Lübeck: „Bruch, Brahms, Gál“, Kirill Volkov und Danang Dirhamsyah

Der aus Indonesien stammende Pianist und Klavierpädagoge Danang Dirhamsyah und der russisch-griechische Bratschist und Pädagoge Kirill Volkov widmeten sich in ihrem, Zwischen Schatten und Sehnsucht betitelten Konzert, mit Johannes Brahms und Max Bruch zwei prominenten Vertretern der romantischen Kammermusik. Ergänzt wurde das Programm durch ein Werk der Moderne, das aber in der Tradition von Brahms verwurzelt ist. Ein hochinteressanter Abschluss der kleinen, durch die Possehl-Stiftung Lübeck geförderten Konzertreihe rund um den Pianisten Danang Dirhamsyah und seine Freunde im Haus Eden in Lübeck.

v.l., Danang Dirhamsyah, Kirill Volkov / © Kiara Kuhn

Mit Max Bruchs Romanze für Viola und Klavier stimmten die beiden jungen Künstler das Publikum ein. Bruchs eingängige Melodik und die romantische Grundstimmung wurde von den beiden wunderbar vermittelt. Man spürt das gemeinsame Denken und Empfinden der Musik, das sich sofort auf die Zuhörer überträgt.

Danang Dirhamsyah besondere Begeisterung für Johannes Brahms war in den folgenden Vier Balladen op. 10 geradezu miterlebbar. Die Balladen, die sich gedanklich um die schottische Schauerballade Edward ranken, sind poetisch-erzählende Stücke, die von Verrat und Vatermord aber auch von Sehnsucht und Liebe mit tief empfundenem Ausdruck erzählen. Der Pianist taucht emotional tief in die Musik ein und reißt die Zuhörer mit in die Seelenlandschaft dieser frühen, 1854 entstandenen Kompositionen. Die Liebe zum Detail und das tiefe Verständnis für die Musik Johannes Brahms, schufen in Danang Dirhamsyahs Interpretation ein wunderbar emotionales Klangerlebnis, das tief beindruckte.

Nach der Pause stand die Sonate für Viola und Klavier von Hans Gál auf dem Programm.

Dem 1890 in Österreich-Ungarn geborenen und 1987 in Edinburgh gestorbenen Komponisten erging es wie vielen anderen seiner Generation. Der schon 1929 als Direktor der Musikhochschule Mainz berufene Musiker wurde sofort nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten seines Amtes enthoben und die Aufführung seiner Werke verboten. Das Hans Gál schon 1923 aus der jüdischen Religion ausgetreten war spielte in der damaligen Zeit keine Rolle. Er kehrte nach Österreich zurück und emigrierte nach dem Anschluss Österreichs nach England. Dort wurde er zuerst auf der Isle of Man interniert erhielt dann aber schließlich eine Stelle als Lehrer für Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition an der Universität Edinburgh. Er verbrachte den Rest seines Lebens in Schottland. Neben seiner regen Kompositionstätigkeit schrieb er auch vielbeachtete Bücher u. a. über Brahms, Wagner, Verdi und Schubert.

Sein reiches Oeuvre umfasst Kompositionen vieler Gattungen, von Kammermusik über Sinfonien bis hin zu Opern und Chorwerken.

Hans Gál war ein ausgesprochener Traditionalist und hielt strickt an der Tonalität fest. Sein wichtigster Komponist war Johannes Brahms. Aber er war kein Epigone, sondern entwickelte früh eine ganz eigenen Musiksprache. Ausdruckstarke Melodien und reiche Polyphonie kennzeichnen seine Werke. Den großen Erfolg, den er vor der Emigration erreichte, konnte er, als unmodern und erzkonservativ verpönt, nie wieder erreichen. Und gerade dieses Konzert zeigt, was für eine großartige Bereicherung des Repertoires die Entdeckung diese Komponisten ist.

Die 1940 entstandene Sonate für Viola und Klavier überrascht zuerst durch die heitere und humorvolle Melodienfolge, die gar nicht zur Entstehungszeit passen mag. Doch spätestens im dritten Satz wird klar, dass der Komponist seine Sehnsüchte und Hoffnungen in Töne gefasst hat, während im Schlusssatz der Schatten der Entstehungszeit dieser Sonate, immer mehr durchdringt.

Kirill Volkov und Danang Dirhamsyah interpretieren dieses besondere Werk mit großer Emphase und Spielfreude. Immer im gleichen Atem, beeindruckt das unprätentiöse und so leichte, ja geradezu selbstverständliche Musizieren der Künstler. Man wird von der Verbundenheit und Begeisterung der beiden mitgerissen. So viel Leidenschaft und Frische wünscht man sich öfter. Da stimmt einfach alles, die Kommunikation untereinander, der Ausdruck und das Bewusstsein, ein außergewöhnliches Werk einem interessierten Publikum näher zu bringen.

v.l. Kirill Volkov, Danang Dirhamsyah / © Kiara Kuhn

Aufgrund der an diesem Tag herrschenden Hitze waren nur wenige Menschen zum Konzert erschienen. Doch diese waren umso dankbarer, ein programmatisch wunderbar zusammengestelltes Konzert und einen, leider im Abseits stehenden, Komponisten kennen gelernt zu haben.

Hoffentlich wird es noch viele dieser außergewöhnlichen Konzerte geben.

Axel Wuttke, 27. Juni 2026


Max Bruch: Romanze für Viola und Klavier op. 85
Johannes Brahms: Vier Balladen op. 10
Hans Gál: Sonate für Viola und Klavier op. 101

Bratsche: Kirill Volkov
Klavier: Danang Dirhamsyah