße. Bei dem  Schlussduett öffnet sich eine Rückwand und gibt den Blick frei auf das Personal des neuen Films, das sich in munteren Tanzschritten ergeht. Rusalka und Prince mischen sich unter die Tanzenden. Prince nimmt auf einer Schaukel Platz. Er darf bei Stölzl und Krenn überleben. Rusalka kann es nicht ertragen, ihn verloren zu haben. Sie bleibt allein zurück und setzt sich verzweifelt den Goldenen Schuss. Den überlebt sie nicht. Das ist alles in hohem Maße überzeugend und mit Hilfe einer ausgefeilten, flüssigen und stringenten Personenregie auch spannend umgesetzt. Bravo!

Eine absolute Glanzleistung erbringt Joana Mallwitz am Pult. Mit ungemeiner Intensität und einem Höchstmaß an funkensprühender Energie weist sie dem exzellent aufspielenden Royal Concertgebouw Orchestra den Weg durch Dvoraks vielschichtige Partitur, die sie perfekt auszuloten versteht. Ihr beherztes Dirigat zeichnet sich darüber hinaus durch große Spannung, enorme Emotionalität und imposante Höhepunkte aus.

Die gesanglichen Leistungen bewegen sich ebenfalls auf hohem Niveau. Mit trefflich sitzendem, ebenmäßig dahinfliessendem und insbesondere im Lied an den Mond sehr gefühlvoll klingendem Sopran sowie beherztem Spiel zeichnet Johanni van Oostrum ein überzeugendes Portrait der Rusalka. Einen bestens italienisch fokussierten, kraftvoll und profund klingenden Tenor bringt Pavel Cernoch in die Partie des Prinzen ein. Wunderbar sonores und farbenreiches Bass-Material zeichnet den Wassermann von Maxim Kuzmin-Karavaev aus. Mit gut fundiertem, mühelos bis zum hohen c herauf reichenden jugendlich-dramatischem Sopran verleiht Annette Dasch der Fremden Fürstin ein glaubhaftes Profil. Perfekt klingt der voll und rund klingende Mezzosopran von Raehann Bryce-Davis als Jezibaba. Georgy Derbas-Richter ist ein tadellos singender Jäger. Neben ihm bewährt sich Karin Strobos´ mit ansprechendem Mezzosopran gut gesungener Küchenjunge. Nichts auszusetzen  gibt es an den Waldnymphen, die bei Inna Demenkova, Elenora Hu und Maya Gour in besten Händen sind.Gegenüber seinen Kollegen fällt der einen variablen Stimmsitz aufweisende Förster Erik Sliks ab. Prachtvoll entledigt sich der Chor der Dutch National Opera seiner dankbaren Aufgabe.

Ludwig Steinbach, 22. September 2026


Blu-ray: Rusalka
Antonin Dvorak
Dutch National Opera & Ballet

Inszenierung: Philipp Stölzl, Philipp M. Krenn
Musikalische Leitung: Joanna Mallwitz
Naxos

Best.Nr: NBD 0193 V

1 Blu-ray-Disc