DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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DER WILDSCHÜTZ

Aufführung 28.2.2016

Vier Irrtümer und eine Überraschung

TRAILER

 

Erster Irrtum: ich dachte, Lortzing werde heute überhaupt nicht mehr aufgeführt, weil er den modernistischen Regisseuren zu bieder erscheint. Was er, zweiter Irrtum, überhaupt nicht ist, da seine gewagten Bosheiten gegen Adel oder Obrigkeit halt wegen der damals allmächtigen Zensur eben nur sehr versteckt erscheinen durften und auch so noch sehr mutig waren. Das aber wissen historisch Unbedarfte meistens nicht und verkennen ihn, dritter Irrtum, als bieder verstaubt. Den vierten Irrtum beging ich, weil ich angesichts des unattraktiven Äußeren der Musikalischen Komödie in Leipzig glaubte, nicht viel erwarten zu dürfen.

Und dann kam die große Überraschung: eine Spitzenaufführung in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Da war zunächst mal die Regie von Volker Vogel: durchwegs beweglich und ironisch frech, mit herrlicher Charakterisierungskunst. Er ging auch nicht wie viele unbedarfte Kollegen in die dumme Falle, alles in die Gegenwart zu verlegen. Denn solche Typen und Zustände (Adel!) gibt’s ja Gott sei Dank heute nicht mehr. Aber nur so gelang es auch, die Unsitten des Adels vorzuführen. Und dann das wunderschöne Bühnenbild von Alexander Mudlak: Poetisch aber auch ein klein wenig zu übertrieben romantisch.

Die Sänger waren alle auch hervorragende Schauspieler und gaben absichtlich eine kleine Prise „Zuviel“, was die Komik steigerte. Obwohl Milko Milev als Baculus natürlich von der Rolle her herrlich abräumen konnte, gefiel mir doch Mirjam Neururer in der halben Hosenrolle (Persiflage auf Mozarts Figaro) der Baronin stimmlich und darstellerisch am besten. Die wunderbare Parodie auf die in ihrer Griechenlandschwärmerei total überdrehte Gräfin brachte Carolin Masur mit prächtigem Understatement.

Den verkrampften Baron sang Radoslaw Rydlewski, in der Höhe zwar nicht immer ganz frei, aber ebenso überzeugend gestaltet wie der Graf von Julian Orlishausen als Gast, der allerdings auch noch mit herrlichem Höhenstrahl sang. Tobias Engeli leitete das inspiriert aufspielende Orchester spritzig und feurig und, was man auch an Staatsopern nicht immer erlebt: es gab nicht den kleinsten „Patzer“. So ging man voll Freude, begeistert, „erbaut“ und glücklich nach Hause.

In den Augen modernistischer Regisseure gleich vier Todsünden auf einmal: soll doch das Publikum durch eine wirklich zeitgemäße Inszenierung, ich zitiere: „aufgerüttelt, belehrt, erzogen und verunsichert“ werden oder, wie ein Münchner Intendant mal sagte: “Wenn nicht gebuht wird, haben wir was falsch gemacht!“ In Leipzig haben sie demnach viel „falsch“ gemacht, denn das Publikum jubelte lange und ausführlich.

Peter Klier 3.3.16

Bilder (c) Oper Leipzig

 

 

DER WAFFENSCHMIED

weiß in Leipzig leicht und locker aufzutreten

Die Wiederaufnahme in der musikalischen Komödie ist einfach nur „reine Unterhaltung“ – und was will man mehr...

besuchte Aufführung: Wiederaufnahmepremiere am 24. Mai 2014

Man hat sich in der musikalischen Komödie Leipzig einen Gefallen getan und nach drei Jahren Pause wurde „Der Waffenschmied“ wieder im Spielplan aufgenommen. Bei der ersten Vorstellung am 24. Mai saß ich voller Erwartung im Zuschauerraum und freute mich auf einen unbeschwerten heiteren Abend. Und genau dies wurde es, ein unbeschwerter Abend, der nur einen Zweck verfolgte, das Publikum zu unterhalten. Ja und nach den unzähligen, fürchterlichen Aufführungen in der ganzen Welt, wo überforderte, von der Musik keinerlei Ahnung habende Regisseure versuchen sich selbst zu verwirklichen, ohne auf das Publikum und ohne auf das Stück einzugehen, und die eigenartigerweise auch noch vielfach gefeiert werden, anstatt man sie schnellstens zu einem Psychiater schickt, war es erfrischend, eine herrlich konventionelle Aufführung des Waffenschmiedes mitzuerleben. Eine klare, gradlinige Inszenierung, bei der man wusste, um was es ging von Stefan Petraschewsky. Die Zeit des Biedermeier wird plastisch aufgezeigt, die Rollenzuweisungen, die festen gesellschaftlichen Regeln, die es in dieser Zeit der Restauration gab. Ein klares, buntes und ansprechendes Bühnenbild von Paul Zoller,  welches immer in Bewegung ist, mit erfrischend leuchtenden, einfach schön anzusehenden Kostümen von Annette Braun, die es verstanden hat die Biedermeierzeit mit den damals üblichen Handerabeiten zu mischen und so eine eigene Kostümschöpfung zu erstellen, die alles etwas überzeichnet, dadurch aber besonders eindrucksvoll wirkt. Ein toll agierender Chor, der von Mathias Drechsler auf den Punkt einstudiert wurde und eine musikalische Gesamtleitung von Peter Sommerer, der die wunderschöne Musik Lortzings aufblühen lies, sein Orchester mit straffer, fordernder Hand führte, es aber auch zurücknahm, um den Sängern den notwendigen Raum zu geben, um zu brillieren. Ein Abend zum genießen. Und was kann man eigentlich Schöneres über eine musikalische Aufführung sagen. Und wie singt der Waffenschmied: „Es war eine köstliche Zeit“.

Soll man die Handlung groß erzählen. Sie dürfte im Großen und Ganzen bekannt sein. Der Waffenschmied Hans Stadinger lädt zum Fest. Seine Gesellen sind Konrad und Georg, wobei Konrad der Graf von Liebenau ist, der sich in Marie die Tochter Stadtingers verliebt hat. Deshalb hat er mit seinem Knappen Georg bei ihm angeheuert. Als Ritter weiß er, dass er bei Marie keine Chance hat, da der Vater alle Ritter hasst, ist doch einst seine Frau mit einem solchen durchgebrannt. Konrad will nun in seiner Doppelrolle als Geselle und Graf die Treue Maries auf die Probe stellen. Er geht davon aus, dass Marie treu ist, wenn sie nur den Gesellen liebt, sollte sie auch den Ritter lieben, wäre sie seiner Meinung nach untreu. Marie besteht den Treuetest, doch Konrad fühlt sich als Ritter gedemütigt. Der Waffenschmied, bei dem unsicher ist, ob er überhaupt Mariens Vater ist, überlegt, ob nicht Georg Marie heiraten solle, denn er versteht etwas vom Handwerk und kann später sein Geschäft übernehmen. Irmentraut, die Erzieherin Maries, berichtet entsetzt, dass Marie vom Ritter entführt, von Konrad jedoch gerettet worden sei. Deshalb sei man ihm zu Dank verpflichtet und solle ihm Marie zur Frau geben. Stadinger will davon nichts wissen, denn er hat Georg als Mann im Sinn. Der Rat der Stadt verlangt nun von Stadinger, dass er Marie Konrad zur Frau geben solle und Stadinger gibt sich zähneknirschend geschlagen. Konrad und Marie werden vermählt. Zum Empfang des Grafen erkling ein pompöser Marsch und Stadinger, aber auch seine Tochter Marie wollen ihren Augen nicht trauen, als sie im Grafen den Gesellen Konrad erkennen. Soweit im Schnellverfahren der Inhalt. Doch nun zu den Sängern und hier kann man durchweg nur Positives vermelden.

Als Hans Stadinger, Waffenschmied und Tierarzt kann Michael Raschle brillieren. Der gepflegte Bass-Bariton hat eine klangvolle, durchschlagskräftige Stimme, die er entsprechend einsetzt. Auch vom Schauspielerischen her kann er effektvoll brillieren, insgesamt gesehen eine mehr als rollenfüllende Leistung. Neben ihm Nora Lentner als seine Tochter Marie. Sie verzaubert mit girrendem, klaren, höhensicheren Sopran, der auch zart zu vielen Facetten fähig ist. Sie war nicht nur reizend anzuhören, sondern auch anzusehen. Besonders erfreut hat mich natürlich, mit ihr eine ehemalige Stipendiatin der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft wieder zu hören, deren Pressereferent ich ja seit einigen Jahren bin. Rundherum eine exzellente Leistung und ich habe noch nicht so oft ein so schönes „Wir armen armen Mädchen“ gehört, wie von Nora Lentner. Ich bin überzeugt, dass sie noch einen großen Weg vor sich hat. Als Ritter Graf von Liebenau aka Geselle Konrad war mit profundem Bariton Kostadin Arguirov zu hören. Er fügte sich sicher in das Ensemble ein, ebenso wie der junge Tenor Jeffery Krueger als sein Knappe Georg. Sicherlich noch ausbaufähig ließ er mit klarem sicheren Tenor aufhorchen und wurde ebenso zu einem Teil des ausgezeichneten Ensembles. Carolin Masur als Irmentraut, Maries Erzieherin konnte mit vollem kräftigen Mezzosopran, der auch zu leisen zarten Tönen fähig war, ebenfalls voll überzeugen. In den weiteren Rollen gab es keinerlei Ausfall und so war Milko Milev als Ritter Adelhof aus Schwaben ebenso ein positiver Teil der Aufführung wie Andreas Rainer als Gastwirt Brenner und Stadingers Schwager. Zu erwähnen seine auch noch Peter Waelsch als Schmiedegeselle und Tobias Latte als Pfarrer. Es war wieder einmal eine Aufführung, aus der man mit fröhlichem Gesicht und „Wir armen armen Mädchen“ pfeifend oder singend herausging. Und das ist das, warum wir diese Spezies der Musik so lieben, sie macht uns das Leben auf jeden Fall etwas schöner – und was will man eigentlich noch mehr.

Manfred Drescher, 21.6.14                                           Bilder von Andreas Birkigt

 

 

 

FRAU LUNA

wird zum Abschied einer beliebten Künstlerin

Letzte Inszenierung mit Ruth Ingeborg Ohlmann

in der Musikalischen Komödie Leipzig

22.7.13

Jedes Jahr fahre ich nach Leipzig und besuche die Oper und natürlich auch die „Musikalische Komödie (MuKo). Sie ist neben der Staatsoperette Dresden das einzige Haus in Deutschland, welches überwiegend Operette spielt. Ja, ja, ich weiß, die Staatsoperette Dresden ist eigenständige und die „Musikalische Komödie“ wenn man so will, ein Anhängsel der Oper Leipzig. Mir ist das egal, ich besuche beide Häuser gerne und mir gefallen auch beide Häuser und für mich sind es beides eigenständige Bühnen, die der leichten, aber manchmal so schwer zu bewältigenden Muse frönen. Lange Zeit war die Zukunft der MuKo offen, die Parole, dass man sie bald schließen werde, ging um und sie tat das, was am meisten beeindruckt, sie spielte vor immer vollerem Haus. Und so wie es momentan ausschaut, wird sie weiterbestehen – und wir alle, die wir die Musik lieben, freuen uns mit ihr.

„Frau Luna“ war die Abschiedsoperette von Ruth Ingeborg Ohlmann, die von 1998 bis 2000 und von 2008 bis 2013 in Leipzig engagiert war (von 2000 bis 2007 war sie am Gärtnerplatztheater in München). So viele Jahre haben auch geprägt und man geht mit einem wehmütigen Auge in die Vorstellung, weil man weiß, dass eine der tragenden Säulen der MuKo hier bald nicht mehr auftreten wird (außer vielleicht zu dem ein oder anderen Gastspiel, worauf die Operettengänger in Leipzig natürlich hoffen).

In der 3ten Vorstellung nach der Premiere, die ich besuchte, stand Daniele Squeo am Pult des ausgezeichneten Orchesters. Daniele Squeo war der Gewinner des diesjährigen „Deutschen Operettenpreises für Junge Dirigenten“. Und man merkte, dass er den Preis zu Recht gewonnen hatte. Feurig und engagiert ging er zu Werke, lies das Orchester aufblühen und war ein hervorragender Leiter, der mit straffer Hand führte. Leider fehlt ihm noch ein bisschen – aber das ist am Anfang einer Karriere nur zu verständlich – der Kontakt zu den Sängern. Die Einsätze sind exakt, jedoch lässt er die Wogen des Orchesters etwas über die Sänger hinwegspülen, so dass diese zum Teil große Mühe haben, sich entsprechend zu behaupten und gegen das Orchester durchzusetzen. Dieses Manko, und da bin ich mir sicher, wird jedoch bald behoben sein.  

Die Frau im Mond ist nicht leicht zu inszenieren, Dominik Wilgenbus hat es jedoch geschafft eine stimmige Inszenierung auf die Bretter zu stellen. Stimmig deshalb, weil man alles nachvollziehen konnte. Den Beginn in Berlin, die Fahrt zum Mond und den Aufenthalt auf dem Mond selbst. Gut, manchmal gibt er seinen Pferden etwas zu viel Zucker, manche Dinge werden etwas übertrieben, auch die Mondkostüme sind teilweise gewöhnungsbedürftig, aber das Ganze macht insgesamt gesehen Spaß und ist auch alles nachvollziehbar. Und das ist die Hauptsache bei einer Operette, sie muss Freude verbreiten und den Besucher mit einem Lächeln auf den Lippen das Theater verlassen sehen. Und das gelang hier ohne jede Einschränkung, man hat sich köstlich unterhalten.

Um es gleich vorweg zu nehmen, Ruth Ingeborg Ohlmann war eine ausgezeichnete Frau Luna, und das macht die Tatsache, dass sie das Haus verlässt, umso schmerzlicher. Sie interpretiert die Frau im Mond mit leuchtendem, höhensicheren Sopran, der musikalisch jede Nuance ausfüllt. Da versteht man den Steppke, dass er zumindest darüber nachdenkt, bei Frau Luna zu bleiben. Und dieser Steppke wird gesungen und gespielt von Andreas Rainer. Er ist ein echter Tenorbuffo, wie man ihn heut zu Tage nicht mehr oft antrifft. Mit wendiger und klangschöner Stimme gibt er den Berliner Mechaniker, der sich seinen Traum (auch wenn es ja nur ein Traum ist) erfüllt, einmal auf den Mond zu fliegen. Mirjam Neururer als seine Freundin Marie hat einen durchschlagskräftigen, kräftigen Sopran, beide sind eine tolle Besetzung für das „Liebespaar“. Sabine Töpfer macht aus der Rolle der Mathilde Pusebach ein kleines Kabinettstückchen und die Begegnungen mit ihrem – einmal auf die Erde ausgebüchsten – Theophil von Patrick Rohbeck sind Highlights der Aufführung. Selbst wenn sie manchmal etwas dick auftragen, das Publikum ist begeistert und applaudiert stürmisch und ausdauernd. Fabian Egli als Lämmermeier und Folker Herterich als Steuerberater Pannecke vervollständigen ganz trefflich den Berliner Teil der Operette, Auch von Folker Herterich gilt es Abschied zu nehmen, auch er verlässt die MuKo zum Spielzeitende. Er wird mit seinen Rollen fehlen, denn er versteht es die Charakteren der Rollen bis zum letzten auszuspielen. Angele Mehling als Stella, Frau Lunas Zofe, Jana-Maia Eberhardt als Venus, Kostadin Arguirov als Mars sowie Miranda Caasmann als Mondgroom und Martina Mühlnikel als Mondpolitesse vervollständigen das gut gelaunte Ensemble des Mondes. Enttäuscht war ich diesmal – und zwar zum ersten Mal – von Radoslaw Rydlewski als Prinz Sternschnuppe. Seine wohltönende, bewegliche, schlankgehaltene Stimme kam diesmal überhaupt nicht zum Tragen. Entweder liegt ihm die Rolle nicht (obwohl zwei wirklich tolle Tenorarien dabei sind), oder er hatte einen rabenschwarzen Tag oder aber – und das ist für mich die wahrscheinlichste Lösung - unser junger Preisträgerdirigent, kam mit seinem schönen, aber nicht zu großen Tenor nicht zurecht und überdeckte ihn einfach. Schade, denn ich schätzte Radoslaw Rydlewski, den ich schon in vielen tollen Rollen erleben durfte, sehr.

Der Chor, der Extrachor und das Ballett passten sich der hervorragenden Inszenierung an und verhalfen der „Frau Luna“ zu einer begeistert gefeierten Aufführung. Operette muss einfach Spaß machen und das hat sie heute in der Musikalischen Komödie ohne Zweifel getan.

Manfred Drescher

 

 

 

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