Wieder mit vielen Musikfreunden nach Heldritt in die Sommeroperette gefahren, um eine der schönsten Operetten der sogenannten Silbernen Operettenära, die wunderschöne Csárdásfürstin des ungarischen Erfolgskomponisten Emmerich Kálmán zu erleben. Es ist mit das bekannteste und erfolgreichste Stück neben Gräfin Mariza und Die Zirkusprinzessin, insgesamt hat er 21 Operetten geschrieben.
Die meisten werden den Inhalt der Operette kennen, die Geschichte Edwins, des Sohnes des Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim, der sich unsterblich in die reizende Chansonette Sylva Varescu verliebt. Nachdem diese auf eine längere Tournee gehen will, zwingt er sie förmlich mit seinem schriftlichen Heiratsversprechen zum Bleiben. Ihm ist die höfische Etikette egal, er liebt Sylva trotz aller Widerstände. Seine Eltern, die natürlich strikt gegen die Beziehung mit einer Tingeltangel-Sängerin sind, haben jedoch schon Verlobungskarten von ihm mit Komtesse Stasi gedruckt, die ihm seit Kindheit versprochen ist. Diese Karte kommt Sylva in die Hände und sie fährt überstürzt und total enttäuscht nun doch auf die Tournee. Wenige Tage vor Ablauf der schriftlichen Heiratsfrist erscheint sie bei Edwin und gibt sich als Frau seines Freundes Graf Boni aus. Edwin, der sich schon fast in sein Schicksal mit Komtesse Stasi abgefunden hat, glaubt nun seine, von ihm nach wie vor geliebte, Sylva nach der Scheidung als geschiedene Gräfin heiraten und seiner Familie vorstellen zu können. Nachdem sich zwischenzeitlich Boni in Stasi verliebt hat, erscheint alles sehr einfach. Doch dann gibt sich Sylva als Chansonette zu erkennen, da sie sich, um den Standesdünkel aufzuzeigen, verstellt hat. Sie verlässt Edwin und reist ab. Dieser jedoch kann nicht von ihr lassen und als sein fürstlicher Vater erfährt, dass seine eigene Frau, die Kupfer-Hilde vom Varieté ist, die sich hochgeheiratet hat, gibt er seinen Widerstand auf. Sylva und Edwin sowie Boni und Stasi finden endlich zueinander.
Mit der Auswahl und Darbietung des Stückes hat der neue Vorsitzende der Coburger Operettenfreunde Rainer Möbus, der dem bisherigen Intendanten und Vereinsvorsitzenden Harald Wurmsdobler nachfolgt, der nach acht äußerst erfolgreichen Jahren in Heldritt, aus beruflichen Gründen in diesem Frühjahr auf eine erneute Kandidatur verzichtete und den Stab weitergab, ein gutes Gespür bewiesen. Wir wünschen Rainer Möbus mindestens den gleichen Erfolg, wie ihn Harald Wurmsdobler in den vergangenen erfolgreichen Jahren verzeichnen konnte. Mit dieser Operette hat er eine tolle Aufführung auf die Bretter gestellt, überwiegend klassisch inszeniert, worauf ich noch eingehe, spritzig, schwungvoll, mit hervorragenden Solisten und wie man es in Heldritt gewohnt ist, passt auch alles weitere, von der tollen Bewirtung, bis zum Bühnenbild, den Kostümen, der Einstudierung, dem Chor, dem Orchester, dem Dirigenten, den unzähligen ehrenamtlichen Helfern, ohne die man so etwas nicht stemmen könnte und was halt sonst noch alles zu einer erfolgreichen Aufführung gehört.

Wie ich bereits kurz erwähnte, ist es typisch für Heldritt, dass hier die Ehrenamtlichkeit einen ungewöhnlich hohen Stellenwert hat. Ohne die vielen Helfer, die teilweise ihren Urlaub opfern, könnte man eine solche Serie von Aufführungen nicht auf die Bühne bringen. Eine verschworene Gemeinschaft, bei der jeder zupackt, wo es zwickt, wo jeder ein kleines toll funktionierendes Rädchen ist, wo alles ineinandergreift und am Schluss einfach ein tolles Ergebnis steht. Und auch, wenn ich mich hier jedes Jahr wiederholen mag, man muss diesen, weit über das normale Maß hinausgehenden tollen Einsatz einfach ansprechen. Dadurch ist die Sommeroperette Heldritt eine ganz besondere Adresse mit einem ganz besonderen Flair. Hier ist es einfach gemütlich, hier macht es einfach Spaß hinzukommen und hier fühlt man sich einfach wohl wie in einen großen Familie. Alles macht mit, der Heimatverein Heldritt, der Obst- und Gartenbauverein, der Gesangsverein, die Feuerwehr, und viele weitere. Alle sind mit vollem Eifer und vollem Einsatz dabei, alle kümmern sich, jeder hilft jedem und alle sorgen gemeinsam für einen reibungslosen Ablauf. Von all diesen Mühen, Einsätzen und Arbeiten, bekommt das Publikum kaum etwas mit und so wollen es die Verantwortlichen auch. Und man sorgt, neben dem musikalischen Vergnügen, auch für das leibliche Vergnügen. Regionale Leckereien werden angeboten, Coburger Bratwürste natürlich, belegte Brötchen jeder Geschmacksrichtung und vieles mehr, so dass man bald nicht mehr weiß, was man noch zu sich nehmen kann, ohne nicht erhebliche Figurprobleme auf sich zukommen zu sehen. Ich mache es ganz einfach, bei meinen Besuchen in Heldritt, blende ich das Gewicht einfach aus, schlemme, was das Zeug hält und was hineingeht und wiege mich ganz einfach ein paar Tage nicht mehr. Auch so kann man Probleme lösen.
Außerdem tut der Verkauf natürlich auch der Vereinskasse gut und da will man doch auf jeden Fall auch mithelfen. So etwas wie in Heldritt, findet man sonst fast nicht mehr und das ist auch ein Grund, warum ich mich jedes Jahr aufs Neue wieder über einen Besuch der Operettenbühne freue und daneben kann und sollte man natürlich auch die tollen Aufführungen der Waldbühne Heldritt mit Komödien, Krimis, Märchen nicht versäumen. Nach Abschluss der Theatersaison übernimmt dann jeweils die Sommeroperette Heldritt die Waldbühne.

Man hat mit Die Csárdásfürstin eine unterhaltsame, spritzige, mit vielen wunderschönen Melodien versehene Operette auf die Bühne gebracht, die von ausnahmslos tollen Sängern dargeboten wird.
Regie führt Frau Rita-Lucia Schneider und man kennt sie in Heldritt. Mehrere Inszenierungen (Die schöne Galathee, Salon Pitzelberger, Die Drei von der Tankstelle und Im weißen Rössl) hat sie sehr erfolgreich in Heldritt abgeliefert. Auch als hervorragende Darstellerin ist sie wieder dabei. Was mir und einigen meiner Freunde aber überhaupt nicht gefallen hat, ist gleich zu Beginn das Abschiedsfest von Sylva Varescu, bevor sie über den großen Teich verschwindet. Und hier hat man meiner Meinung nach dem Pferd etwas zu viel Zucker gegeben. Alles war lustig, schwungvoll, voller Leidenschaft, aber nur dann, wenn man die Augen zugemacht hat. Ich frage mich allen Ernstes, was das in einer der schönsten Operetten Kálmáns zu suchen hat. Hier tummelt sich eine sogenannten queere Gesellschaft aus durchgeknallten Teilnehmer, die in Mieder und Strapsen versuchen, dass auszuleben, was ihnen im wirklichen Leben scheinbar versagt bleibt. In einer solch schönen Operette ist mir das einfach völlig unpassend. Will man die Berliner Szene des Christopher Street Days nach Heldritt holen? Na, hoffentlich nicht. Dieser Teil der Inszenierung war für mich persönlich in keinster Weise nachvollziehbar, schwer tolerierbar und weit unter dem normalen Geschmack, hat eine Regisseurin denn so etwas nötig? Gut, vielleicht bin ich zu altmodisch, aber ich liebe die Operette, mein ganzes Leben lang und da brauche ich so etwas wirklich nicht. Der Anteil dieser Gesellschaftsschicht beträgt in Deutschland etwa 7 bis 10%. Und die wird hier groß herausgestellt. Die weitere Inszenierung war tadellos, so, wie man es von Frau Schneider erwartet.
Für das einfache, aber sehr überzeugende und stimmige Bühnenbild sind Elke Schlottermüller und Friedhelm Wölfert, ein ganz erfahrener Profi der alten Schule in Heldritt, der auch die technische Leitung, gemeinsam mit Joachim Wölfert hervorragend innehat verantwortlich, ebenso wie die Kostümbildnerin Kathrin Younes. Knallig bunt, tolle Einfälle, sehr hübsch zum Ansehen, optische Hingucker. Alles scheint ständig auf der Bühne in Bewegung zu sein, alles voller immensem Schwung, alles tut den Augen gut, die dies aufnehmen und dabei manchmal Probleme bekommen, so schnell und vielseitig wechselt hier alles. Hervorragend auch die einfach nur klasse durchgeführten Tänze, Stepptänze, alles hinreißend auf die Bretter, die die Welt bedeuten gebracht. Die Choreographie liegt in den bewährten Händen von Michael Zallinger, der daneben auch noch die Rolle des Boni übernommen hat. Ja, wenn man den Beginn etwas vergisst, kann man sich richtig hineinlegen in den Klangteppich der tollen Musik und dem, was da so alles auf der Bühne passiert. Ein wundervoller Nachmittag bei schweißtreibenden 37 Grad, eine Herausforderung für die Zuschauer, aber noch viel mehr für die agierenden Künstler auf der Bühne. Beneidenswert, wie sie diese Leistung bei diesen hohen Temperaturen scheinbar mühelos schaffen. Ein Bravo auch hierfür. Die Maske hat Sandra Müller ohne Fehl und Tadel übernommen und obwohl ich das auch schon mehrfach gesagt habe, möchte ich es wiederholen. Wir haben hier eine kleine private Bühne vor uns, die keine riesigen Subventionen einstreicht, sondern von einigen Sponsoren (herzlichen Dank an diese) und den Zuschauereinnahmen lebt. Dafür hat sie ein Niveau erreicht, was man an vielen der großen Bühnen, die nicht auf jeden Pfennig schauen müssen, vermisst. Verstecken muss sich die Waldbühne Heldritt mit Sicherheit vor keiner der großen Bühnen.
Licht und Ton liegen in den erfahrenen Händen von Florian Hornung, er jongliert damit mehr als professionell und ist der Leuchtturm auf der Bühne. Ob ganz vorne, oder ganz hinten, überall muss man hören, was auf der Bühne abgeht und dass dies alle mitbekommen, dafür sorgt er vorzüglich.
Der aus einheimischen Laiensängern gestaltete Chor, der erstmals mit Studentinnen der Berufsfachschule Oberfranken verstärkt ist, ist mehr als beeindruckend und vor allem merkt man jedem einzelnen die Freude daran an, hier mit Leib und Seele mitzuwirken und zum Erfolg maßgeblich beizutragen. Die Leitung liegt bei Stefan Meier, der auch dieses Jahr eindrucksvoll sein Qualitäten zeigen kann und alles bravourös im Griff hat. Das Publikum zeigt mit prasselndem Beifall, dass es mehr wie zufrieden ist.
Das zwanzigköpfige Orchester, eigens für die Sommeroperette zusammengestellt, wird auch von etlichen Studentinnen der Berufsfachschule für Musik Oberfranken verstärkt. Es wird von dem Dirigenten, Orchestermusiker, Musikpädagogen und Komponisten, dem in St. Ingbert im Saarland geborenen Manuel Grund, der in diesem Jahr auch zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Coburger Operettenfreunde gewählt wurde, geleitet. Er hat sein verstärktes Orchester, hoch oben im Orchestergraben, gut im Griff, zupackend, energisch, aber auch zurückhaltend, gefühlvoll, damit die Sänger von keinem Klangteppich zugedeckt werden. Er lässt die wundervollen Melodien Kálmáns richtiggehend aufblühen und verzaubert damit auch den vollbesetzten Zuschauerraum, der es mit tosendem Beifall honoriert. Auch seinen Musikern merkt man die Freude, trotz der Hitze an, die herrlichen Melodien so zündend und stimmig zum Klingen zu bringen.

Jetzt aber zu dem, was für mich mit zur Hauptsache einer gut aufgeführten Operette gehört, zu den Sängern. Als Sylva Varescu erleben wir die aus Wien stammende Sopranistin Angelika Brandner. Und hier hat man bei der Rollenauswahl einen ganz tollen Glückgriff getan. Sie lebt die Rolle der Sylva richtiggehend aus, immer präsent, immer auf der Höhe der Inszenierung. Ihr schlanker, dennoch kräftiger und schöner vollmundiger Sopran füllt das Rund der Waldbühne bis in den kleinsten Winkel aus. Mit stimmlicher Leichtigkeit und durchschlagender Präsenz zieht sie die Herzen der Herren auf der Bühne an, sicher auch die einiger Herren im Publikum. Neben einer tollen Ausstrahlung besitzt sie auch eine sehr starke Bühnenpräsenz und verbindet sich auch in den Duetten mit ihrem kongenialen Partner. Dieser, der Fürstensohn Edwin, ist der in Tirol geborene und in Wien aufgewachsene Tenor Eugene Amesmann. Er besitzt einen strahlenden, ausdrucksstarken und beeindruckenden Tenor mit stilistischer Vielseitigkeit, der jede Nuance der Arien und Duette bis ins Kleinste auskostet. Mit seiner charmante Art, mit einer darstellerisch beeindruckenden Leistung, weiß er nicht nur Sylva, sondern auch das Publikum mehr als zu beeindrucken. Ihre beiden Stimmen schmelzen auch in den Duetten wohltuend zusammen. Beide Künstler geben eine tolles Debüt auf der Waldbühne in Heldritt. Da wünscht man sich mit Sicherheit ein Wiedersehen.
Graf Boni wird von dem quirligen, sympathischen Wiener Tenor Michael Zallinger mit Leidenschaft verkörpert. Er setzt seinen hellen, klaren und weichen Tenor stilvoll ein. Mit runder, klangvoller Stimme und darstellerischen Höhepunkten, weiß er sich publikumswirksam zu präsentieren. Darstellerisch ist er eine Kategorie für sich. Leidenschaftlich und voller Inbrunst verkörpert er den unfreiwilligen Gemahl, der doch so gerne die zukünftige Frau seines besten Freundes heiraten will. Dass er tanzen und steppen kann – und wie, ist ein weiterer großer Pluspunkt in seiner Darstellung. Wunderbar gelungen sind auch die Duette mit seiner Angebeteten. Diese, Comtesse Stasi, wird von der in Wien geborenen Sopranistin Paula Stöckelle verkörpert. Ein glockenreiner, geschmeidiger, höhensicherer und ausdrucksvoller, weicher Sopran lässt sie entsprechend brillieren und sie kann mit Feuer und Temperament nicht nur ihren Boni, sondern auch das Publikum auf ihre Seite ziehen. Den beiden zuzuhören und zuzuschauen, macht einfach nur Spaß. Und tanzen und steppen können beide einfach grandios.

Den altersweisen Freund und Berater Feri Bácsi verkörpert der aus Wilhelmshaven stammende Prachtbariton Michael Mrosek. Er überzeugt mit seinem druckvollen, markanten, samtigen und gefühlvollen Bariton. Ihn zu hören und zu sehen, ist immer wieder schön. Überzeugend auch in seiner Hingabe und Leidenschaft alles klären zu wollen und mit seinem angenehmen Timbre zu punkten.
Fürst von Lippert-Weylersheim wird unnachahmlich von einem Urgestein der Coburger Sommeroperette, dem aus Coburg stammenden Christian Engelhardt dargestellt. Eindrucksvoll bringt er den Übervater auf die Bühne, dem nichts wichtiger ist als die Tradition. Er tritt wahrlich als ein Alleinherrscher auf, um schließlich zu erkennen, dass seine eigene Familie mit Künstlerblut vermischt ist. Da endlich gibt er seinen Widerstand auf und wünscht seinem Sohn und Sylva alles Glück der Erde. Eine mehr als eindrucksvolle, im wahrsten Sinne des Wortes, Leistung.
Seine Gattin Anhilte von Lippert-Weylersheim wird von der Wienerin Rita-Lucia Schneider verkörpert. Und auch sie gestaltet diesen Part mehr als ausgezeichnet. Allein ihr Haarschmuck ist schon ein Hingucker und daneben schöpft sie die Rolle der ehemaligen Chansonette weidlich und voller Herzblut aus. Auch hier eine eindrucksvolle Darbietung.
Als Eugen Graf Rohnsdorf, erleben wir den frischgebackenen Vorsitzenden des Vereins Coburger Operettenfreunde e.V. Rainer Möbus. Der in Coburg geborene Unternehmer, Kommunalpolitiker und Hobbykünstler erinnert in seiner Rollengestaltung an den Film Der Pate. Er verkörpert den Gehilfen des Vaters von Edwin wie eine Parodie an einen Mafiaboss. Mit unbewegter Miene und dunkler Sonnenbrille bringt er eine tolle Rollengestaltung auf die Bretter.
Insgesamt kann ich nur sagen, dass diese knapp drei Stunden wie im Flug vergangen sind, das Publikum restlos begeistert ist und damit eindeutig zeigt, dass die vielgeschmähte Operette noch lange nicht tot ist und das auch nicht bei der größten Hitze.
Manfred Drescher, 17. August 2026
Die Csárdásfürstin
Operette von Emmerich Kálmán
Premiere: 13. August 2026
Besuchte Vorstellung: 15. August 2026
Regie: Rita-Lucia Schneider
Musikalische Leitung: Manuel Grund
Orchester, Chor und Ballett der Sommeroperette Heldritt