Düsseldorf: „Il Trovatore“, Giuseppe Verdi

Mit Giuseppe Verdis Il Trovatore tun sich die Opernhäuser schwer. Auf der einen Seite strotzt das Werk nur so vor Ohrwürmern. Andererseits wird hier eine Geschichte voller Gewalt, Sexismus und Rassismus erzählt. Da wird einem Regisseur, der das drastisch auf die Bühne bringt, schnell vorgeworfen, selbst ein gewaltverherrlichender sexistischer Rassist zu sein.

Der Nürnberger Intendant Jens-Daniel Herzog, der jetzt in Düsseldorf inszeniert hat, greift zu einem Konzept, dass in den letzten Jahren bei großen politischen Opern gerne benutzt wird: Er behauptet, dass sei alles nur eine kleine private Auseinandersetzung. So wohnen nun alle Figuren im gleichen Haus. Bühnenbildner Johannes Schütz hat einen Raum mit abstrakten und vielen realistischen Elementen entworfen. Die Türen existieren nur als Rahmen, Wände gibt es keine.

© Sandra Then

Auf der Drehbühne gibt es für jede Figur einen zentralen Raum. Die beiden männlichen Rivalen scheinen Künstler zu sein. Manrico ist Komponist, sitzt gerne an Keyboard oder Klavier, Graf Luna tippt als Schriftsteller in die Schreibmaschine. Da würde man erwarten, dass die beiden Nebenbuhler als kultivierte Menschen ihren Streit ganz höflich austragen und wie in Capriccio von Richard Strauss auch noch gemeinsam eine Oper schreiben. Stattdessen gehen sich die beiden regelmäßig an die Gurgel.

Erstaunlich ist, dass in diesem Versuch eines klischeefreien Trovatore, die Frauen sehr klischeehafte Räume bekommen: Die umgarnte Leonora lebt nur im Schlafzimmer, Mutter Azucenas Reich ist die Küche. Wenn von Krieg und Schlachten gesungen wird, davon wo man überall gewesen ist und wo man noch hinwill, wird diese Inszenierung, die immer im gleichen Haus spielt, unglaubwürdig.

Der Chor der Nachbarn sitzt häufig um die Bühne herum, schaut zu und lässt sich dann von den Arien der Hauptfiguren mitreißen. Besonders absurd wird dies aber, wenn der Chor Manricos berühmte kampfeslustige Stretta mitsingt, um ihn dann in den letzten Takten gefangen zu nehmen.

© Sandra Then

Wie ein Versuch eine alte kriegerische Geschichte zu aktualisieren gelingen kann, hat man letzte Woche erst im Kölner Staatenhaus gesehen. Da machte Jan Philipp Gloger aus den verfeindeten Kreuzfahrer-Heeren und Sarazenen in Rossinis Tancredi zwei Drogen-Clans, die sich gegen die Polizei verbünden.

Am Pult der Düsseldorfer Symphoniker steht Antonio Fogliani, der eine musikalische packende Aufführung dirigiert. Giuseppe Verdis Musik wird hier mit viel Emotionen und Schwung gespielt.  

In den Hauptrollen sind viele Sänger zu hören, die schon lange zum Ensemble der Rheinoper gehören und sich von kleinen Rollen hoch gesungen haben. Das spricht für die Stimmpflege des Hauses. Die Sensation der Aufführung ist die Azucena von Ramona Zaharia. Hier vereinigen sich eine große Stimme mit intensiver Gestaltung und psychologischen Feingefühl für die Rolle. Ramona Zaharia bringt diese Figur perfekt auf die Bühne.

Sopranistin Luiza Fatyol singt die Leonora mit dramatischem Feuer und schönen Piano. In der Höhe wird die Stimme aber etwas eng. Stattlich und großformatig kann Bogdan Baciu mit seinem Bariton auftrumpfen. In den Cavatinen und Liebesszenen lässt er die Stimme warm strömen. Mit prächtigem Bass glänzt Bogdan Talos als Ferrando.

Einziger Gast ist Irakli Kakhidze vom Nationaltheater Mannheim als Manrico. Er besitzt einen kräftigen und wohlklingenden Tenor, meistert die anspruchsvollen Stellen der Partien mühelos und kann schmettert auch das gefürchtete Di quella pira souverän.

© Sandra Then

Stark präsentiert sich der von Albert Horne einstudierte Chor. Eigentlich verkörpert der Chor ja die Mitglieder der verschiedensten Parteien in der Oper. Hier sind es nur die Nachbarn, die jedem hinterherlaufen, der eine schöne Arie singt. Der Chor macht diese aber mit schönem Klang und stimmlicher Schlagkraft.

In den letzten Jahren ist man bei Premieren immer wieder überrascht, wie viele Ensemble-Mitglieder, die gerade nicht auf der Bühne stehen und andere Mitarbeiter des Hauses bei Premieren im Publikum sitzen. Dieses feuern den Schlussapplaus dann mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufe massiv an. Man würde gerne einmal hören, wie ein Premieren-Beifall bei der Rheinoper ohne diese Claqueure ausfallen würde.

Rudolf Hermes, 30. Juni 2026


Il Trovatore
Giuseppe Verdi

Opernhaus Düsseldorf

Premiere: 27. Juni 2026

Musikalische Leitung: Antonio Fogliani
Inszenierung: Jens-Daniel Herzog
Düsseldorfer Symphoniker