Mit einer spartenübergreifenden Gala startet das Oldenburgische Staatstheater am 6. September 2026 in die neue Saison.
Leslie Suranandarajah, der neue Direktor für die Sparte Konzert, eröffnet das Programm mit einer in der Steigerung fast rasenden Ouvertüre zu Beethovens Fidelio.
Generalintendant Georg Heckel begrüßt danach in einer kurzen, launigen Ansprache und leitet zu den nächsten Programmpunkten, drei Stücken aus Fidelio, über. Nikki Martin und Seumas Begg gestalten gesanglich und schauspielerisch ein wunderbares Duett zwischen Marcelline und Jaquino.
Im Anschluss überzeugt Jason Kim mit äußerst intensiv gestaltetem Rezitativ und Arie des Florestan, dem Beginn des zweiten Aktes. Von großer dramatischer Durchdringung gelingt dem Dirigenten und dem Orchester ein zutiefst ergreifendes Orchestervorspiel zu dieser der Szene.

Geradezu schwelgerisch dann das so berührende wie beglückende Quartett aus dem ersten Akt. Auch hier verkörpert Seumas Begg den Jaquino, Irakli Atanelishvili gibt den Rocco und Penelope Kendros dessen Tochter Marcelline. Die Leonore wird von Adréana Kraschewski interpretiert. Trotz aller Schönheit vermitteln die Künstler sehr eindrücklich die Seelennöte und Gedanken der Figuren. Besonders gut auch die Besetzung der Frauenrollen mit sehr unterschiedlichen Stimmtypen, durch die die Figuren ihre Individualität behalten und sich nicht nur im Wohlklang vereinen. Die halbszenische Produktion von Vera Nemirova hat mit dieser Besetzung am 12. Juni 2027 Premiere.
Unter dem Programmpunkt Clownstheater stellen sich die neuen Mitglieder des Schauspielensemble mit kleinen, ganz persönlich geprägten Kabinettstücken vor.
Mit einem Stück aus dem Musical Ein wenig Farbe von Rory Six setzt KS Paul Brady einen nachdrücklichen Punkt für dieses zeitgenössisches Musical, das sich sensibel mit der Herausforderung einer trans Identität auseinandersetzt.
Vor der Pause dann große italienische Oper. Das Duett zwischen Leonora und Pater Guardiano aus La forza del destino wird von Seungweon Lee und Adréana Kraschewski mit größter Intensität gestaltet. Die Sopranistin verfügt über eine groß aufblühende, exquisit timbrierte Stimme, die ideal für diese Partie ist, zumal ihr auch ein ausdrucksvolles, klangschönes Piano zur Verfügung steht. Seungweon Lee strahlt mit seiner warmen, prägnanten Stimme Autorität, Würde, aber auch Mitgefühl aus.
Als Leonoras auf Rache bedachter Bruder Don Carlo präsentiert sich im Anschluss Aksel Daveyan als idealer Verdi-Bariton. Mit herrlichem Legato und samtweichem Bariton liefert er eine betörende Darstellung ab. Premiere ist am 09.Oktober 2026.
Die musikalische Leitung dieser Ausschnitte liegt in den sensiblen Händen von Panagiotis Papadopoulos, dem neuen ersten Kapellmeister.
Nach der Pause präsentiert das Oldenburgische Staatsorchester Auszüge aus dem Nussknacker von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, feinfühlig gespielt unter der Leitung von Gyuseong Lee.
Natürlich darf bei so einer Gala in Oldenburg das Ballett nicht fehlen. In einer Choreografie von Ballettchef Antoine Jully präsentieren Tâmara Dornelas und Fran Kovačić einen sinnlichen, mit Erotik aufgeladenen Pas de deux aus Carmen von Rodion Schtschedrin.
Il Babiere di Siviglia von Gioachino Rossini hat am 17.Oktober 2026 Wiederaufnahme, Dorothee Beinert präsentiert die Gesangsstunden-Szenen aus dem zweiten Akt mit herrlich perlendem Mezzo und blitzsauberen, ausdrucksvollen Koloraturen.
Mozarts Zauberflöte hat in der Inszenierung von Generalintendant Georg Heckel am 15.Mai 2027 Premiere. Dirigiert von Panagiotis Papadopoulos präsentiert Taylor Haines die Arie der Pamina mit großer Stimme. Die Szene, in der Papageno sich erhängen will, gibt nochmal Aksel Daveyan die Gelegenheit, sein ganzes Können und sein komödiantisches Talent zu präsentieren, gefolgt vom hinreißend mit Nikki Martin interpretierten Duett zwischen Papageno und Papagena.
Penelope Kendros begeistert das Publikum mit einer Arie aus Händels Xerxes, in der sie mit halsbrecherischen, klangschönen Koloraturen und schauspielerischem Witz eine hinreißende Leistung bietet. Ähnliches gelingt Nikki Martin als Euridice aus Glucks erster Reformoper Orfeo ed Euridice. Ihr gelingt es, die Unsicherheit und die Verzweiflung der Figur deutlich zu machen. Thomas Bönisch, Chordirektor am Oldenburgischen Staatstheater, dirigiert die beiden Ausschnitte mit großer Kenntnis für deren Klangidiom.
Zum Schluss dann The sound of music von Richard Rodgers. Taylor Haines gestaltet das Lied der Novizin mit Einfühlungsvermögen und sehr viel Gefühl für die Stimmung dieser Musik.

Ein dankbares Publikum spendet am Ende jubelnden Beifall. Ein wunderbarer, neugierig machender Auftakt in die neue Saison.
Axel Wuttke, 9. September 2026
„Vorhang auf“ Saisonauftakt
Oldenburgisches Staatstheater
Gala am 6. September 2026
Dirigenten: Leslie Suganandarajah, Panagiotis Papadopoulos, Gyuseong Lee, Thomas Bönisch
Oldenburgisches Staatsorchester