Wieder viel Rares und Neues zum Intendantenjubiläum
Zum 25jährigen Jubiläum seiner Intendanz legt Bernd Loebe einen Spielplan vor, wie er loebe-typischer nicht sein könnte: im Schnitt eine Neuproduktion pro Monat (insgesamt elf), darunter Randwerke zentraler Komponisten (Mazeppa von Tschaikowsky, Zaide von Mozart, Ottone und Flavio von Händel), Raritäten weniger zentraler Komponisten (Le Roi Arthus von Chausson, La fiamma von Respighi, The Greek Passion von Martinů), gleich zwei Uraufführungen von Auftragswerken (die Jugendoper Skaterherz von Sebastian Schwab und Battaglia – Die Frauen von Palermo von Lucia Ronchetti) und nur zwei Werke des gängigen Repertoires (Verdis Un ballo in maschera und Prokofjews Liebe zu den drei Orangen – falls man letztere überhaupt zu den gängigeren Werken zählen möchte).

Die Besetzungen kommen nun gänzlich ohne glamouröse Gaststars aus (zuletzt hatte man immerhin Joseph Calleja für einige Vorstellungen der Carmen aufgeboten). Soweit überregional bekannte Sänger auf den Besetzungslisten auftauchen, sind sie Mitglieder des hauseigenen Ensembles oder sind diesem entwachsen. Die wenigen Gäste werden überwiegend seit Jahren in Frankfurt engagiert.
Auch unter den Gastdirigenten sieht man meist alte Bekannte. Als Spezialisten für Alte Musik kehren etwa George Petrou mit Zaide und Václav Luks mit Ottone zurück. Nur ein Name sticht heraus: Patrick Hahn übernimmt mit Die Liebe zu den drei Orangen erstmals eine Premiere in Frankfurt. Der junge Dirigent, Jahrgang 1995, ist noch zwei Jahre jünger als der Frankfurter Generalmusikdirektor, aber wird für Gastauftritte an großen Opernhäusern und bei bedeutenden Orchestern beinahe ebenso heiß gehandelt.
Natürlich steht auch in der kommenden Spielzeit Thomas Guggeis im Mittelpunkt. Seine erste Premiere wird Le Roi Arthus von Ernest Chausson im November sein, dann Un ballo in maschera im Dezember und schließlich The Greek Passion ab Ende April. Auch einige Dirigate bei der Wiederaufnahme von Hänsel und Gretel sind vorgesehen.

Der Ring des Nibelungen unter Guggeis
Den heimlichen Saisonhöhepunkt wird jedoch die lange erwartete Wiederaufnahme des Rings im zweiten Quartal 2027 markieren. Jeweils fünf Vorstellungen von Rheingold und Walküre sind unter der Leitung des Frankfurter GMD angesetzt. In der übernächsten Spielzeit sollen dann vollständige Ring-Zyklen herauskommen. Der letzte Wiederaufnahmeversuch geriet wegen der Corona-Pandemie ins Stocken und mußte abgebrochen werden. Nun startet der Ring mit nahezu vollständig ausgewechselter Besetzung neu. Geblieben ist lediglich Claudia Mahnke mit ihrer bewährten Fricka, die sie zuletzt etwa auch an der Staatsoper Berlin unter Christian Thielemann gegeben hat. Daß Nicholas Brownlee in seiner ersten Spielzeit nach dem Ausscheiden aus dem Ensemble als Wotan an sein Stammhaus zurückkehrt, ist eine gute Nachricht. Er wird diese fordernde Partie dann parallel in München und Frankfurt singen. Ansonsten setzt Intendant Loebe auch im Ring fast vollständig auf Stammkräfte und wenige bewährte Gäste. Andreas Bauer Kanabas als Hunding zu besetzen erscheint dabei ebenso naheliegend wie das Debüt der wunderbaren Magdalena Hinterdobler als Sieglinde. Bemerkenswert ist das Debüt von Magnus Dietrich in der Partie des Loge. Diese Besetzung folgt einem neueren Trend, den Feuergott nicht mit einem Charaktertenor zu besetzen, sondern mit lyrischen bis jugendlich-heldischen Stimmen. Eine Repertoire-Erweiterung wird auch für Theo Lebow der Einsatz als Froh sein. Weniger glücklich kann man mit der Besetzung des Siegmund sein, den Marco Jentzsch als einer der wenigen Gäste geben soll. Auf seiner Homepage gibt er einige Kostproben zu dieser Partie, auch die berühmten Wälse-Rufe, die nicht überzeugen können. Mit Spannung erwarten darf man aber den Einsatz von Aile Asszonyi als Brünnhilde, die für diese Partie im Saarbrücker Ring von Publikum und Presse gefeiert wurde.
14 Wiederaufnahmen
Auch eine weitere Wagner-Wiederaufnahme ist sehnsüchtig erwartet worden: Tannhäuser kommt zum ersten Mal wieder, und zwar hinsichtlich der Hauptpartien in der unveränderten Premierenbesetzung. Hier nun darf man sich auf den Einsatz des gerade eben noch geschmähten Marco Jentzsch in der Titelpartie freuen, denn er wirkte im Premierenzyklus optimal gecastet und verlieh dem ungewöhnlichen und gewagten Regieansatz von Matthew Wild mit seinem darstellerischen Können die erforderliche Glaubhaftigkeit. Darüber hinaus gibt es wieder die jugendlich-strahlende Elisabeth von Christina Nilsson, den sonoren Landgrafen von Andreas Bauer Kanabas und Domen Križajs balsamischen Wolfram.
Die Regiehandschrift von Matthew Wild wird in der neuen Spielzeit prominent vertreten sein, außer mit dem Tannhäuser auch zur Saisoneröffnung mit Mazeppa (einer Übernahme aus Loebes Zeit als Intendant der Festspiele Erl) und mit The Greek Passion.
Unter den 14 Wiederaufnahmen möchte man einem aufgeschlossenen Publikum ganz besonders Warten auf heute ans Herz legen, eine Produktion, in der es Regisseur David Hermann und Bühnenbildner Jo Schramm gelungen ist, für eine Kurzoper Arnold Schönbergs und sein Monodram Erwartung zusammen mit den Sechs Monologen aus „Jedermann“ von Frank Martin ein sehenswertes Pasticcio zusammenzustellen. Das Team Hermann/Schramm ist übrigens auch für die Neuproduktion von Mozarts Torso Zaide verantwortlich, den der Regisseur mit Nummern aus Mozarts Schauspielmusik für Thamos kombinieren will.
Den in der laufenden Spielzeit herausgekommenen oder noch herauszubringenden Produktionen von Così fan tutte, Turandot und Tancredi traut man auch in der kommenden Saison Anziehungskraft auf das Publikum zu. Neben Hänsel und Gretel wird mit der Nacht vor Weihnachten eine weitere familientaugliche Erfolgsproduktion in der Adventszeit wiederaufgenommen. Barrie Koskys Geniestreich Salome erscheint zum ersten Mal ohne Ambur Braid in der Titelpartie, der die Inszenierung auf den Leib geschneidert wurde. Die verfügbaren Videos mit Gesangsproben der Neubesetzung Inna Kločko sind musikalisch vielversprechend. Der heiter-gewitzte Postillon de Lonjumeau in der wunderbaren Ausstattung von Kaspar Glarner gibt Freunden „klassischer“ Inszenierungen wieder Gelegenheit, sich von all den weißen Wänden und Straßenanzügen anderer Produktionen zu erholen.
Da wir kürzlich gelernt haben, daß „starke Frauen“ eine Alibi-Redewendung alter, weißer Männer ist, schreiben wir hier nicht, die zweite Hälfte der Saison stelle jedenfalls bei den Wiederaufnahmen mit Alcina, Aida und Dialogues des Carmélites „starke Frauen“ in den Mittelpunkt (von der Walküre ganz zu schweigen).
Ensembleentwicklung
Spannend wird es sein, der Entwicklung herausragender Sänger des Ensembles zuzuhören. Neben den genannten Debüts im Rheingold und der Walküre darf man besonders gespannt sein auf die Aida von Nombulelo Yende, die auch die Saison als Maria in Mazeppa mit einer weiteren Hauptpartie eröffnen wird.
Mit Einsätzen in beiden Händel-Neuproduktionen und der Hauptpartie der Uraufführung Skaterherz ist der Countertenor Iurii Iushkevich, der in dieser Saison ein betörender Engel in Written on Skin war, so etwas wie ein faktisches Ensemble-Mitglied. Schön, daß es der Oper Frankfurt gelungen ist, dieses Ausnahmetalent ans Haus zu binden.
Beim Opernstudiomitglied Jonas Müller hat die Intendanz nach seinem fabelhaften Guglielmo zugegriffen und ihn offiziell in das feste Ensemble aufgenommen. Große Aufgaben warten auf ihn in der kommenden Saison allerdings noch nicht. Das ist zunächst eine Investition in die Zukunft, um sich ein herausragendes Talent zu sichern.
Wie der Aderlaß im Baritonfach zu ersetzen sein wird, zeichnet sich im neuen Spielplan noch nicht ab: Mit Nicholas Brownlee, Domen Križaj und Iain MacNeil verlassen gleich drei starke Stimmen das Ensemble. Aktuell alternieren sie zum Abschied in der Rolle des Macbeth. Die Lücken, die sie hinterlassen, füllen sie vorerst noch selbst: Brownlee kehrt wie erwähnt als Wotan im Ring zurück, Križaj neben dem Wolfram im Tannhäuser auch in der Titelpartie von Roi Arthus, MacNeil immerhin als Amonasro in Aida. Einer von ihnen wäre mit Sicherheit als Renato im neuen Maskenball besetzt worden. Das übernimmt nun Mikołaj Trąbka, der zudem noch als Donner im Rheingold debütiert.
Unterstützung aus der Stadtpolitik

Eine wichtiges Detail aus der Spielzeitpressekonferenz muß hier abschließend noch erwähnt werden: Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef nahm persönlich an der Präsentation teil, ehrte den Intendanten für sein 25jähriges Jubiläum und wurde bemerkenswert konkret im Hinblick auf die künftige finanzielle Unterstützung des Opernhauses. Er versprach laut Zeitungsberichten, sich für ein Ende des jährlichen Gerangels um die Finanzierung einzusetzen und stellte längerfristige Planungssicherheit in Aussicht. Dies wolle er sogar zur Bedingung seiner Partei, der SPD, für einen möglichen Koalitionsvertrag machen. Seit Petra Roth hatte die Oper Frankfurt keine derart starke Unterstützung mehr in der Stadtregierung.
Michael Demel, 3. Mai 2026
Premieren
Peter I. Tschaikowski: Mazeppa (Frankfurter Erstaufführung)
Sonntag, 13. September 2026
Musikalische Leitung: Karsten Januschke
Inszenierung: Matthew Wild
Wolfgang Amadeus Mozart: Zaide
Mittwoch, 30. September 2026 (Bockenheimer Depot)
Musikalische Leitung: George Petrou
Inszenierung: David Hermann
Georg Friedrich Händel: Ottone
Sonntag, 11. Oktober 2026
Musikalische Leitung: Václav Luks
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Ernest Chausson: Le roi Arthus (Frankfurter Erstaufführung)
Sonntag, 8. November 2026
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Manuel Schmitt
Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera
Sonntag, 6. Dezember 2026
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis / Simone Di Felice
Inszenierung: Andrea Breth
Georg Friedrich Händel: Flavio (Frankfurter Erstaufführung)
Samstag, 19. Dezember 2026 (Bockenheimer Depot)
Musikalische Leitung: Karsten Januschke
Inszenierung: Tilmann Köhler
Sergei S. Prokofjew: Die Liebe zu den drei Orangen
Sonntag, 14. Februar 2027
Musikalische Leitung: Patrick Hahn
Inszenierung: Damiano Michieletto
Sebastian Schwab: Skaterherz (Uraufführung)
Samstag, 20. Februar 2027 (Bockenheimer Depot)
Musikalische Leitung: Lukas Rommelspacher
Inszenierung: Max Koch
Ottorino Respighi: La fiamma (Frankfurter Erstaufführung)
Sonntag, 14. März 2027
Musikalische Leitung: Francesco Lanzillotta / Simone Di Felice
Inszenierung: Hans Walter Richter
Bohuslav Martinů: The Greek Passion (Frankfurter Erstaufführung)
Sonntag, 25. April 2027
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Matthew Wild
Lucia Ronchetti: Battaglia – Die Frauen von Palermo (Uraufführung)
Sonntag, 6. Juni 2027
Musikalische Leitung: Michael Wendeberg
Inszenierung: Claus Guth
Wiederaufnahmen
Giacomo Puccini: Turandot
Samstag, 22. August 2026
Musikalische Leitung: Simone Di Felice
Inszenierung: Andrea Breth
Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte
Sonntag, 23. August 2026
Musikalische Leitung: Takeshi Moriuchi / Alden Gatt
Inszenierung: Mariame Clément
Arnold Schönberg / Frank Martin: Warten auf heute
Samstag, 19. September 2026
Musikalische Leitung: Tim Anderson
Inszenierung: David Hermann
Gioachino Rossini: Tancredi
Freitag, 16. Oktober 2026
Musikalische Leitung: Giuliano Carella
Inszenierung: Manuel Schmitt
Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel
Freitag, 13. November 2026
Musikalische Leitung: Alden Gatt / Thomas Guggeis
Inszenierung: Keith Warner
Nikolai A. Rimski-Korsakow: Die Nacht vor Weihnachten
Freitag, 11. Dezember 2026
Musikalische Leitung: Takeshi Moriuchi
Inszenierung: Christof Loy
Richard Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg
Sonntag, 17. Januar 2027
Musikalische Leitung: Jonathan Darlington
Inszenierung: Matthew Wild
Richard Strauss: Salome
Samstag, 23. Januar 2027
Musikalische Leitung: Lothar Koenigs
Inszenierung: Barrie Kosky
Georg Friedrich Händel: Alcina
Samstag, 20. Februar 2027
Musikalische Leitung: Julia Jones
Inszenierung: Johannes Erath
Richard Wagner: Die Walküre
Freitag, 26. März 2027
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Vera Nemirova
Richard Wagner: Das Rheingold
Sonntag, 4. April 2027
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Vera Nemirova
Adolphe Adam: Le postillon de Lonjumeau
Freitag, 7. Mai 2027
Musikalische Leitung: Benjamin Reiners
Inszenierung: Hans Walter Richter
Giuseppe Verdi: Aida
Samstag, 15. Mai 2027
Musikalische Leitung: Pier Giorgio Morandi
Inszenierung: Lydia Steier
Francis Poulenc: Dialogues des Carmélites
Sonntag, 13. Juni 2027
Musikalische Leitung: Giedrė Šlekytė
Inszenierung: Claus Guth
Liederabende auf der großen Bühne
Louise Alder, Sopran / Mauro Peter, Tenor
Dienstag, 8. September 2026
Kelsey Lauritano, Mezzosopran
Dienstag, 3. November 2026
Kristina Mkhitaryan Sopran
Dienstag, 15. Dezember 2026
Johannes Martin Kränzle, Bariton
Dienstag, 12. Januar 2027
Ismael Jordi, Tenor
Dienstag, 9. März 2027
Xabier Anduaga, Tenor
Dienstag, 20. April 2027
Christina Nilsson, Sopran
Dienstag, 18. Mai 2027
Huw Montague Rendall, Bariton
Dienstag, 1. Juni 2027