Nach 10 Jahren gab es nun wieder Rossinis beliebte komödiantische Oper in umjubelter Premiere einer höchst quirligen Neuinszenierung. Die Regie lag in Händen der Österreicherin Stephanie Schimmer, für die diese Oper „von Spielfreude, präzisem Timing, absurden Situationen, der großenLust an Pointen und Rossinis unsterblichen Melodien“ lebt. Dabei schöpfte sie aus einer unendlichen Fülle an witzigen Ideen und sicher gesetzten Gags, die den Abend zu einem tollen Spaß machte; über Details sei hier noch nicht zu viel verraten. Gesungen wurde im italienischen Original, aber es gab Obertitel, die den Inhalt sehr gut transportierten.

Zur gelungenen Umsetzung trug die Ausstattung – das praktikable Bühnenbild und die passenden, teilweise an Commedia del arte erinnernden, farbenfrohen Kostüme von Davide Raiola – entscheidend bei. Witzig auch, Don Basilio und seinen „Assistenten“ Don Alonso in mit Noten bedruckten Umhängen auftreten zu lassen.
Unter dem anfeuernden Dirigat von Harutyun Muradyan gaben die Harzer Sinfoniker ihr Bestes und spielten engagiert in allen Gruppen. Die typischen Steigerungen der Rossini-Walzen kamen gut an.

Michael Rapke erlebte man als Figaro, der während seiner mit kernig Bariton vorgetragenen Auftrittsarie gleich drei Kunden bediente und einseifte; in immer wieder wirbeligen Szenen ersann er später für den Grafen neue Lügen, Intrigen oder Verkleidungen. Die von ihm ausgehende große Spielfreude zeichnete im Übrigen das ganze Ensemble aus. Graf Almaviva war mit Francisco Huerta besetzt, der seinen kräftigen Tenor leider für das vergleichsweise kleine Haus nicht immer zügeln konnte, dafür aber mit lockeren Koloraturen und lebhafter Darstellung glänzte. Den Doktor Bartolo – Almavivas Gegenspieler im Kampf um sein Mündel Rosina – gab Samuel Berlod als eleganten Vormund mit angenehm klingendem Bassbariton; in A un dottor de la mia sorte erfreute er durch schönes Legato und geläufige Koloraturen, auch noch beim Höllentempo in der Stretta. Als begehrte Rosina erlebte man Regina Pätzer mit flexiblem Mezzo, in der Mittellage eigen timbriert und strahlend klar in den Höhen; sie spielte mit großem Einsatz und ging in Sachen Liebe schon mal direkt in die Offensive.

Gijs Nijkamp als Rosinas Gesangslehrer Don Basilio präsentierte die Parade-Arie La calunnia… ausdrucksstark und mit machtvoller Tiefe. Bettina Pierags steuerte als umtriebige Haushälterin Berta mit kräftigem, ausgeglichenem Sopran ihre kleine Arie in deutscher Sprache zum allgemeinen Trubel bei; zum Schluss hin ergriff auch sie die Initiative und suchte sich einen Partner. Thomas Kiunke (Fiorillo), Se Jun Park (Ein Offizier) und Volker Jaremko (Ambrosio) ergänzten das muntere Ensemble rollengerecht. Die Herren des Opernchores und des Verstärkungschores des Harztheaters entwickelten in der Einstudierung von Julija Domaševa ausgeglichenen Chorklang und brachten sich auch darstellerisch jeweils großartig ein.
Das Publikum dankte allen Beteiligten mit lang anhaltendem Applaus für diesen unterhaltsamen Abend.
Marion Eckels, 20. September 2026
Il Barbiere di Siviglia
Oper von Gioachino Rossini
Harztheater Halberstadt/Quedlinburg
Premiere am 19. September 2026 in Halberstadt
Inszenierung: Stephanie Schimmer
Musikalische Leitung: Harutyun Muradyan
Harzer Sinfoniker
Weitere Vorstellungen: 18. Oktober, 20. November 2026 (Halberstadt) und 10. Oktober, 5. Dezember 2026 (Quedlinburg) und öfter, auch an anderen Orten