Köln: „Eröffnungskonzert der Oper Köln anlässlich der Wiedereröffnung“

Kaum mehr erwartet, nun aber doch Wirklichkeit! Die Bühnen der Stadt Köln sind nach 14 Jahren endloser Renovierung wieder an den Offenbachplatz zurückgekehrt. Dass damit die Kunst wieder im Zentrum der Domstadt ihren angestammten Platz eingenommen hat, ist in Zeiten einer nie für möglich gehaltenen Bedrohung humanistischer und demokratischer Werte und Überzeugungen ein ermutigendes, geradezu symbolisches Signal. Am letzten Wochenende, dem 19. und 20. September dieses Jahres, konnten die Bürgerinnen und Bürger Kölns und zahlreiche Besucher von nah und fern die wunderbar hergestellten Spielstätten in Augenschein nehmen.
Und der Andrang war riesig. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Eingang zum Foyer der von Wilhelm Riphahn zwischen 1955 und 1957 erbauten und nun sanierten Oper und zum Opernsaal, die im Glanz der ursprünglichen Farben, der originalen Lampen und der kostbaren Vertäfelungen neu erstrahlen. Eine Tour durch den Backstagebereich dokumentierte, dass die Kölner Oper zwar kein neues Gebäude ist, aber nun über eine hochmoderne Bühnentechnik verfügt, die nach den langen Jahren im spartanisch ausgestatteten Staatenhaus, der langjährigen Interimsspielstätte, ungeahnte Möglichkeiten für Inszenierung und Regie bereit- stellt. Ein Juwel schließlich ist die neu erbaute Kinderoper, in die man vom Eingangsfoyer über zwei elegant geschwungene Treppen acht Meter tief hinabsteigt, um dort vor der goldenen, Magie und Zauber verheißenden Rückwand des kleinen Opernhauses für die Kinder zu stehen.
Renovierung und Neubau der vier Spielstätten – das Schauspiel hat noch einen zusätzlichen Theatersaal erhalten – haben viel Geld verschlungen. Zählt man die Kosten für Kredite und die verschiedenen Ausweichspielstätten hinzu, so ergeben sich fast 1,5 Milliarden Euro. Nicht zuletzt schwere Planungsfehler, so Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, haben zu dem dramatischen Preisanstieg geführt. Und so gab es auch auf dem Offenbachplatz einige wenige Protestschilder von Besuchern, die auf  die exorbitanten Preissteigerungen aufmerksam machen wollten.
Die Stimmung der in die Tausende gehenden Besucherinnen und Besucher war indes eine andere. Die Freude, die Spielstätten wieder „zurückzuhaben“, war riesengroß. Da wollte auch Petrus kein Spielverderber sein und beschenkte die Feiernden zumindest am Samstag mit einem strahlenden Spätsommertag. Auf der Außenbühne auf dem Offenbachplatz bot ein Nonstop-Programm von Oper, Schauspiel sowie Beiträgen von Schulen und kulturellen Organisationen der Stadtbezirke beste Unterhaltung. Höhepunkt am Sonntag war sodann das Eröffnungskonzert in der Oper, das nicht nur im Haus selbst, sondern auch auf dem überfüllten  Offenbachplatz bei der Liveübertragung begeistert aufgenommen wurde.  
Unter der Leitung des Generalmusikdirektors Andrés Orozco Estrada brannten das Gürzenich Orchester Köln, der in wunderschöne Kostüme gekleidete Chor der Oper Köln und Mitglieder des Ensembles ein Feuerwerk bekannter und beliebter Opernmelodien ab, die von der WDR-Moderatorin Sabine Heinrich launig eingeführt wurden.
Deutlich wurde wieder einmal, über welch wunderbare Sängerinnen und Sänger die Kölner Oper verfügt. Der Tenor Young Woo Kim und der Bariton Insik Choi sangen das berühmte Duett aus Bizets Oper Die Perlenfischer einfach hinreißend und standen ihren berühmten Vorgängern Jussi Bjoerling und Robert Merrill in nichts nach. Kölns gefeierte Mezzosopranistin Adriana Bastidas-Gamboa begeisterte in ihrer Paraderolle als Carmen und Emily Hindrichs sang mit leuchtender Stimme Puccinis wohl bekannteste SopranarieO mio babbino caro  aus seiner einaktigen OperGianni Schicchi. Bariton Wolfgang Stefan Schwaiger ist die Rolle des umtriebigen Figaros bei der halsbrecherischen Arie Largo al factotum aus Rossinis Oper Il barbiere di Siviglia wie auf den Leib geschrieben. Als Young Woo Kim dann Lehars Ohrenwurm Dein ist mein ganz Herz und Insik Choi das Torrerolied Toréador, en garde aus Bizets Oper Carmen anstimmten, wollte der Beifall im Saal und auf dem Offenbachplatz nicht verstummen. Natürlich durfte auch das Trinklied Libiamo ne’lieti calici (Brindisi) aus Verdis Oper La traviata nicht fehlen, nachdem zuvor der Chor der Oper Köln den berühmten Gefangenchor aus Verdis Oper Nabucco Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen) stimmgewaltig und ungemein klangschön hatte ertönen lassen. Riesiger, nicht enden wollender Beifall belohnte alle Mitwirkenden des Konzerts. Der Kölner Oper möchte man für die Zukunft im Haus am Offenbachplatz  in Anlehnung an Verdis bekannteste Chorkomposition ebenfalls eine Ära auf goldenen Schwingen wünschen, in der Musik und Gedanke unbeschwert ihren Flug nehmen mögen.
Im zweiten Teil dieses stimmungsvollen Eröffnungskonzerts gab es  im Zusammenspiel mit dem Gürzenich Orchester den Auftritt der Kölner Kultband Kasalla, die dann am späteren Abend auch auf der Außenbühne den Besucherinnen und Besuchern auf dem Offenbachplatz ihre Hits präsentierte.

Norbert Pabelick, 21. September 2026


Eröffnungskonzert der Oper Köln
Oper Köln
20. September 2026

Musikalische Leitung: Andrés Orozco Estrada
Gürzenich Orchester Köln