Wien: „Ronja Räubertochter“, Stephan Lack / Astrid Lindgren

Musical und Moral

Wer Pippi Langstrumpf kennt, der weiß, dass ihre Schöpferin Astrid Lindgren eine entschlossene Feministin war. Und genauso neugierig, klug, selbständig und unerschrocken, wie Pippi ist auch Ronja aus dem Räubergeschlecht der Mattisbande eine andere Lindgren Heldin. An sich ein Jugendbuch von 1981, ist Ronjas Geschichte inzwischen verfilmt und oft bearbeitet worden. Nun bietet die Volksoper „Ronja Räubertochter“ als Kinder-Musical an.

© Marco Sommer/Volksoper Wien

Es ist nach der Bearbeitung von Stephan Lack eine Co-Produktion der Familie Brauer-Kvam geworden: Kyrre Kvam lieferte die Musik (arrangiert und orchestriert   von Keren Kagarlitsky), Ruth Brauer-Kvam sorgte als Regisseurin dafür, dass die Handlung auch immer ihren moralischen Zeigefinger erhebt.

Immerhin tut das dem Unterhaltungswert der Geschichte keinen Abbruch, die eine Romeo & Julia-Story mit Happyend ist, ein bißchen auch „Westside Story“, weil wie dort die Jugendbanden, sich hier die Räuberbanden gegenüberstehen (und dazwischen die längste Zeit nichts Geringeres als der Höllenschlund). Da muss man der Geschichte schon eine Menge Honig ums Maul schmieren, damit sie am Ende in Frieden, Freude, Eierkuchen mündet und man den Kindern die Mahnung mitgibt, keine Räuber zu werden, sondern alle und alles zu versöhnen und lieb zu haben. Hoffentlich merken sie sich das, bis sie groß sind.

© Marco Sommer/Volksoper Wien

Die Geschichte wird, ungemein sympathisch, von dem alten Glatzen-Per (Reini Moritz) erzählt, dessen Tod am Ende noch ein besinnliches Element einbringt. Einen großen Teil der Aufführung nehmen die Räuber-Szenen der rivalisierenden Banden Mattis und Borka ein, wo viel rivalisierend gegrölt und gelärmt wird (und man auch eine kompetente Choreografie – Florian Hurler – erkennt). Chef Nr. 1 ist Mattis (Juergen Maurer), der die Tochter zwar zwischenzeitlich verstößt, weil sie sich mit dem Sohn des Rivalen eingelassen hat, aber sie tränenreich wieder aufnimmt, weil diese Julia / Ronja sich glücklicherweise nicht umbringt, sondern Widerstand gegen die väterliche Sturheit leistet (und natürlich siegt). 

An seiner Seite eine starke Gattin (Rebecca Nelsen als Lovis), so wie die Inszenierung überhaupt auf starke Frauen Wert legt: Die Chef-Gattin der Borka (Ursula Pfitzner als Undislässt sich auch nichts gefallen, und ist stärker als ihr Mann(Daniel Ohlenschläger als Borka) und trägt, wie es im Kinder-Lehrstück sein muss, einiges zur allgemeinen Versöhnung bei.

© Marco Sommer/Volksoper Wien

Vor allem aber geht es um Ronja (die bewegliche Haus-Debütantin Hannah Severin) und Birk (Eike Onyambu), die zuerst eine Art Blutsbrüderschwestern-Band schließen, aber dann zum Paar werden, und beide die väterliche Zumutung, einmal die mittlerweile vereinten Räuberbanden zu leiten, ableiten. Wie es sich gehört.

Das alles dauert hundert Minuten, findet in einem äußerst stimmungsvollen Bühnenbild von Monika Rovan statt, das in Sekundenschnelle Dias und Videos auf die Rückwände wirft und die andauernd beschworene Natur ebenso stimmig machen kann wie das Räuberambiente.

Die Musik (am Pult: Maayan Franco) klingt nach gekonnter, rhythmischer, Stimmungsfarben malender Musical-Routine, allerdings nicht eine „Nummer“, die man sich merken würde, aber sie gefällt und ist (im typischen Stil des Musical-„Beltens“) keine schwere Aufgabe. Es soll auch kein Meisterwerk sein, sondern (lehrreiche) Unterhaltung für ein Publikum ab 6 Jahren, und das ist es auch geworden.

Renate Wagner 24. September 2026


Ronja Räubertochter
Von Astrid Lindgren, Familienstück mit Musik
Für die Bühne bearbeitet von Stephan Lack

Musik arrangiert und orchestriert   von Keren Kagarlitsky
Volksoper

Uraufführung
Premiere: 20. September 2026 

Regisseurin: Ruth Brauer-Kvam 
am Pult: Maayan Franco