Zwei Oscars (bei zwölf Nominierungen), drei Golden Globes (bei 15 Nominierungen) und fünf Grammys (bei 24 Nominierungen) sowie unzählige weitere Preise sprechen eine eindeutige Sprache. Hans Zimmer zählt zweifellos zu den größten Komponisten der Neuzeit. Inzwischen geht die Musik von über 150 Filmen auf seine Kompositionskunst zurück. Nicht alle davon waren große Blockbuster. Erst vor wenigen Wochen entschied der Disney-Konzern aufgrund des schlechten Abschneidens in den USA, die Tragikomödie Ella McCay in Deutschland direkt auf Disney+ zu streamen, statt sie im Kino auf der großen Leinwand zu zeigen. Dennoch sind viele seiner Kompositionen heute fester Bestandteil vieler Auflistungen mit den besten Filmmusiken aller Zeiten. Mit The World of Hans Zimmer hat der Komponist eine Konzertreihe geschaffen, bei der er zwar nicht live auf der Bühne steht, bei der er aber maßgeblich an der Produktion beteiligt ist und als Kurator persönlich für eine hohe Qualität der Show bürgt. Im Januar 2025 fand im Metronom Theater in Oberhausen die Weltpremiere von The Immersive Symphony statt. Nach gut einem Jahr kehrt die Produktion nun zurück nach Deutschland und Österreich. Nach einer Woche mit weiteren ausverkauften Konzerten in Oberhausen geht die Show ab der kommenden Woche auf Tournee durch verschiedene etwas kleinere Hallen im Land.

Wie zu erwarten, setzt sich das Programm aus den größten Erfolgen Hans Zimmers zusammen, so erklingen bei diesem Konzertabend die Suiten aus Man of Steel, The Rock, King Arthur, Pearl Harbor, Rush, James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben, Wonder Woman, Dune, Interstellar, The Dark Knight, Sakrileg – Der Da Vinci Code, Sherlock Holmes, Kung Fu Panda, Gladiator und Der König der Löwen. Als Zugabe dürfen die großen Blockbuster Inception und Fluch der Karibik natürlich nicht fehlen. Erfreulich hierbei ist, dass die Musik von Hans Zimmer im Mittelpunkt steht und sich in rund zweieinhalb Stunden in ihrer vollen Pracht entfalten kann. Anders als bei seinen Live-Konzerten, bei denen er persönlich auf der Bühne stand, erklingen die Suiten dieses Mal nicht so technisch übersteuert. Vielmehr sorgt das rund 30-köpfige Odesa Orchestra mit Freunden für einen vollen Orchesterklang und beeindruckt mit einer für eine Tourproduktion erstaunlich großen Anzahl an Streichern. Mit der Pianistin Nicole Johnson, Maya Levy an der Violine, Timothée Berte Renou am Cello und Josh Plotner, der verschiedene Blasinstrumente spielt, wurden zudem vier renommierte Musiker verpflichtet, die in dieser Show ihr Talent eindrucksvoll unter Beweis stellen. Für Gänsehautmomente sorgen darüber hinaus Carla Chamoun mit ihrem Gesang vor allem bei Gladiator sowie Futurelove Sibanda mit seiner Interpretation von The Lion King, bei der er teilweise inmitten des Publikums singt.

Im Gegensatz zu der großen Arena-Produktion A New Dimension, ebenfalls eine Produktion von The World of Hans Zimmer, sorgt The Immersive Symphony mit der Ausrichtung auf etwas kleinere Theater und Veranstaltungsstätten für eine intimere Atmosphäre. Dennoch ist diese Produktion kein gewöhnliches Konzert, denn mit besonderen Visualisierungen werden hier neue Maßstäbe gesetzt. Hans Zimmer begrüßt das Publikum gleich zu Beginn durch eine gelungene Videoeinspielung „persönlich“ im Theater und lässt hierbei auch gleich seinen Humor durchblicken, der ihn bereits bei seinen Livekonzerten sehr authentisch wirken ließ. In der Inception-Zulage spielt er zudem in seinem Studio am Klavier. Diese Szene wird auf einen Vorhang projiziert, durch den gleichzeitig das Orchester zu sehen ist. So gehen Video und Bühnendarbietung eine besondere Einheit ein. Diese Technik wird im Laufe des Konzerts immer wieder angewendet. Passend zur Musik werden vor und hinter dem Orchester nicht nur reine Filmausschnitte gezeigt, sondern es entstehen durch ausgewählte Auszüge aus den bekannten Filmen und passend hinzugefügte Bilder, Farben und Lichteffekte ganz besondere Reize, die schwer in Worte zu fassen sind. Der oft genutzte und vielleicht etwas abgedroschene Begriff „Erlebnis für die Sinne“ beschreibt die künstlerische Visualisierung aber vielleicht ganz treffend.

Glücklicherweise setzt die Produktion hierbei nicht auf simple Lasereffekte, sondern auf ganz eigene Kunstwerke, die zum Takt der Musik passen und Hans Zimmers weit ausladende, stellenweise sehr emotionale Klangteppiche wunderbar untermalen. Wenn sich die Bühne pink färbt, während Wonder Woman über den Ozean fliegt und Maya Levy im Zentrum der Bühne geschickt ausgeleuchtet mit virtuosem Spiel auf ihrer Violine überzeugt, ist dies ein ganz besonderer Moment, den das Publikum gleichermaßen staunend wie ergriffen wahrnimmt. Wie kaum ein anderer versteht es Hans Zimmer, durch den Einsatz verschiedenster Instrumente eine zum jeweiligen Film passende Musik zu entwickeln. Seien es die verschiedenen chinesischen Flöten in Kung Fu Panda, das brachiale Schlagwerk in The Dark Knight, die träumerischen Klänge entgegen allen Realitäten in Pearl Harbor oder die Musik zu Dune, die den Zuschauer durch ganz besondere Instrumente in die unwirkliche Sandwüste führt – jedes Stück für sich ist ein kleines Meisterwerk. Wenn dann durch geschickte Lichteffekte und einen im Verlauf des Abends dezent eingesetzten 3D-Sound bei The Rock beispielsweise ein Hubschrauber scheinbar über die Köpfe des Publikums fliegt, ist man als Zuschauer wirklich immersiv in den Abend eingebunden.

Trotz aller Technik, die hier hochwertig begleitend und überzeugend eingesetzt wird, steht am Ende aber – wie zuvor bereits erwähnt – die Musik von Hans Zimmer im Mittelpunkt. Wer diese mag, wird diesen Konzertabend, der eine ganz besondere Würdigung für jede einzelne der siebzehn gespielten Filmsuiten darstellt, sicherlich lieben.
Markus Lamers, 27. März 2026
The World of Hans Zimmer – The Immersive Symphony
Konzertreihe der größten Filmmusiken von Hans Zimmer mit visuellen Effekten
Metronom Theater, Oberhausen
Weltpremiere: Januar 2025
besuchte Vorstellung: 26. März 2026
Musikalische Leitung: Nicole Johnson
Odesa Orchestra & Friends
Weitere Aufführungen bis zum 19. Apri 2026 in Lüneburg, Erfurt, Augsburg, Innsbruck, Graz, Nürnberg, Bamberg, Kempten, Neu-Ulm, Fulda, Frankfurt am Main, Zwickau, Wetzlar, Trier, Düren und Kiel. Die genauen Termine und weitere Informationen zur Tour unter Semmel Concerts.