Schwarzenberg: „Schubertiade 2026“

Auch in diesem Jahr feiert die Schubertiade ihr 50-jähriges Jubiläum, diesmal mit besonderen Programmen und mit insgesamt sechs Abschnitten, im Juni und August in Schwarzenberg und viermal im Gründungsort Hohenems. Wir waren jetzt wieder in Schwarzenberg und erlebten dort in der traumhaft schönen Umgebung im wunderbaren Angelika-Kaufmann-Saal mit der phänomenalen Akustik Liederabende und Kammermusik vom Feinsten.


© Schubertiade

Das 1991 gegründete und seit langem weltweit konzertierende Quatuor Danel aus Brüssel (Marc Danel, Gilles Millet, Vlad Bogdanas, Yovan Markovitch) hatte sein Debüt bei der Schubertiade im Kammerkonzert am Nachmittag des 22. August  mit dem berühmten Streichquartett a-Moll D 804 Rosamunde,benannt nach dem Thema des Andante aus Schuberts bekannter Schauspielmusik.Die Musiker hatten einenfulminanten Einstand: Ihre technischen Qualitäten sind ebenso wie ihr perfektes Zusammenspiel über jeden Zweifel erhaben. Gleich im ersten Satz wurde deutlich, wie klanglich fein sie aufeinander abgestimmt waren. Im genannten Andante hörte man wunderbar gehaltvolles piano, mit dem die Verschiedenheit der Variationen betont wurde, ohne den Zusammenhalt des substanzreichen Satzes zu vernachlässigen. Im Menuetto blieb trotz mancher Nachdenklichkeit der tänzerische Charakter gewahrt. Der ausgedehnte Finalsatz kam trotz einiger dramatischer Ausbrüche immer wieder zur freundlichen Grundstimmung zurück.

Nach der Pause erklang das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann; dazu kam mit Elisabeth Leonskaja eine der Grandes Dames der Pianistenzunft hinzu,die bereits seit 1985 regelmäßig bei der Schubertiade auftritt. Sie erläuterte kurz, dass die Künstler das Konzert dem in diesem Jahr verstorbenen Primarius des Alban-Berg-Quartetts Günter Pichler gewidmet haben, der auch zur Schubertiade enge Beziehungen hatte. Sie alle versprühten gleich zu Beginn im Allegro brillante geradezu mitreißende Musizierlaune. Im langsamen Satz wurde der Inhalt der Satzbezeichnung In modo d’una marcia nachdrücklich wiedergegeben: In überaus ernstem Duktus erklang ein Trauermarsch, dem das aufbegehrende Agitato

gegenüber stand, bis der Satz versöhnlich ausklang. In allen Sätzen drängte sich das Klavier nie in den Vordergrund, so dass das jeweils meisterhafte Spiel und unbeschwerte Musizieren begeisterten. Die gefeierten Künstler bedankten sich mit der Wiederholung des ausgesprochen flott servierten Scherzo. (GE)


© Schubertiade

Am Abend erlebte man mit den inzwischen äußerst erfahrenen Liedinterpreten Konstantin Krimmel und Ammiel Bushakevitz eine Sternstunde des Liedgesangs. Mit großer Intensität und Leidenschaft widmeten sich beide Interpreten Robert Schumanns Dichterliebe als Höhepunkt des Programms. Das gilt auch für Schumanns seltener zu hörende Drei Romanzen und Balladen op. 45 und die Fünf Lieder op. 40 sowie eine passende kleine Schubert-Gruppe dazwischen im ersten Teil des Abends. Mit prägnantem, kräftigem Bariton stieg Krimmel in Schumanns Der Schatzgräber ein, um zur zweiten Strophe („Die Engel Gottes sangen…“) in zauberhaft lyrischen Gesang mit dichtem Legato umzuschalten und seine feine interpretatorische und gesangstechnische Differenzierungskunst unter Beweis zu stellen. In der munteren Frühlingsfahrt  kam die großbogige Atemtechnik des Sängers zur Geltung, während die ruhig dahinfließende Abendunterhaltung Abends am Strand mit leichten, teils ironischen Akzentsetzungen hervorragende piano-Kultur  beider Künstler vermittelte. Die Schubert-Lieder wurden von dem eindringlichen Der Wanderer eröffnet, dem das hoffnungsvolle Wiedersehn und die die Liebe idealisierende Entzückung an Laura folgten. In Des Fischers Liebesglück überzeugte abermals eine große Ruhe und Ausstrahlung des Sängers, hier mit feinstem Messa-di-voce gekrönt. Die recht unbekannten Fünf Lieder Schumanns nach Gedichten von Hans Christian Andersen in der Übersetzung von Adelbert von Chamisso begannen mit dem munter vorbeihuschenden Märzveilchen, gefolgt von dem textlich makabren Muttertraum. Ein krasser Gegensatz dazu waren der marschbetonte Der Soldat, der den Tod seines Freundes mit ansehen muss, und der todtraurige Der Spielmann, der zur Hochzeit seiner Geliebten selbst aufspielen muss. Die entzückend präsentierte Verratene Liebe, ein neugriechisches Gedicht ebenfalls von Chamisso übersetzt, diente wohl nur zur Stimmungsberuhigung und Abrundung der kleinen Gruppe op. 40.

Zur Dichterliebe zogen die Künstler dann nochmal alle Register des gelungenen Zusammenspiels und variabler Gestaltungsfähigkeiten. Da ging stimmlich mit Krimmels freier Höhe sofort die Liebe im wunderschönen Mai auf, wie auch die Hoffnung aus seinen Tränen spross. Rose, Lilie, Taube und Sonne huschten fast zu schnell vorbei, wogegen Wenn ich in deine Augen seh ausdrucksstark gelang. Hervorragend geriet der Stimmungsumschwung vom innigen Ich will meine Seele tauchen zum vom Pianisten bestens vorbereiteten kraftvollen Im Rhein, im heiligen Strome. Starke Akzente setzte Bushakevitz mit der Zerrissenheit des Herzens im Nachspiel von Und wüßten’s die Blumen… wie auch beim langen Schluss-Nachspiel des Zyklus. Krimmel nahm man beim starken Ich grolle nicht wirklich jedes Wort ab, Am leuchtenden Sommermorgen leuchtete die Stimme trefflich und langen Atem bewies er wieder in Ich hab‘ im Traum geweinet.

Die Gestaltungsintensität beider Künstler war äußerst beeindruckend und bescherte einen herausragenden Abend, den das enthusiasmierte Publikum mit donnerndem, anhaltendem Applaus belohnte. Die Künstler reagierten mit zwei Zugaben, Schumanns Myrten und Rosen und Schuberts Nacht und Träume. (ME)


© Schubertiade

Seit 2010 tritt die Sopranistin Christiane Karg, die in letzter Zeit vorrangig im Konzertbereich tätig ist,regelmäßig bei der Schubertiade auf, diesmal in Begleitung des französischen Pianisten David Fray. Für das Konzert am Nachmittag des 23. August hatten die Beiden mit Schubert-Liedern ausschließlich nach Friedrich Schiller ein höchst anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das selbst ausgemachten Schubertiadern zum größten Teil unbekannt war. Der erste Teil enthielt mit Des Mädchens Klage und Der Jüngling am Bache zunächst Strophenlieder, bei denen sogleich auffiel, wie die Sängerin die natürlicherweise enthaltene gewisse Eintönigkeit zu vermeiden wusste. In Thekla (eine Geisterstimme) verfremdete sie ihre sonst so klare Stimme gekonnt zu einer im äußersten Pianissimo immer noch klingende Geisterstimme. Im bekannteren Der Pilgrim gefielen die locker servierten Verzierungen, wie sie überhaupt mit hoher Gestaltungskraft, guter Diktion, sicherer Intonation und ausgezeichnetem Legato für sich einnahm. Der Pianist erwies sich als stets mitgestaltender Begleiter, der es sich nicht nehmen ließ, in den passenden Liedern die Eigenständigkeit der Begleitung auszukosten. Am Schluss des ersten weitgehend sehr ernsten Teils stand die ca. 20-minütige Leichenfantasie, ein balladenartiges Werk, in dem sich der Vater am Grab seines Sohnesüberaus schmerzlichen Gedanken hingibt. Hier war beeindruckend, wie eindringlich und variantenreich die beiden Künstler die inhaltliche Schwere des Lieds gestalteten. Der zweite Teil des Konzert enthielt nicht so viel Ernstes und Grüblerisches wie der erste. So erreichte die Erstfassung des Jüngling am Bache die Zuhörerschaft viel unmittelbarer als Schuberts spätere Überarbeitung. Auch die übrigen Lieder strahlten Heiterkeit und auch Schlichtes aus, was nicht immer zum dramatischen Gesichtsausdruck der Sängerin passen wollte, so beispielsweise in Hoffnung oder An den Frühling. In den beiden letzten Liedern bewiesen beide Künstler noch einmal ihre hohe Gestaltungskunst, so in Sehnsucht mit dem bravourösen Schluss und in Elysium, das wie eine Konzertarie wirkte, die ein virtuoses Finale beschloss. Man bedankte sich für den begeisterten Applaus mit einem weiteren Lied nach Schiller, dem bekannten Die Götter Griechenlands. (GE)


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Eine weitere Sternstunde der diesjährigen Schubertiade bescherte uns Konstantin Krimmel am Nachmittag des 24. August, als er kurzfristig für den erkrankten André Schuen einsprang, dabei dessen Begleiter Daniel Heide und das Programm – Johannes Brahms: Die schöne Magelone  – übernahm. Die wohl eigentlich nicht eingeplanten Begleittexte sprach Krimmel ebenfalls, der somit geschlagene 90 Minuten den Marathon des Brahms-Zyklus‘ in stetem Wechsel sprach und sang, eine Bravourleistung! Mit Daniel Heide hatte er auch einen der bekanntesten und erfahrenen Begleiter, der dem Sänger eine sichere Stütze war, aber auch kräftige eigene Akzente zu setzen wusste. Auf diesem Klangteppich begann Krimmel mit voller Mittellage die Reise um den jungen Grafen Peter auf Freiersfüßen mit Keinen hat es noch gereut. Die fünfzehn unterschiedlichen Seelenbilder zu dem uralten Volksmärchen gaben ihm Gelegenheit, seinen flexiblen, durch alle Lagen exzellent durchgebildeten Bariton ausdrucksstark zu präsentieren. Lyrische Momente gelangen ihm ebenso anrührend wie aufrüttelnde Attacke zum Beispiel in Sind es Schmerzen, sind es Freuden oder seine aufbrechende Freude über Magelones positive Antwort mit So willst du des Armen dich gnädig erbarmen?. Krimmels ausgefeilte Atemtechnik und Heides einfühlsames Eingehen auf die wechselnden Stimmungen und variierenden Tempi erreichten mit Wir müssen uns trennen, geliebtes Saitenspiel einen der vielen Höhepunkte des Konzerts. Nach dem wiegenliedartigen Ruhe, Süßliebchen, im Schatten  folgte als starker Kontrast das dramatische So tönet denn, schäumende Wellen mit starkem Abschluss des Pianisten. Magelones Lied Wie schnell verschwindet so Licht als Glanz sang Krimmel passend sehr lyrisch mit weichem Legato, während die Verführungskünste Sulimas, der Tochter des Sultans, mit Geliebter, wo zaudert dein irrender Fuß? treibende Unruhe vor allem in der Klavierbegleitung ausstrahlten. Nachdem Peter schließlich Magelone wiedergefunden hat, gipfelte der glückliche Ausgang der Geschichte in dem fast opernhaften Finale Treue Liebe dauert lange, das die Künstler intensiv auskosteten. Die begeisterten Zuhörer spendeten lang anhaltenden Beifall, für den sich die beiden Künstler mit Schumanns Mondnacht bedankten und das Publikum in selbige entließen. (ME)


© Schubertiade

Inzwischen ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass sich auch Sängerinnen des berühmten Liederkreises Winterreise von Franz Schubert annehmen; man denkt da an Christa Ludwig und Brigitte Fassbaender oder auch an Nathalie Stutzmann und Angelika Kirchschlager. Dennoch war man am Abend des 25.08. darauf gespannt, auf welche Weise Sophie Rennert und Joseph Middleton den „Zyklus schauerlicher Lieder“ (Schubert) interpretieren würden. Die im Liedgesang inzwischen profilierte Mezzosopranistin, die vor einiger Zeit am Münchener Gärtnerplatztheater als Carmen Erfolge feierte, verfügt über eine farbenreiche, helltimbrierte Stimme, die sie mit bester Diktion und sicherer Gesangstechnik einzusetzen wusste. Ganz besonders gefiel die ausgeprägte Mimik im Dienste einer enormen Gestaltungsintensität, mit der sie die unterschiedlichen Stimmungen zur Wirkung brachte. So gab es da, wo es nötig ist, schmerzdurchbebte dramatische Attacken, wie z.B. in der stürmischen Wetterfahne, in Auf dem Flusse („Ob’s unter deiner Rinde wohl auch so reißend schwillt?“) oder in Mut („Sind wir selber Götter!“). Dabei vernachlässigte die Sängerin nicht, die lyrischen Phasen trotz einer deutlichen Neigung zu zügigen Tempi ruhig auszumalen, denen beispielsweise im Frühlingstraum dann aber ausgesprochen kontrastreich heftiges Aufbegehren gegenübergestellt wurde. Eine derartige Intensität gelingt nur dann, wenn der Pianist an der Gestaltung mitwirkt, und das tat der ausgezeichnete Liedbegleiter Middleton aufs Feinste. In den Nachspielen hielt er eindringlich die jeweilige Stimmung des Liedes wunderbar aufrecht und war mit gefühlvollen Übergängen ein die Sängerin bestens unterstützender Mitgestalter. Tief beeindruckend gelang das trostlose Schlusslied Der Leiermann, sodass sich das Publikum recht lange zurückhielt, um den Künstlern dann aber mit begeistertem, lang anhaltendem Beifallzu danken. (GE)


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Ein passender Abschluss der Schubertiade war am 26. August der Liederabend, der ausschließlich Duette und Quartette von Franz Schubert im Programm hatte. Dazu hatten sich die Sänger Nikola Hillebrand (Sopran), Patricia Nolz (Mezzosopran), Mauro Peter (Tenor) und David Steffens (Bass) mit dem Pianisten Malcolm Martineau zusammengetan und präsentierten Lieder mit heiterer bis schwermütiger Stimmungsowie fast opernhafte Szenen mit viel Engagement und sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren. Malcolm Martineau unterstützte sie dabei mit seiner dezenten, stets unterstützenden Begleitung am Flügel, die besonders wichtig ist, wenn aus vier Einzel-Sängern ein Quartett geformt wird. Bei Sopran-Tenor-Duetten berührten u.a. die opernhafte Szene Hektors Abschied  sowie Licht und Liebe stark: In ersterer kam Peters markanter lyrischer Tenor auch mit Attacke bestens zur Geltung, in letzterer verbanden sich beide Stimmen in der letzten Strophe nahezu ideal. Von den Duetten der tieferen Stimmen begeisterte vor allem die Intensität des schaurigen Zwiegesprächs in Eine schottische Ballade; mit Hermann und Thusnelda kamen die klare Stimme von Patricia Nolz und der charakteristische Bass von David Steffens gut zum Tragen. Schien das Gesangsquartett zu Beginn noch etwas unausgewogen, so entwickelte es sich im Laufe des Abends zu einer wunderbaren Einheit. Als Quartett mit der alles überstrahlenden Sopranistin Nikola Hillebrand erfreuten die Künstler u.a. gestalterisch besonders eindrucksvoll mit Gott im Ungewitter und mit An die Sonne, wo außer der Sonnenverehrung auch auf die Vergänglichkeit des Lebens hingewiesen wird. Die Freude am gemeinsamen Musizieren an diesem Abend wurde mit Die Geselligkeit (Alleinsein ist öde…) und Der Tanz besonders fröhlich heraus geschmettert, bevor sich alle Stimmen im Gebet zusammenfanden. Begeistert bedankte sich das Publikum bei allen Beteiligten und wurde mit Schuberts Zur guten Nacht D 903 auf den Heimweg geschickt. (ME)

Marion und Gerhard Eckels, 27. August 2026


Schubertiade 22. bis 26. August 2026

Angelika-Kaufmann-Saal in Schwarzenberg (Vorarlberg)

Künstlerische Leitung: Gert Nachbauer

Weitere Schubertiade: 1. bis 4. Oktober 2026 in Hohenems