In der Votivkirche in Wien fand am 8. September die 12. Verleihung des Österreichischen Musiktheaterpreises statt. Es war eine recht unterhaltsame und phantasievoll gestaltete Show mit diversen Musikeinlagen von jungen Sängern und Musikern.
Absolute Höhepunkte waren die Würdigung von KS Anja Silja mit dem Sonderpreis für ihr Lebenswerk und von KS Leo Nucci mit dem Publikums-Sonderpreis. Dieser wurde von Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz sogar noch zu einer Gesangsnummer verleitet, sicher de facto gut vorbereitet.
Nucci versetzte das ungläubig lauschende Publikum mit der großen Rigoletto-Arie von Giuseppe Verdi in einen wahren Beifallssturm. Seine Stimme erwies sich auch in seinen hohen Alter noch als voll tragfähig und eindrucksvoll in der Attacke und mit absolut sicheren Höhen.
KS Anja Silja hielt ein bewegende Rede von ihrer großen Liebe zu Wien sowie zu Wieland Wagner, ihrem letztes Jahr verstorbenen Ehemann und Dirigenten Christoph von Dohnányi und erinnerte auch an den großen belgisch-französischen Dirigenten André Cluytens. Sie ist die mit nun 86 Jahren (!), aber fast 20 Jahre jünger aussehende, letzte Vertreterin der großen Generation des Neu-Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg!

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung des Großen Preises der Jury an den Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser. Er hielt ebenfalls eine beeindruckende Rede, die natürlich nicht unbeeinflusst von seiner derzeitigen Situation in Salzburg blieb.
Hinterhäuser nahm im weiteren Verlauf auch den Preis für die beste Gesamtproduktion der Oper „Zaide“ bei den Salzburger Festspielen und jenen für den nicht anwesenden Maestro Maxime Pascal für dessen Dirigat der „Drei Schwestern“ bei den Salzburger Festspielen 2025 in der Kategorie Beste Musikalische Leistung entgegen.
Axel Zeininger bekam den Sonderpreis für Verdienste um das Musiktheater im Fach Fotografie.
In weiteren Kategorien sollen hier folgende genannt werden:
Beste Gesamtproduktion Tanz: „Kaiserrequiem“ an der Volksoper Wien
Beste weibliche Nebenrolle: Patricia Nolz als Silla in „Palestrina“ an der Wiener Staatsoper
Beste männliche Nebenrolle: Jörg Schneider in „Die Drei Schwestern“ bei den Salzburger Festspielen
Beste weibliche Hauptrolle: Asmik Grigorian als Norma in „Norma“ am Theater an der Wien
Beste männliche Hauptrolle: Michael Spyres als Giovanni Pierluigi Palestrina in „Palestrina“ an der Wiener Staatsoper
Beste Gesamtproduktion Musical: „Briefe von Ruth“ an der Kammeroper Wien
Beste Ur-/Erstaufführung: „Alma“ an der Volksoper Wien
Beste Ausstattung: Christian Schmidt für „Tannhäuser“ an der Oper Graz
Beste Regie: Claus Guth für „Blaubart / La voix humaine“ bei den Tiroler Festspielen Erl
Beste Gesamtproduktion Oper: „Zaide“ bei den Salzburger Festspielen
Die ehrenamtliche Fachjury bestand aus erfahrenen Kulturjournalisten unter dem Vorsitz von Heinz Sichrovsky News, ORF.

An der Orgel saß Wolfgang Fritzsche, und das sehr attraktive Arrangement mit interessanten Lichtspielen im Kirchenraum gestaltete William Thomas Best. Zwei Dinge müssen aber kritisch bemerkt werden. Da man im aufwändig und aussagekräftig gestalteten Programmheft die längeren Texte zu den Künstlern mit einer sich kaum vom Untergrund abhebenden hellen Schrift versah, war es in der relativen Dunkelheit des Kirchenraumes fast nicht lesbar. So etwas dürfte nicht passieren. Des Weiteren war die Lautsprecher-Übertragung in den großen Raum grenzwertig. Man konnte immer wieder nicht alles verstehen. Das sollte bei der nächsten Ausgabe anders werden.
Klaus Billand, 10. September 2026
Österreichischer Musiktheaterpreis 2026
Verleihung am 8. September 2026
Präsidentschaft: Karl-Michael Ebner
Moderation: Christoph Wagner-Trenkwitz