Las Palmas de Gran Canaria: „L’elisir d’amore“, Gaetano Donizetti

Authentischer Donizetti

Im Februar begann die schon 59. Temporada der Amigos Canarios de la Ópera – ACO, immer in Gedenken an den großen Sohn der Stadt Las Palmas, Alfredo Kraus. Man spielt bis Juni fünf Opern in Stagione, vor allem des italienischen und französischen Fachs. Diesmal begann es mit Gaetano Donizettis Elisir d’amore in der Regie des hier oft engagierten Regisseurs Daniele Piscopo. Das Haus war ausverkauft wie auch die nächsten beiden Abende. Die Oper als Kunstform im wunderschönen und vor einige Jahren glanzvoll renovierten Teatro Pérez Galdós ist hier sehr beliebt.

© Nacho González Oramas / ACO

Und es gab diesmal, mit Unterstützung der Anreise von Teneriffa durch Turismo Gran Canaria, in der Tat eine äußerst spritzige, bunte und nahezu perfekt choreografierte Inszenierung von Piscopo mit seinen Kollegen des leading team, dem Kostümbildner Claudio Martín, der Lichtdesignerin Grace Morales und einer Gruppe von vier phantasievollen Maskenbildnern. Daniele Piscopo ist der generellen Ausrichtung der ACO mit einer relativ traditionellen Ästhetik verpflichtet, hat diese „Liebestrank“ aber sehr authentisch und damit überzeugend inszeniert. Man macht sich hier keine Gedanken über das europäische Regietheater, sondern bringt die Oper wie sie in den späten Jahren des letzten Jahrhunderts auch weiter nördlich zu erleben war. Dazu nutzt man die Technik von heue sehr einfühlsam und mit einem gewissen Maß an theatralischer Phantasie. So wirkte auch dieser „Liebestrank“ in seiner Unmittelbarkeit und spielerischen Intensität überzeugend und auch in vollem Einklang mit der Partitur Donizettis.

Sehr stark und kraftvoll gesungen haben Xabier Anduaga als Nemorino und Génesis Moreno als Adina, sie mit ihrem Debut am Haus. Beide hätten sich stimmlich ein bisschen mehr zurücknehmen können. Sie waren allzu sehr spinto, auf Dramatik bedacht. So fehlten ein wenig die Zwischentöne, die ja bei Donizetti – und gerade im „Liebestrank“ – auch so wichtig sind. Pablo Ruiz sang hingegen einen fast perfekten Doctor Dulcamara mit einem klangvollen und facettenreichen Bariton sowie enormer Spielfreude. Felix Park, ein junger Bariton aus Korea, gab einen engagierten Belcore, und die Gianetta war Marina Días.

© Nacho González Oramas / ACO

Der international bekannte Maestro Ramón Tebar dirigierte mit großem Engagement und stimmigen Tempi das Philharmonische Orchester von Gran Canaria, sodass das Bühnengeschehen im Graben beste Entsprechung fand und das Publikum am Ende begeistert applaudierte. Ein guter Saisonauftakt für die ACO und einmal mehr der Beweis, dass Gran Canaria nicht nur eine Ferieninsel für viele Nord- und Mitteleuropäer ist, sondern hier auch ernsthafte klassische Musik betrieben wird – gerade auch die Oper, und das nun schon seit fast 60 Jahren mit großem Engagement der Amigos.

Klaus Billand, 2. März 2026


L’Elisir d’amore
Gaetano Donizetti

Las Palmas de Gran Canaria/Teatro Pérez Galdós

Besuchte Vorstellung: Premiere 10. Februar 2026

Inszenierung: Daniele Piscopo
Musikalische Leitung: Ramón Tebar
Orquesta Filarmónica de Gran Canaria