Sønderborg, Konzert: „9. Sinfonie“, Ludwig van Beethovens

Das gestrige Konzert, das exakt 102 Jahre nach der Uraufführung im Alsion Konzertsaal in Sonderburg stattfand, setzte auf Klarheit, Struktur und musikalische Spannung.

Unter der Leitung von Paolo Carignani präsentierte das Sønderjyllands Symfoniorkester eine Interpretation, die den großen Bogen nie aus dem Blick verlor. Carignani dirigierte mit kontrollierter Präzision, ohne in akademische Trockenheit zu verfallen.

Gerade im ersten Satz beeindruckte die Konsequenz, mit der Spannungen aufgebaut wurden. Die eruptiven Ausbrüche wirkten nie plakativ, sondern organisch entwickelt. Das Orchester spielte mit großer Konzentration, wobei besonders die Streicher durch Geschlossenheit und Klangkultur überzeugten. Die Bläser setzten markante Akzente, ohne den Gesamtklang zu dominieren. 

Im Scherzo entwickelte sich ein energischer, beinahe unerbittlicher Puls, den Carignani mit klaren Gesten vorantrieb. Der langsame Satz geriet dagegen erfreulich unsentimental. Statt romantischer Überzuckerung entstand eine stille, beinahe ernste Schönheit, die insbesondere durch ihre Zurückhaltung wirkte.

Im Finalsatz zeigte sich die eigentliche Herausforderung dieser Sinfonie: die Balance zwischen symphonischer Monumentalität und menschlicher Direktheit. Was mir zu Beginn etwas zu hastig erschien, geriet gegen Ende zu einem mitreißenden, Rockkonzert-ähnlichen Finale. Der Symphonische Chor Hamburg und der Flensburger Bach Chor bildeten gemeinsam einen stimmgewaltigen, zugleich erstaunlich differenzierten Klangkörper. Die Chorpassagen überzeugten nicht nur durch Volumen, sondern auch dynamische Abstufungen.

Das Solistenquartett fügte sich überzeugend in das Gesamtbild ein. Peter Lodahl setzte mit klar fokussierter Stimme markante Akzente und bewies, dass heldentenoraler Aplomb und ein schönes Timbre keinen Widerspruch darstellen müssen. Daniel Ochoa stand seinem Kollegen mit seinem prächtigen Bariton in nichts nach. Clara Thomsen bestach mit ihrem klaren und durchdringenden Sopran und die Altistin Henriette Gödde begeisterte durch ihren warmen und umschmeichelnden Alt. Ein medizinischer Notfall im Publikum lenkte meine Konzentration zwischenzeitlich auf sich, aber die Solisten, die die Unruhe im Saal bemerkt haben, wirkten trotzdem weiterhin fokussiert.

Foto vom Kritiker

Das Publikum im nahezu ausverkauften Alsion bedankte sich mit langanhaltendem Beifall für dieses rundum beglückende Konzertereignis. 

Marc Rohde 9. Mai 2026


9. Sinfonie
Ludwig van Beethovens
Sønderborg, Alsion Konzertsaal

7.Mai 2026

Symphonischer Chor Hamburg/Flensburger Bach Chor 
Dirigat: Paolo Carignani
Sønderjyllands Symfoniorkester