Freiburg: „Stabat Mater“, Giovanni Battista Pergolesi / „Trisagone“ & „Fratres“, Arvo Pärt

Premiere: 26. September 2020, besuchte Vorstellung: 3. Oktober 2020

„WIE MUSS MAN LEBEN, UM AUS DEM TOD KLUG ZU WERDEN“? (Elias Canetti)

Kurzversion meines Berichts: “Eine berührende, hervorragende Arbeit des Teams unter der Leitung von Fabrice Bollon (Musik) und Andriy Zholdak (Regie). Dazu fällt wieder die hervorragende Arbeit am Text der Dramaturgin Annika Herwig auf“.

Die Textauswahl aus Elias Cannetti’s posthum erschienen Werk ‘DAS BUCH GEGEN DEN TOD’ kann nur als herausragend bezeichnet werden. Der Monolog, auf der Bühne, gesprochen und gespielt von Michael Witte, ist in dieser Art etwas vom Besten was ich in den letzten Jahren gesehen und gehört habe. Wittes Körpersprache, Mimik und Gestik unterstreichen den hervorragend interpretierten Text des Autors. Seine Mitspieler auf der Bühne verstärken den Eindruck seiner Arbeit auf optimale Weise ohne aufdringlich, störend zu wirken. Und hier muss auch die hervorragende Personenführung des Regisseurs Andriy Zholdak erwähnt werden. Seine Regie lässt den ganzen Abend keine Sekunde unnötige Längen zu. Und dies ohne die oft unnötigen, störenden Aktionen auf der Bühne. Seine Spielleitung unterwirft sich, unterstützt die Musik der Komponisten, die Wirkung des Textes von Elias Canetti.

Die Visualisierung von “TRISAGONE“ ‘ von Arvo Pärt, der Abend wurde mit diesem Stück eröffnet, kann nur als genial bezeichnet werden. Begleitet von Pärts Clustern erscheint auf der Bühne ein jugendlicher Engel, dargestellt von Benjamin Gay, und als sein Antagonist Mephisto, gespielt von Michael Witte. Die Regie schafft es, Musik aus dem Graben und das Spiel auf der Bühne als Einheit darzustellen. Dies ist gar nicht so einfach. Pärts Musik ist sehr meditativ und könnte langweilig daherkommen. Die Aktion auf der Bühne muss also und tut dies auf hervorragende Art, diese Meditation zu unterstützen, ohne durch zu hektische Aktivität die Musik zu stören. Dasselbe gilt auf ebenso unaufdringliche, aber eindrückliche Art für “FRATRES“ von Arvo Pärt. Nach dem Monolog wird hier der Monolog schauspielerisch nachgestellt und unterstützt, wird unterstützt, durch die Komposition Pärts. Auch hier brilliert der Schauspieler Michael Witte und seine Mitspieler. (Benjamin Bay und Antonio Denscheilmann)

Das “STABAT MATER“ von Giovanni Battista Pergolesi, das Hauptwerk des Abends, wird gesungen von der Freiburger Sopranistin Katharina Ruckgaber und dem Ensemblemitglied des Theater Freiburg, der Mezzosopranistin Anja Jung. Die Intonation und Diktion der beiden Solistinnen war perfekt, ihre Körpersprache innerhalb der dramatischen Möglichkeiten des Werkes ausgezeichnet. Ihre Arbeit bei der Unterstützung von Fratres darf als sehr gut bezeichnet werden, wenn auch alle Aktionen der Antagonisten von Witte dem Thema entsprechend unspektakulär sind.

Das Philharmonische Orchester Freiburg, geleitet von Fabrice Bollon interpretierte die so unterschiedlichen Kompositionen mit viel Empathie und Gefühl für das Geschehen auf der Bühne und den Text. Eigentlich gibt es über die vorzügliche Produktion des Theater Freiburg noch vielmehr zu berichten, leider greifen Worte zu kurz und sind nicht zielführen. Hingehen, selber sich ein Bild machen ist das einzige was dazu noch zu schreiben ist.

Das Covid-19 Sicherheitskonzept in Freiburg ist hervorragend, einem Besuch steht auch in dieser Hinsicht nichts im Weg.

Peter Heuberger, 4.10.2020

(c) Paul Leclaire