Von den NRW-Opernhäusern besitz das Dortmunder Theater die größte Expertise zu Paul Abraham: 2014 gab es hier Roxy und ihr Wunderteam, 2017 folgte Die Blume von Hawaii. Das 1934 in Wien uraufgeführte Märchen im Grand-Hotel erlebte erst 2017 seine semi-konzertante Wiederaufführung an der Komischen Oper in Berlin und kam 2018 inszeniert auf die Bühne des Mainzer Staatstheaters. Mittlerweile hat das Stück eine ganze Reihe Inszenierungen, aber noch nicht den großen Durchbruch erlebt. Das ist auch in Dortmund der Fall: Die Besucher, die den Weg ins Theater gefunden haben, sind begeistert, von einem ausverkauften Haus ist man aber weit entfernt.Erzählt wird, wie sich Marylou, die Tochter des Filmagenten Makintosh, in einem Luxushotel in Cannes auf die Fährte der Infantin Isabella macht, um aus deren Liebesleben Inspirationen zu einem neuen Spielfilm zu sammeln. Vor zwei Jahren war das Stück erst an der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg zu sehen. In Dortmund ist man überrascht, dass die bekannten Figuren in der Inszenierung von Jörn-Felix Alt jetzt ganz anders angelegt sind. Dem Stück gereicht das aber nicht zum Nachteil

Nina Weiß ist eine frech-sportive Marylou. Tanja Christine Kuhn gibt die Infantin mit jugendlich-leichtem Sopran als schickes Glamourgirl. Ihre Hofdame Inez wird von Johanna Schoppa als mütterlich-resolute Figur gespielt.
Die Männer werden hier nicht als seriöse Verehrer, sondern eher als liebeskranke Trottel gezeigt. Zimmerkellner Albert, der von Matthias Störmer gespielt wird, hat sogar etwas von einem kauzigen Stalker. Prinz Andreas Stephan, der die Infantin heiraten soll, wird von Rob Pelzer als schnöseliger Schleimer verkörpert. Morgan Moody ist in einer Doppelrolle zu erleben. Den Filmagenten Makintosh legt er zu grobschlächtig und ungenau in der Artikulation an. Den Hotelbesitzer Chamoix gibt er hingegen lässig-souverän.
Der Bühnenbildner Alessandre Corazzola bringt ein modern-dekoratives Hotel mit mehreren Räumen auf die Drehbühne. Neben der Eingangshalle und zwei Sälen gibt es auch die Privaträume der Infantin, die auf zwei Etagen über eine Wendeltreppe miteinander verbunden sind.

Paul Abrahams flotte Melodien, die von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Koji Ishizaka mit viel Schwung und Pfiff gespielt werden, erfahren auch eine tänzerisch starke Umsetzung. Regisseur Jörn-Felix Alt hat nämlich auch die Choreografie übernommen. Dafür steht ihm ein bestens aufgelegtes achtköpfiges Tanzensemble zur Verfügung, das rasant über die Bühne wirbelt. Zudem verfügen die Solisten über eine große Musicalerfahrung und tanzen mit vollem Einsatz mit. Die Tänze werden so zu großen Shownummern,
Man kann nur hoffen, dass sich die Ohrwurmqualitäten dieses Stückes und der Schwung der Dortmunder Produktion herumsprechen und diese Aufführung auch noch ein volles Haus erlebt.
Rudolf Hermes 26. März 2026
Märchen im Grand-Hotel
Paul Abraham
Oper Dortmund
Premiere: 24. Januar 2026
Besuchte Vorstellung: 20. März 202
Regie und Choreografie: Jörn-Felix Alt
Musikalische Leitung: Koji Ishizaka
Dortmunder Philharmoniker