
William Shakespeare’s „A Midsummer Night’s Dream“ inspirierte Komponisten zu einer die abwechslungsreiche Handlung des Bühnenstücks vertiefenden Musik, in Deutschland ist am bekanntesten Felix Mendelssohn Bartholdy’s Schauspielmusik zum „Sommernachtstraum“. Benjamin Britten komponierte 1960 eine Oper darüber, für die er zusammen mit Peter Pears ein Shakespeare’s Stück verkürzendes Libretto verfaßte, das insbesondere den am Hofe des Herzogs Theseus in Athen spielenden ersten Akt ausläßt, dafür aber etwa Szenen der Feen, und solche, die im Wald spielen, vor allem der Musik zuliebe etwas stärker betont.
Am vergangenen Samstag war am Theater Münster Premiere dieser Oper unter der Musikalischen Leitung von GMD Golo Berg in der Inszenierung von Cordula Däuper.
Letztere ließ dann doch den ersten Akt mit Ankündigung der bevorstehenden Hochzeitsfeier zwischen Herzog Theseus und Amazonen-Königin Hippolyta auf der Bühne andeuten. Es wundert heute nicht mehr, wenn die Regie Textdichter und Komponisten „verbessern“ will. Vorher hatte der Darsteller des Puck (Thomas Holle) in einer Vorrede auf Deutsch dem Publikum nochmals den in der Oper weggelassenen ersten Akt erläutert. Die Handlung dürfte vielen Theaterbesuchern spätestens seit der Schauspiel-Aufführung in Münster in der vorigen Spielzeit bekannt sein,. Nebenbei sorgte Puck an einem Notebook für den Wechsel der Übertitel zwischen die Handlung übertrieben sarkastisch kommentierenden Bemerkungen und stark vergröbernder Übersetzung von Shakespeares Text.
Dieser Beginn der Oper sorgte dann dafür, dass beim ersten Einsetzen der Beschreibung des Waldes durch die absteigenden Portamenti der Streicher des Orchesters auf der Bühne noch das Palasttor von Theseus zu sehen war mit der biblischen Aufschrift „Denn alles Fleisch ist wie Gras“, die ja Johannes Brahms auch in seinem deutschen Requiem verwandt hat. Dank der häufig benutzten Drehbühne wechselte der Schauplatz dann passend zu einem aus grünen Hügeln bestehenden Waldboden. Diese Bühne entwarf Sophie du Vinage, die auch die Kostüme verantwortete, etwa für Tytania und ihre Elfen Afro-Look-Frisuren, Oberon passend in dunkelgrün, die beiden Liebespaare für ihre Rollen festlich konventionell gekleidet, von den Handwerkern Bottom in feinem Anzug seinen Beruf als Weber darstellend. Der für die angebliche Verwirrung und deren Aufhebung so entscheidende Saft wurde von einer als Blume kostümierten Tänzerin aus einer Gießkanne verabreicht – wie witzig, ebenso witzig wie eine häufig zu sehende Holztür mit der Aufschrift „Trauzimmer“.

In diesem Rahmen wurden die ersten beiden Akte mit hektischer Betriebsamkeit auf der Bühne gespielt, die von der Orchester-Musik ablenken konnte.
Im dritten Akt war es eine gelungene Idee, bei der Theateraufführung der Handwerker Pyramus und Thisbe von Marionetten darstellen zu lassen, die von Bottom und Flute geführt wurden, (Einstudierung Michael Pietsch). Passend war auch, dass die drei Liebespaare ihre hämischen Kommentare zum Theater der Handwerker aus der ersten Reihe des Zuschauerraums sangen.
Was Gesang und musikalische Gestaltung betrifft, sorgten diese wieder einmal für besondere Freude an der Aufführung. Da ist zunächst der Oberon von Aleksandar Timotic zu nennen, der als Counter-Tenor wunderbar lyrische Melodie-Bögen gestaltete, vor allem in seiner Arie im ersten Akt. Ebenso gekonnt meisterte Marie-Dominique Rykmanns die Koloraturen von Elfenkönigin Tytania wie auch die zarten Liebesworte, mit denen sie den Eselskopf des Bottom anhimmelte…Die beiden Liebespaare (Wioletta Hebrowska als Hermia, Garrie Davislim als Lysander, Elisabeth Freyhoff als Helena und Johan Hyunbong Choi als Demetrius) spielten überzeugend und sangen alle vier ihren Rollen entsprechend gekonnt und exakt, dies besonders in den schwierigen Eifersuchts- und Verwechslungs-Szenen des zweiten Aktes.
Endlich erlebte man Gregor Dalal als Bottom wieder in einer großen Rolle, in der er seine Schauspielkunst und seinen kräftigen Bariton unter Beweis stellte, insbesondere, als er im ersten Akt großsprecherisch seine Eignung für fast alle Theaterrollen erklärte, szenisch auch überzeugend mit Eselskopf, und natürlich im Gesang der grossen Traumerzählung. Von den anderen Handwerkern seien hervorgehoben Youn-Seong Shim als Flute Tenor singend und in der Rolle der Thisbe Sopran singend. Kihoon Yoo war als Zimmermann Quince und kostümiert als Shakespeare mit kräftigem Baß zuständig für die Einstudierung und Regie der Theateraufführung. Das komplizierte Ensemble aller Handwerker in Vorfreude auf diese Aufführung funktionierte exakt.

Für harmonischen Anfang und Ende eines jeden Teils der Oper sorgten als Elfen der aus Jungen und Mädchen bestehende Theaterkinderchor am Gymnasium Paulinum in der Einstudierung von K. Solinga, M. Sandhäger und R. Stork-Herbst. Ohne ihn wird in Münster inzwischen kaum eine Oper aufgeführt. Besondere Erwähnung verdienen die vier Elfen-Soli von Spinnweben, Bohnenblüte, Senfsamen und Motte, die auf Anweisung Tytanias Bottom als Esel Gutes tun sollten.
Für den reibungslosen musikalischen Ablauf des Abends sorgte überlegen wie gewohnt GMD Golo Berg. Er regte das Orchester einfühlsam an zu den verschiedenen musikalischen Farben und Rhythmen in der musikalischen Begleitung der einzelnen Darsteller-Gruppen. Erwähnt seien ätherisch klingend Harfe, Celesta und Schlagzeug für das Elfenreich, warmer Streicher- und Bläserklang für die Liebespaare, tiefe Blech- und andere Bläser für die derben Handwerker oder Trompete (die sei besonders gelobt) und Schlagzeug für Pucks Auftritte. Deutlich wurden auch die Opernparodien bei der Theateraufführung der Handwerker, hier am bekanntesten der Gesang der nach Pyramus’ Tod verzweifelten Thisbe in Anlehnung an die Wahnsinnsarie der Lucia di Lammermoor – das begleitende Flötensolo sei ebenfalls besonders gelobt.
Zum Schluß zogen die Liebespaare hier dem Zeitgeist folgend ergänzt durch das schwule Paar von Bottom und Flute unter der Überschrift „Forever“ begleitet von den guten Hochzeitswünschen des Elfenchors durch das Tor der Ehe. Als dann Puck jetzt wieder auf Deutsch das Publikum um Beifall bat, folgte dieses nachdrücklich der Aufforderung mit zusätzlichen Bravos vor allem für die Sänger, den Dirigenten, Kinderchor, das Orchester, auch für das Leitungsteam.
Sigi Brockmann 13. April 2026
A Midsummer Night’s Dream
Benjamin Britten
Theater Münster
Premiere 11. April 2026
Regie Cordula Däuper
Dirigat Golo Berg
Sinfonieorchester Münster