
Beste Produktion (Gesamtleistung):
Der Ring des Nibelungen in der Regie von Kurator Marcus Lobbes und Nils Corte mit einem KI-Konzept (Künstliche Intelligenz).
Dieser Übergangs-Ring ist nicht mit einer normal programmierten Ring-Produktion in Bayreuth zu vergleichen. Da der V. Schwarz-Ring im fünften Jahr nicht mehr präsentierbar war, musste für das Jubiläumsjahr eine nur diese Saison zu zeigende halb-szenische Inszenierung arrangiert werden. Da die Probezeiten viel zu kurz für die komplexe und im Musiktheater noch weitgehend unbekannte KI waren, konnte keine ausgereifte und damit zufriedenstellende Version erreicht werden.
Gleichwohl zeigte die Produktion ein interessantes Potential der KI als unterstützendes Medium für szenische Produktionen auf. Und es wurden die beiden Haupt-Komponenten der Oper, Gesang und Musik, endlich einmal wieder in den Vordergrund gestellt, bei einem exzellent spielenden Festspielorchester unter Christian Thielemann.
Größte Enttäuschung:
Dass dem Regieteam des Ring des Nibelungen nicht mehr Zeit gegeben wurde, das völlig neuartige Konzept der KI besser und damit zielführender und verständlicher zu proben. Es gab laut dem Kurator nur einen Durchlauf, viel zu wenig für ein solches Experiment.
Entdeckung des Jahres:
Die KI als unterstützendes Regie-Element für szenische Musiktheater-Inszenierungen.
Beste Gesangsleistung (Hauptpartie):
Michael Volle als Wotan
Klaus Florian Vogt als Loge, Siegmund und Siegfried
Camilla Nylund als Brünnhilde
Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Tijl Faveyts als 2. Gralsritter in Parsifal
Nachwuchssänger des Jahres:
Anna Kissjudit als Fricka und 1. Norn
Bestes Dirigat :
Christian Thielemann im Ring
Beste Regie:
Der Ring des Nibelungen von Kurator Marcus Lobbes und Nils Corte, aber auch wegen einer (mir) nicht möglichen Vergabe dieses Superlativs an Parsifal, Rienzi und den Fliegenden Holländer.
Bestes Bühnenbild:
Wolf Gutjahr beim Ring des Nibelungen im Zusammenwirken mit dem Creative Code und der Visual Art von Nils Corte und Phil Hagen Jungschlaeger im Rahmen einer halbszenischen KI-Produktion.
Beste Chorleistung:
Festspielchor in Parsifal
Größtes Ärgernis:
1. Das 20-minütige Hantieren mit einer nicht ganz sauberen Hand in der schwer blutenden übergroßen Wunde des Amfortas in Parsifal auf einem überdimensionalen Video.
2. Das wie auf Knopfdruck nahezu gnadenlose Ausbuhen des Regieteams des Ring des Nibelungen bei seinem erst- und damit verständlicherweise einmaligen Erscheinen vor dem Vorhang nach der Götterdämmerung. Die Vorgeschichte und das Raison d’être dieser Produktion wurden offenbar völlig unberücksichtigt gelassen. Hätte die Festspielleitung deren Experimentier-Charakter im Vorfeld kommentiert und einen kleinen Preisnachlass auf die Ring-Tickets gewährt, wäre es zu einer solchen Ablehnung sicher nicht gekommen.
Die Bilanz zog Klaus Billand.