Bremen: „Die Zauberflöte”, Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Oper Die Zauberflöte ist wahrscheinlich das beliebteste Werk der gesamten Opernliteratur – nicht zuletzt auch durch die lustige Figur des Vogelfängers Papageno. Wer die Zauberflöte kennt (das dürften die meisten sein), wird sich beim Besuch der neuen Inszenierung von Marco Štorman über die Umstellungen in der Abfolge der Musiknummern, über Kürzungen und kleine Textveränderungen wundern. Und wer sie noch nicht kennt, lernt sie hier auch nicht kennen.

© Jörg Landsberg

Das liegt nicht nur an dem fast vollständigen Verzicht auf die Dialoge, die normalerweise gerade bei Papageno für Charme und Heiterkeit sorgen. Der Witz dieser hier nur auf die Arien beschränkten Figur geht völlig verloren. Und sein Kostüm (von Sara Schwartz) besteht aus einer Art Zwangsjacke und fellbesetzten Stiefeln. Es muss kein Federkleid sein, aber so farb- und reizlos wie bei ihm und Papagena ist auch keine Alternative. Und mit seiner eigentlichen Auftrittsarie, die erst später an anderer Stelle kommt, stellt er sich bei Pamina und nicht wie sonst bei Tamino vor.

Štorman wollte die Zauberflöte als „Mischung aus kindlich-naiver Traumerzählung, Coming-of-Age-Geschichte, Abenteuerreise und Science-Fiction“ erzählen. Wenn man will, finden sich in seiner Lesart auch durchaus Elemente etwa von Harry Potter oder Star Wars. Das grau-düstere und neblige Bühnenbild von Jil Bertermann mit seinen zahlreichen und gelungenen Beleuchtungsstimmungen kann jedenfalls überzeugen. Und Štorman sorgt auch für einige Effekte, etwa wenn die Kommandozentrale von Monostatos wie ein Raumschiff daherkommt oder die drei Damen in schwindelerregender Höhe über der Bühne schweben. Und auch mit Blitz und Donner wird nicht gespart. Dafür wartet man auf die „wilden Tiere“ vergebens. Für Unterhaltung und Action ist trotzdem durchaus gesorgt, auch wenn die Nachvollziehbarkeit der Handlung etwas auf der Strecke bleibt.

© Jörg Landsberg

Aber es gibt auch Überflüssiges. Muss Tamino zu seinem Auftritt durch die Zuschauerreihen eilen und bei der Arie der Königin der Nacht laut und fragend „Mama?“ sagen? Oder muss man sich, wenn von Liebe gesungen wird, ständig in den Schritt fassen?

Musikalisch sind es vor allem Sasha Yankevych und die Bremer Philharmoniker, die schon bei der gewichtig musizierten Ouvertüre und mit dem stets sehr differenzierten Klangbild und der durchgängigen Präzision die entscheidenden Akzente setzen. Bei den Solisten ist es vor allem Ian Spinetti, der  mit substanzreichem Tenor als Tamino bleibenden Eindruck hinterlässt. Er gestaltet die Partie intensiv und leidenschaftlich. Auch Diana Schnürpel kann als Königin der Nacht vor allem mit ihrer zweiten Arie überzeugen, auch wenn sie an ihre Grenzen stößt. Arvid Fagerfjäll bleibt als Papageno regiebedingt etwas blass, erfüllt musikalisch aber seine Aufgabe tadellos. Elisa Birkenheier ist eine gute Besetzung für die Pamina, könnte aber in ihrer Arie noch beseeltere Töne finden. Jasin Rammal-Rykała singt den Sarastro, den Sprecher und den 2. Geharnischten mit viel Autorität, aber etwas begrenztem Volumen in der tiefen Lage. Fabian Düberg kann als Monostatos (dessen Arie gestrichen wurde) sowie als 1. Geharnischter mit einer soliden Leistung aufwarten. Mit Sarah-Jane Brandon, Nadine Lehner und Nathalie Mittelbach sind die drei Damen opulent besetzt, sind im Zusammenklang aber  nicht immer ideal. Ulrike Mayer macht ihren kurzen Auftritt als Papagena mit viel Charme. Solisten für die drei Knaben gibt es nicht. Sie werden kollektiv vom Kinderchor (Einstudierung Karl Bernewitz) gestaltet.

Wolfgang Denker, 24. Mai 2026


Die Zauberflöte
Wolfgang Amadeus Mozart
Theater Bremen

Premiere am 23.Mai 2026

Inszenierung: Marco Štorman
Musikalische Leitung: Sasha Yankevych
Bremer Philharmoniker

Weitere Vorstellungen: 29. Mai, 6., 16. 25., 28. Juni, 2. Juli 2026