OF-Stern für „La Bohème“ von Ruggero Leoncavallo am Teatro Regio di Torino

© Mattia Gaido

Den Welterfolgen von zwei Komponisten, denen jeweils ein One-Hit-Wonder gelungen ist, ein je unbekanntes Werk zur Seite zu stellen und alle vier Opern im Rahmen eines Festivals zu präsentieren, ist eine geniale Idee des Teatro Regio di Torino. Die Umsetzung von Leoncavallos La Bohème am Ort der Uraufführung von Puccinis gleichnamigen Welterfolg zeigt, dass dem aus Kalabrien stammenden Komponisten mehr gelungen ist als bloß sein Bajazzo. Leoncavallos Oper beleuchtet die Geschichte der französischen Künstlerschar in anderem Licht, sein Stilmix reicht von der späten Klassik bis in den Verismo, und die blendend disponierte Sängerriege (allen voran Matteo Lippi) macht diese Ausgrabung hörenswert. Doch erst das leidenschaftliche Dirigat von Andrea Battistoni und die so famose wie bewegende Inszenierung von Francesco Micheli bringen das Werk zu voller Strahlkraft und schaffen ein Gesamtkunstwerk. So zeigt sich, dass die Suche nach packenden Stücken abseits ausgetretener Repertoirepfade immer wieder verborgene Schätze bergen kann.

Jochen Rüth
2. November 2026

Ausführliche Kritik