Das mit „Traumtänze(r)“ überschriebene Konzert am Sonntagvormittag im Haus Eden in Lübeck bescherte dem hochkonzentrierten Publikum mit einem exquisit zusammengestellten Programm ein beglückendes und tief ergreifendes Erlebnis.

Den Auftakt bildete der Ungarischer Tanz Nr. 17 (Arr. Kreisler) für Violine und Klavier von Johannes Brahms. Die armenische Geigerin Mariam Vardanyan und der PianistSamuel Waffler zeigten hier schon deutlich, mit welcher Meisterschaft in diesem Konzert musiziert wird.
Mariam Vardanyan begann ihr Studium an der Musikhochschule Lübeck und setzt derzeit ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig fort. Die Kammermusik nimmt einen besonderen Platz in ihrem musikalischen Schaffen ein, was bei diesem Konzert auf faszinierende Weise zu erleben war. Ab der nächsten Spielzeit wird sie Orchestermusikerin in der Ersten Geige bei den Bamberger Symphonikern.
Der Pianist Samual Waffler ist ein gefragter Kammermusiker und vielseitiger Liedpianist, dessen besondere Affinität zu dieser Kunstform in der sowohl zupackenden als auch beseelten Spielweise hörbar wird. Zurzeit studiert er Liedgestaltung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Außerdem beschäftigt er sich, vor dem Hintergrund eines abgeschlossen Psychologiestudium, um die Verbindung von Musik und psychischem Wohlbefinden.
Den zweiten Programmpunkt bildeten die Zigeunerlieder von Johannes Brahms für Mezzosopran und Klavier, gesungen von Wioletta Hebrowska. Die polnische Mezzosopranistin war von 2010 bis 2022 Ensemblemitglied des Theater Lübeck, wo sie sich mit großartigem Erfolg ein umfangreiches Repertoire vom Barock bis zur Moderne erarbeitet hat. Seit der Spielzeit 2022/2023 ist sie festes Ensemblemitglied am Theater Münster. Mit Ihrer unverwechselbar timbrierten Stimme und ihrer Bühnenpräsenz gestaltete Sie die Lieder mit einer ausdrucksvollen und exquisiten Auslotung der einzelnen Stimmungen. Farbreich und mit viel Temperament und Einfühlungsvermögen begleitet von Samuel Waffler.
In der anschließend dargebotenen Suite populaire Espagnole für Geige und Klavier von Manuel De Falla, kosteten die Musiker die vielen Stimmungen genussvoll aus. Die Melancholie und der Überschwang spanischer Volksmusik, die De Falla kunstvoll mit impressionistischen Farben mischt, wurden mit der nötigen Schwermut, aber auch mit überschäumender Lebensfreude von Mariam Vandanyan und Samuel Waffler interpretiert. Wunderbar das Wiegenlied, das von Wioletta Hebrowska aus dem Hintergrund, leise und mit viel Lokalkolorit, gesungen wurde.
Den Höhepunkt des Konzerts bildeten dann die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. In seinem Schweizer Asyl in der Villa Wesendonck entstanden, legen sie beredtes Zeugnis von Wagner Gefühlszustand wären dieser Zeit und über seiner großen, unerfüllten Liebe zu Mathilde Wesendonck ab. Zwei der Lieder sind Studien zu Tristan und Isolde, wobei der Klavierpart zum Lied Im Treibhaus das Vorspiel zum dritten Akt tongetreu und über lange Strecken zitiert. Das Lied Träume ist eine Vorarbeit für das Duett aus dem zweiten Akt. Die musikalische Substanz verbindet in diesen Liedern das Klavier und die Singstimme zu einem überwältigenden Ausdruck, bei der die Stimme oft wie ein Instrument geführt wird und zusammen mit dem Klavier eine emotional aufgewühlte Seelenlandschaft zeigt. Überwältigend, wie selbstverständlich hier Wioletta Hebrowska und Samuel Waffler die Stimmungen der Musik und des Textes gestalten.
Wagner hat diese Lieder bewusst als reine Klavierlieder komponiert, die heute üblicherweise gespielte Orchesterfassung ist von Felix Mottl erstellt worden. Lediglich Träume, das letzte Lied, hat er instrumentiert, als Geburtstagsständchen für Mathilde Wesendonck – vor ihrer Schlafzimmertür aufgeführt von achtzehn auserlesenen Zürcher Musikern.
In diesem Konzert übernimmt im letzten Lied zuerst die Geige die Gesangslinie. Mariam Vandanyan spielt mit großer Empfindung und starkem Gefühlsausdruck. Erst zum Schluss setzt dann die Singstimme ein und die drei Künstler leiten über zu „Brangänes Wachgesang“, was musikalisch wunderbar zusammenpasst. Hier zeigt Wioletta Hebrowska nochmal all ihr Können. Die Stimme schwebt frei und charismatisch über der großartig gespielten Begleitung durch die Geige und das Klavier. Mit langem Atem und klarer Diktion brachte die Sängerin alle Erfahrung, die sie mit dieser Partie hat, in diesen besonderen Moment mit ein. Sie entfernte sich, während sie sang, langsam durch den Mittelgang in den hinteren Teil des Saales, so die von Wagner gedachte räumliche Distanz in dieser Szene auch im Konzert umsetzend. Ein im wahrsten Sinne überwältigender, ergreifender Moment.

Diese künstlerische Konstellation ist nur durch Zufall und freundschaftliche Vermittlung entstanden, es handelte sich um das erste offizielle Zusammenspiel. Beeindruckend die Emphase der Künstler und das musikalische Gleichgewicht, das diese wunderbaren Interpretationen, die so unprätentiös und natürlich dargeboten wurden, ermöglichten. Eine großartige Leistung im schönen, intimen Saal des Haus Eden.

Ein teilweise zu Tränen gerührtes und ergriffenes Publikum spendete dankbaren Applaus für dieses herrliche Konzert, das einen für kurz Zeit, im wahrsten Sinne das Wortes, der Welt entrückte. Mit dem wunderbar interpretierten Lied Morgen von Richard Strauss, verabschiedete sich das Künstler-Tio von seinem Publikum. Bleibt nur zu hoffen, dass weitere Konzert folgen.
Axel Wuttke, 30. März 2026
Johannes Brahms „Ungarischer Tanz Nr. 17“ und „Zigeunerlieder“ op. 103
Manuel de Falla „Suite populaire Espagnole“
Richard Wagner „Wesendonck-Lieder“ und „Brangänes Wachgesang“
Haus Eden, Lübeck
Aufführung am 29. März 2026
Gesang: Wioletta Hebrowska
Geige: Mariam Vardanyan
Klavier: Samuel Waffler