DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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Die OPERNFREUND-Schnuppe gibt es für Dinge, die uns überhaupt nicht gefallen haben.  Aufführungen, die auch Ihnen schnuppe sein sollten.

Die symbolische Schnuppe ist die schlechteste Bewertung, wie wir vergeben können; unser Negativpreis ganz im Gegenteil zum OPERNFREUND-STERN unserem "Oscar". 

(c) Peter Klier

 

 

ERFURT

Fra Diavolo

"Buuuuuuuuuuuuuuuuu!!!!"

Es kann passieren, dass die Einfälle der Regie nicht für, sondern gegen das Werk arbeiten, dass seine Ideen nicht so beim Publikum ankommen, wie er sich das vorstellt. Wenn er aber das Werk benutzt, ja missbraucht, um seine eigenen unzulänglichen Librettistenqualitäten darzustellen, mit plattesten Witzen und unterstem Boulevard-Niveau nah an der Ekelgrenze vergebens eine Aktualisierung versucht, dann kommt das einer vorsätzlichen Demontage gleich und ist besonders ärgerlich. Kommt dazu noch eine teils fehlbesetzte Sängerriege und verhindern nur wenige Lichtblicke wie das lupenreine Dirigat von Harish Shankar und der engelsgleiche Gesang von Leonor Amaral, dass man spätestens zur Pause fluchtartig das Theater verlässt, dann bleibt unterm Strich ein Totalausfall und damit verlorene Lebenszeit – und das darf Theater niemals sein.

Ein dickes „Buh!“ und die Opernfreund-Schnuppe für Hendrik Müller und seinen Fra Diavolo in Erfurt!

Jochen Rueth 4.11.18

 

 

GELSENKIRCHEN

Moskau Tscherjomuschki

Es ist ja schon eine Leistung, ein Stück, das keiner kennt, so inszenieren, dass es keiner versteht.

Das hat Schostakowitsch, trotz des im Vergöleric zu seinen Opern DIE NASE der LADY MACBETH schwächeren Librettos, nicht verdient. Man möchte dem singenden Schauspieler, Dominique Horwitz der sich hier am schwierigen Regiehandwerk versucht zurufen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten, lass bitte die Finger zukünftig von der hochkomplexen Arbeit der Musiktheater-Regie!

Eine Idee ist keine gute Idee, wenn sie mit dem Kern des Stück nichts zu tun hat.

Mit rasanten Tempi und mitreißenden Rhythmen wallt und swingt Schostakowitschs Musik. Anscheinend haben weder Dirigent noch "Regisseur" gelesen, was der Hausdramaturg schreibt, denn es dominiert Langeweile, Uninspiriertheit, Rampensteherei und sinnloses Gehampel. Und die Musik wird auch noch stark gekürzt, wichtiger Stellen beraubt und willkürlich umgestellt.

Dafür liest man dann im Programm-Faltblatt den Grund fü diesen szenischen Offernbarungseid gleich vorweg: Die Motive der Komödie sind für uns (wer ist eigentlich "uns"?) nur mehr bedingt nachvollziehbar, da uns die Erfahrungen fehlt, die den Kontext für die Anspielungen in der Operette bietet.

Doch halt, Freunde! Hier wäre genau der Ansatzpunkt für einen professionell arbeitenden Regisseur gewesen. Stattdessen gibt es eine szenische Kritik am heutigen sozialen Medienschwachsinn. Zumindest verbal im Programmblatt:

Amazon, Facebook, Payback oder wie auch immer, sind die Übel der Zeit. Teufel, Teufel! Follower, Likes, Instagram, Whatsapp sind die unseligen Schlagwörter unserer Gegenwart. Auf der Bühne nichts davon. Da findet man eine harmlos nettes sozialistische Arbeitslager-Fabrik mit angeschlossenem Bettenkeller und der nervigen Zwangsdarreichung von Wohlfühltabletten. Huxley lässt grüßen...

Leider haben all diese Dinge nichts, aber auch gar nichts (!) mit der Gesellschaftskritik Schostakowitschs zu tun, die er hier satirisch aufzeigt und anklagt; es geht um die Probleme der kommunistischen Staatsdiktatur u.v.a. Mangelwirtschaft, Gleichschaltung, Indoktrination, Wohnungsnot und Armut. Das alles wird deftig in volkstümlicher Operettenmanier aufs Korn genommen, indem der Komponist subjektive Zufriedenheit, harmlose Musik und Arbeiteridylle vorgaukelt. Die subkutane Ebene der Musik, die im Aufbau der Szenen (trotz scheinbarer Harmlosigkeit auf den ersten Blick) durchaus ihre Wirkung entfaltet, wenn man das Stück richtig spielt, findet null Entsprechung oder Widerhall in Szene und Bühnenbild der völlig verkorksten MiR-Produktion.

Einem Regisseur, der in die Musik hineinhörte und sich mit dem tragischen Leben des großen Komponisten gründlich auseinander gesetzt hätte, müsste ganz andere Bilder liefern. Doch halt! Um die Tragik dieser Zeit aufzuzeigen, wird natürlich am Ende des ersten Teils mal flugs eine Arbeiterin, die sich zuvor allzu sehr dem Lagerleiter angedient hatte, vom bösen Wachpersonal vergewaltigt. Mein Gott...

Was ein Elend!

Diese Inszenierung sollte Ihnen, verehrte Opernfreunde Schnuppe sein. Schauen Sie lieber bei YOUTUBE - mal rein. Da gibt es ein gutes Beispiel (Lyon 2009) dafür, wie herrlich doch das Stück ist, wenn man es richtig versteht und mit dem nötigen ironschen Humor auch im Sinne Schostakowitschs inszeniert.

Peter Bilsing 3.4.2018

 

 

Wuppertal

Martinus Julietta

Ich weiß-nicht-was-soll-es-bedeuten bzw. Tod-durch-Langeweile

 

Ich fass mich ganz kurz: So eine sinnlose, inhaltlose, langweilige, lieblose und nichtssagend uninspiriert Regiearbeit (Inga Levant) habe ich selten gesehen. Das optisch einschläfernde völlig simple Pappmasché-Billig-Einheitsbühnenbild von Jan Freese hätte locker jede Realschule in ihrem Bastelunterricht billiger fertigen können. Über die gezwungen originell wirken sollenden Kostüme Petra Korink hätte selbst im Karneval niemand mehr gelacht...

Zwei Stunden "sinnlose Plage, Müh ohne Zweck" (Wagnerzitat) bis zur Pause - dann reichte es dem Rezensenten, denn selbst der permanente Versuch des Theaterschlafs misslang. Und zwei Stunden gestohlene Lebenszeit ist ein ziemlich übles Verbrechen.

Augenscheinlich hatte man die Pause  - immerhin verkündete meine Einlasserin noch stolz "schon nach ein einviertel Stunde !" wäre ja auch sinnvoll mit dem Pistolenschuss ungefähr in der Mitte der Oper zu pausieren - kurzfristig bis zum Ende des ersten Aktes verschoben.

Eigentlich war das alles zu erahnen, denn was da schon vorher im scheinbar völlig unvorbeiteten - improvisiert erscheinenden - Auftaktgespräch mit dem Produktionsteam im fast stuhlfreien (!) Kronleuchterfoyer der Oper an Allgemeinplätzen bzw. Nichtigkeiten geäußert wurde, ließ Schlimmstes erahnen. Schon da wurde klar, daß man mit dieser Oper wohl nichts hatte anfangen konnte...

Es stellt sich auch die Frage, warum man das Werk auf Deutsch bringt, wenn bis auf zwei Mitwirkende keiner richtig diese Sprache beherrscht? Ist doch in diesem surrealen Werk auch der Sprachduktus ein wichtiger künstlerischer Bestandteil, der eigentlich nur in der tschechischen Originalsprache überzeugt. Wahrscheinlich hätte sogar das Französisch des Erstentwurfs noch besser geklungen. Man hätte es auch in Esperanto geben können, denn so waren die Zuschauer praktisch in Gänze gezwungen ständig auf die Subtitle zu starren.

Schade um das tapfere und durchaus schön singende Talent, den jungen Sangmin Jeon - er musste eine statuarische Mischung aus Hop Sing (Bonanza) und Pan Tau mimen - ein völliger Fehlgriff vom Besetzungsbüro.

Über den Rest - pars pro toto die unsäglich unfreiwillig peinlich albernen Anklänge an Monty Pythons Ministerium für Gänge und Bewegungsformen - oder wars ein Anklang an Pina Bausch - schweigt der Kritiker und fragt sich warum jemand eine Oper inszeniert, noch dazu eine höchst schwierig kafkaeskes Werk, der weder Idee noch einen "roten Faden" (besser wäre das Wort "Konzept") hat.

Das ist nicht nur eine vertane Chance, sondern alles höchst ärgerlich für ein eigentlich noch gut zu entdeckendes und dem Publikum bitte demnächst in begeisternderer Form (siehe Beispiele Berlin / Zürich) zu präsentierendes tolles Werk, was heuer eigentlich nur der Kapellmeister Johannes Pell erkannte, welches spannend aussagekräftig mit seinen Wuppertaler Musici umsetzte.

Peter Bilsing 5.3.18

 

P.S. So toll kann die Oper sein mit einem Konzept !

Beispiel Staatsoper Berlin

Beispiel Oper Zürich

 

 

 

Essen

Der Flüchtlings-Troubadour

IL TROVATORE ist keine Flüchtlingsoper! Ist keine Flüchtlingsoper! Ist keine Flüchtlingsoper! Ist keine Flüchtlingsoper! Ist wirklich keine Flüchtlingsoper!!!!!

Am liebsten gäbe man als Lehrer den beiden Regie-Verantwortlichen Patrice Caurier & Moshe Leiser als Hausaufgabe auf diese Worte tausend Mal (!) zu schreiben. Und - hallo Agostino Cavalca! - Zigeuner sehen nicht so aus, als wenn sie sich gerade bei mit Kik, Tedi oder Zeemann mit bunten Billig-Proleten-Klamotten in überwiegend leuchtend kolorierten Trainingsanzügen angekleidet hätten. Die Schirmmützen gab es wohl umsonst.

Dass Christian Fenouillat für diese schäbig billige und primitive Einheitsbühne - ein länglicher leerer Raum mit weißen Wänden und Ikea-Stühlen, oben hängen Neonleuchten (Stilisierte Bahnhofshalle oder unaufgeräumter Keller ?), auch noch Geld bekommen hat (viel Geld vermutlich) ist skandalös.

Ein Kollege neben mir murrte "vermutlich wurden diese Pappwände von den Schülern der Essener Berufsschule - Fachrichtung "Gestaltung", also Malerlehrlinge - gratis gefertigt." Nun gehen wir in medias res, damit Sie sich einfühlen können:

Beginn der Oper DER TROUBADOUR von Giuseppe Verdi:

Auf den Ikea-Stühlen nehmen Männer in schäbigen grauen Anzügen (C & A-Stangenware) platz. Dann stürmen Asylanten hinein und platzieren sich ängstlich verstört in der Mitte. Ein Buchhaltertyp erzählt den Männern die Geschichte von dem Säugling, den die Zigeunerin gestohlen hatte. Warum?

Währendessen an die Stirnwand ein großes Dia dieses Babys projiziert wird, auf welches alle diese Männer in dem schäbigen Zwirn demonstrativ nun zeigen. Dann ziehen sie sich weiße Armbinden an, stürzen sich auf die Asylanten, fesseln selbige und erschießen dann alle. Das Blut spritzt meterhoch an die weiße Wand. Beim Rausrennen werfen sie noch laut lärmend alle Stühle um. Üble Figuren! Merke: Leute in Anzügen sind immer zwielichtig und grundsätzlich verdächtig. Meist Mörder.

Zweites Bild (gleiches Ambiente, nur die Leichen der Asylanten fehlen und vorne steht jetzt eine Couch vom Sperrmüll). Eine kettenrauchende Sekretärin in Lederjacke tritt auf, die wir dem Gesang nach als Leonora outen. Sie hört ihren Troubadour singen und geht nun schnurstracks auf einen Beanzugten zu, der als einziger Mann mitten im Raum steht, ihr aber den Rücken zuwendet und herzt ihn von hinten. Leider ist es Luna und nicht Manrico, wie der Textkundige weiß. Sogar als er sich umdreht erkennt sie ihn nicht, denn sie ist einen Kopf kleiner und blickt ihn nicht an, sondern drückt sich die Nase an seinem Hemdkragen platt.

Da kommt ein Gammler im Hoodle mit kurzer Jeansjacke reingestürmt und Madame erkennt schlagartig "Oh je - das war ja gar nicht mein Geliebter Manrico! Welch fataler Irrtum!" Sie stößt den Beanzugten von sich. Nun stehen sich beide Männer mit erhobenen drohenden Fäusten und rollenden Augen gegenüber. Luna zieht eine Knarre, schießt aber nicht, denn sonst wäre die Oper ja schon aus. Zu den letzten Takten der Musik stürmen sie raus.

Zweiter Akt: Das schäbigste Bühnenbild aller Zeiten wird sich den ganzen Abend nicht verändern, soviel sei verraten. Nun wird ein AOK-Billig-Krankenhausbett rüde reingeschoben und darauf liegt... Na raten Sie? Genau: Azucena! Dann stürmen viele weitere Asylanten rein - sorry Error ! - diesmal sind es Zigeuner, welche gerade die Altkleider-Container der Stadt Essen geplündert haben. Sie singen ihr berühmtes Zigeunerlied, auf welches alle im Publikum nur gewartet haben.

Böse klopfen einige mit Schlagstöcken den Rhythmus auf das Krankenbettgestell. Dann packen sie ihre Schlafsäcke aus und legen sich zur Ruhe, während Azucena Manrico erklärt, daß sie einst ihr eigenes Kind.... (Geschichte bekannt). Manrico ist so entsetzt, daß er sich die ganze Zeit wirr durchs Haar fährt, die Hände vors Gesicht schlägt bzw. die Arme verwirrt ausstreckt...

So das reicht! Nein doch noch nicht? Gut, wie Sie möchten...

Dann noch kurz Bild 2, welches eigentlich im Kloster spielen sollte. Drei Nonnen stellen dicke Weihnachtskerzen auf. Immer mehr Nonnen drapieren die Ikea-Stühlchen zur Sitzgruppe. Weiterhin tauchen auf: Leonora, die grau Beanzugten vom Anfang und die Zigeuner, die nun alle in Hoodles auftreten mit alten Puma- und Adidas-Trainigshosen. Sie schleichen sich an (in dem großen leeren Raum!) und bedrohen schließlich die Beanzugten, indem sie jedem ihr Zigeunermesser an die Kehle setzen. Diesmal hat Manrico die Knarre. Die Beanzugten haben leider heuer ihre Pistolen nicht dabei - so geht die Sache 1 zu 0 für die Zigeuner aus. Vorhang. Der Kritiker geht nach Hause...

...ohne die ausführliche ekelhaft drastische Vergewaltigung einer Gummipuppe "nach allen Regeln der Kunst" (wie Kollege Zimmermann schreibt) noch mitbekommen zu haben, oder den seltsamen Schluss wo Manrico sowohl Luna, als auch Azucena erschießt und dann hohnlachend verschwindet.

Das ist "Bockmist hoch 5" !!! und da reicht schon die Hälfte für die ganze OPERNFREUND-SCHNUPPE. Dieser Abend, verehrte Opernfreunde, sollte Ihnen wirklich schnuppe sein. Gehen Sie lieber ins Kino!             Peter Bilsing 3.12.2017

 

 

 

Essen

Die versaute Braut - frei nach Smetana

Verquirlter Regiebockmist in übelster Form

Achtung: Diese Produktion kann nicht nur ihren Gemütszustand, ihre Gesundheit, sondern auch Ihr Seelenheil als guter Opernfreund und Smetana-Kenner schwer beschädigen !

Wäre nicht die einigermaßen akzeptable Leistung der Essener Philharmoniker unter dem, wie immer herausragenden Tomas Neptopil gewesen, man wäre schon nach 20 Minuten gegangen. Doch der höfliche Kritiker bleibt ja wenigstens noch bis zur Pause. Daß 90 Minuten dann eine Höllenqual sein können und man der ersten Regung nicht nachgegeben hat, wird man dann doppelt und dreifach bereuen - eine alte Lebenserfahrung, denn selten wird es besser, meist schlimmer...

"Flieh (oh Kritiker!), solange Du noch Zeit hast... (Filmzitat aus METROPOLIS)

Die schlimmste Form des Diebstahls ist - je älter man wird mit immer mehr Gewichtung - jener von Lebenszeit. So etwas nehme ich diesem Regieteam namens "Skutr" (vielleicht hätte die wirklich berühmten Jungs von "Scooter" das sogar viel besser gemacht) ernsthaft übel.

Die Sekunden gerinnen zu Minuten, die Minuten zu Stunden, das Unsägliche beschleunigt den Puls in beängstigende Aggressionshöhen - auch wenn man immer wieder angesichts des schon fast tölpelhaft Gebotenem die Augen verschließt. Man durchlebt, dem Herzkasperl nahe, wahre Alpträume des Bühnenelends und fühlt sich auf den Arm genommen. Ihr Zeitdiebe!

Oben auf der Bühne der steinzeitalte und schrecklich antiquiert dahindümpelnde deutsche Text von Honolka. Man singt deutsch ! Kaum zu glauben, hat man doch einen urtschechischen Tenor mit Richard Samek.

Ärgerlicheres sah ich selten; wobei einem die Künstler in der Tat leid tun, die so einen Kappes; Blödsinn und Firlefanz mitmachen müssen.

Armer Smetana! Der gesamte Schnuppen-Text folgte etwas verspätet, da sich erst mein Gemütszustand wieder beruhigt musste, was mein Hausarzt heuer mit >Valium hinbekam. Tiefergehende Auseinandersetzung mit solchem Grauen könnte meine Gesundheit jedoch schwer beschädigen, daher ende ich jetzt und nehm schnell noch ne Valium Tablette.

Peter Bilsing 15.10.2017

Foto aus dem Programmheft (c) Matthias Jung

 

Damstadt

Tannhäuser als Flüchtling - die Wartburg als Moschee

Lohnt es sich allein für drei ganz gute Stimmen (Elisabeth, Herrmann, Wolfram) und ein ordentlich spielendes Orchester nach Darmstadt zu fahren. Nein! Tun Sie´s nicht. Unser Herausgeber schrieb über "läppische Präsentation", "hilflose Regie" und "Rampengesang". Alles ist zu bestätigen, auch nach der zweiten Aufführung; doch es ist eigentlich noch viel viel schlimmer, denn ich würde bestätigen, daß der Regisseur absolut keine Ahnung vom Musiktheater hat. Möge er ein passabler Schauspielregisseur sein, aber Finger weg von Oper! Es muss nicht jeder Oper machen, verehrter Amir Reza Koohestani. Bleiben Sie bei Ihren Leisten!

Bei seiner Regie merkt man den aktuellen Zeitgeist, wo das Thema "Flüchtlinge" alles und allem aufoktruiert werden muss, und ist extrem verärgert. Nun hat Richard Wagner ja viel verdient, aber das ist einfach zuviel und kommt schon einer Vergewaltigung des Werkes nahe. Selten sah man so einen sinnlosen Blödsinn.

Die wahre platonische Liebe gibt es nur in einem muslimischen Regime. Wir müssen ja etwas für unsere muslimischen Brüder tun, schimmert die fehlgedachte Intention irgendwie durch. Na Bravo! "Tannhäuser hat es sich mit seinen verklemmten Rittersfreunden verscherzt!" schreibt die Pressestelle - gemeint sind moslemische Ritter! Hier hat jemand genau so wenig Ahnung von Oper wie der Regisseur und ruft es auch noch laut aus dem Wald - im vermeintlichen Teenie-Jargon.

Soviel Kappes sollten Sie, verehrte Opernfreunde, sich nicht antun. Daher unser Negativpreis - diese Produktion sollte Ihnen Schnuppe sein. Es gibt nette Lokale in Darmstadt und auch sonst Einiges zu sehen...

...nur eben nicht diesen Tannhäuser.

Akviano Salvago 4.5.2017

 

 

Bonn

Die Inszenierung von Holofernes - am Werk vorbei

„Der StarTrek-Holofernes“ - Wer sich einer Ausgrabung widmet und eine Oper nach mehr als 90 Jahren erstmals wieder auf die Bühne bringt, hat eine besondere Verantwortung, einem Geburtshelfer gleich.

Er ist in der Pflicht, dem Werk Raum zu lassen, seine musikalische und dramaturgische Wirkung zu entfalten. Wer dann menschliche Abgründe ins Lächerliche zieht, wer aus Drama Slapstick macht und um des vordergründigen Effektes Willen jeden noch so verstaubten Trick aus 40 Jahren Regietheater an einem Abend auf eine übervolle Bühne knallt  - und dies dazu noch handwerklich schlecht, wer sich dilettantisch an einer Parodie versucht, der tut nichts für Werk und Musik. Und wer eine solche Vergeudung an Potenzial und finanziellen Mitteln zulässt, ist nicht weniger zu rügen.

Da in dieser Produktion die Konzentration auf das eigentlich Wesentliche – nämlich die erneute Aufführung eines vergessenen Werkes nach fast einem Jahrhundert – nicht mehr möglich ist, kann vom Besuch des Bonner „Holofernes“ bei aller Ehre, die einer solchen Ausgrabung gebührt, nur dringend abgeraten werden. Stattdessen sei eine der Radioübertragungen empfohlen – die Musik ist hörenswert und musiziert wird auf beachtlichem Niveau.

Jochen Rüth 1.6.16

 

Regisseur (Kurzvideo 1)

J.R. Weber (Kurzvideo 2)

 

Redaktionelles PS

Ausnahmsweise müssen wir heuer unsere Kernkriterien (s.o.) "Diese Produktion sollte Ihnen schnuppe sein" etwas aufweichen, denn hier geht es nur und ausschließlich um die seltsame Deutung des Regieteams um Jürgen R. Weber.

Sie, verehrte Opernfreunde, die unbekanntem Guten aufgeschlossen sind, sollten sich das Werk unbedingt anschauen (!) - anhören... Darüberhinaus ist das Programmheft mit 120 Seiten ein Juwel; ein wichtiges Dokument, was auch für alle, dienicht nach Bonn kommen können absolut empfohlen werden muss.         P.B.

 

 

Gelsenkirchen

Rocky Horror zum Davonlaufen

Ballermann lässt grüßen! Ein Abend, der für richtige Altrocker Horror-Picture-Fans schlicht unerträglich sich geriert. Musik auf undifferenziertem schon beinah Disko Niveau - vermaledeiter Klangbrei! Wenig überzeugende Sänger, sowie unsägliche Übertragungstechnik - Krach statt Musik.

Verkleidet kamen zur Premiere gerade einmal eine Handvoll Personen, aber dafür gibt es Rocky-Doggy-Bags für 6 Euro mit Kinderkarnevals-Equipment (Reis ist ebenso verboten, wie weiter als einen halben Meter spritzende Wasserpistolen). Dazu eine schon fast läppisch zu nennende Choreografie nach dem Motto "Let´s do the hippy happy Shake"; doch am Ärgerlichsten: permanent werden die Zuschauer von den Künstlern zum Mitklatschen aufgefordert, nach fast jeder Szene drapiert man sich beifallsheischend an der Rampe. Erbarmungslos!

Die Krönung ist gleich im ersten Teil der legendäre "Time Warp" als Headbangerversion im Klatschmarsch-Rhythmus präsentiert. (Anmerkung: Nur für alle begeisterten MiR-Fans, bevor ihr mich beschimpft, hört bitte mal in den  Originalsound. So toll ist das Stück eigentlich.)

Das Premierenpublikum, bei dem augenscheinlich Hausmitglieder und Angehörige lautstark dominierten, jubelte ohne Ende und hofierte, nach alter Kölner-Willi-Millowitsch-Traditon, seine vermeintliche "Super-Stars" schon beim Erscheinen mit Auftrittsapplaus.

Nennen wir es Rocky 2016, denn mit dem tollen urigen Original von 1975 (Warnung an alle von weither anreisende Rocky-Fans!) hat die in einem verrosteten U-Boot bzw. Schiffambiente spielende MiR-Fassung wenig gemein. Als Eddie aus einer Bergbau-Kipplore auftaucht (Ja Leute, wir sind im "Kohlenpott"!) noch dazu einem Outfit, das an einen Buchhalter in der Disko erinnerte, war der Abend für den Rezensenten erledigt.

(c) MiR / Malinowski

Man hat den Eindruck einem verspäteten Karnevalsscherz aufgesessen zu sein. Das obige Bild sagt - pars pro toto - wirklich mehr als Worte. "Helau" oder "Alaaf" !? Ich sage "Good Bye Rocky", so eine Verhunzung hast Du nach 41 Jahren des Welterfolgs wirklich nicht verdient. Mehr Bilder.                                               PB  21.2.16


 

Bonn

Öder Rampensteher-Holländer

Wagner vom uninspirierten Bonner Orchester erschlagen.

Langweiliger und uninspirierter kann man Wagners Fliegenden Holländer kaum in Szene setzen. Von Fliegenden keine Spur - hier wird herumgestanden, als mache man Reklame für Pattex. Wen wundert es, denn der verantwortliche Arrangeur heißt Walter Schütze und gibt als Beruf "Bühnenbildner" an - das Regiefach hat er leider nicht erlernt; und solch ein überflüssiger Abend kommt dann dabei heraus:

Mal wieder ist ein Einheitsbühnenbild angesagt. Wir schauen den ganzen Abend auf einen simpel illuminierten Rahmen um einen Holzkasten; innen Treppen, hinten klappt ab und zu mal eine Bretterwand hoch. Vorne Rampensteherei ohne Ende mit Steinzeitgesten der Sänger (z.B. Arme längs ausgebreitet, Finger gestreckt oder Hand an die Stirn beim Ausschau halten - Winnetou lässt grüßen), als wären wir am Kirow Theater oder bei den Karl-May-Festspielen in Elspe; sogar der Chor grimassiert anfangs quasi militärisch in gelber Gummistiefel-Reihe an der Chorus-Line und schmettert viel zu laut ins Publikum. Später, wenn Bewegung angesagt ist, müssen sie wie die Affen herumhüpfen. Lustig, lustig... ja liebe Kinder! Kultivierter Wagner-Chor Gesang hört sich anders an.

Der Himmel hängt nicht voller Geigen, sondern voller kleiner Modellbau-Schiffchen. Was an Bühnenbildqualität, kreativer Inspiration und handwerklicher Kunst fehlt, wurde hier in die 25 niedliche Modelle arbeitsreich investiert. Rewell lässt grüßen!

Die Beleuchtung funktioniert nach dem Lichtschalterprinzip "An-Aus" - Variante: der Norweger schnippt in die Luft und der Farbrahmen verändert sich. Toll...

Der Kritiker quält und opfert sich für unsere Opernfreund-Gemeinde durch 2,5 pausenlose Stunden der Öde und der lärmenden Musik. Minuten gerieren zur Ewigkeit, während die Bonner Musiker sich unter der Leitung von Hendrik Vestmann vergeblich um Wagners schöne Musik bemühen. "Geht es noch lauter und polternder?" ist man motiviert zu rufen. "Sinnlose Plage - Müh ohne Zweck..." würde der Meister selber durch den Mund von Mime sagen. Gesanglich noch akzeptabel - aber wer geht dafür in die Live Oper. Ein Abend verschenkter Lebenszeit. Schade...

PB 28.9.15

Unsere Hauptkritik

 

Berlin

FAUST - billigster Ramsch

Es gibt wirklich ärgerlich Aufführungen, so die unglaublich halbherzige Neuproduktion von Gounods "Faust" an der Deutschen Oper Berlin. Bei Phillip Stölzls Regie (Co-Regie Mara Kurotscha; kann das eigentlich kein Regisseur mehr alleine?) fragt man sich: "Warum macht man als Regisseur in den gehandelten Kaliber ein Werk?" Offensichtlich nicht aus Interesse, sondern um Geld zu verdienen. Man dekoriert sich irgendwie auf der ständig bewegten Drehbühne durch die dreieinhalb Stunden, umgeht durch Maskenhaftigkeit irgendwei geartete Chorregie, Personenregie bleibt konventionell Standbein-Spielbein. Heike Vollmer müllt mit Ingredienzen des modernen Theaters die Bühne voll, man wartet letztendlich darauf, daß irgendetwas mit dem großen, runden Bühnenturm passiert: vergebens . Die Bühneneffekte werden zudem so ungeschickt angewendet, daß man im Vorhinein weiß, gleich leuchten die Bäume. Schlimmster Billigramsch !

Marco Armiliato dirigiert Gounods Musik unter dem der Devise "süßlich", so wie die Vorurteile französische Oper allzu oft abstrafen. Die Kommunikation mit den Solisten innerhalb der Phrasierungen geraten ebenso wackelig, wie einige mit dem Chor. So werden die eigentlich guten Solisten auch unter Wert verkauft.

Hatte man in Deutschland aus Goethepietät Gounods "Faust" zur Unterscheidung in "Margarethe" umbenannt, bei Stölzl reicht es höchstens zu "Margarine".

MF 7.7.15

 

Wuppertal

Tosca - mißglückter Saisonauftakt

Weder Stefano Podas ästhetisierende Regie, noch Toshiyuki Kamiokas fades Dirigat geben Puccinis Opernreißer "Tosca" eine Tropfen Lebendigkeit. Das häufige Benutzen der Drehbühne bietet da keine Abhilfe, ebensowenig wie fast durchgängig schwarze Kostüme vor fast schwarzem Hintergrund zu überzeugen wissen. Die ordentlichen Sänger müssen ohne Hilfe aus dem Graben vokal durch den Abend kommen. Ein langweiliger, denkbar schlechter Start für die neue Wuppertaler Opernleitung.    MF

Wenn ein Verismo-Reißer wie Puccinis „Tosca“ zur szenischen und musikalischen Schlaftablette wird, ist das ein echtes Ärgernis. Stefano Poda baut zwar eindrucksvolle Bühnenbilder, verschenkt aber als Regisseur fast alle Möglichkeiten dieses Stückes. Der Wuppertaler GMD und Neu-Intendant Toshiyuki Kamioka zerdehnt die Partitur und dampft jede Dramatik ein. Die Sänger üben sich eher in ihren Rollen, als dass sie diese gestalten. Fiebert man sonst mit Tosca und Cavaradossi mit, so zittert man nun, dass sich diese Sänger gleich noch an „Vissi d´arte“ und „E lucevan le stelle“ versuchen.   

RH Oktober 2014

 

 

Dortmund

Carmen als langweilige Wellblechfolklore

Zum Einsteig zitiere ich unseren Kollegen Christoph Zimmermann "Was ist nun zur Regie von Katharina Thoma zu sagen? Sie ist konventionell ausgefallen, und sogar auf eine beschämend klägliche, peinliche Weise." Recht hat er! Siehe gesamte Kritik.

Am wenigstens verdrießlich ist noch das mangelhafte Französisch in den Dialogpassagen; wobei man sich ohnehin fragt: wozu überhaupt? Die simple klare Handlungsstruktur macht diese Textstellen ohnehin verzichtbar. Deprimierendes Sahnehäubchen: In Dortmund werden sie deklamiert, wie in der Vorstadt-Aula eines Schülertheaters.

Und warum müssen die Soldaten / Polizisten (?) schon wieder mal auftreten und hampelnd dilettantisch marschieren, wie die Keystone Cops im Stummfilm? Das Ganze wäre ja, ironisch gemeint, noch akzeptabel... Leider ist es nicht ironisch gemeint. Auch nicht im geringsten zynisch oder machofeindlich; die Auftritte mutieren zum Kasperle-Theater. Sollten etwa die orangefarbenen Umhänge der Fabrikarbeiterinnen wirklich an Guantanamo erinnern? Schlimmer geht´s nimmer... Das sind Kostüme für die Altkleidersammlung!

Gut, die Chöre singen ganz passabel, aber warum müssen sie, wenn sie nicht öde herumstehen, dermaßen blödsinnig outrieren wie bei einem schäbigen US-Musical-Abklatsch; es fehlten nur noch Zylinder und Stöcke. Dazwischen positionieren sie sich, als warte man auf den Bus oder sie starren ins Publikum. Zur Chorus-Line ordnet man sich vorne an der Rampe an wie bei einem Andrè Rieu Konzert. Das tut dem Musiktheaterfreund weh...

Wenn schon die Sänger nicht befriedigen, so singt wenigstens der Kinderchor hervorragend, würde er nicht - den schönen Klangeindruck sofort und schnell wieder kaputtmachend - so fürchterlich nervig agieren, als spiele man eine Persiflage auf den alten Hitparaden-Song Das Lied von Manuel.  Jeden Moment könnte Dieter-Thomas Heck um die Ecke der Bühne kommen und rufen "Ja Hurra Leute, das ist Platz Eins unserer heutigen Deutschen Hitparade!!"  Auch ist das Bühnenbild von seltener Einfallslosigkeit und simpler Bretterbudenhässlichkeit; weder stimmen die Perspektiven, noch die Räume. Es sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Billig-Bonanza-Verschnitt mit Ikea-Charme plus Saloon-Entry mit übergroßem Klohäuschen.

Nix Femme Fatale - die Carmen-Besetzung vermittelt den erotischen Charme einer Doris Day in ihrer legendären Werbung für Häppi-Seife (Im Jewison-Film "Was diese Frau so alles treibt" Universal 1962). ...und der Maestro im Graben fetzt über die Partitur, als gelte es die Qualifikation für ein Formel-Eins-Rennen zu gewinn, wo hundertstel Sekunden zählen - er hat obsiegt! 

Dass die Zuschauer jubeln, als wenn Bumm Bumm Becker erneut Wimbledon gewonnen hätte, hält uns nicht davon ab, für diese in fast allen Bereichen provinzielle Steinzeit-Regie und deren miserable Umsetzung sowie die musikalische Minderqualität unsere OPERNFREUND-SCHNUPPE zu verleihen. Liebe Musiktheaterfreunde, diese scheußliche Carmen-Produktion sollte Ihnen wirklich schnuppe sein. Gehen Sie lieber mit Ihrer Familie nett irgendwo essen und anschließend ins Kino.                                                      

PB Jan. 2014

 

 

Düsseldorf

Zemlinskys Florentinische Tragödie als inszenatorische Frechheit

Die Opernfreund-Schnuppe ergeht diesmal für die schlechteste, überflüssigste und dilettantischste Opernregie, die der Lokalkritiker an der Rheinoper binnen 40 Jahren erlebt hat. Und wenn böse Zungen nun behaupten, daß die völlig unbegabte Regisseurin Barbara Klimo ihr Regiedeputat nur der naheliegenden Tatsache zu verdanken habe, daß sie die Tochter der legendären Edita Gruberova sei, dann möchte ich das dahingestellt sein lassen.

Darüber hinaus ist es eine Frechheit, Dreistigkeit und Betrug am Zuschauer, wenn bei einem so selten aufgeführten Werk der unbedarfte Opernfreund mittels Programmheft noch nicht einmal über den originalen Operninhalt informiert wird, sondern absichtlich in die Irre geführt wird, weil es nicht den Originalinhalt, sondern das hanebüchene Blödsinns-Konzept der Regiedebütantin wiedergibt, die wahrscheinlich zu oft im Kino war - Woody Allen "The purple Rose of Cairo" (1985) oder Arnold Schwarzeneggers "The last Action-Hero" (1993) - diese Filme spielen tatsächlich im Kino und von dort ist natürlich auch das dramaturgische Konzept geklaut.

Wenn man als Regisseur eine sehr seltene, also dem Publikum praktisch unbekannte Oper, szenisch übernimmt, hat ein Regisseur die verdammte Pflicht und Schuldigkeit und auch kulturelle Verantwortung, dieses Werk wenigstens einigermaßen fürs Publikum kenntlich rüber zu bringen

Hier wurde Oscar Wildes/Zemlinskys Werk nicht neu entdeckt, sondern übelst verhunzt und damit geradezu hingerichtet. Das hätte kein Intendant mit nur etwas Verantwortungsbewusstsein zulassen dürfen. Hier hat der Genralintendant der Rheinoper zum zweiten Mal peinlichst versagt. Man hätte diesen unsäglichen Schmarren unbedingt schon im Vorfeld aus ernsthaften "künstlerischen Gründen" absagen müssen - diesmal zurecht!    

PB Juni 2013

 

 

Düsseldorf

Christoph Meyer (Intendant)

im Zusammenhang mit der Absetzung des umstrittenen Tannhäusers

Wir zitieren aus Presseschlagzeilen (nur einige von gut 100 aus Europa):

"Nicht der Tannhäuser ist der Skandal, sondern die Reaktion der Intendanz"

"Tannhäuser-Absetzung nach Zuschauerprotesten und Pöbeleien..."

"Opernsteinzeitler jubeln über einen "Sieg gegen das Regietheater"

"Das kommt einer Entmündigung des Opernpublikums gleich"

Für das feige und rückgratlose Zurückrudern beim Düsseldorfer "Skandal-Tannhäuser" vergeben wir die Opernfreund-Schnuppe an Generalintendant Christoph Meyer und sein Leitungsteam. Offiziell verlautete aus der Pressestelle höchst peinliches, nämlich daß die vorgebliche "Krankmeldung" von (angeblich) 10 Zuschauern den schockierten und zutiefst entsetzten Rheinoper-Intendanten Meyer und sein Team so tief betrübten, daß er sofort nach der Premiere anordnete jede weitere Vorstellung nur noch konzertant zu geben, um sein Publikum zu schützen.

Was war geschehen:

- Tumulte und Zuschauerproteste schon während der Aufführung

- Abbruch der Premierenfeier wg. Gefahr fürs Regie-Team durch aggressive  bedrohlich auftretende Zuschauer

- Drohungen von Nazis, Pöbel und "wahren" Wagnerianern im Umfeld

- Potest-Schreiben der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

- Forderungen der Lokalzeitung, Rheinische Post, die Kulturfreiheit in solchen Fällen sofort einzuschränken.

Davor ist  Intendant Meyer dann eingeknickt!  

P.S.

Der Regisseur mußte, wie weiland Salman Rushie untertauchen, weil er sich körperlich bedroht fühlte im Umfeld von "Klein Paris" (gemeint ist die sich selbst so titulierender Landeshauptstadt Düsseldorf!) und angesichts der Reaktionen teilweise hochangesehener Düsseldorfer Honartioren, Wagnerverbandsmitgliedern und Gutmenschen, die drohten ihn zu vergasen bzw. zu erschießen.                             

PB Mai 2013

 

 

Wien

Don Giovanni - How low can you get?

... Es tut mir weh, so einen Bericht schreiben zu müssen – aber das war einfach nichts!!! Ich hoffe, dass zumindest die „Clemenza“ besser wird – immerhin haben Freunde aus Amerika über EUR 300,- für ihre Tickets gezahlt und ich würde mich schämen, wenn sie eine Aufführung in dieser Qualität zu hören bekämen. 

... Zum Schluss noch, lieber Herr Direktor Meyer: Diese Inszenierung ist ein Schmarrn, die Ausstattung gehört auf den Sperrmüll, die Beleuchtung (das Wort „Lichtregie“ will man nicht in den Mund nehmen) ist eine Katastrophe. Dagegen waren de Simones Kostümshow und Zeffirellis Bambus-Jalousien Kult. Und übermorgen bei „Figaro“ mehr vom gleichen Martinoty… Das Leben des Opernfreundes ist nicht immer nur angenehm.

RW & KV März 2013

 

Essen

La Traviata

AUF DER SUCHE NACH DEM TUBERKEL-BAZILLUS

Penicillin wurde im September 1928 entdeckt; Violetta stirbt dennoch...

Emotionslos, lust- und herzlos wird diese "selten" gespielte Oper von  Köpplinger inszeniert, dessen Vorliebe sich anscheinend (?) auf völlig überflüssiges Männerballett und nackte Jünglinge mit "Knackärschen" erstreckt, die auch gelegentlich unverblümt ihren "Johannes" vorne an der Rampe baumeln zu lassen. Leiackers Bühne gähnt, wie leider mittlerweile üblich, mit der Kreativität seiner allseits bekannten hohen Bühnenräume mit steriler Lichtgalerie. Zauberberg-Ambiente gilt anscheinend mittlerweile in Essen wohl als Standard-Bühnenbild.

Superoriginell: Violetta trägt violett ! und liegt schon zu Anfang zwischen anderen Kranken in der Lungenheilstätte Davos. Mal wieder AOK-Krankenhausbetten (Marke Kassenpatient) - wie delektierlich.

Noch nie gesehen: Violetta deliert ihre Geschichte zwei pausenlose Stunden lang in gähnender Langeweile - aus dem Armenschlafsaal wird später ein Luxusbordell.

Gesang findet überwiegend auf Stadttheater-Niveau statt.

Sehr nett: Stefan Soltesz Musiker spielen brav, zurückhaltend und emotionslos um die Kranken nicht zu stören...

Fazit: Alles wirkte wie eine zweitklassisch abgekupferte Hilsdorf-Produktion - ein völlig überflüssiger Abend, findet der desillusionierte Kritiker. Gehen Sie lieber ins Kino und schauen sich eine schöne Oper von der MET an.

PB  Juni 2012

 

 

Essen

Die Entführung aus dem Serail

Wenn man meint besser zu sein, sollte man besser besser sein! Jetske Mijnssen verschandelte mit ihrer nichtssagenden "Inszenierung" Mozarts normalerweise funktionierendes Meisterwerk "Die Entführung aus dem Serail". Pseudomoderner Kitsch mit einer neuen Textfassung der Regisseurin haben das Stück abgeschafft, ohne irgendetwas bewegendes Neues zu schaffen. Musikalisch leider auch gediegene Langeweile mit einem ordentlichen, aber nicht wirklich überzeigendem Ensemble. Ausnahmeerscheinung die Konstanze von Simona Saturova, ganz große Klasse! Die Aufführung ist somit lediglich emotional sehr angespannten Menschen zu empfehlen, die ein Sedativum mit schöner Musik benötigen.              

MF Juni 2012

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de