Unser Autor teilt zu seiner Bilanz mit: Da ich aufgrund des m.E. nicht wirklich zufriedenstellenden Opernprogramms für ein solch großes Festival nicht mehr den ganzen August komme, sondern nur noch eine Woche, kann diese Bilanz nur eine Teilbilanz sein, auch wenn alle szenisch aufgeführten Opern enthalten sind.

Beste Produktion (Gesamtleistung):
Saint Francoise D’Assise von Olivier Messiaen in der Regie von Romeo Castellucci unter der musikalischen Leitung von Maxime Pascal. Ein dennoch äußerst komplexes Werk, das man sicher nicht in den Mainstream einordnen kann. Aber es wurde hier musikalisch und weitgehend auch szenisch ansprechend realisiert.
Größte Enttäuschung:
Ariadne auf Naxos in der Regie von Ersan Mondtag unter der sehr guten musikalischen Leitung von Manfred Honeck mit den Wiener Philharmonikern. Mondtags Regie-Konzept, das Stück auf dem Mars zu spielen, wurde – auch aufgrund der schon in seinen Wiener Perlenfischern zu beobachtenden handwerklichen Fehler – dem Werk von Richard Strauss in keiner Weise gerecht. Ein klarer Regie-Flop!
Auch die Regie von George Bizets Carmen durch Gabriela Carrizo (Peeping Tom) war sehr bedenklich und ästhetisch bisweilen grenzwertig. Teodor Currentzis mit dem Utopia Orchester sowie Jonathan Tetelman als Don José und Asmik Grigorian als Carmen konnten Schlimmeres verhindern, obwohl die Carmen doch mit einem Mezzosopran besetzt werden sollte!
Entdeckung des Jahres:
Ziyi Dai als Zerbinetta in Ariadne auf Naxos
Beste Gesangsleistung (Hauptpartie):
Benjamin Bernheim als Werther in Werther
Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Peter Kellner als Alvaro in Il Viaggio à Reims
Nachwuchssänger des Jahres:
Leon Košalvić als Harlekin in Ariadne auf Naxos
Bestes Dirigat:
Maxime Pascal in Saint Françoise d’Assise
Beste Regie:
Barrie Kosky mit Il Viaggio à Reims
Bestes Bühnenbild:
Rufus Didwiszus mit Il Viaggio à Reims
Beste Chorleistung:
Konzertverein Wiener Staatsopernchor
Größtes Ärgernis:
1. Kopulations- und Fellatio-Performance während der Arie von Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ in Ariadne auf Naxos in der Inszenierung von Ersan Mondtag.
2. Das Gendern auf „.innen“ in allen Festival-Programmheften und sonstigen Materialien. Wer mit dieser Form auf sprachliche „Gendergerechtigkeit“ pocht, also mit dem zwanghaften Anhängen von „-in“ und „-innen“ an die fälschlich für biologisch maskulin gehaltene Form auf „-er“ (die aber de facto eine generische ist), tut sich keinen Gefallen. Denn er formuliert wieder nicht „gendergerecht“: Das Weibliche wird zum semantischen Anhängsel des (vermeintlich) Männlichen, also einem Suffix…
Wenn ein „innen“ mehrmals in einem Absatz vorkommt, vergrault es einem zudem das Lesen.
Die Bilanz zog Klaus Billand.