Mailand: „L’elisir d’amore“, Gaetano Donizetti

© Brescia&Amisano / Teatro alla Scala

Wie zur langjährigen Gewohnheit geworden, kehrte man an der Scala für die Wiederaufnahme des Spielplans nach der Sommerpause zu einer Produktion zurück, mit der sich Studierende der Accademia des Hauses die ersten Sporen im großen Saal verdienen können, wobei ihnen in einer Hauptrolle ein arrivierter Kollege zur Seite gestellt wird.

Donizettis liebenswertes dramma giocoso ist für ein solches Unternehmen bestens geeignet. Es gab zwei verschiedene Besetzungen, wodurch acht junge Leute ihre Chance erhielten. Ich hatte die Besetzung mit dem jungen chilenischen Tenor Cristóbal Campos Marin gewählt, der mir im Vorjahr beim ‚Festival Donizetti‘ in Bergamo sehr positiv aufgefallen war. Seine Leistung bestätigte meinen damaligen Eindruck, denn sein weich timbriertes, gut tragendes Organ, das bereits mit beachtlicher Technik eingesetzt wird, ist für den Nemorino ideal. Auch die szenische Umsetzung des tollpatschigen jungen Mannes gelang gut (wobei eine gewisse Korpulenz in dieser Rolle nicht so schlimm ist). Seine Adina war die Neapolitanerin Sabrina Sanza, deren leichter Sopran anfangs durch Nervosität beeinträchtigt schien, sich dann aber rasch erholte. Die Stimme ist nicht besonders groß und fühlt sich in der Höhe am wohlsten; das abschließende, schwierige Rondo gelang sehr beachtlich. Ein sehr nett ironisierender Belcore war Geunhwa Lee aus Südkorea, der mit gefälligem Bariton ein ganz unasiatisches Temperament an den Tag legte. Als Giannetta ergänzte die Kasachin Aigerim Altynbek, die mehr durch blendendes Aussehen als durch ihre Stimme auffiel. Der arrivierte Kollege war der Georgier Misha Kiria (selbst einst Student der Accademia), der einen stimmlich und körperlich kraftstrotzenden Dulcamara auf die Bühne stellte. Er beherrschte das Parlando und die Stakkatophrasen dieser Rolle sehr gut, aber es fehlte ihm die gewisse Schlitzohrigkeit, die diese Figur eines Quacksalbers letztendlich doch sympathisch macht.

© Brescia&Amisano / Teatro alla Scala

Vielleicht ist das auch auf die Regie von Maria Mauti zurückzuführen, die wiederholte Tanzschritte von ihm verlangte, sodass er eher wie ein Showstar wirkte. Szenisch schienen mir die anderen beiden Herren besser geführt, während Adina manchmal etwas hölzern wirkte. Keine Hilfe war das Fehlen von so wichtigen Requisiten wie dem Buch mit der Erzählung von Tristan und Isolde oder gar der Nemorino illuminierenden Weinflasche (sollte sich Frau Mauti beim Wiener „Barbier von Sevilla“ Inspiration geholt haben?). Sehr hübsch war das Bühnenbild des 1. Aktes mit einem riesigen Kornfeld, während das des 2. Akts allzu kahl ausgefallen war. Sehr nett aber der Einfall, in der Szene, in welcher die Mädchen des Dorfes den reich gewordenen Nemorino bedrängen, eine Art Bändertanz zu zeigen (Choreographie: Stefania Ballone). Ganz stark zur Atmosphäre trug die hervorragende Beleuchtung durch Peter van Praet bei. Nicoletta Ceccolini waren die leicht verwirrenden Kostüme zu verdanken; verwirrend, weil der (sehr sattelfeste) Chor der Accademiaunter der Leitung von Salvo Sgrò zunächst in roten Monteuranzügen erschien und sich dann mitten im Kornfeld die Kleidung von Landarbeitern anlegen musste. Also so mancher Widerspruch, doch im Ganzen eine gelungene Produktion, auch weil Dirigent Marco Alibrando mit dem Orchester der Accademia die Zügel fest in der Hand hielt.

Das internationale Publikum sparte während der Vorstellung mit Applaus, erwies sich am Ende aber doch als recht großzügig.

Eva Pleus, 25. September 2026


L’elisir d’amore
Gaetano Donizetti

Teatro alla Scala
Besuchte Vorstellung: 14. September 2026

Regie: Maria Mauti
Musikalische Leitung: Marco Alibrando
Orchestra dell’Accademia Teatro alla Scala