Duisburg, Konzert: „Mahler 7.“ Stefan Blunier der neue GMD stellt sich vor

© Casa da Musica

„Ich bin der Neue!“ Leutselig und mit viel Bodenhaftung stellte sich Duisburgs neuer Generalmusikdirektor Stefan Blunier seinem Publikum im Rahmen seines ersten Philharmonischen Konzerts in der Mercatorhalle vor. Im Rheinland ist der 62-jährige Schweizer seit seiner Tätigkeit als GMD der Stadt Bonn kein Unbekannter. In den Jahren 2008 bis 2016 empfahl er sich als versierter Orchesterleiter mit etlichen innovativen Ideen. An Ideen, um auch neues Publikum zu gewinnen, mangelt es ihm auch in Duisburg als Chef der Duisburger Philharmoniker nicht.

Ein Orchester, das sowohl die städtischen Konzerte als auch die Deutsche Oper am Rhein bedient und sich ebenso aufgeschlossen für neue Formate zeigt. In der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ erhielt es dafür in der letzten Woche einen „Opus Klassik“. Und zwar für ein völkerverbindendes und genreübergreifendes Projekt im multikulturellen Stadtteil Marxloh, einem sozialen Brennpunkt der Stadt.

„Marxloh Music Circus“ nennt sich das Projekt, das „für Begegnung, für das Zusammenspiel unterschiedlicher musikalischer Traditionen und für eine Musik steht, die kulturelle Grenzen selbstverständlich überschreitet“, wie es in der Begründung für die Auszeichnung heißt.

Unter dem Namen „Andere Reihe…“ startete Stefan Blunier zuvor ein neues Konzertformat, mit dem er die Duisburger Philharmoniker noch enger an die Stadt und ihre Einwohner binden will. An verschiedenen Spielstätten will er mit einstündigen Konzerten in kleineren Besetzungen dem Publikum Werke nahebringen, „die in der großen Mercatorhalle leicht untergehen können“. Unlängst in der Gebläsehalle der stillgelegten Industriestätte des Landschaftsparks Nord mit einer Interpretation der „Quattro Stagioni“ von Antonio Vivaldi, bei denen er sich selbst ans Cembalo setzte und für den Solopart dem amerikanischen Geiger Henry Flory, den 2. Konzertmeister der Duisburger Philharmoniker, ein Podium bot. Und das Orchester konnte mit seiner moderat „historisch orientierten“ Interpretation zeigen, wie viel es von seiner jahrelangen Arbeit mit Spezialisten vom Schlag Reinhard Goebels oder Alessandro de Marchis, des diesjährigen „Conductors in Residence“, gelernt hat. Kirchen und das Theater sind für weitere Veranstaltungen dieser Reihe vorgesehen.

Als Schaumkrönchen verspricht Blunier für jedes Konzert eine „Überraschung“, die im Fall des Vivaldi-Events ausgesprochen schmackhaft ausfiel. Wenn schon „Quattro Stagioni“ angesagt sind, dann darf die mindestens so beliebte Pizza gleichen Namens nicht fehlen. Und so durften sich die Besucher zum Abschluss kostenlos an einem der belegten runden Fladenbrote aus Bella Italia laben.

So weit ging Blunier in seinem ersten Philharmonischen Konzert nicht. Hier musste als Aperitif eine aufgewühlte Sinfonia aus einer Oper von Jean Philippe Rameau genügen, die er pausenlos in Gustav Mahlers Siebte Symphonie überführte. Dass er für diesen Einstand ausgerechnet Mahlers rätselhafteste und für das Orchester wie für das Publikum besonders anspruchsvolle Symphonie wählte, zeigt, dass er sich mit seiner charmanten Art und seinen originellen Neuerungen keinerlei Populismus unterwerfen will.

Und so wühlten sich die Duisburger Philharmoniker 80 Minuten lang vehement in voller Besetzung durch die vielen Haken und Ösen und die schroffen stilistischen und formalen Brüche dieser düsteren, von Mahler als „Lied der Nacht“ bezeichneten Mammut-Symphonie, die mit einem absurd überdrehten Schlusschoral in trügerischer Hoffnung endet.

Eine Kraftprobe für das exzellente Orchester, das jedem Musiker das Letzte abverlangt. Blunier legte es mit großem Körpereinsatz darauf an, die Spielqualität der Musiker zur Geltung kommen zu lassen. Sowohl in den vielen heiklen solistischen Stellen als auch im Zusammenwirken der Instrumentengruppen und im orchestralen Gesamtaufriss. Eine beeindruckende Demonstration des vorzüglichen Orchesters.

© André Symann

Von den Fallstricken, die die problematisch verwickelten Satzstrukturen mit sich bringen, ließ sich Blunier nicht irritieren. Er überspielte sie mit der Energie und dem Vorwärtsdrang eines leidenschaftlichen Dirigenten, auch wenn manches Detail zurückgedrängt wurde und die formalen Grenzen überrannt wurden.

Langweilig wurde es in der Mercatorhalle nicht. Und das verspricht Stefan Blunier seinem Publikum für die kommenden fünf Jahre seines Vertrags.

Pedro Obiera 16. Oktober 2026


2. Philharmonisches Konzert
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 7 e-Moll
Lied der Nacht

Duisburg Mercatorhalle
Aufführung: 14.Oktober 2026

Dirigat: Stefan Blunier
Duisburger Philharmoniker