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SCHWARZENBERG (Vorarlberg)

Angelika-Kaufmann-Saal

 (c) schwarzenberg.at

 

 

Schwarzenberg (Bregenzerwald)

SCHUBERTIADE

August/September 2017 Teil II

www.schubertiade.at

Am Nachmittag des 30.8. erlebten wir Marlis Petersen und Camillo Radicke mit Liedern von Schubert, Schumann und Strauss, die sich vor allem um Blumen und im Mittelteil unter dem Motto „Kleine Pastorale“ um Sennerinnen und Schäfer drehten. Da durfte natürlich der beliebte „Hirt auf dem Felsen“ nicht fehlen; dazu kam Paul Meyer auf die Bühne des akustisch für Liederabende und Kammermusik einmaligen Angelika-Kaufmann-Saals und servierte wunderbar geschmeidige Kantilenen auf seiner Klarinette. Nicht nur im virtuosen, den Beifall des Publikums zwangsläufig provozierenden Schlussteil, sondern auch im elegischen Mittelteil korrespondierten Sopranistin und Klarinette aufs Feinste miteinander. Und das gelang, obwohl die Sängerin hier wie überhaupt im ganzen ersten Teil des Konzerts etwas verkrampft wirkte. Das mag auch daran gelegen haben, dass sie allzu sehr an den Noten klebte. Besonders störte die sonst so kluge Gestaltung der Lieder das ständige, hörbare Atemholen; das gilt auch für das wiederholte, nervöse Haare-aus-dem-Gesicht-Streifen. Einige technische Nachlässigkeiten äußerten sich z.B. in leichten Unsauberkeiten bei den vermeintlich unwichtigen Tönen. Bei Strauss‘ Blumenliedern im 2.Teil wirkte Marlis Petersen wie ausgewechselt und geradezu gelöst, nachdem sie nach den ersten beiden Liedern das Notenpult demonstrativ zur Seite gestellt hatte. Bravourös meisterte sie schwierigste Intervall-Sprünge à la Zerbinetta und andere sängerische Finessen; jetzt kam auch das zur Geltung, womit die als Lulu oder Violetta gefeierte Sopranistin überall so begeistert, ihre leuchtenden Höhen. Zur insgesamt angemessenen Ausdeutung der Lieder trug auch der sensibel und mitfühlend spielende Pianist bei, der in den starken Beifall des Publikums einbezogen wurde. (GE)

Mit einem reinen Schubert-Programm glänzten Michael Volle und Helmut Deutsch am 1.9. nachmittags. Vier klug ausgewählte Lieder nach Gedichten von Friedrich von Schiller als Einstieg klärten gleich, dass die große Bassbariton-Stimme durch den Hans Sachs in Bayreuth noch vor einer Woche für den Liedgesang nicht beeinträchtigt war; mit „Gruppe aus dem Tartarus“ loteten beide Künstler die ganze Bandbreite der Tongebung differenziert und mit stufenweise ansteigender Entwicklung aus. Unter vier Liedern nach Texten von Johann Mayrhofer ragte „Uraniens Flucht“ nicht nur wegen seiner Länge (27 Strophen, ca. 18 Min.) heraus: Da wurde die Götterwelt der Mythologie mit breiter Farbpalette als große Opernszene deutlich charakterisiert und absolut textverständlich dargebracht. Mit solchen Raritäten wird das Publikum an normalen Liederabenden meist nicht konfrontiert, so etwas gibt es eben (fast) nur bei der Schubertiade. Nach der Pause stand eine Gruppe „Wasser- oder Schifferlieder“ an, darunter das köstliche, das Fischergewerbe besingende „Fischerlied“, der „Schiffer“, bei dem Helmut Deutsch den Kahn ordentlich ächzen ließ, und „Der Strom“ mit durchgängiger Wellenbewegung, vom Pianisten dynamisch raffiniert phrasiert. Mit vier italienischen Gesängen, in denen Volle nicht nur zeigte, dass er auch elegante Verzierungen beherrscht („L’incanto degli occhi“), sondern auch sein darstellerisches Talent noch einmal unter Beweis stellen konnte („Il modo di prender moglie“), endete der eindrucksvolle Lieder-Nachmittag. (ME)

Am Abend gab es ein Kammerkonzert mit Weltklasse-Niveau: Das Belcea Quartet (Corina Belcea, Axel Schacher, Krysztof Chorzelski, Antoine Lederlin), derzeit „Ensemble in Residence“ im Pierre-Boulez-Saal in Berlin, hält sich schon längere Zeit in der ersten Reihe der Streichquartette weltweit. Es bewies seine Klasse zunächst mit einer packenden Interpretation von Schuberts düsterem d-Moll-Quartett D 810 „Der Tod und das Mädchen“. Im besonders dunklen 1.Satz betonte das seit 2011 in der genannten Besetzung spielende Ensemble die beruhigenden Aufhellungen, um anschließend den berühmten Variationssatz mit dem Lied-Thema mit großen dynamischen Gegensätzen auszudeuten. Über das Totentanz-ähnliche Scherzo mit dem versöhnlichen Trio ging es in das rasend schnelle Schluss-Presto mit furios gespieltem Finale. Nach der Pause kam der Cellist Jean-Guihen Queras hinzu, um mit dem Belcea Quartet das ausgedehnte Streichquintett C-Dur D 956 zu musizieren. Im Eingangs-Allegro wurden die wunderschönen Kantilenen mal von den beiden Geigen, mal von Bratsche und Cello I oder auch von beiden Celli, jeweils von den anderen delikat begleitet, genüsslich ausgekostet. Das Zentrum des Quintetts, das Adagio, erhielt durch die Musiker mit unglaublich leise beginnenden dynamischen Steigerungen und geradezu ins Nichts zurückgehenden Abschwüngen eine selten zu erlebende Intensität. Dass sich hierbei das wie selbstverständlich perfekte Zusammenspiel zeigte, sollte man ebenso erwähnen wie die technische Brillanz, über die alle verfügen. Auf das mit hoher Virtuosität dargebotene Scherzo folgte das fast fröhliche Finale mit einem fulminant servierten Schluss, der den jubelnden Beifall des enthusiasmierten Publikums herausforderte. Nebenbei sei noch bemerkt, dass die digitale Welt nun auch die Konzertpodien erreicht hat: Alle hatten anstelle der Papiernoten ein kaum merkbar zu bedienendes Tablet auf ihren Pulten. (GE)

Am Abend des 2.9. gab es den für uns in diesem Jahr die Schubertiade abschließenden Liederabend mit Julia Kleiter und Christoph Prégardien, die gemeinsam mit Michael Gees am Klavier das „Italienische Liederbuch“ von Hugo Wolf aufführten. Und wie sie dies taten! Sie beschränkten sich nicht darauf, die vielen kostbaren Musik-Miniaturen nur zu singen, sondern sie machten die Inhalte durch kleine szenische Andeutungen, besonders in der Mimik deutlich – auch und gerade dann, wenn die andere oder der andere sang. Von ersten gegenseitigen Liebeserklärungen ging es über nicht durchweg ernst gemeinten Streit („Ich hab‘ in Penna einen Liebsten wohnen“) bis zur anrührenden Versöhnung („Nun lass uns Frieden schließen, geliebtes Leben“). Das wurde in allen Teilen, den witzigen und nicht wenigen ernsten so überzeugend ausgespielt und so glaubhaft musikalisch gestaltet, dass man fast hätte annehmen können, es steht ein echtes Liebespaar auf der Bühne, wenn man nicht wüsste, dass es sich bei den beiden Künstlern um Nichte und Onkel handelt. Für beide gilt, dass sie mit perfekter Textverständlichkeit ihre ausgeprägte Gesangstechnik stets in den Dienst der Gestaltung stellten, die Sängerin mit ihrem ausdrucksvollen, in den höheren Lagen schön aufblühenden Sopran und der Sänger mit seinem prägnanten, in allen Lagen ausgeglichenen Tenor. Er gefiel besonders in den lyrischen Passagen, während die dramatischen Höhen nicht mehr ganz mühelos gelangen. Das „Italienische Liederbuch“, dem im Titel eigentlich „…der Liebe“ hinzugefügt werden müsste, wirkte auch deshalb so überzeugend, weil der Pianist ebenbürtiger Partner bei der erfolgreichen Ausdeutung war. Das Publikum war begeistert und bekam zwei Duette als Zugaben, Schumanns „Er und Sie“ und Schuberts „Licht und Liebe“. (GE) 

Für alle, denen die vielen Liederabende nicht reichten, gab es vom 31.8. bis 1.9. an jedem Vormittag die Möglichkeit, einen Meisterkurs zu begleiten, der am 2.9. mit einem Abschlusskonzert endete, bei dem man sich davon überzeugen konnte, dass an guten Nachwuchssängern kein Mangel ist. Thomas Quasthoff und Justus Zeyen berieten junge Sänger mit ihren Pianisten über die Tage, wobei sie nicht in deren Technik eingreifen wollten („…dafür ist die Zeit viel zu kurz“), sondern darauf Wert legten, „mehr Emotionen rauszulassen“: „Ich muss in Ihren Gesichtern lesen können, was Sie singen“ (Quasthoff). Quasthoff und Zeyen gaben sich unendlich viel Mühe mit den Einzelnen, um aus jedem das Beste heraus zu holen; teils behutsam, teils sehr direkt wurde immer wieder auf grundlegende Nachlässigkeiten wie z.B. schlechte Haltung, zu starkes Vibrato oder unausgeglichene Vokale hingewiesen, wobei beide Professoren immer darauf achteten, zum Ausgleich durch Scherze und viel Lob ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Sechs Duos hatten sich angemeldet, eines fuhr nach dem ersten Tag ab, da es den Anforderungen einer Meisterklasse doch noch nicht gewachsen war. Die anderen fünf Paarungen arbeiteten hoch konzentriert, so dass man als passiver Teilnehmer des Kurses tatsächlich zum Abschlusskonzert eine deutliche Verbesserung der jeweiligen Schwächen feststellen konnte. Dabei waren bei den Sängern außer Deutschland Spanien, USA und China vertreten, bei den Pianisten Polen und die USA. Falls Deutsch zur Verständigung nicht ausreichte, ging man nahtlos ins Englische über. Besonders eindrucksvoll waren die Unterschiede, die bei den Begleitern heraus gearbeitet wurden; da merkte man erst, wie wichtig und absolut ebenbürtig der Pianist gegenüber dem Sänger sein muss, um ihn zu tragen und schon mit den einleitenden Takten auf den richtigen Weg zu bringen, nicht nur im Tempo, sondern auch in Bezug auf die geistige Vorbereitung für die musikalische Gestaltung des Textes. Wenn eine Übereinstimmung beider nicht erreicht ist, kann es sonst passieren, dass divergierende Tempi, nicht passende Phrasierungen oder Agogik den Fluss eines Liedes total zerstören.

Fidelus/Ware/Walsh/Fischer/Zhang/Merk/Pertz/Gómez Ruiz/Rollinson

Im Abschlusskonzert gelangen Julia Katherine Walsh (Sopran) und Clarin Merk „Wanderers Nachtlied II“ am besten, Manuel Gómez Ruiz (Tenor) und Jonathan Ware „Der Musensohn“ sowie Nina-Maria Fischer (Sopran) mit demselben Pianisten „Die junge Nonne“. Ein Versprechen für die Zukunft waren der blutjunge Bassist Gabriel Rollinson und Elenora Pertz mit Brahms‘ „Sapphischer Ode“; die ausgereifteste Leistung boten die Mezzosopranistin Yajie Zhang und Piotr Fidelus mit dem eindrucksvollen „Der Tod und das Mädchen“ sowie Mahlers „Urlicht“. Nach starkem Applaus bedankten sich alle Kursteilnehmer bei ihren Lehrern mit der als Überraschung einstudierten „Nachtigall“ aus Brahms‘ Liebeslieder-Walzern. Es war eine spannende Woche, in der die vielen Zuhörer gern auch ein paar Sonnenstunden drangaben. (ME)

Marion und Gerhard Eckels, 4. September 2017

Fotos: Schubertiade

 

 

 

SCHUBERTIADE August/September 2017 Teil I

www.schubertiade.at

Spitzenklasse

Die bereits seit Mai 1976, also seit mehr als 40 Jahren, in Schwarzenberg und Hohenems im österreichischen Bundesland Vorarlberg stattfindende Schubertiade hat in Fachkreisen einen geradezu legendären Ruf. Dort in traumhaft schöner Umgebung trifft sich regelmäßig eine eingeschworene Gemeinde, die in fast familiärer Atmosphäre Liederabende, Meisterkurse und Kammermusik vom Feinsten genießt – und es sind schon lange nicht mehr nur Werke von Franz Schubert zu erleben. Immer wieder gelingt es dem Leiter der Schubertiade Gerd Nachbauer, international bekannte Sängerinnen und Sänger der Spitzenklasse sowie renommierte Kammer-Ensembles zu gewinnen.

Den Auftakt bildeten für uns am 25.8. René Pape und der Pianist Camillo Radicke. Man war sehr gespannt, wie der hervorragende Wagner-Sänger sich bei seinem Schwarzenberg-Debüt als Liedsänger schlagen würde. Die Antwort: Ausgezeichnet. Er setzte seinen großvolumigen Prachtbass stark differenzierend ein; dabei bestach er durch beste Textverständlichkeit und traumhaft klingendes Aussingen der Konsonanten. Im ersten Teil des Programms kamen die Klassiker Mozart (Kantate KV 619), Beethoven (Gellert-Lieder) und Schubert (Heine-Lieder) zu Wort und Ton. Nachdem in Beethovens „Die Liebe des Nächsten“ die Spitzentöne noch etwas aus der Linie fielen, strahlte das folgende „Vom Tode“ eine große Ruhe aus, indem Pape nach zartem Piano-Beginn zu gleichmäßig fließender Steigerung fand. Bei Schubert schien er sich dann noch mehr zuhause zu fühlen; besonders anrührend gelang das intensive „Ihr Bild“. Interessant war der zweite Programmteil, der mit Liedern von Roger Quilter (1877-1953) und Jean Sibelius äußerst selten zu Hörendes bot. Bei den im englischen Original gebrachten Quilter-Songs konnte der Bassist seine gestalterischen Fähigkeiten weiter ausspielen: Die eingängigen Melodien wurden weich ausgesungen; ein traumhafter pianissimo-Schluss bei „O mistress mine…“ gelang ebenso gut wie ‚starker‘ Wind in „Blow, blow, thou winter wind“. Die sich anschließenden sechs Sibelius-Lieder in deutscher Übersetzung kamen geschmeidig mit großem Legato, langem Atem, aber auch kraftvollen Ausbrüchen daher. Den Abschluss bildete „Be still, my soul“, eine Hymne nach einem Thema aus „Finlandia“, die der Sänger ausdrucksstark präsentierte. Großen Anteil an dem Abend hatte Camillo Radicke am Flügel, der mit leichter Hand z.B. die perlenden Läufe in „Die Stadt“ glitzern ließ, ebenso kraftvolle Akkorde zu „Die Ehre Gottes in der Natur“ beisteuerte und stets die sichere Grundlage für die kleinen unterschiedlichen Szenen bot. Das kundige Publikum war begeistert und klatschte drei Zugaben heraus, darunter Schuberts interessantes Melodram „Abschied von der Erde“. (ME)

Seit ihrem Abschied aus dem Musiktheater-Bereich im April 2015 macht Elisabeth Kulman mit ambitionierten, außergewöhnlichen Lied-Programmen von sich reden – so auch am 26.8. Der erste Teil des Liederabends mit dem Pianisten Eduard Kutrowatz war Robert Schumann gewidmet. Es erklangen in gewöhnungsbedürftiger Reihenfolge bekannte Lieder wie Goethes „Nachtlied“ oder Eichendorffs „Mondnacht“; eingestreut waren fünf der acht Lieder aus „Frauenliebe und –leben“ sowie weitgehend selten zu hörende Vertonungen von Gedichten der Namensvetterin Elisabeth Kulmann (1808-1825), einer deutsch-russischen Dichterin. Außerdem hörte man für Klavier solo zwei Stücke aus den „Kinderszenen“ sowie „Warum?“ aus den Fantasiestücken. Der letztgenannte Titel stand unausgesprochen über dem ersten Konzert-Abschnitt, denn ein Zusammenhang der einzelnen Kompositionen ließ sich nur mühsam herstellen. Die in Österreich beliebte Mezzosopranistin verfügt über eine in allen Lagen gut ansprechende, klare Stimme ohne besondere Charakteristika; man vermisst das sonst oft in dieser Stimmlage zu hörende satte Mezzo-Timbre, was weiter nicht verwunderlich ist, hat sie ihre Karriere doch als Sopran begonnen. So erreichte sie gemeinsam mit ihrem pianistischen Partner viel über die Gestaltung, wobei ihr die ruhige Stimmung von „Süßer Freund“ oder „Kinderwacht“ besonders lagen, während ihr „An meinem Herzen, an meiner Brust“ allzu verhalten geriet. Einige Manierismen in „Nun hat du mir den ersten Schmerz getan“ und vor allem in der berühmten „Mondnacht“ waren bei aller ruhigen Stimmführung doch störend. Der zweite Konzertteil überzeugte trotz der überraschenden Zusammensetzung der Lieder mehr als der erste. Hier waren Liedern von Franz Schubert, dabei Schillers „Dithyrambe“, deren drei Strophen über den Konzertteil verteilt erklangen, Vertonungen von Erich-Kästner-Gedichten des 1941 geborenen österreichischen Komponisten Herwig Reiter gegenüber gestellt. Jetzt kam die Ruhe in Schuberts „Am Tage Aller Seelen“ oder „Wehmut“ wie von selbst, ohne in das eher aufgesetzte Gestalten des ersten Teils zurückzufallen. Bei Goethes lustigem „Schweizerlied“ und den ironischen, mitfühlenden Alltagsbeobachtungen Kästners, kongenial durch die Komposition unterstützt, ging die Sängerin deutlich mehr aus sich heraus, sodass „Sachliche Romanze“ und „Für die Katz“ geradezu witzig rüberkamen. Das begeisterte Publikum schloss den anwesenden Komponisten in den starken Beifall mit ein. (GE)

Als bestens aufeinander eingestimmt präsentierten sich am 27.8. Piotr Beczala und Helmut Deutsch mit einem Programm des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Teil 1 war italienischen Kompositionen vorbehalten: Nach drei Arien aus „Arie di Stile Antico“ von Stefano Donaudy, die Beczala die Möglichkeit boten, die ganze Bandbreite und vielfarbige Palette seines warmen Tenors vorzustellen, folgten zunächst vier echte Volkslieder von Ermanno Wolf-Ferrari (u.a. das rhythmisch-flotte „O si che non sapevo“). In den sechs sich anschließenden Ottorino-Respighi-Lieder trumpfte der Sänger in „Lagrime“ zunächst passend opernhaft auf mit strahlenden Höhen, schier endlosen Bögen und einem traumhaften Wechsel von forte zu piano auf dem letzten Wort „… morta“; mit solchen Finessen zeigte er sein großes Können in gesanglicher Gestaltung. Helmut Deutsch breitete Beczala jeweils den entsprechenden Klangteppich einfühlsam aus, auf dem dieser mit bester Diktion und gesangstechnisch auf voller Höhe, mit eleganten Übergängen und lockeren Verzierungen spielte. Durch sein sensibles Eingehen auf den Sänger, gute Tempo- und Agogik-Vorgaben bei den Vorspielen sowie die Lieder passend zu Ende führenden Nachspielen trug der Altmeister der Klavierbegleitung entscheidend zum großen Erfolg des Abends bei, der im zweiten Teil polnischen Komponisten gewidmet war: Sechs Lieder von Karol Szymanowski, sieben von Mieczyslaw Karlowicz und vier von Stanislaw Moniuszko stellten die beiden Künstler im polnischen Original vor. Dabei musizierten sie die Steigerungen innerhalb der Lieder von Szymanowski absolut einheitlich; von Karlowicz‘ Liedern gefiel besonders „Vor der ewigen Nacht“ mit dramatischem Anklang. Sehr unterhaltsam waren Moniuszkos „Die Spinnerin“, deren „Arbeit“ man in den flinken Klavier-Rotationen hörte, bis „der Faden riss“, und die Vertonung des „Heidenröslein“ mit Nonensprung (?), die Beczala mit Augenzwinkern sang. Mit stilistisch unterschiedlichen Zugaben bedankten sich die Künstler für den stürmischen Beifall; manche Zuhörer waren „enttäuscht“, da es nicht „wie in Zürich“ sieben – so hörte man aus dem Publikum -, sondern wie bei der Schubertiade üblich nur drei Zugaben gab. (ME)

Anders als bei den wenigen Kammermusik-Abonnements, die es noch gibt, kann man bei der Schubertiade immer wieder Werke für besonders zusammengesetzte Kammer-Ensembles hören. So erklangen am Nachmittag des 29.8. Antonin Dvoraks Streichquintett op.77 und Schuberts Oktett F-Dur D 803. Das Streichquintett ist insofern ein Unikat, als zu dem Streichquartett nicht wie sonst eine weitere Viola oder ein weiteres Cello tritt, sondern ein Kontrabass. Das ergibt ein „echtes“ Bassfundament, das allerdings dem Cello mehr als sonst im Quartett melodische Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet. Davon machte Clemens Hagen dann auch Gebrauch, ohne dass sich durch ihn und den versierten Kontrabassisten Roberto di Ronza gegenüber den Geigerinnen Gergana Gergova und Baiba Skride sowie der Bratscherin Veronika Hagen eine unpassende Basslastigkeit entwickelte. Obwohl die beiden Geigerinnen nicht ständig mit den beiden Mitgliedern des Hagen-Quartetts zusammen musizieren, wurde in dem teilweise geradezu sinfonisch anmutenden Quintett ausgezeichneter Zusammenklang erreicht. Die bei Dvorak üblichen slawischen Elemente kosteten die technisch über jeden Zweifel erhabenen Musiker ebenso wie die sinfonischen Ausbrüche temperamentvoll aus. Nach der Pause kamen mit Paul Meyer (Klarinette), Marco Postinghel (Fagott) und Alejandro Núnez (Horn) hochkarätige Solisten hinzu, die alle Schuberts Oktett mit nie nachlassender Spielfreude präsentierten. Besonders beeindruckte bei ihrem Schubertiade-Debüt die bulgarische Geigerin Gergana Gergova, die wie schon im Dvorak-Quintett die 1. Violine spielte, durch souveräne Führungskraft und sichere Virtuosität, die allerdings bei allen anderen ebenso zu bewundern war. Im ausgedehnten Variationssatz kam jeder einmal solistisch an die Reihe, bis sich alle zum wirbeligen Finale verbanden, mit dem die Musiker Beifallsstürme des begeisterten Publikums hervorriefen. (GE)

Am Abend beglückten Violeta Urmana und Helmut Deutsch mit einem klassischen Programm: Schubert, Mahler und Strauss. Vom zupackenden Vorspiel des Pianisten an disziplinierte Violeta Urmana ihren zum Sopran neigenden Opern-Mezzo gekonnt; sie offerierte die zehn Naturbilder Schuberts mit größter Natürlichkeit, so dass schon zur Pause emphatischer Jubel aufbrandete. Das lag auch am letzten Lied, an der ausdrucksstarken Gestaltung des „Erlkönigs“, die der Begleiter besonders hart mit stets Unruhe suggerierendem Pochen anging, während die Sängerin die verschiedenen Personen hervorragend charakteristisch herausarbeitete. In „Erlafsee“ beispielsweise „kräuselten“ beide kongenial das „Gewässer“ durch „frische Winde“. Die fünf Rückert-Lieder von Gustav Mahler wurden von dem Duo sehr spannend teils mit viel Ruhe („Ich atmet’ einen linden Duft“), teils mit dramatischen Aufschwüngen („Um Mitternacht“) bestens dargeboten. Die Strauss-Lieder und überhaupt den ganzen Abend könnte man unter dem Aspekt der Schlusszeile des Liedes „Wie sollten wir geheim sie halten“ sehen: „…bis in die tiefsten Falten sei allen unser Herz enthüllt“. Wie immer in Schwarzenberg belohnten drei Zugaben den stürmischen Applaus. (ME)

Marion und Gerhard Eckels, 30. August 2017

Fotos: Schubertiade

 

 

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