Krefeld, Ballett: „Der Sturm“ / „Ein Sommernachtstraum“

Im Oktober 2022 feierte am Krefelder Theater der neue Ballettabend von Robert North nach William Shakespeare seine Übernahmepremiere, nachdem die Produktion zum Ende der vergangenen Spielzeit schon die Zuschauer in Mönchengladbach erfreute. Getreu dem Shakespeare-Zitat „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ schuf der Ballettdirektor des Gemeinschaftstheaters zwei Adaptionen von „Der Sturm“ und „Ein Sommernachtstraum“, bei dem die Träume im Mittelpunkt stehen und sich Realität und Phantasiewelt miteinander verbinden.

(C) Theater Krefeld

Im ersten Teil des Abends erklingt Musik von Jean Siebelius zu „Der Sturm“ und Suite für Violine und Streichorchester, die von den Niederrheinischen Sinfonikern unter der musikalischen Leitung von Sebastian Engel eindrucksvoll zu Gehör gebracht wird. North konzentriert das Werk hierbei auf einen Künstler, evtl. Shakespeare oder auch Sibelius, der einschläft und in seinem Traum zu Prospero wird. In diesem Traum wird durch den Luftgeist Ariel ein Sturm entfesselt, durch den er mit seiner Tochter Miranda auf einer Insel strandet. In seiner Traumphantasie gesellen sich unter anderem die Meereskönigin, der seltsame Caliban und weitere Inselbewohner und Naturwesen zu ihnen. Tänzerisch überzeugen in den Hauptrollen Marco A. Carlucci als Prospero, Flávia Harada als Miranda und Francesco Rovea als Ariel. Auch die weiteren 10 Rollen sind aus dem Ballettensemble stark besetzt, so dass das lediglich halbstündige Werk schwungvoll und wie im Fluge vergeht. Insgesamt eine durchaus gelungene Adaption als Ballett, bei der allerdings vom ursprünglichen Werke Shakespeares lediglich leichte Anlehnungen bleiben. Schön im übrigen auch das Ende, bei dem der eingeschlafene Künstler allein auf der Bühne verbleibt und das Licht langsam erlischt.

(c) Theater Krefeld

Nach der Pause folgt „Ein Sommernachtstraum“ mit der bekannten Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Musikalisch unterstützt wird das Orchester hierbei durch die  Damen des Opernchores sowie Indre Pelakauskaite und Susanne Seefing als Elfen. Auch dieses Werk wurde für die Ballettumsetzung natürlich stark komprimiert, bleibt aber weitestgehend werkgetreu. In einem Garten (Bühne: Udo Hesse) sorgt der Kobold Puck (Francesco Rovea) für ein großes Durcheinander, nachdem sich hier zuvor Elfenkönig Oberon (Stefano Vangelista) und seine Gattin Titania (Teresa Levrini) in einem Streit entzweit haben. Im Auftrag Oberons besorgt Puck den Neckar einer Liebesblume, mit dem Oberon seine Titania zurückgewinnen will. Doch zwischen Demetrius (Radoslaw Rusiecki), Helena (Flavia Harada), Lysander (Illya Gorobets) und Hermia (Amelia Seth) kommt es durch den Nektar zu romantischen Verwicklungen, die für Erheiterung beim Publikum sorgen. Auch die Verwandlung des Handwerkers Zettel (Duncan Anderson) zu einem Esel, ist ansehnlich tänzerisch umgesetzt und sorgt für viel Anerkennung vom Publikum. Auch wenn in dieser Version am Ende keine große Hochzeit steht, muss das Krefelder Publikum auf den berühmten Hochzeitsmarsch nicht verzichten. Als Applausmusik steht er auch hier am Ende eines unterhaltsamen Theaterabends. Wirklich rund fügt er sich durch die Taktvorgabe zwar nicht ein, zum Mitklatschen lädt dieses Stück Musikgeschichte wirklich nicht ein. Trotzdem verlässt man als Zuschauer auf diese Weise nach rund zwei Stunden gut gelaunt den Theatersaal, nachdem alle Darsteller mit großem Beifall bedacht wurden. Zu sehen ist dieser Ballettabend in Krefeld noch jeweils zu zwei Terminen im Dezember, Januar und Februar.

Markus Lamers, 13.11.2022


Krefeld: „Der Sturm“ / „Ein Sommernachtstraum“

Ballett nach Shakespeare

Choreografie: Robert North