Bremerhaven: „Die verkaufte Braut“, Bedřich Smetana

Die verkaufte Braut ist die erfolgreichste Oper des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana. Eigentlich spielt sie in einem böhmischen Dorf. Weil aber die Stadt Bremerhaven im nächsten Jahr ihr 200jähriges Gründungsjubiläum feiert, verlegte Regisseur Sebastian Kranner die Handlung nach Bremerhaven. „Wir nehmen das Jubiläum der Stadt auf und ziehen einen historischen Bogen über 200 Jahre“, sagt Kranner. Das ist ein willkürlicher Ansatz und er ging auch nicht auf. Sicherlich waren die Projektionen mit dem Blick auf Wellen und Meer oder den sich ständig ändernden Himmel reizvoll, aber dafür wurde die charmante Atmosphäre eines böhmischen Dorfes geopfert. Stattdessen sah man, wie ein Fisch ausgeschlachtet wurde, wie ein Matrose eine Prostituierte abschleppte oder wie Wenzel am Schluss mit einen Eisbärenkopf erschien. Auch minutenlanges Wellenrauschen war zu hören. Mit der Verkauften Braut hatte das alles aber nicht viel zu tun.

© Heiko Sandelmann

Immerhin wird nicht nur in Böhmen, sondern auch in Bremerhaven viel getrunken, getanzt und gefeiert. Und geliebt natürlich auch. Marie liebt Hans und Hans liebt Marie. Die soll aber Wenzel heiraten, den Sohn des reichen Grundbesitzers Micha. So wollen es ihre Eltern und der Heiratsvermittler Kecal. Hans verzichtet für 300 Gulden auf Marie, aber unter der Bedingung, dass sie nur den Sohn des Micha heiraten darf.  Der kleine Trick dabei: Hans ist der lange verschollen geglaubte Sohn Michas aus erster Ehe…

© Heiko Sandelmann

In der letzten Spielzeit hat Kranner mit viel Witz „Die Csardasfürstin“ in Bremerhaven inszeniert- Das ist ihm diesmal nicht so gut gelungen. Ein älteres Ehepaar ist ständig auf der Bühne. Es sind Hans und Marie. Die Handlung wird als Folge von Erinnerungen Maries abgespult. Das ist nicht besonders originell und bringt eigentlich nichts, außer der Erkenntnis, dass die Ehe offenbar gehalten hat. Die Charakterisierung des schlitzohrigen Heiratsvermittler Kecal ist völlig misslungen. Er ist hier ein Fitnesstrainer mit Megafon und lässt alle, auch die Elternpaare, herumzappeln. Charme und Witz der Figur bleiben dabei auf der Strecke. Immerhin wird der Auftritt der Zirkustruppe dank der fantasievollen Kostüme (Ausstattung Anna Kreinecker) und der Beteiligung einer Luftartistin (Mareike Koch) zum Hingucker. Das Bühnenbild ändert sich mit verschiedenen Ansichten von Wohnzimmer, Küche oder Schlafzimmer häufig.

© Heiko Sandelmann

Davide Perniceni und das Philharmonische Orchester Bremerhaven musizieren mit temperamentvollem Zugriff und Kraft. Die reinen Orchesterstücke wie Polka und Furiant haben Schwung. Allerdings ist der Klang ziemlich kompakt und wird in der Dynamik wenig differenziert. Der Chor (Kristina Pernat Ščančar) singt mit vollem Einsatz.

Im Zentrum der Aufführung steht einmal mehr die unglaublich vielseitige Victoria Kunze. Mit aufblühendem Sopran und einer Gestaltung zwischen Innigkeit und Kratzbürstigkeit gibt sie der Marie anrührendes Profil. Eine Leistung, die einfach nur begeistert. Daneben haben es die andern etwas schwer, auch wenn Alexander Geller mit sicherem, aber etwas unter Druck geführtem Tenor als Hans durchaus überzeugen kann. Timothy Edlin singt den Kecal sehr eindringlich und zuverlässig, doch man hätte sich noch etwas mehr Bassfundament gewünscht. Kellan Dunlap gibt als Wenzel seinen gelungenen Einstand in Bremerhaven. Die Elternpaare werden von Boshana Milkov und Kai Preußker sowie von Yvonne Blunk und Maurice Giancarlo Avitabile verkörpert. Völlig überzogen gibt MacKenzie Gallinger den Zirkusdirektor.

Wolfgang Denker, 26. Oktober 2026


Die verkaufte Braut
Oper von Bedřich Smetana
Stadttheater Bremerhaven

Premiere am 24. Oktober 2026

Inszenierung: Sebastian Kranner
Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Weitere Vorstellungen: 1., 20. November, 12., 18, Dezember 2026, 7. Januar 2027