Am 23. Oktober 2026 feiert das Musical Die Päpstin im Oberhausener Metronom Theater Premiere und ist damit erstmals in NRW zu sehen. Das Erfolgsstück aus dem Hause spotlight musicals, das auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Donna W. Cross basiert, wurde seit seiner Uraufführung 2011 in Fulda bislang von über 800.000 Zuschauern besucht. Die Neuinszenierung von Regisseur Gil Mehmert, die 2024 mit dem Deutschen Musical Theater Preis in der Kategorie Bestes Revival ausgezeichnet wurde, wird nach dem rund dreiwöchigen NRW-Gastspiel zudem im Dezember im Deutschen Theater München zu sehen sein. Im Vorfeld der Produktion nahm sich Thomas Hohler Zeit für ein ausführliches Interview mit dem Opernfreund, bevor er im kommenden Monat erneut in die Rolle des Anastasius schlüpfen wird. In der Titelrolle der Päpstin werden übrigens erneut Sandy Mölling – vielen auch bekannt durch die Band No Angels – und Verena Mackenberg zu sehen sein, die beide in dieser Rolle bereits in Stuttgart, Fulda oder Hameln auf der Bühne standen.

Der Opernfreund (OF): Thomas, momentan bist du ja sehr gefragt und in vielen verschiedenen Rollen zu sehen. Man könnte sagen, es läuft ganz gut für dich gerade, oder?
Thomas Hohler (TH): Das kann man tatsächlich so sagen. Ich bin wirklich sehr happy, an so einem tollen Punkt meiner Karriere angekommen zu sein und so viele tolle Engagements machen zu dürfen.
OF: Auch wenn du diese Frage wahrscheinlich nicht mehr hören kannst: Als Kind des Ruhrgebiets, wo du bereits als Schüler im Jahr 1996 die Rolle des Gavroche bei Les Misérables im Duisburger Theater am Marientor spielen durftest, wie ist es für dich nun in Kürze wieder „in der Heimat“ aufzutreten?
TH: Ich sage gerne aus Spaß: Alles, was weniger als 50 km von zu Hause weg ist, ist Home-Office. Ich genieße es sehr, wenn Arbeiten mal nicht mit Reisen und Kofferpacken verbunden ist, wenn ich abends nach Hause zur Familie komme. Aber auch das Publikum zu Hause zu bespielen ist wirklich schön, da ich häufiger Freunde und Bekannte unter den Zuschauern habe.
OF: Bei der Päpstin bist du in Oberhausen als Anastasius zu sehen. Zuletzt hast du ja doch recht häufig die sympathischen Typen übernommen, sei es zuletzt Rob Cole beim Medicus in Tecklenburg oder Daniel Hillard in Mrs. Doubtfire. Freut man sich da als Musicaldarsteller darauf, auch mal wieder „den Bösewicht“ geben zu dürfen?
TH: Ich freue mich vor allem über die Abwechslung. Das ist toll, dass ich so unterschiedlich gelagerte Rollen spielen darf. Mein Fokus liegt allerdings gar nicht mal so stark auf den Attributen böse oder gut. Jede Figur hat einen eigenen Antrieb und eine Funktion in einer Geschichte, die ich erfüllen will. Ob ich eine dramatische oder eine komödiantische Figur spiele, ist zum Beispiel ein viel größerer Unterschied für mich. Und da bin ich um Abwechslung umso dankbarer.
OF: Die Rolle des Anastasius hast du soweit ich weiß Ende 2024 erstmals in Hameln übernommen. Wie ist es für dich, nun nochmal in diese Rolle zurückzukehren? Geht man da anders an die Sache ran, als bei einem Rollendebut?
TH: Klar. Eine Rolle ein weiteres Mal zu verkörpern, gibt tolle neue Möglichkeiten, die Figur feiner und intensiver auszubauen. Der Part ist bereits „im Körper“, also kann ich mich noch mehr auf das Zusammenspiel oder auf einzelne Facetten einlassen. Und nicht zu vergessen, dass neue Spielpartner und Spielpartnerinnen auch spannende neue Dynamiken mit auf die Bühne bringen.
OF: Wie ist es eigentlich generell, wenn man sich erstmals mit einer neuen Rolle auseinandersetzt? Wie nähert man sich dieser an und wie lange dauert es, bis man sich die Texte und Songs angeeignet hat? Dies beginnt ja wahrscheinlich bereits weit vor dem Probenstart.
TH: Da gibt es sicher 1000 verschiedene Ansätze und jeder Darstellende hat seinen Weg. Ich gehe anfangs viel über die Funktion der Figur, sowohl im Gesamtbild als auch in den einzelnen Szenen. Was will meine Figur erzählen oder verkörpern und warum wird welches Lied an einer bestimmten Stelle gesungen? Wenn ich ein Stück noch nicht so gut kenne, mache ich mich natürlich auch damit so vertraut wie möglich, indem ich die Lieder höre, Aufnahmen anschaue oder Bücher und Verfilmungen des Stoffs durchstöbere. Und parallel wird weit vor Probenstart das Material einstudiert. Da heißt es Texte auswendig lernen und Lieder üben. Dafür ist mal mehr, mal weniger Zeit vorhanden oder nötig. Ich gebe zu, Auswendiglernen ist tatsächlich nicht meine Stärke (lacht) – gar nicht mal so praktisch bei meinem Beruf. Sobald ich aber eine Szene oder eine Handlung dazu habe, sitzt es bei mir dann schnell wie von alleine.
OF: Wenn eine Produktion wie nun zum Beispiel die Päpstin bereits seit vielen Jahren erfolgreich läuft, selbst wenn es nun durch die Regie von Gil Mehmert vor einiger Zeit eine große Überarbeitung des Werkes gab, schaut man dann auch darauf wie Kollegen zuvor die Rolle ausgelegt haben oder blendet man dies lieber aus um seinen eigenen Zugang zur Rolle zu finden? Gerade die Rolle des Anastasius wurde von Christian Schöne ja über die Jahre hinweg doch recht stark geprägt.

TH: Im Falle der Päpstin muss ich gestehen, die alte Version gar nicht gekannt zu haben. Ich war damals nicht dazu gekommen, das Stück live zu sehen und habe keine Aufnahme davon vorliegen. Insofern konnte ich nur auf die Eindrücke aus der Gil Mehmert Inszenierung zurückgreifen, als ich es das erste Mal gespielt hatte. Natürlich färben Dinge ab, wenn ich vorher einen Part von einem Kollegen gespielt sehe. Ich würde aber nicht so weit gehen, zu sagen, ich blende etwas bewusst aus, was andere vielleicht machen. Das wäre mir zu viel Ego-Perspektive in der Thematik. Wenn etwas für die Geschichte gut funktioniert, spricht für mich nichts dagegen, es weiter so darzustellen. Wenn ich aber eine andere Idee oder einen anderen Ansatz habe die Figur zu spielen, ändere ich es eben.
OF: Vorhin hatten wir ja bereits das Musical Mrs. Doubtfire kurz erwähnt. Hier durftest du die Titelrolle übernehmen und wenn ich das an dieser Stelle einbringen darf, besser hätte man es nicht machen können. Wie war es für dich persönlich quasi in die Fußstapfen von Robin Williams treten zu müssen oder vielleicht auch eher zu dürfen?
TH: Oh, danke! Das freut mich natürlich. Die erste Entscheidung, die ich zu dieser Rolle getroffen habe, war, nicht in die Fußstapfen von Robin Williams zu treten (lacht). Robin Williams ist eine Comedy-Ikone und ich bewundere ihn sehr. Es ging mir aber nie darum, ihm nachzueifern oder ihn zu kopieren. Es ging ab Sekunde eins darum, die Figur Daniel Hillard / Mrs. Doubtfire zu spielen und die Geschichte mit den Mitteln eines Comedy-Musicals als Live-Bühnenshow zu präsentieren. Und genau das haben wir getan.
OF: In unserem Opernfreund-Saisonrückblick zum Thema Musical, wurdest du für diese Rolle auch als bester Hauptdarsteller der vergangenen Spielzeit gekürt. War es für dich das gleiche Vergnügen diese Rolle zu spielen wie es ein Vergnügen fürs Publikum war, dich darin erleben zu dürfen?
TH: Ich bin immer noch überwältigt von dem Feedback, was ich für diese Rolle bekommen habe. Das macht mich unglaublich stolz und glücklich. Und ja, es war wirklich eine ganz besondere Rolle und ein ganz besonderes Stück, was ich immer im Herzen tragen werden. Ich habe mich auf jede einzelne Vorstellung gefreut wie ein kleines Kind und habe jede Sekunde genossen.
OF: In den Vorstellungen standest du quasi die ganze Zeit auf der Bühne, dazu die schnellen Wechsel zwischen den Personen Daniel Hillard und Mrs. Doubtfire. Wie bringt man Abend für Abend eine solche Powerleistung auf die Bühne?
TH: Durch gute Vorbereitung und viel Konzentration. Viel Vorarbeit dazu ist in den Proben passiert. Ich hatte noch nie ein Stück so detailliert und intensiv gearbeitet wie dieses. Nur dadurch war es überhaupt möglich, so abstrus viele Farben, Themen, Pointen und Vorgänge zu spielen und auch nur dadurch war es möglich, trotzdem offen und flexibel zu bleiben für kleine Freiheiten oder unvorhergesehene „Hoppalas“, wie sie natürlich bei so einer Nummer wie der Loopstation oder den vielen Umzügen auf der Bühne nicht ausbleiben. Ich war vor den Vorstellungen tatsächlich sehr konzentriert und habe tagsüber viel Ruhe gebraucht, um mich zu sammeln und Energie zu tanken. Viel Schlafen, Essen und Wasser trinken (lacht) – klingt simpel, muss man nur auch tun.
OF: Einen großen Rückhalt gibt einem in deinem Beruf sicherlich auch die Familie. Auch deine Ehefrau ist eine erfolgreiche Musicaldarstellerin, da ist das Timing sicherlich besonders herausfordernd, dass neben den verschiedenen Engagements noch genug Zeit für die Familie und die Tochter bleibt?
TH: Ja, das ist ein großes Glück und gleichzeitig eine große Herausforderung. Die größte Herausforderung ist die Logistik, zu planen wann wir wo sind und wie wir wohin fahren. Wir haben unglaublich viel Unterstützung innerhalb der Familie. Ohne das könnten wir gar nicht so frei arbeiten. Das ist ein Geschenk! Trotzdem haben wir auch immer ein Auge darauf, dass unsere Tochter eben nur so viel reist wie nötig und dass immer genug Zeit und Aufmerksamkeit da ist. Das hat bis jetzt gut geklappt. Und gerade deshalb ist es umso schöner, dass ich auch Engagement in Heimatnähe machen kann.
OF: Werfen wir noch einen kleinen Blick in die Zukunft, im April bist du mit Hello! Again? erneut im Metronom Theater zu Gast. Das Musical mit den großen Hits von Howard Carpendale feierte seine Uraufführung ja im November 2024 an der Musikalischen Komödie Leipzig, wo du auch schon Teil der Cast warst. Soweit ich weiß, war dieses Stück von Beginn an so angelegt, später auf Tour gehen zu können. Das Konzept der „Tryouts“, ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ja leider eher unüblich. Aber liegt nicht gerade hier noch ein enormes Potential für den Musicalmarkt in Deutschland?
TH: Jede Produktion und Uraufführung wünscht sich ein langes Leben, würde ich mal so sagen. Natürlich war von Seite der Autoren immer der Wunsch da, etwas zu schaffen, das bleibt und viele Menschen erreicht. Und die Idee einer Tournee stand früh im Raum, auch schon als ich zu der Produktion dazu gestoßen bin. Aber ich habe es weder so wahrgenommen, dass die Leipziger Uraufführung ein Tryout war, noch gab es konkrete Tour- oder Produktionspläne vor der Premiere. Es war tatsächlich das Feedback und das tolle Ergebnis der Show, wie sie geworden ist, die dazu geführt haben, das Stück auch auf Tour weiterzuspielen.
OF: Es gibt inzwischen auch an vielen Stadt- und Staatstheatern große Musicals mit renommierten Darstellern und Darstellerinnen, die wenn man Glück hat sogar von zwei Theatern zusammen produziert werden. Oft ist es nämlich sehr schade, dass eine tolle Produktion nach vergleichsweise wenigen Vorstellungen anschließend nirgends mehr zu sehen ist. Gleichzeitig wird es für große Longrun-Produktionen zunehmend schwerer die notwendigen Zuschauermengen z. B. nach Hamburg oder Stuttgart zu locken. Wie siehst du die ganze Situation rund ums Thema Musical in Deutschland?
TH: Ich sehe sehr viel Positives in der Entwicklung des Musicals in Deutschland. Dass Musical immer mehr und deutlicher die vierte Sparte an Repertoiretheatern wird, ist beispielsweise kaum noch zu übersehen. Die Deutsche Musical Akademie macht zudem auch ganz tolle Branchenarbeit. Der Zuschauerstrom zu den großen Longruns ist ein Thema für sich, teilweise sicher ein marktwirtschaftliches. Hier ändert sich vor allem viel Strukturelles, indem seit Jahren mehr Tour-Produktionen und nun auch neue große Firmen dazu kommen. Da gibt es viel, zu dem ich nichts sagen kann. Was ich aber beurteilen kann ist, dass die Produktionen, bei denen wir großes Augenmerk auf Qualität und Handwerk legen, wo gute Leute in allen Gewerken ihr Bestes geben, immer ein großartiges Zuschauererlebnis bewirken. Immer! Und das macht mich froh, das gibt mir viel zurück. Und darum geht es ja am Ende: Dem Zuschauer eine Geschichte zu erzählen oder ein Erlebnis zu bieten.
OF: Zwei kurze Fragen zum Abschluss: Du hast in deiner Karriere inzwischen mehr als dreißig große Rollen besetzen dürfen. Gibt es noch eine Rolle, die du in der Zukunft unbedingt mal spielen möchtest und welches Stück ist eigentlich dein ganz persönliches Lieblingsmusical?
TH: Wirklich? Über dreißig? Endlich hat das mal jemand gezählt (lacht). Ich habe längst den Überblick verloren. Ich habe tatsächlich gar kein Lieblingsmusical und auch keine bestimmte Lieblingsrolle. Dafür gibt es zu viele tolle Stücke, um mich festzulegen. Ich hätte im Vorfeld nie gesagt, dass Mrs. Doubtfire eine Traumrolle wäre und es ist das Beste, was mir passiert ist. Insofern bleibe ich offen und hungrig für alles, was noch kommt.
OF: Thomas, danke dass du dir die Zeit für dieses Interview mit dem Opernfreund genommen hast und toi toi toi für die Premiere der Päpstin in Oberhausen und alles was danach noch kommen mag.
Die Päpstin
Musical von Dennis Martin, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Donna W. Cross um die Legende der Päpstin, präsentiert durch Limelight Live Entertainment GmbH und spotlight musicals
Metronom Theater, Oberhausen: 22. Oktober bis 14. November 2026 (Premiere: 23. Oktober 2026)
Deutsches Theater München: 16. bis 27. Dezember 2026 (Premiere: 17. Dezember 2026)
Weitere Informationen: https://limelight-live.de/veranstaltungen/die-paepstin/show