Ein wahrer Opern-Krimi eröffnet die Musiktheater-Saison 2026/2027 am Oldenburgischen Staatstheater. La forza del destino von Guiseppe Verdi hat am 9. Oktober 2026 Premiere unter der musikalischen Leitung des Chefdirigenten für das Musiktheater Vito Cristofaro. Das Drama aus Liebe, Hass, Diskriminierung, Verrat und Tod ist eine musikalisch besonders emotional ausgearbeitete Komposition von Giuseppe Verdi. Die Inszenierung übernimmt Joan Anton Rechi, der in der laufenden Saison eine besonders eindringliche, aufs Wesentliche konzentrierte, ganz aus der Musik entwickelte Lady Macbeth von Mzensk auf die Bühne gebracht hat. Es wird spannend zu sehen sein, wie der Regisseur dieses persönliche Liebesdrama und die kriegsverherrlichenden Szenen in einer, den heutigen, erschütternden weltpolitischen Gegebenheiten, adäquate Weise erzählt.

Schon am 31. Oktober 2026 hat dann The sound of music von Richard Rodgers Premiere. Basierend auf dem Buch „Die Trapp Familie“ von Maria Auguste Trapp, erzählt das Musical die Geschichte einer jungen Novizin, die als Gouvernante zu den Kindern des Marineoffiziers Gregor von Trapp kommt. Sie stellt mit Hilfe der Musik nicht nur das geregelte Leben der Familie auf den Kopf, sondern auch das Gefühlsleben des verwitweten Ahusherren. Doch auf die gemeinsame Zukunft werfen die politischen Ereignisse kurz vor der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland ihre Schatten. Die Verfilmung des Musicals erhielt in den USA Oscars. Katja Wolff wird dieses selten in Deutschland aufgeführte Werk inszenieren, das Dirigat übernimmt der erste Kapellmeister Eric Staiger.
Das neue Jahr beginnt mit Christoph Willibald Glucks erste Reformoper Orfeo ed Euridice in der Wiener Fassung von 1762. Gluck hat hier die ganze Konzentration auf das Musikdrama und die Emotionen der Personen, insbesondere des Orfeo, gelegt und für seine Zeit eine unerhört moderne Oper geschrieben. Die Regie übernimmt die Götz-Friedrich-Preisträgerin Aileen Schneider, die an dem Stück besonders die existentielle Erfahrung von Verlust, Trauer und Abschied interessiert und ob Loslassen die höchste Form der Liebe ist. Auch hier übernimmt Eric Staiger das Dirigat.
Eine andere Sicht auf den Orpheus-Mythos bietet die deutsche Erstaufführung von Manfred Trojahns Eurydice – Die Liebenden, blind in der Regie von Roland Schwab und unter der Leitung von Vito Christofaro ab 13. März 2027. Bei Manfred Trohjans 2022 in Amsterdam uraufgeführten Oper steht nicht Orpheus, sondern Eurydice im Mittelpunkt der im Hier und Jetzt spielenden Handlung. Eurydice lernt Orpheus im Zug kennen, sie verlieben sich, aber Eurydice hat schon viel erlebt, große Liebe und große Verluste. Sie sehnt sich nach Pluto, dem Gott des Todes. Wird es Orpheus gelingen, Eurydice für die Welt der Lebenden zurückzuholen und wie entscheidet sie? Ein hochspannendes Werk, das bei der Uraufführung in Amsterdam und bei der österreichischen Erstaufführung an der Neuen Oper Wien von Publikum und Presse begeistert aufgenommen wurde.

1. Reihe: Georg Heckel (Generalintendant), Gesine Geppert (Leitung Sparte 7) 2. Reihe: Petra Bohlen (Leitung Niederdeutsches Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater e.V.), Reinar Ortmann (Schauspieldirektion / Leitender Dramaturg) 3. Reihe: Matthias Grön (Leitung Junges Staatstheater), Hanna Puka (Leitung Theatervermittlung), Stefan Schmidt (Orchesterdirektor) 4. Reihe: Milena Paulovics (Schauspieldirektion / Leitende Regisseurin), Telse Hahmann (Referentin des Ballettdirektors und Ballettdramaturgie), Antoine Jully (Ballettdirektor und Chefchoreograf)
Natürlich dürfen auch Opern aus dem gängigen Kanon der Hitliste nicht im Spielplan fehlen. Generalintendant Georg Heckel inszeniert Mozarts Zauberflöte unter der Leitung von Vito Christofaro. Mozarts vielschichtige Oper, die sich in Ihrer Mischung aus Volksstück und Märchen immer großer Beliebtheit beim Publikum erfreut, bietet mit ihren humanistischen Aussagen verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Premiere ist am 15. Mai 2027.
Und am 12. Juni 2027 folgt mit Fidelio in einer halbszenischen Aufführung noch ein Werk des Humanismus. Vera Nemirowa wird diese Produktion erarbeiten, erweitert durch ergänzende Texte, die nicht nur den Gegensatz von Gut und Böse, sondern auch die Verführbarkeit, die menschliche Schwäche, Zweifel und Mitläufertum in den Fokus der Erzählweise nehmen. Sicherlich eine hochspannende Produktion, die den Zuschauer zur Selbstreflexion auffordert. In den heutigen, politisch unsicheren Zeiten, eine große Herausforderung, nehmen doch totalitäre Systeme und Gewaltherschafft immer mehr zu.
Das Musiktheater beschließt seine Saison dann mit Ein wenig Farbe, einem Musical von Rory Six. Das zeitgenössische Musical setzt sich sensibel mit der Herausforderung einer trans Identität auseinander. Die Produktion wird im Kleinen Haus gezeigt.
Die Wiederaufnahmen bieten ein breites Spektrum vom Barock mit Händels Xerxes, über Rossinis Il Barbiere di Sevilla bis hin zu Cabaret, Im weißen Rössl und der Wiederaufnahme von Gurlitts Wozzeck, die am Ende der laufenden Saison, 29.05.2026, in der Regie von Georg Heckel Premiere feiert.
Ein abwechslungsreicher Spielplan, der für jeden etwas bietet, der allgemeingültige Fragen stellt, neue Betrachtungsweisen aufzeigt aber auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommen lässt.
Axel Wuttke, 25. Mai 2026
Premieren
LA FORZA DEL DESTINO Giuseppe Verdi
THE SOUND OF MUSIC Richard Rodgers
ORFEO ED EURIDICE Christoph Willibald Gluck
EURYDICE – DIE LIEBENDEN, BLIND Manfred Trojahn
DIE ZAUBERFLÖTE Wolfgang Amadeus Mozart
FIDELIO Ludwig van Beethoven
EIN WENIG FARBE Rory Six
Wiederaufnahmen
CABARET John Kander
XERXES Georg Friedrich Händel
IL BARBIERE DI SEVILLA Gioachino Rossini
IM WEISSEN RÖSSL Ralph Benatzky
WOZZECK Manfred Gurlitt